Satellite
  • Day202

    Nach drei Wochen verlassen wir Bocas Del Toro. Und zwar im strömenden Regen. Der Fahrer unseres Holzbootes, das uns auf das Festland bringt, schreit irgendwas Unverständliches gegen den Lärm des Motors an. Er deutet auf eine blaue Plastikplane und gibt uns zu verstehen, dass wir sie uns über die Köpfe ziehen sollen. Also gut. Er ist der Kapitän. Eins, zwei, drei, hepp - spannen die anderen Fahrgäste und wir dieses blaue Riesenteil über uns und versuchen mit allen Leibeskräften die durch den Fahrtwind wild gewordene Plane zu zähmen. Regen hämmert auf Plane und Plane hämmert auf unsere Köpfe. So muss es sich anfühlen, wenn man geschmuggelt wird. Wir sehen nichts ausser dem tropfenden, lodernden Blau, das uns zu allen Seiten umgibt und es bleibt uns nichts anderes übrig, als El Capitan zu vertrauen, welcher mit Highspeed durch die von unten und oben nasse Szenerie heizt.

    Wir sind auf dem Weg nach Costa Rica. Von einem Paradies ins nächste. Direkt nach der Grenze fahren wir kilometerweise an Bananen-Feldern vorbei, riesige Chiquita-Container stehen davor. Wie lustig die Vorstellung ist, dass ich hier gerade eine Banane sehe, die vielleicht bald jemand zuhause im Rewe kauft und verspeist. Kleine Welt!

    Von der Grenze ist es nicht mehr weit und wir sind in Puerto Viejo, einem kleinen Dorf an der Karibikküste Costa Ricas.

    Wir laufen die letzten paar Meter zu unserer AirBnb, einem Holzhaus mit eigenem Dschungelgarten und da kommen uns auch schon Daniel und Charly entgegen, mit denen wir die kommenden zwei Wochen in diesem wunderschönen Land verbringen werden.

    Costa Rica wird auch „Die friedliche Seele“ genannt, da dieses grüne Land seit sieben Jahrzehnten ohne Armee auskommt. Außerdem steht mehr als ein Drittel des Landes unter Naturschutz.

    Puerto Viejo scheint sowohl geographisch als auch kulturell abgeschieden vom Rest des Landes. Mitte des 19. Jahrhunderts sind Arbeiter aus Jamaica hier angekommen, um die Eisenbahnlinie zu bauen und blieben, um für „United Fruit“ zu dienen. Daher ist die südliche Karibikküste Herz und Seele von Costa-Ricas Afro-karibischer Gemeinschaft. Den würzig-scharfen Geschmack kann man im Kokosnussreis schmecken, in der Reggaemusik hören und im Easy-Going Pura Vida erleben. Die Ticos, wie die Einwohner Costa Rica’s sich gerne nennen, sind unglaublich stolz auf ihr grünes Paradies. So stolz, dass die Corones-Scheine eher aussehen wie Tierlexika als wie Geld. Eine Anekdote dazu: Ich kaufe Bananen in einem kleinen Laden. Der Tico öffnet seine Kasse, um mir Rückgeld zu geben, hält kurz inne, schaut mich an und fragt: „Dos Monos o un perizoso?” (Zwei Affen [auf den 5er Scheinen] oder ein Faultier [auf dem 10er Schein]?)

    Rund um unser Holzhaus (genauer genommen auch darin) wimmelt es vor Tieren. Türkis/schwarz gefleckte Frösche, Riesen-Meerschweinchen, Tukane, Kolibris - ich bin im Tierparadies!

    Die Natur hier in Costa Rica ist so farbenfroh und artenreich, dass es einem fast wie in einem Comic vorkommt. Regenbogentukane beäugen einen vom Baum herunter, während weißgesichtige Kapuzineraffen in den Baumkronen hangeln, Faultiere in den Ästen hängen, handtellergroße Schmetterlinge leichtflüglig umherschwirren und man von allen Richtungen die markerschütternden Schreie der Brüllaffen hört.

    Mit unseren Beach-Cruisern cruisen wir jeden Tag in der Gegend herum, zum Beispiel zum Cahuita-Nationalpark. Der 8 Kilometer lange Pfad führt uns durch dichten Dschungel, indem Charly von frechen Kapuzineräffchen bedroht wird und schlängelt sich immer wieder raus an strahlend weiße Strände. Das Highlight dieses Parks sind für mich eindeutig die Waschbären. Ihr Gesicht erinnert mich ein bisschen an Erdmännchen, beiden sehen sie aus wie Banditen.

    In ordentlicher Pura Vida Manier faulenzen wir hier durch die Tage, tanzen in Charlys Geburtstag hinein
    und katern wieder aus ihm heraus.

    Das Leben ist schön!
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