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  • Day4

    Radeln am Pilsensee und Kloster Andechs

    October 15 in Germany ⋅ ⛅ 14 °C

    Was will man mehr, wenn morgens beim Aufwachen die Sonne vom blauen Himmel lacht, der See nicht weit entfernt verführerisch im Morgenlicht glitzert und die Silhouetten der Berge sich langsam aus dem Morgendunst erheben? Mehr Urlaubsfeeling geht doch nicht?! Und so werden nach dem Frühstück schnell die Räder fertig gemacht und los geht die Tour um den See. Bloß keine Minute des herrlichen Tages verschenken. Denn der Urlaubstag im Herbst ist kurz. Morgens dauert es gewöhnlich etwas, bis die Sonne die Temperaturen über die Zehn- Grad-Marke geschoben und die Feuchtigkeit der Nacht trocken geputzt hat. Und ab dem späten Nachmittag wird es mit der untergehenden Sonne schnell kühl und früh dunkel. Wen wundert es, wenn wir bereits um 10.00 Uhr mit dem Rad auf dem Weg nach Herrsching sind. Der Radweg führt durch den Wald. Durch den dünner werdenden Blättermantel der Bäume blitzt immer wieder der See in allen Blautönen durch. Ein wunderschönes Bild, wären da nicht die vielen Autos, mit denen wir uns die Straße nach Herrsching, Gott sei Dank zum größten Teil auf einem Radweg, teilen müssen. In Herrsching sind wir bereits am nächsten See, dem Ammersee. Am Seeufer sitzen vereinzelte Sonnenhungrige auf dem Kiesstrand. Ein paar Segelboote dümpeln auf dem fast ruhigen See. Die Saison ist vorbei und die meisten Boote bereits aus dem Wasser gezogen. Der leichte Wind bläst trockene Blätter über die Strandpromenade. Wir lassen den Ort links liegen und nehmen den Fahrradweg zurück zum Pilsensee. Der führt eine ganze Zeit genau an den Bahngleisen entlang. Hier müssen wir uns den Weg nicht mit Autos teilen und die S-Bahn überholt uns nur ein einziges Mal. Dafür geht es durch die farbenprächtige Herbstlandschaft. Auch der Pilsensee ist bald wieder mit von der Partie. Noble Villen mit Seezugang tauchen auf und wir beginnen über den Kaufpreis der einzelnen Objekte zu spekulieren. Nichts, was man mal grad mal aus der Portokasse bezahlen kann. Denn neben der traumhaften Lage am See, ist auch die Nähe zur Landeshauptstadt München nicht zu verkennen. 30 Kilometer und schon ist man heraus aus der Großstadt und in einer anderen Welt.
    Unsere autofreie Rundtour neigt sich an der Seestraße langsam dem Ende zu. Das Schloss Seefeld signslisiert, dass wir die Runde um den Pilsensee fast geschafft haben. Fünfzehn Kilometer zeigt der Tacho. War ja nicht ganz so viel, aber schön war's und es reicht, um ein Stündchen sonnen im Liegestuhl zu rechtfertigen.
    Während ich faulenzender Weise der Story meines Hörbuches lausche, ist Michael beschäftigt. Der Hänger muss gedreht werden, damit er den Roller herunterfahren kann, und die Räder sollen wieder auf ihren Platz. Schnell gibt es noch einen Kaffee zum Munterwerden und":Zwetschen-Datschi", wie die Bayern zu unserem Pflaumenkuchen sagen. Dann fahren wir mit dem Roller zum Kloster Andechs, das mehr oder weniger gleich um die Ecke liegt. Aber die acht Kilometer haben es in sich. Darin sind ganz schöne Höhenmeter verpackt, besonders im ersten Teil. Aber wir müssen ja nicht trappeln. Damit muss sich "Paula" , unser Roller, abquälen. Ich genieße die Fahrt über die leere Dorfstraße und den Blick vom Widdersberg auf den See, während Michael sich einmal mehr auf das Fahren konzentrieren muss. Vorbei geht's am Widdersbergerweiher und der Dorfkirche und von Weitem ist schon der Turm der Klosterkirche zu sehen. Als wir uns dem Kloster nähern, fällt uns zunächst der volle Wohnmobilstellplatz auf. Der PKW- Parkplatz dagegen ist nur moderat gefüllt. Selbst hier haben Womos einen Platz gesucht.
    Wir parken unterhalb der Klosteranlage und machen uns auf den steilen Weg zur Klosterkirche. Ein kurzer Blick in den Klosterladen bestätigt unsere Annahme, hier nicht unbedingt ein Mitbringsel zu finden.
    Die barocke Klosterkirche jedoch fasziniert. Wir sitzen einige Zeit auf der harten Kirchenbank und lassen den Blick über die ausladene Pracht an Altar und Decke gleiten. Schon krass, (ich benutze Ausnahmsweise einmal die Ausdrucksweise meiner Schüler, um etwas Unvorstellbares zu beschreiben), zu was die Menschen auch schon vor hunderten von Jahren fähig waren, ohne unsere heutigen Möglichkeiten und Hilfsmitten zur Verfügung zu haben. Einfach gigantisch. Und dass hier sogar die Statue des heiligen Michaels zu finden ist, versetzt meinen Michael in der Bank neben mir regelrecht in Begeisterung. Der heilige Michael gilt in der neutestamentlicher Zeit, als göttlichen Beauftragten für Aufgaben, die besonderer Kraft bedürfen. Ob er das weiß?
    Bei der Besichtigung können wir auch auf die Empore. Von dort aus sieht man die Wandmalereien an Decke und Pfeilern noch viel genauer und auch die Orgel mit den vielen großen und kleinen Pfeifen, für deren Renovierung und Erneuerung Paten gesucht werden, ist auf gleicher Höhe gut zu betrachten.
    Für einen Euro geht es für mich dann noch ganz hoch hinaus auf den Turm. Ich muss sagen , der Euro ist gut angelegt. Dafür gibt es jede Menge sportliche Betätigung. Auf engen Treppen, die ganz oben in einer Art Einbahnstraßensystem verlaufen, das den Besucherandrang vor Kollisionen mit Sturztendenzen schützen soll, steige ich aufwärts.Trotz deutlicher Hinweise durch gelb -schwarze Warnstreifen schaffe ich es, mir zwei Mal den Kopf zu stoßen, bis ich ganz oben bin. Ein fantastischer Blick über die herbstliche Landschaft mit Ammersee und Pilsensee entschädigt mich für die Kraxelei. Zurück geht es nur mit dem Po voran. Die Treppen sind zu steil und die Stufen sehr schmal. Wir haben eine gute Zeit für den Besuch des Kloster gewählt. Es ist nicht viel los, und so kann ich den Turm mit seinen Treppen ohne Gegenverkehr bewältigen.
    Am Ende des Klosterbesuches steht das Verkosten des Klosterbieres auf der großen Terrasse an. Als wir uns das Bier holen, zeigen die Einteilungen durch Bänder, in welchem Umfang hier angestanden wird, wenn es richtig voll ist.
    Ist es aber heute nicht und wir müssen weder für Bier, noch für Brezeln, Wurst oder Sitzplatz anstehen.
    Als wir später zurück zum Roller kommen, hat es sich schon merklich abgekühlt. Und bei der Fahrt durch Andechs nach Herrsching schwöre ich mir, beim nächten Mal eine dickere Jacke mitzunehmen.
    In Herrsching bummel wir noch ein wenig auf der Promenade am See entlang, über der eine ganz eigenartige Stimmung nach Abschied und Vergänglichkeit liegt. In den Biergärten am See sitzen nur noch vereinzelt Gäste, während von den einst Schatten spendenden Bäumen langsam die Blätter auf die Tische fallen. Einige Lokale haben schon geschlossen. Sehr zu Michaels Leidwesen, der auf einen Leberkäse gehofft hat. Es ist zwar Betrieb, aber ohne Massen und ohne Hektik. Mir gefällt es. Der Wind frischt auf und der See zeigt, dass er auch Wellen kann. Wir fahren zurück zum Campingplatz. Heute ist die Sonne beim Untergang von Wolken begleitet, die es am späten Abend regnen lassen. Morgen bleiben wir noch am Pilsensee und erkunden von hier aus die Orte am Ammersee.
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