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  • Day4

    Im Angesicht der Kuhrischen Nehrung

    July 10, 2019 in Lithuania ⋅ 🌧 13 °C

    Wir haben uns entschlossen, nicht direkt auf die Kuhrische Nehrung zu fahren, sondern gegenüber Halt zu machen und mit dem Boot überzusetzen. Unseren heutigen Halt erreichen wir nach nur 140 km Fahrweg. Venté liegt auf einer Landzunge und ist sicher eine der schönsten Ecken in Litauen. Der Platz ist klein aber perfekt ausgestattet, die Betreiber bieten eigene Bootstouren an zur Nehrung.
    Meine erste Begegnung ist etwas seltsam. Eine Gruppe - wie mir scheint -ewig Gestriger ist gemeinsam mit mehreren Wohnmobilen angereist. Sie scheinen auf der Suche nach ihrer alten Heimat. Zunächst stehen sie auf dem Platz auch als Gruppe zusammen und es werden Zettel verteilt. Ich erkenne ziemlich schnell, dass es sich dabei um Liedtexte handelt. Es ist das "Ännchen von Tharau". Das Lied erzählt die Geschichte der Anna Neander, die aus der Nähe von Kalininingrad (Königsberg) stammte. Leider scheinen die Gestrigen die Vergangenheit so ziemlich verdrängt zu haben, denn sie sind alles andere als Textsicher und selbst mit dem Text in der Hand hapert es erheblich an der Melodie. Ich ziehe Augen rollend von dannen.
    Auf dem Platz in Venté bleiben wir drei Tage. Zuerst erfahren wir, dass die Fähren auf die Nehrung von dort nicht jeden Tag fahren, das nächste Mal erst am Samstag. So gehe ich Freitag früh zunächst Joggen und versuche im nahegelegenen Ort ein paar Brötchen zu ergattern, unser Brot ist alle. Leider bleibe ich erfolglos. Ich erfahre, dass es Brot erst ab 10 Uhr gibt und kehre mit ein paar Hotdogbrötchen heim. Geht auch.
    Auf dem Platz lernen wir Petra und Michael aus dem Vogtland kennen, die ihren Urlaub im Baltikum verbringen und nicht sehr viel Zeit haben. Erfahrene Camper.
    Wir machen auch die Bekanntschaft von Julia und Daniel mit ihren beiden Kindern. Sie wollen auf die Nehrung weiter und haben sechs Monate Zeit für eine Tour um die Ostsee.
    Der Platz ist einer der vollsten, den wir während unserer Reise erleben werden. Insbesondere am Samstag, der Tag, an dem die Fähre überfährt, kommen viele auch Einheimische und nutzen die Gelegenheit für eine Tagestour auf die Nehrung. Dann ist jeder Platz belegt und es kommen jede Menge Zelte hinzu. Das Hotel, das zum Platz gehört, bleibt während der Zeit fast vollkommen leer, obwohl es mit Sauna und Schwimmbecken ausgestattet ist. Zum Baden bleibt es zu kühl, aber wir gehen Muscheln sammeln und spazieren und gewöhnen uns so langsam ans Camperleben. Auch daran, bei 10 Grad morgens, in Badeschlappen über den Platz zu laufen in Richtung Dusche.
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