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  • Day26

    Am gestrigen Abend hat der Wind ordentlich am Wohnmobil gerüttelt, aber das angekündigte Unwetter ist ausgeblieben. Die Nacht war von den Temperaturen ganz erträglich, trotzdem habe ich das erste Mal im Urlaub schlecht geschlafen.
    Als wir beim Frühstück sitzen, leert sich der Platz in Windeseile. Die ganzen Radwanderer und Hicker haben zusammengepackt und sich auf den Weg gemacht. Ganze Familien sind mit Fahrrad und Zelt auf dem Loire-Radweg unterwegs. Ich bin ja auch eine begeisterte Radwanderin, aber abends nach 80- bis 100 Km kann mich ein Zimmer mit Bett und Dusche mehr begeistern als ein Zelt aufzubauen und eine Luftmatraze aufzupumpen.
    Wir haben heute die Besichtigung des Chateau Chaumont und seiner Gärten auf unserer Urlaubsplanung
    Gleich nach dem Frühstück gehen wir zum ca 1,5 km entfernten Eingang des Schlosses, der mitten im Ort istä. Bevor wir am der Kasse pro Person 18 Euro für das Kombiticket für Schloss und Gärten bezahlen können, müssen wir erst durch den Sicherheitscheck, dh. Taschen öffnen, Metalldetektor, Frage nach Messern und Ähnlichem.
    Dann können wir den Treppenweg, der zum Schloss führt, betreten.
    Das Schloss ist nicht nur einfach ein gut erhaltenes Schloss, sondern ein Kunst- und Naturzentrum, das kulturelles Erbe, Natur und Kultur und künstlerisches Schaffen in Beziehung zu einander setzen möchte. Unter anderem findet hier das internationale Gartenfesitval mit Gartenkunst und Landschaftsgestaltung statt. Im Schloss und auch in den Nebengebäuden ist in diesem Jahr von April bis November eine zeitgenössische Kunstausstellung. Es gibt also viel zu sehen und warscheinlich noch mehr zu gehen. Denn zum Schloss gehört ein weitläufiges Gelände mit historischem Park, dem Gelände des Gartenfestivals, Gewächshaus, Gesundheitsgarten, Gemüsegarten und....und...und.....
    Wir sind relativ früh und daher ist es in den Räumen des Schlosses noch nicht voll. Es ist wirklich alles sehr gepflegt und gut organisiert. In jedem Raum hängen mehrsprachige Erklärungen. Wir hätten auch einen Audioguide ordern können, aber mit den ausgehändigten und aufgehängten Beschreibungen können wir uns gut infomieren. So schwenkt der Blick ständig zwischen Altem und Historischem und moderner Malerei und tollen Installationen hin und her. Und manchmal fällt der Blick auch aus einem der Fenster 40m tief nach unten auf die wilde Loire-Landschsft mit den kleinen Flussinseln, die zum Unesco Weltkulturerbe erklärt worden sind.
    Ich bin begeistert. Vor allem die Kunstausstellung hat es mir angetan und staunend stehe ich vor dem einen oder anderen Bild oder einer Installation und rätsele über die Technik oder Herstellungsweise. Michael kann vor allem den Installationen bis auf wenige Ausnahmen nichts abgewinnen. Was hat farbiges Klopapier an der Decke einer mittelalterlichen Küche zu tun? Kann ich ihm auch nicht erklären, wird aber sicher eine tiefgründigen Erklärung haben.
    Er findet mehr Gefallen an den Ritterrüstungen, den alten Stallungen und vor allem hinterher an der Gartenanlage und dem Gartenfestival mit seiner Gartenkunst. Zwei Installationen haben uns aber beide sehr beeindruckt. In der Reitbahn erhebt sich eine Wiese aus 5000 Quarzblumen in unterschiedlichen Höhen, die durch Beleuchtung und Musik den Betrachter stimmungsvoll fasziniert.
    Oder auf der Heubodengalerie, der riesige Teppich aus Abfallprodukten, dessen Material wie Flaschenverschlüsse, Etiketten, plattgedrückten Aluminiumdosen usw. erst auf den 3. Blick zu erkennen ist. Wir kommen aus dem Staunen, Schauen, Betrachten gar nicht mehr heraus. Soviele Eindrücke, und es geht nach dem Schloss noch in den Gärten weiter. Das alles aufzuzählen würde einfach den Rahmen sprengen. Das muss man selbst gesehen haben.
    Einige Stunden und 10 km später sind wir satt. So satt von Eindrücken, dass wir nichts mehr aufnehmen können.
    Dafür hungrig und durstig. Inzwischen, es ist bereits Nachmittag, ist es auf dem Gelände voll geworden. Unser Versuch, uns in einem der Gartenlokale bei einem kühlen Getränk auszuruhen, scheitert an der Menschenschlange, die Ähnliches im Sinn hat und die nach Essen und Trinken anstehen.
    Wir gehen zurück zum Wohnmobil. Dort haben wir alles was uns gerade fehlt, einschließlich des Liegestuhls zum Ausruhen.
    Nach dem Kaffeetrinken fahre ich mit dem Rad zum Einkaufen in den 3 km entfernten Supermarkt. Irgendwie hat das heute morgen mit dem Bäcker nicht funktioniert, der gegen 9.00 kommen sollte, und wir brauchen dringend ein Baquette und Wasser. Alle füllen sich das Leitungswasser in ihre Trinkflaschen. Aber da bin ich lieber etwas vorsichtig.
    Wieder fallen mir die guten Radwege und Hinweisschilder auf. Hier macht Radfahren wirklich Spass.
    Denn Loire-Radweg muss ich auch gleich nach dem Einkauf ausprobieren, indem ich auf ihm zu beiden Seiten ein Stückchen entlang radele.
    Unterwegs erweckt ein Hinweisschild zu einem "Cave" meine Neugierde. In der Weinscheune werden Weine und Delikatessen aus dem Loiretal verkauft. Bevor ich mich versehe, habe ich ein Glas Roséwein in der Hand zum Probieren. Der schmeckt wirklich gut. Eine Flasche, schön gekühlt, und ein kleines Mitbringsel wandern in die Fahrradtasche. Dann geht's zurück zum Wohnmobil, wo Michael schon in der Abendsonne wartet. Ein wenig verschnupft, weil ich so lange unterwegs war. Aber die untergehende Sonne über der Loire hilft bei Schnupfen ganz schnell.
    Das war heute ein wirklich ereignisreicher Tag mit so vielen Eindrücken. Morgen geht es wieder 400 km weiter in Richtung Heimat und zwar in die Champagne.
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