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  • Day7

    Jerusalem - die andere Stadt

    November 20, 2019 in Palestine ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich will ja nicht klagen - hab ich auch nicht. Dazu später.
    Nach dem Frühstück bin ich zum zentralen Busbahnhof gelaufen, ca. 20min. Da hab ich für 16 Schekel (4€) ein Ticket nach Jerusalem geholt und der Bus fuhr auch gleich ab, ca. 75km, 1h, zum zentralen Busbahnhof dort. Um 9.30Uhr war ich schon da (fast ganz Israel von West nach Ost durchquert 😊 ). Es gibt da nur eine Straßenbahnlinie, die direkt zur Alten Stadt führt. Da ich Zeit hatte, bin ich gelaufen. Immer den Schienen nach. Hab ein paar Stops gemacht (Stadthalle, Straßencafe, russische Kathedrale,..) und nach einer guten Stunde war ich am Jaffa Gate, dem Haupteingang in die 'Alte Stadt'. Dort beginnen um 11Uhr auch die Free Tours (Flyer hatte ich in der Wohnung gefunden, geführte Tour mit einem Guide nur auf Trinkgeldbasis am Ende). Es ging also los durch das alte Jerusalem (ist von einer Mauer umgeben und vom restlichen Jerusalem (das fast so riesig ist wie Tel Aviv, mit Vororten auch über 3 Mio Einwohner). Aber auch in der alten Stadt wohnen ca. 40.000 Menschen (und tummeln sich gefühlt ca. 40 Millionen Touristen..). Von den ganzen Infos und wichtigen Kirchen etc. wurde mir ziemlich schnell schwindelig. Die ganzen Gänge und Gassen sind z.T. derart mit Touristenkitsch, der dort verhökert wird, vollgestopft (und natürlich denen, die's kaufen sollen), das wurde mir irgendwann zu bunt. Eigentlich ist das doch eine Art Wallfahrtsort? Da kommen nun Gläubige aus aller Welt und allen Religionen (natürlich auch Ungläubige, ich z.B.) um sich mit von der Stange produziertem 'heiligem Ramsch'... na ja gut.
    Von dem Trupp hab ich mich nach ca. 1,5h heimlich losgesagt (Sünde, ohne Trinkgeld 😊 ), weil ich unbedingt zu dieser Klagemauer und dem Felsendom etc. wollte, die Tour da aber gar nicht hinging. War ich dann auch (Fotos). Die ganzen Geschichten dazu, also was ich jetzt darüber weiß, lass ich mal weg. Es gibt davor noch eine Kontrolle, aber die können sie auch weglassen, echte Kontrolle ist das nicht. Man kann da auch frei machen, was man so denkt, dort machen zu müssen, strenge Regeln gibt es nicht. War auch mit Shorts da und selbst die Juden feiern da, durchaus laut, die Bar Mizwa (Beschneidung) der Jungen. Andere stehen aber auch mit dem Kopf an der Wand und klagen, weinen beten. Die meisten sind Touristen und machen Erinnerungsfotos (ich auch). Einen Moment bin ich aber schon (bewusst) in mich gegangen (mmh, mir viel nur "Frieden" ein). Es war schon ein Erlebnis.
    Dann bin ich noch bis in den Nachmittag in den angrenzenden Stadtvierteln, die wieder ganz andere Gesichter haben (war auch bei der Knesset), rumgelaufen, was auch schön und interessant war.
    Mit Helge hab ich mich dann getroffen und es ging wieder zurück nach Tel Aviv.
    Eigentlich mehr als genug für den Tag, aber nach dem Duschen bin ich hier in meinem Viertel nochmal herumspaziert. Das ist einfach auch toll )kleine Gassen, Graffitiart, kreative kleine Bars, Cafes, Kneipen..).
    Ach so, in Jerusalem gibt es wirklich sehr viele Ultraorthodoxe Juden, die schon eigenartig aussehen (manche kommen einem auch sehr! eigenartig vor). Ganz viele tragen einfach nur die Kippa. Insgesamt zurückhaltend freundlich würde ich sagen. Jerusalem ist aber auch eine freie Stadt, religiös zwar, aber eben alle Religionen (und Touristen). Auch angenehm, das stört überhaupt nicht. Aber auch völlig anders als Tel Aviv.
    Die Zeit hat natürlich nicht gereicht - aber ich will ja nicht klagen 😊
    Shalom 😊
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