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  • Day110

    Sucre - Die überraschende Hauptstadt

    February 24 in Bolivia ⋅ ☀️ 21 °C

    Erst wenige Tage vor unserer Ankunft haben wir überraschend erfahren, dass Sucre die Hauptstadt Boliviens ist - und nicht wie gedacht La Paz. Zwar ist dort der Regierungssitz, trotzdem ist Sucre nach langem hin und her, bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen, nun ofiziell gemäss Verfassung die Hauptstadt.
    Die Stadt überrascht durch ihre Schönheit. Weisse Häuser prägen das Stadtbild, viele gemütliche Restaurants und Kaffees versüssen den Aufenthalt. Ihren Reichtum verdankt die Stadt dem Cerro Rico von Potosi. Als der Berg den Leuten noch viel Reichtum bescherte, suchten diese einen besseren Ort um zu leben und wurden mit Sucre fündig. Es hat ein milderes Klima und ist mit ca 2500m einiges wärmer als das über 4000m hohe Potosi.
    Der Name Sucre stammt vom revolutionären Führer Antonio José de Sucre und nicht wie man denken könnte von Zucker auf französisch übersetzt
    Als Unterkunft erwartet uns ein altes Herrenhaus und wir erfreuen uns ab einem schönen Doppelzimmer mit einem schönen Innenhof. Nicht zum ersten Mal haben wir ein gewöhnungsbedürftiges Bad - die Dusche besteht aus einer Brause und einem Drehkopf, Vorhang oder einen Rand gibt es nicht - sprich der ganze Badzimmer-Boden ist pflotschnass. Dafür kann man gleichzeitig Zähne putzen oder das WC nutzen;-)
    Wir werden freudig von Helen und Felix empfangen, ein sympathisches schwedisches Paar, welches wir im Hostel in San Pedro de Atacama kennengelernt haben. Sie waren bereits in La Paz, als sie feststellten, dass sie vergessen haben Sucre zu besuchen. Immerhin nur 10 Busstunden entfernt... auf dem Weg von La Paz nach Sucre merkten sie plötzlich, dass ihre Pässe nicht mitgekommen sind, die warten noch im Hotel Safe... Zwei wirklich amüsante Zeitgenossen:-)
    Nach der ersten Nacht entdecke ich drei Stiche am Nacken - alle beieinander. Dani entdeckt drei an seinem Arm und an seiner Stirn sind 4 rote Punkte zu sehen. Alarmstufe rot - wir befürchten das Schlimmste. Sogleich informieren wir eine Mitarbeiterin über unseren Wanzen Verdacht. Wie wir später erfahren haben sie anschliessend unser ganzes Zimmer auseinander genommen und das Bett neu angezogen und so wie es scheint erfolgreich, es kommen keine weiteren dazu.
    Nebst einer "Walking" Tour, auf der wir viel Spannendes über Sucre erfahren haben, buchen wir erstmals eine Pub Crawl Tour. Bei dieser Tour geht man von Bar zu Bar, erhält überall einen anderen Drink und lernt das Nachtleben kennen. Normalerweise bestehen solche Tours aus einem Guide und x ausländischen Touristen, die sich betrinken möchten - was eigentlich nicht unser Ding ist. Das Spezielle an unserer Tour ist, dass sie zum ersten Mal überhaupt stattfindet. Die Werbung scheint nicht so gut funktioniert zu haben und so sind die beiden Schweden und wir zuerst die einzigen Teilnehmer, später kommt noch ein Spanisch-Bolivianisches Paar dazu. Aber das Tolle ist, dass 7 Einheimische dabei sind und zwar alles Guides dieser Agentur, welche die erste Pub Crawl Tour nicht verpassen möchten. So haben wir jede Menge Spass, sie alle erzählen stolz, wo sie in Ihrer Jugend illegal getrunken haben (in Bolivien ist Trinken auf der Strasse illegal) und organisieren uns jede Menge Drinks. Das Gute ist, dass die Tour bereits um 8 Uhr begonnen hat und um 12/1h fertig ist und nicht wie in anderen Städten erst um Mitternacht beginnt.
    Was nicht so Spass macht, ist dann das Aufstehen am nächsten Morgen. Zum Glück haben wir kein grosses Programm und so gibt es einen Faulenz Tag.
    Dafür sind wir am Sonntag wieder voller Tatendrang und es wartet eine tolle Überrachung auf uns - Carneval! Um 10 Uhr morgens sind die Strassenrände bereits gefüllt mit Schaulustigen, etwa 30 Minuten später beginnt die Parade, die bis am Nachmittag dauern wird. Bunte Farben, prachtvolle Kleider, stimmungsvolle Musik, lachende Gesichter - ein Gaumenschmaus für die Augen! In den Lücken der aufeinanderfolgenden Gruppen wird die Strasse zu einer Schaum-Spray-Schlacht der Kinder. Auch wir werden nicht verschont und kriegen ein paar weisse Schaumflecken.
    Nach einer guten Stunde steht unser nächster Programpunkt an - Dinosaurierspuren! Hier sollte die grösste Sammlung der Welt sein! (Völlig überflüssig) ausgerüstet mit Helmen nähern wir uns mit etwa 30 Gleichgesinnten der berühmten Wand mit den Spuren. Man sieht die Fussabdrücke gut, trotzdem haut es uns irgendwie nicht um. Faszinierend ist jedoch der Gedanke, wie unglaublich alt die sein müssen und wie sie entstanden sind und gefunden wurden, schliesslich gehen die Spuren senkrecht die Wand hinauf. Unser Guide klärt auf: Früher war dort ein See mit viel Schlamm. Durch die speziellen Mineralien wurden diese Abdrücke versteinert. Als die tektonischen Platen aufeinandergestossen sind, erhebte sich die ganze Ebene zu einem Berg. Wegen einem Erdbeben vor ca 50 Jahren hat sich eine Zementfirma dort installiert und begonnen, den Berg abzubauen für Zement. Irgendwann stiessen sie auf schlechte Mineralien für Zement und haben den Abbau gestoppt. Durch Wind und Regen wurden die Dinosaurier Spuren plötzlich sichtbar und so nahm das Ganze seinen Lauf. Purer Zufall also diese ganze Entdeckung.
    Wir runden unseren Aufenthalt in Sucre mit dem Besuch der Wasserfontäne ab. Ein wunderschönes Schauspiel zwischen Musik, Farben und Wasser begeistert unsere Sinne und lässt uns fast die Zeit vergessen.
    Wir schaffen es noch pünktlich vor 21 Uhr ans Busterminal, wo unser Bus uns über Nacht nach Cochabamba bringen wird.
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