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  • Day9

    Abstecher ins 19. Jahrhundert

    April 13 in Germany ⋅ ⛅ 7 °C

    Nachdem mich noch am Vormittag der Corona-Blues fest im Griff hatte, kam am Nachmittag die Sonne raus. Also schnappten wir uns die Hunde und machten uns auf in den heimischen Wald. Wieder einmal lockte Oberdüssel. Wir wanderten oberhalb der Bergischen Diakonie in Richtung Nonnenfriedhof, der sehr hübsch im Wald liegt. Von hier hat man einen schönen Blick zu der kleinen Kirche in Aprath, man sieht die Hochhäuser von Wuppertal-Eckbusch, auch Klein-Manhatten genannt und das berühmte Ata-Dösken.

    Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt Wuppertal. Auch viele junge Frauen suchten hier Arbeit, rutschten aber leider oft sozial ab und mussten sich ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen, was strafbar war. So landeten sie meist im Gefängnis.

    Der Gefängnispfarrer Karl Heinersdorff gründete 1882 mit einem kleinen Kreis aus guten Elberfelder Familien ein Zufluchtshaus für diese "gefallenen" Frauen und Mädchen in der heutigen Bergischen Diakonie. Ab 1900 wurde das Haus erweitert, um auch Kindern und Jugendlichen zu helfen, und mittlerweile ist es ein richtiges eigenes Dorf mit Bäckerei und Café geworden.

    Wenn man so den Blick schweifen lässt und sich die Hochhäuser wegdenkt, dann könnte man sich beim Anblick der kleinen weißen Kirche mit dem roten Dach ins Allgäu versetzt fühlen.

    Nach einer kleinen Pause liefen wir weiter in Richtung Gut Bölkum, welches sich auch recht idyllisch in die Landschaft schmiegt. Leider konnten wir den Rundweg nicht zu Ende laufen, weil zu viele umgefallene Bäume den Pfad versperrten. So kämpften wir uns querfeldein den Hang wieder hoch, um den gleichen Weg zurückzulaufen.

    Die Hunde jedenfalls hatten ihren Spaß, konnten sie doch die ganze Zeit frei herumlaufen. Und auch für uns war es mal wieder ein "coronafreier" Nachmittag.
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