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  • Day3

    Meran

    October 14 in Italy

    Ein neuer Abschnitt unserer Tour liegt vor uns. Wir sind neugierig und auch ein wenig aufgeregt, als wir gegen 9.00 Uhr bei tollem Herbstwetter Füssen verlassen. Der Ort hat uns sehr gut gefallen und wir spielen mit dem Gedanken auf der Rückfahrt mit etwas mehr Zeit, als nur ein paar Stunden am Nachmittag, Halt zu machen. Denn die Schlösser Hohenschwanstein und Schwangau wollen auch noch besichtigt werden. Aber nicht an einem Wochenende, denke ich, und sehe die Reisegruppe Japaner oder waren es Chinesen? Ich kann die nie auseinanderhalten, noch vor mir, wie sie gestern durch die Innenstadt gewandert sind. In den tollsten Wanderklamotten, mit Rucksack bestückt und Tablet bewaffnet, um alles festzuhalten, was vor die Linse kommt. Nein, kein Wochenende zur Besichtigung.
    Aber jetzt geht's nach Meran. Nicht über den Brenner, den Navi Mathilde zum X-ten Mal vorschlägt, sondern ganz wie die alten Römer auf der Via Claudia Augusta, also via Fern -und Reschenpass. Und dann beginnt einer der schönsten Fahrten, die ich mit dem Wohnmobil gemacht habe. Ich muss ja auch nicht fahren und kann die Bilder, die an uns vorbeiziehen, total genießen und bewundern. Während ich ein um das andere Mal ausrufe: "Ist das nicht super! " Und: " Guck mal die Farben!" , meint Michael nur, dass er heute Abend wohl eine Sehnenscheidenentzündung in der Hand hat, vom vielen Schalten. Es ist nicht viel Verkehr und wir fahren ganz entschleunigt von Deutschland nach Österreich. Gut, dass wir unsere Gobox aktiviert haben, denn auf der A 12, die wir ein kleines Stück fahren, piepst es mehrmals. Es geht durch einige Tunnel durch den Berg.
    Dann klebt die Straße wieder am Berg. Unten im Tal sieht man kleine Orte liegen. Ich muss schlucken, um den Druck auszugleichen. Wir sind schon über 1000 m hoch. Die Straßen sind gut ausgebaut und die herbstliche, sonnenbeschiene Berglandschaft ändert ständig ihr Aussehen. Ein eisblauer Gebirgsfluss begleitet uns ein Stück. Über Nassereit geht's über den Fernpass nach Imst. Dann weiter über Pfunds und Nauders über den Reschenpass und entlang des Reschensees, in dem der Kirchturm des gefluteten Dorfes aus dem Wasser ragt. Wir kommen nach Italien ins Vienschgau. Was ich zunächst für Weinreben gehalten habe, sind Spalierapfelbäume, die an den Hängen am Berg, Weinbergen gleich, wachsen. Die meisten Äpfel sind geerntet, aber zwischendurch können wir noch Bäume voller roter Äpfel sehen. Eine herrliche Gegend, über der schneebedeckte Berge thronen. Jetzt ist es nicht mehr weit zu unserem ausgewählten Campingplatz etwas oberhalb von Meran. Wir haben den Platz für 3 Tage vorreserviert, um keinen Stress bei der Stellplatzsuche zu haben. Immerhin ist es unsere erste Tour in den Bergen. Bisher sind wir nur über den Brenner gen Süden gefahren. In Meran Süd fahren wir ab, damit wir nicht durch die Innenstadt müssen, denn der Platz liegt auf der gegenüberliegenden Seite unterhalb der Seilbahnstation Meran 2000. Alles perfekt. Wir fahren an Schloss Trauttmansdorff und den Gärten vorbei und dann geht es einige Kilometer ziemlich steil den Berg hoch. Als Mathilde " Sie haben ihr Ziel erreicht", trällert , sind wir bereits an der schmalen Einfahrt vorbei und können einfach nur weiterfahren, denn an Drehen ist auch ohne Hänger nicht zu denken. Steil geht es in den nächsten 10km bergauf. Meran liegt wie eine Stadt, aus dem Flugzeug betrachtet, unter uns. Anhalten nicht möglich. Drehen überhaupt nicht. Auf der Bergkuppe endlich, eine winzige Tankstelle, über die Michael ein ziemlich gewagtes Wendemanöver einleitet. Es klappt! Die schmale Straße reicht, um nicht nur das Wohnmobil, sondern auch den hinterher rollenden Hänger in die Gegenrichtung zu bringen. Ein Aufatmen, das aber nicht lange anhält, als wir feststellen, wie steil es nun wieder bergab geht. Trotz Motorbremse fangen die Bremsen an, sich durch Gestank bemerkbar zu machen. Hoffentlich kommen wir hier heile herunter, denke ich und kralle die Hände in die Sitzlehnen. Wie war das nochmal mit den Bremsen? Fangen die an zu brennen? Oder geben sie den Geist auf und wir rollen ungebremst zu Tal? Meine Gedanken überschlagen sich. Fragen mag ich nicht. In solchen Situationen ist es einfach besser den Mund zu halten. Das habe ich im Laufe unserer gemeinsamen Fahrten gelernt. Nur noch 2 km bis zum Ziel. Endlich sind wir da. Und dieses Mal verpassen wir die Einfahrt nicht. Als wir aussteigen, um uns bei der Rezeption anzumelden, steigt weißer, stinkender Qualm von den Rädern auf. Aber jetzt sind wir da und gleich ist alles gut, denken wir. Aber noch sollen wir das Bergpanorama nicht vom Liegestuhl aus bewundern können, denn Wohnmobil und Hänger müssen auf dem ziemlich kleinen Platz eingeparkt werden. Hinter einander, wie geplant, dafür ist der Platz zu kurz und wir stehen mit Schnauze auf der Zufahrt. Nebeneinander möchte der Betreiber nicht wegen des Rasens und auf dem Hotelparkplatz des dazugehörigen Hotels wollen wir nicht. Nach einiger Puzzlelei setzen wir den Hänger dann neben das Wohnmobil, denn die Gespanne auf der unteren Terrasse haben auch das Auto mit auf dem Platz. Dem Rasen können wir auch nicht mehr schaden: der hat sich zum größten Teil sowieso bereits schon verflüchtigt.
    Gefühlte Stunden später sitzen wir endlich beim Kaffee und schauen auf Meran und die gegenüberliegende Berge und lassen die aufregenden Stunden noch einmal Revue passieren. Michael reicht es für heute. Keine Aktionen mehr.
    Das gilt aber nicht für mich. Wanderschuhe an und Stöcke aus dem Wagen holen und dann geht es zunächst hoch zur Seilbahnstation Meran 2000. Kurz überlege ich, ob ich mitfahren soll. Immerhin gibt es nicht nur 10% Rabatt durch die Merankarte, sondern ich würde sogar den Seniorentarif bekommen. Und da soll noch jemand sagen, alt zu werden zahlt sich nicht aus. Aber der Nachmittag ist bereits fortgeschritten, und nur hoch und wieder hinunterfahren, dafür ist es trotz Seniorentarif zu teuer. Ich beobachte eine Bahn, die hochfährt. Dann mache ich mich auf den Rückweg. Doch dort, wo ich 10 Minuten vorher noch gegangen bin, versperrt nun ein dreifach gesichertes Tor den Rückweg. Ein älteres Ehepaar ist davon genau so überrascht wie ich. Aber sie kennen einen anderen Weg zurück, 7t und ich schließe mich an und bekomme dabei viele Tipps zum Wandern. Während das Schweizer Ehepaar zum Campingplatz zurückgeht, folge ich dem Tipp, nach Schenna zu laufen. Der Weg ist schön, ganz schön......steil und oben bin ich ganz schön....aus der Puste. Aber dann bleibe ich auf der Ebene und habe einen tollen Blick ins Tal. Nach Schenna laufe ich aber nicht. Das liegt im Tal und dann müsste ich für den Rückweg ja wieder hoch. So laufe ich lieber durch die Apfelplantagen weiter nach St.Georgen. Da gibt es zwar auch noch ein paar Steigungen. Doch die machen "den Kohl auch nicht mehr fett". Als die Sonne hinter dem Berg verschwindet, kehre ich um. Für heute reicht es mit der Bergeroberung. Morgen ist auch noch ein Tag.
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