Roseline Troxler

Joined July 2018
  • Day39

    In die Höhe, in die Wüste

    February 9 in Chile ⋅ ☁️ 21 °C

    Unser Zeitgefühl ist verloren gegangen. Vorsichtig schieben wir die Vorhänge im Nachtbus zur Seite. Wir befinden uns in einer mondartigen Landschaft. Kleine Büsche bedecken die sonst staubig wirkenden Hügel. Bald nachdem wir aufgewacht sind, hält der Car an. Wir befinden uns am Grenzposten von Argentinien nach Chile. Bald kommen wir in San Pedro de Atacama, zumindest denken wir das zu diesem Zeitpunkt. Denn wieder mal geht an der Grenze für sehr lange Zeit gar nichts. Nach etwa einer Stunde steigen erste Passagiere aus, um Luft zu schnappen oder einen Kaffee zu holen. Kaffee, eine vorzügliche Idee. Der Chauffeur bittet uns, nicht zu weit wegzugehen. Die frische Luft tut gut. Doch irgendwie fühlen wir uns eher schlapp – haben wir uns erkältet? Später stellen wir fest, dass es die Höhe war, die das Atmen schwierig machte. Der Paso de Jama, wo sich die Grenze befindet, liegt immerhin auf 4’200 Meter Höhe. Die Chilenen nehmen es wiederum sehr genau und durchsuchen jeden Rucksack nach frischen Lebensmitteln. Es scheinen Zöllner mit hervorragenden Nasen zu sein – denn leider bleibt die Hunde-Show diesmal aus.

    Wir brauchen noch viel Geduld, bis wir in San Pedro sind. Etwas Unterhaltung bietet immerhin die Musik, welche nun den Car lautstark beschallt. Ein Hit nach dem anderen wird gespielt – von Bed of Roses von Bon Jovi, über The Show Must Go On von Queen bis Hotel California von Eagles. Irgendwie skurril in dieser Einöde. San Pedro wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines staubiges Nest und beim Atmen spürt man regelrecht die Trockenheit. Die Atacamawüste ist der trockenste Ort der Welt. Ein älterer Mann, der beim Busbahnhof die Ankömmlinge beobachtet, hilft uns, ein Taxi zu organisieren, um zur Unterkunft zu kommen. Es erwartet uns ein Kleinod aus einstöckigen Häuschen, vielen Bäumen, zwischen denen Hängematten gespannt sind, und verschiedene gemütliche Sitzbereiche. Die Ckoi Lodge ist perfekt, um sich zu entspannen und etwas an die Höhe zu gewöhnen, bevor es dann auf die Uyuni-Tour geht. Verblüfft stellen wir bald fast, dass an der Reception eine Schweizerin arbeitet. Renée lebt seit elf Jahren in Chile, arbeitet seit ein paar Monaten in San Pedro und will sich nächstens ihren grossen Traum erfüllen. Ihr schwebt vor, mit einem kleinen Wohnmobil durch ganz Südamerika zu reisen. Im Austausch mit ihr erfahren wir sehr viel Wissenswertes über die Region. Zudem organisiert sie für uns eine erstklassige Tour in der Atacamawüste. Auf eine Tour zur Beobachtung des Sternenhimmels müssen wir leider verzichten, denn der Himmel ist zu bedeckt.

    Als Roselines Eltern vor gut dreissig Jahren in San Pedro waren, bestand der Ort noch aus ein paar Häusern und wenig touristischer Infrastruktur. Das hat sich deutlich geändert, befinden sich doch im Zentrum diverse Restaurants, unzählige Tourenanbieter, Wechselstuben und Hostales. Trotz des grossen Angebots und der vielen Touristen wirkt San Pedro klein und mit seinen einstöckigen Lehmbauten wie ein waschechtes Wüstenstädtchen. Wir müssen uns wieder an deutlich höhere Preise als in Argentinien gewöhnen, geniessen aber nochmals richtig leckeres Essen – im Glauben, dass es in Bolivien für zwei Wochen nur noch Poulet, Reis und Bohnen geben wird.

    Tags darauf holt uns unser Guide Alejandro mit einem Minibus ab, in welchem schon diverse andere Touristen sitzen. Er erklärt uns, dass wir bei der Tour auf gut 4’500 Meter über Meer fahren werden und gibt uns hilfreiche Tipps im Umgang mit der Höhe. Die Strasse führt von San Pedro (2’400 Meter über Meer) fast unmerklich, aber stetig bergauf. Auf etwa 3’500 Metern parkiert Alejandro den Bus, steigt aus und richtet auf einem Klapptischchen ein grosszügiges Frühstück an. Mit Sicht auf den Vulkan Licanabur geniessen wir ein leckeres Zmorge. Wir bleiben eine knappe Stunde da. Der Halt wurde extra dafür eingeplant, dass wir uns etwas an die Höhe gewöhnen können. Nur schon das Aussteigen aus dem Minibus und das Gehen sind deutlich strenger. Wir kommen uns vor, als seien wir auf einmal dreimal so alt. Alejandro erzählt uns Interessantes über den Vulkan Licanabur, der zur Hälfte in Bolivien und zur Hälfte in Chile steht. Besteigen kann man ihn aber nur von der bolivianischen Seite aus: Die Chilenen haben bei Grenzstreitigkeiten mit den Bolivianern auf ihrer Seite des Vulkans diverse Minen vergraben. Nun ist es unmöglich, diese mit einem Detektor wieder zu finden und zu vernichten, weil das Gerät aufgrund des Vulkans überall angibt.

    Nach dem Zmorge geht’s nochmals rund 500 Meter höher. Bei einer Lagune können wir von weitem verschiedene Flamingos beobachten. Bald darauf biegt Alejandro mit dem Minibus von der Strasse ab und es geht weiter über Stock und Stein. Auf der Tour können wir diverse Vicuñas aus der Nähe beobachten. Die Wolle dieser Tiere ist extrem fein und deshalb etwa viermal so teuer wie Kaschmir. Vicuñas sind perfekt an hohe Lagen angepasst. Auch Lamas und Alpakas haben wir auf unserer Tour gesichtet. Es geht weiter zu anderen sehr schönen Lagunen und zu Gesteinsformationen, welche aus vulkanischer Lava entstanden sind. Der Fels El Monje de la Pacana ist gut vierzig Meter hoch. Weiter geht’s, wieder in der Nähe des Licancaburs wird zum Mittagessen dann eine feine Paella und ein Glas chilenischer Malbec serviert.

    Den späteren Nachmittag verbringen wir im schönen Garten des Hotels, schreiben am Blog und bereiten uns geistig auf die Uyuni-Tour vor. Im Reiseführer wird vor unwirtlichen Temperaturen, gefährlichen Fahrern, schlechtem Essen und miesen Unterkünften gewarnt. Ein paar Crackers zur Not packen wir schon mal ein.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day24

    Graffitis, Tränengas und ein blaues Haus

    January 25 in Chile ⋅ ☀️ 20 °C

    In Valparaíso erwartet uns die Casa California. Das schmucke blaue Haus, mitten im historischen Teil der Hafenstadt, wird während unseres Aufenthalts zum Ruhepol in der quirligen Stadt, die eine rund zweistündige Busfahrt von der Hauptstadt Santiago entfernt liegt. Johnny heisst uns herzlich willkommen und wir fragen ihn, was einen strammen Kalifornier von San Francisco nach Chile geführt hat. Natürlich: die Liebe zu seiner Frau Cata. Er fühle sich aber auch sonst sehr wohl in Valparaíso, habe die Stadt doch mit ihren vielen Hügeln eine ähnliche Topografie wie San Francisco.

    Auf über vierzig Hügeln ist Valparaíso gebaut und dies führt dazu, dass die Stadt trotz des Lärms, der vielen Einwohner und Besucher dennoch viele ruhige Ecken und einen ganz eigenen Charme hat. Alte Funicularios führen von Meereshöhe in die verschiedenen Quartiere. Bekannt ist Valparaíso aber nicht nur für seine Hügel, sondern vor allem auch für die bunten Gebäude und die vielen murales (Wandgemälde), welche die Fassaden der Häuser schmücken. Seit 2003 ist das historische Quartier von Valparaíso ein UNESCO Weltkulturerbe, was sicher mit dazu geführt hat, dass «Valpo» auch bei Touristen äusserst beliebt ist. Beim Schlendern durch die Strassen können wir die Kamera fast nicht im Rucksack verstauen, gibt es doch immer wieder ein neues Motiv abzulichten. Auf einer Tour for Tips lernen wir zudem die Hintergründe einiger Wandgemälde kennen. Viele haben durchaus eine politische Bedeutung. So erzählt etwa ein Gemälde die Geschichte von Chile und thematisiert unter anderem die Ungleichheit zwischen arm und reich. Es gibt aber auch lustige, fröhliche Wandgemälde. Und nicht nur Wände werden bunt bemalt, sondern auch Treppenstufen oder Trottoirs. Damit ein Künstler in Valpo ein Bild malen kann, muss er einen Hausbesitzer finden, der dies zulässt. Teils läuft es aber umgekehrt und Eigentümer fragen einen renommierten Graffiti-Künstler an. Der künstlerischen Freiheit ist aber eine Grenze gesetzt: Die Stadtverwaltung verbietet es ihren Einwohnern, ein Haus schwarz zu bemalen.

    Die farbigen Häuser geben der Stadt einen ganz eigenen Spirit. Valparaíso ist auch die Stadt der Linken, der Alternativen und der Künstler. Gleichzeitig ist es die Stadt mit der grössten Ungleichheit in Chile. Wenn man das historische Zentrum verlässt, kommt man durchaus in Quartiere, welche weniger schmuck sind als das Gebiet um den Cerro Concepción.

    In Valparaíso verspüren wir nach den Tagen in Santiago auch den Drang auf Bewegung. Mit einem Colectivo, einem Minibus, geht es rasant nach Viña del Mar, der Nachbarstadt von Valparaíso, wo vor allem Reichere leben und viele Chilenen und Argentinier ihren Strandurlaub verbringen. Wir steigen allerdings noch nicht aus und düsen weiter zu den Sanddünen von Concon. Neben den Dünen türmen sich moderne Hochhäuser auf, weitere sind gerade im Entstehen. Wir mieten uns für eine Stunde ein (sehr rudimentäres) Sandboard und versuchen, die Dünen runter zu brettern. Das ist gar nicht so einfach, vor allem auch, wenn die Schlaufen für die Füsse doppelt so gross sind, wie sie sein sollten. Aber wir geniessen es, unsere überschüssige Energie loszuwerden und nach der Anstrengung den Blick übers Meer schweifen zu lassen. Nur das mit dem Sand ist so eine Sache. Noch Tage später haben wir winzig kleine Souvenirs von den Dünen von Concon dabei. Wie wir später erfahren, sind die Sanddünen leider bedroht und werden in den nächsten Jahren wohl verschwinden, da noch viele Gebäude an der Küste geplant sind.

    Den Tag schliessen wir mit einer Fahrt auf einem kleinen Touriboot im Hafen von Valpo ab. Wir sind umgeben von chilenischen Familien mit kleinen Kindern. «Que lindo» (wie schön), kommentieren sie, was es auf der Fahrt zu sehen gibt, während der Guide auf dem Boot Erklärungen abgibt und sich immer wieder ein Spässchen erlaubt – manchmal gar auf unsere Kosten, wobei wir nicht ganz mitbekommen, worum es geht. Fakt ist, dass uns gut zwanzig Chilenen wohlwollend anschauen und schmunzeln. Auf der Fahrt haben wir einen ganz anderen Blick auf die auf Hügel verteilte Stadt und wir sehen dicke Robben, Kreuzfahrtschiffe, Marineschiffe der chilenischen Armee, die hier ihren Hauptstützpunkt hat, protzige Jachten und ein paar riesige Containerschiffe, welche gerade beladen werden. Der Hafen von Valparaíso war im 19. Jahrhundert der wichtigste im gesamten Pazifikraum. 1914 wurde der Panamakanal eröffnet und die meisten grossen Schiffe mussten Südamerika nicht mehr südlich umrunden. Damit nahm aber die Bedeutung von Valparaíso drastisch ab. Heute ist der Hafen nicht einmal mehr der wichtigste im Land. Dass dem so ist, liegt auch an der Bevölkerung von Valpo, welche sich heftig gegen Pläne wehrte, den Hafen auszubauen.

    Unser Aufenthalt in Valparaíso ist auch deshalb so toll, weil wir uns im Hostal von Johnny und seiner chilenischen Frau Cata so wohl fühlen. Wir erhalten tolle Restauranttipps – nicht nur das Essen ist lecker, sondern auch der Pisco und wir haben eine tolle Aussicht über die Stadt. Ausserdem ermöglich sie uns, Chile und die Chilenen besser zu verstehen. Da sie ein Jahrzehnt in den USA gelebt hat, hinterfragt sie Vieles auch kritisch. Den Alltag in Chile erklärt sie uns an einem simplen Beispiel, dem Kauf eines Wasserkochers. Grosse Versprechen vor dem Kauf, ein nicht funktionsfähiges Gerät, keine Möglichkeit des Umtausches, weil man das Gerät ja schon gebraucht hat. Nur wer genügend Geld und Zeit investiert, kommt zu seinem Recht. Im Fall von Catas Wasserkocher sieht dies so aus: Cata schafft es, die Nummer des Firmenchefs ausfindig zu machen und ruft ihn zigmal privat an. Schliesslich erhält sie ein funktionsfähiges Gerät. Cata betont, dass sie zur Oberschicht gehören und privilegiert sind. Viele weniger privilegierte Menschen haben nicht dieselben Möglichkeiten. Das sind für uns spannende Einblicke, da man dies als Tourist weniger mitbekommt und vor allem die Freundlichkeit der Chilenen auffällt.

    Auch die Proteste sind natürlich Thema. Cata ist besorgt und erstaunt zugleich. «Es entspricht gar nicht der Mentalität der Chilenen, sich so für etwas einzusetzen und in Rage zu geraten.» Die Proteste waren in Valparaíso im vergangenen Herbst besonders heftig. Denn in der Hafenstadt befindet sich der Parlamentssitz. Folgen hatte dies ebenfalls für Cata und Johnny, da rund 90 Prozent der Gäste wegen der Unruhen ihre Hotelreservation storniert hatten. Ruhe ist in Valparaíso aber auch jetzt noch nicht eingekehrt. Am ersten Abend unseres Aufenthalts in der Stadt widmen wir uns im Aufenthaltsraum in der Casa California gerade einem Blogbeitrag, als Cata uns mitteilt, dass es einige hundert Meter Richtung Hafen Strassenblockaden gibt. Wir sollen doch besser hügelaufwärts Essen gehen. Da wir eh noch beschäftigt sind, bleiben wir noch einige Zeit in der Unterkunft. Plötzlich vernehmen wir Schreie und mehrmals einen lauten Knall. Wir hören von draussen Leute husten und keuchen. Dann beginnt es auch uns, in der Nase zu beissen und in den Augen zu tränen. Tränengas. Jemand rüttelt an der Tür. Da wir nicht wissen, was draussen vor sich geht, öffnen wir nicht. Kurze Zeit später tritt ein anderer Gast und ein Knabe ein. Das Atmen fällt ihnen vor lauter Husten schwer. Cata eilt mit einem Wasserglas vorbei. Sie kann nicht glauben, dass die Polizei in «ihrer» Strasse mit Tränengas um sich geschossen hat. Wir sind froh, nicht vorher die Wohnung verlassen zu haben.

    Anderntags beim Frühstück kann Cata noch immer nicht Glauben, was am Abend zuvor passiert ist. Sie kritisiert sowohl die Krawallmacher wie auch die Polizei. Die Strassenblockaden würden hauptsächlich von Jugendlichen errichtet, denen es sonst zu langweilig sei. Das sei schade, da die Forderungen der Protestbewegung eigentlich berechtigt seien, dadurch aber unterminiert würden. Auf der anderen Seite reagiere die Polizei viel zu heftig auf die Mätzchen der paar wenigen Jugendlichen. Es sei wie ein allabendliches Spiel: Die Jugendlichen provozieren, die Polizei steigt überhart ein. Die Leidtragenden sind die Bewohner. Dass der Truck mit dem Tränengas, «el chingue» (das Stinktier), tags zuvor ihre Strasse hinaufgefahren sei, gebe ihr zu Denken. Gespannt blickt sie auf den April. Dann können die Chilenen abstimmen, ob sie eine neue Verfassung wollen, und falls ja, wer diese ausarbeiten soll. Cata vermutet, dass die Proteste nochmals zunehmen werden. Und sie hegt auch den Verdacht, dass die Polizei nun jede Gelegenheit wahrnimmt, dass aus kleinen Demos grosse Einschränkungen für die Bevölkerung entstehen. Dadurch sollen die Bürger der Protestbewegungen überdrüssig werden. Und gegen eine neue Verfassung stimmen. Dabei sei es dringend nötig, dass die Verfassung aus der Ära Pinochet ersetzt und die Ungleichheit in Chile verringert wird. Denn heute werde für eine reiche Minderheit Politik gemacht.

    Valparaíso bleibt uns auf jeden Fall in Erinnerung. Aber nicht nur wegen des Tränengases, denn uns gefällt die Stimmung der Stadt und ihre spannende Topografie. Die Murales verleihen dem pulsierenden Ort ein ganz spezielles Flair. Die Gegensätze in Valpo sind gross, machen aber auch den Charme der Hafenstadt aus.
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  • Day23

    Die Murales von Valparaíso

    January 24 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Hier gibt es eine Zusammenstellung von einigen beeindruckenden Wandgemälden in Valparaíso.

  • Day20

    Santiago - es ist kompliziert

    January 21 in Chile ⋅ ☀️ 27 °C

    Mit Santiago de Chile erwartet uns bereits die dritte Hauptstadt auf unserer Reise. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Wir erreichen am Morgen den lärmigen Busbahnhof. Es ist bereits jetzt drückend heiss. Mit der Metro fahren wir ins Zentrum, wo wir unsere Wohnung gemietet haben, müssen aber noch bis am Nachmittag ausharren. Es ist Montagmorgen und entsprechend hektisch auf den Strassen und Trottoirs. Vorbei sind wohl für viele Geschäftsleute die Weihnachts- und Sommerferien. Schuhputzer bieten in vielen Strassen ihre Dienste an und bei der Plaza de Armas spielen viele, vor allem ältere Chilenen Schach. Wir irren herum – auf der Suche nach einem schönen Café, um an unserem Reiseblog weiterzuschreiben und zu planen, was wir in der Stadt sehen möchten. Doch nirgends ist ein lauschiges Café in Sicht, stattdessen sehen wir rund ein halbes Dutzend Steh-Cafés, in welchen vor allem männliche Gäste von Frauen in viel zu kurzen Röcken bedient werden. Wir sind nicht mal ganz sicher, ob es sich wirklich nur um Cafés handelt. Unser Guide wird uns tags darauf erklären, dass diese Cafés in den 70er-Jahren entstanden sind und sich in dieser Form bis heute erhalten haben. Schliesslich landen wir bei Starbucks – nicht gerade typisch chilenisch. Bei all dem Trubel ist ein bekannter Hafen aber manchmal wohltuend.

    Am ersten Tag streifen wir etwas lust- und orientierungslos durch das Zentrum von Santiago. Die Hitze und die Unordnung werden uns etwas zu viel. An diesem Abend freuen wir uns sehr, dass wir eine eigene Küche haben und wieder mal selbst kochen können. Einen Haken hat es zuerst allerdings. Wo bloss gibt es einen Supermarkt? Zwar haben wir beim Mercado Central bereits einige Früchte erstanden, brauchen aber noch weitere Zutaten für Pasta mit Gemüse. Wir klappern Strasse um Strasse ab, finden aber nur kleine Kioske und zig Kleiderläden. Zu unserer Orientierungslosigkeit kommt noch hinzu, dass es auf den Strassen nur so von Leuten wimmelt und wir uns deutlich weniger sicher fühlen als in den Tagen zuvor. Als wir nach einer rund einstündigen Suche dann doch noch einen Supermarkt finden, heitert sich unsere Laune schnell wieder auf. Wir geniessen einen Teller Pasta in unserer viel zu heissen Wohnung mit Blick auf die Innenstadt.

    Nächster Morgen, 8 Uhr: Wir stehen – noch etwas müde – mit unserem Guide Pablo vor der Absperrung zur Moneda, der einstigen Münzprägeanstalt von Chile, wo sich heute der Sitz des Präsidenten befindet. Grund für die Absperrung sind die Proteste, welche seit Herbst in Chile immer wieder stattfinden. Die Moneda war auch Schauplatz eines dunklen Kapitels der chilenischen Geschichte. Am 11. September 1973 organisierte das Militär unter General Pinochet einen Putsch und stürmte die Moneda. Der sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Moneda von der Luftwaffe bombardiert wurde. Die Militärdiktatur dauerte bis ins Jahr 1990. Während dieser Zeit wurden rund 13 400 kommunistische oder linksgerichtete Chilenen, Menschen mit einer Verbindung zur Regierung oder Gewerkschafter verhaftet, viele davon gefoltert und bis zu 4000 Menschen ermordet. Das Museum für Menschenrechte gibt uns einen Einblick in diese düstere Zeit und die grausamen Verbrechen. Auch in den bisher bereisten Ländern Argentinien und Uruguay wurden während den Militärdiktaturen in den 70er- und 80er-Jahren schlimme Verbrechen begangen. Die Regime dieser Länder arbeiteten im Rahmen der Operation Condor auch zusammen, um vermeintliche Dissidenten sogar im Ausland zu verfolgen und umzubringen.

    Noch immer hat Chile eine Verfassung, welche mitten in der Ära des Pinochet-Regimes entstanden ist. Doch dies soll sich nun ändern. Millionen von Chilenen gingen im Herbst 2019 auf die Strassen, um unter anderem eine neue Verfassung zu fordern. Im kommenden April wird eine Abstimmung darüber stattfinden. Die Proteste sind deshalb jedoch keineswegs vorbei. Chile ist eines der Länder Lateinamerikas mit der grössten Ungleichheit, was – so finden wir – in Santiago gut sichtbar ist. Gemäss unserem Guide Pablo zielen viele Forderungen daher auch darauf ab, die Lebenssituation für die unteren Schichten zu verbessern. So werden ein höherer Mindestlohn, höhere Renten und eine bessere Gesundheitsversorgung gefordert. Auch sollen Naturparks oder natürliche Ressourcen wie Wasser nicht an Konzerne verkauft werden dürfen. Entzündet haben sich die Proteste im Oktober an der Ankündigung des rechten Präsidenten Sebastián Piñera, die Preise der Metrotickets um 30 Pesos zu erhöhen. Dies entspricht zwar weniger als einem Rappen, für viele Chilenen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, summieren sich solche Preiserhöhungen aber enorm. Es erzürnt die Massen, dass gerade die Armen, welche die Metro nutzen, die Zeche bezahlen sollen. Angeprangert wird auch das mehrheitlich privatwirtschaftlich organisierte Bildungssystem, das sehr teuer ist. Schulabsolventen in Chile müssen in vier Fächern eine Prüfung zur universitären Auswahl ablegen. Je nach Punktzahl erhält man einen Zugang zur Uni. Die Kurse für diese Prüfungen können sich jedoch nur Gutbetuchte leisten und die öffentlichen Schulen erreichen das erforderliche Niveau für diese Prüfung zur universitären Auswahl oft nicht. Chancengleichheit sieht anders aus. Aus Protest gegen dieses Aufnahmeverfahren verbrannten tausende Schüler an 80 verschiedenen Schulen ihren Prüfungsbogen. Rund 300 000 Schüler konnten in der Folge ihre Prüfung nicht ablegen, es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen. Eine Wiederholung dieser Prüfung fand Ende Januar unter strenger Polizeikontrolle statt.

    Wie heftig die Proteste in den letzten Monaten in Chile gewesen sein mussten oder immer noch sind, lässt sich uns zu diesem Zeitpunkt nur erahnen. Ganze Strassenzüge sind voll von Schmierereien und Graffitis. Piñera soll sterben, der Staat ist ein Mörder und dergleichen findet sich hundertfach. Diese Wut, dieser Hass ist etwas beängstigend und das politische Klima so ganz anders als wir es von der Schweiz gewohnt sind. Auch die Zahl sechs Prozent prangert an vielen Fassaden. Es entspricht dem mickrigen Zustimmungswert, welcher Präsident Piñera derzeit noch hat. Auch Denkmäler, Statuen und Kirchen wurden wüst verunstaltet. Der Eingang zu einigen Metrostationen ist mit Abfall versperrt und zugemauert und wir müssen einen weiten Umweg durch Gebiete gehen, wo wir teils ein etwas mulmiges Gefühl haben. Wir besuchen mit Pablo auch die Plaza Italia im Gebiet Baquedano, dem Epizentrum der Proteste. Spürt ihr es, fragt er uns. In der Tat, wir haben ein seltsames Gefühl in der Nase und ein Beissen in den Augen. Tränengas, das an warmen Tagen vom Boden aufsteigt, erklärt er uns. Wir werden noch nähere Bekanntschaft damit machen. Während den Tagen in Santiago spüren wir eine Anspannung, es liegt etwas in der Luft – die Ruhe vor dem Sturm. Und tatsächlich ist es eine gute Woche nach unserem Aufenthalt in der Hauptstadt wieder zu mehr Demonstrationen gekommen, mehrere Menschen starben, Supermärkte wurden geplündert und in Brand gesetzt. Wir haben also Glück gehabt, gerade während den Sommerferien in Santiago zu sein, während viele noch in den Ferien weilten und die Unis noch geschlossen waren.

    Nach einem Tag mit vielen Infos über die Geschichte Chiles und die aktuelle Lage im über 4000 Kilometer «langen» Andenstaat brauchen wir tags darauf etwas Erholung. Wir besuchen den Fischmarkt der Stadt – Lachs, kleine Haie, Krabben, und und und werden hier feilgeboten. Die meisten Fische kennen wir nicht mal mit Namen. Weiter geht es zum Blumenmarkt, wo es schön ruhig ist und gut duftet. Im Gemüse- und Früchtemarkt sind wir beeindruckt über die Auswahl und den Sortenreichtum. Es gibt Esswaren, welche wir noch nie gesehen haben. Am liebsten möchten wir alles probieren. Anschliessend geht es mit der Standseilbahn auf den Cerro San Cristobal, der viel weitläufiger ist, als wir angenommen haben. Der rund 1800 Hektaren umfassende Hügel ist das Naherholungsgebiet der Stadt. Da oben ist die Welt eine andere. Es ist ruhig und man geniesst einen tollen Ausblick auf die Stadt. Nur die Andengipfel, welche sich unweit der Stadt in die Höhe türmen, lassen sich kaum sehen. Liegt wohl am Smog, obwohl uns brasilianische Touristen erzählen, dass die schlechte Sicht auf den Rauch der australischen Buschbrände zurückzuführen sei. In einer farbigen kleinen Gondel schweben wir einige hundert Meter über den Hügel, wo wir bei der Mittelstation aussteigen. Hier wartet eine sehr schöne und gepflegte Badi auf uns. Huch, tut die Abkühlung gut. Wir wähnen uns so gar nicht mehr in einer Grossstadt. Unser erstes Badi-Erlebnis ist ein voller Erfolg. Eine weitere Premiere ist der Mote con Huesillos – ein Getränk, das man in Chile an allen Ecken und vor allem an den Strassenständen kaufen kann. Es handelt sich dabei um eine sirupartige Flüssigkeit, in welche eine getrocknete und gesüsste Pfirsich eingelegt und geschälter Weizen beigegeben wird. Gut, es mal probiert zu haben, das Sommergetränk schmeckt aber nur dem kulinarischen Kuriositäten nicht abgeneigten Simon.

    Roseline braucht dringend einen Rucksack. Ihre Tasche hat sich für lange Busfahrten und Wanderungen als ungeeignet erwiesen, weshalb wir das Costanera Center besuchen. Ein riesiger, moderner Shopping-Komplex, bei dem sich der Gran Torre befindet. Der Wolkenkratzer ist mit 300 Metern das höchste Gebäude Südamerikas. Das Costanera Center ist ein krasser Gegensatz zu den armen Gegenden in Santiago, zum chaotischen, lärmigen Mercado Central oder zu Strassen in der Innenstadt. Dort gibt es an einer Strasse jeweils nur Lampenläden, an einer anderen Strasse wiederum sind diverse Optikergeschäfte zu finden. Im Costanera Center präsentieren sich jegliche Ladenketten, welche auch in Europa und Amerika präsent sind, und wir fragen uns, wer sich all diese Luxusartikel überhaupt leisten kann. Praktisch ist, dass es eine ganze Ebene mit Outdoor-Shops gibt, was das Vergleichen von Rucksäcken wesentlich erleichtert und bald können wir die Mall zufrieden und mit plus einem Rucksack wieder verlassen.

    Schon bricht der letzte Abend in Santiago an. Die Stadt hat uns zwar nicht ganz so gefesselt wie Buenos Aires, aber nach ein paar Tagen haben wir sie irgendwie trotzdem liebgewonnen. Und es gibt durchaus tolle Ecken – etwa das schmucke Barrio Lastarria, wo wir ein tolles vietnamesisches Essen genossen haben, den Cerro San Cristobal oder den Gemüsemarkt La Vega. Am letzten Abend gönnen wir uns einen Kinobesuch, bei dem Glace und Getränke teurer sind als der Film. «Jojo Rabbit», ein englischsprachiger Film, mit deutschen Liedern (er spielte während der Zeit von Hitler) und spanischen Untertiteln – irgendwie verwirrend, irgendwie cool. Irgendwie ein bisschen wie Santiago.
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  • Day19

    Weitere Impressionen aus Santiago

    January 20 in Chile ⋅ ☀️ 27 °C

    Aufgrund der Fülle an Fotos gibt es hier einige weitere Impressionen zum Beitrag über Santiago.

  • Day17

    Bienestar en Pucón

    January 18 in Chile ⋅ ☀️ 25 °C

    Für einmal fassen wir uns kurz, den Beitrag zu Pucón gibt es in acht Sätzen.

    Vulkan: Der Volcán Villarica ist ein Prachtskerl von einem Vulkan und wacht majestätisch über die Gegend.

    Schwarzer Strand: Mehrere Seen in der Region laden zum Baden ein, mitunter auch mit grobkörnigem, schwarzem Sand.

    Hortensien: In voller Blüte verschönerten sie das ansonsten schon schmucke Pucón.

    Wasserfälle: Zum Teil versteckt, aber wunderschön – anstrengender, aber lohnender Ab- und Aufstieg.

    Colectivo: Spannendes Transportsystem, bei welchem man sich ein Taxi teilt – wirklich durschaut haben wir dieses System aber noch nicht.

    Pizza^2: Was soll man sagen, sie war lecker und es musste schnell gehen.

    Kaltes Plättli: Eignet sich nur bedingt als Mitnahme-Snack für eine Minibus-Tour in der Region.

    Caramelito & Sombrero: Zwei streunende Hunde und treue Begleiter auf unserer Wanderung (haben sich dann aber plötzlich sang- und klanglos verabschiedet).
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  • Day14

    Ruedi aus Valdivia

    January 15 in Chile ⋅ ⛅ 15 °C

    Die erste längere Busfahrt liegt vor uns. Als wir einsteigen, sind wir guten Mutes, handelt es sich doch um einen sauberen und modernen Car. Eigentlich sind war ganz froh, dass wir auf der Fahrt nun Zeit zum Lesen haben. Doch solange es noch hell ist, blicken wir die meiste Zeit lieber aus dem Fenster und bestaunen die Landschaft. Der Weg führt uns von Bariloche durch kaum besiedelte Gegenden, an Seen entlang. Stetig fahren wir bergauf Richtung Anden. Auf einmal fährt aber gar nichts mehr und wir stellen fest, dass wir bei der argentinischen Grenze angelangt sind. Zwei Grenzwächter kommen in den Car und kontrollieren die Pässe. Unsere Pässe wollen sie jedoch nicht sehen. Dann tut sich für eine ganze Weile gar nichts mehr. Etwa zwei Stunden stehen wir im Nirgendwo, können den Car aber auch nicht verlassen. Uns wird klar, dass wir Valdivia erst in der Nacht erreichen werden. Plötzlich kommt Hektik auf. Alle müssen mit ihren Dokumenten den Car verlassen. Wieder einmal Schlange stehen und das Einreiseformular ausfüllen. Dort müssen wir auch bestätigen, dass wir keine frischen Lebensmittel und fremdartigen Getreide nach Chile einführen. Zum Glück wurden wir bereits im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, da bei einer Widerhandlung hohe Bussen drohen.

    Nach einer kurzen Weiterfahrt kommen wir an die chilenische Grenze. Dort wartet ein Labrador in einer Box schon sehnlichst auf uns – oder besser gesagt auf unser Gepäck. Wieder müssen alle aus dem Bus raus und uns in einem Kabäuschen in eine Schlange stellen. Auch alle Gepäckstücke werden aus dem Bus geschafft und auf einer speziellen Rampe aufgereiht. Nun bietet sich uns eine höchst interessante Vorführung: Bestens trainiert beschnüffelt der Vierbeiner sämtliche Gepäckstücke. Wieder und wieder rennt er durch die Reihen, wuselt um die Rucksäcke, Koffer und Taschen und schnuppert daran. Bei einigen Gepäckstücken verweilt er besonders lange und will sie geradezu anspringen. Diese stellt der Zollbeamte auf die Seite, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Begeistert (die Hälfte von uns), aber auch etwas angespannt (Roseline) schauen wir zu und sind auf jeden Fall froh, dass unser Gepäck es nicht in die Auswahl geschafft hat. Weiter geht es, nun wieder bergabwärts. Nach zehn Stunden erreichen wir die chilenische Stadt Valdivia. Aufgrund unserer Verspätung hat sich die Vermieterin unserer Unterkunft schon Sorgen gemacht. Obwohl wir nahe am Einschlafen sind, erklärt sie uns noch in aller Seelenruhe, was wir tags darauf in der Stadt alles unternehmen können.

    Valdivia ist nicht schmuck. Und uns fällt sofort auf, dass es hier nicht wie in Bariloche von Touristen wimmelt. Gerade diese Tatsache gefällt uns. Und je länger wir uns hier aufhalten, desto mehr erkennen wir den Charme des Ortes. Dass Valdivia kaum prächtige alte Gebäude hat, liegt sicher auch am Erdbeben vom 22. Mai 1960. Mit 9,5 auf der Richterskala handelt es sich um das stärkste jemals aufgezeichnete Erdbeben. Beruhigend. Ein darauffolgender Tsunami zerstörte weite Teile der Küste und führte zu zwei Millionen Obdachlosen. Heute ist Valdivia vor allem als Studentenstadt mit mehreren Universitäten bekannt.

    Wir besuchen den Fischmarkt und schauen zu, wie die Robben die Reste der von den Fischhändlern weggeworfenen Fische verzehren. Wir fahren mit einem Microbus (diese Busse sind uns viel sympathischer als jene in Argentinien) nach Fuerte de Niebla ans Meer. Danach erfahren wir auf einer Besichtigung der Brauerei Kunstmann viel Wissenswertes über das Bierbrauen im Allgemeinen, das Reinheitsgebot und die Deutschen Wurzeln dieses Familienunternehmens. Bei der Verkostung erhalten wir noch je einen Humpen Bier – mal schauen, ob er es heil bis in die Schweiz schafft. Wir essen den ersten Ceviche in Südamerika und geniessen dazu einen chilenischen Pisco Sour (ob der chilenische oder der peruanische besser ist, lassen wir an dieser Stelle noch offen). Die Restaurantwahl ist ausgezeichnet. Dies haben wir auch unserem neuen Bekannten zu verdanken.

    Am Vormittag verweilten wir lange in einem gemütlichen Café, um unsere weitere Reise zu planen. Sich auf Destinationen festlegen, Busse raussuchen, Unterkünfte buchen und ein Auto mieten, das braucht viel Zeit. Wir sind aber dankbar, dass dies – zumindest in Argentinien, Uruguay und Chile – online bestens klappt. Während wir fleissig am Planen sind, hören wir aus dem Nichts die Frage «Ghörenech da Schwiizerdütsch?». Wir sind perplex und bejahen. Beim Fragesteller handelt es sich um Rodolfo, dessen Schweizer Vorfahren nach Chile immigrierten. Ruedi, wie er in der Schweiz genannt wird, wuchs in Chile auf, studierte und lebte aber rund ein Jahrzehnt in der Schweiz, wo heute seine Kinder leben. Für uns war es faszinierend, mitten in Valdivia, von einem Valdivianer, der perfekt Schweizerdeutsch sprach, so viel Interessantes über die Stadt, das Land und vor allem auch seine eigene spannende Vita zu erfahren. Auf jeden Fall wird uns die Begegnung mit Ruedi aus Valdivia in bester Erinnerung bleiben.
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