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  • Day19

    Nachtfahrt durch den Dschungel

    October 29, 2019 in Costa Rica ⋅ ☁️ 26 °C

    Nach dem Abendessen brechen wir auf zu einer nächtlichen Bootstour.
    Es ist stockfinster, nicht ein Stern, der den Himmel wenigstens ein bisschen heller machen würde.
    Mit Schwimmwesten ausgerüstet steigen ca 10 Abenteuerlustige in den wackligen Kahn.
    Dann gleiten wir fast lautlos in die dunkle Nacht. Hin und wieder knipst Fernando, unser guide , einen hellen Scheinwerfer an und leuchtet das Ufer oder die Baumwipfel ab.
    Der am Tag schon nicht vertraute Urwald wirkt jetzt noch viel unheimlicher, ja fast schon bedrohlich. Tausend Geräusche, die man nicht einmal annähernd kennt wechseln sich mit Phasen gespenstischer Stille ab.
    Da, die erste Fledermaus huscht über unsere Köpfe hinweg. Obwohl ich mit Sicherheit nicht die Größte im Boot bin, rutsche ich noch ein wenig nach unten und versuche, mich so klitzeklein wie möglich zu machen. Soll die fliegende Maus sich doch in den Haaren von jemand Anderem verfangen!😬
    Dann plötzlich erhellt Fernandos Scheinwerfer eine Stelle in einer Baumkrone. Da hängt wirklich und wahrhaftig eine riesige, wirklich monstermäßige Spinne.
    Wie hat er sie nur entdecken können, hat er Nachtaugen?
    Es ist eine fette Tarantel, mir stehen sämtliche Haare zu Berge. Die ist bestimmt für die doofen Touristen dahin drapiert worden. Aber nein! Im Schein der Lampe bewegt sie sich ein wenig. Vielleicht nur einen Millimeter, aber sie bewegt sich. Ich hab es mit eigenen Augen gesehen.
    Mir laufen tausend Schauer über den Rücken.
    Zum Glück fahren wir weiter. Wieder ist es unheimlich still, nur das Wasser plätschert ein wenig an den Bug des Bootes. Die Lampe ist ausgeschaltet, es ist finsterste Nacht.
    Da leuchten plötzlich im Wasser vor uns 2 gelbe Punkte auf. Fernando richtet seinen Lichtstrahl dorthin , vor uns schwimmt ein Kaiman........ zum Greifen nah.
    In den nächsten spannenden zwei Stunden habe ich fast ständig Gänsehaut am ganzen Körper, aber nicht, weil es kalt ist. Gott sei Dank sitze ich nicht ganz vorne und auch nicht außen im Boot, sondern schön geschützt und miniklein in der Mitte. Ein Riesenfalter fliegt dicht an meinem Kopf vorbei, ich kann einen Schrei nicht unterdrücken. Alle lachen, und ich versuche, mein Halstuch vor den Mund zu pressen damit mir das nicht noch einmal passiert. 😬
    Fernando mit seinen Nachtsicht - Spähaugen entdeckt im weiteren Verlauf unserer Fahrt noch etliche Frösche, diverse Wasservögel, einen Eisvogel, eine Eule, ein Opossumpärchen und mehrere kleine Kaimane.
    Dann plötzlich erspäht der guide einen blgsflsk. He? Viktor, der das Vieh kennt, übersetzt Basilisk. Dieser sitzt auf einem Baum gleich über uns und sieht aus wie eine Echse. Als mein Mann, der wirklich alles kennt und weiß, mir erklärt, dass dieses Teil laufen, springen, gleiten und mit so was wie Flügeln gar kurze Distanzen fliegen kann, rutsche ich noch tiefer und lande auf dem harten Bretterboden des dreckigen Kahns.
    Nein, nein, nein, der darf jetzt nicht zu mir fliegen.
    Dann raste ich völlig aus, meine persönliche Grenze ist sowieso schon mehr als erreicht. 😬
    Nach 2 Stunden klettern alle vom Boot, erfüllt mit vielen Eindrücken und tollen Bildern. Die Fahrt war ein wirkliches Abenteuer, wenngleich ich auch glücklich bin, dass sie jetzt vorbei ist.
    Nichts wie in unseren Bungalow, duschen und ab ins Bett.
    Doch jetzt fängt das Drama erst richtig an. Sobald ich die Augen schließe, sehe ich Spinnen, und zwar fette und haarige, Fledermäuse , Käfer und Basilisken
    mit einem hässlichen Knochenkamm am Hinterkopf. Ihre langen Zehen enden in scharfen Krallen.
    An den Zehenrändern befinden sich kleine Luftpolster, die es den Tieren ermöglichen, aufrecht stehend kurze Strecken auf der Wasseroberfläche zurückzulegen. Deshalb werden sie auch Jesus Christus Echse genannt.
    Kaimane nähern sich und versuchen, einen von uns als Beute aus dem Boot zu zerren. Ich schlage um mich und trete wild mit den Füßen, als ginge es um mein Leben. " Hey, spinnst du? Was soll das?" Kann der Kaiman sprechen? Nein, es ist mein Mann, der einen Schlag und ein paar Tritte abbekommen hat. Mit seiner Decke verzieht er sich in ein anderes Bett- wir haben insgesamt drei. Er will nicht weiter malträtiert werden.
    Nun bin ich ganz allein.....
    Ich krieche in meinen Hüttenschlafsack, den ich immer für Notfälle wie diesen dabei habe, ziehe ihn bis über den Kopf und halte ihn von innen zu. So kann kein Tier mehr an mich ran kommen ( aber auch kein Lüftchen mehr )
    In der Nacht schlafe ich so schlecht wie lange nicht mehr und krieche unausgeruht und nass geschwitzt um halb 6 aus meinem Kokon heraus.
    Nein, der Dschungel ist nichts für mich. Zwar sehr interessant, doch mir kreucht und fleucht es da entschieden zu viel.
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