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  • Day108

    KwaZulu-Natal

    December 28, 2018 in South Africa ⋅ ☁️ 18 °C

    Eines der wundervollsten Dinge am Reisen ist wohl, die Gastfreundschaft und Offenheit der Einheimischen spüren zu dürfen.
    Sally, die wir im Yoga Retreat in Tofo kennen gelernt haben, hat uns nicht nur über Weihnachten zu sich nach Johannesburg eingeladen, sondern auch an ihre Eltern nach Shongweni, einem Vorort von Durban mitten in der Provinz KwaZulu-Natal vermittelt.

    So sitzen wir nun in der Stube des alten Bauernhofs mit Brian und Aneleen, die sich lustigerweise gegenseitig „Schatz“ nennen.
    Ein Überbleibsel aus ihrer Kindheit in Namibia.
    Strom gibt es gerade nicht. Brian guckt uns entschuldigend an, hebt die Schultern und meint lachend: „Sorry Guys. But this is Africa.“ Er ist natürlich vorbereitet und schmeißt seinen Generator an. Im schwachen Schein des Notfalllichts erzählen sie uns, dass sie sehr verärgert über ihre Politiker sind. Die verkaufen wohl Strom für teures Geld ins Ausland (der Erlös geht dann in die eigene Tasche) und gleichzeitig verordnen sie geplante Stromausfälle, wofür es sogar richtige Zeitpläne gibt (welche jedoch sehr selten eingehalten werden). Sprich, man weiß nie, wann und wie lange man mit Strom rechnen kann. Das ist uns schon an mehreren Orten in Südafrika aufgefallen. Allgemein klagen die beiden sehr über die Korruption in ihrem Land. Der Polizei kann man gleich gar nicht vertrauen. Jeder, der sich vor Einbrechern schützen will, muss eine „Armed Response“ (eine Art Privat-Security) engagieren.
    Brian ist auch hierfür gewappnet und hat neben seinen 3 Wachhunden (und natürlich dem Dackel „Buddha“) ein Gewehr zuhause. Dazu erzählt Aneleen, die wegen ihrer Gänsezucht auch „The Duck Lady“ genannt wird, eine verrückte Geschichte: Auf ihrem Grundstück gibt es Pythons und schwarze Mambas, die liebend gerne Gänse und ihre Eier fressen.
    Eines Tages kam eine große Schlange ins Haus hereinspaziert, die sie nicht fangen konnten, weil sie sich direkt hinter die Küchenzeile verkrochen hat. Mehrere Tage mussten sie mit dem Wissen leben, dass dieses giftige Ding irgendwo im Haus herumschleicht. Als Brian gerade nicht da war, entdeckte Aneleen die Schlange und schnappte sich das Gewehr, mit dem sie dann bäuchlings auf dem Boden liegend das Tier niederstreckte. 7 Volltreffer, aber Brian meint, den Einschusslöchern in der Wand nach müsste sein „Schatz“ noch einen ganze Reihe mehr Schüsse abgefeuert haben.
    Selbst ist die Frau!
    Es ist ein richtig schön geselliger Abend zwischen politisch-geschichtlichen Gesprächen und, viel wichtiger, zahlreichem Anstoßen mit dem hauseigenen Bier. Tatsächlich besitzt Papa Brian eine Brauerei in Durban, für die er - und jetzt haltet euch fest - Hopfen aus Tettnang importiert. Ist das nicht verrückt?
    Aneleen hat, wie es sich für eine richtige Mama gehört, ein deftiges Abendessen für uns zubereitet.
    Am Ende ist es natürlich das gleiche Spielchen wie schon so oft - sie räumt nicht ab, bevor wir alles aufgefuttert haben.
    Die Geschichten werden immer wilder und Brian immer lustiger. „Sorry Guys, i am super stoned at the moment. I smoked a joint an hour ago.” sagt der 72jährige und macht sich lachend auf zu seinem Truck. Er müsse zur Tankstelle fahren, Benzin holen für den Generator. „Schatz! You forgot the money!” ruft seine Gattin. Sie drückt uns ein paar Scheine in die Hand und wir springen mit dem Geld in der Hand Brian hinterher und hüpfen in seinen Jeep.
    Auf der Fahrt erzählt er uns einiges über die Apartheid-Zeit und die aktuelle Situation. Zum Beispiel berichtet er, dass es heutzutage eine Art umgekehrten Rassismus bzw. Diskriminierung gibt. Wenn auch nicht in solch einer schlimmen negativen Form wie damals. Dunkelhäutige Südafrikaner bekommen beispielsweise momentan wohl viel einfacher einen Studiumsplatz als Weiße. Und er erzählt, dass in letzter Zeit viele weiße Landbesitzer auf ihrer Farm getötet wurden, so auch sein guter Freund.

    An diesem Abend auf der Gänsefarm der Stewarts dürfen wir eine unglaubliche Gastfreundschaft, Offenheit und Lässigkeit erleben.
    Gleichzeitig bekommen wir einen kleinen Einblick in die konfusen Beziehungen zwischen den Völkern Südafrikas. Die Schranken zwischen den Ethnien verlieren zwar allmählich an Bedeutung. Angesichts der langen Rassentrennung sind die Verhältnisse jedoch immer noch kompliziert und für Ausländer wie uns nur schwer zu überblicken und nachzuvollziehen. Allein schon die Tatsache, dass es elf offizielle Landessprachen gibt, zeugt von einem kunterbunten Zusammenleben in dieser sogenannten Regenbogennation.

    Dieses Wissen gewinnt so richtig an Farbe, als wir am nächsten Tag ein Zulu-Dorf besuchen, das uns die Stewarts empfohlen haben. Es ist eine Art Outdoor-Museum dieses einst sehr kriegerischen Stammes, wir dürfen in die pastellfarbenen rondavels (Rundhäusern), den Frauen beim Kochen zuschauen und deren Kleidung mitsamt des Perlenkettenschmucks bestaunen.

    Ich frage einem der Zulus Löcher in den Bauch, weil ich seine Kultur, seine Klicksprache und seine Lebensweise so arg spannend finde. Er verrät mir, dass heutzutage immer noch alle Zulu-Männer mindestens 11 Kühe an die Familie der zukünftigen Ehefrau zahlen müssen. Er schaut Felix an und fragt: „Did you also have to pay eleven cows for your wife?”

    Wir schütteln den Kopf und lachen. Wenn der wüsste, dass ICH Felix den Heiratsantrag gemacht habe, würde er vermutlich vom Glauben abfallen....
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