VaLatina

Joined January 2017
  • Day454

    Maßlos unterbewertet

    April 26, 2018 in Bolivia ⋅ ⛅ 30 °C

    Bei meinem Aufbruch aus dem Dschungel steht noch immer nicht genau fest wohin es weitergeht. Die Großstadt Santa Cruz, wo ich von Brasilien aus angekommen bin, habe ich direkt verlassen ohne mich so recht umzusehen. Doch alle Welt spricht von Samaipata, einem kleinen Dörfchen nebenan und ist der Meinung Santa Cruz lohne nicht. So lasse ich das Schicksal entscheiden und folge dem Ruf der Couchsurfing-Host, die mich zu sich in die Großstadt einlädt. 😉 ...und wer hätte gedacht das mir dies am Ende ermöglicht beide Orte kennenzulernen. 😊

    Meine Erwartung war bei einer Sprachstudentin meines Alters im Zentrum zu wohnen, diese hat mich aber bei ihrem Onkel mit größerer Wohnung und mehr Freizeit einquartiet: Willy.

    Mein Aufenthalt vetlief nach dem Motto "Onkel Willy regelt alles!" 😂 Den welches Problemchen ich auch erwähne, Willy nimmt sich dem gleich an, so dass ich meine komplette Liste, von Hose nähen lassen über Kamerareparatur bis hin zum Handykauf abarbeiten kann. Nebenbei gibt es noch eine Einführung in die bolivianische Kultur mit Schwerpunkt traditionelle Gerichte sowie eine Stadtführung. 😊 Mein Highlight ist der abendliche Spaziergang durch den urbanen Park, wo Gruppen von Jugendlichen Choreographien traditioneller Tänze einstudieren, breakdancen, skaten sowie als Clown verkleidet für Kinderunterhaltung sorgen.

    Willy's Nichte habe ich im Endeffekt kaum zu Gesicht bekommen, aber zumindest die Chance genutzt ihrer Uni einen Besuch abzustatten. Die Professorin war begeistert und hat eine Art Pressekonferenz draus gemacht, wobei die Studenten mir nur "interessante Fragen" stellen durften. 😅

    Insgesamt ist Santa Cruz gar nicht so langweilig wie unter Reisenden bekannt und obwohl ich dem selbst nicht beiwohnen konnte, finde ich die Tatsache, das jeden Donnerstag mit dem Bürgermeister auf dem Hauptplatz dinniert werden kann, ziemlich cool. 😊
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  • Day450

    Urwaldausflug

    April 22, 2018 in Bolivia ⋅ ⛅ 26 °C

    Zum Anlass des Tages der Mutter Erde begeben wir uns für ein Wochenende in den Urwald - Nationalpark Amboro, wo wir über die beeindruckenden Fähigkeiten, Variationen und Symbiosen von Pflanzen unterrichtet werden (und uns Zweifel aufkommen dass Menschen die intelligententesten Lebewesen sein sollen 😂)
    Die Pflanzen hier können wandern, von oben nach unten wachsen, sich schälen und bewaffnen, im Inneren Unterschlupf für Soldaten bieten, als Kommunikationsmittel dienen und sich einander durch feste Umarmungen ausmerzen. Wir sind umgeben von meterlangen roten Wurzeln, uralten Bäumen, Riesenfarn, einer großen Variation von Wildfrüchten, weißen Flüssen, medizinischen Ameisen, giftigen Nachtfalter und Riesenameisen, deren Biss einen menschlichen Körperteil für 24 Stunden lähmen kann... und natürlich wieder Affen und Vögeln.
    Bei den ganzen Stories von verloren gegangen Touristen sind wir ganz froh dass ein Guide verpflichtend ist. 😅
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  • Day418

    Spaß(t) in der Wartehalle

    March 21, 2018 in Brazil ⋅ ⛅ 25 °C

    Es kann so einfach sein sich und einer fremden Person einen schönen Tag zu bereiten! 😊 Meine Reise von einem zum nächsten Workaway-Host zog sich über 33 Stunden mit reichlich Wartezeit. Alleine mit meinen zwei Rucksäcken im Schlepptau, umgeben von einigen zwielichtigen, teilweise aufdringlichen Personen, limitiertem WLAN und dem Aufrag sowohl das Tablet in Sicherheit zu wissen als auch Akku zu sparen, nachdem sich mein Ladekabel unerklärlicherweise in Luft aufgelöst hat, klingt nach Langeweile pur...

    ...wäre da nicht dieser 60-jährige Soziologie-&Philosophie-Professor vom Amazonas, der mir gleich Kaffee, Rotwein, Wasser und Cracker anbietet, sobald ich den Platz neben ihm besetze. Angenommen habe ich nur letzteres, nachdem wir uns, sowie die Wartenden um uns herum, gut amüsiert haben, mit kleinen Späßchen, Sprachmissverständnissen und Moralgeschichten. Es stellte sich heraus dass seine Tochter genau 4 Tage nach mir zur Welt kam und das Portugiesisch im Norden Brasiliens voll ist von Vokabeln, die im Rest des Landes niemand nutzt. 🙈 Ich habe in kurzer Zeit so einiges über die Lebenseinstellung von "Amazonistas" gelernt und eine weise (?) Botschaft vom "Indio velho" (= alten Indianer) mit auf den Weg bekommen: "Para ser feliz temos fazer coisas que não gostamos e superar as emoções" (= Um glücklich zu sein, müssen wir Dinge machen, die wir nicht mögen, und unsere Emotionen überwinden).

    PS: Mein Sitznachbar im Bus - ein junger Typ im BVB-Trikot - hat in 12 Stunden kein Wort mit mir gewechselt und ist dann auf einen leeren Doppelsitz weiter vorne geflüchtet. 😂
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  • Day416

    Slowfood-Life

    March 19, 2018 in Brazil ⋅ ⛅ 30 °C

    Darf ich vorstellen: "Fazenda Malabar", eine Farm, die saisonale Obstkörbe mit organisch angebautem Obst und Gemüse in verschiedenen Größen zusammenstellt und an Kunden in São Paulo ausliefert sowie ihre Kommunikationskanäle zu edukativen Zwecken nutzt. Gegründet von einem jungen Geschwister-Paar, das ihr Land für einen guten Zweck nutzen will, bewohnt und bearbeitet von drei jungen Ökologie-Absolventen und einer noch jüngeren lokalen Familie.

    Tolles Projekt und gleichzeitig meine wohl härteste Workaway-Erfahrung, was mir wieder zeigt wie viel harte Arbeit hinter dem Wandel zu mehr Nachhaltigkeit steckt und wie viel guter Willen sowie intrinsische Motivation und Überzeugung das Richtige zu tun benötigt wird, um es durchzuziehen.

    Aller Anfang war vor allem aufgrund fehlender Kommunikation vorab und der Gruppenkonstellation schwer. Sicher hat auch die Tatsache dass ich in letzter Zeit komfortablere Unterkunft und intensivere Wertschätzung gewöhnt war seinen Teil dazu beigetragen, dass meine Motivation schon am Abend meiner Ankunft stark gesunken ist. Schnell war klar, dass hier mehr Arbeitsstunden erwartet werden als im Profil angekündigt und somit die Essenz von Workaway übergangen wird. Leider ist dies bei vielen Projekten der Fall, nur lehne ich diese normalerweise schon im Vorfeld ab, wenn ich darüber unterrichtet werde.

    Im Grunde fügen sich die Freiwilligen in den Tages-Rhythmus der Beteiligten an: Täglich um 5:00 aufstehen, frühstücken und mit nem Bulli raus aufs Feld fahren. Nach etwa 5 Stunden Gemüse(samen)-Pflanzen, Unkraut jäten, Beete umgraben, Mist, selbsthergestellten Bio-Dünger und Stroh verteilen gibt es eine Pause, bevor es um 12:00 zum Mittagessen bei einer Nachbarin geht. Drei Mal die Woche muss jede/r Freiwillige nachmittags nochmal für etwa 3 Stunden raus (was Feldarbeit bei praller Sonne bedeuten kann), ein Mal die Woche das Haus in Schach bringen sowie mehrmals die Woche für alle Abendessen kochen und Brot backen.
    Zwei mal die Woche wird morgens geerntet, die Lieferung zusammengestellt und auf den Weg gebracht. Obwohl Erntetage schon um 4:30 anfangen und auch mal bis 12:00 durchgearbeitet wird, ist das die leichteste und erfüllendste Arbeit.
    Wenn der Bulli dann vollgepackt mit Biokisten zur Ausfuhr nach São Paulo muss oder ein Teil der Strecke wegen Regen am Vortag nicht befahrbar ist, bleibt uns manchmal nichts anderes übrig als (in der prallen Sonne) zu Fuß zu gehen. Aufgrund der unvermeidbaren Weg- und Wartezeiten bleibt trotz langem Tag kaum Zeit zur freien Verfügung. Unvorhersehbare Wetterkonditionen und hohe Dichte unbeliebter Insekten erschweren das Ganze noch, führen aber gleichzeitig zu reichlich Witz-Material... 😂 Denn am Ende sitzen hier alle im selben Boot! Bewohner und Freiwillige teilen diesselben Arbeitszeiten, Wohnkonditionen, Nahrungsmittel etc. und verdienen zum aktuellen Zeitpunkt so gut wie gar nichts.

    Der "Boss" der Unternehmung hatte ein offenes Ohr für meine Kritik sowie Interesse an meiner Meinung, meinen Verbesserungsvorschlägen und Business-Ideen. Gegebenenfalls habe ich hier auch jemanden zur Anwendung der GWÖ-Matrix (mein Masterarbeits-Thema) rekrutiert... 😉

    Was ich sonst noch mitnehme bzw. warum sich mein Einsatz hier definitiv gelohnt hat:

    * Das Wissen dass hier tatkräftig an der Ermöglichung eines gesünderen und nachhaltigeren Lebensstils gearbeitet, sowie Aufklärungsarbeit geleistet wird, um diesen zu verbreiten. Geplant sind z.B. die Einführung von PUNC-Food (essbares Unkraut) inkl. Unterrichtung über deren nutritiven Wert und ihre Nutzung in Form von Rezeptideen (zumindest ist das meine ideale Umsetzungsvorstellung, die ich mit allen geteilt habe 😅).

    * Analyse von Führungstechniken und ihre Auswirkung auf Motivation und Arbeit des Teams, sowie die Auswirkung von Kommunikationsdefizit und den Umgang damit. Ich habe nach kurzer Zeit die Rolle der Kommunikations-Brücke übernommen, so dass vor allem Neuankömmlinge ihre Fragen an mich statt die Gruppenleitung gerichtet haben und auch diese teilweise Infos über mich ausgetauscht hat.

    * Beobachtung von Gruppen-Dynamik, Team-Rollen und wie schnell sich alles durch Abreisende und Neuzugänge ändert, sowie generelle Auseinandersetzung mit Themen, die jüngere Generationen bewegt und was sich ggf. mit dem Reifegrad ändert. 😋

    * Austausch und Unterrichtung bzgl. wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Themen einschließlich der Rolle der Frau in all diesen Kategorien sowie Feminismus im Allgemeinen. In ein paar heißen Diskussionen auf (überwiegend) gebildetem Level, stand ich so einigen Überzeugungen gegenüber, die mich zum Nachdenken, Hinterfragen und Zurechtlegen starker Argumente gebracht haben - Exzellente Praktik in Standhaftigkeit, Argumentation und Wortwahl auf mehreren Sprachen gleichzeitig. 😉
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  • Day401

    Live Music City

    March 4, 2018 in Brazil ⋅ ⛅ 28 °C

    Anti-Großstadt, wie ich generell bin, vergesse ich wohl oft die schönen Seiten und Vorteile von "urban life"...
    Einfach morgens vor die Haustür getreten in der größten Stadt Südamerikas und schon fand ich gefallen an São Paulo. Überall war Musik: Livebands, Einzelmusiker, kreatives Zusammenspiel von Audiomedien und Instrumenten. Auf jeden Schritt und Tritt ein anderer Ohrenschmaus. 😍🎸🎤🎷
    Scheinbar wird die Avenida Paulista, eine der Hauptstraßen, jeden Sonntag für Autos gesperrt und füllt sich mit kleinen Ständen kreativer Köpfe. So kann man den ganzen Tag durch die Straße bummeln, etlichen Konzerten beiwohnen und coole Leute treffen.

    Faszinierend fand ich auch einen der ersten Parks in São Paulo, der mit riesen Spielplatz, Skatepark und anderen Freizeit-Locations, wie einem Museum über die Afro-Brasilianishe Geschichte und Kultur, mitten im Grün umgeben von Radwegen ausgestattet ist. Hier scheinen alle super aktiv und kreativ zu sein. 😊

    Über die Internationale Studenten-WG (Kanada, USA, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich - inkl. Freunde), bei der ich ein paar Tage gewohnt habe, war ich etwas schockiert... hätte mir gewünscht dass sich ihr viel artikuliertes Interesse an der brasilianischen Kultur und das Bewusstsein über Unterschiede, ihre Einstellung zur Rolle der Frau, ihre Kritik an Politik und Wirtschafts-System sowie ihr Verständnis von der Wichtigkeit eines nachhaltigen Lebensstils auch in der Praxis wiederspiegelt...
    Mit der einzigen Brasilianerin der WG und ihren Freunden bzw. Freundes-Freunden hingegen war ich absolut auf einer Wellenlänge und könnte mi h stundenlang über weltbewegende Themen unterhalten. 😊
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  • Day399

    Wasser(fall)-Paraties

    March 2, 2018 in Brazil ⋅ ☀️ 31 °C

    Wie oft hab ich nur den 1. Satz über das Touristenhighlight Paraty im Lonelyplanet gelesen: "Du weißt dass ein Ort authentisch ist, wenn die Pflastersteine so uneben sind, dass deine Füße beim Laufen wehtun." Tatsächlich kann ich dem nur zustimmen. Ob das nun für die Autenzität des Kolonial-Städtchens oder übermäßiges Wasserfallrutschen mit fehlplatzierten Unterwasser-Felsen am Vortag hinweist sei dahingestellt. 😅🙈

    Gelohnt hat es sich auf jeden Fall! 😊 Auch wenn mich beim Anblick der letzten Wasserfall-Rutsche (5. Bild) der Mut verlassen hat...

    Ansonsten hat mich Paraty mit Venedig-Optik überrascht. Am Rande des historischen Zentrums enden die uneben gepflasterten Straßen nämlich im Ozean des Anlegehafens für Touri-Boote und sind somit überflutet. Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern so gewollt. Damit die Wassermassen die Mauern nicht brechen, wird ihnen durch eine Lücke gewährt auf Land zu passieren. 😅

    Nach 3 Tagen mit meinem brasilianischen Hosts und etlichen Konversationen über kulturelle Unterschiede und Feminismus, sehe ich ein, dass Brasilien im Vergleich zu den vorab bereisten Ländern Südamerikas definitiv machoistischer ist... Abseits vom sehr dominanten und alltäglich präsentem Schönheitsideal der Frauen hier und der Aufdringlichkeit bzw. Nachdruck der Männeranmachen, hat mi h folgende Situation letztendlich davon überzeugt:
    Auf dem Geburtstagsevent der Stadt, stand ich neben meinem Host in der Menge, als ein neben mir tanzender Typ mich offensichtlich ansprechen will, jedoch erst den Umweg zu meinem Host macht um zu fragen ob er denn mit mir sprechen dürfte. 😳 Ich war empört allein schon von der Idee dass jemand anderes für mich entscheiden dürfte wer mit mir sprechen darf und wer nicht. Als ich das später meinem Host gegenüber erwähnte, entgegnete er dass dies in Brasilien für gute Erziehung spricht. Auf die Frage ob es auch in umgekehrten Rollen der Fall wäre, kam ihm nur ein halbverschlucktes einsichtiges "Nein" heraus...
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  • Day397

    Spontan-Ausflug

    February 28, 2018 in Brazil ⋅ ⛅ 25 °C

    Was mit einem knapp verpassten Bus anfing, entpuppte sich dann doch als nette Planänderung. 😊 Wenn die Mitfahrgelegenheit aber auch aus einem Kolumbianer und einem Brasilianer besteht, hätte mir ja eigentlich schon klar sein müssen dass 7Uhr Abfahrt nicht gleich 7Uhr ist... gepaart mit einer Fehlinformation über den Abfahrtsplan, stand ich plötzlich da, am Rodoviária (=ZOB) in Cunha und hatte 7 Stunden bis zum nächsten Bus zu vertreiben. 😏

    In Null Komma Nichts hab ich mich in Tagesausflug-Schale geworfen, meinen Rucksack in gesicherte Aufbewahrung gegeben und mich blindlinks auf die steilen Auf- und Abstiege Cunhas begeben. Ich fühlte mich wie im Beatle-Land... wie ich später erfahren habe, eignet sich dieses Auto wohl besonders gut fürs Berganfahren. 😂 Einen netten Flair verleiht es auf jeden Fall!

    Es stellt sich heraus dass die Kleinstadt außerdem berühmt für ihre Keramik ist, da hier eine aus Japan stammende Technik angewendet wird, die selbst in ihrem Ursprungsland nicht mehr praktiziert wird. Es gibt eine ganze Straße voller Keramik-Ateliers, mit den verschiedensten Stilen. In einem hatte ich sogar das Glück einen älteren Herren bei der Arbeit zu erwischen und begeistert über meine Neugier, Herkunft und mein Weltenbummler-Dasein gab es eine ausführliche Erläuterung über Keramik, seine Lebensgeschichte, eine Führung durch alle Herstellungsstufen bis hin zur Demonstration auf der Drehscheibe. 😍
    Wie einfach es doch für zwei Fremde sein kann sich gegenseitig einen schönen Tag zu bereiten! 😊
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