Juli 2018 - Oktober 2018
  • Day68

    Umsatteln in Houston

    October 6, 2018 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    Eine Woche bei erstaunlichem immer-noch-Sommer-Wetter in Velbert. Rührend umsorgt von Mama Christa. Nicht viel Zeit um den Nugget auszuräumen, neun Maschinen Wäsche zu bearbeiten, Impfungen, Frisör und ähnliches zu erledigen - und dann natürlich noch zu packen für die nächste Etappe!Read more

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  • Day60

    Moderne Dreistadt: Danzig Sopot Gdynia

    September 28, 2018 in Poland ⋅ 🌬 13 °C

    Danzig ist wunderschön! Die Rekonstruktionskunst hat die komplett zerstörte Stadt wieder auferstehen lassen.
    Doch lauert hier auch das nächste Politikum. Die Polemik um das Museum zur Geschichte des zweiten Weltkrieges wird zum Streit über das 'richtige' oder das 'falsche' Erinnern. Das Museum ist großartig! Jeder Betrachter der bewusst 'allgemeinen ' Perspektive der Ausstellung erkennt schnell die besonders tragische Rolle Polens, die sich wie ein roter Faden durch den Weltkonflikt zieht. Eine Zentrierung des Museums allein auf Polen wäre ein echter Verlust an Erkenntnisgewinn, wie ihn die jetzige Ausstellung bietet.
    Was gibt es zu Sopot und Gdynia zu sagen? Schöne alte Häuser in Bäderkultur, grässlicher Rummel im Ort selbst. Moderne Bauten als Skyline des Hafens, überhaupt eine unglaubliche Bautätigkeit im ganzen Land! Häuser, Büros, Autobahnen... Polen scheint ein wahres Wirtschaftswunder zu erleben. Wie passen dazu die rückwärtsgewandten Entwicklungen der Politik? Die nationalistischen Malbücher, die auf dem Marktplatz ausgestellten Schülerwettbewerbsergebnisse zum Thema' Was hat General Piłsudski großes für unser Land getan?'
    Das allgemeine Gefühl bleibt traurigerweise ungut bei diesem vierten Polenbesuch.
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  • Day60

    Kreuzzug im Osten - die Marienburg

    September 28, 2018 in Poland ⋅ ⛅ 13 °C

    Eine Nacht im Schatten der mächtigsten Ordensritterburg, die Klänge des dort abgehaltenen Konzerts direkt im Einschlafohr - das hat schon was!
    Über der architektonischen Schönheit des Ortes könnte man glatt vergessen, mit welch unerbittlichen Grausamkeit diese kämpfenden Mönche und ihre weltlichen Gefolgsleute die im Ostseeraum lebenden Stämme missioniert und unterworfen haben.
    Eine schöne Begegnung in Polen ist auch mit Malbork verbunden. Ein irrtümlicherweise am Nugget hinterlegtes Knöllchen brachte uns in Erwartung des Schlimmsten ins zuständige 'Amt'. Wir waren überrascht, nicht nur vom Pförtner durchs ganze irrgartenähnliche Gebäude begleitet zu werden, sondern auch noch auf eine perfekt englisch sprechende Dame zu treffen, die uns freundlich gegen das mürrische Amtsgebaren des Chefs verteidigte.
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  • Day56

    Lost in Masuren

    September 24, 2018 in Poland ⋅ ⛅ 14 °C

    Mein vierter Besuch in Polen und endlich sehen wir Masuren! Die Seen und Wälder waren für mich eine der ganz freudig erwarteten Stationen.
    Leider macht das Land es uns dieses Mal nicht leicht. Es mag eine Frage der regionalen Mentalität sein oder ein Ermüdungsphänomen der Nachsaison. Mit dem Wissen um aktuelle politische Stimmung im Hinterkopf beschleicht uns aber dennoch des öfteren das Gefühl, hier nicht willkommen zu sein...
    Nichtsdestotrotz jauchzen wir beim Anblick der großartigen Alleen, deren Bäume sich behütend über holprige Landstraßen wölben, der bunten Wälder und vor allem der sagenhaften Himmel!
    Mikołaiki wird für vier Tage unser Basislager für eine gemütliche Schifffahrt, eine verregnete Fahrradirrfahrt und für einen herrlichen SPA-Tag auf der Vogelinsel. Der Ort selbst muss im Sommer grässlich überlaufen sein. Uncharmant aufgebaute Fresszeltmeilen zeugen davon.
    Der Besuch von Hitlers ehemaligem militärischen Hauptquartier sorgt zusätzlich für beklemmende Stimmung. Eine gigantische Festungsstadt aus Stahl und Beton in den tiefsten Wald gefräßt. Letzterer hat sich sein Terrain in den letzten 70 Jahren schon fast wieder zurück erobert. Abgesehen von einem Lageplan bietet der sich heute in privater Hand befindende Erinnerungsort keinerlei Information. Dafür kann man sich mit den in Tarnanzügen umherstreifenden 'Guides' im Schießen üben ...
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  • Day55

    Vom Umgang mit der Geschichte - Ponar

    September 23, 2018 in Lithuania ⋅ ⛅ 12 °C

    Lange Zeit galt Vilnius aufgrund seiner bedeutenden und kulturell wie religiös einflussreichen jüdischen Gemeinde als das 'Jerusalem des Ostens'. Fast 30 Prozent der Einwohner waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts Juden. Die Nazis haben diese zunächst in das sogenannte 'kleine und große Ghetto' in die Altstadt gepfercht. Am 23.September 1943 wurde das Ghetto liquidiert. Fast alle jüdischen Einwohner wurden ermordet. Sinnbild dieses Grauens ist ein Vorortwäldchen namens Ponar geworden. Hier fanden die Nazis von den Sowjets ausgehobene, große Löcher vor, die ursprünglich für industrielle Zwecke vorgesehen waren. In nicht zu überbietendem Zynismus nutzten die Nazis diese fertigen 'Gräber' für Massenerschießungen. 100000 Menschen wurden hier umgebracht, verscharrt uns bei sich abzeichnender Kriegsniederlage zusätzlich verbrannt.
    Wir wollen uns die kleine Gedenkstätte anschauen - und geraten unversehens und auf die Minute pünktkich ins nächste Großereignis. 23. September? Heute auf den Tag jährt sich die Liquidierung des Ghettos zum 75. Male. Botschafter reisen an, Politiker, Überlebende und die kleine wiederentstandene jüdische Gemeinde Litauens.
    In Reden wird erinnert, gemahnt. Die Aufarbeitung der litauischen Kollaboration beginnt ganz zögerlich. Dies wird deutlich in den Reden des Bürgermeisters wie des israelischen Botschafters.
    Jiddische Lieder und das Kaddisch an diesem Ort, an dem wir weit und breit die einzigen Deutschen sind. Das nimmt uns gehörig mit.
    Für die Burg Trakai können wir beim Weiterfahren nur noch einen kurzen Blick aufbringen.
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  • Day53

    Vilnius - der G-Punkt Europas

    September 21, 2018 in Lithuania ⋅ ☀️ 26 °C

    Und wieder einmal erwartet uns eine Riesenüberraschung. Anstatt der dritten museal wieder hergerichteten, von Touristen überschwemmten malerischen Innenstadt mit eher schwachem Eigengeruch finden wir in dieser 'Perle des Baltikums' eine quicklebendige, moderne Großstadt am Puls der Zeit, die noch dazu sehr schön ist! Englisch ist die Sprache der Einheimischen, in der Uni, in den Cafés auf den Straßen. Vilnius wirbt mit dem Slogan, es sei der G-Punkt Europas: Kaum jemand hat ihn erlebt und wenn man dann da ist, ist man ganz begeister. Genauso ist es! Warum um Himmels Willen spricht bei uns niemand von Vilnius?! Bei schönstem Sommerwetter wähnt man sich fast in Rom oder Florenz, so sehr leuchten die barocken Kirchtürme in allen Pasteltönen über die Dächer der Stadt. Geschäfte und (junge) Bewohner kommen unauffällig hip daher. Eine mir vorher nicht bekannte Verwandtschaft zu Frankreich wird oft und gerne herausgestellt. Dank Rutas Tipps kehren wir mehrmals in einer unscheinbaren Studentenkneipe ein und essen uns durch die Knödel und Suppen der Speisekarte.
    Und - die Stadt bereitet sich auf ein einmaliges Ereignis vor: Der Papst kommt!
    Obwohl die totale Abriegelung der Stadt uns vor einige Park- und damit Schlafprobleme stellt, beschließen wir zu bleiben. Ein Krematorium und ein Friedhof beherbergen uns nacheinander. Drei Stunden warten wir in herbstlich kaltem Wetter vor dem Tor der Morgenröte auf den hohen Gast. Über der Beobachtung des Securityaufwands, dem Heranpreschen der Präsidentin und den per Handy empfangenen Worten des Papstes aus dem Inneren der Torkappelle vergehen diese schnell. Und dann gleitet Franziskus vorbei im Papamobil, ganz nah. Und die stille Ergriffenheit der Menge und das Wissen um die Einmaligkeit dieses Augenblicks macht uns auch ganz ohne katholischen Glauben sprachlos.
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  • Day53

    Kernavė- die alte litauische Hauptstadt

    September 21, 2018 in Lithuania ⋅ ☀️ 19 °C

    Durch das ehemalige deutsche 'Memelland' mit der Stadt Klaipeda (früher Memel), deren Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und schmucklosen klassizistischen Wohnhäusern immer noch sehr an deutsche Provinzstädte erinnert, fahren wir durch das herrlich grüne Litauen zu einer von Mieterin Ruta empfohlenen Sehenswürdigkeit, die erstaunlicherweise keine Busreise auf dem Programm hat. Kernavė, der seit Jahrtausenden besiedelte Hauptort der litauischen 'Nation' - ab wann auch immer man davon sprechen mag.
    Da auch das Navi diesen Ort nicht wirklich zu kennen schien und die baltischen Länder sehr bescheiden so gut wie nie durch erkennbare Straßenzeichen auf ihre Sehenswürdigkeiten hinweisen, waren wir uns bei nächtlicher Ankunft nicht sicher, wo wir überhaupt waren. Das Tageslicht enthüllte ein riesiges Gebäude mit einem winzigen Museumsschild. Wir hatten bestens geschlafen - von Überwachungskameras ausgeleuchtet, auf dem Parkplatz des Museumspersonals!
    Die Begehung der von Deutschordensritterheeren im 14. Jahrhundert leider dem Erdboden gleichgemachten alten Hauptstadt erweist sich als regelrechter Frühsport: in Litauen finden sich nämlich besonders viele Hügelfestungen. Wichtige Herrschaftsorte sowie die Siedlungen wurden auf der Spitze mehrerer natürlicher Hügel errichtet, das erspart die Stadtmauer und ermöglicht weite Ausblicke ins herrlich grüne Tal der Neris.
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  • Day45

    Thomas Mann am Checkpoint Charlie

    September 13, 2018 in Lithuania ⋅ ☁️ 17 °C

    Die kurische Nehrung. ... Ich denke da sofort an das alte Ostpreußen und an Thomas Mann, der von diesem Ort so verzaubert war, dass er hier noch ein Sommerhaus bauen ließ, als das Gebiet schon lange zu Litauen gehörte.
    Um es gleich vorweg zu sagen: Auch wir sind dem landschaftlichen Charme dieses Fleckchens Erde mit Haut und Haar erlegen! Die sanfte Seestimmung zur Haffseite mit seinen Kormoran- und Schwanenkolonien, seinen blauroten Holzhäusern, den fast schon pinienähnlich anmutenden Kiefernwäldern und den wirklich atemberaubenden endlosen Dünenlandschaften, die zu durchwandern man aufgrund ihrer ständig wechselnden Gestalt einfach nicht müde wird. Und auf der anderen Seite des nur 3 Kilometer breiten Landstreifens die tobende Ostsee, die hier um diese Jahreszeit eher dem Atlantik gleicht. Sartre kam auch nach Nida und bekannte, er habe zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, über die Wolken gehen zu können. 'C'est comme à l'antichambre du paradis!'
    Wir bleiben eine ganze Woche. Wir erfahren fast die gesamte Länge der Nehrung mit dem Rad oder wandern, die Füße im Wasser, die menschenleeren weißen Sandstrände entlang. Ab und zu tollen bis auf riesige Turbane nackte Frauengestalten aller Altersklassen aus den Dünen und tanzen in einer gleichermaßen an Eurythmie wie an Turnvater Jahn erinnernden Choreographie über den Strand, bevor sie sich in die Fluten stürzen. Zunächst befremdet, praktizieren wir dieses Baderitual bald auch täglich unter lautem Juchzen.
    Bei all diesem Glücksgefühl, das die Natur in uns auslöst, ist da doch immer auch ein mulmiges Gefühl. In westlicher Richtung endet unser Strandgang an einem profan in die Dünen gesteckten Flatterband und dem Schild: Grenze, Zutritt verboten. Die russische Exklave Kaliningrad erinnert sowohl an die leid- und wechselvolle Geschichte dieser Region, als auch an die unsichere Gegenwart. Die Verve, mit der in den baltischen Staaten (insbesondere in Estland und Litauen) die Zugehörigkeit zu Europa und der Weg in die (digitale) Zukunft gelebt wird, beeindruckt uns tief. Und doch muss den Menschen hier neben der tatsächlichen geografischen Nähe Russlands gerade und besonders dieses russische 'Faustpfand' Kaliningrad inmitten Europas als Symbol der erneuten Bedrohung ihrer so mutig erkämpften Souveränität erscheinen. Kaliningrad ist hochgerüstet. Die Bestimmungen für ein Transitvisum haben sich in den letzten Jahren drastisch verschärft. Ganz sorgenfrei ist der Strandspaziergang an einem solch neuralgischen Punkt der aktuellen geopolitischen Landkarte nicht.
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  • Day44

    Der Berg der Kreuze

    September 12, 2018 in Lithuania ⋅ ⛅ 14 °C

    Unser erster Eindruck von Litauen: endlich wieder bessere Straßen!
    Der Berg der Kreuze gehört irgendwie zum Pflichtprogramm und wird daher von uns unter dem ersten herbststürmischen Himmel des Jahres ein wenig lustlos angefahren.
    Letztendlich ist diese wild übereinandergestapelte Ansammlung echter oder zur Schau gestellter Frömmigkeit aber doch mehr als eindrucksvoll - auch wenn uns kirchenfernen Menschen als erstes die Assoziation zur Kölner Hohennzollernbrücke mit ihren Liebesschlössern kommt...
    Da wir direkt am Eingang übernachten, durchwandern wir diese erste Adresse des litauischen Tourismus zunächst menschenleer im Sturm, beobachten die alten Verkäuferinnen, die in ihren Gewölben recht erfolgreich Holzkreuze to go verkaufen und zum Teil erst nach Einbruch der Dunkelheit von irgendeinem Verwandten aus dieser Einöde abgeholt werden. Nur um am nächsten Morgen um acht wieder ihre Lädchen zu öffnen. Ab da rollen nämlich die Reisebusse vor. Gemeinden aus aller Welt scheinen Gesandtschaften zu schicken, die hier am von Papst Johannes Paul II gesegneten Pilgerberg Kreuze unterschiedlichster Größen und Materialien einpflanzen. Unter eindringlichem Rosenkranzgemurmel trägt eine französische Frauengruppe samt ihres Pfarrers ein riesiges Eisenkreuz an uns vorbei den Hügel hinauf. Ein sichtbar bewegender Moment für die gläubigen Damen.
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