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  • Day36

    Eine gemütliche Radltour

    May 6, 2016 in Bolivia ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir haben überlebt, haben dem Tod ein Schnippchen geschlagen, sind ihm von der Schippe gesprungen.... und haben uns dabei nur einen Muskelkater in den Unterarmen eingefangen. Die Herausforderung des Todes: 15 Fahrräder für 13 mutige Touristen und 2 Guides. Unsere Waffen: Full-Face-Helmet, Sonnenbrille und eine große Portion Schneid.

    Ein Bus brachte uns, zwar noch nicht komplett genesen, aber guter Dinge und endlich wieder zu viert vereint, nach La Cumbre auf 4600m. Hier wurde jedem seine individuelle Herausforderung des Todes vorgestellt: Orchidee für Basti, Gurke für Chris, Belize für Jule und Birne für Annabelle. Die 4 Fahrräder waren schnell aufgezäumt und die Bremsen richtig eingestellt. Wir konnten uns todesmutig in unser Abenteuer stürzen: Die Death Road, 3600m Downhill Mountain Biking entlang von Schluchten mit 1200m Tiefe auf einer Straße, die an manchen Stellen gerade mal ein Auto breit ist.

    Zur Einstimmung erwartete uns eine Asphaltstraße, die sich recht steil in Richtung Yungas hinunter schlängelte. Unsere Guides schlugen ein ordentliches Tempo an, dem wir aber alle ohne Probleme folgen konnten. Windschnittig mit zusammen gekniffenen Knien und tief über den Lenker gebeugt heizten wir die ersten Höhenmeter hinunter. Wir hatten Glück. Schönes Wetter und kaum Wolken erlaubten uns einen gigantischen Blick auf die Berge, das Tal und die Straße.

    Wir hatten Blut geleckt und konnten die echte Death Road kaum erwarten. Für einen kurzen Snack und 8km Uphill stiegen wir nochmal kurz in unseren Begleitbus. Wir kamen uns ein bisschen schäbig vor, diesen Anstieg nicht selber zu radeln, aber heute waren wir einfach mal pure Adrenalin-Touristen.

    Auf der echten Death Road ging es zwar etwas langsamer, aber deutlich anspruchsvoller vorwärts. Die reine Schotterstraße erforderte das richtige Gespür für Geschwindigkeit und Fingerspitzengefühl mit dem Lenker und der Bremse. Außerdem herrschte auf der Straße Linksverkehr, d.h. abwärts fahrend mussten wir uns links halten, immer entlang des steil in die Tiefe stürzenden Abhangs. Glücklicherweise wurde die Straße aber kaum mehr vom normalen Verkehr genutzt, so dass wir quasi keinen Gegenverkehr hatten und an kritischen Stellen die ganze Straßenbreite nutzen konnten. Unsere Guides erklärten uns jeden Streckenabschnitt ausführlich, schlugen ein sportliches Tempo an, hielten die Gruppe aber ebenso gut durch passende Pausen zusammen.

    Neben der körperlichen Herausforderung hielt die Death Road aber auch eine atemberaubende Natur bereit. Ganz oben waren wir hochalpin gestartet. Schotter und Felsen prägten dort die Landschaft. Langsam wurde die Natur nun grüner und verwandelte sich in einen Urwald mit Wasserfällen und Bananenpalmen. Zuletzt tauchte auf einmal das Örtchen Coroico im subtropischen Tal. Ein letzter schnittiger Fahrradritt durch einen Fluss trennte uns nach ca. 4 Stunden Downhill vom Pool, Dusche und (Nach-)Mittagessen.

    Jule und Annabelle hatten es schon während der Fahrt gemerkt, aber nun gemütlich sitzend kündigte sich ein ordentlicher Muskelkater in den Unterarmen vom Lenker gerade Halten und Bremsen an. Chris versprach Linderung durch eine Massage, entlockte Jule aber nur Schimpfworte und Annabelle Tränen, die sie beide aber gerne hinnahmen, um wenigstens morgen wieder ordentlich zugreifen zu können, wenn wir zum Eisklettern gehen.

    Gegen 17:30 Uhr traten wir die Rückfahrt an. Wir hatten es gar nicht mitgekriegt, aber der Rest der Todesmutigen hatte schon ordentlich Einen sitzen, während wir wegen unserer morgigen Bergtour eher vorsichtig das Bier genossen hatten. 3.5 Stunden Partybus und wir durften nicht trinken! Cuba Libre aus der Plastikflasche, Trinkspiele, lautstark bei jedem Lied mitsingen und ein im Bus tanzender Guide, was für ein Abschluss für einen Tag, an dem wir gerade so dem Tod entronnen sind.
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