November 2019
  • Nov1

    Vorbereitung und so

    November 1, 2019 in Germany ⋅ ☁️ 4 °C

    Hallo ihr alle,
    An dieser Stelle werden ich (Jonas) über ein paar Neuigkeiten von Judiths und meiner halben Weltreise berichten. Ich mache das besonders aus zwei Gründen, einerseits ist es mir für mich selbst wichtig die vielen Ereignisse der nächsten Monate schriftlich festzuhalten, damit nichts verloren geht und andererseits bin ich zu faul jeder Person einzeln zu antworten wie es mir gerade geht ;) Falls ihr also ein paar Infos haben wollt was so in unserem Leben los ist könnt ihr gerne mal ab und zu hier vorbeischauen. Über kleine Nachrichten freue ich mich/wir uns natürlich trotzdem.

    Langsam stellt sich die erste Vorfreude auf unsere Reise ein. Die ersten liebgewonnenen Menschen müssen verabschiedet werden und auch die Reisevorbereitungen gehen in die finale Phase, denn in etwas mehr als zwei Wochen gehen wir auf große Reise. Um 19:24 geht es am 18.11.vom Ostbahnhof in Berlin Richtung Moskau los.
    Deswegen dachte ich, schreibe ich doch mal einen ersten Artikel für unseren Reisebericht. Wer von euch also Lust hat etwas zu unseren Vorbereitungen zu erfahren und darüber warum wir das eigentlich alles machen kann sich gerne ein paar Minuten nehmen.

    Schon seit langem hatten Judith und ich den Wunsch eine gemeinsame lange Reise zu unternehmen und seit ca. zwei Jahren haben wir immer konkreter auf das Ziel Südostasien hingearbeitet. U.a. Durch den Film Weit (den ich jede*m von euch ans Herz legen kann) haben wir das langsame Reisen für uns entdeckt und wir recherchierten auf verschiedenen Webseiten wie wir über Land nach Südostasien kommen könnten. Unsere anfängliche Planung war es durch den Balkan, Türkei, Georgie und Aserbaidschan bis zum Kaspischen Meer zu fahren und von dort nach Zentralasien überzusetzen. Von dort wollten wir dann über Samarkand und Almaty nach China und von dort weiter nachVietnam. Wir haben echt viel Zeit damit verbracht zu recherchieren, wie wir auf die andere Seite des Kaspischen Meeres kommen könnten, denn es gibt keinen richtig geregelten Fährverkehr. Die meisten Berichte handelten von eher spontanen Mitnahmen durch Containerschiffe, bei denen man zwei Stunden vor Abfahrt informiert wurde und dann nicht genau wusste an welchem Hafen auf der anderen Seite man herauskommen würde. Deswegen entschieden wir uns irgendwann für die Route via Russland und Kasachstan.Lustigerweise sind wir über den DB Navigator auf diese Route gekommen, weil ich zu Spaß mal die Route Berlin-> Astana (was jetzt neuerdings Nur Sultan heißt) eigegeben habe. Und siehe da, es gab eine Verbindung mit einem einzigen Mal umsteigen. So war der Plan geboren über Russland und Kasachstan nach China und dann weiter nach Vietnam zu reisen.

    Natürlich machen wir uns schon seit Monaten Gedanken zu dieser Reise und überambitioniert wie ich bin habe ich einen ganzen Google Drive Ordner mit Informationen zu der Route, Finanzen, Visa, Impfungen und Packlisten angelegt. Diesen nutzen wir mal mehr mal weniger, aber haben schon einige Information seit Anfang des Jahres darin gesammelt. So hatten wir einen ungefähren Zeitplan im Kopf, was wann gelaufen sein muss (hat am Ende zwar nicht ganz funktioniert, aber so ist das halt mit Plänen). Im August begannen wir mit den ersten Impfungen. In Südostasien brauchen wir einiges an Schutzmaßnahmen, Hepatitis A+B, Typhus, Tollwut, Japanische Enzyphalitis, Menigokokken und Cholera, außerdem haben wir noch ein Präparat gegen Malaria beimTropeninstitut bekommen (das schöne ist, die TK übernimmt alle Kosten dafür, was bei mir mehr als 500€, bei Judith sogar noch etwas mehr waren).

    Dann begann die heiße Phase der Visabeantragungen, in der wir immer noch stecken. Wir wollten zuerst das chinesische Visum beantragen um sicher zu sein, dass unser Plan überhaupt funktioniert. Das ganze war ein ganz schöner Krampf, nicht nur dass ich einen so lückenlosen Lebenslauf vorweisen musste, wie ich es noch bei keiner Arbeitsstelle vorgewiesen habe, darüber hinaus brauchten sie Infos zu unseren Eltern und dazu ob wir jemals mit radioaktiven Stoffen Kontakt hatten oder daran geforscht haben. Das schwierigste war das Hochladen eines geeigneten Passfotots. Man denkt es würde ein biometrisches Foto reichen, doch haben Judith und ich eineinhalb Tage gebraucht um endlich den Fotoausschnitt und Hintergrund so angepasst zu haben, dass das Programm uns auf die nächste Seite gelassen hat. Denn ohne Passfoto durften wir der chinesischen Regierung nicht unsere gesamte Lebensgeschichte erzählen :(
    Zusätzlich kam hinzu, dass wir das ganze über eine Agentur gemacht haben, die eine denkbar schlechte Internetseite ohne jegliche wichtige Information hatten und ich insgesamt dreimal mit denen telefonieren musste um Fragen abzuklären. Das Problem, jede Agentur war online so schlecht aufgestellt... Wir hatten bei den insgesamt acht (!) Seiten wirklich Bammel, dass wir etwas falsch gemacht haben könnten (ich habe bspw. aus Versehen Potsdam als meine Heimatstadt bezeichnet - sorry Münster). Schlussendlich fiel uns dann aber nach knapp drei Wochen ein Stein vom Herzen und wir hielten unsere Reisepässe samt chinesischem Visum in den Händen. (Mehr zu den ganzen Hintergründen zum chinesischen Visum und unserer Einreise nach China gibt es übrigens, wenn wir erfolgreich eingereist sind).
    Dann ging das ganze für das russische Visum vom vorne los (zum Glück ohne Fotohochgelade, sondern nur mit Fotodraufgeklebe). Auch hier arbeiten wir der Einfachheit halber über eine Agentur. Theoretisch hätten wir beide Visa direkt bei den Botschaften besorgen können, was aber wirklich nervig und aufwendig ist, so mussten wir unsere Pässe nur jeweils an eine Agentur senden und mussten uns bspw. Beim russischen Visum nicht um ein Einladungsscheiben und die Beglaubigung unseres Rückkehrwillens kümmern. Nun fehlt uns nur noch das weißrussische Transitvisum, welches wir nächste Woche beantragen, Kasachstan ist zum Glück Visafrei für Deutsche...
    So viel zu den Visaangelegenheiten, um unser vietnamesisches und die folgenden können wir uns zum Glück vor Ort kümmern und die kosten auch nicht so viel wie das chinesische (155€), das russische (99€) und das weißrussische (60€).

    Ansonsten sind wir gerade am Packen und einkaufen, ich bin schon so gut wie fertig, während Judith noch das wichtigste Stück (der Rucksack) fehlt, aber der wird auch bald bestellt. Es ist ganz schön schwierig gleichzeitig minimalistisch zu packen und doch an alles wichtige zu denken. Eine genaue Packliste gibt es dann kurz vor der Abfahrt. Nur so viel, der Jägermeister zum mit den Kabinennachbarn anstoßen darf nicht fehlen und steht auch schon bereit.

    Nebenbei kümmern wir uns noch um alles mögliche wie Krankenversicherung, Visakarten, Hotel- und Bahnbuchungen, Umzug von Judith, alles zu Hause packen und vor allem Abschied nehmen. Es ist ganz schwierig für mich, mich für so lange Zeit zu verabschieden und durch jeden Abschied realisiere ich etwas mehr, dass wir bald ganz schön lange weg sind. Ich werde euch alle vermissen und freue mich über jede*n, der*die hier ein bisschen was von liest und vielleicht auch die Inspiration findet den nächsten Trip nach Georgien/Griechenland/Thailand/Schweden oder Portugal mit dem Zug zu machen.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Nov11

    Nun also doch Sibirien

    November 11, 2019 in Germany ⋅ ☀️ 4 °C

    Monatelang korrigierten wir Freund*innen, wenn sie fragten ob wir die Transibirische Eisenbahn nehmen würden. Das Argument dagegen war immer der Preis gewesen. 800€ von Moskau nach Peking? Das war nicht in unserem Reisebudget vorgesehen. Deswegen entschieden wir uns für die riskantere Route über Kasachstan und Xianjiang. Die Gefahr dabei? An der chinesischen Grenze nicht reinzukommen und vielleicht alle Flüssigkeiten (inkl. Aller Sonnencremes und Sprays, die wir für Südostasien dabei haben) abgenommen zu bekommen, da in Xianjiang extrem hohe Sicherheitsbestimmungen in Zügen herrschen.
    Nun wollte wir für den Fall, an der chinesischen Grenze abgewiesen zu werden, vorbereitet sein und suchten Alternativverbindungen von Astana über Russland und die Mongolei nach China. Und siehe da - innerhalb von Russland ist es extrem günstig Transib zu fahren. Wir fanden Tickets von Moskau nach Jekaterinenburg für 24€ und von dort an die mongolische Grenze für 50€. Von Ulan Ude in Sibirien nach Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei sind es dann auch nur 68€. Von dort geht es dann entweder mit dem Zug an die chinesische Grenze und dann mit dem Taxi rüber (deutlich günstiger) oder direkt von Ulan Bator nach Peking (je nach Quelle zwischen 150 und 200€). Insgesamt kommen wir also statt für 800€ für knapp 350€ (teurere Version) oder 200€ (umständliche Version mit Taxi) von Moskau nach Peking. Deswegen ist bei uns neben dem restlichen Vorbereitungsstress nun auch wieder der Planungsstress ausgebrochen und gleichzeitig fragen wir uns wie verrückt wir eigentlich sind 7 Tage vor der Abfahrt nochmal die Route zu ändern. Morgen entscheiden wir uns wie lange wir wo bleiben und ob wir es im luftverschmutzten und extrem kalten Ulan Bator wirklich 5 Tage aushalten können und wollen.

    Anbei unsere neue Reiseroute. :)
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  • Nov18

    Tschüss Deutschland

    November 18, 2019 in Poland ⋅ ⛅ 11 °C

    Nun ist es also real - wir fahren wirklich los. So richtig können wir es noch nicht fassen, wie lange wir nun weg sein werden und dass wir alle Freund*innen und die Familie so lange nicht sehen werden.
    Der erste von vielen Zügen ist bestiegen und wir beginnen die Reise so wie jede gute Zugreise beginnt - mit Essen. Für die erste Zugfahrt haben wir uns noch richtig ins Zeug gelegt um uns vegan und einigermaßen gesund zu versorgen (Nudelsalat, Falafeln, Brötchen und Porridge kommen auf den Tisch).
    Außerdem immer für den Notfall dabei: Tütengerichte. In jedem Zug gibt es einen Samowar (großer Wasserboiler mit heißen Wasser) womit wir unser Porridge und unseren Kartoffelbrei aus der Tüte zubereiten können. Außerdem dabei eine Menge an Tee und Instantkaffee für den Morgen. Auf dem Foto seht ihr eine kleine Auswahl womit wir uns eingedeckt haben. Zur Grundversorgung zählen etliche Riegel und Süßigkeiten, Tofuwürstchen und Obst und natürlich Nüsse, Nüsse und noch mehr Nüsse. Wir haben uns glücklicherweise vorher beim Unverpacktladen unserers Vertrauens ordentlich eingedeckt.
    Auf unserem Weg liegen außerdem einige vegane Supermärkte/Läden, bspw. Das Vegaterinenburg in Jekaterinenburg, wo wir uns wieder mit vielen veganen Produkten versorgen können.
    Happy Cow (eine weltweite vegane Restaurantführerapp) sei dank werden wir uns auf unserer ganzen Reise nicht wirklich Sorgen um unsere Versorgung machen müssen, am meisten freue ich mich auf das traditionelle mongolische Essen in einem veganen Restaurant in Ulan Bator und das vegane usbekische Restaurant in Novosibirsk.

    Wir sind übrigens nach 22h gut in Moskau angekommen - morgen gibt es dann einen Erfahrungsbericht zur ersten Nacht im Zug. Jetzt müssen wir erstmal einiges an Schlaf nachholen.
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  • Nov20

    Endlich unterwegs

    November 20, 2019 in Russia ⋅ 🌙 -5 °C

    Nun sind wir also in Moskau - schon verrückt. Die Zugfahrt hierher war wirklich eine spannende Erfahrung. Montag Abend ging es los vom Berliner Ostbahnhof. Ich war schon beim Einsteigen sehr begeistert von den russischen Zugbegleiter*innen, die alle in ihren schicken Uniformen ordentlich in einer Reihe an jeder Tür standen. Der Zugbegleiter an unserem Waggon begrüßte uns auch gleich mit Namen - anscheinend waren wir die einzigen Fahrgäste, die wie Jonas und Judith aussahen oder unser Alter hat uns verraten, denn alle anderen Leute in unserem Waggon waren ein Stückchen älter. Wir sagten noch unseren Eltern tschüss, die uns zum Bahnhof begleitet hatten und dann ging es los. Das war schon ein emotionaler Moment, als wir da am Fenster standen und der Zug langsam aus dem Bahnhof fuhr. So lange hatten wir mit der Planung verbracht und dann ging es irgendwann nach so langer Zeit tatsächlich los.
    Wir hatten Plätze in einem Viererabteil gebucht. Das waren in diesem Zug auch die günstigsten, da es für diese Strecke keine Schlafplätze in Großraumabteilen gibt. Es gab zwei Sitzplätze auf jeder Seite, ein Fenster, einen kleinen Tisch, unter dem sich noch ein kleines Waschbecken versteckte und links und rechts konnte man jeweils zwei Betten aus der Wand ausklappen, sodass auf beiden Seiten ein Doppelstockbett entstand. Unter dem unteren Bett verschwanden dann die Sitze. Wir hatten, wie wir fanden, ziemliches Glück dass wir unerwarteter Weise zunächst allein im Abteil waren. So hatten wir erstmal genug Platz um uns einzurichten. Zu viert wäre es dann doch schon wirklich eng gewesen.
    Nach dem Abendessen hatten wir noch Zeit, eine Serie zu gucken und dann ging es auch schon Zähneputzen und ab ins Bett. Irgendwie war es witzig, so normale Alltagsaktivitäten im Zug durchzuführen. Viel Schlaf haben wir leider nicht bekommen in der Nacht. Die Bewegung und die Geräusche sind doch zunächst recht ungewohnt. Die Betten waren aber ansich wirklich gemütlich und viel komfortabler, als ich sie mir vorgestellt hätte.
    Irgendwann gegen 5 Uhr morgens hatten wir dann die weißrussische Grenze erreicht. Den längeren Halt in Warschau hatten wir zu unserer Überraschung dann doch verpennt und wir waren auch immer noch allein im Abteil. Unser Zugbegleiter drückte uns die migration card in die Hand, die wir ausfüllen mussten. Dann ging auch schon das Gewusel los, weil alle möglichen Leute den Zug kontrollierten. Anscheinend waren alle für etwas anderes zuständig. Zu uns kam zuerst ein polnischer Grenzbeamter, der unsere Pässe kontrollierte, dann lief ein Suchhund durch den Gang, ein Mann vom Zoll wollte wissen, wieviel Bargeld und ob wir Alkohol dabei hätten (wobei Jonas seine Flasche Jägermeister, die er eigentlich mit unserem nicht vorhandenen russischen Abteilnachbarn teilen wollte, glatt zu erwähnen vergas). Dann liefen noch mehr Leute in unterschiedlichen Uniformen an unserer Tür vorbei bis schließlich die weißrussischen Beamten unsere Pässe und die migration card verlangten, um dann erstmal für 20 min damit zu verschwinden😅. Die Pässe kamen mit Stempeln auf dem Visum wieder und der Zug fuhr endlich weiter. Inzwischen war es hell geworden aber wir legten uns trotzdem nochmal schlafen. Mittags in Minsk stieg dann doch noch jemand in unser Abteil zu. Entgegen unserer Hoffnung war er aber leider sehr unkommunikativ, wollte keinen Jägermeister und war ständig verschwunden um zu telefonieren. Wir verbrachten den Tag weiter mit essen, dösen auf dem Bett, das wir einfach weiter ausgeklappt ließen, Hörbuch hören, lesen und Serie schauen. Nach 22h Fahrt kamen wir gegen 20 Uhr Moskauer Zeit (18 Uhr in DE) in der russischen Hauptstadt an.

    Heute haben wir den ersten Tag in Moskau erstmal ruhig angehen lassen. Wir haben ausgeschlafen, sind ein bisschen durch die Innenstadt und über den roten Platz geschlendert, waren kurz das Kaufhaus Gum angucken, haben im "Jagannath" ganz passables Essen zum späten Mittag gefunden und waren danach noch im Novodevichy Convent (eine größere Anlage mit mehreren Kirchen und einem Museum, wovon leider fast alle wegen Restaurierungen geschlossen waren).

    Übrigens habe ich (Judith) heute mal geschrieben. Nachdem ich die Idee erst doof fand, habe ich beschossen mich doch noch an dem Blog zu beteiligen 😜 Dann muss Jonas das nicht allein machen und außerdem lesen ja auch einige meiner Freund*innen hier mit, hoffe ich jedenfalls 😄
    Also, bis bald!

    Judith
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  • Nov22

    Grüße von Genosse Lenin

    November 22, 2019 in Russia ⋅ ⛅ -7 °C

    Langsam kommen wir ins Reisen rein und haben die letzten drei Tage die Stadt erkundet. Judith hat euch ja schon ein bisschen was über den ersten Tag berichtet. Ich hatte heute Lust mal was über die letzten zwei Tage zu schreiben.

    Gestern war der erste sonnige, aber auch richtig kalte Tag, bis zu minus 8 Grad waren es in den Straßen und wir packten uns in unser zweitwärmstes Outfit ein (das wärmste behalten wir uns noch für Sibirien auf ). Klamottentechnisch perfekt vorbereitet starteten wir in den Tag. Vormittags hatten wir uns für eine Free Guided Tour (also eine Stadtführung auf Spendenbasis) angemeldet. Als wir ankamen waren wir anscheinend die einzigen Teilnehmer*innen an der Tour, einzig unsere Führerin wartete auf uns. So hatten wir quasi eine Privatführung durch die Moskauer Innenstadt (für 5€ pro Person) und konnten alle unsere Fragen loswerden. Es war echt klasse und wir haben super viel gelernt und gesehen.
    Anschließend haben wir Genosse Lenin einen Besuch abgestattet, für alle, die Moskau nicht kennen, auf dem roten Platz direkt vor dem Kreml ist in Mausoleum für Lenin aufgestellt worden. Dort können ihn, seit seinem Tod vor über 85 Jahren die Menschen in einem gläsernen Sarkophag betrauern/besuchen/sich anschauen. Dies geschah als eine Art ersatzreligiöse Handlung um Heldenfiguren auch im unchristlichen Sozialismus nahbar und verehrbar zu machen. Es war schon eine komische Angelegenheit, vor allem weil Lenin aussah wie eine Puppe.
    Nachdem wir im GUM noch eine SIM-Karte für Russland erstanden haben (unendliches Datenvolumen und 100 Min für ca 8,50€ und 4G in sibirischen Dörfern) ging es zum Mittagessen in die Nähe. Bis wir dort jedoch vor unseren Burger/Wrap und dem veganen Blaubeer-Käsekuchen saßen mussten wir einige Hindernisse überwinden, u.a. die Straßenüberquerung. Erst fuhr eine riesige Autokolonne aus dem Kreml und blockierte quasi alle Straßen der Innenstadt (Vladimir lässt grüßen), als Vladi dann durch war gab es weit und breit keine Möglichkeit die vierspurige Straße zu überqueren. So mussten wir gefühlte Kilometer laufen bis wir endlich eine Unterführung fanden. Das geschafft suchten wir wegen mangelnder Kyrillischkenntnisse noch etwas nach unserem Essen, aber landeten schließlich in einem ganz netten Imbiss/Café mit tollen Stickern an der Klotür (einige Babelsberger Ultras waren wohl auch schonmal da). So gestärkt wanderten wir noch durch die Stadt und entdeckten einen Delikatessenladen in dem es deutsches Bier für 4€ und allerhand deutsche Süßigkeiten etc. gab ^^
    Da es schon dunkel wurde beschlossen wir ein weiteres To-Do in Moskau abzuhacken: einmal die Metro Circle Line fahren und sich jede Station angucken. Die Metro ist extrem tief gebaut worden und besonders die Bahnhöfe der Ringbahn sind super schön gestaltet worden (ja sowjetische Architektur kann auch schön sein), nur etwas eintönig war es nach ein paar Stationen. Dummerweise haben wir uns genau die falsche Zeit ausgesucht, natürlich konnten wir um 17:30 nicht vollkommen entspannt durch die Bahnhöfe der meistbefahrenen Metrolinie einer 12,5 Miollionenstadt laufen. Es war Rush Hour und das merkten wir in den U-Bahnen. So haben wir auf jeden Fall gelernt wie man sich auch in eine noch so voll Bahn noch hineinpresst.

    Da gestern der Kreml geschlossen war stand dieser heute auf dem Plan. Also ging es vormittags los zum Kreml. Etwas verwirrt waren wir durch die verschiedenen Tickets mit denen wir Eintritt in ein paar, ein paar andere oder gar keine der Gebäude bekommen würden. Am Ende entschieden wir uns für die Besichtigung der Kathedralen und des Innenhofs, was sich besonders bei dem anhaltendem Sonnenschein als eine sehr schöne Tour herausstellte. Ich hatte aber schon bald die vielen mittelalterlichen Malereien in den Kirchen satt. Jeder Zentimeter an den Wänden ist voller Bilder von irgendwelchen Heiligen, das wurde mit der Zeit etwas eintönig. Nach knapp zwei Stunden überkam uns der Hunger und wir steuerten unser nächstes Restaurant an, welches wir den Abend vorher gefunden hatten. Im Café Sok gab es u.a. Russische traditionelle Gerichte in vegan und vegetarisch. So kamen wir in den Genuss von Borscht und Pelmeni - wirklich lecker.
    Danach begaben wir uns auf einen Verdauungsspaziergang Richtung Gorki Park. Am Wasser entlanglaufend fanden wir eine absurde Statue am Zusammenfluss der beiden Teile der Moskva (siehe Fotos). Im Gorki Park angkommen waren wir ziemlich fertig und schauten uns nur einen kleinen Teil an, denn wir hatten noch großes vor. Vom Gorkipark ging es zum Bahnhof Moskwa-Kasanskaja (Moskau hat insgesamt 7 Fernbahnhöfe, die alle in andere Richtungen starten, wir sind bspw. am Beloruskaja angekommen, also dem Bahnhof Richtung Weißrussland). Am Ticketschalter für internationale Tickets kauften wir unser Ticket für den letzten Abschnitt der transmongolischen Eisenbahn - unser Ticket von Ulan Bator nach Beijing - nun halten wir es in den Händen und freuen uns riesig. Und das alles obwohl die Verkäuferin kein Englisch konnte. Glücklicherweise hatten wir die Verbindung auf dem Handy rausgesucht und mit Stift und Papier und einen "Up,Down" "Down,Down" ihrerseits klärten wir auch die Schlafplätze im Waggon. Nun ist es also offiziell: in zweieinhalb Wochen stehen wir in Peking.

    Mit dieser freudigen Kunde grüßen wir euch aus Moskau
    Jonas :)
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  • Nov25

    Der letzte Tag in Moskau

    November 25, 2019 in Russia ⋅ ❄️ -9 °C

    Unsere erste Station liegt hinter uns und wir bewegen uns im unglaublich gemütlichen Nachtzug nun weiter ostwärts. Bevor ich von unserer ersten Erfahrung aus der dritten Nachtzugklasse in Russland berichte, erzähl ich euch noch kurz von unserem letzten Tag in Moskau und unserem persönlichem Fazit zu unserer ersten Station der Reise.

    Am vierten vollen Tag in Moskau hatten wir uns bei TripAdvisor einen "Geheimtipp" rausgesucht und fuhren in einen etwas außerhalb liegenden Bezirk von Moskau. Bei strahlendem Sonnenschein schauten wir uns in Ismailowo den dortigen Kreml an. Ihr fragt euch jetzt: "Häh der Kreml liegt doch am roten Platz und den haben sich die beiden doch schon gestern angesehen." Das stimmt, aber das Wort Kreml heißt nichts anders als Burg oder Festung und in vielen alten russischen Städten gibt es einen Kreml. Der in Ismailowo ist jedoch ein Nachbau. Und was soll ich sagen, dieser Kreml war meiner Meinung nach (Jonas) deutlich beeindruckender als der im Herzen Moskaus. Wir landeten auf einer mittelalterlichen Burg mit bunten Dächern und vielen Museen und Shops auf dem Gelände. Unter den mittelalterlichen Dächern hatte sich außerdem eine Mischung aus Floh- und Schwarzmarkt bereitgemacht, wo man quasi alles kaufen konnte. Es war schon ein sehr lustiges Szenario das ganze Chaos eines russischen Marktes direkt neben diesem unglaublich schönen Gebäuden zu sehen. Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nach unserem Mittagessen bei einem süßen kleinen veganen Falafelimbiss ging es zum zeithistorischen Museum. Unsere Stadtführerin hatte uns dieses Museum anstatt des historischen Museums empfohlen, da dort auch viel zu sowjetischen Geschichte zu sehen sei. Wir gingen also mit der Erwartung hin, etwas über die Sichtweise der russischen Geschichtsschreibung aufs 20. Jahrhundert zu erfahren, aber Pustekuchen. Der interessante Teil von 1917 bis 1960 war gerade "under reconstruction" und nach dem Beginn des 1. WK kamen wir direkt zu den 60er Jahren, eine herbe Enttäuschung und den Rest der Ausstellung schauten wir uns eher lustlos an. Zum Abschluss des Tages guckten wir noch in der wirklich schönen Leninbibliothek vorbei (danköö Konstantin, für die Empfehlung!) und kauften in einem süßen kleinen veganen Laden ein paar Snacks für unsere Zugfahrt ein. Wir erstanden dort auch ein kleines kulinarisches Highlight - eine ganze vegane Salami, sogar in der typischen Pelle 😂 und ja der Geschmack kommt sehr nah an Salami heran. Die ersten Pläne für ein Startup, mit dem wir diese Salami nach Deutschland importieren stehen schon.

    Nun zu unseren abschließenden Gedanken zu Moskau:

    Jonas:
    Mir hat Moskau wirklich gut gefallen. Es ist noch eine sehr europäische und lebhafte Stadt, die mich sowohl architektonisch als auch von den Menschen her öfter an Berlin erinnerte. Mir hat es besonders gefallen die unterschiedlichen Menschen anzugucken, die Mischung von sehr unterschiedlichen Menschen und Gesichtern war etwas besonderes, die jedoch alle russisch sprachen und offensichtlich alle von hier kamen. Außerdem war ich wirklich beeindruckt von der Größe der Stadt und deren gut funktionierenden Nahverkehrssystem, nie warteten wir mehr als zwei Minuten auf die Metro und kamen immer schnell und günstig an unser Ziel. Mein negatives Highlight war auf jeden Fall das Hostel, leider sieht man bei guten Bildausschnitten nicht die schimmlige Dusche und die ultradünnen Wände - wir waren nicht so begeistert. Dafür hat uns aber die Stadt entschädigt. Ich fand die gigantischen Sowjetbauten wirklich beeindruckend und mein Highlight war wohl der super schöne Kreml von Ismailowo. Moskau war ein sehr guter Start für unsere halbe Weltreise, wir haben uns langsam an uns und die Reise als solches gewöhnen können und ich fühle mich mehr und mehr gewappnet für das unstete Leben.

    Judith:
    Ich fand Moskau sehr beeindruckend. Ich hatte mir vorher nicht wirklich Gedanken gemacht, aber habe es als sehr viel westlicher empfunden, als ich erwartet hatte. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass wir uns hauptsächlich im Zentrum bewegt haben. Wirklich verrückt fand ich, wie unfassbar sauber die Straßen waren, das hab ich so noch nie erlebt. Kein Blättchen irgendwo, noch nicht mal eine Zigarette oder so. Fand ich fast schon gruselig, weil alles so clean wirkte. Im Gegensatz zu Jonas hätte ich einen Vergleich eher mit London gezogen, wenn man denn unbedingt vergleichen möchte - vor allem die vielen sehr schnell laufenden, gestressten Menschen in den endlosen U-Bahn-Tunneln während der Rush-Hour inclusive der unfassbar langen, sehr schnellen Rolltreppen, auf denen alle brav rechts stehen und links laufen, kamen mir bekannt vor. Interessant fand ich auch, dass wir eigentlich kaum Europäer*innen gehört oder gesehen haben. Ab und zu ein paar Leute aus China, aber sonst kaum Menschen (zumindest nicht hörbar) aus anderen Ländern. Tatsächlich wurden wir auch unzählige Male auf der Straße einfach auf Russisch angequatscht - wo man doch sonst überall immer sofort als Touri erkannt wird (Und ich hatte sogar permanent meine Kamera in der Hand 😅). Das hat bei mir den Eindruck erweckt, dass es nicht so gewöhnlich ist, Europäische Besucher*innen in der Stadt zu haben. Auch das kann natürlich ein falscher Eindruck sein, weil jetzt bei dem Wetter wohl nicht gerade die high season ist, was den Tourismus angeht, wie wir auch an unserer Privatführung durch die Stadt gemerkt haben, die ja eigentlich für größere Gruppen gedacht war 😄.
    Jedenfalls hat es mir sehr gut gefallen, allerdings haben wir in 4 Tagen auch wirklich nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angucken können und waren auch fast nur in der Innenstadt. Um die Stadt richtig zu erleben müsste man wohl länger bleiben und dann lohnt sich ein Besuch im Sommer sicherlich auch sehr.

    Wir verabschieden uns damit aus Moskau und ziehen weiter Richtung Jekaterinburg 🚞
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  • Nov26

    Eine neue Liebe

    November 26, 2019 in Russia ⋅ ⛅ -7 °C

    Wir haben die zweite Nachtreise im Zug hinter uns und wollen euch auch daran teilhaben lassen, wir fanden es nämlich super!
    Nach eineinhalb Stunden Warten in der Bahnhofshalle neben einem Mann, dessen Handy alle zwei Minuten klingelte (immer mit dem gleichen russischen Popsong oder einem dramatischen klassischen Orchesterstück als Klingelton) zu dem er selig weiterschlief, stiegen wir um 13:00 Uhr endlich in unseren zweiten Zug.
    Wir wussten nicht wirklich, was uns in der dritten Klasse, dem Großraumschlafwagen, erwarteten würde, wir hatten solche und solche Geschichten gehört. Schlussendlich waren wir angenehm überrascht und haben uns ein klein wenig verliebt in diese Art des Reisens.
    Der Waggon besteht aus offenen 6er-"Abteilen" mit zwei gegenüberliegenden Doppelstockbetten, in denen man quer zur Fahrtrichtung schläft, und einem Doppelstockbett welches auf der anderen Seite des Gangs längs zur Fahrtrichtung gedreht wird. Dazwischen sind Trennwände, aber zum Gang hin ist alles offen. In unserem Vierer-Abschnitt hatte man etwas Ruhe und wurde nicht so stark von vorbeilaufenden Menschen gestört. Wir hatten unsere eigene Bank zu zweit und genug Stauraum für unsere Sachen (über dem oberen Bett ist enorm viel Platz für alles große Gepäck und wenn das nicht reicht, kann man auch die untere Bank hochklappen um darunter Zeug zu verstauen). Wir bekamen frisches Bettzeug von der Provodnitsa (der Zugbegleiterin) ausgehändigt, für unser Kissen und die ausrollbare Unterlage, die man auf die Matratze drauflegen konnte. Sogar ein kleines Handtuch bekamen alle Reisenden.
    Viele Passagiere machten das Bett sofort nach der Abfahrt zurecht und einige schliefen auch 20 Minuten später schon selig. Wir ließen uns damit Zeit, genossen unser vorbereitetes Mittagessen und die Aussicht. Die Zeit vertrieben wir uns mit Rausgucken, Quatschen und Serie schauen (danke für die Downloadfunktion @Netflix). Die Landschaft draußen sah eigentlich aus, wie Brandenburg im Winter, nur, dass Judith mit ihrer russischen SIM-Karte trotzdem noch fast durchgehend 4G auf dem Handy hatte. 👌😄
    Abends gab es dann eine deftige Brotzeit. Mit seiner zirkusreifen Akrobatikleistung schaffte es Jonas aufs obere Bett, schlief bereits um 10 beim Hörbuch-hören ein und verbrachte die Nacht sehr ruhig und gemütlich dank Ohropax und Schlafmaske. Judith tat sich etwas schwerer, da das Licht erst nach 12 gelöscht wurde und unser Sitznachbar noch recht laut Musik hörte. Die Betten waren wirklich gemütlich und das Schaukeln des Zuges war mittlerweile vertrauter geworden. Leider waren die Betten für uns "Riesen" nicht ausgelegt und unsere Füße ragten in den Gang. Natürlich lief fast jede Person, die zum Klo wollte, gegen Judiths Füße, was die Nachruhe etwas störte. Jonas Stinkefüße auf Kopfhöhe waren da schon etwas abschreckender. Dafür konnte Judith aber morgens lange schlafen, sodass wir beide auf unsere 7 bis 8 Stunden Schlaf kamen und erholt in den Tag starteten. Wir konnten gemütlich unseren Instant-Kaffee im Bett trinken und dabei die vorbeiziehende Landschaft beobachten, die mittlerweile schneebedeckt war. So hatten wir uns das vorgestellt! 😍
    Den Rest des Tages verbrachten wir wiederum mit essen, Leute beobachten und Serie-schauen (wir gucken übrigens grad Atypical und finden es echt gut). In Kasan stieg ein Mann zu, auf dessen Platz jemand schlief und der sich deswegen zu uns setzte. Wir redeten danach recht lange mit ihm und unserem anderen Sitznachbarn, die beide netterweise ihr gebrochenes Englisch für uns rauskramten, worüber wir uns super gefreut haben. Es gab russische Süßigkeiten und nette Gespräche über dies und das, von russischer Sprache und Reisetipps bis zu Star Wars und Videospielen war alles dabei. Die beiden fanden es anscheinend auch wirklich spannend, Fremde im Zug zu treffen (wir waren die einzigen) und waren sehr interessiert an uns. Und sie konnten auch nicht verstecken, dass sie uns wohl auf eine lustige Art für ein bisschen verrückt hielten, dass wir ohne Russisch-Kenntnisse und zu dieser Jahreszeit die transsibirische Bahnroute fahren. 😅 Aber was sollen wir sagen, bisher hat alles immer bestens geklappt!
    Alles in allem war das für uns irgendwie der echte Startschuss zu unserer Bahnreise. Uns hat es super gefallen in diesem großen Waggon zu fahren und wir blicken etwas wehmütig darauf, dass wir nur noch zweimal diese Erfahrung in Russland haben werden. Der Zug in die Mongolei und von da aus nach China hat nämlich keine dritte Klasse (weswegen diese Abschnitte auch deutlich teurer waren).

    Leider gibt es von diesem Abschnitt unserer Reise keine Fotos da wir die Persönlichkeitsrechte der Mitfahrenden nicht ungefragt missachten wollten und uns vor allem etwas doof vorkamen, Fotos zu schießen. Für die Reise nach Novosibirsk haben wir uns aber vorgenommen wenigstens mal ein nettes Foto von uns beiden machen zu lassen.

    Die nächsten Tage verbringen wir noch im verschneiten Jekaterinenburg, was sich bisher als etwas unaufregend herausstellt. Am Freitag geht es dann weiter nach Novosibirsk, in die Hauptstadt Sibiriens. ❄️❄️❄️
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  • Nov29

    Nikolaus, Boris und Richard

    November 29, 2019 in Russia ⋅ ☁️ -5 °C

    Unser zweiter Stop ist auch schon unser erster in Asien, verrückt, oder? Kurz vor Jekaterinburg haben wir nämlich schon den Ural passiert. Davon haben wir allerdings nicht viel mitbekommen, weil es an der Stelle a) nicht wirklich Berge gibt und und es b) draußen schon dunkel war.

    Die letzten Tage in Jekaterinenburg waren bei uns vergleichsweise ruhig. Jetzt sitzen wir gerade in unserem Lieblingscafé/Buffet-Bistro (wir waren fast jeden Tag hier) und schlagen Zeit tot, bis wir heute Abend um 18 Uhr (bei euch ist es dann 14 Uhr) in den Zug nach Novosibirsk steigen. Aus unserem Hostel mussten wir nämlich schon raus. Daher habe ich (Judith) Zeit, ein kurzes Update für euch zu schreiben.

    Am ersten Tag (Dienstag) ist nicht viel passiert. Wir hatten keine Lust sofort wieder volles Sightseeing-Programm zu machen. Daher sind wir erst gegen Mittag los und haben einfach einen längeren Spaziergang durch die Innenstadt gemacht. Eigentlich hatten wir einen Audioguide auf unser Handy geladen, mit dem wir quasi eine Tour gemacht hätten, allerdings waren die ersten Stationen so uninteressant und schlecht erzählt, dass wir das schnell aufgegeben haben. So richtig viele wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es nämlich gar nicht. Und außerdem wurde zu langes Rumstehen und Handschuhe ausziehen, um das Handy zu bedienen, auch schnell zu kalt. In Russland benutzen Sie an den richtig kalten Tagen wohl manchmal die Nasenspitze, um das Handy zu entsperren 👃haha 🤣.
    Wir waren dann noch in einem Café Bagels und Kuchen essen und das wars eigentlich auch schon. Es wird ja hier auch gegen 16.30 immer schon dunkel (und damit auch noch kälter) und wir gehen dann meistens schon zurück ins Hostel, höchstens noch einkaufen und machen dann Abendbrot im Hostel oder gehen noch was essen. Dann verbringen wir den Abend damit, hier weitere Einträge zu schreiben, zu recherchieren, was wir am nächsten Tag machen oder Hostels für die nächsten Städte rauszusuchen oder andere Sachen für die Reise zu buchen.

    Am Mittwoch hatten wir uns überlegt, ein Stück raus aus der Stadt in einen der nächsten Orte (Pervoural'sk) zu fahren, um an die offizielle Grenze zwischen Europa und Asien zu kommen. Dort gibt es nämlich einen Obelisk um die Grenze zu markieren. Es war ein kleines Abenteuer, die richtige Busstation zu finden und wir wussten auch nicht so richtig, wie wir an das Ticket kommen, konnten es dann aber einfach beim Fahrer kaufen. Hier beschränkt sich das Kommunizieren auch noch mehr auf Hände und Füße, weil wirklich fast niemand Englisch versteht. Wir werden aber auch immer besser darin, zumindest ein paar Wörter auf Kyrillisch lesen zu können und "Hallo" und "Danke" und sowas auf Russisch zu sagen. Und es rettet uns auch immer wieder unsere SIM-Karte, weil wir so das meiste einfach googlen können, statt jemanden zu fragen. Ohne google maps wären wir auch schon das ein oder andere Mal aufgeschmissen gewesen 😅.
    Jedenfalls haben wir es in den richtigen Bus geschafft und mussten dann eigentlich nur noch an der richtigen Station raus. Das hat dann nicht ganz so gut funktioniert, weil wir nicht wussten, wie man den Bus zum Halten bekommt und sonst auch niemand aussteigen wollte 🤣.
    Aber gut, eine Station weiter hat der Bus gehalten und wir konnten raus. Zum Obelisken war es dann noch ein Fußweg von ca. 30 min. Gleich am Anfang gesellte sich noch ein junger Hund zu uns (wir vermuten, dass er ausgebüchst war, weil er ein Halsband trug). Leider ging der Weg an einer Schnellstraße lang, wo es keinen richtigen Fußweg gab. Und die Fellnase, die nicht mehr von unserer Seite weichen wollte, ist mehr als einmal auf die Straße gerannt und fast vor ein Auto gekommen, wodurch ich jedes Mal einen kleinen Nervenzusammenbruch hatte. Irgendwann konnte Jonas ihn oder sie dann endlich dazu bewegen, uns nicht mehr zu folgen. Das war echt kein schönes Erlebnis.
    Ein bisschen später waren wir dann angekommen. Der Obelisk ist wirklich einfach ein Obelisk und sonst nix, irgendwo im nirgendwo, aber wir fanden es trotzdem ganz cool, da gewesen zu sein. Wir konnten unser Mittagessen halb auf der europäischen und halb auf der asiatischen Seite verputzen (wir haben noch ein pseudolustiges Video von Jonas beim Teetrinken gemacht) und sind dann wieder zurück gefahren.
    Zurück in Jekaterinburg waren wir noch die "Kirche auf dem Blut" besichtigen. In Jekaterinburg wurde 1918 die letzte Zarenfamilie von den Bolschewiki ermordet. An dieser Stelle wurde 2002 dann die Kirche errichte. Ich fand das aus zwei Gründen spannend. Zum einen hat die Kirche einen besonderen Stil. Das ist schwer zu beschrieben aber man sieht, dass die Kirche nicht alt ist, aber sie ist auch nicht total modern oder futuristisch. Die Wände innen sind zwar komplett bemalt, aber nicht so überladen. Zum anderen habe ich noch nie in einer Kirche weltliche Motive auf Bildern gesehen. An einer Wand ist ein riesiger Stammbaum der Zarenfamilie, auf anderen sieht man andere Momente aus der Geschichte der Familie. Auf einem Bild waren Soldaten abgebildet. Ich hab grad bei Wikipedia gelesen, dass die Familie wohl später heilig gesprochen wurde (warum auch immer, so coole Sachen haben die ja jetzt auch nicht gemacht) und die Kirche ist wohl zu einer Art Wallfahrtsort für russische Monarchieanhänger geworden.

    Das wars erstmal von mir 🙋🏼, über gestern berichtet euch Jonas jetzt noch 😉:

    Eine der großen neuen Attraktionen in der Stadt, das Boris Jelzin Zentrum, hatten wir uns für den letzten richtigen Tag aufgespart. Es handelt sich um ein sehr modernes Gebäude mit allerhand Geschäften, Büro- und Ausstellungsräumen und eben dem Boris Jelzin Museum. Ich hatte bereits sehr viel Gutes über das Museumskonzept gehört und freute mich darauf, zu sehen, wie die jüngste russische Geschichte aufbereitet sein würde. Boris Jelzin war, für alle nicht so Geschichtsinteressierten, der erste demokratisch gewählte russische Präsident und bereits während seiner Zeit in den Führungsebenen der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) war er als Reformer aufgefallen und wurde 1987/88 von seinen wichtigen Parteiämtern entbunden. Ende der 80er wurde Jelzin von vielen Menschen in Russland als Hoffnungsfigur gesehen und gewann die ersten freien russischen Präsidentschaftswahlen 1991 klar. Die Zeit danach war von krassen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt, die in versuchten Putschen von Kommunisten und Faschisten mündeten, welche aber scheiterten.
    Um es kurz zu fassen: ohne den Audioguide hätten wir gar nichts von all dem verstanden, mit ihm waren viele Teile aber auch recht unzusammenhängend. Wichtige Ausstellungsstücke, wie ein sehr bekannter Brief Jelzins an Gorbaschtow waren nicht übersetzt, genauso wenig wie eine wichtige Rede vor dem Parteitag der KPdSU. Auch waren leider einige Sprünge drin, so wurde direkt von Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen 1993 zu der Wahl 1996 gewechselt, das fanden wir wirklich schade, da wir uns beide viel Informatives erhofft hatten. Trotzdem war das Museum wirklich sehenswert. Die Geschichte wurde auf verschiedene Art und Weise dargestellt. Was mir besonders gefiel, war die Nutzung des Raums als weiteres Darstellungsmittel. Von einem Labyrinth, in dem die Vorgeschichte bis 1990 dargestellt wurde, und einem alten Moskauer Bus, in dem die Kindheit Jelzins bis zu seiner Ernennung zum Vorsitzenden der Moskauer KP dargestellt wurde, bis hin zu einem Nachbau seiner Wohnung und seines Büros im Kreml samt originaler Einrichtung. Hinzu kamen toll gestaltete Räume mit riesigen Karten oder nachgebauten Straßensperren. Ihr merkt schon, ich war von der Vielfalt der Darstellung begeistert. Diese Einbindung des Raum hatte ich bisher nur im jüdischen Museum in Warschau gesehen. Im Gegensatz zu deutschen historischen Museen war es ein wirkliches Highlight und sicher noch spannender, wenn man Russisch kann. Es wurden verschiedene Sichtweisen auf die Ereignisse dargestellt, trotzdem war es teilweise auch ein ganz schönes Jelzin-Abgefeiere. Geschichte ist eben auch sehr subjektiv und besonders die Darstellung jüngerer Geschichte oft sehr schwierig in Gänze zu schaffen. Trotzdem ist das Museum auf jeden Fall einen Besuch wert.

    Was auch einen Besuch wert war, war die Oper von Jekaterinburg. Da uns die Tickets fürs Bolschoi-Theater in Moskau zu teuer gewesen waren (ab 35€), hatten wir nach Tickets in der Oper von Jekaterinburg geschaut und waren für schlappe 300 Rubel pro Person (4€) fündig geworden. Und was gucken sich zwei Reisende aus Deutschland in Russland an? Natürlich eine Oper von Wagner (in der Hoffnung, dass wir auch was verstehen😄) Der fliegende Holländer ist wahrscheinlich einigen ein Begriff, ich werde hier jetzt nicht die Oper nacherzählen, aber soviel, es geht um einen verfluchten Seefahrer, der nur alle 7 Jahre einen Tag an Land gehen darf (ja genauso wie bei Fluch der Karibik) um eine Frau für sich zu finden und so von seinem Fluch erlöst zu werden. Die Oper war, wie es Opern so ansich haben, textlich nicht zu verstehen (unser Plan ging also leider nicht auf, die Aussprache der russischen Sänger*innen war dann doch zu ungewöhnlich und es ist ja sowieso meist schon schwierig, in Opern den Text zu verstehen) weswegen wir die Handlung des ersten Teils in der Pause nachlesen mussten. Uns beeindruckte vor allem das Bühnenbild und das Opernhaus selbst, die Oper hat, zumindest mich, nicht so mitgerissen. Außerdem lustig, die Balkone waren so vollgepackt mit Holzstühlen, dass sich dort Sitzende quasi nicht bewegen konnten und erst recht nicht flüchten. Zu unserem Glück lotste uns die Platzanweiserin von diesen Plätzen zu nicht genutzten Polsterstühlen in der Mitte (indem sie sehr oft und zunehmend lauter auf Russisch auf uns einredete, bis wir irgendwann verstanden, was sie meinte 😅🙈). So konnten wir die ganze Bühne dann auf brandschutzgerechte Weise sehen. Alles in allem ein schöner Abend.

    Und das war es auch schon wieder aus Jekaterinburg. Heute geht es dann weiter nach Novosibirsk und dann ins ultrakalte Ulan Ude am Baikalsee.
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  • Nov30

    Kurzes Update - wir sind in Novosibirsk

    November 30, 2019 in Russia ⋅ ☁️ -13 °C

    Hallo ihr Lieben,
    unsere dritte Zugreise liegt hinter uns und wir sind in Sibirien angekommen. Minus 13 Grad fühlten sich beim Ankommen gar nicht so schlimm an. Nach diesem Reiseabschnitt sind wir beide ziemlich fertig. Diesmal hatten wir die beiden Betten in Fahrtrichtung gebucht und haben es etwas bereut. Die Betten waren kürzer und es gab keine Möglichkeit die Füße über das Bett hinaus auszustrecken, weswegen wir in Embriohaltung schlafen mussten. Außerdem lagen wir direkt am Gang und ich schreckte fast jedes Mal auf, wenn wer vorbeilief. Einzige Pluspunkte: wir konnten beide sehr nah am Fenster sitzen und hatten ein gemütliches Eckchen für uns und ich konnte nachts die Stern und morgens den Sonnenaufgang aus dem Bett betrachten. Außerdem verging die Zeit diesmal echt schnell. Das Gute ist auch, dass wir bisher auf jeder Zugfahrt nach dem Aufwachen am Morgen unsere Uhren zwei Stunden vorstellen konnten. Wenn man bis 10 schläft, ist es dann nämlich - zack - schon um 12 und es dauert gar nicht mehr so lang, bis man ankommt. Damit sind wir dann jetzt auch 6h vor euch.
    Unsere Mitfahrenden waren diesmal zurückhaltender, ein Mann war etwas komisch und starrte uns am ersten Tag die ganze Zeit an - echt creepy.
    Wir sind auf jeden Fall froh für unsere 41 Stundenfahrt (das wird dann die Längste) nach Ulan Ude (am Baikalsee) wieder ein offenen 4-Bett Abteil wie bei der Fahrt von Moskau nach Jekaterinburg zu haben.

    Gerade haben wir in einem winzigen Bistro um die Ecke Menti (ähnlich wie Pirrogi/Maultaschen) und Borschtsch gegessen, plus ein großes Stück Schokokuchen für jeden von uns zum Nachtisch. Das Bistro hatte nur einen einzigen Tisch für alle, sodass wir mit anderen jungen Leuten zusammen saßen, die uns direkt (wieder in sehr brüchigem Englisch, aber immerhin) ausfragten, wie es uns denn nach Novosibirsk verschlagen hätte. Außerdem war die Besitzerin super lieb und hat uns den Preis sogar auf deutsch übersetzt und sich extra auf deutsch verabschiedet.

    Jetzt gehts aber ab unter die Dusche und dann ins Bett.

    Liebe Grüße
    Jonas
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