Berlin - Tarifa - Berlin 10.000 km Roadtrip „Frankreich + iberische Halbinsel“ Mein ganz persönlicher „Jakobsweg“ -allein- - mit Stil und Abenteuer- - Gott und Gedanken suchend - - eine Reise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft -
  • Day29

    Teil 1: Vormittag - Australier in Europa

    October 29, 2019 in Spain ⋅ ☀️ 18 °C

    Beim Frühstück treffe ich ein älteres australisches Paar, deren Ruhestand im März begann. Daraufhin kauften sie erst ein Flugticket nach Europa, dann hier ein Auto und sind nun seit 4 Monaten unterwegs und sehen sich ganz Europa an. Mit diesen Beiden hatte ich sehr viel zu erzählen. Und es war spannend zu erfahren, wie Europa aus Sicht „Fremder“ gesehen wird.

    Mein eigentliches Ziel ist heute ein Kiosk. Er trägt den Namen „Hoya de la Mora“. (Da will ich einen Kaffee trinken... völlig unwichtig, aber man braucht ja ein Ziel)

    Die ersten 40 km fahre ich wieder die A7 entlang der Küste. Dann gebe ich „Granada“ ein und verlasse die Autobahn.

    Während der Fahrt denke ich an den Hochstapler „Karl May“, der niemals in der „Sierra Nevada“, in den „Rocky Mountains“ war, der einfach nur Reiseberichte anderer über die „Sierra Nevada“ genommen und diese um 1900 für seine Erzählungen in dermaßen realistischer Art und Weise genutzt hat, dass alle Welt glaubte, er wäre dort gewesen. Ich hatte ALLE Originalausgaben (also die ungekürzten) vor 40 Jahren gelesen und glaubte auch, er wäre dort gewesen. Ich erinnerte mich daran, als ich in das Naturschutzgebiet „Sierra Nevada“ einfuhr. Und seit heute Abend weiß ich: Seine Beschreibungen passen auch auf diese „Sierra Nevada“.

    Ich hatte mich auf Gebirgspässe eingestellt. Weit gefehlt: Menschenleere 3-spurige Bergstraßen lassen mich mit 70 km/h die Berge nur noch in langgezogenen Schräglagen cruisen. Höher und höher, vorbei an Stauseen, alten maurischen Burgen, tiefen Schluchten... bis oberhalb der Windkrafträder. Viele Male machte ich Pause, staunte und besichtigte.

    Ich erreichte Granada. Eine moderne Großstadt mit totalem Verkehrschaos mitten in den Bergen.

    .... weiter im Teil 2
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  • Day29

    Teil 2: Nachmittag - Schotte in Rente

    October 29, 2019 in Spain ⋅ ☀️ 13 °C

    Ich war 1.300 m hoch und erreichte eine Kleinstadt. Gleich am Ortseingang ein riesiger Supermarkt und ich hatte Hunger. NIEMALS hätte ich im Hochgebirge eine solche Fischtheke erwartet! Ich entschied mich für eine Paella. Die war sowas von lecker!

    Dann sah ich endlich den Schnee. Da wollte ich hin. Dort ist der Kiosk! Also los. Ins Navi gab ich „Hoya de la Mora“ ein.

    Ich kann mit Worten nicht beschreiben, was das für eine fantastische Fahrt war: Eindrücke und Ausblicke vom Feinsten!

    Unterwegs begegne ich der Schafherde mit dem müden „Schäferhund“ und musste lachen.

    Oben, auf 2.600 m, am Kiosk angekommen, treffe ich einen Schotten. Er ist, genauso wie ich, seit diesem Monat im Ruhestand, und macht aktuell 4 Monate Südeuropa, will danach 3 Monate nach Asien und noch 5 Monate nach Südamerika! Alleine! Wir haben ohne Ende gequatscht und die Zeit verging wie im Flug. Als es anfing dunkel zu werden, verabschiedete ich mich mit: „Good luck for the Brexit“. Lachend ballte er die Faust und schimpfte scherzhaft.

    Ich musste mir dringend eine Unterkunft suchen. Die fand ich in 1.300 m bei nahezu Null Grad in „Baños“..... Es war arschkalt... insbesondere nach den 28 Grad am Morgen an der Küste.

    Erkenntnis des Tages:

    Europa ist unglaublich schön!
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  • Day28

    "Brexit-Bier", Tibet + Weihnachten

    October 28, 2019 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Mit Uwe aus Barnim habe ich einen sehr schönen Abend verbracht. Wir führten natürlich „Benzingespräche“, sprachen aber auch über das Leben, die Kinder, die Jobs und die Rente, die auch ihm in absehbarer Zeit bevorsteht. Er berichtete mir, dass er aktuell alle 4 Wochen hier in Spanien sei, um Motorrad zu fahren: Für seine Maschine hat er in Malaga eine Unterstellmöglichkeit gefunden. Und alle 4 Wochen fliegt er für 50 EUR von Berlin für ein verlängertes Wochende nach Malaga. Von dort startet er seine Touren. Sein nächstes Ziel: 1 Woche Fahren in Portugal....So geht‘s auch.

    Vor einigen Jahren sei er über mehrere Monate alleine unterwegs gewesen. Daher kenne er das „Einsamkeitssyndrom“.
    Ich konnte ihm erzählen, dass mich die Aufgabe, das online-Tagebuch zu schreiben, täglich gut beschäftigt und dass es die Kommentare und die „Likes“ (das Anklicken des roten Herzchens) sind, die meiner Einsamkeit entgegenwirken. Wir philosophierten noch über Vor- und Nachteile der „digitalen Gesellschaft“ und tranken dazu „Brexit-Bier“: Das ist Nord-Irisches Bier (Kilkenny), getrunken in einem englischen Pub.😂
    Dann schmiedeten wir den Plan, mit dem Moped gemeinsam nach Tibet zu fahren. 😉

    Auf dem Weg in meine Unterkunft stellte ich fest, dass „The Upper Rock“, also die gewaltige Felsenspitze von Gibraltar, von Wolken verhangen war. Um dieses Naturschauspiel fotografieren zu können, musste ich nochmal zur Grenze. Hohe Zäune, jede Menge Zöllner und Kontrollen. Hier ist man jedenfalls auf den Brexit vorbereitet. Was dann allerdings von den 30.000 Einwohnern Gibraltars diejenigen machen, die aktuell in Spanien arbeiten und anschließend über die Grenze nach Hause fahren, ist mir schleierhaft.

    Den Morgen begann ich mit dem Programmieren meines Navi. Dabei überfiel mich ein seltsam wehmütiges Gefühl, als ich die Himmelsrichtung „Nord“ eingab: Irgendwie beginnt jetzt der Heimweg....

    Ich fuhr die Küstenstraße zunächst bis „Marbella“. Es war keine schöne Fahrt: Die Küste wird von der Autobahn A7 beherrscht, die bis ans Wasser reicht. Die gesamte Strecke war bebaut. Natur war nur in den entfernten Bergen zu sehen.

    Marbella ist ein „Nobel-Ort“. Herausgeputzt für die Touristen, die bereit sind, das 3-fache der Preise des Hinterlandes zu bezahlen. Die Touristen werden bestens beschützt, am Strand sogar von Reiterstaffeln.
    Nach meinen Eindrücken in den Naturparks wirkte das Ganze zwar schön, aber auch falsch und künstlich auf mich. Mit Spanien hat das rein gar nichts mehr zu tun, aber wer einfach nur am Strand liegen und essen und trinken möchte, ist hier bestens aufgehoben. Zum Motorradfahren ist es allerdings ungeeignet. Aber zum Sonnenbaden im Winter ideal.

    Ich entschloss mich, eine Route nach Malaga durch die Berge zu suchen und machte mich erneut auf den Weg, der sich dann schwieriger als gedacht herausstellte: Für die Luftlinie von 50km wollte mein Navi zwingend 800 km fahren. Ich konnte machen, was ich wollte: Ohne wenigstens teilweise Autobahn zu fahren, ging es nicht.

    Malaga stellte sich dann als großflächige Großstadt mit einer typischen, historischen Innenstadt heraus. Am Strand wie eine Kopie von Marbella: Liegestühle, Strand und Kneipen. Allerdings ist in einer Hauptstraße bereits die Weihnachtsdekoration installiert. Bin ich schon so lange unterwegs? Ist schon Weihnachten?
    Im Hafen sitzen die Pärchen in den Bars und Restaurants, halten sich in den Armen und warten darauf, dass die Sonne über den alten, ehrwürdigen Gebäuden untergeht.
    Hier sitze ich jetzt auch...und Barbara fehlt mir. Ob sie wohl mit nach Tibet fährt?

    Fazit: Morgen fahre ich wieder in die Berge!

    Erkenntnis des Tages:

    Wenn bewährte Konzepte weltweit kopiert werden, sieht die Welt zum Schluss überall gleich aus.
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  • Day27

    "Fahrmodus", Tränen + Gänsegeier

    October 27, 2019 in Spain ⋅ ⛅ 19 °C

    Die „Sierra Grazalema“ ist das regenreichste Gebiet Spaniens. Üppigste Vegetation, schroffe Felsen und tolle Ausblicke. Das war mein „Eldorado“ bei der Kuvenfresserei heute, auf dem Weg zum südlichsten Punkt des europäischen Festlands: „Tarifa“ (und nicht Gibraltar).

    Das morgendliche Einpacken, das Checken der Maschine, das Anlegen der Ausrüstung....alles das ist mir in den letzten Wochen zur angenehmen Routine geworden.

    Ich klappte das Sonnenvisier herunter, blinzelte in die aufgestiegene Sonne und startete die Maschine. Mit dem vernehmlichen „Klack“ des ersten Ganges nahm ich meine „Touren-Sitzposition“ ein und fuhr langsam der ersten Steigung entgegen. 200 km Gebirgstour erwarteten mich, quer durch dieses riesige Naturschutzgebiet.
    Berge bis hoch auf 1.700 m, steile Kehren ebenso, wie großartige Ausblicke auf kleine, verschlafene Ortschaften. Das sind 6 Stunden Fahrt durch fantastische Landschaften dieses Karstgebirges auf Straßen, die oft sehr einsam sind. Besser keinen Unfall bauen: Die „Gänsegeier“, die hier ihre größte Kolonie haben, ziehen am Himmel bereits ihre Kreise und scheinen nur auf mich als Mittagsmahl zu warten.

    Ich merke, wie ich im Laufe der letzten Wochen in einen „Fahrmodus“, einen „Reisemodus“ innerlich umgeschaltet habe.
    Bei der Konzentration auf die nächste Kehre sind alle Alltagsprobleme verschwunden und ich fühle mich einfach nur großartig. Dazu lege ich mir spanische Gitarrenlieder in den Helm und „fühle“ Spanien. ¡Olé!

    Ich komme um eine Kurve und sehe....Afrika! ......Als Silhouette am Horizont, aber klar und deutlich. Auch die Lichter von „Tanger“ kann ich erkennen.
    Unter mir liegt „Tarifa“. Ich bleibe auf einem kleinen Parkplatz stehen, und verharre hier für eine lange Zeit. Dabei wische ich mir die Tränen aus dem Gesicht und schäme mich nicht dafür. Meine Gefühle, nach 6.000 km, vermag ich nicht in Worte zu fassen. Ergriffen und dankbar.

    Irgendwann fahre ich weiter, dahin, wo sich der Atlantik und das Mittelmeer treffen. Dahin, wo die Grenze ist.
    Ich erkunde „Tarifa“ und bin überrascht, dass es ein fabelhafter Urlaubsort ist.

    Nur 50 km entfernt liegt Gibraltar. So überquere ich die Grenze und fahre in den Teil von Great Britain, in dem die Autos richtig fahren: Rechts!
    Hier fahre ich die „Europastraße“ und treffe „Uwe“ (57) aus Barnim bei Berlin, der mit seinem Motorrad auch alleine hier ist. Doch dazu morgen mehr. Heute habe ich mich mit ihm zu einem Bier in einem richtigen englischen Pub, in England, verabredet.

    Erkenntnis des Tages:

    Wenn in einem Naturschutzgebiet in Spanien auf einem Schild auf „Straßenschäden“ hingewiesen wird, sollte man das ernstnehmen!
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  • Day26

    "Carmen" + der "Glutofen"

    October 26, 2019 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    Es war noch dunkel als ich vor die Tür trat und mich nach einem Café suchend umschaute. Eine Frau schloss gerade ihre kleine „Pastelaria“ auf und 5 Min später hatte ich Frühstück.

    Dann machte ich mich auf den kurzen Weg in den „Parque Nacional de Doñana“. Dabei überquerte ich die spanische Grenze, fuhr nach „Huelva“ und folgte dann immer der „Avenida Hipoamericano“ ( ich mag den Namen): Durch Gebiete mit stinkender Schwerindustrie, alten Hafenanlagen und Verladestationen.

    Plötzlich war ich im Nationalpark. Von jetzt auf gleich keine Industrie mehr. Nur noch tolle, alte Pinien.
    Immer weiter führte mich die schnurgerade Küstenstraße in das Schutzgebiet hinein. Doch sehen konnte ich außer den toll gewachsenen Pinienwäldern nichts: Der ganze Park ist entlang der Straße mit einem 2m hohen Zaun eingezäunt. Keine Möglichkeit, durch die Dünen ans Meer zu gelangen. Da kann man leider nur durchfahren.

    Nach 50 km bog ich nach „Sevilla“ ab und sah mir die Stadt an. Natürlich interessierte ich mich für die Häuser, in denen „Star Wars“ gedreht wurde. Und zwar die Szenen mit den „Naboo“. Nur 48 Sekunden war die Szene, die auf dem „Plaza de España“ gedreht wurde. Und doch machte diese Szene den Platz und die Stadt weltberühmt, wenn sie es nicht vorher wegen „Carmen“ schon war.

    Damals, 1845: Der junge Mann namens „Prosper Mérimée“ ging täglich zum Eingang der Tabakfabrik, dorthin wo die „Tabakfrauen“ Einlass fanden. Sie hatten die Aufgabe, mit ihren zierlichen, zarten Fingern die Zigarren und Zigaretten zu drehen. Eine besondere zierliche Frau hatte es ihm angetan. Und über sie schrieb er Erzählungen, die dann 1875 von „Georges Bizet“ zur Oper „Carmen“ umgeschrieben wurden.
    Ich sah mir die ehemaligen Werkstätten der Tabakfrauen an und genoss die Atmosphäre, die mich doch ein wenig in die Vergangenheit einsog.

    „Sevilla“ ist eine schöne und historische Stadt, aber der touristische Lärm und das Verkehrschaos reichten mir nach ein paar Stunden. So packte ich erneut meine Sachen und machte mich auf den Weg ins bergige und kurvenreiche, andalusische Hinterland, in das Naturschutzgebiet „Sierra Grazalema“, wo mein Nachtquartier liegt.

    Verbrannte Vegetation bis zum Horizont und immer noch mit 33 Grad ein Glutofen. Und das noch Ende Oktober! Dieses Land braucht dringend Wasser! Und ich auch! Unter meinem Neopren-Airbag ist es aktuell sehr „knuffig“ und ich muss mich zwingen, immer genug zu trinken.

    Ich fuhr hoch auf 800 m und genoss die Einsamkeit auf der leeren Straße. So cruise ich auf fantastisch asphaltierten Straßen in die Abenddämmerung, dem Mittelmeer und meiner Unterkunft in dem hoch gelegenen Gebirgsort entgegen.

    Erkenntnis des Tages:

    Die Geschichte ist voll von Erzählungen über Frauen, die die Welt auf charmante Weise verändern. Krieg wäre vielleicht ein wenig überflüssiger, wenn die Frauen an der Macht säßen.
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  • Day25

    Adler, Nestwärme + Moped-Stiefel

    October 25, 2019 in Portugal ⋅ ☀️ 19 °C

    In den vor der manchmal rauen See geschützten Hafenanlagen gibt es in „Portimão“ auch einen sehr exklusiven Yachthafen. Zwischen den „Billigschiffen“, die man neu schon für unter 1 Mio bekommt, liegen auch die „teuren“ Schiffe, deren tägliche Liegegebühr allein schon horrend ist. Dieser wohlhabenden Klientel muss man auch etwas bieten: Der Hafen ist fast klinisch sauber, mit Top-Austattung und Service. Nicht einmal Möwenschiss ist irgendwo zu sehen. Dafür sorgt der hafeneigene Falkner: Seine Raubvögel sind auf Möwen abgerichtet. Kaum sehen ihn die Möwen, sind sie auch schon weg. So läuft er mit seinem Raubvogel den ganzen Tag den Möwen hinterher und verscheucht sie. Mein Versuch, mit ihm ein Gespräch zu führen, scheiterte leider an seiner Einsilbigkeit. Scheinbar stellte ich die gleichen blöden Fragen wie schon Tausende andere Touris in der Hauptsaison. Er wirkte ein wenig genervt, aber ich hatte Spaß, ihn und seinen prachtvollen Vogel bei der Arbeit zu beobachten und stellte fest: Nicht nur Hunde und langjährige Ehemänner sondern auch Raubvögel gehorchen auf Pfiff.

    Am super-breiten Strand genoss ich die entspannte Atmosphäre der Nachsaison, ließ mich zweimal auf ausgesprochen liebreizende Art und Weise bei der Getränkebestellung am Strand so „über den Tisch ziehen“, dass ich die bei der Abrechnung entstehende Reibungshitze als „Nestwärme“ empfand, und sah mir die Stadt an.

    Nur wenige Gebäude sind mit Stil gebaut. Das meiste sind 8-10-stöckige Bettenburgen. ...wie auf Mallorca. Aber alles ist sauber und einigermaßen gepflegt.

    Am Nachmittag holte ich dann die reparierten Stiefel ab. Hurra....ich habe wieder Sohlen!
    Mein nächstes Ziel: „Parque Nacional de Doñana“.
    Auf meiner ersten Etappe dorthin muss ich feststellen, dass in den letzten 40 Jahren praktisch die gesamte Küste bebaut wurde. Nicht immer sind es Bettenburgen. Oft sind es auch 1- und 2-Familienhäuser, aber „ursprünglich“ ist hier nicht mehr viel. Schade.

    Erkenntnis des Tages:

    Km-Stand: 5.300 . Mehr als die Hälfte der Strecke habe ich hinter mir. Von jetzt an fahre ich tendenziell wieder zurück. Vor der Reise hatte mir niemand diese Tour zugetraut. Es wurden sogar Wetten abgeschlossen, ob ich überhaupt losfahre.
    Ein Zitat von „Marie Ebner-Eschenbach“ fällt mir dazu ein:
    „Was andere uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns.“ 😉
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  • Day24

    Olivenbäume, Hütehunde + Engländer

    October 24, 2019 in Portugal ⋅ ☀️ 16 °C

    An der Süd-West-Spitze Portugals gibt es ein Naturschutzgebiet mit dem wunderschönen Namen „Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina“. Da will ich hin.

    Zunächst fahre ich an wirklich endlosen, unberührten Sandstränden entlang. Keinerlei Verkehr, keine Touristen....nichts. Die Straße windet sich durch die sanften Hügel, die von schier endlosen Olivenhainen und Eukalyptus-Plantagen gesäumt sind.

    Mittendrin eine große Schafherde. Ich hielt an und beobachtete die Bewegungen der Herde, bis mir die zwei Hütehunde auffielen, die die Herde trieben. Doch wo war der Schäfer? Ich fand ihn auf einem entfernten Hügel und gesellte mich zu ihm. Ein weiterer Hund saß aufmerksam an seiner Seite. Alle drei Hunde sind „Australian Shepherd“
    In einer wilden Mischung aus Spanisch, Englisch, Französisch und Zeichensprache erklärte er mir, wie die Pfeifkommandos funktionieren. Und tatsächlich: Jeder Hund hatte seine eigenen Kommandos und konnte bis zu 20 davon unterscheiden. Was aber auch bedeutete, dass der Schäfer 60 beherrschte! Auf mehrere Hundert Meter Entfernung gehorchten die Hunde auf Pfiff und trieben die Herde zu einer neuen Weide. Ich war schwer beeindruckt, zeigte ihm ein Bild von unserer „Wilma“ und wir lachten und schlugen uns auf die Schultern. Ich hatte kein Wort verstanden und hatte keine Ahnung, warum wir uns auf die Schultern schlugen, aber das war auch völlig egal. Es war einfach freundlich. Zum Schluss schickte er noch den dritten Hund los: Er zeigte ihm die Richtung und der Hund lief wie an einer Leine gezogen geradeaus, bis er das Kommando „Rechtskurve“ bekam.

    Schwer beeindruckt machte ich mich wieder auf den Weg, fuhr vorbei an kleinen Orten mit weißen Häusern und roten Dächern, die sich im Schutz der alten Burgmauern an die Hänge lehnen und folgte einem breiten Fluss bis zur Mündung. Dort begann der Nationalpark. Ich folgte der Küstenlinie durch sanfte Hügel, immer direkt am Wasser. Die Küste wurde immer schroffer und steiler...und auch immer schöner.

    Der „Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina“ gehört bereits zur Algarve. Und was „Mallorca“ für die Deutschen, ist die „Algarve“ für die Engländer: Hier verfolgt einen die englische Sprache überall: Restaurants, Tankstellen, Läden....überall höre und lese ich Englisch. Verständigung ist (fast) kein Problem. Nur der Schuster versteht nur Portugiesisch: Er soll meine Motorradstiefel reparieren. Beide Sohlen müssen erneuert werden. Es war gar nicht so einfach ihm klar zu machen, dass ich keine Ledersohlen und keine Absätze möchte. In der Hoffnung, morgen wieder intakte Stiefel zu bekommen, habe ich mir für heute zunächst eine Bleibe gesucht.
    Es war ein rundum schöner Tag und eine geniale Tagestour.

    Erkenntnis des Tages:

    Es ist gut, dass besonders schöne Landstriche unter Naturschutz gestellt werden. Sonst würden die Menschen auch hier noch bauen und betonieren.
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  • Day22

    Ein letzter Kuss - Christus wacht

    October 22, 2019 in Portugal ⋅ ⛅ 17 °C

    Den letzten gemeinsamen Abend wollten wir romantisch gestalten: Wir schauten uns am Wasser den tiefroten Sonnenuntergang und das touristische Treiben mit den vielen Straßenkünstlern an und suchten dann ein nettes Restaurant in der Nähe. Ein auf portugiesische Küche spezialisiertes Restaurant mit einsehbarer, offener Küche, dessen Fischauslage einfach nur lecker aussah, hatte uns angesprochen. Wir saßen draußen, bestellten trockenen „Vinho verde“ und wie auf Bestellung kam noch ein Straßenmusiker, der „Fado-Musik“ (portugiesische Volksmusik) spielte. Der Abend war Spitze!
    (So ganz hat mir Barbara aber nicht geglaubt, dass ich den Musiker extra für sie engagierte 😉)

    Den Tagesausflug machten wir nach „Sintra“, einer historischen Stadt im Umland. Wir fuhren mit dem Zug und erlebten erneut ein extrem gut funktionierendes Fahrkartensystem: Keiner kann „schwarz“-fahren, nirgendwo stauen sich die Menschen, selbst dann nicht, wenn alle morgens aus dem Umland kommen und Tausende gleichzeitig durch die Schleusen wollen. Geht doch!

    Unsere Fahrt nach Sintra führte uns durch Gebiete ärmlicher Landwirtschaft und durch soziale Brennpunkte und zeigte uns in aller Deutlichkeit die aktuellen Probleme Portugals. Und das scheinen viele zu sein.

    Auch in Sintra nutzten wir ausschließlich den ÖPNV, was hervorragend funktionierte.
    Sintra war schön, aber auch in der Nachsaison völlig überlaufen! Wir besichtigten die 1.000 Jahre alte Burg der Mauren, die beim zweiten Kreuzzug dann den Christen in die Hände fiel, fuhren durch den „Parque de Pena“ und warfen einen Blick in die schöne Innenstadt.
    Am meisten amüsierten wir uns über die Chinesen, die sofort nach Ankunft am Bahnhof in ein chinesisches Restaurant strömten (und nicht etwa in ein portugiesisches).

    Der Abschied war ein wenig wehmütig: Ein letzter Kuss, dann wünschten wir uns beide „Gute Reise“ und wussten, dass wir beim nächsten Kontakt heute Abend wieder 3.000 km voneinander getrennt sein würden.

    Ich erreichte meine Maschine am späten Nachmittag und installierte die nun wieder funktionierende Technik, bepackte die Koffer, streichelte ihr noch einmal den Tank und startete meine „Dicke“. Das Dröhnen im Parkhaus verlor sich, als ich beschleunigte und die steile Auffahrt zur langen Autobahnbrücke über den „Tajo“ suchte, der hier nach 1.100 km in den tiefblauen Atlantik mündet.

    Einen Halt legte ich noch bei der gigantischen Christus-Figur ein, die vom gegenüberliegenden Ufer über die Stadt wacht.
    Dann führte mich mein Weg nach Süden, Richtung Algarve......und ich startete das Hörbuch „Auris“ von Fitzek.

    Ich dachte an die letzten 3 Tage, wartete auf eine Fähre, die mich nach „Troia“ bringen sollte, und fuhr in die untergehende Sonne. Wo ich wohl heute übernachten werde?

    Erkenntnis des Tages:

    Lissabon könnte noch viel schöner sein, wenn nicht jeder seine eigene Satellitenschüssel und seinen eigenen Klimakompressor an den Häuserfassaden installieren würde. Bauvorschriften können auch sinnvoll sein.
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  • Day22

    Busfahrer-Eignung + Verhandlungssache

    October 22, 2019 in Portugal ⋅ ☀️ 19 °C

    Wie erkundet man eine Großstadt? Wir entschieden uns, den heutigen Tag mit „Hop on - Hop off“ zu verbringen, also Buslinien zu benutzen, die die Höhepunkte anfahren und bei denen man beliebig aus- und einsteigen kann. Wir suchten die nächste Haltestelle und stellten fest, dass der Busfahrer auch die Tickets verkauft. Touristen aller Nationalitäten sprachen ihn an, hatten Fragen und wollten auf unterschiedlichste Art und Weise bezahlen: Bar, mit Plastikkarte, PayPal, Apple- oder Google-Pay. Der Busfahrer sprach 4 Sprachen, beherrschte seine umfassende Elektronik und fuhr uns auch noch sicher durch die engen Gassen und das Verkehrschaos. Respekt!!

    Wir erlebten unendliche Warteschlangen an den Sehenswürdigkeiten, ein heilloses Verkehrschaos, Politessen auf kleinen Motorrollern, die historische Straßenbahn (mit der wir erneut nicht fuhren) und tausende von „Tuk-Tuks“, dreirädrigen Gefährten mit max 6 Plätzen, die die Touristen chauffieren wollten. Das wollten wir natürlich auch mal versuchen und sprachen einen Fahrer an. Er wollte 140 EUR für 2 Stunden haben. Ich lehnte dankend ab, da waren es nur noch 120 EUR. Ich machte Anstalten zu gehen, da waren es nur noch 100 EUR. Ich drehte mich um, da rief er mir die 80 EUR hinterher. Wahrscheinlich wären 40 EUR gerecht gewesen, aber das haben wir nicht mehr versucht, weil wir uns nur noch veräppelt fühlten.

    Insgesamt haben wir 2 schöne Tage in Lissabon verbracht. Wir sind sehr viel gelaufen, haben sogar wilde Papageien gesehen und waren froh, hier nicht Auto fahren zu müssen.

    Bis morgen Nachmittag werden wir die Zeit noch für einen Ausflug ins Umland nutzen. Dann fahre ich wieder weiter.

    Erkenntnis des Tages:

    Mit „Verhandlungspreisen“ komme ich nicht klar. Egal wie es ausgeht: Ich habe immer das Gefühl, zuviel bezahlt zu haben.
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  • Day21

    Wie wird man Europäer ?

    October 21, 2019 in Portugal ⋅ ⛅ 15 °C

    Um 1500 hatte Lissabon die beste Zeit: Die Stadt galt als eine der wohlhabendsten Städte der Welt. Doch 150 Jahre später begann der wirtschaftliche Abstieg, der 1755 mit dem großen Erdbeben endgültig besiegelt wurde. Seitdem "dümpelte" die Stadt so vor sich. Fehlende Investitionen, Korruption, etc. sorgten für Unmut der Bürger. Als ich 1979 diese Stadt das letzte Mal besuchte, waren es noch 800.000 Einwohner. Mittlerweile haben rund 300.000 die Stadt verlassen. Viele Häuser stehen leer und die Immobilienpreise lagen am Boden.
    Dann kam noch die Finanzkrise 2008/2009 hinzu und schon war die Pleite Portugals besiegelt. Die EU rettete das Land unter hohen Auflagen. Seitdem tut der Ministerpräsident wirklich ALLES, um Portugal und auch Lissabon zu retten. Dazu gehören viele Sparmaßnahmen aber auch Investitionen, um die maroden Gebäude und die schlechte Infrastruktur, das kaputte Gesundheitswesen etc. wieder aufzubauen. Das dafür notwendige Geld beschafft er, indem er u.a. portugiesische Staatsbürgerschaften an wirklich JEDEN verkauft. Und zwar in der Form, dass jeder der für mind. 500 TEUR eine Immobilie in Lissabon erwirbt, auf Wunsch die portugiesische Staatsbürgerschaft erhält. Also: Jeder gesuchte Ganove in dieser Welt mit Geld erhält so Zutritt zur EU. Ganz legal.
    Wohin das alles auch führt: Er hat es geschaft, Portugal zu retten: Die Wirtschaft geht aufwärts, die Bedingungen der EU werden eingehalten und Barbara und ich erleben, wie sich die Altstadt von Lissabon langsam erholt und wie neue Stadtteile entstehen.

    Heute marschierten wir durch den ältesten Stadtteil "Alfama". Engste Gassen, steile Straßen mit sehr schmalen Fußwegen, viele Restaurants und, natürlich, das auf dem Berg angesiedelte "Castelo de S.Jorge". Wir sahen, wie zwischen den kaputten Häusern repariert und modernisiert wurde, wie Elektroleitungen instandgesetzt wurden und wie neue Läden entstanden.
    Europaweit ist Lissabon die Hauptstadt mit den geringsten Touristenzahlen. Das soll sich ändern. So wurde z.B. direkt neben der Altstadt ein gigantischer neuer Anleger gebaut, an dem die Kreuzfahrtschiffe jetzt festmachen. Aktuell sind es 2 am Tag, was etwa 5.000 Touristen täglich ausmacht, die von den Schiffen kommend direkt in die Altstadt einfallen. Das Castelo konnten wir nicht besichtigen. Die Wartezeit an den Kassen betrug mind. 2 Stunden!
    So entschlossen wir uns, einfach nur die Atmosphäre zu genießen und mal ein ganz anderes Programm zu machen: Wir besuchten das zweitgrößte Meerwasseraquarium der Welt und hatten auch einen Blick auf die neu gewachsenen Stadtteile. Es war wirklich beeindruckend, was hier in den letzten Jahren entstanden ist.

    Was uns aber wirklich beeindruckte, war die Sauberkeit in der gesamten Stadt! Überall wurde gefegt und gereinigt. Nicht einmal in den Gleisen der U-Bahn befand sich irgendeine Art von Müll. Die Strafen auf "Vermüllung" sind hoch und scheinbar haben die Bürger auch Respekt vor der Kontrolle. Jedenfalls haben wir auch niemanden gesehen, der etwas "aus Versehen" fallen ließ. Warum klappt das nicht bei uns ?

    Erkenntnis des Tages:

    Strafen bringen nichts, wenn keine Kontrollen durchgeführt und die Strafen nicht umgesetzt werden. Wir sollten in Deutschland endlich anfangen, vorhandene Regelverstöße auch zu ahnden. Die Menschen werden ihr bisher nachlässiges Verhalten dann ändern.
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