RoSa

Joined October 2017Living in: Löhne, Deutschland
  • Day16

    Rolling Home

    April 27 in Germany ⋅ 🌧 10 °C

    Wie erwartet, ist das schöne Wetter heute morgen verschwunden. Wir frühstücken in aller Ruhe, koppeln den Hänger an und dann geht es los, zurück nach Hause.
    Der Regen hat gnädiger Weise gewartet, bis wir mit den Outdoor- Arbeiten fertig sind. Dann aber heftet er sich mit der Hartnäckigkeit einer Klette an uns fest und begleitet uns. Die schönen Weinberge, die Saar, die Landschaft, durch die wir fahren, alles grau.
    Zunächst kommen wir zügig voran. Die LKWs fahren heute nicht, aber es ist Rückreiseverkehr. Besonders, als wir Nordrhein-Westfalen erreichen, nehmen die Hinweise im Radio, die über Staus informieren, kein Ende.
    Während der Fahrt habe ich Zeit, ein kleines Fazit über die vergangenen Tage zu ziehen: Wir haben wieder viel gesehen, viele Eindrücke sammeln können und auch Menschen kennengelernt, die ihre eigenen Geschichten haben. Und.....wir haben uns in dieser Zeit gut erholt.
    Die Fahrt ist, insbesondere in der 2.Woche anders verlaufen als wir es geplant haben. Trotz Wetterapp, damit konnte niemand rechnen, dass das schönere Wetter sich zu Hause abspielen würde. Die erste Woche war ganz ok. Obwohl es auch da längst nicht so warm war, wie erhofft. Dadurch waren wir sehr aktiv. Wir haben tolle Rollertouren gemacht und die Gegend auch zu Fuß und mit dem Rad kennengelernt. In der zweiten Woche haben wir mal wieder bemerkt, wie flexibel man doch mit einem Wohnmobil ist. Wir haben uns einfach an der Wetterkarte orientiert und uns Zeit genommen für Orte, die wir immer schon einmal sehen oder besuchen wollten. Wir sind der Schlechtwetterfront immer ein kleines Stück voraus gefahren und haben so noch schöne und sonnige Stunden gehabt.
    Natürlich ist es nicht so toll, wenn man Hunderte von Kilometern fährt und Zuhause ist es wärmer und schöner. Aber wir haben es akzeptiert, versucht uns nicht zu ärgern und enttäuscht zu sein und es als Chance für andere Erlebnisse zu sehen. Dadurch war die Stimmung immer gut.
    Jetzt müssen wir auch noch die restlichen 100 km unfallfrei nach Hause kommen. Das ist nicht buchbar. Auch wenn man immer davon ausgeht.
    Reisen ist von jeher auch immer mit Gefahren verbunden. Ganz selbstverständlich ist es daher nicht, wenn Mobil und Besatzung unbeschadet und gesund wieder Zuhause ankommen.
    Michael war wie immer ein guter und souveräner Fahrer, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und alle schwierigen Situationen im Griff hatte. Und....der auch fast alle anfallenden Arbeiten unterwegs übernommen hat und mir damit Zeit geschenkt hat, damit ich mich meinen Interessen widmen und mich von der Schule und dem Alltagsstress erholen konnte.
    Ich bin wieder einmal dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit haben dieses schöne Hobby gemeinsam ausführen können und hoffentlich auch noch oft gemeinsam reisen können. Die Erinnerungen an schöne Tage sind das, was wir mitnehmen können.
    Und jetzt freuen wir uns wieder auf Zuhause, auch wenn mich der Alltag gleich wieder fordern wird. Die nächste, etwas kürzere Tour, ist schon in Sicht.

    Gesamte Strecke: 3156 km
    Verbrauch 11,6 l Diesel auf 100 km
    39, 45 Stunden reine Fahrzeit
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  • Day15

    Saarburg

    April 26 in Germany ⋅ ⛅ 9 °C

    Wie geplant, geht es am Morgen zeitig los. Bereits um acht Uhr sind wir unterwegs durch ein wolkenloses Burgund . Die Sonne lacht, als hätte sie nie etwas anderes getan. Es gefällt mir, diese Gegend noch einmal so frühlingshaft zu sehen. Den Platz werden wir uns als Übernachtungsplatz ganz bestimmt merken. Michael hat es heute geschafft, das Wohnmobil samt Hänger auszuparken. Das macht er schon recht perfekt. In Charlon Süd fahren wir auf die Autobahn Richtung Dijon. Mit zunehmenden Kilometern Richtung Norden wird es bewölkter und die schöne Sicht verschwindet. Wir spielen immer etwas Hase und Igel mit dem Regen und dem schlechten Wetter. Meist sind wir schneller und erwischen noch den sonnigen Teil, bis uns der Regen einholt. Hoffentlich ist es auch heute so. Die Fahrt verläuft unspektakulär. Fast unspektakulär. In Frankreich müssen wir noch einmal tanken. Michael rechnet genau aus, wie viel Liter er benötigt, um damit bis nach Luxemburg zu kommen.
    Kurz vor Luxemburg macht es auf einmal "Klack". Das Geräusch kennen wir doch noch vom letzten Jahr. Mitten auf der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite ist ein kleines Loch in der Scheibe zu sehen. Steinschlag! Jetzt brauchen wir wohl wirklich eine neue Scheibe.
    Als heutiges Ziel haben wir uns Saarburg ausgesucht. Kurz nach der Grenze, in Luxemburg, führt uns das Navi allerdings in Richtung A13 /A8. Auf dem folgenden Stück gibt es weder billigen, noch überhaupt Diesel. Auch auf deutscher Seite keine Tankstelle in Sicht. Dafür geht es ordentlich bergauf in die Höhen des Hunsrück. Bei Metternich fahren wir ab. Die Landstraße führt steil bergab hinunter zur Saar und in den Ort, vorbei am "Villeroy und Boch- Outlet" und am Stellplatz "Am Brauhaus". Über 20 km entlang der Saar und ihren Schleifen geht es, bis wir Saarburg erreichen. Wir fahren auf den Platz und das Womo schreit laut nach Diesel. Die Reservelampe leuchtet. Über uns fängt gerade noch etwas Anderes an zu leuchten: Die Sonne. Für heute bleibt sie uns erhalten. Morgen kommt der Regen, aber dann fahren wir wieder.
    Jetzt suchen wir einen Platz für Womo und Hänger. Ein wenig Rangieren, und schon haben wir beides stehen. Gerade wollen wir die Campingmöbel in die Sonne stellen, als unser Nachbar uns darauf aufmerksam macht, dass der Hänger hier nicht mit auf den Stellplatz darf. Er hätte seinen gestern Abend noch bei strömendem Regen entfernen müssen. Welches Glück, dass wir genau vis-a-vis vom Hängerparkplatz stehen. Mit vereinten Kräften, das Paar aus dem Nachbarwomo packt dankenswerter Weise mit an, schieben wir ihn auf die erwünschte Parkfläche.
    Nach der Anmeldung und dem Kaffee trinken zieht es mich in den Ort, der ca 1-2 km entfernt liegt. Dort am Anleger liegt außer dem Rundfahrt- auch ein kleines Flusskreuzfahrtschiff vor Anker. Es handelt sich um ein Rad -und -Flussboot. Die Passagiere kommen jetzt am Nachmittag gerade mit ihren Rädern zurück und haben vor dem Abendessen noch Zeit, den Ort zu besuchen. Die Räder werden ihnen von fleißigen Mitgliedern des Stuffs abgenommen, gereinigt! und wieder an Bord gebracht. So eine Fahrt könnte mich auch interessieren. Deshalb besorge ich mir von einem Mitarbeiter ein Prospekt.
    Dann geht es in die Altstadt zur Wassermühle und dann den Laurinsberg hinauf zum Wasserfall. Sehr schön. Rund um die Leuk, die an dieser Stelle ca. 30 m in die Tiefe stürzt und dabei auch über Rinnen die Wasserräder der Mühle antreibt, sitzen Menschen in Cafés und Restaurants in der Sonne. Ich widerstehe der Versuchung mich dazuzusetzen und bummele weiter durch die Gassen, bis ich zur Burgruine komme. Natürlich muss ich die Aussicht von ganz oben genießen und habe die Aussichtsplattform ganz für mich allein. Wie lange bin ich eigentlich schon unterwegs? Schnell Michael anrufen und fragen, ob er seine Mittagsruhe beendet hat, und was sein weiterer Plan ist. Er möchte gegen Abend in die Stadt und dort essen gehen. Ich verspreche innerhalb der nächsten Stunde zurückzukommen, verliere mich dann aber wieder in der Betrachtung der Häuser und Gassen. Dann fällt mir ein, dass ich ja gesagt habe, dass ich noch einkaufen wollte. Oh je. Natürlich schaffe ich es nicht in einer Stunde und Michael ist etwas verschnupft. Aber kurze Zeit später, ich muss nur kurz einmal die Schuhe wechseln, die bereits knapp 10 km auf der Sohle haben, geht es in der Abendsonne zurück in den Ort. Wir können draußen sitzen. Dabei fällt uns ein sonderbares Phänomen auf. Alle Tische drinnen wie draußen sind in der "Zunftstube" vollbesetzt, und man schickt Gäste fort. Genau nebenan sitzt niemand, weder drinnen noch draußen und das, trotz ähnlicher Möblierung und Speisekarte. Alle steuern sofort auf die vollbesetzten Tische zu und lassen die leeren außer Acht. Liegt es an der Farbe? Rot bei dem vollbesetzten Lokal. Weiß bei dem Leeren. Oder ist es einfach nur eine menschliche Eigenschaft, sich dort hingezogen zu fühlen, wo schon andere sind? Das beobachtet man ja auch häufig auf Wohnmobilstellplätzen.
    Als wir mit dem Essen fertig sind und noch entlang der Leuk bummeln, sehen wir, wie das enttäuschte Personal des zweiten Lokals die Decken und Dekos der Terrasse wieder abräumt.
    Wir aber beobachten beim Rückweg noch den Sonnenuntergang, der die kleinen weißen Wölkchen am Himmel rosa färbt. Morgen kommt der Regen, da fahren wir ihm wieder davon.
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  • Day14

    Spaziergang entlang der Saône

    April 25 in France ⋅ 🌧 17 °C

    War die Nacht durch den Sturm auch sehr unruhig, so begrüßt uns die Sonne wieder am Morgen. Nur die geplante Roller- oder Fahrradtour können wir vergessen: es stürmt so heftig, dass es mit dem Roller viel zu gefährlich würde und mit dem Rad kämen wir nicht von der Stelle. Also bleiben nur noch die Füße, die wir nach dem Frühstück für einen langen Spaziergang entlang der Saône einsetzen. Heute sieht sie nicht mehr so abweisend grau aus. Doch der starke Wind häuft hohe Wellen an, die wie kleine Fontänen auf das Gras der Uferböschung schlagen. Im Hafen liegen ein paar Schiffe vor Anker, die hier wohl den Sturm abwarten. Ich werde schon beim Anblick, der im Wasser auf und ab hüpfenden Schiffe, seekrank. Im Hafen gibt es ein Restaurant und von hier starten auch Schiffsfahrten auf dem Fluss. Angesichts des Windes aber sind die heute nicht so gefragt. An der Saône führt Kilometer weit ein Rad und Wanderweg entlang. Wir aber schlagen irgendwann den Weg durch die Felder und zu den kleinen Orten ein, auf dem wir zum Schloss zurückkehren. Der Wind hat nachgelassen und so kann ich noch ein wenig vor dem Wohnmobil lesen. Am Nachmittag holt uns der Regen wieder ein. Und es regnet ohne Unterlass. Zeit zum Schreiben. Meine Beiträge, für die in diesem Jahr erscheinende Anthologie- die Deadline zur Abgabe ist Anfang Mai, habe ich durch den Regennachmittag auch fertig bekommen. Fotos sortieren und löschen;-), Kuchen backen und Kochen. Alles ohne Eile und Termindruck. Das ist für mich auch Urlaub. Wir haben uns damit gefundem, dass die zweite Urlaubswoche etwas anders verläuft als geplant, nehmen jeden Tag, wie er kommt und machen das Beste daraus. Morgen früh wollen wir zeitig aufbrechen. Unser Ziel ist Saarburg. Das sind über 500 km und wir wollen möglichst in der Mittagszeit ankommen.Read more

  • Day13

    Schloss Camping Château de L'Epervière

    April 24 in France ⋅ 🌧 13 °C

    Die Regenfront hat uns eingeholt. Schon in den frühen Morgenstunden trommelt der Regen auf das Wohnmobildach und der Krach hindert uns am Weiterschlafen. Wir hoffen, dass der Wiesenplatz das viele Wasser aufnehmen kann. Aber die Sorge ist unbegründet. Wir kommen ohne Probleme vom Platz. Nur zum Drehen in Fahrtrichtung ist das Gespann zu lang, und da stehen auch noch Bäume im Weg. Also kurz abkoppeln, das Wohnmobil durch die Bäume bugsieren und dann den Hänger wieder festmachen. Natürlich.....den ganzen Morgen fährt niemand weg, aber in dem Moment, in dem wir am Rangieren sind, wollen gleich zwei Autos vorbei. Aber sie müssen warten, bis wir fertig sind. Der Regen hält an und begleitet uns auch auf der Autobahn weiter. Es ist kein schönes Fahren. Regen, Wind und viele LKWs. Die schöne Landschaft grau und trist. Heute wollen wir gut 350 km bis in die Bourgogne fahren. Michael hat einen Campingplatz an einem Schloss in der Nähe der Saône herausgesucht. Etwas aufregend wird es noch in Lyon. Es herrscht viel Verkehr, denn die Autobahn führt durch die Stadt. Kurz vor Dijon, in Tournous, fahren wir ab. Sofort nehme ich das satte Grün der Wiesen und Bäume wahr. Große Fächen sind mit gelbem Raps bepflanzt. Es geht durch kleine Orte und enge Gassen. Dann taucht das Schloss mit seinen Gebäuden auf. Ein großer Parkplatz ermöglicht ein unkompliziertes Halten vor der Rezeption. Es ist kurz vor 14.00 Uhr als wir in den wunderschönen Schlosspark mit Seerosen-und Angelteich fahren, um uns einen Stellplatz zu suchen. Ein Platz ist schöner als der andere und alle sind riesig. Wir stellen uns mit Blick direkt auf den See. Einfach nur schön. Und wie von Zauberhand hört der Regen auf und die Sonne schaut heraus. Zeit das Anwesen einmal näher in Augenschein zu nehmen. Außer den tollen Plätzen im gepflegten Park und den Teichen, gibt es noch eine Badelandschaft außen sowie innen, eine Bar, einen Laden, einen Weinkeller zur Weinprobe, denn hier wird auch eigener Wein angebaut und ein sehr gutes Restaurant.
    Jetzt möchte ich gern noch den dazugehörigen kleinen Ort besuchen und an die Saône gehen, die nicht weit entfernt vorbei fließt. Michael reicht die Bewegung, die er bei der ausführlichen Schlossbesichtigung gehabt hat, aus. So mache ich mich allein auf den Weg. Zunächst zur Kirche. Leider ist sie verschlossen. Beim Gang durch den Ort bemerke ich an einem Haus eigenartige Figuren und Gegenstände aus einem undifinierbaren Material. Hier wohnt und arbeitet wohl ein Künstler. Inzwischen hat es sich wieder bewölkt. Aber ich möchte trotzdem noch an die Saône. Kurz bevor ich den Fluß erreiche, erschreckt mich ein lautes Donnern. Ich drehe mich um. Hinter mir hat sich ein dunkler Wolkenberg aufgetürmt, aus denen die ersten Blitze zucken. Oh je! Gewitter sind nicht unbedingt etwas, was ich im Freien erleben möchte. Aber das kurze Stück zum Fluß laufe ich doch noch. So schnell wird es ja nicht da sein, hoffe ich. Die Saône liegt aufgewühlt und dunkel in ihrem Bett. Weit entfernt kann ich einen kleinen Hafen erkennen. Hinter mir wird das Donnergrollen immer heftiger. Ein ordentlicher Wind setzt noch ein. Jetzt aber nichts wie zurück zum Wohnmobil. Kurz bevor ich den Campingplatz erreiche, setzt ein Platzregen ein. Das Gewitter ist genau über mir. Gut, dass ich die Regenjacke mitgenommen habe. So hält sich das Nasswerden noch in Grenzen. Genau so schnell wie es aufgezogen ist, ist das Gewitter wieder verschwunden und die Sonne lacht von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Wir stellen die Stühle vor das Wohnmobil und genießen die Sonne am späten Nachmittag. Gegen Abend höre ich plötzlich ein gewaltiges Rauschen. Was ist das? Kein Auto. Kein Flugzeug. Mein Blick wandert aufwärts. Der Himmel blau. Die Sonne scheint. Aber die Kronen der Bäume werden wie durch eine unsichtbare Hand heftig hin und her geschüttelt. Ein Sturm hat plötzlich eingesetzt, den ich, geschützt vom Wohnmobil, nur an dem unheimlichen Rauschen bemerkt habe. Bald wird der Wind so heftig, dass wir einräumen müssen. Die ganze Nacht tobt der Sturm und rüttelt das Wohnmobil hin und her. Von den Bäumen fallen Laub und kleinere Äste. Da wir uns einen sonnigen Platz ausgesucht haben, brauchen wir vor herunterfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen keine Angst zu haben. Es wird dennoch eine etwas unruhige Nacht.
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  • Day12

    Orange/ Amphitheater

    April 23 in France ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Morgen beginnt verhangen. Wir schlafen aus und frühstücken schön. Die Temperaturen sind um 10 Grad gefallen und über den Vormittag verteilt gibt es immer wieder kleinere Schauer. Die geplante Radtour nach Caderrousse, einem kleinen Dorf an einem See, fällt so zu sagen ins Wasser. Dafür mache ich eine "Schütteltorte". Geht wirklich total schnell. Gegen Mittag zeigt sich die Sonne, und da will ich die Zeit nutzen für einen kleinen Bummel zum Aldi, den ich gestern unterwegs gesehen habe. Als ich dort ankomme, ist der Parkplatz rappel voll und im Inneren kann ich vor lauter Menschen kaum die Waren sehen. Ein Stimmengewirr wie auf einem orientalischen Basar umgibt mich. Dazu passen auch die vielen Frauen in ihren Burkas, mit Schleier oder mit Kopftuch verhüllt, die plärrende Kleinkinder im Einkaufswagen zusammen mit diversen Kartons durch die Reihen bugsieren. Ich sehe Regale voller Elekrokleingeräte.....aber wo ist der Salat, den ich holen wollte? Wo sind überhaupt die Lebensmittel? Gibt es noch andere Räume? So langsam dämmert mir, dass das hier kein normaler Aldi ist. Das hier ist ein Aldi- Schnäppchenmarkt, in dem überzählige Aktionsartikel für ganz wenig Geld verkauft werden. Na, wenn ich schon hier bin, dann will ich auch ein Schnäppchen machen. Und so drängele ich mich durch die Massen, vorbei an vollgefüllten Wagen und palavernden Menschen. Gucken geht kaum. Eigentlich will ich nur noch raus. Aber da sehen meine Augen ein Fensterputzset mit Teleskopstil, abwinkelbar und mit drei verschiedenen Vorsätzen für 2,50 Euro. Genau das Teil fehlt mir, um unsere mit Saharasand voll gespritzte Windschutzscheibe bequem und ohne Leiter säubern zu können. Die Zeiten, wo Regen gleich zu setzen war mit sauberem Wasser, scheinen auch vorbei zu sein. Heute kommen die Wolken mit feinen Sandpartikeln daher, und die sorgen nicht nur für schmutzige Scheiben, sondern auch für das untypische Frühjahrswetter hier im Süden.
    Michael freut sich auf alle Fälle über mein Schnäppchen und fängt sofort an Fenster zu putzen. :-) Salat habe ich allerdings trotz weiterer Suche nach einem Geschäft nicht bekommen können. Dafür eine Schule entdeckt, deren Fassaden ca 10 m hoch zum Klettern genutzt werden. Wer da wohl in die Luft geht? Lehrer oder Schüler? Und typisch deutsch: wie ist das mit Aufsicht und Versicherungsschutz? Könnte ja mal wer herunterfallen.
    Am frühen Nachmittag können wir in der Sonne sitzend Kaffee trinken und meine Torte essen. Dann aber geht es in die Stadt. Schließlich sind wir ja nicht umsonst hier. Das Amphitheater steht auf dem Programm. Die nächsten 2-3 Stunden werden wir per Audioguide in die verschiedenen Epochen des Theaters entführt, erfahren viel über die Römer, die waren ja auch keine Kinder von Traurigkeit, wenn ich es mal so formulieren darf, und auch über die Nutzung in der jetzigen Zeit. Es ist ganz schön spannend, und eine Videoshow im Inneren des Gewölbeganges der Außenmauer zeigt Aufnahmen der Konzerte von Klassisch bis Rock. Immer höher hinauf lotst uns der Audioguide mit seinen Erklärungen. Nicht unbedingt etwas für Michael. Aber er hält es tapfer durch. Nur als sich an der Bühnenrückwand, die zur Zeit renoviert wird und eingerüstet ist, ein Bauarbeiter mit einer Leiter in gut 30 m Höhe mit einem Hammer zu schaffen macht, kann er da grade nicht hinsehen.
    Übrigens, den Kopf auf der Kaiserstatue hat man damals auswechselbar gemacht. So brauchte nicht immer eine neue Statue erschaffen und aufgestellt werden. Es rollten halt damals die Köpfe so oder auch so.
    Direkt neben dem Theater wurde noch einen griechischen Tempel ausgebuddelt, dessen Widmung aber noch nicht ganz geklärt ist. Heutzutage wohl in erster Linie den Touristen gewidmet, von denen im Moment nicht allzu viele zu sehen sind. Leider hat das " La Grotta", ein Lokal, wegen der Reservierungsarbeiten geschlossen. Hier, oberhalb des Tempels, in dem Gewölbe der Theatermauer, kehren auch die Einheimischen gern auf ein Gläschen ein.
    Der Eintritt ins Theater ( 9,50 € ) beinhaltet auch den Besuch im gegenüberliegenden Kunstmuseum. Das besuchen wir dann allerdings ohne einen angebotenen Audioguide zu nutzen. Wir wollen schließlich irgendwann mal wieder zum Wohnmobil zurück. Und so schauen wir uns die ausgestellten Exponaten mit großer Erfurcht vor den Archäologen an, die hier an riesigen Puzzlen ohne Vorlage gearbeitet haben, um all die Vasen, Schälchen, usw. zusammenzusetzen. Hier hängt übrigens auch die älteste Katasterzeichnung unserer Zeitrechnung an der Wand. Neu war mir auch der Zusammenhang der Stadt Orange mit dem niederländischen Fürstengeschlecht derer von Oranjen, die ihren Namen von dieser Stadt haben. Reisen bildet eben.
    Am Abend sind wir voll von geschichtlichem Input, dafür aber leer im Magen.
    Zurück am Womo, können wir noch draußen sitzen, den Hunger mit Grillen beseitigen und dabei Neuankömmlinge beobachten.
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  • Day11

    Orange/Provence Camping Manon

    April 22 in France ⋅ ☁️ 21 °C

    Am Morgen ist großes Packen auf dem Platz. Auch bei uns geht es heute weiter. Fünf Tage waren wir in der Cala Montgó und es hat uns gut gefallen. Nur Sonne hätte es etwas mehr geben dürfen. Die Temperaturen sind weiter gestiegen. Prompt überascht uns noch ein Gewitter kurz vor der Abfahrt. Es ist zunächst wenig Verkehr und wir können auch den Dieseltank bequem füllen , bevor wir ins teuere Frankreich kommen. Ansonsten begleitet uns eine geschlossene Wolkendecke, aus der es hin und wieder tropft, auf unserem Weg zur Grenze. Es blüht und grünt überall. Große Flächen mit gelben Raps lösen sich mit dem Klatschmohn -Roten- Wiesen ab. Gelber Ginster steht in voller Blüte und beschattet Büschel von lilafarbenen Blumen, die ich nicht kenne. Dazwischen die verschiedenen Grüntöne von Nadelbäumen, Gras und Büschen. Eine wunderschöne Frühlingslandschaft, die nur einen Makel hat: es fehlt der blaue Himmel und die Sonne. Es ist schon paradox, je weiter wir nach Norden kommen, umso wärmer wird es. Wir kommen nach Orange und werden gleich vom Wahrzeichen der Stadt, dem L'Arc de Triomphe, empfangen. Früher führte die Straße mitten durch den Bogen. Heute dürfen wir drumherum fahren. Gegen 14 Uhr erreichen wir den kleinen Stadtcamping. Die Rezeption ist nicht besetzt. Wir können uns einen Platz aussuchen. Es sind schöne große Wiesenplätze, auf denen Marienblümchen blühen und die mit Hecken umgrenzt sind. Eine wunderbare Ruhe liegt über allem. Es ist einer dieser Plätze, die wir gern mögen. Klein, es gibt insgesamt 45 Plätze, ohne allem Schnickschnack, stadtnah und nicht teurer als bei uns inzwischen so mancher Stellplatz. Ein paar Plätze sind schon besetzt. In erster Linie mit Kastenwagen. Nach einem Rundgang finden wir einen schönen Platz und stellen gleich die Stühle heraus. Wir haben 26 Grad, und im Halbschatten der Pinie lässt es sich fantastisch von der Fahrt ausruhen. Gegen 16.00 Uhr melden wir uns an der Rezeption an. Man(n) spricht französisch. Ausschließlich! Aber nach meinen französisch formulierten Bemühungen, uns anzumelden, schlüpft doch mal das eine oder andere englische Wort heraus. Morgen früh, versichert er uns, sei seine Sekretärin da, und er malt dazu die ausschweifenden Rundungen einer Frau in die Luft, die könne etwas Englisch.Wir bleiben erst einmal eine Nacht. Mal schauen, wie das Wetter sich so entwickelt. Im Laufe der nächsten Stunden trudeln noch einige Wohnmobile ein. Am späten Nachmittag besuchen wir dann die Stadt. Die Altstadt ist fußläufig (ca. 2km) entfernt und diese Entfernung ist durchaus auch Michael zuzumuten. Es ist wenig los auf den Straßen und Gassen. Der Feiertag! Wir laufen die Avenue d' Arc de Triomphe hinunter. Eine Brücke führt über einen die Altstadt umgebenden Fluss. Die Häuser haben den maroden Charme des Südens. Die Kathedrale Notre Dame de Nazareth, deren Portal typisch für die romanisch-provenzialische Kunst ist, und die als Baudenkmal zuerst unseren Weg kreuzt, scheint irgendwie zwischen den Häusern eingeklemmt zu sein. Wir kommen am Hotel de Ville vorbei und erreichen den Place de la République. Hier hat die Gastronomie ordentlich aufgefahren. Viele Lokale laden zum Besuch unter den Markisen ein. Aber es ist kaum etwas los. Im Vorbeischlendern studieren wir die ausgehängten Speisekarten. Dann erreichen wir das berühmte Amphitheater. Das Theater wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung erbaut und ist das am besten erhaltene Theater aus Stein. Wie schon zur Zeit der Antike, kann dieses Theater bis zu 9000 Zuschauer pro Vorstellung fassen. Leider ist es schon geschlossen und wir können uns nur von außen einen Eindruck über die grandiose Baukunst verschaffen. Beim Anblick der dicken Mauern frage ich mich nicht das erste Mal, wie man das ohne technische Hilfsmittel geschafft hat. Auf dem Place des Frères Mounet fällt uns eine gewaltige Statue auf, die den Geist der Antike symbolisiert, der die Flamme der Kunst dem modernen Genie übergibt.
    Mehr kunsthistorische Interesse kann ich für heute nicht verlangen, denn Michael hat Hunger, und so schließen wir die Runde wieder am Place de la Republique in einem Restaurant bei einer wirklich leckeren Pizza. Kurze Zeit später setzt sich ein Ehepaar aus Vechta, das wir auf dem Campingplatz an der Rezeption kurz gesehen haben, an den Nachbartisch und ein angeregtes Gespräch entsteht. Sie sind von der Cote Azur vor dem Wind geflohen.
    Michael möchte morgen noch bleiben, auch wenn uns die Schlechtwetterfront mit einzelnen Schauern hier einholen wird. Bereits in der Nacht fängt es an zu regnen. Aber da stört es uns weniger.
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  • Day10

    Ostermarkt in L'Escala /Punta Montgo

    April 21 in Spain ⋅ 🌙 13 °C

    Ostersonntag. Nach dem Osterfrühstück und dem Ostereier suchen, Michael hat sein Ostergeschenk leider schon vor einigen Tagen im "Keller" des Wohnmobils entdeckt und wollte es schon mehrfach auspacken, also nach all dem, ist Osterhasen- Shooting angesagt. Mit unseren beiden Milka-Hasen suche ich nach einer passenden Location, um Fotos von den beiden zu machen. Ich werde aufmerksam, interessiert und vor allem sehr irritiert dabei beobachtet, wie ich Hasen, Eier und Apfelsine im Gras und unter Palmen positioniere und mit dem Handy davor auf den Knien sitzend Fotos mache. Aber Osterfotos kopieren und verschicken kann jeder. Meine sind auf alle Fälle "handmade in spain".
    Nach diesem Shooting fahren wir mit dem Roller nach L'Escala. Da ist heute Markt. Unterwegs stelle ich mehrfach bei den Angeboten des "menú del día " bei den Lokalen fest, dass Hase, Lupin, Rabbit auf der Speisekarte steht. Kein Wunder, dass es in Spanien so wenig Ostereier gibt, wenn die den Hasen vorher aufessen.
    An der ganzen Strandpromenade entlang sind die Stände der Marktbeschicker aufgebaut. Es herrscht reger Andrang. Und wir lassen uns von dem Strom der Menschen mitschieben. Es sind in erster Linie Kleidung und Lederwaren, die angeboten werden. Aber auch Blumen, Obst, Gemüse und Haushaltswaren sind zu finden. Ein scharfer Wind weht vom Meer her und die Händler müssen aufpassen, dass ihnen ihre Sachen nicht davon wehen.
    Es ist mal wieder ein Wurst- und Schinkenstand, an dem Michael nicht vorbei gehen kann, ohne wenigstens mal näher zu gucken und etwas zu probieren. Vom Stück geschnittener Serrano und Iberico Schinken werden daraufhin für Zuhause mitgenommen.
    Nach dem Marktbesuch möchte ich Michael unbedingt den tollen Ausblick vom Punta Montgò zeigen, den ich bei meiner Wanderung entdeckt habe, und den man auch über die Straße mit dem Roller erreichen kann. Die schmalen und sehr steilen Haarnadelkurven mit mir hinten drauf, fordern vom ihm höchste Konzentration. Ich glaube, wenn er das vorher gewusst hätte, wäre er nicht hochgefahren. Oben angekommen, muss er mir aber recht geben: Die Aussicht nach allen Seiten ist fantastisch. Wir spazieren noch etwas über den Berg und dann geht es angespannt wieder abwärts.
    Am Nachmittag unternehme ich eine Wanderung auf dem Küstenwanderweg in Richtung L'Escala. Die Sonne hat sich seit dem Mittag wieder eingefunden und die Wolken weitgehend vertrieben. Und so bekomme ich die Küste noch einmal, sozusagen zum Abschied im milden Licht der Nachmittagssonne zu sehen. Denn morgen fahren wir weiter. Aber nicht weiter südlich wie geplant, da ist das Wetter in den nächsten Tagen noch schlechter, sondern nach Norden. Wir wollen in Frankreich, in Orange, noch ein paar Tage bleiben, die Stadt anschauen und Ausflüge ins Vacluse machen, solange das Wetter mitspielt.
    Auf dem Rückweg aus dem Naturschutzgebiet, in dem im Moment viele Kräuter und Pflanzen blühen, mache ich einen Abstecher in die Bucht und genieße auf einer Bank einmal mehr das schöne Bild der Cala Montgò im Abendlicht.
    Beim Spülen am Abend komme ich ins Gespräch mit einer Schweizerin. Sie hat vor einem halben Jahr ihren Mann verloren, erzählt sie mir. Jetzt ist sie das erste Mal allein mit dem großen Wohnmobil und dem Roller unterwegs. Einer Herausforderung, der sie sich gestellt hat. " Ich will weiter leben," sagt sie mir, "und dazu gehört auch das Reisen mir dem Wohnmobil. Und bisher habe ich noch keine Situation gehabt, die ich nicht hätte bewältigen können!" Im Herbst will sie für 3 Monate nach Griechenland. Die Fähre hat sie schon gebucht. Ich habe Hochachtung vor so viel Mut und der Annahme des Schicksals und spreche das auch aus. Sie freut sich darüber und auch darüber, dass ich sie angesprochen habe.
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  • Day9

    Rollertour nach Estartit

    April 20 in Spain ⋅ 🌧 13 °C

    Michael ist mal wieder der Erste am Morgen und hat bereits Brot besorgt und den Frühstücksplatz in der Sonne aufgebaut. Wir haben noch echt Glück. Von der Schlechtwetterfront über Spanien bekommen wir hier kurz hinter der französischen Grenze höchstens mal Dunst oder Wolken mit. Für heute ist bis zum Nachmittag Sonne angesagt und die nutzen wir vorm Wohnmobil. Gegen Mittag, als die Sonne anfängt Verstecken hinter den Wolken zu spielen, fahren wir mit dem Roller auf kleinen Straßen Richtung Estartit. Den ersten Halt machen wir in Bellcaire d' Emporda. Wir parken den Roller und steigen die engen Gassen zum Castell de Bellcaire hinauf, einer Burganlage und Schloss der Grafen von Empúries aus dem 13. Jahrhundert. Das Gebäude wird heute für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Außer uns gibt es nur wenige Besucher im Ort. Ein paar Mountainbiker quälen sich die Gassen hoch. Die Radroute führt mitten durch die Stadt. Vom Castell können wir weit ins Land blicken. Nur fehlt ein wenig Sonne für eine perfekte Optik. Wir fahren weiter nach Ulla. Die kleine Landstraße gehört an diesem Samstagnachmittag uns allein. Leider ist Blumen pflücken während der Fahrt verboten, sonst würde ich zu gern den roten Mohn und die weißen Margeriten, die am Straßenrand wachsen, abpflücken.
    Kurz hinter Bellcaire liegt ein kleiner Stellplatz für Wohnmobile. Sehr nett und gut besucht. Das sind bestimmt Radfahrer und Wanderer, denn hier gibt es viele Rad- und Wanderwege. Hoch oben auf dem Berg lockt das Castell de Montgri. Eine sicherlich lohnende Wanderung mit garantiertem Weitblick. Wir aber steuern nach dem Besuch von Ulla die Stadt Torroella de Montgri an. Beim Bummel durch das Gewirr der engen Gassen mit den vielen kleinen Läden, fragen wir uns mehr als einmal im Angesicht der riesigen Supermärkte und Discounter am Stadtrand, wer kauft hier und kann man davon leben? Auf einem Platz sind Stände aufgebaut. Es werden gelbe Schleifen in allen Größen angeboten. Mit dem Kauf bekundet man seine Solidarität mit den inhaftierten katalanischen Ministern und unterstützt die Organisation. Der Stand ist umlagert. Michaels Interesse gilt aber mehr einem Laden, der Schinken verkauft. Hatten wir immer gedacht, dass der Serrano Schinken mit knapp 50 Euro pro Kilogramm der Teuerste wäre, werden wir hier eines bessern belehrt. Der "Jamon Iberico" schlägt mit 150 Euro per KG und der Jamon Pata Negra“, das bedeutet so viel wie „schwarze Klaue“. Der Grund hierfür ist, dass der Schinken vom Iberischen Schwein stammt, das meist eine schwarze Klaue hat, liegt bei knapp unter 200 Euro. 100 g Schinken für 20 Euro, das ist schon eine Hausnummer.
    Wir fahren weiter nach Etartit. Der aufgekommene Wind sorgt nicht nur für eine ordentliche Brandung, sondern pustet uns auf dem Roller ordentlich durch. Von weitem sehen wir schon die Felsen der Illes Medes, der kleinen vorgelagerten Inseln. Wir fahren den Passeig Maritim am Strand entlang Richtung Hafen. Eine Überflutung durch einen zurückgestauten Zufluss zum Meer, sorgt für ein jähes Ende. Das Wasser steht fast einen halben Meter hoch. Da können wir nicht durchfahren. Ratlos suchen wir nach einen Parkplatz. Nichts zu finden. Kurze Zeit später stehen wir wieder vor dem Wasserhindernis. Jetzt stellen wir den Roller einfach auf einer schraffierten Fläche am Straßenrand ab. Im Yachthafen liegen bereits viele Boote. Die Passanten haben sich zum Teil warm eingepackt gegen den kühlen Wind. Der andere Teil läuft hochsommerlich in kurzer Hose und Sandalen herum. Für einen Ostersamstag ist in diesem bekannten Touristenort relativ wenig los. Das kühle Wetter macht manchem Gastronomen einen Strich durch die Rechnung. Inzwischen haben wir Besuch bekommen. Der kleine Hunger ist vorbeigekommen und fordert unsere Aufmerksamkeit. Wir kehren ein, um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Aber nach der "Kleinigkeit" ist das geplante Abendessen gestrichen. Auf meinem Platz kann ich wunderbar die vorbei schlendernden Passanten beobachten. Das Paar mit dem Kind z.B. , das wohl gerade eine rote Plastik-Blockflöte geschenkt bekommen hat, und damit Zahnarztbohrer ähnliche Geräusche produziert. Alle Menschen drehen sich genervt nach der Geräuschquelle um. Der Vater versucht dem Kind daraufhin das Spielzeug wegzunehmen, worauf der kleine Junge mit einem genauso Kopfhaut zusammenziehendem Heulen antwortet. Wahrscheinlich hat er vorher das Heulen eingesetzt, um die Flöte zu bekommen. Gut, dass wir mit dem Essen fast fertig sind, denn die Blockflöte nähert sich unserem Lokal, und irgendwie habe ich grad keine Lust auf ein Konzert. Egal ob mit oder ohne Blockflöte.
    Ein Mann mit einem furchtbar dicken Bauch kommt an uns vorbei und ich überlege, während ich meine letzten Patatas Bravas esse , wann der wohl zuletzt seine Füße gesehen haben mag, geschweige denn andere Körperteile.......
    Bevor ich noch weitere Überlegungen anstellen kann, verlassen wir das Lokal und ich damit meinen Beobachtungsposten, und wir schlendern zum Roller zurück. Gerade wollen wir aufsteigen, da kommt ein Spanier aus dem dahinter stehenden Haus. "Oh weia", denke nicht nur ich, jetzt gibt es Ärger wegen des wilden Parkens. Aber das Gegenteil ist der Fall. Er ist total begeistert von unserem Roller und würde ihn uns am liebsten abkaufen. Wir fachsimpeln noch ein wenig über Roller, Wetter usw. in einem Gemisch aus Englisch und Spanisch, und dann geht's zurück nach L'Escala. Das Wetter ist inzwischen nicht mehr schön zu reden. Es sind zwar 19 -21 Grad, wenn man den angebrachten Thermometern unterwegs Glauben schenken darf, aber die fehlende Sonne lässt alles etwas grau und trist aussehen. Für heute Abend ist sogar Regen angesagt. Und in Deutschland ist super Osterwetter.
    Zurück auf dem Campingplatz stellen wir fest, dass die Ersten ihre Zelte abbrechen wegen des zu erwartenden Regens. Andere kommen gerade an. Sie sind dem Regen weiter südlich davon gefahren.
    Am Abend machen wir noch einen Spaziergang entlang der Bucht auf dem Camino. Dabei überlegen wir, spätestens am Montag Richtung Frankreich zu fahren, denn die Wetterprognosen hier sind nicht besonders erfreulich. Dann setzt der Regen ein, und die Musikveranstaltung auf dem Campingplatz fällt nach kurzer Zeit im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser.
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  • Day8

    Ruinen Empuries und Sant Marti d' Empuri

    April 19 in Spain ⋅ ⛅ 13 °C

    Sie ist wieder voll da, die Sonne und wir können von der Sonne beschienen frühstücken. Die Ruinen von Empuries sind heute das Ziel unserer Rollertour. Man könnte die Tour auch mit dem Rad machen. Von L'Escala Stadt führt ein schöner Rad- und Wanderweg dorthin. Aber mit dem Roller macht die ca. 25 km lange Strecke durch die frühlingshafte Landschaft mindestens genauso viel Spaß. Aber zunächst müssen wir durch L'Escala Stadt und da ist heute am Karfreitag richtig Betrieb. Dann aber geht es über die fast leere Landstraße zu den Ruinen. Noch bevor wir den Roller abstellen, bemerken wir den tollen Blick durch die Pinien aufs Meer, wo sich die Wellen mit hochschäumender Gischt an den Felsen brechen. Klar, dass wir erst zur Strandpromenade müssen. Wir gehen ein Stück entlang des Meeres. Die Promenade ist ein toll angelegter Rad -und Fußgängerweg, der in der einen Richtung bis nach L' Escala, auf der anderen Seite bis St. Marti führt. So schön der Weg auch ist, er führt definitiv nicht zu den Ruinen. Wie machen kehrt und suchen den Eingang. Der Eintritt kostet 5.50 €, für Senioren ab 65 Jahre wird es einen Euro billiger.
    Mit einem Audioguide ausgestattet, machen wir uns auf den Weg in die "griechische Stadt." Die Mauern und verschiedene Details sind freigelegt, und die nette Audiodame erzählt uns an verschiedenen Punkten nicht nur etwas über den Bau und den Grundriss der Stadt, sondern auch Interessantes aus dem Leben der Griechen, die 600 Jahre vor Christus von Kleinasien, der heutigen Türkei, über das Mittelmeer gekommen sind und hier sesshaft wurden. Bei der Wanderung durch die Überreste einer früheren Kultur im Sonnenschein mit wunderbarem Blick aufs Meer vergehen zwei Stunden wie im Flug. Dann erfahren wir von unserem Guide, dass es auch noch eine römische Stadt gibt, die zwar erst nur zu 20% ausgegraben ist, aber unsere Aufmerksamkeit eine weitere Stunde erfordert. Wir sind platt vom Laufen, vom Zuhören und vom Anschauen so vieler Steine. Mir schwebt zur Erholung ein Restaurant, Café oder Bar mit Meerblick vor. Das hoffen wir in St. Marti zu finden. Der kleine Ort ist wunderschön und der Blick aufs Meer in alle Richtungen traumhaft. Das fanden auch die Besucher der beiden Gaststätten mitten im Ort, die deshalb bis zum letzten Platz mit Ausflüglern besetzt sind.
    Wir fahren nach L'Escala zurück und an der dortigen Strandpromenade finden wir einen windgeschützten Platz mit Blick aufs Meer in einer Bar und genießen einen kleinen Imbiss. Ich muss doch mal die Anchovis probieren, die ich mit Tomaten und Käse in einer Crepe serviert bekomme. Kann man essen. Schmeckt nach Fisch und Salz und macht ordentlich Durst.
    Später zurück am Wohnmobil, von der warmen Sonne beschienen, die Geräuschkulisse des Platzes, ein Gemisch aus dumpfen Gemurmel, Kindergeschrei und Hundegebell im Ohr, gleite ich in hinüber in einen leichten Schlaf. Ich träume von riesigen Haufen Steinen, die zu Mauern gestapelt werden müssen. Eine wahnsinnige Arbeit.
    Das muss man auch von den Ruinen sagen. Eine riesige Aufgabe, der sich die Archäologen gestellt, sie bewältigt aber immer noch nicht beendet haben.
    Wiederum später, so gegen 20.30 Uhr, mache ich einen abendlichen Spaziergang zum Strand. Es herrscht auf der Straße und am Strand noch viel Trubel. Vor allem Familien sind noch unterwegs. Pärchen sitzen auf den Felsen und schauen dem Meer zu. Das mache ich auch und gucke zum "Blue Heaven". Auf der Terrasse des Lokals sitzen Gäste beim Essen oder Getränk. Noch gestern war die Terrasse eine riesige Baustelle. Nun stehen hier Tische, dekoriert mit Kerzen und Blumen. Davor Stühle mit leuchtend bunten Kissen. Wie haben die das nur in den paar Stunden geschafft ? Am Aufgang zur Terrasse steht noch der große Mörtelkübel und auf dem Boden liegt der Bausand. Aber das Lokal hat pünktlich eröffnet. Trotz der vielen Besucher in der Cala Montgo sind die Lokale ziemlich leer. Entweder ist die Essenszeit schon vorbei: oder sie kommt noch. Oder .....die machen es wie wir und machen sich selbst etwas zu essen heute Abend.
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  • Day7

    L'Escala Stadt -Torre Montgo

    April 18 in Spain ⋅ 🌙 12 °C

    Der strahlende Sonnenschein des gestrigen Tages ist verschwunden, dafür ist es wärmer geworden. Die Sonne ist immer mal da, und dann zieht sie sich wieder eine Wolkengardine vor. Wir "drödeln" (ostwestfälisch für bummeln) nach dem Aufstehen erst einmal etwas herum. Auch das ist Urlaub. Einfach mal ohne Terminplan in den Tag hinein leben. Am späten Vormittag aber fahren wir mit dem Roller los. Zunächst geht es in den Hafen von L' Escala. Uhi! Da sind zu Ostern aber einige und vor allem große Yachten vor Anker gegangen. Weiter geht es zum Strand. Dort stellen wir die "Rote Paula" ab und laufen entlang der Strandpromenade. Auch hier ist man gewappnet für den Ansturm der Osterurlauber. Alle Bars, Cafes und Restaurants haben geöffnet. In kleinen Läden werden Souvenirs, Kleidung und jede Menge Kitsch angeboten. Und Michael wird gleich zwei Mal fündig. Blechschilder mit Vespa Motiven für seinen Hänger. Was sein muss, das muss sein. Das Eisangebot ist gewaltig. Aber mit 2.50€ pro Kugel auch ein Spitzenangebot. Eis haben wir genug im Wohnmobil. Das hab ich vorgestern Abend bei einem Bummel durch den Supermarkt gegenüber des Campingplatzes besorgt, 12 Stück in der Packung. Mit dem Kauf habe ich eine mittlere Krise bei Michael ausgelöst, weil er das Fleisch in dem Gefrierfach in Gefahr sah. Wir haben von beidem gegessen und dann passte alles hinein . Wir gehen zurück zum Roller. Und wieder steht ein Interessierter davor. Wir sollten ein Sparschwein daran befestigen: "Angucken 50 Cent , mit Auskunft einen Euro." Das würde sich auch beim Hänger lohnen. Der Ausbau mit den Solarzellen lockt auf jedem Platz Interessierte an, denen Michael bereitwillig die Technik erklärt. Wir fahren weiter in die Altstadt von L'Escala. Die Fahrt geht immer am Meer entlang. Dann sind wir plötzlich mitten in der Stadt und "Paula" braucht einen Parkplatz. Entweder ändert sich die Wahrnehmung, wenn man mit einem Zweirad unterwegs ist, oder hier gibt definitiv wesentlich mehr Zweirad-Parkplätze. Auf alle Fälle habe ich einen entdeckt. Allerdings befindet er sich in einer Einbahnstraße. Wir müssen einmal um den Block fahren. Beim Anblick des Schildes: "Alle Fahrtrichtungen",hoffe ich inbrünstig, nie mit dem Wohnmobil eine solche Stadtdurchführung fahren zu müssen. Die vielen Macken im Mauerwerk des Eckhauses sprechen Bände. Wir nähern uns ordnungsgemäß dem Parkplatz in der Einbahnstraße als entgegengesetzt zu der erlaubten Fahrtrichtung, ein Motorrad kommt und auf unseren Parkplatz zu steuert. In diesem Fall war Michael einfach schneller. Kurze danach folgt dem Zweirad noch ein Auto. Nun wird es eng in der Straße, denn ein paar Pömpel zur Verkehrsberuhigung haben hier auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich frage mich in dieser Situation nur: "Warum gibt es Verkehrszeichen und Verkehrsregeln, wenn sich außer uns niemand dran hält?" Muss wohl an der Mentalität liegen. Anders ist das nicht zu erklären. Das Knäuel löst sich langsam auf und ich kann endlich absteigen.
    Wir bummeln entlang der Promenade, die den kleinen Stadtstrand umgibt. Viele Osterurlauber genießen die Sonne, sitzen in den Bars oder durchstöbern die vielen kleinen Läden der Altstadt. Die müssen hier mit Heerscharen von Urlaubern rechnen. So ein riesiges Angebot von allem. An einem Zaun fallen uns wieder die gelben Schleifen auf, die dort befestigt sind, und die wir bereits in Cadaques gesehen haben. Auf einer Bank am Wasser bleibt Zeit, Google mal zu fragen. Die gelbe Schleife wird schon seit vielen Jahren und auch in vielen Ländern als Zeichen der Unterstützung und Solidarisierung benutzt. Hier in Katalanien wird sie als Symbol der Unterstützung für inhaftierte katalanische Minister verwendet, die im Zuge der Katalanienkrise des Tatbestandes „Rebellion“, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel angeklagt wurden, von Unabhängigkeitsanhängern aber als politische Gefangene betrachtet werden. Einige international bekannte Persönlichkeiten wurden mit gelber Schleife gesehen und in der Folge kam es zur massenhaften Anbringung gelber Schleifen an öffentlichen Einrichtungen durch Unabhängigkeitsbefürworter.
    Der Sinn der vielen gelben Schleifen ist somit auch geklärt. Wir lassen uns weiter durch die Stadt und ihren Gassen treiben. Eine besondere Spezialität des Ortes sind Anchovies, die in vielen Läden angeboten werden. Anchovies sind Sardellen, die gesalzen und fermentiert als Gewürz eingesetzt werden (Anchoviespaste). Milder gesalzene und nicht so lange gereifte Sardellen werden auch so verzehrt.
    Wir erreichen wieder den Roller. Nun müssen wir nur noch aus dem Gewirr der Gassen herausfinden. Auf den Straßen zurück zum Platz ist deutlich mehr Verkehr als gestern.
    Auch auf dem Campingplatz reißt die Anzahl der anreisenden Campingfahrzeugen nicht ab. Es wird voller und quirliger. Es sind vor allem spanische und französische Familien. die mit Zelt, Wohnwagen oder Mobil angereist kommen. Auch die Niederländer sind wieder gut vertreten. Deutsche findet man unter den Gästen eher weniger. Auf dem Hauptweg müssen wir aufpassen, dass wir nicht von Bobbycars, Rollern, Lauf- und Dreirädern umgefahren werden. Es wird eben Ostern, und da möchte jeder seine Freizeit an einem schönen Ort verbringen. An der deutschen Nord-und Ostsee dürfte es in diesen Stunden auch nicht anders aussehen.
    Zur Kaffeezeit kämpfen wir mit unserem Erdbeerbestand. Dieses Mal kommen sie mit Waffeln und Sahne auf den Teller. Ein Grund kurze Zeit später für etwas Bewegung zu sorgen. Michael hat für heute Dank "Paula" schon genug Bewegung gehabt, und so mache ich mich allein auf den Camino de Rondo. Ich möchte den Rundweg zum
    Punta de la Bassetta nehmen. Aber nach gut 3 km gebe ich auf. Es ist eine Kletterei durch Steine und Geröll. Oft in unmittelbarer Nähe der Klippen. "Wenn ich hier falle, umknicke oder abrutsche, findet mich keiner", denke ich. Und mache mich auf den Rückweg, um den GR 92 in die andere Richtung zu laufen, zum Torre de Montgo. Auch hier muss ich schon nach kurzer Zeit die Stöcke aus den Händen legen, um an den Felsen hochklettern zu können. Der Blick, der sich mir bietet, wird mit jedem Meter bergauf schöner. Tief unter mir sehe ich das blaue Wasser der Bucht. Der Weg führt weiter durch kurze Sträucher und Heide. Das Geröll , die Steine, bilden bis hinauf zum Turm den Weg . Oben am Turm stehen zwei Männer. Sie beginn ein Gespräch mit mir mangels Spanisch aus einem Mix aus Englisch, Französisch plus Händen und Füßen. Sie sind beeindruckt, dass ich über die Felsen und nicht über die Straße heraufgekommen bin. Die Straße nehme ich dann als Rückweg und freue mich über die tollen Ausblicke auf die Cala Montgo und die Bucht von L'Escala. Diesen Ausblick haben auch die Bewohner der Villen am Berg zum Anlass genommen, um ihre Häuser an dieser Stelle zu bauen. Kleine, verspielte Schlösschen und gradlinige moderne Architektur wechseln sich ab. Bauvorschriften, Bauordnungen, Bebauungsplan scheint es hier nicht zu geben.
    Gegen 18.30 Uhr bin ich wieder am Campingplatz. Es sind noch mehr Gäste gekommen. Auch die Holzhütten sind jetzt alle belegt . Nach dem Abendessen machen wir noch einen Gang über den Platz, um die Nationalitäten unser mobilen Nachbarn festzustellen und das eine oder andere Wort zu wechseln
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