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  • Day3

    Von Talent und Orange am Stil

    July 3, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 28 °C

    Den Grund, aus dem ich ausgerechnet hierher gefahren bin, wissen die meisten ja, aber um mal alle anderen noch abzuholen eine kleine Zusammenfassung: es gibt eine Organisation, Musiker ohne Grenzen, die Musikschulen an den verschiedensten Orten der Welt aufbaut und so den Menschen dort die Möglichkeit gibt, Unterricht zu bekommen. Die Schule hier hat sogar noch 3 weitere Zweige: Tanz, Rap und beim dritten hab ich leider nicht verstanden worum es sich handelt 😅, aber das Prinzip ist erkennbar.
    Es herrscht den ganzen Tag reges Treiben. Mein Arbeitsplatz befindet sich im Tanzstudio, und so war ich gestern das erste Mal bei einer Unterrichtsstunde der kleinen Ballerinas dabei. Der Lehrer war ein junger Typ, den die Kleinen total angehimmelt haben, es war echt ne Freude zuzusehen. Später hat er dann noch eine Choreografie vorgetragen und wurde musikalisch von einer Gesangsschülerin begleitet, die, die auch im gestrigen Post war. Das Mädchen hat einfach eine Wahnsinns-Stimme und die beiden so zusammen in ihrer Sache aufgehen zu sehen, war echt ein sehr rührender Moment.

    Die Arbeit an sich ist... etwas mühsam. Ich hab natürlich nicht jedes erdenkliche Werkzeug dabei und muss viel herumimprovisieren. Dinge, die normal ein paar Sekunden dauern, dauern dann mal ne viertel Stunde. Das nervigste ist aber, Kleinteile zu suchen, die mir abhanden kommen. In einer Werkstatt würde man nach einer verlorenen Schraube vielleicht eine Minute suchen, und sich dann ne neue holen. Aber das kann ich hier halt nicht, weil ich gerade mal 5 Ersatzschrauben dabei hab. Klar hab ich ein Ablagesystem und Becher und alles Mögliche wo ich die Sachen hinlege, aber es ist das gleiche wie mit dem Schlüssel, Handy oder Brille: in Gedanken kurz woanders, abgelegt und - zack, weg. Es kündigen sich auch schon leichte Materialmängel an, weil die doofen Böhmklarinetten Polstergrößen haben, die so kaum hergestellt werden und daher in meiner Wunder-Mischtüte kaum vertreten sind. Aber das ist ein Problem für Zukunft-Sili.

    Am Abend bin ich noch ein bisschen durch die Straßen geschleudert, ich kam gerade einmal bis zur nächsten Ecke, bis ich enthusiastisch von der Seite angeredet wurde. Mein bedauerndes "Lo siento, no hablo español!" irritierte ihn keineswegs und er redete munter weiter. Um ihn herum standen ein paar Jugendliche und Kinder, und alle waren ziemlich neugierig, was diese Deutsche denn hier so treibt. Es entstand ein sehr witziges Gespräch aus vielen Missverständnissen, abwechselnd mit Erkenntnissen. Den Inhalt hätte man vielleicht in 3 Minuten abhandeln können, aber ich stand dort bestimmt ne halbe Stunde und die anderen wurden nicht ungeduldig mir Sachen 10 mal zu sagen oder in mein Handy zu tippen, um es für mich zu übersetzen.
    Mein Highlight war allerdings die Orange am Stil. Ich sah einen der Jungs damit rumlaufen und fragte ihn, was das ist, weil ich mir nicht erklären konnte, wieso man ne geschälte Orange nicht einfach so isst, sondern von nem Holzstäbchen knabbert. Er flitzte direkt los und holte mir auch eine. Jetzt erkannte ich auch den Witz daran: die Orange war tiefgefroren. Und wenn man die äußere Schale erstmal abgeknabbert hat, ist es echt der der Hammer, ein 1A Sommersnack. Wobei das Zuhause vllt etwas schwierig wird, da sich Sommer- und Orangenzeit bei uns selten überschneidet. Aber das geht mit anderem Obst bestimmt auch sehr gut 🍊🍦😋
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