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  • Day5

    Kempinga Deverna- Rollertour nach Vente

    July 17 in Lithuania ⋅ ☀️ 16 °C

    Der Blick aus dem Wohnmobilfenster auf das Haff und die Nehrung am Morgen ist einfach toll. Nachdem am vergangenen Abend Regen eingesetzt hatte, bietet nun der blaue Himmel mit den Schäfchenwolken ein perfektes Urlaubsbild. Wir kommen immer noch nicht ganz mit der Zeitumstellung klar. Die Stunde vor lässt uns zu Langschläfern mutieren. Gut, dass wir nicht heute geplant haben, mit der Fähre zur Nehrung zu fahren. Die 10.00 Uhr Fähre fährt während wir noch frühstücken an uns vorbei. Wir lassen es langsam angehen und planen beim Frühstück eine Rollertour durch das Memeldelta nach Vente und Mine. Aber vorher muss ich auf den Aussichtsturm klettern, der gleich neben dem Campingplatz steht. Von oben habe ich einem tollen Blick über das Haff und auf die Nehrung mit ihrer Sanddüne .
    Am frühen Nachmittag starten wir und halten zunächst erst einmal am kleinen Dorfladen. Irgendwie komme ich mir vor wie ein Analphabet. Wenn die Bildchen nicht auf den Verpackungen wären oder der Inhalt zu erkennen ist, wüsste ich nicht, was sich in den Packungen befindet. Die Sprache lässt sich aber auch von gar nichts ableiten. Da hilft nur sich die Wörter visuell einzuprägen. Der Laden hat alles was man braucht. Sogar das leckere Schwarzbrot, das ich auf der Fähre gegessen habe.
    Irgendwie will das Navi nicht so, wie wir nach Vente. Immer wieder verwirft es die Alternativstrecke und will uns über die viel längere Strecke der Hauptstraße schicken. Aber wir überlisten das Navi mit der Eingabe von Teilstrecken und kommen wunderbar auf einer kleinen, kaum befahren Asphaltstraße voran, die durch endlose Wiesen und Felder entlang des Haff nach Svencele führt. Verlassene und verfallene Häuser stehen einsam in der Natur. Aber plötzlich tauchen moderne quadratische Holzhäuser mitten in der Einsamkeit auf. Es sind Ferienhäuser, die zu einem Freizeitprojekt mit Segel-und Surfschule, Gastronomie, Shops sowie einem Campingplatz gehören.
    Diese super modernen Gebäude muten surrealistisch in der Landschaft an. Von Svencele fahren wir weiter nach Kintai. Wir hätten auf das Navi hören sollen. Denn plötzlich verschwindet die Asphaltdecke der Straße. Ein Flickenteppich aus Schotter, Steine, Sand und Schlaglöchern bildet jetzt den Belag der Straße, die durch den Wald "Kinti Botaninis draustinis" führt. Am allerschlimmsten sind die Querrille, die die Zähne aufeinander schlagen lassen. Wir hätten aufs Navi hören sollen. Nun müssen wie 10 km auf diesem Weg weiterfahren bis Kintai. Eine Herausforderung für Mensch und Material. Kurz vor Kintai kommt uns ein Roller mit zwei Personen entgegen. Es gibt scheinbar noch mehr Verrückte, die diesen Weg gewählt haben. Ab Sintai wird die Straße wieder "normal " und führt uns über Muize und Sturmai nach Vente. Kurz vor Vente entdecken wir rechterhand einen schönen Stellplatz am Meer, den wir uns auf dem Rückweg ansehen wollen. Der kleine Ort Vente wird dominiert von der Vogelwarte mit den großen Fangnetzen und dem Leuchtturm am Kap Vente. Zugvögel werden in den Netzen gefangen und beringt. Wir stellen den Roller auf einem Parkplatz neben einem Gasthaus ab. Die Parkgebühr beträgt 50 Cent. Doch weit und breit entdecken wir niemanden, der das Geld haben will.
    Ein Rundweg führt zur Vogelstation und zum Leuchturm am Kap Vente. Klar, dass ich dem Blick vom Leuchtturm herunter nicht widerstehen kann und die schmale Treppe hochsteige, während Michal sich mit dem Blick auf die Mole zufrieden gibt. Später bummeln wir noch ein wenig auf dem Rundweg und am Ufer des Haffs, bevor wir zurück gehen, um mit dem Roller zum Dorf Minge auzubrechen. Minge wird auch das litauische Venedig genannt und erstreckt sich zu beiden Seiten des Flusses im Memel-Delta. Allerdings erwartet uns nach wenigen Kilometern wieder ein Schotterweg mit Querrillen. Davon haben wir für heute genug; und Minge muss leider von der Sightseeingliste gestrichen werden. Trotzdem müssen wie noch einige Kilometer Holperstrecke fahren, bis wir die asphaltierte Hauptstraße erreichen. Für den Rückweg nach Dreverna nehmen wir nun aber die Hauptstraße, und das sind doch etliche Kilometer mehr, Eine Fahrt durch eine Gegend mit vielen Wiesen und Ackerflächen, kaum Häusern und noch weniger Menschen. Nur selten begegnet uns ein Auto. Dafür ist Gevatter Storch gut vertreten. Ob hoch im Nest auf einem Strommasten oder Futter suchend in der Wiese. So viele Störche haben wir selten gesehen. Dann führt uns das Navi über einen Weg, an dessen Ende eine baufällige Holzbrücke über den Fluß führt. Auch ohne das dünne Seil, das die Brücke absperrt, wären wir niemals über dieses klapprige, zerfallene Bauwerk gefahren. Wir drehen und fahren wieder Hauptstraße. Nach kurzer Zeit taucht der König- Wilhelm-Kanal auf und wir machen Halt an einem Rastplatz, an dem man auch für eine Nacht mit dem Wohnmobil stehen könnte.
    Der König-Wihelm-Kanal, fertiggestellt 1873, verbindet die Memel mit Klaipeda und diente früher dazu, dem Transport über das gefährliche Haff zu umgehen. Heute wird er nicht mehr benutzt und ist inzwischen ein Baudenkmal. Uns zeigt er sich romantisch geschmückt mit vielen Seerosen und von Bäumen und Grün umgeben.
    Ein Stück führt die Straße weiter am Kanal entlang, dann trennen sich unsere Wege und wir erreichen Dreverna.
    Der Wind hat heftig aufgefrischt und an Grillen, wie wir es eigentlich geplant haben, ist nicht zu denken. Deshalb probieren wir das Restaurant auf dem Platz aus, das sehr ansprechend aussieht. Hier treffen wir unsere Platznachbarn, die heute die Tour mit Fähre und Fahrrad gemacht haben, die wir für morgen geplant haben. Ein wenig Kontakt haben wir schon durch die Baltikumgruppe bei Fscebook aufgenommen. Beim gemeinsamen Essen, das wirklich empfehlenswert und ausgesprochen günstig ist, werden nicht nur Informationen das Baltikum betreffend ausgetauscht, sondern auch über Länder, gemachte Touren und besuchte Plätze gefachsimpelt. Die Bekannten haben ihren Urlaub schon hinter sich und sind auf dem Weg zur Fähre in Klaipeda. Für uns aber hat der Urlaub gerade erst begonnen.
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