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  • Day6

    Auge des Zyklons - Made in Germany

    October 6 in France ⋅ ⛅ 16 °C

    Es war 4 Uhr, als ich wegen Donnergrollens hochschreckte. Ein Blick aus dem Fenster: Der nächste schwere Sturm im Anmarsch. Jetzt reichte es! Ich studierte das Regenradar: Gegen 11 Uhr wird in Dünkirchen ein Orkan erwartet, mit anschließenden 2 Tagen Dauerregen. 200 km entfernt jedoch Sonne. Mein Entschluss war schnell gefasst: Abfahrt nach dem Frühstück.
    Beim Anblick durch die Hotelfenster bekam ich weiche Knie. Junge, Junge, das sind Wassermassen. Wie begegnet man diesen? Mit „stürmischer Musik“: „Stormy weather“, „Locomotive breath“ und weiteren Rocksongs. Ich zog alles an, was irgendwie wasserabweisend ist und bestieg meine Maschine. Das Triebwerk schien gegen den Wind anbrüllen zu wollen, so, als würde es den Kampf aufnehmen. Ich fuhr die Scheibe hoch, nahm den Kopf tief zwischen die Schultern und drehte die Musik auf: Jo Cocker & Co gaben ihr Bestes.
    Der Wind war schlimmer als der Regen, doch das eintönige Blubbern der Maschine bei aktiviertem Tempomat war irgendwie zuverlässig....beruhigend. Ich war mir sicher: Sie würde mich hier raustragen.

    2 Stunden später und 200 km entfernt riss der Himmel auf: Ich war durch und entkommen. Auch Barbara war erleichtert: Sie verfolgte meinen Ritt von zu Hause online, hat auch Regenradar und meinen Live-Standort, und rief mich sorgenvoll an.

    Die „Brücke der Normandie“ konnte ich bei bester Sicht befahren: Was für ein Eindruck!! Gigantisch !! Das war die Einfahrt in die tiefere Normandie. Ich konnte jetzt wieder „kurvenreiche Route“ aktivieren und erreichte nach 9 Stunden Fahrt mit Km-Stand 2005 den „Juno-Strand“.

    1944 landeten hier 14.000 Kanadier. Sie sollten von Panzern bei der Landung unterstützt werden, doch diese sind im Meer versunken. Dieser Strand war der Todesort für viele Tausend Soldaten.
    Heute erinnert hier fast nichts mehr daran, außer ein paar Gedenktafeln. Und doch sitze ich hier und gedenke derer, die ihr Leben dafür ließen, dass ich 15 Jahre nach dem Krieg in einer freiheitlichen Demokratie geboren wurde. Was wäre aus mir geworden, wenn die Kanadier nicht gewonnen hätten? Ich bin bewegt, an diesem Ort zu sein und muss mir eine Träne verkneifen.

    Abends diskutiere ich mit einem Franzosen, der Englisch so gut spricht wie ich Französisch. Es fängt natürlich mit dem Motorrad an:
    Er: „Eine tolle Maschine.“
    Ich: „Ja, und ich liebe es, sie zu fahren.“
    Er: „Made in Germany“ ist toll! Ich fahre Mercedes.“
    Im weiteren Verlauf diskutieren wir über „Made in Germany“ und er erinnert mich daran, dass es eine Erfindung der Briten war: Waren aus Deutschland wurden so gekennzeichnet, um den Verkauf nach England nach dem Krieg zu erschweren. Deutsche Ingenieure antworteten mit unschlagbarer Qualität und drehten so „den Spieß“ um.
    Er verabschiedete sich mit: „Bon voyage“ und ich winkte mit der linken Hand zum Gruße

    Erkenntnis des Tages:

    Geschichte ist wichtig, um zu begreifen.
    „Wenn Du nicht weißt, woher Du kommst, weißt Du nicht, wohin Du gehst“
    (Zitat eines vietnamesischen Mönchs in einem Interview mit Dana Duckstein)
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