Satellite
Show on map
  • Day39

    Abschließende Gedanken + Danksagung

    November 8, 2019 in Germany ⋅ ☀️ 5 °C

    Ich bin auf dem direkten Weg nach Hause und werde morgen Nachmittag eintreffen. Es wird eine reine Autobahnfahrt, weshalb ich wahrscheinlich nicht mehr viel erleben werde. Heile ankommen, das ist das Ziel. Ich bin froh, es noch vor dem Schnee geschafft zu haben und freue mich auch auf Zuhause. Doch begleiten mich auch ein paar wehmütige Gedanken, denn es war aufregend, schön und auch erfahrungsreich.

    Jetzt scheint mir der richtige Zeitpunkt zu sein, „Danke“ zu sagen:

    Die Idee, diese Reise zu machen, entstand in einer wirren Mischung aus Frust, Trotz, Abenteuerlust und dem Gefühl „ Wenn nicht jetzt, wann dann?“

    Vieles ist in den letzten 24 Monaten passiert, was mich tief berührt hat. Sowohl positiv wie auch negativ. Träume sind geplatzt, eine 40-Jahre alte Freundschaft ist abrupt beendet, nie dagewesene berufliche Herausforderungen sorgten für Stress und ich muss mich auf einen neuen Lebensabschnitt vorbereiten.
    Vieles ist zu bedenken und mit Vielem muss ich ins Reine kommen.

    Die größte Herausforderung war, diese Tour alleine zu machen. Ich bin nicht gerne alleine unterwegs. Doch ich war nicht alleine: Niemals hätte ich gedacht, dass sich so viele gedanklich auf meinen „Soziussitz“ setzen und Ihre Gedanken mit mir teilen. Sei es in Form von Kommentaren, per Email, Telefon, WhatsApp oder über Dritte. Vielen vielen Dank an Euch alle, die ihr mich in Gedanken begleitet habt! 🥰
    Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft!

    Das ist kein Spruch!
    Es gibt etwas, was sich gegenüber meiner Reise vor 40 Jahren geändert hat:
    Damals gab es kein Internet, kein „Social Network“, keine Fernseher in den Bars und Restaurants. Wer sich unterhalten wollte, musste dies persönlich tun. Was ich damit sagen will? Dass es heute ungleich schwieriger ist, in Kontakt zu kommen, denn die meisten sitzen an ihren Handys und kommunizieren mit Personen, die gar nicht da sind und haben deshalb für Anwesende keine Zeit.
    Damals waren die Menschen einfach offener. Schon aus Mangel an Alternative.
    Ich habe mich täglich bemüht, und zwar aktiv und extrovertiert, andere kennenzulernen. Es ist mir aber nicht jeden Tag gelungen.
    Deshalb vielen Dank an Euch! Die Kontakte zu Euch haben einem Einsamkeitssyndrom entgegengewirkt. Und deshalb: Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft!

    Ein paar weitergehende Gedanken:

    Es gibt eine Sache, die mich als Motorradfahrer von Anfang an begeistert hat: Der ungeschriebene Zusammenhalt der Fahrer. Das gegenseitige Grüßen mag man für blöd befinden. Aber wenn ich mit meiner Maschine am Wegesrand stand, zum Beispiel weil ich fotografieren oder mich orientieren wollte, haben mich die Motorradfahrer mit hochgerecktem Daumen gefragt, ob alles i.O. ist oder ob ich Hilfe benötige. Alle!! Kein Autofahrer hat gefragt!
    DAS mag ich an dieser Gemeinschaft!

    Mir wurden viele Fragen zur Reise gestellt, die ich hier gerne zusammenfassen möchte:

    Die drei wichtigsten Zubehörteile an der Maschine?
    1. Die hohe Scheibe
    2. Die hohe Scheibe
    3. Die hohe Scheibe

    Was mir am Besten gefallen hat?
    Schwierig zu beantworten.
    Landschaftlich: Die „Sierra Nevada“ und der Nationalpark im Südwesten Portugals.
    Situativ: Die Übernachtung in „Banos“, im „Blümchenzimmer“
    Menschlich: Ellen + Georg, und Conny und Uwe

    Was mir am wenigsten gefallen hat?
    Der Raubbau, den der Mensch an der Natur betreibt! Zu Lande, Luft und Wasser: Der Mensch kennt kein „Pardon“! 8 Mrd. Menschen sind 4 Mrd. zuviel!

    War es gefährlich?
    Ja, in vielen Situationen, die ich hier nicht beschrieben habe. Es ist gut ausgegangen, weil:
    Die Vorbereitungen und Planungen gut waren,
    Weil der „Weg das Ziel war“. Niemals Druck!
    Und der Rest war Glück, Schicksal oder Gott

    Würde ich es wieder machen?
    JA JA JA 👍!!!

    Was hat es mir gebracht?
    Berthold Beitz hat einmal gesagt: „Einmal sehen ist besser als 100-mal hören.“ Ich verstehe Europa noch besser als vorher und bin dankbar für das Schicksal, in Deutschland geboren zu sein, zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Eltern! Es war/ist ein „Jackpot“.

    Ich hatte außerdem die Muße, über verschiedene Themen, die mich zur Zeit stark bewegen, nachzudenken, und ich bin in so mancher Sache zu einer Entscheidung gekommen. Meine Erwartungshaltung zum Thema „Jakobsweg“ hat sich deshalb zum großen Teil erfüllt.

    Meine Durchschnittsgeschwindigkeit?
    53 km/h

    Meine Höchstgeschwindigkeit?
    Möchte ich nicht sagen 😉

    Was hat es gekostet?
    100 EUR am Tag / all in

    Waren es die richtigen Monate?
    Für DIESE Tour gibt‘s nur zwei Möglichkeiten: April/Mai im Uhrzeigersinn um Europa oder Okt/Nov gegen den Uhrzeigersinn.
    Ja, es war die richtige Zeit.

    Ist dies das Ende?
    Ich hoffe nicht. Die andere Hälfte von Europa fehlt noch. 🤣🤣 Und „Tibet“ ist noch nicht vom Tisch 😉

    Ich wünsche allen besinnliche und harmonische Festtage.
    Bewahrt die Fähigkeit, das Gute und Schöne in den kleinen und kurzen Momenten zu sehen. Dies sind die wichtigen Momente. Alles andere ist nur hübsches Beiwerk.

    Vielen Dank und bis bald!

    Dies war der letzte Eintrag.

    Wie geht es weiter: Aus diesem ganzen Inhalt lasse ich mir eine Papierversion/ Fotobuch machen. Wer Lust hat, kann es sich gerne ansehen. Und falls jemand etwas Ähnliches plant und Fragen hat: Gerne anrufen. Ick freu ma!😎
    Read more