Berlin - Tarifa - Berlin 10.000 km Roadtrip „Frankreich + iberische Halbinsel“ Mein ganz persönlicher „Jakobsweg“ -allein- - mit Stil und Abenteuer- - Gott und Gedanken suchend - - eine Reise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft -
  • Day0

    Vorbereitungen beendet

    September 30, 2019 in Germany ⋅ ⛅ 15 °C

    Die Motorradkoffer sind gepackt, die Maschine, eine BMW 1600GTL, ist durchgecheckt und steht bereit. Morgen soll es losgehen. Doch das aktuelle Wetter macht alles nur schwierig: In der ganzen Woche wird es in Deutschland und Europa weiterhin Unwetter geben. Der Weg nach Westen ist mir durch Regenfronten ebenso versperrt, wie die Wege nach Süden und Norden.
    Ich habe mich jetzt entschlossen, an der ursprünglichen Route weitgehend festzuhalten: Sie erscheint mir ebenso schwierig wie jede andere. Also morgen zunächst auf dem schnellsten Weg nach Hannover (es soll zwischen 11 und 15 Uhr nicht regnen), Mittwoch an die Nordsee, dann weiter an die holländische Küste und dann immer an der Küste lang, die rechte Schulter an der Wasserseite. Mal sehen, wie weit ich komme.......Zur Orientierung habe ich zunächst nur das Wetterradar :-)

    Meine technische Ausstattung:
    Navigation mit "öffentlichen Karten" (Openstreetmaps"), aufgespielt auf ein BMW-Navi und im Motorrad fest verbaut.
    Fotos und Videos ausschließlich mit dem Handy, keine Helmkamera (würde mich während der Fahrt zu sehr ablenken)
    Bekleidung: Schwere Textilkombi + gummierte Regenkombi
    Sicherheit: AirBag-Weste
    Und jetzt heißt es: Warten bis der Orkan aufhört.........
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  • Day1

    Der Bart ist ab

    October 1, 2019 in Germany ⋅ 🌧 17 °C

    Heute ging es also los.
    Um noch ein wenig windschnittiger zu werden, hatte ich morgens den Bart abrasiert. Barbara war „not amused“...ich soll ihn wieder wachsen lassen. Kein Problem, ich habe ja Zeit dafür.
    Das Regenradar hatte ein Wolkenloch für 4 Stunden gezeigt. Das galt es zu nutzen und „Strecke“ zu machen. Hat sehr gut geklappt, ich hatte kaum Regen. Aber: Die Fahrbahn war nass und das führte zu schwerer Gischt! Über eine Stunde habe ich Fahrzeuge nur noch an den Bremsleuchten erkannt. Sicht unter 50 m. Zusätzlicher Regen wäre nicht aufgefallen. Ich fühlte mich wie ein U-Boot-Käptn.
    Fahren auf der Autobahn ist so laaaaangweilig...Da habe ich mir die Zeit mit dem neuen Hörbuch von Michelle Obama „becoming me“ vertrieben... und bin begeistert! Kann ich nur empfehlen 👍
    In Hannover dann sogar ein wenig Sonne. Das lässt weiter hoffen.😉

    Erkenntnis des Tages:
    Nichts ist so unangenehm wie schwere Gischt bei Orkanböen und 10 Grad...auf einem Motorrad.
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  • Day2

    Runter von der Autobahn

    October 2, 2019 in Germany ⋅ 🌧 12 °C

    Zwei großartige Menschen haben mich nach Himmelpforten zum zweiten Frühstück eingeladen. Auf dem Weg dorthin verwandelte sich beim Auffahren auf die Autobahn das sonorige Blubbern des 160 PS Sechszylinders erst in ein aggressives Fauchen, dann in ein martialisches Brüllen: Gänsehautfeeling auf der vorerst letzten Autobahnstrecke.

    Conny und Uwe empfingen mich mit wärmender Herzlichkeit und wir philosophierten an einem toll gedeckten Tisch über die unmoralischen Banker, das Altern, die Kinder und die Zukunft.
    Die beiden gaben mir viele Gedanken mit auf den Weg und diesen hing ich nach, während ich mich an den Wolkenfronten orientierte und versuchte, diese zu umfahren.
    Auf einer Landstraße dann das besondere Erlebnis: Von links, aus wolkenlosem Himmel, blendete mich die Sonne, während ich von rechts aus tiefhängenden Wolken von Wassermassen überschüttet wurde.
    In diesem Moment der unwirklichen Grenze zwischen Traum und Realität lauschte ich Michelle Obama‘s Gefühlen bei Ihrem ersten romantischen Kuss mit Barack.

    Ein paar Kilometer später sah ich sie: Die ersten Schiffe an der Nordsee. Von jetzt an geht es nur noch am Wasser entlang.
    Im meinem Helm röhrte Mary J Blige zu „Therapy“ und ich aktivierte am Navi „kurvenreiche Strecke“. Nun genoss ich die Nebenstraßen. Als die Schafe in Sicht kamen, sang Louis Armstrong gerade „What a wonderful world“ und ich war (und bin) in Hochstimmung. So kann es weitergehen.
    Idyllische Dörfchen mit reetgedeckten Backsteinhäusern säumten meinen Weg und ich genoss die friesische Landschaft.

    Erkenntnis des Tages:
    Der Kontakt zu solch liebevollen Menschen gibt Kraft und bereichert das Leben auf vielfältige Art und Weise.
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  • Day3

    Erinnerungen, Fahrräder und Drempels

    October 3, 2019 in the Netherlands ⋅ ☁️ 10 °C

    Es war nur eine kurze Strecke bis zur holländischen Grenze. Plötzlich war sie da: Ein einfaches blaues Schild an einer völlig unbedeutenden Landsstraße zeigt an, dass hier die Landesgrenze sei. Rechts daneben der alte Schlagbaum, der an das Schengen-Abkommen (1993) erinnert.
    Vor exakt 40 Jahren (1979), direkt nach der Schule, fuhr ich die gleiche Strecke schon einmal, damals mit einem alten Ford 20M. Die GESAMTE Strecke!! Es ist also eine Erinnerungstour 😉 . Damals wurde man an den Grenzen kontrolliert, musste die Landeswährung in bar mitnehmen (Kreditkarten gab es nicht) und die Navigation bewältigte man mit Europakarten in Papier. Lange ist es her, und doch fühlt es sich an wie „gestern“.

    Ich hörte weiter das Hörbuch und im Moment des Grenzübertritts machte Barack Obama seiner Michelle gerade einen Heiratsantrag.....

    Dann kam das erste Schild: "Let op Drempels !"
    Gemeint sind fiese Fahrbahnschwellen, die zum Langsamfahren auffordern. Also fuhr ich langsam....und zwar die nächsten 150 km! Denn: Alle paar hundert Meter hatte ich „Drempels“: Vor Ortseinfahrten, Kreiseln, mitten auf der Strecke.....
    Dafür aber hatte ich nicht eine einzige Ampel....die ganze Strecke

    Den ganzen Weg hatte ich beklemmende Gefühle, weil mir noch nie so deutlich bewusst wurde, dass Holland unterhalb des Meeresspiegels liegt: Kein Haus, das nicht von Wasser umgeben ist. Unendliche viele schmale und breite Kanäle, schnurgerade und mit einem Wasserstand, der nur 20 cm unter der Grasnarbe liegt. Wenn hier das Wasser steigt, ist ganz Holland verschwunden.
    Dessen sind sich die Niederländer bewusst und kämpfen mit gigantischem Aufwand gegen den steigenden Meeresspiegel an: Dämme werden verstärkt, Wehre werden gebaut und Grundstücke werden aufgeschüttet. Ganze Städte scheinen sich direkt hinter den riesigen Dämmen zu ducken. Sogar Autobahnen werden hinter Dämmen direkt ins Meer gebaut. Natürlich mit parallel laufenden Fahrradwegen.

    Und da, wo dem Wasser Land abgewonnen wird, zieren sich die liebevoll gestalteten, dunkelroten Backsteinhäuser mit weißen Fensterläden und wunderschönen Gärten, in denen entweder Rasenroboter ihren Dienst tun, oder die Besitzer auf einem Aufsitzmäher beschäftigt sind. Barbara könnte hier stundenlang „Häuser gucken“. Fantastisch!

    Fahrradfahrer haben immer Vorrang. Fahrradwege überall! Und wo die Straße nicht breit genug ist, um einen Fahrradweg anzulegen, werden einfach Fahrradspuren auf die Straße gemalt. Zu Lasten der Autofahrer, aber niemand beschwert sich über die viel zu engen Autospuren.

    Noch nie habe ich so saubere und gepflegte kleine Städte gesehen: Kein voller Mülleimer, keine Zigarettenkippen, kein Grafity. Irgendwie geht es also.

    Ein Busfahrer spricht mich auf mein Berliner Kennzeichen an. Wir quatschen für eine Weile „Benzin“, grinsen uns an und sind uns einig: Das Leben ist schön.

    Erkenntnis des Tages:
    Willst Du andere Länder besser kennenlernen, musst Du „über Land“ fahren. Die Großstädte ähneln sich zu sehr.
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  • Day4

    Opferstätte, Nylons + Stummellenker

    October 4, 2019 in the Netherlands ⋅ ⛅ 14 °C

    Dem hethitischen Wettergott Tarḫuna wurden auserwählte Jungfrauen auf dem Altar geopfert, damit das gewünschte Wetter kommt. Verzweifelt hielt ich heute morgen Ausschau: Keine Jungfrau weit und breit! Und weil es weiter unaufhörlich schüttete, opferte ich eine halbe Tasse Kaffee und goss sie weg. Ich programmierte mein Navi auf das erste Ziel: Poortugaal. Ein Omen? Dann wartete ich...und wurde erhört: Der Starkwind stellte sein Getöse ein und es regnete nur noch minimal. Ich machte mich also bereit.

    Eine junge Frau (20?) machte sich auch bereit: Kurzer Rock, Nylons, Pumps 👠 und gestylt. Ein Rendevous. Sie wurde abgeholt: Ein Motorrad fuhr vor. So eine Rennsemmel: Stummellenker, laut, ohne Scheibe. Er trug Integralhelm und Motorradjacke und gab ihr einen Jethelm und eine dünne Nylonjacke. Er beugte sich nach vorn, bis seine Brustwarzen den Tank berührten. Sie platzierte ihre Pumps auf Kniehöhe und schon schossen sie los und ich hinterher. Einer Eingebung folgend ließ ich „Chanson d’amour“ in meinem Helm erklingen. Sie hatten zunächst die gleiche Route wie ich. Dann in einer Unterführung: Der Regen hatte sich in der seichten Senke gesammelt und uns kam ein LKW entgegen.....eine tiefgraubraune Flutwelle ergoss sich über die Beiden. Sie hielten an der nächsten Ampel an. Die Gesichter....unbezahlbar 😂😂😂 Ich hatte einen schweren Lachanfall.

    Ich brauchte 2 Stunden, um aus dem völlig uninteressanten, gewerblichen Umfeld der größten Industriehäfen der Welt (Amsterdam + Rotterdam) herauszukommen.
    Ich erreichte „Zeeland“, wo Julius Cäsar schon die Menapier verhaute, weil das Land strategisch günstig liegt. Heute fährt man auf riesigen Dämmen und über endlose Brücken. Ein wenig kommt dabei das Gefühl auf, das wir auch auf der Fahrt über die Keys in Florida hatten....nur kälter.
    Und hinter dem letzten Damm ist das offene Meer mit einem schier überwältigenden Strand! Luxuswohnmobile beherbergen Kitesurfer und Strandsegler aller Altersgruppen. Der Wind hat Orkanstärke und bläst die Sandkörner wie beim Sandstrahlen...und das ist genau das, was diese Fans suchen und lieben.
    Ich besorgte mir ein Bier und schaute dem Treiben fasziniert zu....während in meinem Hörbuch Barack Obama 2008 zum Prasidenten gewählt wurde. Just, bevor die Pleite der „Lehmann Brothers“ eine Weltwirtschaftskrise einleitete.....

    Erkenntnis des Tages:
    Nicht jedes Outfit passt zu jedem Anlass. Alles zu seiner Zeit.
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  • Day5

    Kinder , Chablis + Weltwunder

    October 5, 2019 in Belgium ⋅ ⛅ 11 °C

    Meine Suche nach einer Unterkunft endete bei einem jungen Holländer, der sich vor einigen Jahren ein kleines Reihenmittelhaus kaufte, dieses zwar komplett unfachmännisch aber liebevoll renovierte und seitdem das Schlafzimmer und die beiden kleinen Kinderzimmer jeweils separat vermietet. So teilte ich mir das Bad und den Rest des Hauses mit einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern, die ebenfalls im Urlaub waren und im dünnwandigen Nebenzimmer schliefen.
    Als morgens um 5 Uhr die Eltern leise, aber erfolglos den Kindern klarzumachen versuchten, dass es für den Strand noch zu früh sei, standen meine liebevollen Gefühle für Kinder in einem seltsam anmutenden Widerspruch zu meinen erfolglosen Bemühungen, noch einmal einzuschlafen. Kinderliebe und Mordgedanken befanden sich im permanenten Wechsel.
    Im Ergebnis führte es zu einer verfrühten Flucht meinerseits.

    Wo gibt‘s in einem Mini-Ort namens „Kortgene“ um 6 Uhr Kaffee? Ich fuhr los und dachte dabei, dass es auch schön sei, wenn die Kinder ausgezogen sind und Ruhe herrsche.

    Ich fuhr vorbei an Apfelplantagen, durch kleine, noch schlafende Ortschaften und erreichte mein erstes Ziel, den „Delta Park Neeltje Janz“ um 7 Uhr, wohl wissend, dass dieser erst um 10 Uhr öffnet.
    Umgeschaut und „Proef Zeeland“ entdeckt: Ein Fisch-Schnellrestaurant wie ich es niemals vermutet hätte: Edel, appetitanregend dekoriert und das Wichtigste: Geöffnet! Zum Frühstück hatte ich „Gerookte visschotel“. Das dazu besser passende Glas „Chablis“ verkniff ich mir ob der Uhrzeit und nahm einen Pott Kaffee.
    Dann schaute ich aufs Meer startete das Hörbuch und lauschte, wie sich Michelle Obama im weißen Haus einlebte.....

    Das „Delta Wehr“ gilt als einzigartig in der Welt. Ich besuchte die Ausstellung und lernte: Nach der schlimmen Sturmflut 1953 wurde beschlossen, es zu bauen. 30 Jahre später war es fertig und schützt heute mit 63 Pfeilern und hydraulischen Stahlwänden ganz Holland. Seitdem war es bereits 21x im Einsatz!

    Als ich die 3 km Strecke befuhr, flößte es mir einen Riesenrespekt vor den holländischen Ingenieuren ein. Wieso gelten die Pyramiden als Weltwunder, während solche Bauwerke als selbstverständlich hingenommen werden? Was ist ein Weltwunder heute?

    Die Landschaft nehme ich auf der „kurvenreichen Route“ wahr, werfe mich von einer Schräglage in die andere, auf dem Weg durch Belgien nach Frankreich und wärmende Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht...

    Erkenntnis des Tages:

    Das Leben ist wie eine Zugfahrt: Menschen steigen ein und begleiten Dich eine Weile und steigen dann wieder aus. Weniger die Traurigkeit über die Trennung als vielmehr die Freude über die gemeinsame Zeit sollte im Vordergrund der Erinnerungen stehen.
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  • Day6

    Auge des Zyklons - Made in Germany

    October 6, 2019 in France ⋅ ⛅ 16 °C

    Es war 4 Uhr, als ich wegen Donnergrollens hochschreckte. Ein Blick aus dem Fenster: Der nächste schwere Sturm im Anmarsch. Jetzt reichte es! Ich studierte das Regenradar: Gegen 11 Uhr wird in Dünkirchen ein Orkan erwartet, mit anschließenden 2 Tagen Dauerregen. 200 km entfernt jedoch Sonne. Mein Entschluss war schnell gefasst: Abfahrt nach dem Frühstück.
    Beim Anblick durch die Hotelfenster bekam ich weiche Knie. Junge, Junge, das sind Wassermassen. Wie begegnet man diesen? Mit „stürmischer Musik“: „Stormy weather“, „Locomotive breath“ und weiteren Rocksongs. Ich zog alles an, was irgendwie wasserabweisend ist und bestieg meine Maschine. Das Triebwerk schien gegen den Wind anbrüllen zu wollen, so, als würde es den Kampf aufnehmen. Ich fuhr die Scheibe hoch, nahm den Kopf tief zwischen die Schultern und drehte die Musik auf: Jo Cocker & Co gaben ihr Bestes.
    Der Wind war schlimmer als der Regen, doch das eintönige Blubbern der Maschine bei aktiviertem Tempomat war irgendwie zuverlässig....beruhigend. Ich war mir sicher: Sie würde mich hier raustragen.

    2 Stunden später und 200 km entfernt riss der Himmel auf: Ich war durch und entkommen. Auch Barbara war erleichtert: Sie verfolgte meinen Ritt von zu Hause online, hat auch Regenradar und meinen Live-Standort, und rief mich sorgenvoll an.

    Die „Brücke der Normandie“ konnte ich bei bester Sicht befahren: Was für ein Eindruck!! Gigantisch !! Das war die Einfahrt in die tiefere Normandie. Ich konnte jetzt wieder „kurvenreiche Route“ aktivieren und erreichte nach 9 Stunden Fahrt mit Km-Stand 2005 den „Juno-Strand“.

    1944 landeten hier 14.000 Kanadier. Sie sollten von Panzern bei der Landung unterstützt werden, doch diese sind im Meer versunken. Dieser Strand war der Todesort für viele Tausend Soldaten.
    Heute erinnert hier fast nichts mehr daran, außer ein paar Gedenktafeln. Und doch sitze ich hier und gedenke derer, die ihr Leben dafür ließen, dass ich 15 Jahre nach dem Krieg in einer freiheitlichen Demokratie geboren wurde. Was wäre aus mir geworden, wenn die Kanadier nicht gewonnen hätten? Ich bin bewegt, an diesem Ort zu sein und muss mir eine Träne verkneifen.

    Abends diskutiere ich mit einem Franzosen, der Englisch so gut spricht wie ich Französisch. Es fängt natürlich mit dem Motorrad an:
    Er: „Eine tolle Maschine.“
    Ich: „Ja, und ich liebe es, sie zu fahren.“
    Er: „Made in Germany“ ist toll! Ich fahre Mercedes.“
    Im weiteren Verlauf diskutieren wir über „Made in Germany“ und er erinnert mich daran, dass es eine Erfindung der Briten war: Waren aus Deutschland wurden so gekennzeichnet, um den Verkauf nach England nach dem Krieg zu erschweren. Deutsche Ingenieure antworteten mit unschlagbarer Qualität und drehten so „den Spieß“ um.
    Er verabschiedete sich mit: „Bon voyage“ und ich winkte mit der linken Hand zum Gruße

    Erkenntnis des Tages:

    Geschichte ist wichtig, um zu begreifen.
    „Wenn Du nicht weißt, woher Du kommst, weißt Du nicht, wohin Du gehst“
    (Zitat eines vietnamesischen Mönchs in einem Interview mit Dana Duckstein)
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  • Day7

    Moses, D-Day und Palmen

    October 7, 2019 in France ⋅ ☁️ 13 °C

    Martin nannte meine Maschine ein „Wohnmobil auf 2 Rädern“. Wie kommt er darauf? Und während ich die Maschine startete, die Windschutzscheibe elektrisch hochfuhr, Griff-und Sitzheizung aktivierte, die Federung auf „Comfort“ und die Motorsteuerung in den „Regenmodus“ einstellte, merkte ich, wie blöd die Frage war.

    Mein erstes Ziel war „Omaha-Beach“. Julia erwähnte im Kommentar bereits die Pontons, die seit 75 Jahren dort zur Erinnerung belassen werden. Das sind die „kleinen“ Dinger in der Ferne auf dem Wasser. Ein großes Mahnmal gibt Zeugnis vom Geschehen und diverse Tafeln erzählen die Geschichte. Ich stehe an dem erhöhten Punkt, von dem aus die Deutschen hinunter schießen konnten. Ein ungeheurer taktischer Vorteil!
    Erneut bin ich ergriffen und sehe mir den Strand an. Am ersten Tag, dem 6.Juni 1944 starben hier etwa 10.000 Soldaten beim Kampf um die Freiheit Europas und tränkten den Strand und das Meer in Blut.

    Ich fuhr weiter meine Route „historische Normandie“. Durch viele kleine Ortschaften, wo Fahnen und Plakate mit „WW II Heroes“ und den Namen und Gesichtern einzelner Soldaten an den Tag der Tage erinnern. Wo die Häuser alle im Stil des Mittelalters gebaut und auch neue Häuser diesem Stil angepasst sind. In jedem Ort ein Museum und die Wegweiser zu den riesigen Alliierten-Friedhöfen.
    Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, während es wieder anfängt zu regnen. Diesmal aber ohne Wind.

    Dann komme ich durch „Granville“, eine kleine, unbedeutende Stadt. Und hier hat man doch tatsächlich die Straßen mit Palmen gesäumt. Mit Palmen! Die stehen hier bei 9 Grad im Nieselregen.

    Ich erreiche Mont-Saint-Michel und werde zusammen mit Japanern, Briten und Franzosen mit Shuttle-Bussen vom Parkplatz zum 3 km entfernten Eingang dieser etwa 1.000 Jahre alten Abtei gefahren. Die Kirche steht auf einer kleinen Insel im Wattenmeer, hat 30 Einwohner und immer noch Mönche. Hier geben sich Millionen Touristen jedes Jahr ein Stelldichein. Irgendwie toll, aber völlig überlaufen.

    Es regnet immer noch. Ich studiere das Wetterradar, denn der Regen nervt ungemein und ist beim Fahren auch gefährlich. Meine Entscheidung: Morgen nach Süden fahren, bis Sonne kommt!
    Ins Navi habe ich zunächst Nantes eingegeben und weil es schon spät und dunkel ist, wähle ich die Autobahn. Bei Rennes dann ein riesiger Stau. Ich stelle mich als braver Deutscher hinten an. Doch dann beobachte ich die anderen Motorradfahrer: Sie schalten die Warnblinkanlage ein und fahren in der Mitte mit über 50 Sachen durch den Stau. Das geht, denn die Autofahrer machen alle Platz. In Deutschland ist das undenkbar! Hier probiere ich es auch: Alle Lampen an und los geht‘s: Tatsächlich weichen die Autos nach links und rechts aus und ich komme mir vor wie Moses, als würde ich das Meer teilen. Eine Rettungsgasse sogar für Motorradfahrer. Und wir in Deutschland schaffen noch nicht mal eine für Blaulicht.

    Im Hörbuch erlebte Michelle die Wahl von Donald Trump und konnte es nicht fassen. Sie erklärte, niemals ein politisches Amt bekleiden zu wollen. Was schade ist: Ich hätte sie gewählt.
    Damit endet das Buch.

    Erkenntnis des Tages:
    Lass Dich nicht unterkriegen (auch nicht vom Wetter) und erfreue Dich an den kleinen Dingen.
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  • Day8

    Die Deutschen und das Völkerrecht

    October 8, 2019 in France ⋅ ⛅ 17 °C

    Übernachtet habe ich erneut privat: Ein Architekten-Ehepaar, etwa 77 Jahre jung, hatte sich für die Familie mit 2 Kindern ein sehr spezielles Haus entworfen und gebaut. Die Kinder sind längst ausgezogen und das Ehepaar vermietet nun die Designer-Kinderzimmer. Großartige Zimmer mit durchgestyltem, riesigen Wellness-Tempel. Zum Frühstück gab es frisch gepressten Orangensaft, selbst gemachte Marmelade, Baguette und Kaffee so schwarz, dass er auch als Espresso hätte durchgehen können. Am Abend hatte ich nur den alten Herrn kurz gesehen, jetzt stand sie in der Küche. Wir sprachen die ganze Zeit französisch. Dann sagte ich, dass ich besser englisch sprechen würde. Sofort antwortete auch sie auf englisch: „Kein Problem. Gerne. Von wo kommen sie?“ „Aus Berlin, Deutschland.“ „Sie sind Deutscher?“ „Ja“
    Einen Moment hielt sie in den Bewegungen inne, ihr Gesicht versteinerte sich. Sie sagte auf französisch: „Das tut mir leid.“ und verließ die Küche.
    Später, bei der Abreise, kam er, um mich zu verabschieden und erzählte, dass die Deutschen damals ihre Eltern umgebracht hätten. Ohne die Deutschen wäre ihr Leben anders verlaufen.

    Wieder auf dem Motorrad dachte ich noch lange darüber nach. Auch fiel mir erst jetzt ein, dass ich gestern in der Normandie nur Verehrung der Alliierten sah. Die Deutschen waren allesamt als Verbrecher gezeichnet.
    Es wird noch lange dauern, bis man den Deutschen wieder „die Hand reicht“, ohne deren Geld zu wollen.

    Ich gab bei 11 Grad Gas, floh vor der nächsten Regenfront und kam 3 Stunden später bei 26 Grad in Arcachon an. Hier bezog ich ein erstklassiges Hotel und werde wenigstens heute und morgen hier bleiben. Neben einer „Erholungsphase“ muss auch die Wäsche gewaschen und die Maschine gereinigt werden. Sie sieht aus, als wäre ich von mittlerweile 2.700 km wenigstens 2.600 „offroad“ gefahren :-)

    Heute erkunde ich noch die Strandpromenade. Erst ein großes Bier und dann die hiesige Delikatesse: Muscheln in allen Varianten.
    Auf dem Weg dahin komme ich an 5! Boule-Plätzen vorbei, die allesamt besetzt sind mit Rentnern. Vielleicht später auch etwas für mich?

    Erkenntnis des Tages:

    Die Geschichte lebt weiter. In uns. Ob wir wollen oder nicht. Nur wenn wir Deutschen ein paar Generationen völkerrechtlich Vorbild bleiben, wird der Rest der Welt „das Mäntelchen des Schweigens“ darüber legen. Unsere Kinder sind die erste Generation, die von diesem Thema weniger berührt wird. Doch damit besteht auch die Gefahr des Vergessens.
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  • Day9

    "Ihr Französisch ist exzellent"

    October 9, 2019 in France ⋅ ⛅ 17 °C

    Früher: Vier Jahre lang hatte ich Französisch in der Schule: Von der 7. bis zur 10. Klasse. Die ganze Zeit hatte ich die gleiche Lehrerin, Frau Fänger. Damals etwa 30 Jahre jung, langbeinig und vollbusig. Und überhaupt, sie wusste sich sexy zu kleiden: Der Mini-Rock war gerade erfunden und groß in Mode.
    Sie kam in die Klasse, begrüßte uns und setzte sich, mit übergeschlagenen Beinen, auf das Lehrerpult, der Klasse entgegen. 4 Jahre lang saß ich in der ersten Reihe, war auf dem Höhepunkt meines Testosteron-Spiegels und genoss es. Und 4 Jahre lang hatte ich eine „5“ auf dem Zeugnis.

    Heute: Seit 1 Woche trage ich fast ununterbrochen Ohrenstöpsel. Das Problem: Die Ohren verstopfen. Auf dem rechten Ohr bin ich aktuell völlig taub. Ich bereitete mich also auf den Apothekenbesuch vor und überlegte mir einen Text für den Apotheker. „Google“-Übersetzer ist mein Freund. Ich lernte den Text und die benötigten Vokabeln auswendig und ging in die Apotheke, wo ich selbstsicher alle Fragen des Apothekers beantworten konnte. Er verabschiedete mich mit: „Ihr Französisch ist exzellent.“ Ich bedankte mich und war mir sicher: Frau Fänger wäre zum ersten Mal auch stolz auf mich gewesen.

    Die Orte an diesem Küstenabschnitt putzen sich jeden Tag heraus: Die breiten Strände werden täglich von Maschinen gereinigt, jeder Ladenbesitzer putzt die Scheiben und fegt vor der eigenen Haustür. Der Ort sieht ab spätem Vormittag aus wie geleckt. Jeden Tag.
    Es herrscht Nachsaison. Nur wenige Urlauber sind noch hier. Attraktionen wie das Riesenrad werden bereits abgebaut, Bars decken nur noch die Hälfte der Tische ein und die Strände sind menschenleer. Es ist gut, jetzt, und nicht im November, hier zu sein, denn dann wird der Ort „tot“ sein.

    Ich will eine Schifffahrt mit einem Ausflugsdampfer machen und kaufe ein Ticket bei einer jungen Kassiererin. Sie sagt: „Nehmen Sie doch ein Seniorenticket. Das ist 3 EUR billiger. Sie haben sicher bereits Anspruch darauf.“
    Das hat gesessen!! Ich lehnte ab, murmelte etwas von „So alt bin ich nicht, und bestand auf dem Normalpreis.“
    Das war das zweite mal innerhalb von 10 Tagen, dass ich auf mein Alter angesprochen wurde. Das erste Mal war bei meiner Rückkehr aus Wuppertal, wo ich mein Auto abgab. Mit dem Zug in Berlin wieder angekommen, stieg ich in den Bus. Ein Tourist fragte den Busfahrer, wo die „Holzhauser Straße“ sei. Er müsse dort aussteigen. Ich schaltete mich ein und sagte, auch ich müsse dort aussteigen. Er möge sich an mir orientieren. Kurz vor der Haltestelle wendet sich jemand an den Busfahrer, um ihn an den Touristen zu erinnern. Der Busfahrer sagte: „ Der nette ältere Herr dort nimmt den Touristen mit raus.“
    2x also, in 10 Tagen! Es rumort in mir, während ich die schönen Einkaufsmeilen mit den Brasserien und Patisserien, den Delikatessläden mit den regionalen Produkten und die hochwertigen Markenshops erkunde.

    Erkenntnis des Tages:
    Ich habe keine Zeit mehr, um Ideen und Träume zu verschieben. Der richtige Zeitpunkt ist immer JETZT.
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