🏔💃🏽☀️
  • Day0

    Die Vorfreude steigt

    March 10 in Germany ⋅ 🌬 14 °C

    „Genieße mäßig Füll und Segen!
    Vernunft sei überall zugegen,
    wo Leben sich des Lebens freut.
    Dann ist Vergangenheit beständig,
    das Künftige voraus lebendig,
    der Augenblick ist Ewigkeit.“
    (Johann Wolfgang von Goethe)

    In genau einer Woche geht meine nächste Reise los: 5 Wochen Südamerika! Ich bin schon viel auf diesem wunderbaren Kontinent gereist, aber es ist das erste Mal, dass ich ca. 3 Wochen lang alleine unterwegs sein werde. Ich muss zugeben, dass sich die Vorfreude immer mehr mit Aufgeregtheit mischt.

    Bisher habe ich nur Blogs geschrieben wenn ich länger in einem Land gelebt habe, aber irgendwie habe ich diesmal Lust meine Reiseerlebnisse mit euch zu teilen. Ich lese wahnsinnig gerne Reiseblogs und -berichte und warum also nicht mal wieder selber ein wenig von den kleinen und großen Abenteuern berichten? Wer also Lust hat kann hier vorbeischauen und lesen was ich so treibe. Wie viele von euch wissen bin ich zur Zeit total tanzsüchtig und deshalb möchte ich den Blog vor allem nutzen um vom Tanzen und der Musik zu berichten. Meine anderen Leidenschaften Kunst und Essen werden natürlich auch nicht zu kurz kommen.

    Meine Reiseroute steht übrigens schon grob fest: Von München aus geht es zunächst nach Salvador in Brasilien und danach nach Buenos Aires in Argentinien. Von dort werde ich in die Atacama Wüste in Chile und dann weiter Richtung Süden reisen.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day2

    (Verspätete) Ankunft in Salvador

    March 18 in Brazil ⋅ ⛅ 31 °C

    Die Reise ging schon gut los: Ich bekam am Sonntagmorgen eine SMS, dass mein Flug gecancelt wurde und ich nicht um 21 Uhr sondern erst am nächsten Tag um 11 Uhr fliege. Statt mich zu ärgern freute ich mich über den freien Abend und die bessere Flugverbindung (nur einmal statt zweimal umsteigen). Vormittags konnte ich außerdem ganz entspannt zu einem sehr spannenden Vortrag von Gijs Bakker über „Die Notwendigkeit von Schmuck“ in Die Neue Sammlung gehen.

    Am nächsten Morgen klappte dann alles ohne Probleme und es ging über Lissabon nach Salvador. Dort bin ich mit Natalia, einer sehr guten Freundin aus Brasilien, verabredet. Wir hatten uns 2004 im Auslandsjahr in México kennengelernt und schaffen es regelmäßig zusammen zu reisen. Wir haben schon gemeinsam den schönen Taunus, Stuttgart, Paris und London erkundet. Das letzte Mal haben wir uns vor drei Jahren in
    Belo Horizonte, Brasilien gesehen. Der Grund für meine Südamerikareise war auch tatsächlich der Plan mit ihr gemeinsam Urlaub zu machen: Wir werden uns im April dann nochmal in Chile treffen.

    Am Flughafen wurde ich von einem sympathischen Uber Fahrer abgeholt, den mir Natalia organisiert hatte. Auf der Fahrt zur Airbnb Wohnung gab er mir einen Crashkurs Portugiesisch. Als Natalia und ich uns in die Arme fielen, konnte ich es noch garnicht glauben in Brasilien zu sein. Da es mittlerweile schon Mitternacht war und Laura, Natalias 4 jährige Tochter, immer gegen 6 Uhr aufwacht, gingen wir sehr schnell schlafen. Am nächsten Morgen ging es gleich nach dem Frühstück weiter nach Morro de São Paulo - eine autofreie Insel. Die 2,5 Stunden lange Bootsfahrt war sehr wackelig aber der frische Meereswind tat unheimlich gut!
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  • Day6

    Vier Tage im Paradies

    March 22 in Brazil

    Meine Reise begann mit vier traumhaft schönen und entspannten Tagen in Morro de São Paulo. Schon bei der Ankunft fühlte ich mich wie im Paradies: Überall Palmen, Wasser, Strand, Kokosnüsse, Obst und das beste: keine Autos!

    Unser Airbnb lag nur 1 Minute vom Meer entfernt. Wir hatten zwei Zimmer: Das Schlafzimmer bekamen Natalia und die kleine Laura und das ausziehbare Bett teilte ich mir mit Lena, dem Kindermädchen von Laura. Lena hat auch schon Natalias Mama geholfen als sie noch ein Kind war und sie ist deswegen wie ein Familienmitglied.
    Da es bereits Zeit fürs Mittagessen war gingen wir kühlendes Açaí essen. Açaí ist ein Sorbet aus den Früchten der Kohlpalme. Ein weiteres typisches Essen ist Tapioca: Stärke, die aus der Maniokwurzel hergestellt und z.B. als
    Fladen zubereitet gegessen wird.

    Dank der zwei kleinen Herdplatten mussten wir nicht immer auswärts essen, sondern kochten auch oft zusammen. Natalia machte gleich am ersten Abend Brigadeiro für mich; eine typisch brasilianische Süßigkeit aus Kondensmilch und Kakao, die wir schon in Mexiko sehr oft zusammen gegessen haben. Auch das bekannte Pão de Queijo hatte sie in ihrem Koffer dabei. Dieses köstliche Käsegebäck kann man zwar in ganz Brasilien kaufen, aber die Orignalversion mit dem Originalkäse gibt es nur in Belo Horizonte. Leider gab es in unserer Kochecke keinen Ofen und so gingen wir zum Bäcker gegenüber und fragten, ob wir seinen Ofen nutzen dürften. Natürlich war das was in Deutschland undenkbar wäre hier in Brasilien kein Problem. Als Dankeschön bekam der Bäcker frische Pão de Queijo und das Rezept.

    Am Hauptstrand ist auch in der Nebensaison noch viel los. Tagsüber relaxen viele am Wasser und aus den Lautsprechern ertönt Reggaeton. Damit hätte ich in Brasilien überhaupt nicht gerechnet. Nur leider tanzt niemand... Am Abend füllen sich die Restaurants und den ganzen Strandweg entlang werden Cocktails, Tapioca und Churros verkauft. Vor den Restaurants gibt es Live Musik und es wird vor allem brasilianischer Forró gespielt. Aber auch hier tanzt leider wieder niemand. Das hielt Natalia aber nicht davon ab mich einmal aufzufordern.
    Am zweiten Tag machten wir einen Ausflug zum Praia de Garapuá. Ein Strand an dem kaum Menschen und dafür umso mehr bunte Fische sind. Ich wollte garnicht mehr weg.

    Vor der Reise hatte ich mir noch Sorgen gemacht wie ich mit Laura sprechen und spielen soll. Aber es hat viel besser funktioniert als ich dachte und mein Spanisch-Portugiesisch wurde immer portugiesischer. Laura ist aber auch eine sehr geduldige Lehrerin und der Unterricht sehr intensiv: Ich musste immer neben ihr sitzen, wir spielten mit den deutschen Fingerpuppen und Polly, schauten Kurzfilme, malten zusammen (dabei habe ich viele Tiervokabeln gelernt) und suchten Muscheln (und sammelten nebenher Plastikmüll am Strand, wobei zum Glück eh recht wenig rum lag). Sie lernte auch ein bisschen Deutsch und hat eine hervorragende Aussprache.

    Da Natalia die Fahrt auf dem wackeligen Boot nicht so gut getan hatte, entschieden wir uns diesmal für den Landweg: Zuerst ging es 12 Minuten lang mit einem Boot zum nächstgelegensten Ort auf dem Festland, von dort aus 2 Stunden mit dem Bus weiter und dann folgte eine 40 Minuten lange Fahrt auf einer großen Fähre.

    Ich muss zugeben, dass ich hier erst gelernt habe wo die Cashewnüsse herkommen. Irgendwie habe ich mich das vorher noch nie gefragt. Der Caju-Baum trägt sehr ungewöhnliche Doppelfrüchte: die Cashew-Birnen und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, die quasi als Anhängsel an der Frucht wachsen. Der Saft aus der Frucht schmeckt total erfrischend. Auf der Fähre lief jemand mit frisch gerösteten Cashewnüssen herum und ich wollte sie unbedingt probieren. Da Natalia, Laura und Lena weiter weg saßen konnte ich nun mein Portugiesisch auf die Probe stellen: wenige Minuten später saß ich glücklich mit meinen Chasews in der Hand da, die ich sogar ganz ungewollt um die Hälfte runter gehandelt hatte; Portugiesisch-Test erfolgreich bestanden.
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  • Day7

    Exkurs: Brasilianische Botanik

    March 23 in Brazil ⋅ ⛅ 28 °C

    In Salvador hatten wir nur einen halben Tag Zeit und haben diesen vor allem auf dem Markt verbracht. Bevor es kurz in die Altstadt ging hatte Natalia einen Überraschungsstopp für mich: Da sie weiß dass ich sehr gerne Kirchen anschaue hielten wir vor der wunderschönen Kirche Bonfim an. Leider wird der Altar gerade restauriert aber auch der Rest war sehr sehenswert.

    Am nächsten Tag verabschiedete ich mich nach dem Frühstück von Natalia, Laura und Lena. Eigentlich dachte ich, dass ich den Vormittag bis zu meinem Abflug lesend in der Hängematte verbringe, aber ich entdeckte, dass im Hotelgarten ganz viele Obstbäume standen. Während ich Fotos machte sah der Gärtner mich und gab mir einen kleinen Exkurs in brasilianischer Botanik.
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  • Day11

    Buenos Aires - die Stadt meiner Träume

    March 27 in Argentina ⋅ ⛅ 20 °C

    Bisher dachte ich, dass New York die Stadt ist die niemals schläft... Buenos Aires ist dafür die Stadt, die die Nächte durchtanzt. Ich bin seit 3 Tagen hier und schon total begeistert. Ich habe endlich eine Stadt gefunden, die meinen Tages- bzw. Schlafrhythmus hat!
    Während in Deutschland spätestens um 1 Uhr (zumindest unter der Woche) alles zu macht, fängt in Buenos Aires dann erst die Nacht an - und dabei spielt es keine Rolle, ob es Samstag oder Montag ist.

    Ich kam am Samstag um 23 Uhr an und da ich schon lange nicht mehr tanzen war, recherchierte ich im Internet was es so in der Nähe gibt. Eigentlich bin ich ja zum Tango tanzen nach Buenos Aires gefahren, aber bin dann doch um 1 Uhr in der argentinischen Version vom Münchner Buena Vista gelandet - nur mit Live Musik. Da nur wenig los war, wäre ich fast um 2 Uhr wieder gegangen. Aber plötzlich füllte sich das Restaurant mit immer mehr Kubanern und die Tische wurden zur Seite geschoben. Am Ende tanzte ich bis 5 Uhr morgens zu bestem Reggeaton, Salsa und Bachata und lernte etwas Mambo.

    Um 9 Uhr wurde ich von Stimmen im Innenhof geweckt. Gefrühstückt wurde an einem großen Tisch im Freien und es wurde fast nur über Tango geredet. Tagsüber erkundete ich die Gegend San Telmo, landete in Demonstrationen (da am Sonntag der Gedenktag an den Militärputsch von 1976 war) und entdeckte bereits mein Empanadas Stammlokal. Der Besitzer Julio lies mich sogar gleich beim ersten Besuch in seine Küche und zeigte mir wo die leckeren Teigtaschen entstehen. Bevor ich am Abend mit dem Freund eines Bekannten verabredet war, ging ich zur Laguna de los Coipos, wo im Freien Salsa getanzt wird. Gefühlt versammelten sich hier alle Latino-Familien von Buenos Aires.

    Nachdem ich nun schon zweimal Salsa tanzen war und ansonsten überall Reggeaton aus den Boxen schallt (Supermarkt, Lokale, Uber, etc.), war es höchste Zeit für Tango. Esteban, der Freund meines Bekannten, nahm mich in ein kostenlosen Tangokonzert in der Sinfonie mit: La hora del Tango. Es war umsonst, da es fürs Fernsehen aufgenommen wird. Das Konzert war ziemlich gut und die Sänger fantastisch. Es wurde auch getanzt; allerdings zeitgenössischer Tango, der eher an Ballet erinnerte. Esteban ist übrigens Musiker und sein Lehrer spielte im Orchester mit. Nach dem Konzert gingen wir noch Empanadas essen und um 2 Uhr war ich “schon” zu Hause.

    Am Montag verbrachte ich den Tag durchs Zentrum schlendernd und schaute mir viele Kirchen an. Um 20 Uhr war es dann soweit: mein erster Tango-Unterricht im Vinilo. Lina, die Inhaberin des kleinen, familiären Hotels wo ich übernachte, hatte mir diese Milonga (Tango-Party) empfohlen. Der Unterricht davor war eher an Touristen gerichtet, die noch keine Ahnung vom Tango tanzen haben. Es war aber trotzdem sehr gut, da ich viele Tipps zur richtigen Haltung bekam und in München ja auch erst vier mal Tango tanzen war.
    Die Milonga ging von 21 Uhr bis Mitternacht und ein Orchester spielte. Ich schaute vor allem zu, wurde aber auch dreimal aufgefordert.
    Als die Milonga zu Ende war und die Touristen sich auf den Nachhauseweg machten, wurde plötzlich angekündigt, dass es in einer Bar um die Ecke mit DJ Musik weitergeht. Zwei Argentinierinnen fragten mich, ob ich mitkommen möchte und natürlich sagte ich ja. Die kleine Bar war gerappelt voll mit richtig guten Tango Tänzern und alle in meinem Alter (in München ist der Altersdurchschnitt leider etwas höher...). Es wurde richtig schöner klassischer, gefühlvoller argentinischer Tango getanzt. Diesmal tanzte ich auch fast die ganze Zeit. Um 3:30 Uhr machte ich mich glücklich auf den Nachhauseweg, da ich um 11 Uhr einen Termin am Restaurierungslehrstuhl hatte. Meine neue argentinische Freundin ging eine halbe Stunde früher, da sie um 7:30 Uhr einen Termin hatte! Ich liebe Buenos Aires schon jetzt!
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  • Day14

    Buenos Aires

    March 30 in Argentina ⋅ ☀️ 28 °C

    Buenos Aires hat es geschafft eine meiner absoluten Lieblingsstädte zu werden. Ich wurde in den letzten 8 Tagen so herzlich aufgenommen, dass ich mich super wohl fühlte. Manchmal hatte ich schon fast das Gefühl hier zu wohnen. Das lag vor allem daran, dass ich in der kurzen Zeit so viel erlebt und irgendwie nur Argentinier kennengelernt habe.

    Morgens habe ich den Tag immer sehr gemütlich gestartet. Das kleine Hotel in dem ich übernachtet habe hat einen wunderschönen Innenhof, in dem alle zusammen an einem langen Tisch frühstücken. Während meines Aufenthalts waren Schweizer, Argentinier, Deutsche und New Yorker da. Statt mit Kaffee habe ich den Tag immer mit Mate begonnen - außer den zwei Berlinern wollte aber niemand mal probieren.
    Lina hat mit dem Hotel angefangen, als ihre Kinder und ihr Exmann ausgezogen sind und sie nicht alleine sein wollte. Sie und ihr Mitarbeiter sind super sympathisch und ich habe mich sofort wie zu Hause gefühlt. Beide gaben mir viele Tipps und wenn die Gäste möchten organisiert Lina sogar Privat-Tangolehrer, die bei ihr Zuhause unterrichten. Am Ende bekam ich sogar noch ein kleines Abschiedsgeschenk: einen kleinen Druck eines Tango-Tanzpaares.

    Linas Tango Guesthouse ist übrigens im Altstadtviertel San Telmo. Tagsüber ist es wunderschön durch die Gassen zu schlendern und der Markt San Telmo war eines meiner Highlights (auch wenn er sehr touristisch ist). Auf der Plaza Dorrego ist der Tango unter anderem entstanden und für Touristen tanzt auch immer mindestens ein Paar - aber es lohnt sich anzuschauen. Abends ist es in San Telmo eher gefährlich und es laufen viele komische Gestalten herum. Nachts habe ich eh immer ein Uber genommen und der Fahrer hat jedes Mal gewartet bis ich im Haus war, wodurch ich mich nie wirklich unsicher gefühlt habe. Bei meinem nächsten Buenos Aires Urlaub werde ich auf jeden Fall wieder bei Lina wohnen.

    Tagsüber schlenderte ich meistens durch die Stadt, schaute mir viele Kirchen an und schaffte auch ein paar Museen. Gegen 18 Uhr musste ich mich dann aber doch meistens kurz ausruhen und auf die Nacht vorbereiten: dreimal nahm ich ab 18:30 Uhr Gruppen-Tango-Unterricht und jeden Abend (außer Donnerstag) war ich tanzen. Die Nächte endeten frühestens um 3:30 und einmal sogar erst um 6 Uhr. Über den Tango schreibe ich aber nochmal einen eigenen Blog-Beitrag.

    Zum Spaß habe ich eine kleine Statistik der 8 Tage und 9 Nächte aufgestellt:
    - Tango: 34 Stunden (Natürlich habe ich aber nicht die Stunden durchgetanzt, sondern auch sehr viel zugeschaut.)
    - Salsa: 8 Stunden
    - Museum: 9 Stunden
    - Schlaf: 39 Stunden

    Am letzten Abend bin ich noch Dank meiner lieben Münchner Nachbarin kostenlos aufs Lenny Kravitz Konzert gekommen - das war ein genialer Abschluss (und natürlich bin ich danach noch ein letztes Mal Tango tanzen gegangen.)
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  • Day16

    Schlaflose Nächte: Tango und Milonga

    April 1 in Argentina ⋅ ☁️ 24 °C

    Einer der Gründe warum ich nach Buenos Aires wollte, war um Tango zu lernen. Alle meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen und ich habe meine große Leidenschaft für diesen Tanz entdeckt.
    Ich habe in München ca. 4 Unterrichtsstunden genommen und musste leider feststellen, dass Tango vor allem von älteren Menschen getanzt wird. Warum das so ist verstehe ich nicht. Vor allem weil ich in Buenos Aires vor allem auf Veranstaltungen war wo alle in meinem Alter waren - und auch die unterschiedlichsten Charaktere: von der schicken Argentinierin bis zum Hippie ist alles vertreten. Tango ist so ein wunderschöner, leidenschaftlicher Tanz. Er ist allerdings schon anspruchsvoller als z.B. Salsa und man muss viel üben. In Deutschland hat mal jemand zu mir gesagt, dass es nicht darauf ankommt wie lange man schon Tango tanzt, sondern wie viele Kilometer man getanzt hat. Tango wird nämlich auf parallelen Spuren entgegen dem Uhrzeigersinn rotierend getanzt. Diese Aussage kann ich nach meiner intensiven Tango-Woche bestätigen.

    Eine kurze Begriffseinführung:
    Tango: Tango ist eine Musikrichtung die vor allem in Buenos Aires, Argentinien und Montevideo, Uruguay getanzt wird. Tango Argentino wird im 4/8 Takt gespielt. Außer Tango Argentino gibt es noch die Milonga im 2/4 Takt und den Vals im 3/4 Takt. Es wird vor allem der klassische Tango Argentino und Electrotango gespielt.
    Vals: Vals ist ein Tango der auf walzerähnliche Musik getanzt wird.
    Milonga: Die Milonga ist eine fröhlich-schnelle Tanzgattung und Vorläufer vom Tango Argentino. Mit einer Milonga kann aber auch eine Tanzveranstaltung gemeint sein, auf der zu den drei Stilen Tango Argentino, Vals und eben Milonga getanzt wird. Milonga steht auch ganz allgemein für das Tanzlokal in der Milongas stattfinden stehen.

    Tango ist ein sehr höflicher Tanz. Um aufgefordert zu werden muss man den sogenannten „Cabeceo“ machen: hierbei schaut man sich im Raum um und wenn man mit jemandem tanzen möchte und sich die Blicke treffen, hält man diesen. Der Augenkontakt besteht so lange bis man nickt (=cabeceo) und dann ist man quasi für den nächsten Tanz verabredet. Wenn man weg guckt, hat man den Tanz abgelehnt. Auf diese Weise können sowohl Mann wie auch Frau auffordern oder abweisen.
    Die Verabredung besteht für eine Tanda. Eine Tanda sind 3-4 Tango Stücke, die man dann alle mit der gleichen Person tanzt. Danach wird eine “cortina” (= Vorhang) gespielt. Meistens ist es ein Rock’n’Roll, Salsa oder Bachata. In dieser Pause verabredet man sich durch den cabeceo für die nächste Tanda.

    Der Tango besitzt im Gegensatz zur Milonga kein festes Rhythmus-Muster. Dadurch ist es ein sehr gefühlvoller Tanz, bei dem man sehr auf den Tanzpartner achten muss. Eigentlich wird man zu einer Einheit. Um den Mann leichter zu verstehen hilft es sehr Stirn an Wange oder Wange an Wange zu tanzen. Das war für mich zuerst sehr ungewohnt. Die Verbindung ist dann aber so innerlich, dass die meisten Frauen die Augen zu machen. Am Ende der Woche habe ich das tatsächlich auch ab und zu geschafft.

    Milongas gibt es zu jeder Tageszeit. Die meisten fangen aber so um 23 Uhr an und gegen 1 Uhr kommen immer bessere Tänzer. Meine Lieblingsmilonga in “La Viruta” fing immer schon um 18:30 Uhr bis 23:30 Uhr mit Unterricht an. An jedem Tag gibt es verschiedene Klassen zu Tango, Milonga, Salsa, Bachata und Rock’n’Roll. Bis auf letzteres habe ich alles mal gemacht. Das tolle ist, dass man egal wann man kommt 5€ Eintritt bezahlt und dann an jeder Klasse und der Party teilnehmen kann.
    Die Klassen werden in Anfänger, Fortgeschrittene 1 und 2 und Profis unterteilt. Alle finden aber nebeneinander im gleichen Raum statt und wenn man sich falsch eingeteilt hat, kann man einfach wechseln. Die Lehrer meinten, dass ich ruhig mal Fortgeschrittene 1 probieren soll und hier war ich die ersten dreimal. Bei meiner vierten Stunde habe ich sogar schon bei Fortgeschrittene 2 teilgenommen.
    Die Party fängt um Mitternacht an und gegen 3 Uhr kommen richtig gute Tänzer, vor allem Tanzlehrer und Showtänzer. Ab 3 Uhr habe ich eigentlich am meisten gelernt. Um 5 Uhr ist dann Schluss und manche trinken davor noch einen Cappuccino und essen ein Croissant (das argentinische Frühstück).

    Eine andere schöne Milonga mit sehr vielen Jungen war im Vinilo. Hier spielte sogar ein Live Orchester, was am Wochenende bei den meisten Milongas der Fall ist.
    Am Samstag waren wir auf einer Milonga in einem leerstehendem Haus - das war der Wahnsinn! Es gab zwei Stockwerke mit je zwei Räumen und auf jedem Stockwerk legte ein anderer DJ auf. Auf dem Dach gab es außerdem noch eine Terrasse. Da wir vorher noch auf einem Milonga Konzert von Renato waren kamen wir erst um 2 Uhr an und blieben bis kurz vor 5 Uhr, weil so viele gute Tänzer da waren.

    An dieser Stelle muss ich aber auch noch kurz was zur ökonomischen Situation in Argentinien sagen: Es ist erschreckend wie schlecht es dem Land geht. Es ist noch viel schlimmer als ich es mir vorgestellt habe. Man weiß nie wie viel der Peso morgen noch Wert sein wird und alles ist extrem günstig und trotzdem können sich die meisten Argentinier nichts mehr leisten. Das bekommt auch die Milonga zu spüren. Die Milongas, die Eintritt verlangen, werden nicht mehr voll und die, die auf Spendbasis funktionieren, nehmen zu wenig ein. Eine Folge der Krise ist deswegen auch, dass immer mehr Milongas Pleite gehen und zu machen. Die Milonga im Vinilo, auf der ich am Montag war, wird es zum Beispiel nur noch bis Ende April geben. Sie basiert auf Spendenbasis und obwohl sie immer gerappelt voll ist, kommt zu wenig in den Hut rein.

    Insgesamt habe ich es mit dem Tanzen in Buenos Aires leicht übertrieben, da ich am Ende der Woche so Muskelkater in den Waden hatte, dass ich tagsüber nur noch das nötigste gelaufen bin. Aber ich konnte einfach nicht mit dem Tanzen aufhören, da ich so viel wie möglich mitnehmen wollte und ja nicht weiß, wann ich wieder so gute Tanzlehrer und -partner finde.

    Am letzten Abend war ich nach dem Lenny Kravitz Konzert ein letztes Mal in der Viruta und blieb bis 5 Uhr morgens. Ich trank ganz argentinisch einen Cappuccino zum Abschluss, ging zum Hotel und setzte mich um 6:30 Uhr mit Mate in der Hand ins Taxi zum Flughafen!

    Ich vermisse Buenos Aires jetzt schon...
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  • Day17

    Erste Eindrücke: Atacama Wüste

    April 2 in Chile ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich bin sprachlos! Die nächsten Tage werde ich in San Pedro de Atacama verbringen und von dort aus die trockenste Wüste der Welt erkunden.
    Eigentlich wollte ich gestern meinen Tag nutzen und mein Reisetagebuch weiterschreiben (nicht dieses sondern ein ganz klassisches Büchlein), aber ich musste einfach den ganzen Flug von Santiago de Chile bis Calama aus dem Fenster schauen. Die zwei Stunden Flug gingen viel zu schnell rum. Ich hatte den 18 Uhr Flug gebucht, obwohl ich schon um 12 Uhr gelandet war. Aber er war einfach so viel günstiger als alle anderen Flüge... Es war das beste was ich machen konnte, da es der schönste Flug meines Lebens wurde. Ich hatte mir einen Sitzplatz auf der rechten Seite gebucht, da auf dieser Seite die Anden zu sehen sein müssten. Ich hatte allerdings nicht bedacht, dass zwischen 18-20 Uhr - also genau in meiner Flugzeit - die Sonne untergeht! Die Sicht war total klar, die Anden gestochen scharf zu sehen und als wir über die Wüste flogen wurde alles in tausend verschiedene rosa-blau Farben getaucht: die wunderschönste und zugleich kitschigste Aussicht, die ich je hatte.

    Ich blieb eine Nacht in Calama und fuhr am nächsten Morgen mit einem normalen Bus für 4€ nach San Pedro de Atacama (die Buse vom Flughafen kosten übrigens 24 €!). Auch die Busfahrt war so beeindruckend, dass ich einfach 2 Stunden aus dem Fenster schaute: so viele Farben!!!
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  • Day19

    Atacama Wüste

    April 4 in Chile ⋅ ☀️ 13 °C

    Ehrlich gesagt weiß ich garnicht wo ich anfangen soll. Es war das erste Mal, dass ich in einer Wüste war und ich bin einfach sprachlos und total begeistert! Ich habe noch nie so viele verschiedene Landschaften mit so vielen verschiedenen Farben in einer Region gesehen.
    Die Atacama Wüste ist die trockenste Wüste der Welt und liegt direkt neben den Anden. Von Salzbergen, Salzwüsten über Salzseen gibt es auch wunderschöne Lagunen und eben die Vulkane der Anden zu sehen. Auf 4.600 Höhenmetern befinden sich zudem Geysire mit heißen Quellen. Genauso vielseitig wie die Landschaft sind auch die Temperaturen: tagsüber hat es selbst im April, also im Herbst, noch um die 30 Grad Celsius während es abends auf unter 10 Grad abkühlt. Als wir zu den Geysiren gefahren sind hatte es oben auf den Anden sogar -8 Grad und es lag Schnee!

    Es war ein unglaubliches Erlebnis fast 4 Tage die Wüste zu erkunden und deren Tierwelt mit Flamingos, Füchsen, Llamas und Dicuñes kennenzulernen. Und außerdem lebende Berge und Landschaften, die sich noch immer tagtäglich verändern zu erkunden. Zweimal hatte ich das Glück, dass unser Guide uns zusätzlich die Heilwirkung der Kräuter erklärte, die auf den etwas feuchteren Böden der Anden wachsen.

    Mit der Höhe kam ich auch relativ gut klar. Nur am Anfang bekam ich leichte Kopfweh und mir war etwas schwindelig, wenn ich zu schnell gelaufen bin. Ein super Heilmittel ist allerdings Mate-Tee mit Coca.

    Am zweiten Tag hatten wir sogar knappe drei Stunden Regen, was äußerst selten ist und konnten am nächsten Tag einen wunderschönen Regenbogen sehen.

    Ich habe in der kurzen Zeit leider nicht alle Touren geschafft, die ich vor hatte und muss deswegen bestimmt irgendwann nochmal zurück in die traumhaft schöne Atacama-Wüste.
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  • Day20

    Wiedervereint mit Natalia Richtung Süden

    April 5 in Chile ⋅ 🌙 13 °C

    Heute bin ich von San Pedro de Atacama mit einem Privatbus, den ich mir mit vier anderen geteilt habe, zum Flughafen von Calama gefahren.
    Bis zum Boarding für den Flug nach Santiago de Chile hatte ich noch 45 Minuten Zeit und wollte ein Sandwich essen gehen. Als ich so an meinem Tisch saß entdeckte ich zum einen welche wieder, die ich am Abend vorher in einer Bar gesehen hatte und am Tisch neben mir saß ein Münchner Rentner, den ich am Mittwoch auf einer Tour kennengelernt hatte. Am Donnerstag hatte ich ihn durch Zufall bei den Geysiren getroffen und nun saß ich am Flughafen schon wieder durch Zufall neben ihm am Tisch. Ich stand auf, um ihn zu grüßen und auch er freute sich so sehr, dass er mich an seinen Tisch bat. Wir unterhielten uns so nett übers Reisen und München, dass ich zum ersten Mal fast meinen Flug verpasst hätte und genau am Gate ankam, als meine Reihe mit Boarding dran war.

    In Santiago treffe ich Natalia wieder und das Wochenende verbringen wir in Valparaiso, bevor wir dann Richtung Süden gemeinsam weiterreisen.

    Meine Zeit alleine ging mir fast schon zu schnell rum, vor allem weil ich nur sehr selten alleine war. In Buenos Aires habe ich so viele sympathische Leute kennengelernt und traf sogar auf den Milongas bekannte Gesichter wieder, zu denen ich mich dann an den Tisch saß. Und selbst in San Pedro habe ich auf fast allen Touren Leute kennengelernt, mit denen ich danach noch was gegessen oder getrunken habe. Es ist schon toll wie leicht man, egal wo man sich in der Welt befindet, sympathischen und spannenden Menschen begegnet!

    Als ich dann mit Natalia so im Bus Richtung Valparaiso fuhr, freute ich mich immer mehr auf unsere gemeinsamen 10 Tage und bin so glücklich, dass unsere Freundschaft - trotz der Distanz - schon seit 15 Jahren hält und wir es immer wieder ganz entspannt schaffen gemeinsame Urlaube zu planen.

    Kleine Anmerkung: Nach meinen ruhigen Tagen in der Wüste ist mir die Stadt jetzt schon wieder viel zu voll und irgendwie schreien viele auf den Busterminals von Santiago und Valparaiso so laut durch die Gegend, um irgendwelche Dinge zu verkaufen...
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