Susanne Staciwa

Joined December 2018
  • Day138

    Somewhere on the rainbow

    May 15 in Peru ⋅ ☀️ 7 °C

    Absolut verrückt. Um 2:45 Uhr nachts klingelt mein Wecker. Um 3 Uhr fährt der Tourbus vor mein Hostal vor und lädt mich ein. Es ist eiskalt draußen und ich hülle mich auf dem Sitz im Bus in eine Decke ein, um der Kälte so gut es geht zu trotzen. Dann ca. 4 Stunden Fahrt in der Dunkelheit des frühen Morgens. Zwischendurch noch ein kurzer Stopp gegen 5:30 Uhr zum Frühstücken. Alle sind verschlafen, wenig Konversation am Frühstückstisch. Ich kann es niemandem verdenken, mir geht es genauso, auch wenn ich kein Morgenmuffel bin. Small Talk muss jetzt nicht sein. Warum ich mir das unmenschlich frühe Aufstehen überhaupt antue? Tja, es geht heute zu dem Rainbow Mountain, nach Machu Picchu die Hauptattraktion in der Gegend von Cusco. Um den Touristenmassen einigermaßen zu entgehen, müssen wir bereits mitten in der Nacht aufbrechen. Nur so können wir sicher sein, eine der ersten Gruppen am Gipfel zu sein und ein halbwegs schönes Foto ohne Menschmassen zu schießen. Soweit ist es hier mit dem Tourismus also schon gekommen, wahrscheinlich wird man zukünftig am Gipfel übernachten müssen, um am nächsten Morgen überhaupt noch ein wenig ungestörte Natur genießen zu können... 😉

    Der Rainbow Mountain, oder in der Landessprache auch „Montana de siete coloradas“ genannt, ist eine unwirkliche, fast schon außerirdisch wirkende Gebirgslandschaft, deren Gestein auf Grund der unterschiedlichen Mineralvorkommen in vielen verschiedenen Farbtönen erstrahlt und durch tektonische Verschiebungen und Gesteinskompression so aussieht, als hätte jemand dem Gebirge einen farbigen Streifenpulli übergezogen. Anscheinend gibt es ein solches Gesteinsvorkommen nur insgesamt drei Mal in der Welt, nämlich neben Peru noch in Argentinien und China. Interessant ist, dass diese Attraktion in Peru erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Wie kann das sein? Nun, dem Klimawandel sei dank: vor mehr als 10 Jahren war das Gebirge noch durch eine hohe Schneeschicht bedeckt, so dass man das eigentlichen Naturwunder nie zu Gesicht bekam. Inzwischen ist alles weggeschmolzen und nur noch in den Wintermonaten kann hier überhaupt ein bisschen Schnee fallen. Lobbyisten wie unser beliebter amerikanischer Präsident Donald Trump würden jetzt sicher sagen, dass der Klimawandel doch durchaus seine gute Seiten besitzt... 😂

    Gegen ca. 6:30 Uhr erreichen wir den Startpunkt unserer heutigen Wanderung auf knapp 4700 Metern Höhe. Die weiteren 350 Meter bis zum Gipfel müssen wir zu Fuß bewältigen. Immer wieder wird in einigen Reiseberichten vor den erheblichen Anstrengungen des Aufstiegs gewarnt. Nicht weil der Weg so extrem steil wäre, aber die Luft ist hier schon extrem dünn und jeder Schritt ist Hochleistungssport. Bevor es richtig losgeht, macht unser Guide mit uns einen 5-minütigen Probespaziergang, um unsere Konstitution zu testen. Die ersten Teilnehmer fallen bei dieser Prüfung bereits aus: Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot. Aber es wird keiner zurückgelassen. Einheimische stehen schon mit Pferden bereit, um die Gebrechlichen bis zum Gipfel zu transportieren. Ein ganz eigener und lukrativer Geschäftszweig für die Peruaner... 😀 Meine Lunge macht noch gut mit und ich kann auf die Vierbeiner verzichten. Im Gegenteil, ich fühle mich prächtig und werde den Aufstieg problemlos und ohne Beschwerden im Eilschritt absolvieren. Die lange Akklimatisation der letzten Wochen in den Hochebenen Südamerikas machen sich jetzt bezahlt, ich bin topfit (man darf nicht vergessen, dass viele andere Touristen häufig direkt nach Cusco fliegen und innerhalb von zwei Tagen mit einem Höhenunterschied von mehreren tausend Metern zurecht kommen müssen. Gesund ist das nicht, aber bei vielen steht dann doch der Zeitmangel und der Wunsch, trotzdem alles zu sehen, im Vordergrund).

    Ich kann jedenfalls den Aufstieg in vollen Zügen genießen. Und ja, das tue ich wirklich. Es ist wirklich schön hier, so idyllisch, so ruhig um diese frühe Uhrzeit. Tatsächlich sind momentan nur eine Handvoll Wanderer unterwegs und die Landschaft wirkt leer und unberührt. Entlang des Weges grasen immer wieder einige Alpacas , die sich von den Wanderern unbeeindruckt zeigen. Ein bisschen muss ich an meinen damaligen Annapurna-Trek in Nepal zurückdenken. Eine ähnliche Ruhe wie damals umgibt mich. Und wie damals steige ich auch gemeinsam mit einem Nepalesen zum Gipfel auf, den ich im Bus kennengelernt habe. Was für ein Zufall... 😀

    Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir bereits den Gipfel. Die letzten 100 Meter waren tatsächlich nochmal steil und auch ich beginne heftig zu schnaufen. Auch wenn die Hänge nicht extrem steil abfallen, wird mir durch die Höhe und den Sauerstoffmangel doch ein wenig schwindelig. Meine Beine zittern etwas, als ich mich die letzten steilen Meter über einen Kamm zum Gipfel kämpfe. Ich atme tief durch und versuche mich auf den Weg zu fokusieren. Schließlich erreiche ich als einer der ersten den ersehnten Gipfel. Bis hierhin habe ich die Regenbogen-Landschaft noch gar nicht intensiv beachtet, zu sehr war ich mit mir selbst beschäftigt. Doch dann, am Gipfel angekommen, drehe ich mich um und da liegt er vor mir, der farbige gestreifte Regenbogen-Berg, den ich in den letzten Tagen schon so oft auf den Plakaten der unzähligen Reiseagenturen in Cusco gesehen habe. Sieht unwirklich aus, so künstlich, wirklich einmalig, was die Natur geschaffen hat. Trotz dieser wirklich beeindruckenden Ansicht, muss ich dennoch gestehen, dass ich nicht vollständig von diesem Moment überwältigt bin. Vielleicht habe ich einfach schon im Vorfeld zu viele Bilder dieses Panoramas im Kopf gehabt, die sich in diesem Moment lediglich in der Realität bestätigen. Manchmal kann man einfach nicht genau sagen, warum es einen in einem Moment emotional packt und im anderen etwas kalt lässt. Aber egal, ich genieße so oder so die Aussicht und schieße natürlich meine Fotos für die Ewigkeit. Das ist es doch, warum die meisten hier sind... 😉

    Nach einer knappen halben Stunde treten wir bereits wieder den Rückweg an. Eine kleine Gruppe (mich eingeschlossen) darf noch einen kurzen Abstecher zum Red Valley machen. Nach einem Umweg von ca. 20 Minuten über den benachbarten Bergkamm können wir in das benachbarte Tal blicken, dessen Anblick dem Regenbogen-Berg nur wenig nachsteht. Eine intensiv rote Felslandschaft, überzogen von einem satten Grün liegt uns zu Füßen. Wunderschön. (Die Naturwissenschaftler werden es wahrscheinlich schon erraten haben: in diesem Tal ist der Felsen hauptsächlich von dem rötlich schimmernden Eisen durchzogen 🙂).

    Beim Abstieg (so gegen 8:30 Uhr) werden wir dann schließlich Zeugen, warum das frühe Aufstehen tatsächlich so notwendig war. Herrscharen von hunderten Ausflüglern kommen uns schnaufend, schwitzend, schmerzverzerrt entgegen. Nicht jeder von ihnen wird den Aufstieg heute schaffen, das kann ich unschwer erkennen. Die Einheimischen eilen immer wieder mit Pferden herbei und bieten ihre Dienste an. Aber auch diejenigen, die im Laufe des weiteren Morgens den Gipfel noch erreichen werden, werden wohl eher ernüchtert sein. Wolken ziehen bereits auf und werden die Farbenpracht des Regenbogen-Berges erheblich trüben. Die einzigen Farben die später wahrscheinlich in Vielzahl erstrahlen werden, sind wohl die unzähligen kunterbunten Daunenjacken der sich zusammendrängenden Menschenmenge am Gipfel. Ich bin froh, dass mir das erspart bleibt. Ein weiteres Mal ein Hoch auf uns Frühaufsteher 😁
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  • Day135

    Wenn ich ein Vöglein wäre...

    May 12 in Peru ⋅ ⛅ 15 °C

    Hui, das geht aber ganz schön steil runter. Sehr steil sogar. Ich blicke in ein tiefes Tal hinunter, welches mehr als 1000 m (!!!) unter mir liegt. Etwas schwindelig wird mir bei dem Anblick schon, meine Höhenangst kann ich nicht gänzlich verstecken. Aber dann fokussiere ich meinen Blick wieder nach vorne, ich bin zum Glück abgelenkt. In nur knapp 10 Meter Entfernung befindet sich ein scharfer Felsvorsprung direkt über dem Abgrund. Und auf diesem Felsen sitzt es friedlich, dieses absolut majestätische Tier, der größte Vogel unserer Erde, stolz, fast regungslos. Wie aus einem Bilderbuch. Nur ab und zu bewegt es sanft seinen schmalen Kopf, begutachtet die Umgebung, zupft sich mit seinem Schnabel die Federn zurecht und wartet auf den richtigen Auftrieb, um in die Lüfte zu steigen. Um mich herum Stille, leises Flüstern, Spannung, alle warten auf den ersten Flügelschlag. Ich bin nicht alleine, viele Reisende haben sich an diesem frühen Morgen an diesem Ort versammelt, um dieses wundervolle Naturereignis zu erleben. Die meisten befolgen brav die Anweisungen ihrer Guides, möglichst still zu sein, um die Tiere nicht zu verschrecken. „Silencio!!!“ ruft immer wieder einer der Besucher in die Menge, als im Hintergrund mal wieder ein paar ältere Amerikanerinnen wie die Hühner vor sich hergackern. Unbelehrbar. Dann ist es endlich soweit. Der Condor bringt sich in Position, öffnet seine meterbreiten Flügel und stürzt in die Tiefe. Doch der Fall ist kurz, der Auftrieb packt ihn instantan und lässt ihn elegant durch die Lüfte gleiten, scheinbar mühelos und ohne Kraftaufwand. Ein Staunen der Ehrfurcht geht durch die Menge. Die Szenerie könnte kaum packender sein, als der Condor durch den tiefen Canyon schwebt und seine Runden vor den gigantischen Felswänden dreht. Immer und immer wieder dreht er in langen Bögen seine Runden durch das tiefe Tal, fliegt teilweise in nur wenigen Metern Abstand an uns vorbei und über unsere Köpfe hinweg. Dann sichten wir weitere Condore, zwei, drei, teilweise bis zu zehn Condore, die sich hier für ihren Frühsport versammelt haben. Ein absolut unvergesslicher Anblick! Was muss es wohl für ein Gefühl sein, einmal so durch die Lüfte zu schweben...

    Ich habe einen zweitägigen Ausflug zum Colca Canyon gebucht, der zweittiefste Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon). An seiner steilsten Stelle erreicht der Abgrund eine Tiefe von knapp 1200 Metern, insgesamt erhebt sich das Gebirge um den Canyon herum auf bis zu mehr als 4500 Metern. Durch das Tal schlängelt sich der Rio Grande, der diese Landschaft mühselig über Millionen von Jahren geformt hat. Alles hier ist grün, ganz anders als man das von den roten Felswänden am Grand Canyon kennt. Die Inkas haben dieses Land bereits vor hunderten von Jahren bewohnt und bewirtschaftet. Überall sieht man noch die Vermächtnisse dieser bemerkenswerten Kultur, insbesondere in Form der vielen Terrassen, die in die steile Landschaft geformt wurden, um bewirtschaftbare Fläche zu vergrößern. Noch heute lebt die Region hauptsächlich von der Landwirtschaft und natürlich vom Tourismus. Besonders letzteren spürt man deutlich. An jedem Ausblickspunkt reihen sich die Souvenirstände, verwaltet von peruanischen Frauen in traditioneller Tracht, meist begleitet von einem süßen bunt geschmückten Alpaca, um den Kaufwillen der vielen Ausflügler positiv zu beeinflussen. Ich kann zum Glück den süßen Blicken der Alpacas gerade noch widerstehen und verlasse den Colca Canyon mit leeren Einkaufstüten 😀 (bei allen Überfluss an Souvenirs muss man den Verkäuferin aber auf jeden Fall zu Gute halten, dass alle sehr freundlich und nicht aufdringlich sind. Wer nichts kaufen mag, wird auch in Ruhe gelassen...).

    Wir sind bereits gestern Nachmittag in Chivay, der kleinen kommunalen Hauptstadt der Region angekommen, mit unserem kleinen Reisebus angekommen, der uns in knapp 5 Stunden Fahrt aus Arequipa über vulkanische Hochebenen hierher befördert hat. Meine Reisegruppe besteht aus 80% Asiaten, die überwiegend mit sich selbst beschäftigt sind. Aber ich finde Anschluss bei zwei jungen Holländerinnen, mit denen ich den Großteil des Ausflugs gemeinsam verbringen werde. Die kurvige Busfahrt und der mangelnde Sauerstoff in zwischenzeitlich 5000 Metern Höhe fordert allerdings seinen Tribut und einige der Fahrgäste müssen sich spontan im Bus übergeben. Lecker!!! Zumindest die Plastiktüte hat gehalten. Nicht jeder ist halt wie ich bereits aus den vergangenen Wochen an die Höhe gewöhnt und knabbert so diszipliniert wie ich kontinuierlich Coca-Blätter 😄

    Der gestrige Nachmittag verlief entspannend. Nachdem ich auf den Ausflug zu den heißen Quellen verzichtet habe (heiße Quellen hatte ich jetzt schon ein paar Mal auf meiner Reise und es war ja auch warm genug draußen 😉), habe ich mich alleine auf den Weg gemacht, um das Dorf und die Umgebung etwas zu erkunden (die beiden Damen wollten lieber etwas relaxen, da ihnen die Höhe etwas zu schaffen macht). Ich schlendere also ein bisschen durch den idyllischen Ortskern, entdecke auf einem kleinen Inka-Trail eine hohe Inkabrücke und ein paar alte Ruinen und lasse mir von einem Einheimischen ein bisschen was zur Inkageschichte erzählen (und versuche so gut wie geht seinen spanischen Erläuterungen zu folgen). Am Abend wartete dann noch ein lokales Essen mit traditioneller Musik und Tanz auf uns. Mit ca. 20 Gästen wirkte das große Lokal etwas verlassen, aber die Musiker und Tänzer haben ihr bestes gegeben, trotzdem die Stimmung ein wenig anzuheizen (was auch bitter nötig war, denn der Speisesaal war natürlich mal wieder eiskalt). Um die Künstler entsprechend zu würdigen, bin ich dann nach jedem Stück der Aufforderung brav nachgekommen, doch gerne Fotos zu machen. Ich habe das als wertschätzend empfunden 🙂 Zu guter letzt bin ich dann auch nicht drumherum gekommen, mir zum Abschluss noch ein peruanisches Gewand überzuwerfen und fröhlich im Kreis mitzutanzen. Was tut man nicht alles zur Völkerverständigung... aber war schon auch ganz lustig 😄

    Heute hieß es dann aber mal wieder früh aufstehen, 5 Uhr morgens Frühstück. Wer denkt, Reisen wären rein erholsam, den kann ich gerne eines besseren belehren 😉 Viele Naturereignisse lassen halt nicht auf sich warten, so auch unser heutiges Ziel, das Cruz de Condor, ein Ausblickspunkt, Heimat von etwa 30 Condoren, die hier täglich zwischen 8 Uhr und 10 Uhr ihren Frühsport absolvieren, bevor sie auf Nahrungssuche gehen und bis zu mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Am Morgen scheint nämlich außerdem die Thermik besonders günstig zu sein, so dass die bis zu 14 kg schweren Tiere trotz ihres stolzes Gewichts mit äußerst geringem Aufwand durch die Lüfte gleiten können. Trotz des eher bewölkten Wetters am heutigen Morgen, werden wir nicht enttäuscht und erleben das absolute Highlight dieser Tour.
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  • Day133

    Weisse Stadt auf schwarzem Pulverfass

    May 10 in Peru ⋅ ⛅ 22 °C

    Zwischenstopp in Arequipa, der angeblich schönsten Stadt Perus. Auch wenn ich Arequipa hauptsächlich als Sprungbrett für den Ausflug zum Colca Canyon nutze, habe ich einen vollen Tag eingeplant, um Arequipa an sich kennenzulernen. Da ich aus Puno mit dem Nachtbus angereist bin, stehe ich bereits um 6 Uhr morgens mit meinem Gepäck in meiner Bleibe für die kommenden 3 Tage (von denen ich allerdings 1 Nacht am Colca Canyon verbringen werde). Ich habe einen guten Griff mit der Auswahl der Unterkunft gemacht. Circa 10 Minuten zu Fuß vom Hauptplatz und geschäftigen Treiben der Stadt entfernt, hat mein Casa del Leonardo einen schönen ruhigen Innenhof und ein für meine Verhältnisse gemütliches Zimmer (dass die Dusche mal wieder nur lauwarmes Wasser ausspuckt, nehme ich inzwischen schon kommentarlos hin). Als Frühaufsteher habe ich heute also ausreichend Zeit für die Stadtbesichtigung und was könnte sich da mehr anbieten, als eine Free Walking Tour zu machen (eigentlich ist der Begriff „Free“ Walking Tour etwas irreführend, denn die Guides geben häufig schon zu Beginn der Tour zu verstehen, welches Trinkgeld sie etwa erwarten. Dennoch sind die Touren mit einem Trinkgeld von meist nur wenigen Euro eine kostengünstige Möglichkeit, in kurzer Zeit die Stadt kennenzulernen).

    Die Tour ist gut besucht und wir ziehen mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten um die Häuser Arequipas. Der Guide macht seine Arbeit anständig und ich erfahre eine ganze Menge über die Geschichte der Stadt, deren Stadtbild hauptsächlich durch den Einfluss der spanischen Eroberer geprägt ist: Katholische Kirchen, pompöse koloniale Gebäude und Plätze sowie geradlinige Gassen. Ich fühle mich ein wenig in die schönen spanischen Städte wie Valencia, Salamanka oder Barcelona versetzt. Interessant finde ich übrigens den Ursprung des Namens Arequipa. Dieser ist abgeleitet aus dem Quechua (die ursprüngliche Sprache der Inkas), und zwar von dem Wort „are quepay“, was soviel heißt wie „Ihr dürft bleiben“. Dies soll nämlich der damalige Inka-Herrscher den Spaniern mitgeteilt haben, als diese zu dieser Zeit noch „friedlich“ ins Gebiet des heutigen Arequipa einmarschiert sind. Hätte der Inka-Herrscher geahnt, dass die Spanier wenige Jahrzehnte später das größte südamerikanische Reich der Geschichte gewaltsam für sich beanspruchen, hätte die Stadt wohl heute anders geheißen 😉 Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt, nicht nur wegen des hellen Vulkansteins, der die Gebäude erstrahlen lässt, sondern hauptsächlich auf Grund der Herkunft vieler Einwohner, die hauptsächlich aus europäischen Ländern und daher überwiegend weiße Hautfarbe tragen. So beschaulich und freundlich Arequipa wirkt, so sehr täuscht doch der friedvolle Eindruck, denn die Lage könnte geographisch kaum gefährlicher sein. Erbaut am Rand zweier tektonischer Platten wird es immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht, das letzte katastrophale erst 2001 mit einer Stärke von knapp 8 auf der Richterskala. Nur die massive koloniale Bauweise mit schwerem Stein und stabilen Rundbögen konnte hier bisher eine vollständige Zerstörung der historischen Gebäude verhindern. Zudem ist Arequipa umringt von drei der größten Vulkane Perus, davon einer noch aktiv. Der letzte große Ausbruch ist erst 250 Jahre her. Wer weiß also, wann dieses Pulverfass mal wieder richtig explodieren wird? Die Gefahr aber mal außer Acht gelassen, verschaffen die Vulkane auf der anderen Seite Arequipa gerade erst diesen einmaligen Ausblick im Hintergrund in nahezu alle Himmelsrichtungen. Schönheit und Gefahr liegen doch manchmal so eng beieinander 🙂

    Unsere Stadtführung macht zu guter letzt auch noch einen kurzen Abstecher an der handwerklichen Wollfabrik für Alpaca-Wolle. Ich lerne hier nochmal die wesentlichen Qualitätsunterschiede von der Wolle kennen, lerne, dass Alpaca-Wolle besser ist als Lama-Wolle (die kratzt 🙁), dass ich mir Viscuna-Wolle wohl nie leisten werde können und dass nicht überall Alpaca drin ist, wo Alpaca drauf steht 😂 Hier im „Factory Outlet“ kann ich mir aber der Qualität gewiss sein, und da aufgrund des Muttertages (Danke Mama! 🙂) auf alles ein 50% Rabatt gegeben wird, sichere ich mir doch glatt ein schönes Baby-Alpaca Stöffchen für zu Hause. Alles richtig gemacht... 🙂

    Der Tag neigt sich dem Ende und wie könnte ich ihn besser abschließen als auf einer der Roof-Top Bars den Sonnenuntergang mit einem Pisco Sour an mir vorbeiziehen zu lassen. Lisa, meine amerikanische Bekannte, begleitet mich noch ein letztes Mal an diesem Abend und stößt zum Abschied mit mir an. Sie wird morgen nach Cusco weiterziehen und dann in ihre Heimat zurückkehren. So ist das mit den Reisenden: kaum Bekanntschaft gemacht, trennen sich die Wege auch schon wieder. Aber Lisa scheint mir eine treue Seele zu sein und ich denke, wir werden in Kontakt bleiben. Einen Kontakt in den USA zu haben, kann sicherlich nicht schaden... 😊
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  • Day132

    Fussball spielen auf schwimmenden Inseln

    May 9 in Peru ⋅ ⛅ 15 °C

    Ich blicke aus dem linken Fenster unseres Ausflugsbootes. Auf einem mehrere Meter hohen Bambusgeflecht befindet sich ein kleiner improvisierter Fussballplatz mitten auf dem Titicaca-See. Die Grenzen des Platzes sind auf natürliche Weise durch den Uferrand der schwimmenden Insel vorgegeben. „Das Spiel muss hier häufig unterbrochen werden...“ informiert uns unser Guide. Nämlich praktisch immer dann, wenn der Ball im aus landet und man den Ball mit einem kleinen Boot wieder aus dem Wasser fischen muss. Ich wundere mich da kaum, dass es Bolivien noch nicht zur Weltmeisterschaft geschafft hat... 😂

    Ich befinde mich wenige Kilometer vor der Küste der peruanischen Hafenstadt Puno auf dem Lake Titicaca. Für heute steht ein Tagesausflug zu den Floating Islands an, die inzwischen den Schutz des UNESCO-Weltkulturerbe genießen. Auf etwa 90 schwimmenden Inseln lebt hier eine peruanische Gemeinschaft von etwa 2000 Einwohnern. Es gibt eine Schule, Kindergarten, ein kleines Krankenhaus, ein paar Werkstätten, ein Verwaltungsgebäude, einen kleinen Marktplatz, usw.. Also praktisch alles, was ein kleines Dorf benötigt um autark zu sein. Die Einwohner haben das Recht, jederzeit ihre Landfläche zu erweitern. Wie wir erfahren, werden hierzu viele Erdblöcke zusammengebunden und mit einer ganzen Menge Bambus aufgestockt, um sowohl den benötigten Auftrieb als auch eine Feuchtigkeitsisolierung zu gewährleisten. In ca. 6 Monaten kann mit dieser Technik dann eine neue schwimmende Insel geschaffen werden, auf der dann primitive Hütten für Familien errichtet werden können.

    Als wir unseren Ausflug im Hafen von Puno starten, merke ich schnell, dass die Floating Islands inzwischen vom Massentourismus überschwemmt werden. Zig Boote schwärmen gleichzeitig zu den Inseln aus, und das im 2-Stunden-Takt. Auf der Insel winkt uns bereits die ansässige Familie freundlich zu und begrüßt uns mit einem traditionellen Lied. Dann erfahren wir die wesentlichen Informationen zur Entstehung der Inseln und zur Lebensweise der Familien und besichtigen ihre kleinen Hütten. Im Anschluss werden dann natürlich einige Tische mit Souvenirs ausgebreitet, mit der Bitte die Familien mit einem Kauf zu unterstützen. Abschließend werden wir dann noch für 10 Minuten in einem traditionellen Reed-Boot chauffiert (natürlich gegen einen extra Obulus) und nach einer knappen Stunde ist das Spektakel dann auch schon vorbei. Auch wenn die Einwohner sehr freundlich und die Floating Islands durchaus auch interessant waren, stehe ich solchen inszenierten Ausflügen etwas skeptisch entgegen. Umso besser, dass wir unseren Ausflug noch auf die Insel Taquile fortsetzen, die ähnlich schön wie die Isla Del Sol ist und abseits des Massentourismus liegt. Neben einem schönen Spaziergang und einem Mittagessen erfahren wir hier einiges über die Sitten und Bräuche der Einwohner. Die Menschen hier verbringen insbesondere viel Zeit mit dem Weben von Mützen und Gürteln. In Erinnerung bleibt mir ein schönes Hochzeitsritual, bei dem die Gürtel von Mann und Frau als Zeichen der Vereinigung vom Ehemann zusammengebunden werden und anschließend von ihm ähnlich wie ein Ehering getragen werden. Übrigens lässt sich auch am Muster der Mützen (die hier jeder Mann trägt) erkennen, ob er noch Single ist. Praktisch, eine etwas andere Form der Partnerbörse. Anscheinend wird hier noch nicht „getindert“ 😂

    Ich bin jedenfalls froh, mich heute für einen Tagesausflug entschieden zu haben, um dem eher hässlichen Puno entfliehen zu können. Ganz anders als Copacabana lädt Puno so gar nicht zum Verweilen ein: laut, viel Verkehr, dunkel. Manchmal setzt sich auch einfach der erste Eindruck fest, aber ich habe mich von Anfang an nicht wohl gefühlt, als ich gestern Abend im Dunkeln und im Regen vor meinem wenig einladenden Hostal herausgelassen wurde. Das Zimmer ist zwar sauber, aber äußerst spartanisch, in die Jahre gekommen, kalt und dunkel. Ich war froh, am Abend schnell eingeschlafen zu sein und am frühen Morgen das Zimmer wieder verlassen zu können. Mit 19 Euro die Nacht war es sogar etwas teurer als meine schöne Unterkunft an der Copacabana, an die ich bereits jetzt wehmütig zurückdenke.

    Immerhin der Grenzübergang von Bolivien nach Peru verlief zuvor heute Nachmittag überraschend reibungslos. Ich war fast verwundert, dass die Abfertigung digital und mit Webcam verlief, fast schon europäischer Standard 😉 Meine Freude, als ich meinen Fuß auf peruanischen Boden gesetzt habe, war allerdings nur von kurzer Dauer. Verdammt, ich habe meine Jacke im Bus gelassen. In der Ferne sehe ich, wie dieser bereits wieder die Rückreise nach Copacabana angetreten hat. Noch zuversichtlich darüber, dass mir die Jacke in den nächsten Tagen nachgesendet werden kann, informiere ich sofort unseren neuen peruanischen Guide. Leider erfahre ich am nächsten Morgen per e-mail, dass meine Jacke nicht gefunden wurde. Ich werde mit dem Verlust leben müssen, aber die Situation ist schon etwas seltsam. Als ich dann am Abend meine Tasche auspacke, muss ich einen weiteren Verlust feststellen. Ich habe mein praktisches Campinggeschirr in meinem Zimmer in Copacabana liegen lassen. Auch hier wurde auf Nachfrage bei der Unterkunft leider nichts gefunden. Äußerst merkwürdig. Ein rabenschwarzer Tag für mich. Wenn Susi noch bei mir gewesen wäre, wäre mir das sicher nicht passiert. Ich vermisse das Vier-Augen-Prinzip 😔 (@Susi: immerhin habe ich meine Sonnenbrille noch nicht verloren... 😉). Ich versuche den Verlust schnell abzuhaken und drücke fest meine Daumen, dass ich für den Rest meiner Reise von ausgiebigen Regenfällen verschont bleibe und auf meine schöne Regenjacke verzichten kann. Zumindest reise ich jetzt mit leichterem Gepäck 😄
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  • Day131

    Hop Off an der Copacabana

    May 8 in Bolivia ⋅ ☀️ 10 °C

    Nein, ich befinde mich nicht an der weltberühmten Copacabana in Rio de Janeiro, sondern im kleinen beschaulichen gleichnamigen Dörfchen am Titicacasee an der Grenze zwischen Bolivien und Peru. Die Sonne scheint, das tiefblaue Wasser reicht bis zum Horizont, an der kleinen steinigen Hafenbucht lässt sich aus einer der vielen Bars und Cafés wunderbar das Treiben der Fischerboote und Ausflugsboote beobachten. Alles wirkt wie an einem kleinen südeuropäischen Dörfchen irgendwo am Mittelmeer. Kaum vorstellbar, dass ich mich gerade auf knapp 4000 m Höhe befinde und auf den höchsten schiffbaren See der Welt blicke.

    Seit heute hat für mich erstmal eine neue Form des Reisens begonnen. Nicht nur, weil ich ja leider seit nunmehr einer knappen Woche auf mich alleine gestellt bin und ich auf die wunderbare Begleitung von Susi verzichten muss, sondern auch weil ich die nächsten Tage hauptsächlich mit Bus unterwegs sein werde. Mein Ziel ist es, in circa einer Woche in Cusco zu sein. Fliegen war mir zu teuer und ich hatte außerdem das Gefühl, dass ich bei einem zweistündigen Flug, einen Großteil des schönen Boliviens und Perus mit Sicherheit verpassen werde. Eher zufällig bin ich bei meiner Reiseplanung auf das junge Unternehmen „Bolivia Hop“ gestoßen. Dieses Busunternehmen wurde von einigen jungen Iren gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt haben, für Reisende (und insbesondere auch für nicht spanisch sprechende Reisende wie mich) eine sichere Form des Reisens zu schaffen, um die Schönheit Boliviens und Perus ohne Bedenken in vollen Zügen genießen zu können. Schaut man nämlich in diverse Reiseberichte oder auch auf die Seite des auswärtigen Amtes, so wird immer wieder vor dem Risiko einer Busreise in diesen beiden Ländern gewarnt: unverantwortliche Busfahrer mit halsbrecherischem Fahrstil, Überfälle und sogar Entführungen von Reisebussen, Diebstahl von Gepäck, usw. . Mit „Bolivia Hop“ soll man sich über solche Ereignisse keine Gedanken machen müssen. Das Unternehmen stellt sichere bequeme Busse mit zuverlässigen Fahrern und jede Fahrt wird von einem lokalen englischsprachigen Guide begleitet, der jederzeit unterstützen kann (z.B. beim Grenzübergang, bei der Organisation von Hostels oder Ausflügen, usw.). Als Sahnehäubchen wird eine flexible Form des Reisens ermöglicht, da man an verschiedenen reizvollen Orten jederzeit aus- und zusteigen kann (Hop-on / Hop-off System) und die Aufenthaltsdauer an jedem Ort Reise und spontan wählen kann. Zudem wird der Austausch und Kontakt zwischen den Reisenden gefördert, so dass man relativ schnell Anschluss findet (sofern man das möchte). Für die insgesamt knapp viertägige Busstrecke von La Paz nach Cusco zahle ich gerade mal 79 Dollar. „Kannste nix sagen“ (um es in den Worten von Susi auszudrücken) 🙂

    Mein erster Eindruck von „Bolivia Hop“ ist durchaus positiv, als ich früh morgens in La Paz den Bus betrete. Bequeme Sitze, ordentliche Beinfreiheit, sehr gemischte Altersklasse von 18 bis 65. Die Guides sind freundlich, auch wenn sie für meinen Geschmack manchmal etwas übertrieben cool wirken wollen. Jeder Satz beginnt mit „My friends,...“ und beim dritten Mal hat es dann hoffentlich auch jeder verstanden, dass die Toiletten nur für „Number One“ sind 😂 Im Bus treffe ich auch Christoph, einen Winzer aus Koblenz, wieder, mit dem ich gestern in La Paz gemeinsam die Stadtführung gemacht habe. Anscheinend hat ihm mein Tipp mit Bolivia Hop zugesagt und wir werden somit auch die nächsten beiden Tage gemeinsam auf den Ausflügen unterwegs sein. Christoph ist bereits seit zwei Jahren auf Reisen und mir sehr sympathisch , da er nicht wie viele andere Reisende von sich aus losschießt, was er ja schon alles Tolles erlebt hat. Ich denke, wir werden auch in Deutschland in Kontakt bleiben. Zu unserem kleinen elitären Kreis gesellt sich noch eine etwas ältere Amerikanerin aus Pensylvenia (wahrscheinlich so Mitte 50, aber jung geblieben), die sehr aufgeschlossen und ebenfalls froh über Anschluss ist.

    Nach wenigen Stunden Busfahrt und einer kurzen Überquerung des Titicaca-Sees auf einem Holzfloß (!!!) erreichen wir unser erstes Ziel. Copacabana entpuppt sich als absolut positive Überraschung für mich. Ich bin ohne Erwartungen angereist, aber ich fühle mich von Anfang an wohl. Das liegt mit Sicherheit auch am sonnigen warmen Wetter, an der schönen Szenerie mit Blick auf den See, den überschaubaren Gassen mit netten Bars und Restaurants und auch an meiner Unterkunft, die ein echter Glücksgriff ist. Für knapp 17 Euro die Nacht habe ich ein schönes geräumiges Einzelzimmer und kann in den Hängematten des kleinen schön gepflegten Gartens verweilen. Highlight ist die kleine Alpaca-Familie, die den Garten mit mir teilt und mich freundlich begrüßt. Ich könnte stundenlang einfach nur hier „abhängen“ und das Treiben dieser putzigen Tiere beobachten (übrigens scheinen sie den Rasen auf perfekter Länge zu halten, besser als jeder Rasenmäher. Vielleicht eine Überlegung für zu Hause wert... 😉).

    Am Nachmittag erwartet mich dann noch eine kleine Bootstour zur Isla del Sol, der angeblichen Geburtsstätte der Inkas. Hier soll der Sonnengott die ersten Inkas erschaffen haben, Auf der Insel befindet sich daher auch ein kleiner Inka-Tempel zu Ehren des Sonnengottes, eine schnörkellose Steinhütte, die für meinen Geschmack wenig spektakulär ist (dafür, dass hier der Ursprung des Inka Reiches war?!). Der Ausflug ist trotzdem schön, ein kleiner einstündiger Spaziergang mit doch recht steilem Aufstieg (auf 4000 m muss man da schon etwas mehr Luft holen) verschafft uns ein tolles Panorama über die Insel, welche mich ein wenig an die schönen Mittelmeerinseln Griechenlands erinnert.

    Am späten Nachmittag wieder zurück in Copacabana beschließen Christoph und ich, den Abend mit einem kühlen Bierchen auf einer Anhöhe neben der Hafenbucht abzuschließen, ein Tipp von Christophs Superhost Maria für einen wunderbaren Sonnenuntergang. Es heißt also nochmal tief durchatmen und die steilen Treppen auf einen hohen Felsen erklimmen. Wie so oft in Südamerika werden wir bei unserem Ausflug von einem treuen Straßenhund begleitet, der immer wieder geduldig auf uns wartet. Der Aufstieg lohnt sich. Auf dem Gipfel befindet sich eine kleine Kapelle, mehrere große geschmückte Kreuze und Marienstatuen (wie ich später erfahre, ist dieser Gipfel ein wichtiger Wallfahrtsort der Katholiken in Bolivien). Und wir haben natürlich auch einen wunderbaren Ausblick auf Copacabana und den riesigen Titicaca-See. Ich kann immer noch nicht realisieren, dass wir auf 4000m sind. Tief unter uns können wir die kleinen Bootchen verfolgen, die friedlich ihren Weg zwischen der Isla Del Sol und Copacabana absolvieren. Ein chilenisches Pärchen nimmt auf den Stufen vor uns Platz und gibt melodische Gitarrenmusik mit Gesang von sich, welche nur kurz vom erfrischenden Zischen beim Öffnen unserer Bierdosen unterbrochen wird. Ein meditativer Ort, der mir in Erinnerung bleiben wird.
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  • Day129

    Wahrsagung auf über 4000 Metern

    May 6 in Bolivia ⋅ ⛅ 15 °C

    Die ältere Schamanin grinst mich mit ihrem Metallgebiss an. Dann greift sie in eine Tüte, nimmt ein Bündel Coca-Blätter heraus und wirft diese schwungvoll auf den Tisch. Anschließend schiebt sie einige Blätter nicht nachvollziehbar hin und her und betrachtet jedes einzelne Blatt kritisch. Während die Schamanin ihr Ritual verfolgt, werde ich von zwei dekorierten Totenköpfen aus einem Regal angeschaut. Schließlich haben die Coca-Blätter gesprochen, meine Zukunft wird bestimmt durch einige vertrocknete, angeknabberte Blätter. Die Schamanin lässt mich wissen, dass ich in nächster Zeit umziehen werde und meine Arbeit wechsele (tut mir leid Kollegen, aber so steht es in den Coca-Blättern 😂), und ich werde sehr zufrieden sein. Ich werde Susi heiraten und mit ihr sehr glücklich werden. „Meine Zukunft könnte schlechter aussehen“, denke ich. Ich verlasse recht zufrieden den kleinen Container der Wahrsagerin und kehre auf die Straßen von El Alto zurück. Meine Investition für diese Wahrsagung (10 Bolivianos = 1,50 Euro) hat sich gelohnt 😉

    Ich befinde mich auf über 4000 m im Stadtteil El Alto des höchsten Regierungssitzes der Welt. Eigentlich wollte ich La Paz nur durchreisen, nicht einmal einen Tag verbringen, da mein Bedarf an Großstadtatmosphäre erst einmal gedeckt ist. Letztlich hatte ich mich dazu entschieden, zumindest eine Nacht in La Paz zu verbringen, auszuschlafen und Energie für die nächste große Busreise Richtung Cusco zu sammeln. Da ich den Morgen bereits effektiv für meine weitere Reiseplanung genutzt habe, blieb mir noch ein freier Nachmittag, um zumindest einen kleinen Eindruck dieser außergewöhnlichen Metropole zu sammeln. Als ich mich von meinem Hostel auf die Straße begebe, bin ich sofort von der Lebhaftigkeit und dem schönen Ausblick positiv überrascht. Auf den Straßen wimmelt es von Fußgängern, die Straßen scheinen ein einziger großer Markt zu sein. Vor fast jedem Gebäude befindet sich ein Verkaufsstand mit den unterschiedlichsten Artikeln (Lebensmittel, Kleidung, Elektronik, Werkzeug, usw.), meist besetzt von einer recht korpulent wirkenden Bolivianerin in traditioneller bolivianischer Tracht mit typischem Zylinder (der Eindruck der etwas korpulenten Figur kann aber auch der weiten, aufgeblasenen Kleidung geschuldet sein 😊). Durch die überwiegend engen Gassen lässt sich immer wieder ein Blick auf die steilen Hänge von La Paz und die dahinterliegenden hohen Anden erhaschen. Über mir bewegen sich in schwindelerregender Höhe die farbigen Gondolas, die das Stadtbild so charakteristisch prägen. Diese Gondeln wurden seit 2014 in La Paz etabliert, um dem zunehmenden Verkehr durch die engen Straßen Herr zu werden und ersetzen hier praktisch die Metro in anderen Großstädten. Mehr als 10000 Menschen werden stündlich durch dieses Verkehrssystem transportiert.

    Um es mir leicht zu machen und um nicht im Großstadtdschungel verloren zu gehen, habe ich für heute Nachmittag eine Red Cap Walking Tour gebucht. Wir hatten in Valparaiso mit der Stadttour bereits eine gute Erfahrung gemacht und es erscheint mir als optimale Art und Weise in kurzer Zeit eine fremde Stadt zu erkunden. Auf unserer Route für heute steht ein Besuch des Friedhofs La Paz, eine Fahrt mit der Gondel zum Aussichtspunkt und Stadtteil El Alto (wo mir auch die Coca-Blätter meine Zukunft offenbaren), ein Besuch des Witches Markets (Hexenmarkt), sowie eine Einführung in die richtige Verwendung der Coca-Blätter. Unsere beiden Guides David und Roberto sind aufgeschlossen, freundlich und sehr informativ. Am Friedhof angekommen, erzählt uns David eine Menge über die Traditionen, Rituale und den Umgang mit dem Tod in Bolivien. Denn obwohl Bolivien überwiegend streng katholisch ist, vermischen sich die uns bekannten Bräuche mit den uralten Traditionen der indigenen Stämme. So erfahren wir, dass alle 5 Jahre die Grabstätte gewechselt werden muss, um Platz zu schaffen. Aus dem ursprünglich großen Sargophag werden dann vom Bestatter die Gebeine entnommen, zerkleinert und in einen kleineren Sargophag überführt. Bei dieser Handlung ist es zwingend empfohlen, dass der Vorgang von einem Angehörigen überwacht wird, denn allzugerne werden bei diesem Zeitpunkt Schädel entnommen, die dann gewinnbringend auf dem nächsten Markt verkauft werden. Schädel spielen in der Kultur eine wichtige Rolle. Die Tradition sieht vor, dass jede Familie einen Schädel bei sich zu Hause hat. Der Schädel repräsentiert den Geist, der über die Familie wachen soll. Für die schutzbringenden Dienste erweist man dem Schädel Gefälligkeiten, indem man ihn entsprechend schmückt. Der Schädel teilt übrigens dem Familienoberhaupt direkt mit, wie er geschmückt werden möchte (meine persönlich Vermutung ist, dass die Stimmen nur durch den übermäßigen Verzehr von Coca-Blättern hörbar werden 😉) . So findet man Schädel mit Perrücken, Hüten, Sonnenbrillen, Ketten, usw.. Es ist zwingend aufzupassen, dass man den Schädel nicht verärgert oder neidisch macht, indem man zum Beispiel seinen Kindern mehr Aufmerksamkeit widmet als dem Schädel selbst. Tritt eine solche Situation einmal ein, so muss man schnell zusehen, den Schädel wieder loszuwerden. Aus diesem Grund wird sicherheitshalber einmal jährlich der Schädel in einen Tempel zurückgebracht und gegen einen neuen getauscht. Verrückte und gespenstische Sache!!!

    Eine weitere angsteinflößende Geschichte erzählt uns David dann später auf dem Witches Market. Hier hängen an Buden ausgestopfte Baby-Lamas, Mumien, Knochen und andere okkulte Gegenstände, die man sich wahrscheinlich eher nicht ins Schlafzimmer stellen würde. David lässt uns wissen, dass es Brauch in Bolivien ist, vor dem Bau eines neuen Gebäudes ein Opfer zu erbringen und ein totes Baby-Lama im Fundament zu vergraben. Die erforderliche Größe des Baby-Lamas richtet sich dabei nach der Größe des Gebäudes. Eine (zum Glück nicht bestätigte) Legende besagt, dass für sehr große Bauten ein lebender Mensch im Fundament zu begraben ist, in der Regel ein Obdachloser von der Straße, der mittels Alkohol betäubt wird. Ich bin froh, dass es sich hierbei nur um eine Legende handelt (aber manches Mal ist ja auch ein Stückchen Wahrheit an jeder Legende...)

    Zum Abschluss unserer Tour bekommen wir dann noch einige Informationen zum Verzehr von Coca-Blättern. Diese werden hier für Pfennigpreise an jeder Straßenecke verkauft und von den Einheimischen in rauhen Mengen in Form eines Tees getrunken oder direkt gekaut. Sie sollen eine entspannende und zugleich aufputschende Wirkung haben. Ihre volle Wirkung entfalten sie allerdings nur durch die Zugabe einer kleinen schwarzen Wurzel, welche in Verbindung mit dem Speichel als Katalysator wirkt. David zeigt uns, wie wir aus den Coca-Blättern zusammen mit der kleinen schwarzen Wurzel eine Art Kaugummi bauen, welches wir dann anschließend leicht kauend in unserem Mund lutschen. Schmeckt gar nicht mal so schlecht, ein bisschen nach Spearmint. Eine große Wirkung spüre ich zwar nicht, finde aber diesen Gebrauch auch nicht unangenehm. Soll ja auch der Höhenkrankheit vorbeugen 😊

    Mein Tag in La Paz neigt sich dem Ende. Am Abend hole ich mir noch einen lokalen Snack zum Abendessen (eine Art Currywurst mit Pommes für etwa 1,50 Euro) und kehre zufrieden in mein Hostal zurück, um zu entspannen und mich auf die morgige Busfahrt vorzubereiten. Als ich auf meinem Zimmer bin, höre ich allerdings immer und immer wieder ein lautes Rumsen als ob hier ständig jemand auf den Boden knallt. Ich gehe auf Entdeckungstour und sehe schließlich aus meinem Treppenhaus, dass sich im Stockwerk unterhalb meines Zimmers eine Volleyball-Halle befindet, in der intensiv trainiert wird. Verrückte Sachen gibt es... Zum Glück endet das Trainingsprogramm gegen 20 Uhr und ich kann meine Nachtruhe ungestört genießen.

    La Paz wird mir in guter Erinnerung bleiben, insbesondere weil ich ohne jegliche Erwartungen und Vorurteile in die Stadt gekommen bin. Sicherlich eine Stadt, in der man auch mehrere Tage bequem verbringen könnte, ohne sich zu langweilen. Ich bin froh, zumindest diesen eintägigen Zwischenstopp eingelegt zu haben 🙂
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  • Day128

    Spieglein, Spieglein an der Wand...

    May 5 in Bolivia ⋅ ⛅ 13 °C

    Es gibt Orte auf dieser Welt, von denen man schon hunderte Fotos gesehen hat und bei denen es dann doch einem die Sprache verschlägt, wenn man sie mit eigenen Augen sieht. Es ist knapp 6 Uhr morgens, ich stehe barfuß in einige Zentimeter tiefen eiskalten Salzwasser, am Horizont drücken sich die ersten Sonnenstrahlen durch den dunklen Himmel und erzeugen ein bizarres Farbenspiel. Ich gehe einige Schritte, wate durch das Wasser versuche mich zu orientieren. Fast verliere ich das Gefühl, wo oben und unten ist, denn der Himmel mit seinen zerrupften Wolken spiegelt sich nahezu perfekt im seichten Salzwasser und verschleiert den Horizont. Es ist als stehe ich auf der Oberfläche eines Ozeans, in dem es absolut keinen Wellengang gibt. Um mich herum Stille, nur ein leises Flüstern, sonst Sprachlosigkeit und Ehrfurcht. Maximal ein leises Stöhnen ist hin und wieder zu vernehmen, weil das eiskalte Wasser einen tiefen Schmerz an den Füßen erzeugt.

    Ich befinde mich an einem der wohl unwirklichsten Orte dieser Welt in der weiten Salzwüste der Salar de Uyuni, welche sich über eine Fläche von knapp 10000 Quadratkilometer erstreckt. Eine endlose Weite aus strahlend weißem Salz. Nur schwach lässt sich am Horizont die umliegende Hügellandschaft erkennen, welche in knapp 50 km Entfernung liegt. Während der Regenzeit von Dezember bis Februar staut sich auf der Oberfläche der Salzwüste einige Zentimeter hoch Regenwasser und erzeugt einen nahezu perfekten Spiegeleffekt des Himmels. Die Chinesen scheinen die Salzwüste wohl auch gar nicht unter dem Namen „Salar de Uyuni“ sondern nur unter der Bezeichnung „Mirror of the Sky“ zu kennen. Wir haben Glück und sind praktisch zur besten Jahreszeit in der Salzwüste, denn das angestaute Wasser verdunstet in den Folgemonaten und ab etwa Mitte Mai ist die Salzwüste wieder komplett ausgetrocknet und zeigt sich dann in einer ebenfalls beeindruckenden endlosen weißen Landschaft. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es sowohl Bereiche der Salzwüste, die noch Wasser tragen, wie auch Bereiche, die bereits ausgetrocknet sind. Dadurch können wir im Laufe des Tages heute beide Landschaften bestaunen.

    Wir beziehen Stellung, nehmen unsere Posen ein und warten auf das Kommando von Magic Mike, der ein beeindruckendes Video von unserer Gruppe machen möchte. Langsam umrundet uns Mike mit seinem Jeep in einem großen Radius, während wir in unseren Posen verharren. Dann kommt das Kommando und wir wechseln schlagartig unsere Posen. Viermal umrundet uns Mike, minutenlang stehen wir im eiskalten Wasser, ertragen Schmerzen, fluchen. Was tut man nicht alles für ein tolles Video? Aber das Ergebnis ist beeindruckend. Im Zeitraffer wirkt die Szenerie wie eine moderne Computeranimation, absolut beeindruckend. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass hier nichts nachträglich bearbeitet wurde 😊

    Wir flüchten so schnell es geht wieder in den Jeep und versuchen das zu retten, was von unseren Füßen übrig geblieben ist. Es dauert eine gute halbe Stunde bis ich wieder alle Zehen spüre und der stechende Schmerz, als das Blut in die Füße zurückfließt, überstanden ist. Mike legt eine Modern Talking Playliste ein und wir lenken uns so gut es geht mit lauter Musik ab. Trotz Schmerzen ist die Stimmung super, denn wir alle sind noch voller Euphorie über das, was wir eben erleben durften. Unser nächster Stop ist eine kleine Insel inmitten der Salzwüste, die von abertausenden Kakteen besiedelt ist. Wenn man denkt, der Anblick könnte nicht noch unwirklicher werden, dann wird noch einer draufgesetzt. Während Mike unser Frühstück vorbereitet (mittlerweile ist es so etwa 8 Uhr), erkunden wir auf einem kleinen Rundweg die Insel und Freunden uns mit den stacheligen Gewächsen an.

    Gestärkt durch Müsli, Kuchen und Coca-Tee machen wir uns auf die nächste Etappe unserer heutigen Tour. Wir stoppen in einem weiten ausgetrockneten Bereich der Salzwüste, um lustige Fotos und Videos aufzunehmen. Denn durch die absolut flache gleichmäßig weiche Ebene, verliert man jegliches Gefühl für Größe und Entfernung. Bei richtig gewählter Perspektive lassen sich hierdurch sehr witzige Effekte erzielen. Magic Mike beweist sich als erfahrenen Regisseur, gibt uns Tips, dirigiert, filmt selbst, so dass wir ein paar großartige Aufnahmen in den Kasten bekommen und jede Menge Spaß haben. Super ist auch, dass wir absolut alleine in unserem Bereich sind und echte Einsamkeit spüren können. Denn obwohl die Salzwüste sicherlich die Touristenattraktion Nummer 1 ist, verteilen sich alle Touren wunderbar in der weiten Wüste.

    Unsere Tour neigt sich dem Ende und nach einem leckeren Mittagessen machen wir uns auf den Weg nach Uyuni, wo sich unsere Gruppe wieder trennen wird. Einen letzten Stop legen wir noch an dem „Train Cementery“ ein, einem Friedhof für alte Züge, der inzwischen eine weitere Touristenattraktion geworden ist und sich ideal für ein weiteres kleines Foto-Shooting eignet. Danach heißt es Abschied nehmen, Abschied nehmen von Magic Mike, Abschied nehmen von meiner Gruppe, die ich in den letzten tagen lieb gewonnen habe und die jetzt leider wieder ihre eigenen Wege gehen müssen. Wir werden in Kontakt bleiben und uns mit Sicherheit nochmal auf dieser Reise oder auf zukünftigen Reisen wiedersehen. Denn so groß unsere Welt auch ist, so überraschend ist es doch, dass man sich irgendwie doch immer wieder an den unterschiedlichsten Orten begegnet.

    Die letzten drei Tage waren intensiv, kurzweilig, spaßig und beeindruckend. Die knapp 200 Dollar für die Tour mehr als gut investiertes Geld für mit Sicherheit prägende und bleibende Erinnerungen. Am Abend setze ich mich schließlich in den Nachtbus nach La Paz. Meine Reise geht nun erstmal wieder alleine weiter...
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  • Day126

    Bouldern an steinigen Lavawänden

    May 3 in Bolivia ⋅ ☀️ 14 °C

    Immer wieder wache ich nachts auf, schnappe nach Luft, bin kurz außer Atem. Dann wieder Beruhigung, die Augen fallen zu, ich schlafe ein. Dieser Zyklus wiederholt sich die ganze Nacht über, bin wohl doch noch nicht völlig akklimatisiert. Schließlich befinden wir uns mittlerweile auf 4300 m. Aber ich kenne das ja schon von Nepal und bin nicht beunruhigt 🙂 Insgesamt schlafe ich sogar ganz gut, zugedeckt mit vier dicken Wolldecken (ich vermute Lama-Wolle). Um 8 Uhr gibt es Frühstück, eine humane Zeit. Ich fühle mich ausgeschlafen und bereit für Tag 2 unserer Tour... Laut Magic Mike stehen heute Steine auf dem Programm, dann nochmal Steine, und außerdem Steine 😀 Und am späten Nachmittag dann zur Belohnung einige lokale Bierchen aus Coca und Quiona. Meine Gruppe ist komplett, keine Verluste durch Höhenkrankheit, auch wenn Charlotte am Abend zuvor ganz schöne Kopfschmerzen und Übelkeit hatte. Lag aber sicher auch am kurvigen letzten Abschnitt unserer Fahrt (ich musste fest an Susi denken, die hier sicherlich auch kapituliert hätte).

    Bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel brechen wir auf. Laut Thermometer sind es gerade 2°C, aber durch die Sonnenstrahlen fühlt es sich angenehm an. Magic Mike hat nicht zuviel versprochen: wir klappern heute eine Felsformation nach der anderen ab, unter anderem den „World Cup“ und das „Kamel“. Aber uns wird nicht langweilig, wir klettern über die Steine, albern herum, machen lustige Fotos. Wir haben viel Spaß und die Fahrtstrecken sind heute angenehm kurz. Beeindruckend ist, dass alle Felsen vulkanischer Natur sind, erstarrte Lava sozusagen. Wenn man die weiten, hohe Felsenlandschaft sieht, kann man nur ansatzweise erahnen, welche Naturkräfte hier vor Millionen von Jahren gewütet haben müssen. Ein kurzer Stop an einem Canyon verschafft uns ein weiteres einmaliges Panorama. Grand Canyon lässt grüßen. Ich verzichte allerdings auf ein Selfie am steilen Abgrund. Meine Höhenangst sagt mir, dass ich auf dem Foto nicht lächeln würde 😊

    Zum Abschluss verspricht uns Magic Mike verspricht uns außerdem heute viele Lamas zu sehen. Ich bin skeptisch, den versprochenen Fuchs von gestern haben wir auch nicht gesehen und ich ziehe ihn mehrmals damit auf. Umso peinlicher ist es schließlich für Mike als die Lama-Weide, auf der angeblich normalerweise hunderte von Lamas grasen, ausgerechnet heute leer ist. Mike kann es kaum fassen. Wir geben nicht auf und fahren noch etwas weiter und schließlich treffen wir doch noch auf eine Lama-Gruppe. Also raus aus dem Auto und über die moosartige Weide, die von kleinen Bächlein und Teichen durchzogen ist. Charlotte hat es sich fest in den Kopf gesetzt ein Selfie mit einem Lama zu schießen und beweist vollen Einsatz. Zu großen Einsatz, denn beim Sprung über einen der Teiche unterschätzt sie die Entfernung und „Plumps“ landet bis zur Hüfte im matschigen Wasser. Dumm gelaufen und mit dem Selfie hat es trotzdem nicht geklappt 😂 Aber ein paar Lama Aufnahmen haben wir dann doch schließlich im Kasten...

    Der Tag neigt sich dem Ende. Wir machen wie versprochen noch einen Halt an einer Bier Bar in einem absolut verlassenen Ort und genießen unsere kühlen lokalen Bierchen. Insbesondere Coca Bier hat einen äußerst interessanten Geschmack, erinnert ein bisschen an Marihuana. Gewöhnungsbedürftig, aber soll ja gegen Symptome der Höhenkrankheit helfen 😄 Am Abend kehren wir dann schließlich in unsere Unterkunft ein. Sieht von außen aus wie eine Baustelle, aber innen dann überraschend schick. Ein schnuckeliges kleines Hotel aus Salzstein gebaut. Einen kurzen Moment überlege ich, ob ich mal bei den Stein lecken sollte, um mich von der Echtheit zu überzeugen, will mir dann aber doch nicht den Appetit verderben 😉 Nach einem leckeren Essen, chilenischen Wein und einer heißen Dusche geht es dann früh ins Bett. Oh mein Gott, morgen müssen wir um 4:30 Uhr aufstehen!!! Aber das nehmen wir gerne in Kauf. Uns erwartet ein einmaliger Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni 😀
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  • Day126

    Rosa Flamingos in roten Lagunen

    May 3 in Bolivia ⋅ ☀️ 13 °C

    Der bolivianische Grenzposten schaut mich recht grimmig an, als ich ihm meinen Reisepass reiche. Auch mein freundliches Lächeln mit einem gut gemeinten “Buenos Dias“ lockert die Situation nicht wirklich auf. Dann greift er schließlich zum Stempel und versieht meinen Pass mit dem erforderlichen Siegel ohne auch nur einmal ansatzweise in das Formular zu blicken, welches ich zuvor liebevoll in Druckbuchstaben ausgefüllt habe. Yippee, ich darf nach Bolivien einreisen. Draußen bildet sich vor der kleinen Containerhütte bereits eine lange Schlange von Einreisewilligen, denn es ist gerade Stoßzeit für alle Tourenbusse, die ihren Weg von San Pedro in Richtung der Salar de Uyuni suchen. Unser Bus ist extra früh bereits um 6 Uhr morgens gestartet, um den Grenzübergang als einer der ersten zu erreichen. Der Plan ist leider nur halb aufgegangen. Zwar waren wir einer der ersten Busse auf dem Weg, mussten dann allerdings an einer Straßensperrung stoppen und eine gute Stunde warten, bis sich die chilenischen Caballeros schließlich aus ihrem Auto erhoben haben, um die Schranke zu öffnen (obwohl sie schon mindestens eine halbe Stunde davor in ihrem Auto gewartet hatten!!!). Ilse (eine Mitreisende aus Holland) erzählt mir, dass sie vor zwei Jahren auch ca. zwei Stunden warten mussten, weil der Grenzübergang anscheinend zugeschneit war. Als sie dann aber später am Grenzübergang ankamen, gab es kein Anzeichen von Schnee und die Grenzposten waren gerade dabei, eine Partie Tischtennis zu spielen. Hier weht halt doch ein anderer Wind... 😉

    Ich habe heute morgen meine dreitägige Tour von San Pedro zu der berühmten Salzwüste Boliviens gestartet. Ab jetzt leider wieder alleine, da Susi am gestrigen Tag wieder die Heimreise nach Deutschland angetreten hat und ich mich schweren Herzens erstmal von ihr verabschieden musste. Nach all der langen intensiven Zeit, die wir in den letzten Monaten miteinander verbracht haben, wird dies sicherlich eine Umstellung für mich sein und ich fühle mich noch ein wenig unsicher, was mich die nächsten Wochen erwarten wird. Zum Glück habe ich eine nette Gruppe für meine Tour erwischt: ein Pärchen aus Holland (Florian + Ilse), ein Pärchen aus England (Charlotte + Dan) (beide Paare etwa in meinem Alter) und ein junger Kerl aus Hong Kong. Alle sind sehr aufgeschlossen und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut (und wir werden auch eine fantastische Tour miteinander verbringen 🙂). Mit unserem Guide haben wir ebenfalls mitten ins Schwarze getroffen: “Magic Mike” spricht sehr gut Englisch, ist lustig und ein guter verantwortungsvoller Fahrer. Insbesondere trinkt er während der Arbeit keinen Alkohol (was wohl bei den Fahrern hier nicht unbedingt selbstverständlich ist). Bereits im Vorfeld hatte ich schon einige ausgezeichnete Bewertungen über ihn bei TripAdvisor gelesen. Woher er seinen coolen Spitznamen bekommen hat, werden wir auf unserer Reise leider trotz einigen Nachbohrens nicht wirklich erfahren.

    Nachdem alle endlich ihren Stempel bei dem netten bolivianischen Grenzposten abgeholt haben, kann die Tour schließlich durchstarten. Wir quetschen uns zu siebt (also 6 Reisende plus unser Guide) in einen 4x4 Geländewagen, verstauen unser Gepäck auf dem Dach und düsen los über die rauhen Schotterpisten der Hochebenen Boliviens, begleitet von einem wilden Musikmix aus Mike‘s persönlicher Playliste (die aber durchaus Stimmung macht 🙂). Wir werden heute drei wunderschöne Lagunen auf unserer Fahrt bestaunen (Laguna Blanco, Laguna Verde und Laguna Colorada), die ihren Namen aus der charakteristischen Färbung des Wassers erhalten haben (Ursprung der Färbung sind übrigens die unterschiedlichen Anteile von Mineralien aus vulkanischem Ursprung), wir werden über dampfendes aktives Vulkangebiet laufen und uns schließlich bei einem Bad in heißen Quellen entspannen können, bis wir schließlich den Sonnenuntergang bei einer kleinen Pipi-Pause in den weiten Ebenen genießen können. Unsere Route liegt heute kontinuierlich in einer Höhe zwischen 4000m und 5000m. Die Sonne knallt ordentlich und die Luft ist dünn, so dass jeder kleine Spaziergang ordentlich Kraft kostet. Aber wir meistern die Höhe alle ausgezeichnet und außer ein paar Kopfschmerzen bleiben wir von sonstigen Symptomen der Höhenkrankheit zum Glück verschont. Vielleicht liegt es ja an den Unmengen von Coka-Tee, den wir inzwischen täglich zu uns nehmen?! 🙂 Magic Mike hätte aber auch für den Fall der Fälle auch noch eine Sauerstoffflasche an Bord gehabt. Wie beruhigend...😊

    Die Landschaft auf unserer heutigen Route ist einfach atemberaubend, so wild und doch so friedlich. Den ganzen Tag über können wir immer wieder aus dem Auto heraus Gruppen von Pequenas sichten, die friedvoll in den Hocheben grasen. Besonders beeindruckend zeigt sich uns die Laguna Colorada, die in einem rötlichen Farbton erstrahlt und Heimat von tausenden von Flamingos ist. Ein ganz besonderer magischer Ort, an dem wir uns ausreichend Zeit lassen und eine gute Stunde verbringen dürfen. Ich habe versucht, die Stimmung in einem kleinen Video etwas einzufangen, musikalisch untermalt von Susi (die mich trotz der Entfernung zum Glück weiterhin musikalisch auf meiner Reise begleitet 🙂).

    Am späten Abend erreichen wir nach einem beeindruckenden Tag schließlich unsere einfache, aber saubere Unterkunft. Nach einem leckeren Abendessen, einer heißen Dusche und ein paar Kopfschmerztabletten fallen wir alle geschafft ins Bett. Was für ein intensiver und wunderschöner Tag voller Eindrücke geht zu Ende. Auch wenn wir das Highlight der Tour mit der Salar de Uyuni erst am dritten Tag erreichen werden, war dieser erste Tag bereits der absolute Hammer und jeden einzelnen Dollar wert 😀
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  • Day125

    Time to say adios and goodbye

    May 2 in Chile ⋅ 🌙 7 °C

    Für mich heißt es nun Abschied nehmen. 😩Abschied von einer wunderbaren Zeit ! I keep all the memories in my mind! Ich hoffe für immer! ❤️

    Ich freue mich aber auch auf ein Wiedersehen mit meiner Familie und Freunden, das Gefühl wieder zu Hause zu sein. Ich glaub das Erste was ich mache, ist erstmal richtig schön fränkisch essen gehen! 🍻🍗

    Dennoch bin ich recht wehmütig, da die Zeit doch so schnell immer vergeht! Aber that's life und Zeit kann man nun mal nicht anhalten! Aber ich bin so glücklich und dankbar für die Erlebnisse, Menschen,Momente, Tiere und Landschaften die ich sehen durfte! So viel das ich das erstmal alles "sacken" lassen muss, währrend der Reise konzentriert man sich ja meistens auf das hier und jetzt!
    Goodbye mein süßes Lama, welches uns noch die letzten Tage in Chile versüßt hat. Adios ihr zwei Hundchen, einer verschmuster wie der andere, die immer wieder treu an unserer chilenischen Unterkunft vorbeigeschaut haben um sich ein paar Streicheleinheiten zu holen. Heute Morgen hat uns dann noch eine Katze besucht , ohne Ohren allerdings 😬
    Goodbye Atacama , du hast mir nochmal atemberaubende Landschaft gezeigt die ich auch nicht zu schnell vergessen werde ( Blocks folgen noch )...ein wenig Atacama Sand/Staub werde ich wohl auch unbewusst mit nach Deutschland bringen.🙃🙂
    Und ach ja ein hauch von braun meine ich auch noch abbekommen zu haben,aber ich denke das realisiert nur der Jens und ich! 😎Tja ist halt so.
    Ich gehe mit einem lachenden und weinenden Auge fort. 😀😢
    Jetzt hier alle Erinnerungen nochmal aufzuschreiben wäre zu lang, das Wichtigste ist sowieso das was man im Kopf behält!
    Vorerst natürlich auch goodbye to Jens, pass gut auf dich auf! Aber wir sehen uns ja bald wieder!:-)Ich werde Dich auf deiner Weiterreise noch musikalisch begleiten!:-)
    Und unser Abschiedsselfie ist legendär!🤗😘
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