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  • Day472

    Beziehungs-Endgame

    May 3 in Georgia ⋅ ☀️ 21 °C

    Der schwarze Mercedes Viano stinkt zwar nach Kotze, ist sonst aber ganz bequem für die vierstündige Fahrt zurück nach Georgien. In der Hauptstadt Tiflis waren wir noch nicht und die Hoffnung auf zahlreiche Ajaruli Khachapuris ist gewaltig. Die Stadt ist wunderschön. Zumindest das was wir davon sehen. Es gibt hier sogar einen natürlichen Wasserfall. In der Stadt. Das sagt ja schon alles. Und was Narnia kann, kann Tiflis schon lange. Hoch über der Stadt thronen die unfassbar grossen Chroniken von Georgien. Ziemlich beeindruckend, auch wenn die Dinger wie die riesige Treppe in Jerewan nie richtig fertig gebaut wurden. Was Tiflis aber nicht kann, ist Ajaruli Khachapuri. Natürlich bestellen wir mindestens ein Mal pro Tag so ein deftiges Käseschiff. Doch wir sind enttäuscht. Furchtbar enttäuscht. Kein Geschmack, scheiss Teig oder einfach schlabbrige Scheisse wird uns serviert. So schwach, dass ich in einem Fall den Scheiss stehen lasse und den verbleibenden Hunger und die entstandene Enttäuschung im gegenüber liegenden Mäc bekämpfe. Ein Double Cheese Burger ist nie verkehrt. Ein sicherer Wert. Weltweit. 

    Wir haben nach einer längeren Phase übertriebener Harmonie mal wieder Zoff. Natürlich ist Sue schuld. Wer sonst? Hmm, vielleicht auch das verdammte Käsebrot. Geholfen hat es sicher nicht. Der letzte Versuch beziehungsweise die letzte Bestellung ist geschmacklich allerdings nochmals ein grosser Erfolg. Immerhin. Das Ajaruli Khachapuri bleibt somit unsere Lieblings-Entdeckung im Kaukasus. Noch vor Murka, dieser bipolaren Schnapp-Mieze. Auf der Suche nach weiteren Katzen fahren wir für zwei Nächte ins vier Autostunden entfernte Stepantsminda auf über siebzehnhundert Metern. Bergfeeling ohne mit dem Lada stecken zu bleiben ist das erklärte Ziel. Und tatsächlich, in Kazbeghi klappt auch das mit den schneebedeckten Bergen im Kaukasus noch. Obwohl es da oben aktuell nicht sonderlich kalt ist - wie die kurzen Hosen beweisen -, gönnen wir uns kaum zurück in Tiflis eine Stunde Private-Spa in einem der unzähligen Sulfur-Bäder. Diese „warmen Quellen“ haben der schönen Stadt „Tiflis“ schliesslich ihren Namen gegeben. Wobei „warm“ hier nicht wirklich zutrifft. Unmenschlich heiss ist der Scheiss. Man könnte darin locker Eier kochen. Solange bleibe ich dann aber jeweils nicht drin. Nicht deshalb aber trotzdem ist unser Zoff irgendwann auch wieder beendet. Die Beziehung nicht. Zum Glück.

    Nach vierhundertsiebzig Tagen ist es gar nicht so einfach, neue Dinge zu finden, die man in der Zeit noch nicht gemacht hat. Doch wer sucht, der findet. Und manchmal ist es ganz simpel: Kino. Nach dem ganzen Social Media Hype rund um Avengers: Endgame, schauen wir uns den Streifen eben an. Wir verbringen durchaus unterhaltsame drei Stunden, wobei wir auch nach all den Jahren nicht verstehen, wieso Filme in diesem komischen und oft verschwommenen 3D gezeigt werden. Echt zum Kotzen. Womit wohl auch geklärt wäre, wieso der schwarze Mercedes Viano so gestunken hat. Egal. Wir verlassen Tiflis um 03:15. Jup, richtig gelesen, um kurz nach drei Uhr. Mitten in der Nacht. Krank.
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