Liona Wollny

Joined September 2016
  • Day4

    Schulbesuch & Frauenrechte

    February 16, 2017 in India

    Heute hospitierten wir in der staatlichen Schule in Mamallapuram.
    Um das Folgende zu verstehen, sind ein paar grundlegende Worte zum indischen Schulsystem notwendig: In Indien gibt es ein stark ausgebautes privatisiertes Schulnetz und jeder der finanziell kann, schickt sein Kind auf eine gut ausgestatte Privatschule. Den staatlich finanzierten Schulen fehlt es an allem- sowohl an Material, als auch an ausgebildeten Lehrkräften. Das hat viel mit dem hier herrschenden Gesellschaftsverständnis zu tun. Die Kinder, die an diese Schulen gehen, kommen aus verarmten Verhältnissen und damit meist aus einer der unteren Kasten, denen egal mit welcher Bildung ein höherer Bildungsweg meist verwehrt bleibt.
    Genau an solch einer Schule waren wir also - und waren wirklich entsetzt. Der Unterricht sollte um neun beginnen und die Kinder warteten bereits, Schulleiter und Lehrer kamen eine halbe Stunde zu spät. Zwei Lehrer kamen einfach gar nicht. Bevor es los ging, putzten alle Kinder die Schule. Angekommen im Klassenzimmer trafen unsere Befürchtungen ein - keine Tische, keine Stühle, kein Material... aber dafür strahlend glückliche Kinder. Alle saßen auf dem Boden und versuchten der unausgebildeten Lehrkraft zu folgen. Thema: Feuer. Was braucht es damit es brennt? Sauerstoff-Sauerstoff-Sauerstoff. Die Lehrerin sprach die Lösung vor, die Kinder sprachen immer wieder nach. Eine mehr als veraltete Methodik. Hausaufgaben wurden abgehakt, aber nicht kontrolliert - die Lehrerin wirkte unmotiviert. Warum kein Experiment und handlungsorientierter Unterricht bei diesem spannenden Thema? In einer anderen Klasse lief es ein wenig besser, die Lehrerin gestaltete ihren Unterricht offener und kindorientierter. Dafür in der nächsten Klasse ein Schock: es gab einen Holzstock und dieser wurde zum Schlagen der Kinder verwendet. Es fiel schwer zu glauben und akzeptieren, was wir sahen und wir hoffen mit unseren folgenden eigenen Unterrichtsstunden, einen kleinen Schritt zu einem kindgerechteren Lehren und Lernen zu bewirken.

    Nach dem Mittagessen trafen wir uns dann mit Nassima, die sich für Frauen die häusliche Gewalt erleben, einsetzt.
    Sie ermöglicht ihnen eine Ausbildung zur Schneiderin und anschließend einen Job in ihrer eigenen Firma oder im projekteigenen Kindergarten/Vorschule. Dieser ist wichtig, damit die Frauen überhaupt arbeiten können und die Kinder gut aufgehoben sind. Alle leben und arbeiten zusammen - Hindus und Muslims aus jeder Kaste. Gewalt und Missbrauch ist ein Thema das jede Frau in Indien treffen kann. Ja - jeder hat davon gehört, aber glaubt mir, es ist etwas anderes, wenn man einem Menschen, der all das erlebt hat, dabei in die Augen blickt. Es scheint als hätten viele Frauen die selben furchtbaren Dinge erlebt: der Mann verliert seinen Job - verfällt dem Alkohol, schlägt die Frau immer und immer wieder. Die Kinder sehen zu und weinen. Warum sie nicht zur Polizei gehen? Man glaubt ihnen nicht oder verurteilt sie sogar, und das oft nötige Bestechungsgeld können sie ohnehin nicht zahlen und werden so nicht ernst genommen. Viele versuchten sich mehrfach umzubringen. Wir mussten mit den Tränen kämpfen und waren zutiefst berührt von der Offenheit uns gegenüber und ihrem zurück gewonnenen Lebensmut.
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  • Day3

    Indien Tag 2 - erster Dorfbesuch

    February 15, 2017 in India

    Nach einer kurzen Nacht und einem leckeren Frühstück direkt am Meer, liefen wir eine Stunde entlang am Strand bis zum Dorf Mamallapuram. Einige Tage zuvor gab es in der Nähe ein Ölunglück, sodass der Spaziergang ziemlich schreckliche Anblicke bot. Viele tote Schildkröten und Kugelfische lagen vergiftet und verklebt tot am Strand oder waren in Plastik verfangen. Dieses furchtbare, tödliche Plaste - überall wohin man schauen konnte, an diesem sonst doch so wunderschönem Ort. Wir wurden sehr nachdenklich und begannen unser eigenes Konsumverhalten zu überdenken. Schon am zweiten Tag also merkten wir - ja, Indien wird uns in vielerlei Hinsicht prägen.

    Angekommen im bunten Fischerdorf machten wir uns einen ersten Eindruck von der staatlichen Schule, an der selbst unterrichten werden. Hier wird gerade eine öffentliche Toilette gebaut und wir waren erstaunt darüber, dass das Bauen hier ein typischer Frauenberuf ist - ja allgemein all die körperlich anstrengenden Arbeiten werden meist von Frauen (aus den unteren Kasten) ausgeübt.

    Da Mamallapuram ein traditionelles Steinmetzedorf ist, liefen wir dann weiter zu riesigen Felsformationen, die früher als Modell für geplante Tempel dienten und beobachteten einige Steinmetze bei ihrer Arbeit.

    Später besuchten wir ein kleines indisches Lokal, in dem wir das typisch südindische Thali (Reis und Fladenbrot mit Gemüse in verschiedenen Soßen) probierten. Statt einem Teller wurde alles auf einem Bananenblatt serviert und statt Besteck sollten wir nun also mit unseren Händen essen, was sich als wirklich schwierig herausstellte. Alles war lecker aber unglaublich scharf, teilweise nicht essbar, was mich bisher bei dem Gedanken hier wohl nichts anderes zu finden, im Moment noch etwas verzweifeln lässt - also... drückt mir die Daumen, dass ich mich daran gewöhne.
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  • Day1

    Indien Tag 1 - Anreise

    February 13, 2017 in India

    Die kurze Nacht, der lange Flug und die Ungewissheit ob mit den Visa alles gut gehen würde, waren zwar anstrengend, aber bis zu unserer Ankunft in Chennai lief alles problemlos und wir wurden herzlich von Hannah und Brunhild empfangen.

    Dann auf dem Weg ins 2h entfernte Dorf Mamallapuram wollte uns Indien aber gleich zu Beginn zeigen: Hier läuft nichts wie geplant! Wir hatten mitten im Nirgendwo nachts um drei eine Reifenpanne. So standen wir also erstmal etwas hilflos auf der leeren Straße, doch die zwei Busfahrer hatten zum Glück am zweiten Bus einen Ersatzreifen und lösten das Problem gemeinsam mit Niels relativ zügig.

    Dann ging es endlich weiter. Eine halbe Stunde trennte uns noch von dem Hotel von Brunhilds Freund und damit von unserem lang ersehnten Betten, denn nach 20h Reise waren wir alle wirklich erschöpft.

    Und wieder gab es eine Überraschung - diesmal zauberte sie uns aber trotz der Müdigkeit ein Lächeln ins Gesicht. Viele Menschen waren gekommen, um uns mit traditioneller Musik, selbstgemachten Ketten, einer frischen Kokosnuss und einem freundlichen Lächeln willkommen zu heißen.
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