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  • Day24

    Der Aufstieg

    April 28 in Spain ⋅ ☀️ 13 °C

    Nach einem 9 km Marsch heute Morgen und einem anschliessenden, ausgiebigen Frühstück wurden wir vor die Wahl gestellt: entweder wir gehen 12 km über einen Berg oder wir gehen 17 km lang der Strasse entlang um den Berg herum. Nach langem Hin und Her entschied ich mich schlussendlich doch für den Berg.
    Kurz vor dem Berg ging es noch einige Meter eben voran. Als der erste steile Anstieg in Sicht kam, setzte ich mich erst mal hin und kürzte meine Hosenbeine, da die Sonne heute ganz schön brannte. Danach blieb ich sitzen und wartete auf einen Motivatinsschub. Und wartete. Und wartete. Irgdendwann lief ich dann doch los. Beim Betrachten der Steigung wusste ich, dass ich sterben würde. Ich sagte mir, dass ich einfach viele Pausen machen würde und falls es nicht mehr geht, werde ich einfach ein bisschen Musik hören. Ich stieg also auf. Weiter und weiter. Und es lief gut. Sehr gut! Obwohl ich nach jeder Kurve dachte, jetzt kommt dann gleich die Krise, kam sie nicht. Irgendwann erreichte ich den Waldrand und bemerkte, dass ich ja bereits schon fast oben war. Wie konnte das denn so plötzlich sein?

    In diesem Augenblick überkam mich ein Moment unfassbarer Dankbarkeit. Ich bin so dankbar zwei funktionierende Füsse zu haben, zwei Beine, die mich den Berg hochzustemmen schaffen, ein Herz, das genügend pumpen mag und ein Kopf, der mich überhaupt erst auf solche Ideen bringt. Es ist ausserdem ein unglaublich tolles Gefühl, den eigenen Trainingsfortschritt mitverfolgen zu können. Bei Steigungen wie der heutigen wäre ich früher deutlich schneller ausser Atem gekommen, heute dagegen war das alles einfach irgendwie easy peasy! Der menschliche Körper ist einfach ein unglaubliches Phänomen, das wir alle mehr zu schätzen lernen sollten :)

    Nach knapp 30 km kamen wir dann in eine der schönsten Herbergern am ganzen Camino. Hier trafen wir wieder auf den Italiener Fabio sowie die beiden Deutschen Daniel und Sascha.
    Die Strecke heute war im Allgemeinen sehr schön, womit ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gerechnet habe. Nach einem supee leckeren Pilgermenü heute Abend falle ich jetzt nur noch tot ins Bett. Gute Nacht!
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