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  • Day40

    Day #37 Cu Chi Tunnels

    October 12, 2017 in Vietnam ⋅ ⛅ 24 °C

    Der Süden Vietnams, genauer gesagt, Saigon oder Ho Chi Minh City (je nach dem, wen man fragt), macht bis jetzt einen sehr sympatischen Eindruck auf mich.
    Nach den ersten Quervergleichen, welche ich in den letzten 24 Stunden gemacht habe, kann ich sagen, dass die Menschen, welche ich getroffen habe, sehr freundlich gegenüber Touristen sind. Von der "Null-Bock" Attitüde, welche Dienstleister in Indonesien in den meisten Fällen ausgestrahlt haben, bemerkte ich hier bis jetzt auch nichts.

    Das Chaos auf den Strassen gleicht dem von Indonesien, jedoch ist das Roller/Auto Verhältniss etwas anders. Man bekommt den Eindruck, dass jeder Vietnamese einen Roller besitzt! Die vereinzelten Autos sind dafür mit ausgefallenen Hupen und extra LED-Lichtern ausgerüstet. Auf den Strassen herrscht wie gewohnt das Gesetzt des Stärkeren und Rollerfahrer müssen auch mal in den Strassengraben hechten, um eine Kollision zu vermeiden.

    Wir übernachten in Saigon im Bezirk 1, in einem einfach eingerichteten, dafür umso gemütlicheren Guest House, dessen Besitzer sehr grossen Wert darauf legt, dass man die Schuhe noch vor der Haustüre auszieht.

    Heute Morgen frühstückten wir gemächlich das uns servierte Baguette mit Ei-Beilage nach Wahl (In Vietnam mag und ist man viel Weissbrot Baguette). Muss an der Kolonialisierung durch die Franzosen liegen. ^^

    Nach dem Frühstück hatten wir etwas Zeit übrig, bevor um 11 Uhr unsere Tour zu den Cu Chi Tunnel startete. Ich nutzte dies, um spontan eine Vietnam Food Tour, am darauffolgenden Abend zu buchen. Wegen der Kurzfristigkeit, konnte ich nur noch telefonisch buchen.
    Da in Vietnam die Menschen eher schlecht Englisch verstehen und über Telefon erst recht nicht, wurde dies zu einer Herausforderung.
    Mit Schreibblock und Tablet bewaffnet, ging ich zum Guest House Besitzer und bat ihn um Hilfe. Wir tätigten abwechslungsweise das Telefonat, wenn ich mit meinem Englisch nicht mehr weiter kam und benutzte den Schreibblock, wenn es darum ging Namen und andere Details zu diktieren.

    Ob es geklappt hat, werde ich morgen Abend sehen. :)

    Um 11 Uhr wurden wir pünktlich abgeholt und wenig später brausten wir auf einem Speed Boat, flussaufwärts, Richtung Cu Chi Tunnel.

    Im unserer englischsprachig geführten Gruppe waren Leute aus Schweden, Holland, Südafrika und Australien vertreten. Was ich eigenartig fand war, dass sich ein kleines Grüppchen von vier Personen, abgesondert und mit eigenem Guide, ebenfalls auf dem Boot befand. Die Lösung zu diesem Rätsel war simpel, sowie äusserst amüsant; Es gibt nur ein, mir bekanntes Volk, welches sich weigert andere Sprachen zu lernen oder zu sprechen. Und ja, bei dem gesonderten Grüppchen handelte es sich um Franzosen.

    Die Tunnel selber, welche die Vietcong wärend dem Vietnamkrieg erschufen und benutzten, um ihren Gegenspielern, welche eigens aus der USA angereist sind, das Lebens schwer zu machen, waren beeindruckend und verdammt beengend. Natürlich wurden die Tunnel nicht grösser als nötig gebaut, um Zeit und Energie zu sparren, und die Vietnamesen waren zu dieser Zeit nicht nur klein, sondern vom Krieg ausgezerrt, auch noch mager und passten durch klaustrophobisch kleine Tunnel.

    Übertrumpft, wenn es ums Beeindrucken ging, wurden die Tunnel lediglich durch die Anzahl an ausgeklügelten und grausamen Fallen und Fallgruben, welche ausgestellt waren und von den Vietcong eingesetzt wurden.

    Verstanden habe ich diesen Krieg jedenfalls noch nicht. Aber in Ho Chi Minh City gibt es bestimmt noch die eine oder andere Dokumentation zu dieser grausamen Epoche. Was sicher ist, ist dass die Vietnamesen ihre Differenzen eigentlich alleine regeln wollten und ihr Land unglücklicherweise zum Austragungsort eines indirekten Kräftemessens zwischen der UdSSR und der USA wurde. Die Tunnel und das Dasein in denselben über 25 Jahre, zeigte sehr eindrücklich, mit welcher Verbissenheit die VCs gegen eine Grossmacht kämpfen und bestehen konnten.
    Fun fact: Die USA hat nie offiziell eingeräumt, den Krieg gegen die Vietcong verloren zu haben. Sie riefen lediglich die Waffenruhe aus und zogen sich anschliessend kleinlaut zurück.
    Leiden musste schlussentlich das vietnamesische Volk, welches mehrheitlich nichts mit den Konflikten zu tun hatte.

    Ich hoffe, morgen noch mehr in Erfahrung bringen zu können.

    Am Abend war zur Entspannung ein Kinobesuch bitter nötig. Das Filmprogramm hatte ein etwas anderes Zeitfenster als der Rest der Welt. Sprich, von den Filmen, welche in den Nachbarländern neu in die Kinos kamen, war hier keine Spur. Liegt wohl daran, dass es sich dabei primär um amerikanische Filme handelt. So kam es, dass wir einen sehr guten und verschachtelten, spanischen Kriminalfilm besuchten, was eine erfrischende Abwechslung war.

    Am Abend hat es stark zu regnen begonnen und bis jetzt noch nicht wieder aufgehört. So wissen wir wenigstens, dass das mit der Regenzeit wörtlich zu nehmen ist. :)
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