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  • Day1

    Es ist kaum zu glauben: Es sind wirklich Sommerferien. Noch vor kurzem war dieses Highlight des Jahres noch in unerreichbarer Ferne, und der Weg dorthin zugepflastert mit unendlich vielen Aufgaben und Verpflichtungen, von denen ich annahm, sie bis zum Ende des Schuljahres gar nicht bewältigt zu bekommen. Und nun hat mich das Leben mit einer großen Welle auf die Ferien- und Urlaubsinsel gespült, die es in den nächsten Wochen zu entdecken und zu genießen gilt, bevor die nächste große Welle mich wieder in den Alltag zurück befördert.
    Es ist früher Samstagmorgen, als wir das schlafende Löhne- Gohfeld verlassen. Die Straßen sind noch leer. Einzig beim Bäcker, bei dem Michael unsere Brötchen für das Frühstück unterwegs holt, merkt man, dass dieser Ort auch Einwohner hat. Einer von ihnen ist mit dem falschen Bein aufgestanden und motzt Michael sehr unschön wegen seines Parkens an. Zeitgenossen gibt es....!.Aber wir wollen uns deswegen den in zweierlei Hinsicht wunderschönen Tag nicht verderben lassen, und den Urlaubsbeginn sowie auch das schöne Wetter genießen. Auf der A 2 in Richtung Oberhausen merken wir dann, dass wir doch nicht so ganz allein auf der Welt sind. Aber es ist nicht voll, und wir rollen gemütlich dahin. Weiter geht es auf der A3 und A40 zur niederländischen Grenze in Richtung Venlo und Roermond. Michael ist sehr zufrieden mit seiner Streckenwahl: Wenig Verkehr, eine gute Fahrbahn und kaum Baustellen. Bevor wir nach Belgien, fahren tanken wie noch einmal in den Niederlanden.
    1,45 € für den Liter Diesel. Aber in Belgien und Frankreich wird er noch teurer sein. Einmal kurz die Beine vertreten und weiter geht es. Die Autobahn wird voller. Viele Campingfahrzeuge sind unterwegs. Die niederländische Küste lockt. Seeland ist nicht weit. Wir aber fahren weiter in Richtung Maastricht und zur belgische Grenze. Um Maastrich herum wird es etwas kompliziert. Aber unsere Mathilde, urlaubsfrisch upgedatet, lässt sich nicht irritieren und führt uns aus dem niederländischen Straßengewirr heraus. Wenig später fahren wir bereits durch Flandern. Wallonie heißt dieser Teil, der den Gallo, den Hahn als Wappenzeichen hat. Strahlend blau, mit bunten Booten besetzt, begleitet uns die Maas ein kleines Stück des Weges. Vor Lüttich fahren wir auf der E42 weiter in Richtung Namur, Charleroi. Hinter Charleroi wollen wir heute die Fahrt beenden und haben uns zwei Stellplätze am Wasser herausgesucht. Mal sehen, wie es mit der Belegung ist, an einem Samstag Nachmittag und mit super Sommerwetter. Vorher bekomme ich aber noch etwas Nachhilfe in Geschichte, als wir am Autobahnschild Waterloo vorbeifahren. Hatte in Waterloo Napoleon nicht seine berühmte Niederlage gegen Wellington erlitten? Aber hier in Belgien? "Korrekt", meint Google. Damals noch zu den Niederlanden gehörend, wird das kleine Dorf in der Wallonie nun in einem Atemzug mit Napoleons Niedergang genannt. Wer kennt nicht den Auspruch: "Sein ganz persönliches Waterloo" erlebt zu haben. Und ich hätte schwören können, es wäre jenseits des Kanals zu finden gewesen. Kurz nach Charleroi erreichen wir die Abfahrt zum Stellplatz am Canal du Centre historique, fahren ab, und bevor wir uns im Gewimmel der vielen, hier am Straßenrand parkenden LKWs richtig orientiert haben, sind wir auch schon wieder drauf...auf der Autobahn ....in Gegenrichtung. Die nächste Ausfahrt kommt bestimmt. So auch in unserem Fall. Nur ist jetzt die Anfahrt zum Stellplatz etwas länger und etwas enger, denn sie beinhaltet zwei enge Ortsdurchfahrten. Vor uns erhebt sich ein riesiger Kasten auf stählernen Beinen. Das neue Schiffshebewerk. Eines von den vier Schiffshebewerken am Canal du Centre. Das Hebewerk ist eine Art Fahrstuhl für Schiffe. Die müssen hier nämlich einen Höhenunterschied von, sage und schreibe, 66 m bewältigen. Das muss ich mir später mal genauer ansehen. Ebenso das historische Schiffshebewerk, ein völlig intaktes Relikt aus der Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und ein Unesco Weltkulturerbe. Wir aber überqueren erst einmal den Canal du Centre, auf dem die Lastkäne früher Kohle nach Brüssel transportiert haben und fahren ein Stück an ihm entlang zum Bootsanlegeplatz und Stellplatz. Und.....es gibt noch reichlich Platz direkt am Wasser. Wenig später stehen die Stühle vor der Tür, der Kaffee weckt die eingeschlafenen Lebensgeister, und die kühle Brise, die vom Kanal zu uns herüberweht, lässt die fast 30 Grad gut ertragen. Das war doch schon mal sehr positiv.
    Bei einer Walkingtour entlang des alten Kanals bestaune ich ein wenig später das historische Schiffshebewerk, dessen verschlungene Stahlkonstrukion fast ein wenig romantisch wirkt. Der Weg unter den Bäumen ist schön schattig und luftig und von hier kann ich auf den neuen Kanal blicken, auf dem gerade ein Ausflugsschiff fährt. Trotz des schönen Wetters und des Wochenendes ist wenig Betrieb. Ein, zwei Radfahrer überholen mich auf dem nur für Radfahrer, Fussgänger und Reiter zugelassenen Weg. Das Schiff unter mir fährt im gleichen Tempo wie ich laufe. Ein Serviceauto des Hebewerkes fährt an mir vorbei. Die Gänse, die auf dem Weg nach Grünzeug suchen, denken gar nicht daran, den Weg frei zu geben. Schließlich muss der Fahrer aussteigen und sie verscheuchen. Laut schnatternd schimpfen sie hinter dem Auto her. Hier am alten Kanal kann man wunderbar laufen und Rad fahren. Wenig später stehe ich vor dem neuen Schiffshebewerk und bestaune die Anlage von unten. Gigantisch. Ich darf nicht daran denken, wieviel Millionen Liter Wasser sich da grad über meinem Kopf befinden. Am neuen Kanal entlang trete ich den Rückweg an. Kein Schatten mehr, und die Sonne brennt unbarmherzig. Die Uferzone ist gelb und verdorrt. Es hat lange nicht mehr geregnet. Ein Funke, denke ich, und alles fackelt in kürzester Zeit ab. Plötzlich sehe ich Rauch. Da wird es doch nicht schon brennen? Ich sehe mich bereits im Fammenszenario eingeschlossen, mit der Wahl zwischen Feuertod ode dem Ertrinken im Kanal. Nach der nächsten Biegung sehe ich dann die Ursache. Zwei Angler, die hier ihr Biwak aufgeschlagen haben, haben ihren Fang wohl gleich auf den Grill gepackt. Es qualmt entsetzlich. Räucherfisch im wahrsten Sinne des Wortes.

    Auch hier entlang des neuen Kanal verlaufen tolle Rad und Wanderwege. Ich bin dann aber froh, aus der Hitze heraus und wieder am Wohnmobil zu sein, denn hier weht ein kühles Lüftchen. Wenig später können wie aus dem Liegestuhl zu sehen, wie ein Boot aus dem alten in den neuen Kanal geschleust wird.
    Beim gemeinsamen Spaziergang am Abend taucht die Sonne alles in goldenes Licht und verleiht diesem Ort ein unwirkliches Aussehen, das nur die untergehende Sonne zu schaffen vermag, Dabei stellen wir aber auch fest, wie ungepflegt und verwahrlost manche Ecken sind. Hier scheinen öffentliche Gelder zu fehlen, um diese Mißstände zu beseitigen.
    Aber die Wahl des Stellplatzes ist ein wirklicher Glücksgriff gewesen. Ein schöner Platz und noch dazu noch völlig kostenlos.
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