Christoph Mörtl

Joined August 2019
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  • Day75

    Mindo, que lindo

    September 13, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 27 °C

    Nachdem Christoph gefahren ist, hatte ich ein bisschen Probleme meinen Arsch allein hochzukriegen und hab 2 Tage in Quito echt fast nur rumgegammelt. Langsam ist die Luft ein bisschen raus und ich weiß nicht ob es daran liegt, dass die letzte Woche eingeleutet wurde, oder weil ich für meine Verhältnisse echt lang unterwegs bin... aber ich freu mich schon wieder sehr auf Zuhause. Ich treffe ab und zu Leute die locker 8 Monate unterwegs sind und ganz Südamerika erkunden - ich könnte das nie, vor allem nicht allein.
    Nichtsdestotrotz will ich natürlich meine Zeit noch sinnvoll nutzen und nicht nur im Hostel gammeln und es höchstens zum Essen und Postkarten losschicken verlassen, wie die letzten zwei Tage. Die zwei Karten, die ich verschicken wollte, werden übrigens einen Münchner Poststempel tragen... das Porto kostet hier nämlich (Achtung, kein Tippfehler) 80 DOLLAR! Was so etwa 70 Euro entspricht. Ich hab die Frau am Schalter noch drei Mal gefragt ob ich sie richtig verstanden hab, dann bin ich lachend aus der Filiale gegangen. Wie kann es denn SO teuer sein, ein Stück festes Papier zu verschicken?

    Der letzte Stop auf meiner To-Do-Liste war Mindo, wo ich am Freitag hin aufgebrochen bin. Ich habe ein sehr günstiges und schönes Hostel gefunden, von dessen Dachboden aus man Kolibris beobachten kann. Als Tagestour habe ich mir Zip-Lining ausgesucht. Ich kenne das unter Flying Fox, also man fährt an einem Drahtseil über kleine Täler von Plattform zu Plattform und hat mega Aussichten. Wir fuhren über 10 verschiedene Lines und konnten beim Wechsel ein bisschen Wald und Umgebung erkunden. Als kleines Special konnte man auch mal in den Fahrposen variieren. Da ich in letzter Zeit meinen Gefallen an ein bisschen wagemutigeren Tätigkeiten gefunden hab, probierte ich es gleich mal Kopfüber, was allerdings nur mit Guide funktioniert, sonst kann mal die Pose nicht halten 😅. Hat echt Spaß gemacht, aber ich habs mir etwas aufregender vorgestellt; ich glaube der Sprung von der Brücke hat mich nachhaltig abgehärtet.
    Vor unseren letzten Line (klingt, als hätten wir gekokst), als gerade der Erste starten wollte (immernoch 😅), deutete unser Guide hinter uns in einen Baum. Da saß einTukan. Ich war überrascht über die Größe, ich hab immer angenommen das wären so richtige Oschis, aber die sind sehr zierlich und wirken gar nicht unbeholfen, trotz des riesen Schnabels. Der Guide sagte, es sei eine Art von Bergtukan - also gibt es bestimmt auch noch Größere. Es ist der hübscheste Vogel, den ich je gesehen hab, und er saß ganz nah bei uns und glotzte uns an nach dem Motto "Ja los macht ma, ich will euch da rüber fliegen sehen". Eine ganz unverhoffte Überraschung.

    Nachmittags hatte ich noch Lust auf einen kleinen Waldspaziergang, zufällig kam ich an ein Haus, von wo aus Routen durch den Wald gingen. Es war schon etwa 16 Uhr und um 18 Uhr geht immer die Sonne unter, also war ich ganz froh, dass sie meinte, man schafft den Weg in 20 Minuten und es gibt einen Aussichtspunkt zum Vögel und Tiere beobachten. Klang nach einem entspannten Plan. Sie drückte mir noch ne Karte in die Hand und los gings. Unterwegs hörte ich einen Vogel immer wieder sehr komisch rufen: kurze Pfeifftöne in ca Vierteltönen absteigend. Sehr schepps und skurril.
    Leider checkte ich die Karte nicht so richtig, aber als ich so 45 Minuten gelaufen war, wurde mir klar, dass ich die Gute falsch verstanden haben muss mit ihren 20 Minuten. Ich wollte aber unbedingt zu dem Aussichtspunkt und nicht auf halber Strecke umdrehen, dafür war der Scheiß bergauf echt zu anstrengend gewesen. Also sputete ich mich etwas, kurz vorm Aussichtspunkt hörte ich laute Schreie, die eindeutig nicht von Vögeln kamen. Als ich um die nächste Ecke bog, konnte ichs kaum glauben: eine ganze Affenfamilie, in den Bäumen direkt über mir. So nah war ich auch im Urwald bei Weitem nicht an welchen dran gewesen. Sie schauten von oben auf mich runter, merkten, dass ich ihnen da oben nix tun konnte und machten ganz ungestört mit ihrem Geturne weiter. Es waren mindestens fünf Affen von klein bis groß und es war echt ne Freude ihnen beim Springen, Essen und Blätter abrupfen zuzusehen.
    Mein Platz 2 der coolsten Tiere Ecuadors - die Seelöwen bleiben ungeschlagen.
    Nach einer etwa 2 Minuten Pause am Aussichtspunkt rannte in den Weg zum Teil zurück, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein, was gerade so hinhaute. Vielleicht hinterfrage ich die Zeitangaben das nächste Mal nochmal was genauer...
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  • Day72

    Auf der falschen Spur

    September 10, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 22 °C

    Am letzten Tag in Baños haben wir uns einen Buggy (irgendwas zwischen Gokart und Seifenkiste) gemietet und sind damit zum Pailon del Diabolo gedüst. Mit dem Ding zu fahren hat mega Bock gemacht, auch wenn es viel zu laut war. Zum Wasserfall brauchte man dann noch gut 20 Minuten über einen schönen Wanderweg, dann wurde man mit einem tollen Ausblick belohnt.
    Auf dem Weg zurück bogen wir 10 Minuten vor Abgabe des Buggys von der Hauptstraße wieder nach Baños ein. Dachten wir zumindest. Wir kannten uns irgendwie so gar nicht aus, das ist bei uns allerdings erstmal kein alarmierendes Zeichen, weil wir beide über einen bemerkenswert schlechten Orientierungssinn verfügen. Wir fuhren kurz rechts ran und stellten mit einem Blick auf die Karte fest, dass wir wirklich falsch waren, nämlich im Nachbardorf. Als wir mit neuen geografischen Kenntnissen den Rückweg antreten wollten, für den wir noch genau 0 Minuten Zeit hatten, hatte der Motor leider keinen Bock mehr. Auch unser 100ster Versuch, den Schlüssel neu in die Zündung zu stecken und zu drehen, wurd leider nicht von Erfolg gekrönt. Auch Anschieben brachte nix, und da waren wir mit unserem Latein auch schon am Ende. Als ich dann gerade den Verleih angerufen hatte und ihm detailliert unser Problem geschildert hatte ("El buggy no functiona!"), kam uns die glorreiche Idee, einfach den Berg in der Seitenstraße runterzurollen und es ein 101stes Mal mit dem Anlassen zu probieren. Und es klappte. So lösten 2 Autoamateure ein simples Motorproblem. Oder Batterieproblem, was weiß ich.
    Die verspätete Abgabe war Gott sei Dank kein Problem und wir konnten direkt weiter nach Quito. Wieso schon wieder Quito?
    Leider sind Grüschtophs drei Wochen Urlaub um und er hat heute morgen den Flieger zurück nach Deutschland genommen. 🇨🇴✈️🇩🇪
    Bei der Zwischenlandung in den USA konnte er übrigens noch einmal erfolgreich Patches tauschen - ganz ohne nach einem chirurgischen Eingriff zu fragen.
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  • Day71

    Wie man nicht Patches tauscht

    September 9, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 20 °C

    Wie so oft hatten wir uns einen perfekten Plan zurecht gemacht, wie wir unsere Zeit in Baños de Agua Santa nutzen wollten. Und wir so oft schmissen wir bei erster Gelegenheit alles über den Haufen, als wir sahen, für welche Preise man hier die coolsten Sachen machen kann. Glaube die Fotos erfordern keine Erklärung, kann nur sagen, dass beides mega geil war und ich vor allem beim Sprung von der Brücke selbst von mir überrascht war, dass ich es durchgezogen hab.

    Statt eines großen Reiseberichts gibt's deswegen heute mal eine kleine Anekdote. Wir haben nach Galapagos noch einen kleinen Abstecher nach Playas gemacht, waren surfen, haben guten Kuchen gegessen und zusammen ein Lagerfeuer mit den üblichen Verdächtigen gemacht. Christoph hatte ein bisschen Verständigungsschwierigkeiten, aber da eine der Eccis, Adelita, inzwischen auch Deutsch lernt, konnte er sich mit ihr gut unterhalten. Sie fragte ihn, welche Sachen er denn schon auf Spanisch gelernt hat, und er konnte auch ein paar Sätze vortragen.

    Kurze Backroundstory: Polizisten tauschen untereinander ihre Patches (Wappen oder Flagge), die sie an der Uniform tragen, mit Kollegen aus anderen Ländern oder Bundesländern. Wie kleine Souvenirs und als Zeichen der Verbundenheit über den gleichen Beruf. Einen erfolgreichen Tausch kann man auch in einem der letzten Posts sehen.
    Um diesen Tausch souverän meistern zu können, schusterten wir ihm also einen Satz zurecht, den er sagen konnte. "Ich möchte tauschen" heißt "Quiero cambiar", "Patches" wussten wir nicht, aber da es im Deutschen den englischen Begriff behalten hat, ließen wir es auch so.

    Als Christoph dann also voller Stolz Adelita eben diesen Satz vortrug, fiel ihr einen Moment die Kinnlade runter und sie schaute ungläubig, dann brach sie in Lachen aus. "Pechos" heißt auf Spanisch "Brüste". Und in dieser Wortkombination bedeutet der Satz "Ich möchte eine Brust-OP." Als sie es geschafft hatte uns das zu erklären und wir es dann mal kapiert hatten, dachte ich, ich könnte nie wieder aufhören zu lachen. Christoph hat locker 5 Gruppen von Polizisten gesagt, dass er seine Brüste operieren lassen will.
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  • Day65

    Eine einsame Schildi

    September 3, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 23 °C

    Galapagos ist berühmt für seinen respektvollen Umgang mit Flora und Fauna. Und ich muss sagen: das zahlt sich zu 100 Prozent aus. Die Tiere hier sind sehr zutraulich, weil sie nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Die Leguane gehen einem sogar nicht mal aus dem Weg, wenn man vorbei möchte. Wodurch sie sich eine neues Verhalten angewöhnt haben. Wenn ein Mensch in die Nähe kommt und sie Angst haben, übersehen zu werden, heben sie ihre Schwanzspitze. Das ist kein Drohsignal, sondern jediglich ne kleine Warnung: "Hey, ich lieg hier, bitte pass auf wo du hintrittst." Zur Not machen sie dann doch mal ein paar Schritte zur Seite. Bei unseren Tauchgängen auf Isla Isabela wurden wir auch vor der Unterwasserwelt verzaubert. Eine Lagune voll mit Wasserschildkröten, die alle auf dem Grund chillen und ok damit sind, wen man direkt über sie hinwegschwimmt. Schildkröten müssen zum atmen an die Wasseroberfläche und manchmal kann man dann vom Strand oder Boot aus beobachten, wie immer wieder Köpfe für eine Sekunde auf dem Wasser kommen und wieder verschwinden. Auch sie haben, solang sie nicht gerade im Chillkröten-Modus sind, kein Problem damit in nächster Nähe von Menschen zu schwimmen, genau wie die Seelöwen hier. Bei unserem ersten geführten Schnorchelgang war auch ein Seelöwe mit dabei, der uns die komplette Stunde begleitet hat, um uns herumschwamm und sich freute wie Schnitzel, wenn man mal Drehungen oder fischähnliche Bewegungen unter Wasser machte. Die Tiere anzufassen ist hier mit gutem Recht streng verboten, auch wenn sie noch so nah zu einem kommen, aber zwei Mal kitzelte mich der Seelöwe mit seiner Schnauze an der Hand, was für mich zu den schönsten Momenten der ganzen Reise gehört. Die Seelöwen haben sehr schnell mein Herz erobert, es sind einfach die niedlichsten und witzigsten Tiere die ich je gesehen hab. Unter Wasser elegante und schnelle Schwimmer, an Land hoppelnde und watschelnde Penntüten, die nur ans Ufer kommen um sich in den Sand oder auf die nächste Bank zu flacken. Alle 3h bewegen sie sich dann mal weiter, um wieder in die Sonne zu kommen. Meistens liegen sie nicht allein sondern in kleinen Gruppen, zwei bis vier nebeneinander oder aufeinander, und wenn sich jemand dazugesellen will, auf den sie gerade keinen Bock haben, wird sofort laut gemeckert. Oder eher geblöckt, die Rufe klingen echt so witzig, wie die von besoffenen Schafen. Sie suchen sich generell von den Menschen sehr belebte Stellen wie die Häfen aus, weil sie die Aufmerksamkeit der Leute lieben, vor allem, wenn sie in Ufernähe am schwimmen sind. Verliert man das Interesse, legen sie gleich nochmal ne Schippe drauf, damit man wieder guckt und "ooh" sagt und lacht, dann sind sie zufrieden.
    Wir haben sehr viel über die verschiedenen Pflanzen und Tiere auf Galapagos gelernt, und es ist faszinierend, wie der Mensch sich hier um die Natur kümmert und voller Respekt auf die Tiere und Pflanzen achtet. Und es macht einen auch etwas wehmütig, weil man sich dann direkt vorstellt, wie es wohl wäre, würde man das überall so machen. Die Tiere stehen unter dem Schutz der Menschen, ohne von ihm verändert zu werden. Die Anpassung der Spezien an ihre natürliche Umgebung nicht zu beeinflussen steht an oberster Stelle, wodurch auch das Füttern nicht erlaubt ist. Alle Tiere, außer die gefährdeten in Zucht- und Auffangstationen, müssen ihr Futter selbst jagen und finden. Vor allem der Riesenschildkrötenbestand war zeitweise an einem kritischen Punkt, aber mithilfe akribischer Forschung, Reservaten und Zuchtstationen besteht keine Gefahr für eine der Spezien mehr. Einige Arten haben das Massentöten zum Zwecke der Schildpatt- und Fleischgewinnung in den letzten zwei Jahrhunderten nicht überstanden. Von einer Art der Pinta Inseln allerdings fand man überraschender Weise in den 70ern einen letzten Überlebenden, der seine Gene aber unglücklicher Weise nicht weitergeben konnte und 2012 als letzter seiner (Unter)Art starb. Hier ist er berühmt unter dem Namen Solitario Jorge (Einsamer George).
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  • Day62

    Zwei Dummis auf Galapagos

    August 31, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 25 °C

    Nach einem ganz stressfreien Flug landeten wir Freitagmittag auf der Insel Baltra. Nachdem wir uns ein bisschen ausgeruht hatten, gingen wir in der Fressmeile essen. Allein, dass es hier sowas gibt, zeigt an, dass man jetzt am Touri-Hotspot ist. Auf eine Internetempfehlung hin suchten wir eins der Restaurants aus und aßen dort Garnelen und (zum ersten Mal für uns beide) Hummer (sehr lecker). Die Rechnung mit über 40 Dollar war allerdings ein ziemlicher Schlag in die Fresse, wenn man gewöhnt ist, sonst immer nur um die 3 Dollar für ein Essen zu zahlen. Wer schlau ist, hätte vorher vielleicht einfach mal nach nem Preis gefragt, aber glaubt mir, das war noch nicht unsere dümmste Aktion. Darauf hin kochten wir dann auch ab und zu mal selber in der Hostelküche für uns (auch sehr lecker). Am nächsten Morgen wollten wir die Inselmitte erkunden, und um unabhängig zu sein beschlossen wir, Fahrräder zu mieten. Das Wetter sollte wolkig, aber stabil bleiben und der Hostelheini meinte, mit dem Auto wären es "5 bis 10 Minuten" zu den entsprechenden Orten. Also so ne gute halbe Stunde mit dem Fahrrad, dachten wir. Beim Ausleihen merkte Christoph noch an, dass die Fahrräder keine Schutzbleche hatten, was ich noch mit "dann werden wir halt ein bisschen nass am Popo" kommentierte. Wir hatten leider weder bedacht, dass es vom Strand ins Innere quasi nur bergauf geht, noch, dass das Wetter dort ein ganz anderes war (nämlich Regen) und auch nicht, dass die ecuadorianischen Zeitangaben nicht unseren entsprechen. Wir schafften es gerade mal bis ins nächste Dorf, ließen uns dann dort von einem Pick-Up mitnehmen und mussten nur noch 4km bergab zum Schildkröten-Reservat laufen lassen. Das machte Spaß, aber hinterließ auch deutliche Spuren auf unseren Rücken. Wir kamen so fertig und dreckig im Reservat an, dass der Guide am Eingang fragte, ob es uns gut geht und ob wir einen Unfall gehabt hätten. In dem Park gibt es echt viele Riesenschildkröten, die da den ganzen Tag chillen, fressen und riesen Haufen hinterlassen, die überall auf den Wegen liegen. Auf den Inseln kann man außerdem viele Lavatunnel durchlaufen, die sich gebildet haben, als heißes Magma durch die Erde floss und außen verhärtete. Sehen sehr beeindruckend aus. Für den ganzen Rückweg gönnten wir und ein Taxi, Fahrräder leihen hatte sich für den Tag also echt richtig gelohnt.
    Am nächten Tag wollten wir uns Tickets für die 2 Uhr Fährenüberfahrt für die Insel Isabela kaufen. Das erste Reisebüro meinte, es gäbe absolut keine Plätze mehr, beim 2. hatten wir Glück und bekamen 2 Plätze auf der "Gabi". Wobei uns das schon wieder sehr komisch vorkam, weil die alle auf die gleichen Boote zugreifen. Als wir dann gerade zum Strand gehen wollten, kam eine Nachricht: Boot defekt, Fahrt der Gabi gecancelt. Also Geld wiederholen und die ganze Schose nochmal. Wir saßen keine 5 Minuten am Strand, als wieder ne Absage kam. An sich hätten wir auch einfach am nächsten Morgen fahren können, aber wir hatten in weiser Voraussicht schon unser Hostel auf Isabela gebucht und bezahlt. Ich dachte, die Info über das defekte Boot hätte das zweite Büro einfach später erreicht, aber Christoph war sicher, dass die uns einfach verarschen wollen. Als wir dann ins nächste Büro gingen, waren, oh Wunder, noch Plätze auf der Gabi zu haben und alles lief reibungslos. Manchmal sind die Eccis einfach komisch. Wir waren auf jeden Fall erleichtert, dass wir nicht eine Nacht doppelt zahlen mussten. Die zweistündige Bootsfahrt überstand ich sehr gut, da mir Christoph Reisetabletten mitgebracht hat, damit sowas wir beim Whale Whatching nicht wieder passiert. Ich werd davon zwar etwas dusselig, aber der Wellengang macht mir absolut nix mehr aus, weil die ganz schön reinknallen 🤪.
    Im Hostel angekommen, kam der Tag zu seinem Höhepunkt: Ich hatte das Hostel versehentlich erst für den folgenden Tag gebucht. Und für den Tag gab es natürlich keine Zimmer mehr.
    Aber irgendwie konnte uns nix mehr schocken, wir fanden schnell ein neues Hostel bei einem lieben, alten Ehepaar, wo wir die nächsten Tage über blieben. Fortsetzung folgt, Urwaldbeitrag wird noch nachgereicht 😬.
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  • Day59

    El Oriente

    August 28, 2019 in Ecuador ⋅ 🌧 25 °C

    Noch ein kleiner Fotonachtrag, da ich hier nur eine begrenzte Anzahl hochladen kann.
    Die Bilder können vielleicht eine Idee von der Atmosphäre geben. Am Schönsten war es, einfach auf dem Kanu auf dem Fluss entlang zu treiben, den Vögeln zu lauschen, hier und da mal einen Otter, Affen oder Aras zu sehen und diese wilde Welt in sich aufzunehmen. Die Gruppe, in der wir unterwegs waren, war auch echt cool und entspannt. Abends saßen wir zusammen und zockten Wizard oder Werwolf, was richtig lustig war und ich schon ewig nicht mehr gemacht hab. Und wie gesagt, war Fernando auch ein wahrer Glücksgriff, man hat einfach gemerkt, dass es seine Leidenschaft ist und er wirklich Ahnung hat. Und wir haben uns sehr gut mit ihm verstanden, er ist echt ein witziger Typ. Er hatte sicher auch seinen Spaß, als wir an Tag 2 einer nach dem anderen in den Tümpel fielen oder uns die Gummistiefel voll liefen. "Oriente" wird hier übrigens die Regenwaldgegend genannt, was so gut 1/3 Ecuadors ausmacht.
    Und was nimmt man aus dem Oriente mit? Krasse Eindrücke und 1000 Mückenstiche. Letzteres bleibt Gott sei Dank nicht für immer.

    Danke an Tom für die Fotos.
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  • Day58

    Das sind Härten

    August 27, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 30 °C

    Urwald die Zweite
    Am letzten Tag besuchten wir ein indigenes Volk, das in einem kleinen Dorf im Urwald wohnt. Und nach dem Besuch dort, weiß ich jetzt auch, was ein Kulturschock ist.
    Das Dorf hat 28 Einwohner und die Leute leben zu zweit bis viert in kleinen Hütten auf Holzstelzen. Drum herum bauen sie Nahrung an (gesehen habe ich Banane und Yuka, aber es ist bestimmt mehr), leben allerdings nicht vollständig autag. Der Mann, der uns rumführte, erzählte, dass sie ab und an mit dem Boot zum Einkaufen fahren. Das Volk spricht ihre indigene Sprache (Shuar?) und nur wenige können Spanisch, was ich schon total krass finde. Soweit die Umstände.
    Dank Fernando wurde es uns also ermöglicht, die Leute im Rahmen einer Unterrichtsstunde ein paar Stunden zu besuchen: Wir lernten, wie man Yukabrot macht.
    Dazu gingen wir erstmal zum ernten aufs Feld. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Gruppe Kinder, die waren noch relativ klein, ich glaube so zwischen 3 und 5, und sie trugen etwas mit sich rum. Als wir näher kamen sahen wir, dass es ein kleiner Ameisenbär war. Keine Ahnung, ob das ein Haustier war oder sie den einfach for fun aus dem Wald gefischt haben, aber hier herrscht auf jeden Fall ein anderes Verständnis zum Umgang mit Tieren. Verstörender aber noch als die Tatsache, dass fünf Kleinkinder einen Ameisenbären an seinen Armen und Beinen durch die Gegend trugen, war, was eines der Kinder bei sich trug. Ein Mädchen mit schwarzen, zotteligen Haaren in einem weißen Kleid mit roten Herzen drauf hatte einfach, ganz lässig und selbstverständlich, eine Machete dabei. Und die war maximal 5 Jahre alt. Wir guckten uns alle ziemlich ungläubig an; das ist so ein Moment, wo man zu den Kindern gehen und mal kurz die Dinge in Ordnung bringen will, aber das kann man halt nicht. Man kann nur gucken und staunen.
    Zurück zum Yukabrot.
    Yuka ist die Wurzel eines Baumes, ich würde sagen es sieht aus wie ein großer Rettich. Zum Ernten muss man den kleinen Baum abschlagen und die Wurzel ausbuddeln. Danach wird die Yuka geschält und kleingerieben. Die Dorfbewohner machten uns die Schritte kurz vor und schauten uns dann beim Arbeiten zu. Manchmal stellten wir uns etwas doof an, das Schälen zum Beispiel ist auch echt nicht ganz einfach, aber ich glaube insgesamt schlugen wir uns gar nicht so schlecht. Wenn man davon absieht, dass sich fast jeder einmal beim kleinreiben in den Finger raspelte. Aus dem Matsch wird dann mit einer Wringmatte und abgefahrener Technik jeder Fitzel Wasser gewürgt, bis man ein Mehl hat. Dieses kann man ohne weitere Zusätze auf einem heißen Stein zu einem Fladenbrot backen. Es schmeckt gut, aber allein etwas fad. Da wir in dem Moment unser Mittagessen von Fernando bekamen, dass auf dem Boot gekocht wurde, konnten wir einen Spagetti-Gemüse-Tacco kreieren. Das Rezept ist es auf jeden Fall wert, weiter verbessert zu werden.
    Die gesamte Situation ist so schwer zu erfassen und zu beschreiben. Während des Zubereitungsprozesses lagen um uns einige Macheten rum, während die Kinder fröhlich rumhüpften und mal eine aufnahmen und damit rumfuchtelten. Einer der Alten trank die ganze Zeit ne Brühe aus einem Pott und gab es uns zum Probieren. Vermutlich ein gegorener Saft, es hatte was sehr hefiges und war eindeutig mit Alkohol, und eigentlich auch ganz lecker. Als ich dann später sah, dass sich auch die Kinder vor den Augen der Erwachsenen daran bedienten, haute es mir endgültig des Schalter raus. Oder um es mit Leas Worten zu sagen: das sind richtige Härten.
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  • Day55

    Du musst den Dreck lieben

    August 24, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 28 °C

    Lang ersehnt und endlich da: mein Urwaldpost, Teil 1.

    5 Uhr morgens kamen Christoph und ich in Coca an und warteten am Ufer des Flusses auf unsere Crew: mit Franka und Tom aus Guasmo, Nina aus Olón und Sophia, Lea und Julia aus Playas hatten wir uns eine geführte Reise in den Urwald Ecuadors gebucht. Kurz vor knapp trafen die anderen ein und es ging los: nach 8h Busfahrt warteten weitere 8h mit dem Passagierboot auf uns, den Fluss rauf in den Urwald rein. Es waren Kistenweise Lebensmittel mit an Bord, die bei Dörfern am Flussufer abgeladen wurden. Manchmal standen, ohne irgendein ersichtliches Zeichen, andere Passagiere auf, das Boot fuhr ans Ufer und ließ die Leute in ihrem 20-Einwohner-Dorf aussteigen. Wie man nach 6h Urwald auf die Minute genau seinen Wohnort identifizieren kann, ist mir ein absolutes Rätsel. In Nuevo Rocafuerte trafen wir auf Fernando, unseren Guide und am nächsten morgen fuhren wir auf einem kleinen Boot nur mit unserer Gruppe dann in unser Camp, mitten im Urwald an einer Lagune. Fernandos Frau und Kinder waren die ganze Zeit über mit dabei und sorgten für unsere Verpflegung. Es gab "kontinentales Essen", heißt Pancakes zum Frühstück und Abends auch mal Nudeln (ohne Reis!). Das Camp war einfach ein großer Tisch, an dem gekocht und gegessen wurde, und eine riesen Plane, unter der unsere Zelten standen. Also sehr schön und direkt in der Natur, aber eben auch ohne jeden Luxus wie fließend Wasser oder Strom. Die ganze Zeit über konnten wir uns überhaupt nicht waschen, mussten aber täglich mehrmals Mückenschutz und Sonnencreme auftragen, wodurch dann sämtlicher Dreck an uns kleben blieb, den man schön mit einmassierte. Als Christoph zu Beginn seine Bedenken zur Hygiene äußerte, sagte ich ihm darauf hin, dass man sich damit halt anfreunden, "den Dreck lieben" muss. Das es mich selbst so an die Grenze treiben wird war mir nicht klar, und bei jeder meiner Beschwerden zu meinen fettigen Haaren, stinkenden Füßen und dreckigen, juckenden Beinen bekam ich den Spruch natürlich wieder sofort aufs Brot geschmiert.

    Jeden Tag unternahmen wir von Camp aus Touren zu verschiedenen Stellen im Urwald. Dazu fuhren wir mit dem Kanu den Fluss entlang, legten im Nirgendwo an und wurden von Fernando umher geführt. Unser Guide war ein echter Glücksgriff, der uns schon von anderen MoGs empfohlen worden war. Er kannte alle Pflanzen und jedes noch so kleine Insekt, konnte Tiere anhand ihrer Rufe orten, ihre Nester und Höhlen bestimmen und ihre Fußspuren zuordnen. An Tag 2 zahlte sich das besonders aus. Wir waren mitten in einem Supf unterwegs, den man nur durch wahre Balancekünste, mit viel Geduld und etwas Glück trocken überwinden konnte (unser Vorhaben, Fernando erste Gruppe zu sein, die es vollkommen trocken auf die andere Seite schafft, hielt sich so etwa 10 Minuten, bis unsere erste Frau abdankte). Auf dem Rückweg der gleichen Strecke (alle totmüde und es ließ nochmal mindestens 3 von uns rein) horchte Fernando auf, spurtete gekonnt an uns vorbei und deutete uns allen leise zu sein. Man hörte von weitem die Laute von Wildschweinen. Noch bevor sie in Sichtweite waren, konnte man sie schon riechen, puh. Die Rotte kam echt sehr nah an und heran, ohne uns 8 zu bemerken, die wir regungslos auf dem Waldboden lagen und gespannt die Tiere beobachteten. So nah, dass ich irgendwann fast etwas Schiss bekam, man sagt ja immer, Wildschweine seien sehr aggressiv. Aber irgendwann machte Fernando sich bemerkbar und die Mannschaft lief aufgeregt und empört quiekend davon.
    Ansonsten sahen wir viele Spinnen in besorgnisserregenden Größen, Aras die über uns flogen, wir beobachteten Faultiere und Affen in den Bäumen, angelten und aßen unsere eigenen Piranhas und fuhren bei Dunkelheit mit dem Kanu raus und konnten im klaren Sternenhimmel die Milchstraße angucken. Bei einer Nachtfahrt fischte Fernando mit bloßen Händen vor unseren Augen einen Babykalmar aus dem Wasser, den Sophia allerdings in einem plötzlichen Anflug von Panik, das Tier in der Hand zu haben, hektisch zurück ins Wasser schmiss, was wirklich sehr lustig war. Und der Kalmar war ihr wahrscheinlich sehr dankbar, dass er uns los war.

    [Danke an Tom für die Fotos! :)]
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  • Day54

    Gott wirds richten

    August 23, 2019 in Ecuador ⋅ ⛅ 20 °C

    Ich bin wieder in der Zivilisation angekommen! Ich war ein paar Tage von der Außenwelt abgeschnitten, aber first things first. Ich bin ab jetzt nicht mehr allein unterwegs sondern reise seit Donnerstag mit Christoph zusammen, der abends aus Deutschland angekommen ist. Ich hab sehr schnell gemerkt: alleine reisen ist ganz cool, und ich wäre auch gern die Person, die ganz selbstständig andere Kontinente erkundet, aber wenn ich mal ehrlich bin, ist es mit jemand anderem viel lustiger. Kleine Missgeschicke, wie 15 Minuten mit dem Bus in die falsche Richtung fahren, seine Schuhe braun einfärben oder zum alten Hostel zurückgehen, um sein Kissen zu suchen, sind mit einer anderen Person witzig, alleine aber irgendwie ätzend.
    In Quito haben wir ein bisschen Sightseeing betrieben. Was für mich in jeder Stadt sein muss ist natürlich der Aussichtspunkt über die Stadt, und da wird man von Quito auch keineswegs enttäuscht. Die höchste Hauptstadt der Welt hat echt eine beeindruckende Skyline mit der Altstadt, den Hochhäusern, bunten Vierteln und Bergen drumrum.
    Das Busfahren hier ist, wie so oft, mal wieder ein Erlebnis für sich. Jeder Bus hat neben dem Fahrer noch eine Beifahrerin, die die 25ct Fahrpreis abkassiert und bei jeder Haltestelle das Ziel ausm Fenster brüllt (obwohl es auch außen am Bus steht). Außerdem fuchtelt sie mit der Hand aus dem rechten Fenster, wenn der Bus sich rechts einreihen will, um quasi die Autos zurück zu halten, was aber viele nicht interessiert, daher brettert der Fahrer früher oder später eh wie ein Irrer in die Reihe. In den Stops an Ampeln werden vom Fahrer eben WhatsApp-Nachrichten gecheckt und auf der Nordtangente wird mal eben bei Mutti durchgerufen, was man halt nicht alles machen muss.

    Passend dazu aus der Sprachforschung: Die Eccis haben 2 verbreitete Arten, einen Anruf zu Beantworten. Version eins ist "Hallo" (H ist stumm, also eher "állo"). Ansonsten wird Hallo aber nie benutzt. Version 2 ist "Dime", was "Sags mir" bedeutet. Würde in Deutschland etwas ruppig rüber kommen, ist hier aber ganz normal.

    In den Bussen (in ganz Ecuador) hängen vorne oft Gottesbildnisse, die wohl eine gesegnete und behütete Fahrt garantieren sollen. Meine Meinung nach wäre es wesentlich effektiver, einfach nicht wie die gesengte Sau zu fahren, statt das Schicksal für die Sicherheit in Gottes Hände zu legen, aber vielleicht habe ich die Abmachung zwischen den Fahrern und dem heiligen Vater auch nur nicht mitbekommen. Bezeichnend fand ich Toms und Frankas Erzählung eines Taxifahrers, der sich vor dem Überqueren viel befahrener Straßen schnell bekreuzigte und dann dauf losbretterte. Daran, dass Gott sie vor Unheil bewahren wird, glauben die Eccis fest, aber, dass Ampeln, Gurte und Verkehrsregeln Gottes Antwort für Sicherheit sein könnten, eher weniger. Was uns behütete Deutsche hier natürlich regelmäßig ins Schwitzen bringt. 

    Freitagabend haben wir uns einen Nachtbus nach Coca genommen, und dann ging das Abenteuer los...
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