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  • Day80

    Dalat - Lak See (Easy Riders #1)

    February 3, 2017 in Vietnam ⋅ ⛅ 28 °C

    Von Dalat nach Nha Trang sind es nur knapp 140 km; jedoch ist das Dalat umgebende Hochland wunderschön, weshalb wir mehr als nur eine schnöde Busfahrt hindurch erleben wollten. Am besten geht dies vom Motorrad aus und so buchten wir (auf Empfehlung von Steffis Bruder hin) eine Tour mit den Easy-Ridern. Diese bieten eine Vielzahl von Routen zwischen fast allen Großstädten Vietnams an. In mehreren Tagesritten kann man so die grandiose Landschaft vom Rücksitz des Motorrads seines Guides bewundern (Gepäck wird ebenfalls - gut verpackt - mitgeführt).

    Am ersten (und einzigen) Abend in Dalat machten wir uns also auf aus den vielen unter dem Namen "Easy Rider" verkehrenden Veranstaltern einen geeigneten und bezahlbaren auszuwählen. Geplant war eine zweitägige Tour und auf jeden Fall weniger als die im Netz angegebenen Kosten von 75 $ pro Person und Tag auszugeben. Nachdem der erste Anbieter preistechnisch so viel nachgab wie eine Stahlbetonwand, belohnten wir seine Sturköpfigkeit mit rascher Kehrtwende und probierten es zwei Blocks weiter beim Nächsten (dieses Vorgehen hat sich schon des öfteren bei allen möglichen Geschäften, z.B. Reisebüros, bewährt: so rufen beispielsweise manche Agenturen für ein und diesselbe Busfahrt 20 $ auf, andere dagegen nur 13 $; dumm, wer da sofort auf das erstbeste Angebot eingeht). Dort liefen wir Lan in die Arme, der sichtlich alkoholisiert einen weiteren Tetabend feierte. Nach dreißigminütigem Feilschen hatte wir ihn auf 50 $ pro Tag und Nase runter- und er uns auf drei (anstatt zwei geplante) Tourtage hochgehandelt. Wir schrieben uns den Vertrag selbst und schossen ein Beweisfoto, damit Lan die erbrachte Anzahlung vor lauter Tet-Begießerei nicht vergaß (Bild 1).

    Am nächsten Morgen ging's gleich nach der Crazy-House Besichtigung los. Zwar war es recht bewölkt, aber Lan und (mein Guide) Ly waren guter Stimmung, die sich auch gleich auf uns übertrug. Generell besteht die Tour aus kurzen Fahrtabschnitten von 5 bis 15 km, an die sich immer eine kurze Unterbrechung für das Bestaunen von Ausblicken, Essenspausen oder andere Attraktionen anschließt.

    Keine Viertelstunde aus Dalat raus hielten wir das erste Mal auf einem alten Flugplatz der Amis (aus Kriegszeiten), dessen Rollfeld heutzutage von Gewächshäusern gesäumt ist: Blumen- und Gemüsezucht statt Bomben und Granatenlager - das moderne Vietnam zeigt sich lebensbejahend! Weiter ging's zum ersten Aussichtspunkt (es folgten unzählige Weitere) auf das umgebende Hochland (Bild 2). Ausblicke dieser Art boten sich ständig auf den Panoramastraßen und ließen uns immer wieder mit offener Kinnlade auf dem Rücksitz frohlocken!

    Nächster Anlaufpunkt war ein Betrieb, der Wiesel-Kaffee herstellt. Hierbei werden keine Wiesel ausgekocht, sondern den (armselig gehaltenen) Tierchen die Kaffebohnen zu fressen gegeben. Das ausgeschiedene Endprodukt wird dadurch noch aromatischer im Geschmack, wovon wir uns selbst überzeugten. Klingt eklig, ist aber eine gängige und wirksame Methode der Kaffeeveredelung!

    Nach der kleinen Stärkung besuchten wir eine Seidenspinnerei bei der wir von der Made über den Kokon bis zur Garnherstellung alles begutachten konnten. Die verpuppten Raupen werden samt Hülle abgekocht, was die Seide verarbeitbar macht und die Tiere abtötet. Die Larven werden aber nicht entsorgt, sondern genießbar aufbereitet - etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus schmackhaft!

    Durch weitere famose Landschaft (Bild 3; meist Kaffeeanbau) steuerten wir den sogenannten "Elephant Fall" an - ein durchaus sehenswerter Wasserfall (jedoch nicht vergleichbar zu den in Laos Gesichteten). Überhaupt ist das Land durchzogen von Flüssen (Bild 4) und Kanälen jedweder Größe und Couleur, so dass beinahe überall Landwirtschaft betrieben werden kann - ob nun Kaffee, Pfeffer, Gemüse, Kakao, Kautschuk oder der alles dominierende Reis, alles grünt und wächst üppig!

    Ein weiterer Halt galt einer Schweinefarm, die nebenbei auch noch den beliebten "Reiswein" (eigentlich Reisschnaps) produziert; die Gärreste werden an die Tiere verfüttert (auf Bild 5 sieht man ein Schwein beim ausnüchtern).

    Zum Abend hin fuhren wir entlang eines dem Lak-See vorgelagerten Stausees, welcher fantastische Sonnenuntergangskulisse bot (Bild 6). Fast im Dunkeln kamen wir dann am besagten Gewässer an, wo wir in einem sehr passablen Hotel nächtigten. Zuvor allerdings wurden (nach Wieselkacke-Kaffee und Seidenspinner-Larven) unsere kulinarischen Schmerzgrenzen erneut ausgelotet: nebst sehr leckerem gegrillten Rind und Schwein gab's Froschfleisch (samt angeblich wunderkräftiger Haut) im Hot-Pot zu kosten. Sehr gewöhnungsbedürftig, obwohl das Fleisch gar nicht so schlecht schmeckt. Aus hygienischen Gründen wurde das Ganze mit dem nachmittags erstandenen Reisschnaps runtergespült. Da dies auch das einzig dargebotene Getränk war, verließen wir das Lokal mehr als gut angeheitert!

    Trotz kurzer Nieselregeneinlage also ein mehr als gelungener Auftakt zur dreitägigen Tour!
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