Simon Bruckmann

Joined November 2018
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  • Day42

    Portugal

    September 11 in Portugal ⋅ ☀️ 26 °C

    Ups.... Sechs Wochen, schon wieder vorbei?! Die Zeit vergeht wie im Flug und dabei wollten wir doch eigentlich fleißig Berichte für unseren Reiseblog schreiben, sozusagen als Übung bevor es am 20.September mit dem großen Abenteuer losgeht. Jetzt sitze ich gerade im Flieger zurück nach Stuttgart und lasse gedanklich die letzten Tage und Wochen Revue passieren, warum nicht doch aufschreiben? Den Reiseblog unserer lieben Freundin Tini, die vor fünf Wochen erst aus dem Sabbatjahr zurück kam, habe ich mit so großer Freude und Begeisterung verfolgt und gelesen. Inspiriert davon, schreibe ich nun doch... Schreiben im Flugmodus.

    Mit "saudades" im Bauch und im Herzen ging es am 31. Juli nach Portugal. Doch noch nie waren wir solange in dem Land, das ich meine Heimat nenne. Diesmal wollten wir uns aber richtig viel Zeit nehmen, für dieses eigentlich doch gar nicht so große Fleckchen Erde, von dem viele Freunde uns (die ja wissen wie reiselustig wir sind) im Vorfeld sagten: "Hä? Sechs Wochen Portugal? Was wollt ihr denn da so lange machen?".

    Der Anlass war Mal wieder eine Hochzeitseinladung, was sonst ;) Wir starteten unsere Reise in Lisboa und fuhren von dort aus erstmal für eine Woche nach Ericeira. Das kleine, charmante Fischerdörfchen gefällt uns sehr, es ist uns vertraut und vertraut ist schön. Simon, der dort diesen Sommer seinen zweiten Surf-Kurs machte, liebt Ericeira. Hier hat er die ersten Berührungspunkte mit Portugal gesammelt, sich in Land und Leute verliebt, zum ersten Mal richtig frischen Fisch und Pastel de Nata gegessen. Glücklicherweise erzählte uns Simons Surflehrer (gleichzeitig auch unser Gastgeber im Airbnb) von einem Buddhistischem Zentrum ganz in der Nähe, er gehe dort ein oder zwei Mal die Woche hin zum Meditieren. Wohl sei das eines der wenigen in ganz Portugal. Wir waren sofort fasziniert und sind direkt einen Tag später abends hingefahren. Es war eine vollkommen unglaubliche Erfahrung, die denke ich, jeder einmal selbst gemacht haben sollte.
    Gegen Ende unseres Aufenthaltes in Ericeira ist Simon leider noch in einen super seltenen Fisch getreten (namens Petermännchen, klingt erstmal süß, kann aber echt super gefährlich sogar tödlich sein). Aber wie so oft, war das Glück Mal wieder auf unserer Seite, sodass ihm ein Einheimischer sofort zur Hilfe kam. Fuß in kochendes Wasser stecken, Gift draußen, weiter geht die Reise nach Vila das Aves (in der Nähe von Porto), wo unsere komplette Familie schon für ein Willkommensfest auf uns wartet. Ich weiß auch nicht wie Simon das macht, aber er schafft es sich dem lauten, wilden und chaotischem Treiben meiner portugiesischen Familie immer so schnell und problemlos anzupassen. "So sind sie eben", sagt er und lächelt.
    Hochzeiten in Portugal sind immer eine riesen Sache. Jeder redet bzw. tratscht und alles wird analysiert und verglichen. Das Kleid, der Anzug, die Traurede, das Brautauto, die Location und natürlich am wichtigsten - das ESSEN. Im Speisesaal ist es warm und verstörend laut, jeder Gang wird mit einer Horde Kellner und Ohren betäubender Musik eingeleitet. Zirkus? Nein, portugiesische Hochzeitsfeier!!! Man isst, völlig egal ob gerade alle am Tisch sitzen oder nicht. Gäste rufen wild durcheinander, wenn sie noch mehr vom Fleisch- oder Fischgericht wollen. "So sind sie eben", sagt Simon Mal wieder und ich lache, denn irgendwie gehören auch diese Events zur portugiesischen Mentalität und ich würde sie nicht missen wollen. Laut, aufgedreht, verrückt aber auch so offen, zuvorkommend, lustig und herzlich. So tanzten und feierten wir bis spät in die Nacht, am Ende natürlich mit großem Feuerwerk und kitschigen Fotos unter Palmen und plätscherndem Springbrunnen.

    Wenige Tage blieben uns anschließend mit meinen Eltern, meinem Bruder, seiner Frau und den beiden Kids Leandro und Mariana. Wir genossen das gemeinsame Aufwachen und Aufstehen im großen Haus. Wenn Simon und ich morgens unsere Yoga Routine machten, saßen Leandro und Mariana auf dem Bett und überwachten ganz fürsorglich jede unserer Bewegungen. "Ich glaube, du hast das eine aber nicht richtig gemacht, Tante Eli", sagt Leandro und ich muss grinsen. Mittags am Strand liegen und gegen Abend noch ein gemeinsames Essen. Die vier gemeinsamen Tage vergingen viel zu schnell und plötzlich wachen wir auf, in dem großen Haus, das auf einmal ganz leer ist. Simon und ich schauen uns an und es ist erstmal ein echt komisches Gefühl - wir fühlen uns irgendwie allein. Etwas, nein eigentlich alles, fehlt. Wir brauchten jetzt dringend einen Plan. Wir waren schon mehrfach in Portugal, aber bis auf Porto kannten wir in Nordportugal eigentlich nicht so viel. Mit bereits gepackten Koffern, verabschiedeten wir uns kurz von meinem Opi, und fuhren los nach Viana do Castelo. Ich wusste nur noch, dass meine Eltern dort ihre Hochzeitsreise hatten - mehr aber auch nicht. Wir verbrachten vier Tage im rauen Norden und staunten über die wunderschöne Landschaft an der Grenze zu Spanien, schwitzten bei 35 Grad auf weißen Sand-Dünen, froren wie verrückt im rauen und kalten Atlantik, wanderten über die Berge der Peneda Gerês und feierten wie wild auf einem Rock Musikfestival in Vilar dos Mouros (Skunk Anansie immernoch unbeschreiblich gut).

    Dann ging es nochmal für einen kurzen Abstecher in mein Heimatdorf zurück, denn ich wollte mich nun endgültig von meinem Opi verabschieden. Der lebt seit einigen Jahren im Heim und wird jetzt im Oktober stolze 91 Jahre alt. Das sind die schwersten Abschiede - gerade für mich, die Abschiede so sehr hasst, wo ich doch von Kindesbeinen an soviele...zuviele davon hatte, aber ich spüre der Moment ist wichtig. Schön, meinem Opi nochmal tief in die Augen zu sehen, ihn zu küssen und fest zu umarmen.

    Mit frisch gewaschener Wäsche ging es weiter Richtung Süden. Das Dörfchen "Obidos" kannten wir bereits, aber es ist einfach so dermaßen schön und bezaubernd, dass wir da unbedingt nochmal ein paar Tage genießen wollten. Wir entdeckten eine unglaublich geniale Tapas Bar (JamonJamon) und trafen verrückterweise alte Freunde von meinen Eltern aus Vila das Aves. Am Ende des Abends hatten wir alle 4 Ginginhas intus (Spezialität aus Óbidos - Kirschlikör aus Schokoladen Bechern... göttlich!!!) und torkelten glücklich und total beseelt in unser Airbnb zurück. Wie klein die Welt doch ist.

    Ganz besonders freuten wir uns auf die Serra da Arrábida - das ist ein Naturschutzgebiet mit naturbelassenen, atemberaubend schönen Stränden, nördlich von Lissabon. Die hohen Temperaturen machten uns aber schon ein wenig zu schaffen, sodass wir nur vormittags am Strand waren, mittags stand eine lange Siesta auf dem Programm und abends schwärmten wir über die Sonnenuntergänge. Zu diesem Zeitpunkt der Reise sind wir beide so begeistert und fasziniert von der Vielseitigkeit und den Naturschönheiten Portugals. Hohe, steile Klippen, wunderschön blaues, kristallklares Wasser, perfekte Wellen, feiner Sand und soviele Bäume, soviele Korkbäume!!!!

    Irgendwann sind wir total routiniert. Simon fährt uns im Mietauto fleißig von A nach B, Eli sucht Airbnbs und schreibt Bewertungen. Es läuft ;) Jetzt freuten wir uns aber beide total auf den Süden. Unsere vorletzte Etappe auf der Reise war Aljezur. Was soll ich sagen ?! Dieses kleine maurische Örtchen, nördlich der Algarve Küste, hat unser Herzchen einfach voll und ganz gewonnen. Und das nicht nur, weil es dort eine unglaublich leckere Pizzeria gab. Die sechs Tage in dem kleinen typisch maurischen Häuschen waren zwar ruhig, oder besser gesagt ruhiger als die Wochen zuvor, aber sehr erholsam. Simon kurierte seine Erkältung aus, während ich viel laß und schlief. Morgens gab es ein ausgedehntes Frühstück, zur Freude Simons zubereitet auf einem Gasherd (Spiegeleier und Omelettes schmecken so einfach tausendmal besser).Oftmals bewegten wir uns nur abends aus dem Häuschen, um irgendwo am Meer was essen zu gehen. Danke nochmals für den Tipp Sveni!!!

    Dann ging es zurück nach Lisboa, so schließt sich der Kreis. Mietauto abgeben, Koffer ins Airbnb werfen und ab ins Getümmel. So schön wieder in Lisboa zu sein, schon so oft waren wir hier ... vor zwei Jahren erst in den Herbstferien mit unseren liebsten Kolleginnen (Lena, Susanne und Karin) und jedesmal ist es anders, jedesmal entdecken wir neue Viertel und Gassen, nehmen die Stadt aus einem anderen Blickwinkel wahr, erleben sie auf eine ganz andere Art und Weise.
    Ich merke und spüre, ich bin dankbar...dankbar für so unendlich Vieles. Für mein Leben so wie es ist, meine Heimat und Kultur, für Begegnungen und Wege, die sich gekreuzt haben, für die Menschen, die meinen Alltag bereichern, mich zu dem machen, was ich heute bin. Teil einer großen Familie zu sein, in der Liebe und Akzeptanz einher geht. Voller Freude und Sehnsucht landen wir gerade in Stuttgart, es ist nur ein kurzer Besuch Zuhause in Leonberg und Tübingen, aber wir freuen uns so sehr darauf, unsere Liebsten nochmal zu sehen und zu erleben, bevor es am 20.September auf die große Reise geht.
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