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Südamerika-Abenteuer

December 2019 - March 2020
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  • Day86

    BA - Ausgangssperre Tag 2 und 3

    March 21 in Argentina ⋅ ☀️ 26 °C

    Es braucht Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Wir sind bisher jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuß gelaufen ... manchmal sogar bis uns die Füße weh taten, so viel gab es zu sehen und zu entdecken. Jetzt tut uns allerhöchstens noch der Hintern weh vom vielen Rumsitzen ...
    Durch den Schlot zu dem unser Fenster hinausgeht, können wir ein kleines Stück blauen Himmel sehen - so nah und doch so fern für uns. Da die anderen uns unbekannten Hausbewohner ebenfalls zum Schlot hin ihre Fenster öffnen, ist er mehr mit Zigarettenrauch und Essensduft gefüllt als wirklich mit frischer Luft. Aber immerhin spürt man so ein bisschen das Leben um uns herum - Menschen, die lachen und reden, das Miauen einer Katze, quietschende Kinder, Fernseher oder Musik, Wasser, das von oben nach unten tropft ...
    Wir registrieren uns online auf der sogenannten Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes bzw. der deutschen Botschaft, damit die Behörden einen Überblick haben, wie viele deutsche Staatsbürger aktuell in Argentinien (bzw. außerhalb von Deutschland) sind. Ansonsten gibt's das gleiche Programm wie an Tag 1: Skat spielen, Würfeln, bunte Schlüsselanhänger aus Paracord knüpfen, Essen, ein bisschen Sport, viel Reden über alles Mögliche und Einkaufen gehen als einzige Chance mal 5 Minuten Licht und Luft abzubekommen. (PS: Toilettenpapier gibt es hier noch genug!) Wir werden vor dem Gemüseladen von einer Frau auf Spanisch angepöbelt - irgendwas von wegen "alle werden sterben" oder so ähnlich -. In solchen Momenten ist es gar nicht schlimm der Sprache nicht vollkommen mächtig zu sein. Wir treffen im Erdgeschoss des Hauses noch auf eine Katze, die neugierig durch einen Türspalt nach draußen schaut ... irgendwie tut es gut ein anderes lebendes Wesen zu treffen, was wie wir eingesperrt ist.
    Ein großer Dank geht an dieser Stelle an ALLE, die mit uns per Video-Telefonie in Kontakt standen! Es ist schön, vertraute Gesichter zu sehen und wir freuen uns sehr, dass es euch allen gut geht! Wir sind auch in den nächsten März-Tagen stets bereit mit euch zu kommunizieren :)
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  • Day85

    BA - Ausgangssperre Tag 1

    March 20 in Argentina ⋅ ☀️ 25 °C

    Gerade noch Pläne geschmiedet, wohin die Reise als nächstes geht (übereinstimmendes Votum für Salta) und nun ... hinter verschlossenen Türen. Maximal die Fantansie kann noch auf Reisen gehen. Aber selbst die hat heute irgendwie keine Lust darauf! Ich hab Kopfschmerzen als wäre mir bereits nach wenigen Stunden die Decke auf den Kopf gefallen ... da macht dann weder Spielen noch Sport wirklich Spaß. Und ohne Ziel durch den Tag zu dümpeln zählt auch definitiv nicht zu der Lieblingsbeschäftigung meiner Hummeln im Hintern ... alles in allem eine blöde Situation! Wir schreiben Freunden und Familie, erklären unsere Situation und erfahren im Gegenzug, dass die Tagesschau die Information über den argentinischen Shutdown schon in den Morgen-Nachrichten veröffentlicht hat. So richtig wissen wir noch nichts mit der Zeit anzufangen ... im Malbuch malen statt Moschee anschauen, Podcast hören statt Einkaufsbummel, Skat spielen statt Botanischer Garten ... das kann als Ersatz alles nicht so wirklich mithalten. Man verliert eingeschlossen in vier Wände ziemlich schnell das Gefühl dafür, in einer der größten und europäischsten Städte unserer Reise bzw. auf dem gesamten südamerikanischen Kontinent zu sein. Man will auch nicht dran denken! Sonst wäre man einfach noch trauriger über die eigene Situation.
    Gegen Kopfschmerzen und Co hilft am Ende des Tages einfach nur zeitig ins Bett gehen und lange schlafen! In diesem Sinne ... bis morgen :)
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  • Day84

    Buenos Aires - Entscheidungsfrage

    March 19 in Argentina ⋅ 🌙 21 °C

    In Zeiten von Corona gibt's ja viele kuriose, teilweise unglaubliche Situationen, die man erleben kann. Aus gegebenem Anlass habe ich habe mal eine Frage an euch: stellt euch vor, es ist 21:30 Uhr ... also 2,5 Stunden vor Mitternacht ... und ihr bekommt folgende Nachricht: "Hallo! Die Regierung hat beschlossen: Ab Mitternacht ist hier in der Stadt und im gesamten Land der totale Shutdown wegen des Corona-Virus. Das gilt bis 31. März, also die nächsten 12 Tage. Jeder muss zuhause bleiben!"
    Was tut ihr? ...
    Ich kann euch sagen, was wir gemacht haben :) wir sind vom Bett aufgesprungen, haben uns unsere Schuhe angezogen, haben das Portemonnaie geschnappt und sind losgelaufen. Wir wollten ohnehin an diesem Abend - wie jeden Tag - noch zu unserem Lieblingseisladen und darauf wollten wir auch kurz vor der 12-tägigen Ausgangssperre und Eisabstinenz nicht verzichten - schon n bisschen verrückt, wenn man so über den eigentlichen Ernst der Lage drüber nachdenkt. Auf dem Weg zum Eisladen sind wir an einem Supermarkt vorbeigekommen, der bis 22 Uhr geöffnet hat ... dem haben wir dann auch den Vorrang vor dem Eis gegeben. Der Türsteher (Ja wirklich, um die Anzahl der Personen im Supermarkt zu kontrollieren.) fragte, was wir kaufen wollen: Zucker? Reis? Dafür braucht ihr gar nicht reinkommen, das ist ausverkauft. Ist uns doch egal ... wir wollen einfach nur was einkaufen. Also rein in den Laden... Pepsi, Wasser, Nektarinen, Tütensuppe, Brot, Butter, Schokolade, ... einfach rein in den Korb ... ohne groß nachzudenken! Hauptsache wir haben etwas, um irgendwie übers Wochenende zu kommen. Mit zwei vollen Einkaufsbeuteln stiefeln wir zum Rapanui-Eisladen ... vor dem Laden stehen schätzungsweise 20 Leute - im Laden dürfen sich maximal 5 Personen aufhalten, informiert ein Schild an der Tür. Außerdem schließt der Laden wegen dem anstehenden Shutdown bereits 23:00 Uhr (anstatt 01:00 Uhr). Wir hoffen, dass wir noch dran kommen während Minute um Minute verstreicht. 5 Minuten vor Schluss gehen wir glücklich mit Eis (ich: Patagonia mia - Kiwi & Maracuya - Berry Champ / Swen: Frambuesa Nevada - Lemon Pie - Rapanuino) aus dem Laden Richtung unserer Wohnung. Um Mitternacht noch ein Selfie vor der Tür - zack ... 12 Tage Ausgangssperre gehen los!
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  • Day82

    Ein Virus auf Weltreise

    March 17 in Argentina ⋅ ⛅ 23 °C

    Als wir unsere Reise begonnen haben, hätten wir nicht gedacht, dass uns ein kleiner, fieser Virus mal die Show stehlen könnte. Er war bzw. ist in mehr Ländern unterwegs als wir, er hat bereits mehr Leute kennen gelernt als wir und er hat mindestens noch genauso viele Pläne wie wir. Aber mal im Ernst ... wir hatten vor unserer Reise keine Angst vor Malaria, Dengue-Fieber, Tollwut und anderen Krankheiten hier in Südamerika - und wir haben jetzt auch keine Angst vorm Corona-Virus. Klar ist Vorsicht wichtig, aber Hände waschen, nicht jeden knutschen, nicht die Straße ablecken und in die Armbeuge husten haben wir auch vor Corona schon gemacht, weil wir von vornherein lieber die Welt als die Krankenstationen der Welt sehen wollten. Irgendwie verständlich oder?
    Fakt ist, uns geht es gut und wir lassen uns von Corona nicht verrückt machen. Nicht jetzt und auch nicht in Zukunft - egal was noch kommt.
    Bisher ist unsere Reise auch wirklich nur minimal durch das Virus beeinflusst worden - wir hatten zum Glück keine Probleme beim Grenzübergang von Uruguay nach Argentinien, wir können leider einige öffentliche Orte wie den Friedhof nicht besichtigen und einige Läden haben geschlossen bzw. spezielle Regeln (Maximalanzahl an Personen innerhalb des Supermarktes, etc). Wir sehen Menschen mit und ohne Mundschutz, wir sehen Schilder mit Informationen, Notfallrufnummer und präventiven Verhaltensregeln, aber wir sind hier in Buenos Aires bzw. Argentinien trotz allen Maßnahmen weit entfernt von der Lahmlegung des öffentlichen Lebens, Ausgangssperren und dem sogenannten Shutdown.
    PS: Es gibt hier auch Länder wie z.B. Paraguay, wo es abends und nachts auch schon Ausgangssperren gibt oder wo alle Sehenswürdigkeiten (u.a. auch die Ruinen, die wir besucht haben) geschlossen sind oder Länder wie Brasilien, wo wir gehört haben, dass dort rein gar nichts gegen das Virus oder die Ausbreitung unternommen wird. So hat jeder seine Meinung und seine Philosophie dazu ...
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  • Day70

    Tacuarembó - Fiesta de la Patria Gaucha

    March 5 in Uruguay ⋅ ☀️ 26 °C

    Früh Aufstehen war mal wieder die Devise, denn wenn man 2 Stunden Busfahrt vor sich hat und nicht nur 5 min am Ziel verbringen möchte, dann sollte man nicht erst Mittags am Busbahnhof sein. Auf diesen Tag haben wir uns schon lange gefreut :) wir fahren zum Gaucho-Festival nach Tacuarembó! In Tacuarembó selbst ist nicht viel los - alle sind beim Festival oder wollen dort hin. Der Rest meidet Sonnenlicht und Wärme und verkriecht sich zuhause! Das Klappern von Hufen, der Geruch nach Leder und Pferd ... das alles versetzt uns so ein bisschen in eine andere Zeit und wir begeben uns auf Entdeckungsreise - müssen wir auch, denn der "Ablaufplan" ist für uns Unwissende mal wieder eher ein Ratespiel! Das Gelände ist sehr schön - alles um einen kleinen See herum und überall Hütten, Zelte, Stände, Pferde und Menschen. Das örtliche Museum hat ein paar dekorative Kutschen aufgefahren, jede kreolische Gemeinschaft hat ein eigenes Domizil inklusive Häuschen, Grill und Platz für einige Pferde. Von den Kommentatoren-Stimmen werden wir angezogen und gelangen in die Arena, wo ein kleiner Wettbewerb stattfindet. Auf Startsignal Pferd satteln, einen Slalom absolvieren und ins Ziel galoppieren. Einer der Teilnehmer macht das so souverän, dass die Konkurrenz chancenlos ist. Ich bin sehr beeindruckt! Von Pferd und Reiter! Als nächster Programmpunkt steht ein Fohlenrennen an und wir erleben zum ersten aber definitiv nicht zum letzten Mal an diesem Tag, dass die Pferde hier nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Fohlen werden, unter heftigem sich-wehren, in die Arena gelotst - offensichtlich ahnen oder wissen sie im Gegensatz zu uns, was gleich passieren wird. Wir beobachten, wie ihnen die Ohren und der Schweif zurückgebogen werden, um sie mit einem Fell satteln zu können. Es braucht 4 bis 5 Mann für ein Fohlen, das sich mit allen möglichen Kräften gegen die Prozedur wehrt. Nach einem endlos scheinenden Kampf zwischen Mensch und Pferd "siegt" der Mensch und etwa 10 Fohlen stehen gesattelt und mit einem Reiter auf dem Rücken nebeneinander. Aufs Startsignal hin, werden sie losgelassen und versuchen ihren Reiter abzuschütteln. Massen-Rodeo im Mini-Format ... Wer zuletzt oben sitzt hat "gewonnen" ... alle Fohlen werden eingefangen, der Sieger darf auf seine Ehrenrunde, danach ist Siesta. Tief durchatmen. Unser Bedarf an "Gaucho-Traditionen" ist erstmal gedeckt. Wir essen etwas und schauen uns weiter um. Nach der Pause findet ein Wettbewerb statt, bei dem jeweils zwei Reiter mit Wurfseilen (kein Lasso!) versuchen ein flüchtendes Fohlen zu fangen. Die Aufgabe bestand aus mehreren Teilen: wenn die Hinterbeine des Fohlens erfolgreich mit dem Wurfseil gefesselt wurden, dann musste das Fohlen so an den Rand oder in die Enge getrieben werden, dass es den Reitern möglich war, das Fohlen seitlich auf den Boden zu legen. Ein Kampfrichter war dann dafür zuständig, die Beine wieder zu entfesseln. Echt barbarisch! Ein Fohlen humpelt mit lose hängendem Hinterbein aus der Arena. Ich kann gar nicht mehr hinschauen.
    Danach geht das Fohlenrennen mit neuen Pferden und Reitern in eine zweite Runde. Mir ist schleierhaft, welche Fähigkeit der Gauchos mit diesem Wettbewerb geprüft wird.
    Auch der letzte Wettbewerb des Tages bildet keine Ausnahme. Die Opfer der Tortur sind zwar etwa doppelt so alt wie die Fohlen, aber immernoch relativ jung. Diese Pferde in die Arena zu bringen, festzubinden und zu satteln ist Schwerstarbeit für alle Beteiligten, denn auch sie wissen vermutlich, was sie dort erwartet. Unfassbar was den Pferden angetan wird. Die festgebundenen Pferde haben keine Chance dem zu entgehen. Wenn sie sich auf dem Boden schmeißen, wird ihnen solange der Schweif und die Ohren verdreht, sowie gegen die Seite und ins Gesicht getreten, bis sie irgendwann wieder aufstehen. Wie kann ein Mensch einem anderen Lebewesen das antun? Rodeo nennt sich das fiese Spektakel. Nachdem dem Pferd letztendlich als Gipfel der Quälerei die Peitsche auf das Hinterteil geklatscht und die Sporen in die Seiten gerammt werden, muss der Reiter 10 Sekunden auf dessen Rücken bleiben - dann ist er eine Runde weiter. Es ist heftig, weil man die Schmerzen der Pferde fast körperlich spüren kann. Den Zuschauern scheint das egal ... Sie sind nichts anderes gewöhnt. In der zweiten Runde sitzt der Reiter übrigens auf dem blanken Pferderücken und hat selbst eine Peitsche, die er abwechselnd rechts und links aufs Pferd niederklatschen lässt. Unter den Zuschauern sind Schulklassen und viele Kinder im Familienverband. Tierquälerei und Bildung liegen hier leider sehr dicht zusammen! Sowas anzuschauen, öffnet einem im wahrsten Sinne des Wortes die Augen. Den Tag zu verarbeiten fällt gar nicht so leicht ...
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  • Day66

    Quaraí - Erinnerungen

    March 1 in Brazil ⋅ ☀️ 30 °C

    Je länger man reist, desto mehr Menschen und Orte lernt man kennen ... und es gibt immer wieder Momente, Begegnungen und Erlebnisse, von denen weiß man sofort, dass man sie nie vergessen wird - entweder als positive Erinnerung oder als Erfahrung! Im Fall von Quaraí mischen sich die positiven und negativen Elemente auf faszinierende Weise, dass man das gar nicht mehr aus dem Gedächtnis und der Seele löschen kann. Unsere Unterkunft in Quaraí war ein paar Kilometer außerhalb der Stadt und es hat 2,5 Anläufe gebraucht, um ein Taxi zu finden, was uns dort hin bringt. Portugiesisch ist aber auch echt ne blöde Sprache und Taxifahrer sowieso ein Thema für sich ... Bei über 30°C mit dem ganzen Gepäck und einer irgendwie ungenauen Adresse kann der männliche Teil schonmal seine gute Laune irgendwo verlieren! Der Anblick der Landschaft um unsere Unterkunft herum - Weinberge, riesige Weiden und grüne Wälder soweit das Auge reicht - das entschädigt für alle Strapazen bei der Anreise. Die nächste Schwierigkeit lässt aber nicht lange auf sich warten ... der Hofherr ist definitiv nicht unser Gastgeber bzw. Chatpartner von Airbnb und spricht nur Portugiesisch. Wir verstehen also .... nix! Er ist aber sehr sehr freundlich und zeigt uns unsere Unterkunft sowie voller Stolz einige andere Gebäude des Hofes. Zum Sonnenuntergang färben sich Himmel und Umgebung flammend orange und es ist einfach nur paradiesisch schön. Das Haus in dem wir wohnen sowie die darin befindlichen Einrichtungsgegenstände haben ihre besten Tage leider schon hinter sich, die zahlreichen Spinnen fühlen sich offensichtlich trotzdem pudelwohl. Mich beschleichen erste Zweifel wie ruhig ich unter diesen Umständen schlafen kann. (Hat in der ersten Nacht ganz gut geklappt! Danach kamen die Mäuse und haben an unseren Nudeltüten geraschelt, mit ihren Pfoten am Holz gekratzt und einfach nervtötende Geräusche verursacht.) Licht bzw. Helligkeit war ebenso Mangelware wie Sauberkeit - dieses Phänomen zog sich übrigens ausnahmslos durch alle Räume... aber genug gemeckert ... immerhin war es kühl drinnen! Positiv in Erinnerung bleiben auf jeden Fall die Tiere - der Hahn der morgens gekräht hat, der Specht, der immer den Hausherren ärgert und die Holzbalken der Häuser anpocht, das Summen der Bienen in den Palmenblüten, die Esel, die Rinder, die Pferde mit dem kleinen Fohlen, die grüne Schlange, die uns einen Tag beim Frühstück zugesehen hat, die Katzen, die jede Streicheleinheit genossen haben als wäre es die erste Zärtlichkeit in ihrem Leben und die vor lauter Kuschelbedürfnis manchmal zu echten Stalkern geworden sind und die Hunde, die sich ab und zu zu uns geschlichen haben, mit eingekniffenem Schwanz und völlig verängstigt, und von uns gestreichelt wurden (und so endlich mal eine schmerzfreie Form von Berührung und ein bisschen Liebe erlebt haben). Es war so ruhig und einsam, dass wir den Wind in den Wäldern auch in größerer Entfernung hören konnten. Außerdem wissen wir, dass man, wenn es still genug ist, Kolibris hören kann bevor man sie sieht, weil das schnelle Flügelschlagen ein ziemlich lautes Geräusch verursacht. Das war sowieso das absolute Highlight ... ein Kolibri, der sich zum Anfassen nah an uns herangetraut hat und sehr neugierig war :) unvergesslich! Auch sehr cool war, dass man auf dem staubig-steinigen Feldweg, was die einzige Zufahrtsstraße war, zwischen all den Feldsteinen und Quarzen auch vereinzelt kleine lila-farbene Kristalle finden konnte. Insgesamt war alles in Quaraí wie eine kleine Schatztruhe - traumhaft schön aber mit Schönheitsfehlern :)Read more

  • Day64

    Artigas - Lila Steinchen

    February 28 in Uruguay ⋅ ☀️ 28 °C

    Der Faszination von farbenfrohen Kristallen sind wir seit unserem Besuch in Artigas endgültig verfallen, aber es ist auch verdammt schwer, dem zu widerstehen. Dabei rede ich nicht von irgendwelchen Glitzersteinchen an hübschen Schmuckstücken... in Artigas haben wir größeres und beeindruckenderes erlebt. Unter der Andeutung, dass die Minen hier alle in südkoreanischen Besitz sind und dass öfter mal ein bisschen was vom Lastwagen fällt, hatten wir schon vor unserem Besuch in Artigas jede Menge über die Stadt und ihre Edelsteine gehört. Das schürt natürlich Hoffnungen und Erwartungen :) und selbst die wurden noch übertroffen. Der konkrete Ort der Minen ist ein gut gehütetes Geheimnis - man kommt also nicht drum rum eine Tour zu buchen. Zu unserem Glück bestand die Tour nur aus vier Personen - uns beiden, einem Guide und einem Fahrer ... echter Luxus so eine Privatführung. Als erstes wurden wir zu einem kleinen Dorf gebracht, in dem die Amethyste in Abhängigkeit von Größe, Form und Farbe klassifiziert und sortiert werden. Außerdem werden sie bearbeitet, bei Bedarf gereinigt und für ihren sicheren Transport in den Rest der Welt (USA, China, Deutschland, etc ...) vorbereitet. Der uruguayische Amethyst wird weltweit für seine intensive lila Färbung (sehr dunkles Lila geschätzt). So sahen wir dann Männer an Schleifgeräten, Frauen, die Steine sortierten, Tischeweise aufgereihte Amethyste, große Holzpaletten, einen Amethst, dessen Hohlraum so groß war, dass 2 Menschen hineingepasst hätten ohne irgendwo anzustoßen, und jede Menge "Abfall" in Form von lilanen Kristallstücken, die auf dem Boden verstreut lagen (getreu dem Motto: wo gehobelt wird, da fallen Späne). Schade, dass sich ausgerechnet dann keine Steine in die Schuhsohlen eintreten, wenn man es mal gebrauchen könnte! Wir treffen dort auch die vierte Generation des Besitzers der Mine, der uns einige Dinge auf Englisch erzählt. Die Fahrt zur Mine bietet die Gelegenheit die wunderschöne, weite Landschaft von Uruguay zu bewundern und zu fotografieren. In der Mine erklärt uns unser Guide in sehr verständlichem Spanisch, die Unterschiede zwischen Quarz und Amethyst, zeigt uns Achat in seiner natürlichen Form (graue Farbe statt leuchtend bunt wie man es überall kaufen kann), lässt uns Quellwasser trinken und Kristallflächen zählen, erlaubt uns Fotos zu machen so lange wir wollen und alles erkunden. Außerdem betont er immer wieder, dass der farblose und durchsichtige Quarz hier "no valor" - keinen Wert - hat! Sieht aber trotzdem schön aus! Der Busfahrer erzählt, gerade weil er nichts wert und trotzdem schön ist, wäre der Quarz sein Lieblingsstein. Angeblich soll er auch beim Erhitzen seine Farbe verändern (Wir haben es nicht ausprobiert!) und gelb werden. Im Außengelände der Mine liegen alle möglichen Steinbrocken gemischt mit glitzernden Kristallen verstreut ... auch hier machen wir einen Rundgang, der Guide zertrümmert ein paar Steine und zeigt uns die schönen Innenseiten aus Quarz und Achat. Uns wird angeboten alles was wir wollen mitzunehmen (mit dem Hinweis, dass andere Touristen immer etwas großes mitnehmen). Wir versuchen, zu erklären, dass es mit unserem Rucksack und der langen Reise schwierig ist, viele Souvenirs mitzunehmen ... ob er es verstanden hat, werden wir wohl nie erfahren ... als wir dann zwischen dem ganzen Quarz ein paar lila Steinchen finden, können wir doch nicht widerstehen und bücken uns :) dem Blick des Guides zu urteilen, ist es wohl eher nicht geplant, dass man hier Amethyst statt Quarz findet, aber das ist uns egal :) Kurz bevor wir wieder in den Bus steigen, steckt mir der Busfahrer heimlich 2 größere Amethyste zu :) cooler Typ! Vorbei am von glitzernden Steinen gesäumten Wegrand und der grandiosen Landschaft geht es zurück nach Artigas. Was bleibt ist die Erinnerung an einen wahnsinnig tollen Tag und einen unglaublich netten Fahrer, lila Steine in den Taschen und die Frage, womit wir das alles bzw. so viel Glück eigentlich verdient haben ...Read more

  • Day61

    Salto - Zoo und so

    February 25 in Uruguay ⋅ ⛅ 28 °C

    Warum wir nach Salto gefahren sind? Wir wissen es irgendwie nicht so genau ... vermutlich weil wir noch einen Zwischenstopp für die Strecke nach Artigas brauchten. Trotz intensiver Recherche gibt es im Februar eigentlich nur 2 Dinge, die man in Salto machen kann - in eine Therme fahren und sich den ganzen, warmen Tag lang über warmes und noch wärmeres Wasser freuen... oder ... in den Zoo gehen. Denn Heidelbeer-Ernte ist von September bis Dezember, Orangen-Ernte ist auch wann anders, Führungen durch Süßigkeiten-Fabriken, die es laut Info-Flyer der Tourist-Information geben soll ... Fehlanzeige ... Also sind wir erstmal in den Zoo gegangen. Das Gute daran, wir sind in der Natur, es gibt Schatten und es kostet überraschenderweise keinen Eintritt. Das Schlechte daran, es kostet keinen Eintritt und dementsprechend sahen die Gehege und die Tiere aus! Ob in den letzten 50 Jahren seit Eröffnung des Zoos irgendwas neu gemacht oder verändert wurde, wissen wir natürlich nicht aber wir vermuten Nein! So wichtig es für Kinder ist, Tiere und Natur nicht nur aus Büchern und dem TV zu kennen, so schade ist es doch, wenn ihnen die heimische Flora und Fauna als traurige Gestalt in viel zu kleinen Gehegen präsentiert wird. Es soll jetzt nicht bedeuten, dass es allen Tieren dort extrem schlecht ging aber einige hätten unter besseren Lebensbedingungen sicher mehr Freude an ihrem Dasein haben können! Und dafür hätten wir sehr gern ein paar Pesos bzw. Euro Eintritt bezahlt. Den Rest des Tages sind wir durch die Stadt spaziert - haben günstig ein bisschen was eingekauft, was man unbedingt auf so ner langen Reise braucht :D - einen bunten Flummi, Keksausstecher, Lebensmittel, ... und sind dann passend zum Sonnenuntergang wieder zurück zu unserer "supertollen" Unterkunft und unserer "supernetten" Gastgeberin.
    Am nächsten Tag wussten wir noch weniger, was wir in Salto machen sollten ... deswegen haben wir dann einfach einen schönen entspannten Tag mit Reisetagebuch schreiben und Würfeln und Vögel beobachten in einem halbwegs netten Park verbracht, bis uns eine Gruppe junger Erwachsener Gesellschaft geleistet hat, deren Räucherstäbchen ein bisschen zu würzig gerochen haben für unser Empfinden! Nur für meine Hummeln im Hintern war an dem Tag ein bisschen zu wenig los ...
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  • Day59

    Montevideo - Museo del carnaval

    February 23 in Uruguay ⋅ ☀️ 22 °C

    Die nächste Station auf der Suche nach Karneval war das Karnevalsmuseum in Montevideo. Bei unserem Eintreten waren wir die einzigen Besucher und konnten in Ruhe einige kleine Videos von unterschiedlichen Karnevalsgruppen anschauen, erklärende Texte lesen, Fotos bewundern und uns von den Kostümen verzaubern lassen. Obwohl das Museum nur 2 überschaubare Räume hatte, haben wir am Ende fast 2 Stunden darin verbracht und Karnevalsluft geschnuppert. Am Abend haben wir auf der zum Museum gehörenden Bühne, die ersten vier Gruppen bei einem offiziellen Auftritt miterlebt. Das Ticket hat umgerechnet 1,75 Euro gekostet und die wenigen Leute in der Warteschlange machten die Vorfreude auf den Einlass und das Spektakel nur noch größer. Das Kribbeln, als wir die ersten Tänzerinnen der ersten Gruppe auf der Bühne sahen, verflog echt schnell, weil die Darbietung selbst für unser Empfinden (ohne wirklichen Vergleich) laienhaft wirkte und wohl die Auszeichnung "Sie waren stets bemüht" verdiente. Die anderen Gruppen zeigten bessere Auftritte aber haben uns auch nicht wirklich vom Hocker gerissen. Naja ... immerhin gab es so viel Potenzial für die nächsten Abende. Wir wussten jetzt auch, dass wir im Internet nach Tablados (in Montevideo) suchen mussten und hatten einige der festen Bühnen herausgefunden. Am zweiten Abend bot der Veranstaltungsort Platz für mindestens doppelt so viele Menschen - allerdings war er zu unserer Überraschung ebenso wenig gefüllt wie das Theater am Karnevalsmuseum. Die Auftritte der Gruppen war deutlich besser und für uns mit einer Überraschung verbunden. Denn obwohl wir darauf geachtet hatten, dass wir keine der Gruppen kennen, kamen uns die goldenen Glitzer-Outfits der Tänzer plötzlich bekannt vor - die "Zingaros" war die Gruppe, die wir auf der mobilen Straßenbühne am allerersten Abend gesehen hatten. :)
    Da uns die Atmosphäre der Museumsbühne irgendwie besser gefallen hatte, sind wir am dritten Abend wieder dorthin gegangen und haben schon vor dem Betreten die erste große Überaschung erlebt. Im Gegensatz zum ersten Abend wo das Ende der Schlange aus vlt. 50 Menschen schon von der Kasse aus zu sehen war, zog sich die aufgereihte Menschenmenge an zwei Seiten ums Theater herum und wurde immer länger und länger und länger. Es nahm kein Ende und der Zuschauerraum war zu Beginn der Show komplett gefüllt. Am Ende des Abends wussten wir auch warum! Alle vier Auftritte waren grandios und absolut sehenswert! Da konnte man nicht mal mehr sagen, welche Gruppe man besser oder schlechter fand, weil einfach alle eine mitreißende, eindrucksvolle Show auf die Bühne gezaubert haben! Wir sind jetzt eindeutig mit dem uruguayischen Karnevalsfieber angesteckt :)
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  • Day56

    Montevideo - Auf der Suche ...

    February 20 in Uruguay ⋅ ⛅ 18 °C

    ... nach Karneval! Seit wir vor mehr oder weniger genau 2 Wochen aus Montevideo abgereist sind, hing uns eine Frage an den Hacken, die uns damals unsere Gastgeberin gestellt hatte "Waaas ihr wart nicht beim Karneval? Warum?" Das Schlimmste daran war, wir hatten keine Antwort darauf. Seit wir in Südamerika sind (und vielleicht sogar schon vorher) stand fest, wir wollen und wir müssen Karneval miterleben. Echter, bunter, vielfältiger und aufwendiger als hier wird das vermutlich sonst nirgends auf der Welt gefeiert. Der Karneval in Uruguay ist wohl der älteste und mit 40 Tagen auch der längste der Welt. Das können wir uns nicht entgehen lassen! Häufig scheitern wir hier mit unseren Plänen - insbesondere beim Karneval - an fehlenden Informationen. Der Karneval hier ist aber auch eine Wissenschaft für sich, es gibt die Eröffnung, eine Aufrufparade, Paraden durch die Straßen, sogenannte Tabladas - Auftritte von Musikgruppen, Komikern, Karnevalsgruppen, etc. -, Murgas - spezielle Gesangsgruppen -, Wettbewerbe mit Jury und vieles andere mehr. Bleibt trotzdem die konkrete Frage von uns Unwissenden: Wann ist wo was los? Im Internet heißt es: überall in der Stadt ... 19 mobile Bühnen verteilt auf die Stadtteile, dazu 6 feste Standorte mit Eintritt etc. Wenn ihr jetzt denkt, das kann doch dann nicht schwer zu finden sein ... weit gefehlt. Beim letzten Mal haben wir jeden Abend die typisch rhythmischen Trommeln gehört und sind auf der Suche nach deren Ursprung 2 x erfolglos durch die umliegenden Straßen geirrt. Heute Abend haben wir dann erstmal gelernt, dass es nicht nur einen Platz in Montevideo gibt, der "Primero de Mayo" heißt ... eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass wir natürlich am falschen waren. Gefunden haben wir dann auf dem Weg eine tolle Bäckerei mit Sandwiches, Quarkkuchen, Apfelkuchen, Windbeuteln, ... - für die nötige Stärkung zum Weitersuchen war also gesorgt, denn Aufgeben gilt nicht! In der Nähe des Karneval-Museums (unser Ziel für den morgigen Tag) fand auf einer Bühne ein Soundcheck statt und die Auftritte für die nächsten Tage waren auf einer Tafel notiert. Irgendwie ein Lichtblick :) immerhin! Beim Umherwandern wurden wir dann ganz in der Nähe vom Duft nach Popcorn und einer Mikrofon-Stimme angezogen. Plötzlich waren wir mittendrin ... eine Gruppe in Glitzeroutfits gekleideter, gut gelaunter Menschen sang und tanzte und schauspielerte etwa 30 Minuten für ein kleines, gemischtes Publikum von Kleinkind bis Oma :) wir haben uns mit nem Becher Popcorn das ganze Spektakel angeschaut und sind dann glücklich nach Hause gegangen. Mission Phase 1 erfolgreich abgeschlossen!Read more