Joined September 2018 Message
  • Day12

    Quer durchs Land

    August 7 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    4 Uhr ist das neue Morgen. Um 5 schleiche ich in die Küche und koche Kaffee. Möglichst leise packe ich das nasse, schlammige Zelt ein. Eigentlich warte ich mit dem Abbau immer bis es etwas lauter auf dem Platz ist. Aber heute will ich früh los. Um 6:45 Uhr verlasse den Platz.

    Es geht weiter an der Flensburger Förde lang. Erst ein Stück Landstraße, dann durch den Wald. Hier war ich schon am ersten Tag meiner Reise. Ich erinnere mich an eine grandiose Abfahrt, die ich das Rad jetzt hochschiebe - zu rutschig ist der sandige, aufgeweichte Untergrund. Ich erinnere mich auch an eine fiese Steigung, die ich jetzt vorsichtig in die andere Richtung runterrutsche. Jetzt bin ich definitiv wach.

    Statt zurück Richtung Padborg geht es heute nach Flensburg. Ein letzter Blick auf das Wasser, dann an dem kleinen roten Grenzhäuschen vorbei. Der Zöllner prostet mir mit seinem Kaffee zu.

    Es geht wieder bergauf, aber dafür wartet eine tolle Abfahrt auf mich. Ich rausche durch Flensburg. Erst am Busbahnhof bremst mich eine rote Ampel.

    Ich bekomme den Zug um 8.15 Uhr nach Hamburg. Vorher ist Zeit für einen Kaffee. Im Zug wickel ich mich in den Schlafsack und schmiede Pläne was ich gerne essen möchte. Etwa acht bis zehn Stunden Regionalverkehr warten auf mich. Die Umstiege sind schon knapp. Dafür bin ich viel früher zuhause als wenn ich den für morgen abend gebuchten IC nehme. Da wäre ich erst nachts um 2 angekommen.

    Es ist unheimlich voll. Super, dass es im Norden so riesige Fahrradabteile gibt. Ich schaffe alle drei Umstiege, aber nur, weil ich das Rad die Treppen runtertrage und die Rolltreppe nutze. Mit dem Aufzug keine Chance.

    Ca. 850 Kilometer habe ich zuhause auf dem Tacho. Ich habe es wieder nicht geschafft mit heilen Beinen nach Hause zu kommen. Ich werde wohl in nicht so scharfkantige Pedalen investieren. Und in einen anderen Lenker. Meine Hände sind zwar noch taub und die kleinen Finger kann ich nicht Strecken, aber es war zum Schluss nicht mehr so schlimm wie am dritten vierten Tag, als ich dachte deswegen abbrechen zu müssen. Der Rest der Ausrüstung hat sich bewährt. Ich hatte nichts überflüssiges mit, außer dem Reparaturzeug war alles in Verwendung. Nur die Spiegelreflex bleibt das nächste Mal daheum. Ich denke zudem darüber nach, künftig den dicken Schlafsack mitzunehmen. Dann brauche ich eine andere Taschenlösung.

    Mir hat der Ostseeradweg in Dänemark super gut gefallen. Die Beschilderung war fast immer eindeutig, aber eine Karte (bikeline) lohnt sich. Hauptsächlich ging es über gut ausgebaute Radwege, die Strecke ist abwechslungsreich. Wasser war immer in der Nähe. Das Campingplatz-Netzwerk ist super, wenn auch teurer als an der Westküste. Ich habe mittags zur Sicherheit reserviert, wenn es nur einen Campingplatz am Ziel gab. Außer auf Æro war es aber nie notwendig. Es gibt aber überall auch Shelter und Naturplätze. Die generelle Infrastruktur ist super.

    Im Vergleich mit dem dänischen Nordseeküstenradweg ist es jedoch sehr viel voller. Es sind viele Bikepacker unterwegs (Sommerferien). Die fahren aber alle die von Bikeline vorgeschlagene Richtung. Rückwärtsfahren geht aber definitiv. Trotzdem ist es super idyllisch und nicht überlaufen.

    Ich freue mich jetzt am meisten auf ein frisches, weiches richtiges Handtuch und darauf meine nassen (und unangenehm riechenden) Schuhe auszuziehen. Bevor ich dann mit tollem Essen auf das Sofa falle, muss ich mich aber leider noch um die nassen Sachen kümmern. Morgen ist dann Zelt- und Radwaschtag.

    Mein nächstes Projekt ist noch offen. Die Ostsee hat mir viel besser gefallen als gedacht. Vielleicht geht es in Richtung Polen. Aber Reiseplanung ist ja immer schon ein Teil des Abenteuers.

    Schön, dass ihr mich auf meiner Tour begleitet habt. Und, dass ihr die Autokorrektur ertragen habt. ;)

    Und falls du noch zögerst: einfach machen!
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    Schön war die Reise mit dir! Genieße Heimat und Bett! Freue mich auf die nächsten Berichte! ❤️ [Sarah K.]

    8/8/21Reply
    Sanne P

    Du hast echt wahnsinnig viel geschrieben und toll erzählt. Danke dafür😏 Bis zum nächsten mal

    8/8/21Reply
    cornl koki

    ich habe gerne mitgelesen und im Geiste bis

    cornl koki

    bildhaft gute Vorstellungen gehabt. Dank deiner sehr plakativen Ausführungen. Ich glaube es sehr, dass der heimelige Komfort sehr zum Luxus die ersten Tage wird. Freue mich auch auf neue Touren.

     
  • Day11

    Heimwärts

    August 6 in Denmark ⋅ ⛅ 19 °C

    Um 4 Uhr bin ich hellwach. Ich ziehe an den Strand. Das Wasser ist mir noch zu dunkel und unheimlich zum Schwimmen. Kaffee und beobachten, wie die Welt langsam heller wird. Ich gehe schwimmen und frühstücke direkt am Strand.

    Um halb 9 bin ich reisefertig. Bestimmt hätte ich die frühe Fähre auch geschafft, aber ich bin kein großer Fan von Stress am Morgen. Ich vertrödle die Zeit im Hafen. Rein zufällig lande ich beim Bäcker... ;) Ich bin unruhig, ich will auf den Radweg.

    An der Fähre (die fährt übrigens rein elektrisch) treffe ich einen Bikepacker aus Kopenhagen. Er will die Westküste hochfahren. Seine erste Tour. Wie ich damals. Ich warne ihn vor den Sandlöchern auf den Radwegen. Die Østerrøute ist mit den super Radwegen kein Vergleich dazu.

    Heute geht es über Sonderborg und Rinkæs in Richtung Grenze, immer im Hinterland. Aber ich lasse mich überraschen.

    Ich muss mich ein wenig beeilen. Es ist viertel vor eins als ich in Fynshavn loskomme. Knapp 60 Kilometer liegen vor mir. Aber die Wege sind gut. Ich habe eine tollen Ausblick auf das Wasser. Das erste Mal schwitze ich wirklich. Vielleicht, weil es so warm ist. Vielleicht, weil ich mich so beeile.

    Nach 30 km erreiche ich Sonderborg. Ich finde ein kleines Café und gehe am Stadtstrand schwimmen. Brombeeren pflücken. Dann geht es rauf nach Dybbøl. Hier wurde 1864 die Grenze umkämpft. Deutschland gewann, später ging der Teil zurück an Dänemark.

    Herrliche Abfahrten. Ich komme schnell voran. Leider verpasse ich den letzten Supermarkt vor dem Campingplatz. Das heisst nach dem Zeltaufbauen eine Extrarunde für mich ins nächste Dorf.

    Die Gegend hier mag ich nicht so sehr. Es ist mir alles zu voll und zu laut. Im Supermarkt will ich nur schnell wieder raus. Draußen zucken die Blitze über den Himmel. Ich schätze, dass ich die vier Kilometer bis zum Campingplatz trocken und vor dem Gewitter erreiche. Ich verschätze mich. Obwohl ich mit knapp 40 km/h über die Landstraße hetze, holt mich das Wetter ein. Innerhalb von Sekunden bin ich klatschnass. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Der Regen schlägt wie Hagel in mein Gesicht.

    Ich warte das Gewitter bei einem Bier an der Rezeption ab. Dann dusche ich ewig, bis mir wieder warm ist. In der Küche koche ich heimlich (sie ist wegen Corona gesperrt). Eigentlich möchte ich Pfannkuchen mit Feta und Gemüse machen. Aber das Messer liegt im Zelt und draußen schüttet es. Ich mache also Blaubeer-Pfannkuchen. Das Gemüse gibt es morgen im Zug.

    Ich esse im Zelt. Der Regen strömt noch immer. Aber es wäre ja auch kein richtiges Camping, wenn Zuhause nicht alles klatsch nass und schlammig wäre. :)
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  • Day10

    Echte-Insel-Tag

    August 5 in Denmark ⋅ ⛅ 19 °C

    Æro ist nur mit dem Boot erreichbar. Deswegen sagen die Bewohner auch "echte" Insel. Erreichbar oder besser gesagt verlassbar ist sie nur, wenn man eine Kreditkarte (mit) hat oder so jemanden im Backoffice sitzen hat. In meinem Fall ist es Anne. Danke, Anne!
    Ich bin mir sicher, dass ich es auch ohne Ticket zurück aufs Festland gepackt hätte. Aber irgendwie habe ich Angst davor, dass der schimpfende Fährmann Dienst hat. Jedenfalls soll es ab morgen regnen und darum buchen wir das Ticket für Freitag.

    Aber noch mal von vorne:
    Ich wache mitten in der Nacht auf. Weil ich fast alles gewaschen habe, habe ich keine zweite Schicht an und friere ein wenig. Abends hatte ich die schlaue Idee eine Flasche mit warmen Wasser zu füllen und sie in den Schlafsack zu legen. (Die Idee war so lange gut, bis ich mich im Schlaf draufgelegt habe und die dünne Wasserflasche ausgelaufen ist.) Trotz Ohrstöpseln höre ich ein Schnarchkonzert auf dem engen Campingplatz. Da ich eh aufs Klo muss, stehe ich auf. Leise packe ich den Kaffee, den Brenner und den Schlafsack ein und gehe die paar Meter zum Meer. Die nächsten Stunde beobachte ich wie sich die Farben vom Himmel und Meer verändern. Das Wasser ist vergleichsweise warm und ich schwimme eine ganze Weile. Danach bin ich eiskalt und froh über die Idee, den Schlafsack mitgenommen zu haben.
    Ich trinke den besten Kaffee der ganzen Tour.

    Nach und nach kommen Menschen an den Strand. Ich döse vor mich hin, bewundere das Farbspektrum des Meeres. Irgendwann wird mir kalt und ich gehe frühstücken. Dann setzt der Regen ein.

    Bis 12 Uhr döse ich im Zelt und wäge das Tagesprogramm ab. Marstal im Süden der Insel reizt mich nicht. Jedenfalls nicht genug für eine 60-Kilometer-Tour. Ærøskøbing ist wirklich schön, aber dort war ich gestern schon so lange. Als es dann endlich aufhört zu regnen, fahre ich raus zum Leuchtturm und zurück über den Supermarkt. Zufälligerweise komme ich an einer Bäckerei vorbei. Ich suche mir einen ruhigen Strand und warte darauf dass die Sonne rauskommt. Das tut sie bald. Es wird richtig warm und ich genieße mein Picknick am Wasser.

    Auf dem Weg zurück gönne ich mir ein lokales Bier. Das Restaurant im Hafen ist voll. Ich wähle eine kleine Kneipe. Eckkneipen sind überall auf der Welt gleich. Die selben Gestalten am Tresen, die selben Rollen. Hier wird übrigens noch Indoor geraucht.

    Den letzten Abend auf den Inseln beschließe ich- ihr kennt mich - mit Nudeln. Ich überlege kurz in der gut ausgestatteten Küche zu kochen, aber es ist mir zu voll dort. Also packe ich den Brenner ein und erhitze meine Nudeln am Meer. Es ist richtig warm in der Sonne und ich sehe einem Fischer zu, der seine Reusen repariert. Aber irgendwie hatte ich heute zu viel Sonne und zu wenig Schlaf, darum geht es bald zurück zum Zelt.

    Morgen ist vielleicht die letzte Etappe. Es sind noch rund 80 Kilometer bis Flensburg. Aber ich glaube eher nicht, dass ich heute soweit komme. Die Fähre spuckt mich erst um halb eins am Festland aus.
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  • Day9

    Auf nach Æro

    August 4 in Denmark ⋅ ☀️ 17 °C

    Heute geht es quer über Langeland nach Rudkøbing. Der Radweg schlängelt sich entlang der Autobahn, später läuft er parallel, dort wo die Brücke über den Siø Sund geht. Ich habe mit Wind gerechnet aber heute ist er gnädig mit mir.

    Es geht am Lunkebugten vorbei hoch zum Thorø Sund. In Troense kaufe ich Kirschen an der Straße und rede lange mit einer Dänin, die in diesem tollen Ort wohnen darf. Rein nach Svendborg. Das kenne ich ja schon von der Hinfahrt.

    Der Plan ist einen guten Kaffee mitzunehmen und dann ein wenig zu bummeln. Eine Erinnerung an die Reise finden, ein Geschenk für Sarah. Doch der kleine Sicherheitsfanatiker in mir möchte erst das Ticket für die Fähre nach Æro kaufen.

    Das geht nur online und nur mit Kreditkarte. Ich rufe die Hotline an und mir wird geraten, es ohne Ticket zu versuchen. Guter Lösungsansatz. Ich entscheide mich es auf der nächsten Fähre zu versucht und sonst über Zuhause ein Ticket für die 3-Uhr-Fähre zubuchen.

    "You are so fucking lucky" brüllt mich der Fährmann an. Der Rest kommt auf dänisch, aber ich verstehe so viel, dass ich mit darf. Ich sitze am Deck in der Sonne und esse die Kirschen.

    Ærøskobing. Ein herrlicher kleiner Ort mit ein paar Lädchen und Cafés. Ich bekomme endlich meinen Kaffee und schlendere durch die Gassen. Ich sehe mir eine Ausstellung an und beschließe dann noch etwas zu essen, weil das Lokal so schön ist. Es gibt ein very, very vegetar Sandwich und ein lokales Bier. Noch ein Teilchen vom Bäcker und auf an den Strand.

    Fast 20 Kilometer noch bis zum Campingplatz, die ich ehrlich gesagt unterschätzt habe. In meinem Kopf waren es nur zehn. Es ist ziemlich warm und geht wieder einmal auf und ab. Bergauf drehen die Reifen auf dem Schotter durch. Ich merke das Bier von meinem späten Mittagessen.

    Einkaufen und einchecken. Ein super schöner kleiner Platz mit Gewürzen zum selber pflücken direkt am Wasser. Ich bekomme, wie telefonisch angekündigt, den allerletzten kleinen Platz. Der reicht mir und meinem Minizelt. Ich wasche Klamotten, damit ich saubere Wäsche für den Zug habe - da mag ich nicht riechen wie ein nasses Merinoschaf.
    Heute gibt es Salat. Ich bin sicher, dass ich Schafskäse gekauft habe, aber er ist verschwunden.

    Ich sehe mir noch den Sonnenuntergang am Meer an, dann wird es kalt und ich gehe schlafen. Das Wetter sagt Regen für Freitag an, also werde ich Freitag runter von der Insel, weiter Richtung Flensburg fahren. Morgen soll es schön werden. Vielleicht erkunde ich die Insel, vielleicht bleibe ich am Strand. Aber erstmal ausschlafen.
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  • Day8

    Ein Tag am Meer

    August 3 in Denmark ⋅ ⛅ 17 °C

    Ich werde wach als andere zum Angeln aufbrechen. 4.30 Uhr. Ich drehe mich hin und her, doch ich schlafe nicht wieder ein. Kaffee und Frühstück. Es nieselt ein wenig. Bleiben oder fahren? Der Bauch sagt bleiben. Zuhause ist eh keiner. Ich verlängere den Platz. Später muss ich auf einen anderen Stellplatz umziehen. Ich lege mich erstmal wieder hin und schlafe bis elf. Dann baue ich das Zelt sechs Parzellen weiter links wieder auf.

    Ich fahre landeinwärts zum Supermarkt, kaufe für mittags und abends ein. Strahlend wie ein kleines Kind stehe ich beim Bäcker vor der Auslage. Ich kann mich nicht entscheiden. Zurück zum Strand und ein Platz in den Dünen suchen. Jetzt kommt sogar die Sonne kurz raus.

    Das Meer ist glasklar aber eiskalt. Die Fähren kommen und gehen. Nach dem Essen beobachte ich Kormorane (falls es welche sind) und schon bald schlafe ich ein. Das war echt schön und klingt wahrscheinlich romantisch, aber als ich aufwache bin ich über und über mit kleinen Spinnen und Fliegen überseht. Es ist kühl geworden und ich ziehe meine Jacke an.

    Ich kämpfe mit dem Drang die Insel zuerkunden. Ich überlege auch ein paar Kilometer am Strand zum Leuchtturm zu laufen oder wenigstens mit dem Rad hinzufahren. Aber ich kann mich nicht aufraffen. Ich rede mir ein, dass das okay ist und schaue den Schiffen zu.

    Dann ist die Sonne wieder da. Das Meer schimmert türkis. Plötzlich sind auch andere Menschen da. Ich gehe noch mal schwimmen und genieße die Sonne noch ein wenig. Dann gönne ich mir eine kleine Pommes mit Ketchup und ein gezapftes Bier. Ich nehme noch ein lokales Craft-Beer mit zum Zelt. Ich bin müde vom Nichtstun.

    Der gekaufte Feta will heute noch gegessen werden. Also gibt es Salat zum Bier. Im Schatten wird es jetzt kühl.

    Heute gehe ich früh ins Zelt. Nachts schlafe ich schlecht und schaue lange in den klaren Sternenhimmel. Bei uns im Ruhrgebiet sieht man ihn so nie.

    Morgen geht es auf nach Æro. Das Wetter soll toll werden. Ich bleibe wohl ein wenig.
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  • Day7

    Jeder Meter zählt

    August 2 in Denmark ⋅ ⛅ 18 °C

    Ein Bad im Søndersø bei Maribo. Ich komme früh los. Eine Niederländer erklärt mir noch, dass ich als Frau nicht alleine reisen sollte. Dann breche ich auf. Ich erwarte viel Wind und unbefestigten Weg. Es geht südlich bis Rødbyhavn und dann an der Küste hoch bis Naksov.

    Und schon geht es los mit Regen und mit Schotter. Aber ich bin schnell versöhnt, weil der Regen nachlässt und der Feldweg von Bäumen gesäumt ist, die den Wind mildern. Mirabellen- und Apfelbäume über eine Distanz von 10 Kilometern. Ich fahre Slalom, aber die überreifen Früchte am Boden zerplatzen unter den Reifen und der Saft läuft an meinen Beinen runter. Ich esse reichlich, dann baden hinter Rødhavn. Ich seufze, die nächsten 40 Kilometer geht es am Strand lang und der Wind, wie sollte es anders sein, kommt von vorne.

    Ich kämpfe mich durch. Ich muss mich konzentrieren, auf dem Weg zu bleiben. Meine Knie tun weh und meine Hände werden müde. Jede Gelegenheit für eine Pause nehme ich dankbar an. Mein Ziel ist ein in der Karte markierten Imbissplatz. Aber als ich endlich ankomme, finde ich nur eine leere Wiese.

    - oh, hier ist Text verschwunden. Ich versuche es aus der Erinnerung noch mal -

    Rein nach Naskov. Der Fjord ist voller weißer Schwäne. Noch ein wenig Obst pflücken. Ich finde das einzige Café, aber keinen guten Kaffee. Einkaufen und noch zehn Kilometer bis zum Fähranleger raus. Ab auf die Fähre nach Langeland. Ein Feierabendbier an Deck.

    Noch ein paar Meter zum Campingplatz.
    Ich bekomme einen schönen Platz. Heute gibt es Pasta mit Pesto.

    Ein schöner Ort. Noch so wenige Kilometer und noch so viel Zeit bis zum Zugticket. Vielleicht freunde ich mich mit einer Rückreise im Nahverkehr an. Vielleicht bleibe ich auch noch ein wenig hier.
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  • Day6

    Falster und Lolland

    August 1 in Denmark ⋅ ⛅ 18 °C

    Ich bade im Meer und trödle herum. Gegen zehn komme ich los. In Vordingborg entscheide ich aus dem Bauch heraus abzukürzen. Ich lasse die Inseln Møn und Bogø aus und fahre direkt über die Brücke nach Falster.

    Nach dem Kampf mit dem Wind auf der Brücke bin ich warm. Auf Falster sind die Radwege toll, nahtlose Übergänge. Ich brauche nicht ständig bremsen, um das Material zu schonen und fahre, angetrieben von dem Gedanken an Kaffee, bis zu 40 km/h Richtung Stubbekøbing. Doch ich finde nicht was ich suche. Ich hänge noch etwas dran und fahre bis Hesnæs weiter. Ein Café im Hafen, empfohlen von einer Freundin. Ich kriege große Augen bei der Auslage. Zweites Frühstück.

    Den Rest des Tages geht es um die südliche Spitze von Falster rum. Immer am Meer lang. Der Wind lässt nach, es gibt nur wenig Steigung. Ich mache noch eine Badepause.

    Die kleinen Inseln sind übrigens voller Reiseradler. Man kommt kaum aus dem Grüßen raus. Aber ich habe immer noch niemanden gesehen, der in meine Richtung fährt. Kurze Gespräche, ein paar Tipps. Ich bin im Alleinmodus und singe laut vor mich hin.

    Ich erreiche Nykøbing. Erstmal ein borne Softeis. Born ist die Kindergröße, hat aber mit klein nichts zu tun. Die Stadt ist bestimmt schön und voller Leben. Heute am Sonntag wirkt sie eher trostlos und ich nehme, nach kurzem In-much-hinein-Horchen die Brücke nach Lolland. 30 Kilometer sind es bis zum Campingplatz in Maribo. Die letzten fahre ich sehr, sehr langsam gegen den Wind, der wieder auffrischt. 120 Kilometer waren es heute.

    Einkaufen, einchecken. Der Platz ist mit 170 Kronen eher teuer, dafür sauber und gepflegt. Ich gönne den Schuhen eine Runde in der Waschmaschine, mir eine lange Dusche. Neban ist eine Waldbühne. Das Konzert begleitet mich durch den Abend. Es gibt Pfannkuchen mit Salat und Feta und ausnahmsweise echtem Bier.

    Morgen geht es südlich um Lolland herum. Dann muss ich mit der Fähre nach Langeland. Aber bis jetzt habe ich den Fahrplan noch nicht entdeckt und ich weiß noch nicht, ob ich morgen noch übersetzen kann. So oder so eine entspannte Etappe mit rund siebzig Kilometern.
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  • Day5

    Kilometer beißen

    July 31 in Denmark ⋅ ⛅ 19 °C

    Mein Tag beginnt im Meer bei Nyborg. Ich dachte, morgens um sieben wäre ich hier alleine. Doch es herrscht schon reger Betrieb der Einheimischen, die ihr Morgenbad nehmen. Eine Dänin im Bademantel kommt mit dem Rad an den Strand. Wir kommen ins Gespräch. Sie lädt mich auf Toast und Eier ein. Leider kann ich nicht annehmen. Ich muss zum Bahnhof, meinen Zug nach Korsør bekommen.

    12 Minuten, 1 Station, 78 Kronen für mich und das Rad. Ich bräuchte die Taschen gar nicht abbauen, aber mit bekomme ich das Rad nicht die Stufen hoch. Zwei Rennradfahrer nicken beeindruckt.

    Ein paar Minuten später eine Vollbremsung. Fast hätte ich den kleinen Smørrebrød-Laden übersehen. Leider gibt es keine vegetarischen Brote. Mit viel Liebe bekomme ich ein Sandwich gemacht.

    Es geht durch den Wald. 47 Mücken gefällt das. Ich fahre über Nebenstraßen ein wenig im Hinterland. Bei Skælskør esse ich das Sandwich, schaue auf den Hafen, beobachte ein Fest, dessen Anlass mir verborgen bleibt.

    Heute ist es windig. Sehr windig. Der Wind kommt gefüllt immer von vorne. Die dunklen Wolken bleiben hinter mir. Ab und an komme ich ans Wasser. Der Weg führt über einen kleinen Trampelpfad direkt am Ufer. Eher für Mountainbiker ausgelegt, ich muss mich konzentrieren. Dann ein Gatter. Ich muss anhalten und ein Stück zurück, um es zu umfahren. Ich stelle mich beim Wenden des Rades ein wenig blöd an. Dann passiert es. Der Wind drückt das Rad um, es fällt auf die Seite. Die scharfkantige Pedale begrüßt mein Schienbein. Natürlich sind Wanderer in der Nähe, bieten Hilfe an. Ich bedanke mich und fahre beschämt weiter ohne mir den Schmerz anmerken zu lassen. Klar, ich bin müde, der Kampf mit dem Wind.

    Auf und ab bis Næstved. Kurz vor der Stadt ein Regenguss ohne Gleichen. Bevor ich die Chance habe, meine Jacke anzuziehen bin ich nass. Immerhin ist die Wunde am Schienbein jetzt sauber. Ich biete falsch ab und bin schon fast aus der Stadt raus bevor ich es merke. Der Regen stoppt, ich will nur in ein Café. Dann ein Diner. Ich kaufe Eis mit Streuseln und einen Kaffee. Der Lautsprecher plärt Elvis. Der Regen setzt wieder ein. Ich bleibe sitzen. Nass bin ich eh.

    Der Blick ins Wetter sagt Regen für die nächste Stunden. Ich beschließe weiter zu fahren. Eigentlich ist die Distanz zum nächsten Campingplatz zu groß und ich wollte in Næstved übernachten. Aber wenn ich ein Stück an der 22 lang fahre, müsste ich es schaffen. Ich buche den Campingplatz vor. Bei Wind und Regen geht es sturr an der Landstraße lang. Auf und ab, immer wieder Regengüsse. Immer dann, wenn ich einen Unterstand erreiche, hört er auf. Ich beiße mich durch die Kilometer. Zähle rückwärts bis ich kurz vor Vordingborg nach Ore abbiege.

    Ich dusche bis ich wieder warm bin. Nudeln und ein Eis. Nachts warte ich auf den angekündigten Sturm. Er bleibt aus oder ich schlafe zu fest. Die Hälfte des Weges ist geschafft.
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    Sehr unterhaltsam zu lesen, man ist quasi dabei! [Detlef]

    8/1/21Reply
     
  • Day4

    Erster bester Tag

    July 30 in Denmark ⋅ ⛅ 19 °C

    Heute wache ich den ersten Tag mit Wecker auf. Ich bin müde, bleibe noch liegen. Ich trödle ewig rum und quatsche noch eine Weile mit einer Radfahrerin. Sie kommt von Kopenhagen runter. Los komme ich heute erst um zehn. Dafür frühstücke ich direkt am Strand. Mein Plan steht: ich fahre nach Svendborg und trinke einen guten Kaffee. Dann entscheide ich, ob ich mit der Fähre nach ærø rübersetze und heim fahre oder weiter nach Nyborg fahre, um mit dem Zug nach Korsør zu gelangen und noch Falster, Lolland und Langeland mitzunehmen. Das Wetter, die kaputte Hand vs. freier Kopf und Glücksgefühl im Bauch.

    Heute verfolgen mich dunkle Wolken, aber es bleibt erstmal trocken. Nach zehn Kilometern komme ich gut gelaunt in Svendborg an und finde ein kleines Café. Hier in der Sonne fällt mir die Entscheidung leicht. Ich rufe die dänische Bahn an und melde mein Rad für die Zugfahrt über die Storebæltverbindung an. Ich will nicht auf den letzten Drücker rüber fahren, daher buche ich das Ticket für den nächsten Tag. Ich finde das wohl letzte freue B&B und bin wieder entspannter. Ein warmes Bett, trockene Wäsche und Schuhe klingen super.

    Die Entfernung nach Nyborg habe ich völlig falsch im Kopf. Ich kann ganz entspannt radeln. Vorher halte ich noch beim Bäcker an. Dänische Bäckereien sind wie Bonbonläden, nur besser. 15 Kilometer weiter finde ich eine kleine Bucht. Obwohl dunkle Regenwolken über mir schweben, mache ich Mittag am Strand und gehe schwimmen. So habe ich mir das alles vorgestellt :)

    Es geht weiter die Küste hoch. Ich verfahre mich ordentlich. Direkt an der Küste zufahren ist nicht möglich. Eigentlich ist die Beschilderung gut. Manchmal sind die Routen-Schilder jedoch zugewachsen oder fehlen. Ab und an weicht die Beschilderung auch von meiner Karte ab. Das hier alles gleich aussieht, macht es nicht einfacher. Ich finde die Route wieder. Und fahre, hauptsächlich im Hinterland, immer auf und ab. Ich sehe das erste Mal in meinem Leben Schweine auf einer grünen Weide. Das Bild ist für mich vollkommen ungewohnt und ich beobachte sie eine ganzen Weile. Ein paar Mal werde ich heute noch nass, aber kein Vergleich zu den Sturmfluten der letzten Tage.

    Ich bin jetzt ans Fahren gewöhnt, schneller unterwegs und fahre 30 km/h auf den Geraden. Aber meine "Berg"leistung wird nicht besser. Außerdem gibt es immer wieder einen grobporigen Asphalt, an dem meine Reifen zu kleben scheinen. Die Wege sind jetzt insgesamt sandiger und oft liegt viel Kies drauf. Einmal rutscht mir in einer Kurve fast das Hinterrad weg. Ich schaffe auf einer Abfahrt noch einmal 49 km/h, aber ich traue mich nicht mehr zu schnell so zu fahren. An einem Straßenverkauf, nach einer gefühlt endlosen Steigung, gönne ich mir ein kleines Eis für etwa fünf Euro.

    Nachmittags komme ich in Nyborg an. Ich hätte es wirklich noch locker rüber geschafft. Und das Wetter hat auch gedreht. Wahrscheinlich hätte ich meine Wäsche auch auf einem Campingplatz trocken bekommen. Aber so ist es auch gut. Ich fahre am Bahnhof vorbei und bezahle schon die reservierten Tickets. Fahrradkarten kosten hier fast soviel wie Personenfahrkarten.

    Das B&B wartet nicht mit Komfort auf. Ich gestehe aber auch, dass ich keine Beschreibung oder Bewertung gelesen habe. Nach zehn Absagen am Telefon habe ich das einzige B&B auf Booking gebucht. Ich schlafe im Grunde in einem einem winzigen Zimmer im Keller. Es wäre bestimmt größer, hätte man keine Küche miteingebaut. Im Vorraum ist eine weitere Küche für ein anderes Zimmer und eine Dusche. Gemeinschaftsbad habe ich irgendwie anders verstanden.
    Ich dusche schnell bevor die anderen Gäste kommen und wasche meine Wäsche in der Maschine. Schleudern auf 1400 Umdrehungen, damit auch alles morgen früh trocken ist. Alles andere breite ich in dem kleinen Raum aus. Ich verzichte aber darauf, das Zelt auszubreiten. Ich wüsste auch nicht wohin damit.

    Ich hätte gerne Pizza. Aber laut Google sollte ich besser etwas anderes essen. Ich fahre zum Strand und hoffe auf eine Imbissbude. Am anderen Ende der Stadt gibt es wirklich eine, jedoch ist sie geschlossen. Ich fahre ins Zentrum und schaue mir ein paar Karten von Restaurants an. Am Ende lande ich im Hafen in einem Imbiss. Ich genieße ein frisch gezapftes Bier und kaue lustlos auf meinem Burger. Ich habe gar keinen Hunger. Ein Spatz hüpft auf den Tisch und hilft mir.

    Auf dem Rückweg zum B&B setzte ich mich noch auf einen Steg in die Sonne. Das Wasser ist kristallklar und voll mit Feuerquallen. Am Horizont die riesige Brücke über die ich morgen mit dem Zug fahre.

    Im B&B falle ich ins Bett. Erster bester Tag.
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    Soooo schön. [Sarah]

    7/31/21Reply
     
  • Day3

    Nass, nass, nass

    July 29 in Denmark ⋅ 🌬 18 °C

    Der Tag startet perfekt. Um 6 Uhr schwimme ich im glasklaren Gamborg Fjord und trinke den ersten Kaffee auf dem Steg. Gegenüber auf den Inseln regnet es. Wenn man genau hinsieht, erkennt man den Regenbogen. Breit, fast wie ein Block.

    Das Zelt ist fast trocken, die Kleidung weiterhin nass. Ich schlüpfe in die Ersatzgardrobe. Um acht sitze ich auf dem Rad motiviert meine Tageskilometer runterzuspulen. Es regnet heftig. Aber ich komme nicht weit. Meine Kette spinnt, ich kann nicht mehr schalten. Mühsame Kilometer bis Assens. Ich finde einen Radladen, der mein Rad fertig macht. Ich bin durchnässt, mir ist kalt. Ich überlege meine Stimmung mit Pommes zu heben. Funktioniert nicht. Selten so schlechte Pommes gegessen. Immerhin finde ich eine Drogerie. Ich erkläre das Projekt Bambuszahnbürste und Zahnpastatabletten für gescheitert und kaufe eine normale Bürste und Zahnpasta. Die feste Seife hingegen funktioniert super.

    Mein Rad ist fertig und ich arbeite mich durch den Regen. Immer auf und ab. Es passiert nicht viel. Am Ende des Tages stehen 108 Kilometer auf dem Tacho. Denke ich. Die Werkstatt hat meinen Tacho resetet.

    Ich bin müde und friere. Ich nutze eine Regenpause und koche Nudeln. Morgen erreiche ich Svendborg. Von hier aus kann ich 500 Kilometer nach Hause abkürzen. Heute Abend ein verlockender Gedanke.
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