Agatha Blasinski

Joined May 2016
  • Day148

    Latacunga / Quilotoa Lagune

    October 25 in Ecuador

    Zu der Stadt Latacunga lässt sich nicht viel sagen. Es war eine typische ecuadorianische Stadt, gelegen in den Anden und Ausgangspunkt für Trips u.a. zum Cotopaxi und dem Quilotoa Krater.
    Zu sehen gab es da nichts, zu machen auch nicht (deshalb auch keine Fotos von der Stadt). Jana ist auf ihrer Reise schon vorher dort gewesen und hat sie als die schrecklichste Stadt überhaupt beschrieben. Ich fand sie gar nicht so schlimm. Es gab einen Markt, es gab Geschäfte, ein paar gute Restaurants, ein gutes Cafe...Gut, die Unterkünfte waren wirklich nicht das Highlight. Mir hat die eine Nacht im Keller gereicht. Nochmal schlafen würde ich da nicht, koste es was es wolle.

    In Latacunga stand zunächst der Besuch der Quilotoa Lagune an.
    Die Lagune bzw. der Kratersee musste wirklich einzigartig sein, da mir jeder, der in Ecuador war, davon erzählt hat. Eigentlich macht man auch eine mehrtägige Wanderung dorthin - den sog. Quilotoa Loop - aber gewandert bin ich in den letzten Tagen genug. Außerdem war das Wetter nicht beständig und ich bezweifelte, dass mich der 2-4 tägige Trek zur Lagune umhauen würde. Also wurde nur ein Tagesausflug daraus.

    Mit auf dem Tagesausflug waren auch die anderen Leute, die mit Jana und mir aus dem Secret Garden gekommen sind. Eine Schweizerin, eine Holländerin und das deutsche Pärchen. Im Hostel bzw. im Keller haben wir dann auch noch 2 Bayern getroffen, die sich uns angeschlossen haben.
    Alle zusammen wollten wir so früh wie möglich los, damit wir noch vor dem Regen am Nachmittag die Runde an der Lagune drehen können.

    Wir wussten nicht genau, wann der erste Bus fährt. Jeder von uns hatte unterschiedliche Informationen bekommen, je nachdem wen man gefragt hat. Irgendwann zwischen 7.30 und 8.30 sollte er aber fahren.
    Mit der gesamten Mannschaft sind wir dann nach einem schnellen, semi-guten Frühstück Richtung Busbahnhof. Wie das in südamerikanischen Busbahnhöfen so üblich ist, werden die Destinationen immer lauthals rumgeschrien. Und wenn die Busschreier Gringos sehen, dann rufen sie immer die beliebtesten Touri-Orte auf. So war das in Latacunga auch. Kaum wurden wir entdeckt, wurde direkt “Quilotoa!!! Quilotoa!!!” nach uns geschrien. Dann folgt man einfach den Busschreiern, kauft ein Ticket und steigt in den Bus ein.

    Der Bus brauchte keine Stunde bis nach Quilotoa. Dort angekommen erwartete uns erstmal ein sehr künstliches Dort. Man sah, dass der Ort den Tourismus erst vor Kurzem für sich entdeckt hat. Die Häuser/Restaurants/Geschäfte, die sich auf dem Weg nach oben zur Lagune befanden, waren alle sehr neu und teilweise noch nicht fertiggestellt. Wasserzugänge bzw. Kanalisationen waren noch nicht gelegt, die Einrichtung war teilweise improvisiert und dennoch wurden die Touris dort empfangen. Auf den Kaffee, den wir in einem halb-fertigen Restaurant bestellt haben,?mussten wir 20 Min. warten. Wir haben schon gewitzelt, dass der Besitzer zum ersten Mal einen Kaffee kochen und erst noch lernen muss die Kaffeemaschine zu bedienen. Die Kaffeemaschine sah jedenfalls nich sehr unbenutzt aus und der junge Mann war mit der Situation sichtlich überfordert.

    Nach dem schlechten Kaffee sind wir die letzten paar Schritte rauf auf 3.912 Meter und rauf zu dem Kratersee. Und ja, er war tatsächlich sehr sehenswert. Ein größer, grün-blauer See in einem Vulkan.
    Die Umrundung des Kraters dauert etwa 3 Stunden (10 km). Alternativ konnte man auch runter zum See laufen, sich dort ein Kanu ausleihen und eine Runde auf dem See schippern.

    Wir haben uns daraufhin in 2 Gruppen aufgeteilt. Die Holländerin ist mit den Bayern runter und der Rest von uns wollte einen Teil oben auf dem Krater laufen. Für die ganze Umrundung waren wir allerdings alle zu faul. Wenn wir wenigstens in den 3 Stunden unterschiedliche Aussichten bekommen würden, dann würde es sich noch lohnen. Aber so würden wir immer nur den Krater von unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Fanden wir alle nicht so spannend.
    Und so sind wir ein Stück den Krater hoch und wieder zurück.

    An dem Tag bzw. Vormittag hatten wir richtig viel Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien, es war schön warm, fast schon etwas zu warm für´s Wandern.
    Das deutsche Pärchen, was bereits am Cotopaxi mit der Höhe kämpfen musste (Er), hatte für den Tag genug vom Wandern und hat sich abgesetzt. Jana, die Schweizerin und ich wollten aber auch nochmal runter zum See.
    Der Weg dahin war ziemlich steil. Runter ging es noch ganz gut, mir graulte es aber auch schon davor ihn wieder hoch zu laufen. Man hätte auch ein Maultier nehem können, aber das machen nur Einheimische, Asiaten oder Amerikaner. Für wandererprobte Europäer wäre das eine große Scham - erst recht wenn sie aus Deutschland und der Schweiz kommen. Davon ganz abgesehen sahen die Tiere nicht sehr gut aus und taten mir auch leid, wenn sie z.B. einen übergewichtigen Ecuadorianer hoch schleppen mussten.
    Jedenfalls, runter ging es schnell. Am See haben wir dann die Holländerin und die Bayern getroffen und sind nach einem kurzen Mittagssnack auch gleich wieder hoch. Es hieß, man braucht 2 Stunden nach oben und da wir den Bus um 15.30 nehmen wollten, mussten wir uns etwas beeilen.
    Wie vermutet war der Aufstieg ziemlich anstrengend. Da wir aber alle nach dem Secret Garden gut im Training waren, hat es keine Stunde gedauert und wir waren oben. So schnell war noch nicht mal der dicke Mann auf dem Maultier.

    Die gewonnene Zeit haben wir dann für ein gutes Pilsener-Bier mit Mittagessen genutzt.
    Auch hier hat die Restaurantbesitzerin in ihrem unfertigen Restaurant mit einem so großen Ansturm (6 Personen) nicht gerechnet und war etwas überfordert. Das Bier musste im Laden nebenan nachgekauft werden, die Suppe hat gerade mal so für alle gereicht und für die 2 bestellten Hauptgänge wurde die Küche wahrscheinlich zum ersten Mal richtig angeworfen. Es hat zumindest ewig gedauert, bis der Reis mit Hühnchen auf den Tisch kam.

    Zurück in Latacunga haben wir die Schweizerin auf dem Weg zum Hostel irgendwie verloren und seitdem auch nicht mehr wieder gesehen. Die Bayern und die Holländerin sind weitergezogen, das deutsche Pärchen auch, nur Jana und ich sind noch da geblieben.
    Denn ich hatte einen Plan: die Besteigung des Cotopaxis! Das ging von Latacunga am besten. Dazu musste ich nur eine Agentur finden, die mich da hoch bringt. Am nächsten Tag wollte ich mich auf die Suche machen.
    Jana war sich noch nicht sicher und brauchte noch etwas Bedenkzeit. Was aber sicher war, war, dass ich nicht nochmal im Keller schlafen würde. Und so wechselten wir eine Straße weiter in ein schönes Familienhotel, buchten uns in ein schönes großes Doppelzimmer mit Fenster ein, in dem zwei schöne große bequeme Betten standen und wir hatten sogar unser eigenes schönes Bad, auch mit Fenster.
    Wobei man dazu sagen muss, dass “schön” in Latacunga relativ ist. Aber alles besser als Keller.

    Am folgenden Tag haben wir die beiden Touragenturen, die Latacunga zu bieten hatte aufgesucht. In der Ersten konnte uns nicht gehlofen werden, in der Zweiten, gleich nebenan, jedoch schon.
    Der junge Mann erklärte uns die Organisation und den Ablauf der Tour, zeigte uns Bilder...und während er so redete und redete hat sich Jana entschieden und beschlossen mich zu begleiten.
    Ich fand´s sehr gut, da ich wenigstens nicht befürchten musste wieder alleine in der Hütte zu schlafen (wie beim Huayna Potosi) und außerdem war es so auch günstiger, da man sich den Guide teilte. Bei dem Guide haben wir übrigens darauf bestanden einen sozialen und kommunikativen Guide zu bekommen. Auch das aus der Erfahrung auf dem HP. Ein Nachteil hatte das Ganze nur, wenn eine von uns beiden abbrechen muss, muss die gesamte Gruppe runter. Ich war mir sehr sicher, dass ich das durchziehen werde, komme was wolle. Jana war eine gute Wanderin, hatte aber Schwierigkeiten mit der Höhe. In dem Moment war es mir aber egal, ob wir es bis ganz nach oben schaffen. Allein Versuch war es allemal wert.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day145

    Secret Garden Cotopaxi

    October 22 in Ecuador

    Wenn man so relativ planlos reist wie ich, sind die Tipps andere Backpacker super wertvoll. So war das auch mit dem Tipp, den ich auf dem Santa Cruz Trek in Peru von Jasmin, der Dänin, bekommen habe: das Secret Garden Hostal im Cotopaxi Nationalpark.

    Bei Google Maps mit “möchte ich hin” markiert, wolle ich auch hin.
    Jana hat von dem Hostel auch gehört und so haben wir beschlossen zusammen dahin zu fahren. Wir buchten spontan ein 3-Tages-Package, das 2 Übernachtungen im sogenannten Birdhouse, Verpflegung, zwei Wanderung und jede Menge Fun beinhaltete.

    Mit einem Minivan voller junger, gut aussehender Menschen ging es von Quito aus in Richtung Cotopaxi Park. Je näher wir an das Hostel kamen, desto ländlicher und einsamer wurde es. Tatsächlich lag das Hostel dann mitten im Nirgendwo. Nur Land & Berge, Kühe und Lamas. Keine Straßen, keine Autos, keine Stadt, kein Internet.
    Das Hostel an sich war eher eine Anlage mit mehreren Häuschen, u.a. auch so kleinen Hobbit-Häusern in denen man übernachten konnte, wunderschönen Gärten, einem riesigen Hängenetz mit Blick auf den Cotopaxi (wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt) und einem gemütlichen Restaurant in dem es Kaffee, Tee und Bananabread all day long gab. Das alles war sehr nett eingerichtet, gut durchdacht, sauber und gepflegt. Es fehlte wirklich an nichts.
    Empfangen wurden wir von einem leicht aufgedrehtem jungen Mann, der uns einen kurzen Vortrag über das was, wie, wo, wann der nächsten Tage gehalten hat. Es hörte alles sehr gut an, gleichzeitig war es aber auch ein eng getaktetes Programm, wenn man das Beste aus den 3 Tagen machen wollte.

    Nach dem leckeren Mittagessen haben wir erstmal unser tolles Birdhouse bezogen. Das war eigentlich „nur“ ein kleines Holzhäuschen mit einer Matratze drin, aber trotzdem gemütlich und komfortabel.
    Und dann ging es auch schon los mit dem Programm. Die erste gratis Wanderung stand an. Es ging zum Wasserfall.
    Alle Mann, die an den Tag angekommen sind, waren bei der Tour dabei. Ich schätze es waren so an die 25 Leute. Die Wanderung war ganz nett, der Wasserfall war ein Wasserfall.
    Nach etwa 2 Stunden waren wir wieder zurück und hatten ein wenig Zeit zum Relaxen.

    Um 19 Uhr gab es Abendessen. An einem laaangem Tisch haben sich alle Hostelbewohner versammelt. Jana und ich waren pünktlich und damit etwas zu spät, so dass wir an einem anderen, etwas kürzerem Tisch Platz nehmen mussten. Es war der Ü30-Tisch mit noch einem deutschen Päärchen, das ebenfalls keinen Platz an der langen Tafel abbekommen hat. Auch das Abendessen sehr gut. Es gab Tacos zum Selbermachen und eine Limonen-Tarte als Nachtisch.
    Vollgefressen ging es anschließend ins Bett.

    Nächster Tag. Aufstehen. Blick aus dem Fenster. Wow! Was für eine tolle Aussicht. Der Cotopaxi kam aus den Wolken hervor und begrüßte uns in seiner vollen Pracht.
    Um 7.30 gab´s dann Frühstück. Natürlich für alle. Wieder an der langen Tafel. Dieses Mal haben wir aber einen Platz bekommen. Auch das Frühstück, hervorragend.
    Um 8.00 ging es zur ersten Wanderung. Jana und ich haben uns für den Tag für eine Wanderung auf den Rumiñahui Vulkan angemeldet. Wie sich herausgestellt hat, waren wir die Einzigen. Alle anderen haben die Cotopaxi-Tour gebucht. Wir haben darauf verzichtet, da die Tour „nur“ bis zum Gletscher ging – wenn, dann wollte ich ganz hoch – und die Wanderungen auch nur 1-2 Stunden dauerten. Wir wollten aber richtig wandern.
    Und so fuhren wir mit unserem privaten Guide in den Cotopaxi Nationalpark hinein. Allein die Jeep-Fahrt war schon cool, da wir ganz nah am Cotopaxi vorbeigefahren sind und später sogar den Chimborazo vom Weiten sehen konnten. Letzterer Vulkan, der eigentlich der höchste Berg der Welt ist (vom Erdmittelpunkt gemessen), stand auch auf meiner “möchte ich hin” Liste ganz oben.

    Die insgesamt 6-Stündige Wanderung begann ganz easy an einem See entlang, dann ging es die ganze Zeit leicht hoch durch hohes Gras und Gestrüpp bis wir kurz vorm Gipfel an ein sehr steiles Stück kamen. Dieses war voll mit Vulkangestein und damit ziemlich rutschig und sehr unangenehm zu laufen. Das allerletzte Stück dann waren Felsen über die wir klettern mussten. Super anstrengend. Sogar unser Guide hat geschwitzt und man sah auch etwas Röte in seinem dunklen Gesicht.
    Aber wie das mit den Bergen so ist, in der Regel wird man für die Mühe belohnt. So war das hier auch. Auf dem Gipfel des 4.720m hohen Rumiñahui hatten wir bei bestem Wetter einen fantastischen Blick auf den Cotopaxi und die umliegenden Berge.

    Nachdem wir unseren Mittag-Snack gegessen und genug Fotos gemacht haben, begann der Abstieg. Das was beim Aufstieg noch am anstrengendsten war, war jetzt einfach und schnell. Insbesondere das Geröll ging gut. Es war wie einen Berg auf Schnee runter laufen. Man sank ein wenig in das Geröll ein und konnte so schön weich gehen bzw. wie unser Guide rennen.

    Ich glaube es hat so 2 Stunden gedauert, dann waren wir wieder unten am Jeep.

    Bis zum Abendessen blieb noch etwas Zeit. Relaxen im Birdhouse.
    Als die Uhr 19 Uhr anzeigte war das Restaurant wieder prall gefüllt. Sogar noch voller als am Tag zuvor. Zwei Plätze an der langen Tafel waren aber noch frei. An dem Tag war Pizza-Tag. Ich weiß nicht, wie viele Pizzen der arme Pizzabäcker aus dem Steinofen holen musste. Es waren jedenfalls sehr viele, alle unterschiedlich und alle super lecker. Eine war sogar mit Cuy (Meerschweinchen) belegt und war mit die beste Pizza.

    In dieser Nacht konnte ich irgendwie nicht so gut schlafen und hab die Schlaflosigkeit für Nachtaufnahmen des Cotopaxis genutzt. Wenn ich schon mal wach bin. Außerdem, wann hat man schon mal so eine Gelegenheit.

    Letzter Tag. Aufstehen. Wieder mit wunderschönen Ausblick am Morgen. 7.30 Uhr Frühstück mit allen. 8.00 Start der Wanderung. Heute ging es zum nahegelegenen Vulkan Pasochoa.
    Anders als am Vortag haben sich für diese Wanderung mehrere Leute angemeldet. Angeführt wurde sie von 2 der vielen Volunteers, die in dem Hostel arbeiteten. Für diesen Job musste man wirklich gemacht sein. Jung, gut aussehend, immer gut drauf und immer ein Bisschen drüber.
    Es war, trotz der vielen Menschen, eine sehr schöne und nicht unanstrengende Wanderung. Wir hatten das beste Wetter und damit auch die beste Aussicht auf alle umliegenden Gipfel.

    Am späten Nachmittag sind wir gemeinsam mit 6 anderen Leuten aus dem Hostel nach Latacunga gefahren worden. Alle hatten das gleiche vor, nämlich am nächsten Tag die Quilotoa Lagune zu besuchen. Und so haben wir uns auch fast alle im gleichen Hostel einquartiert. Für mich war das das schlimmste Hostel bzw. Hostelzimmer der ganzen Reise. Mehrbettzimmer, im Keller, ohne Frischluft, ohne Tageslicht, stickig, stinkig, einfach nicht zum Aushalten. Eine andere Wahl hatten wir aber nicht, da Latacunga nicht gerade “the place to be” war. Eine Nacht wird schon gut gehen...
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  • Day143

    Quito

    October 20 in Ecuador

    Nach der Aufregung beim Flug nach Quito verlief der restliche Teil der Anreise sehr smooth. Rein in den Bus, rein ins Taxi und „schon“ bin ich nach einer Stunde an meinem Hostel angekommen.

    Der erste Eindruck von Quito war sehr positiv. Wie schon bei meinem letzten Besuch in Ecuador waren die Leute viel netter als die Peruaner bzw. Bolivianer. Viel offener, gesprächiger. Und das Land an sich war viel grüner und vor allem auch spürbar wärmer. Endlich.
    Nach den 4 Wochen Bolivien musste ich mich zudem auch an die sehr westliche Art gewöhnen. Der strukturierte Verkehr, die einheitlichen Taxi mit Taxometer (!), die mehrspurigen Straßen, überhaupt richtige Straßen, die modern gekleideten Menschen, die sehr knapp und sehr eng bekleideten Frauen (nie in Bolivien gesehen), die vielen schicken Restaurants und Cafes... Der Moment in dem realisierte, dass ich wieder in der „Zivilisation“ angekommen bin, war, als der Taxifahrer in eine Straße abbog in der hintereinander ein Burger King, ein McDonalds und ein KFC kamen.

    Ohne es zu wissen, habe ich mir scheinbar ein Hostel in der Partygegend von Quito ausgesucht.
    Es war Freitag als ich angekommen bin und die Straßen waren voll mit Menschen. Teilweise auch mit ziemlich komischen Leuten, den man besser in der Nacht nicht begegnen sollte. Laut war es zu dem auch. Normalerweise versuche ich diese Gegenden zu meiden, da meist die Hostels auch darauf ausgerichtet. Party & Saufen von morgens bis abends.
    Mit meinem Hostel schien ich aber Glück zu haben, Es war nett, gemütlich und keine Partypeople in Sicht.

    In meinem Zimmer habe ich nach langer Zeit endlich wieder eine Deutsche getroffen. Jana aus Minden. Eine schicksalhafte Begegnung, wie sich später noch herausstellen sollte.
    Wir unterhielten uns ein wenig und stellen schnell fest, dass wir mehr oder weniger die gleiche Route haben. Das ist mir auf der ganzen Reise so noch nie passiert. Normalerweise sind die Leute, mit denen man sich gut verstand, immer in die entgegengesetzte Richtung gereist oder hatten deutlich weniger Zeit. Jana ging es ähnlich wie mir und so haben wir gedacht, warum nicht mal ein paar Tage zusammen reisen?!

    Insgesamt verbrachte ich 4 Tage in Quito, mit Unterbrechung im Cotopaxi Nationalpark..
    Anfangs tat ich mich etwas schwer mich aufzuraffen und die Stadt zu erkunden. Zum Einen, weil ich bereits etwas müde war von Stadtbesichtigungen – kennste eine, kennste alle - und zum Anderen, weil ich noch immer platt war von der Potosi Besteigung.
    An Tag 2 habe ich mich dann trotzdem aufgemacht um zumindest die Altstadt zu sehen. Schließlich gehört sie zum Unesco Weltkulturerbe, da muss man mal zumindest einen Blick darauf geworfen haben. Und sie war tatsächlich sehr schön. Sehr weiß, mit vielen Kirchen, vielen kolonialen Gebäuden und vielen Menschen. Also eigentlich ähnlich wie viele bisher gesehene große Städte in Südamerika.
    Und da jede Stadt auch mindestens einen Mirador (Aussichtspunkt) hat, von dem aus man die Stadt von oben sehen kann, habe ich an dem Tag diesen auch noch mitgenommen und bin dafür zu einem höher gelegenen Park aufgestiegen. Danach war der Tag für mich aber auch gelaufen.

    Der nächste Tag sollte entspannter werden. Ich wollte eigentlich nur einen anderen Park unweit des Hostels besuchen und dort etwas abhängen. Dort angekommen stellte sich jedoch heraus, dass es eine Art Vergnügungspark ist. Da war vielleicht was los. Es wurde Tretbötchen gefahren, musiziert, getanzt, Fußball gespielt, Kinder liefen und schrien rum, das taten auch die Food-Verkäufer, Artisten hingen in Tüchern auf Bäumen, Motorräder fuhren in einer Arena im Kreis rum, es gab einen Skater-/BMX-Park und die vielen Fressbuden nicht zu vergessen...die totale Reizüberflutung.
    Das Spektakel habe ich mir ein wenig angeguckt und bin dann weiter in den nächsten Park. Bzw. eigentlich war es vielmehr ein Stadtwald. Der war dann tatsächlich ruhiger, allerdings aber auch so groß, dass aus dem relaxten Tag am Ende doch ein Wandertag wurde.

    Das war´s auch schon für´s Erste mit Quito.

    Zwischendurch war ich mit Jana im Cotopaxi . Als wir wieder kamen, ins gleiche Hostel, kam gleichzeitig auch eine Reisebekannte von Jana an. Florence aus Australien.
    Jana, sie und ich verbrachten dann 1,5 Tage zusammen in Quito und sind anschließend auch ein paar Tage zusammen gereist. Die beiden haben sich, was ihren Kleidungsstil betrifft, gesucht und gefunden. In Ihren Klamotten erfüllten alle Klischees eines typischen westlichen Wanderers und waren ein Bild für die Hiking-Götter.
    Florence war in der Hinsicht noch spezieller, da sie in allem sehr effizient/sparsam war. Nicht nur, was die Kosten für Hostels, Essen oder Transport betraf, sondern auch hinsichtlich ihres Gepäcks. Sie reiste mit einem 10kg Rucksack ein Jahr durch alle Klimazonen und hatte darin im Grunde nur 2 Outfits. Eins für warme und eins für kalte Gebiete. Für mehr war kein Platz. Das hieß aber auch, jeden Tag (!) das Gleiche (!) anziehen und die Klamotten jeden Tag unter der Dusche waschen. Ehrlich, da schlepp ich lieber meine 17kg

    Für mich ergab sich in Quito eine völlig neue Situation. Nachdem ich monatelang fast ausschließlich alleine unterwegs war, hatte ich nach nur wenigen Tagen in Ecuador gleich zwei Reisebegleiterinnen und war selbst gespannt, wie sich das so entwickeln würde...
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  • Day141

    Cusco zum 2.ten

    October 18 in Peru

    Es war ein kurzer Trip zurück in die Hauptstadt der Inkas.
    Von La Paz nahm ich einen direkten Bus nach Cusco, da von hier mein Flieger nach Quito ging. Von La Paz zu fliegen wäre deutlich teurer gewesen. Eigentlich hatte ich auch vor ein paar Tage am Titicacasee zu verbringen, der auf dem Weg lag, aber dann kam ja der Huayna Potosi dazwischen.
    Der Bus fuhr 14 Stunden und war für mich super angenehm, da ich davon mind. 12 Std. geschlafen habe. Bis auf den Grenzübergang, der easy war, habe ich kaum was mitbekommen. Nach dem Potosi Climb und den schlaflosen Nächten davor, war ich einfach nur fertig und musste viel Schlaf nachholen.

    Früh in Cusco angekommen, bin ich erstmal zu meiner Unterkunft gelaufen und habe mich sehr über mein Einzelzimmer mit dem großen Bett und eigenem Bad gefreut. Ich hatte sogar einen Fernseher im Zimmer. Mit Netflix. Purer Luxus.

    Mein Plan für den einen Tag in Cusco war: mich nicht bewegen und den Tag einfach nur faulenzen.
    Vormittags hat es auch ganz gut geklappt, danach musste ich dann aber doch raus. Ich hatte Hunger und wollte nochmal eines meiner Lieblingsrestaurants aufsuchen. Eine Crepeteria mit den besten Crepes der Stadt. Auch wenn ich eigentlich kein Crepes-Fan bin, diese waren super lecker.

    Im Zentrum angekommen, wurde mir noch mehr als beim ersten Mal bewusst, wie touristisch diese Stadt ist.
    Und dennoch, nach 4 Wochen Bolivien konnte ich mich schon ein wenig an den vielen schicken Cafés und Restaurants erfreuen. Es fühlte sich irgendwie heimisch an.
    Was ich allerdings nicht vermisst und auch in keiner anderen Stadt so extrem erlebt habe, waren die nervigen Taxifahrer mit ihrem Gehupe und die vielen Straßenhunde samt ihrer Kacke auf den Bürgersteigen, in die ich natürlich wieder rein getreten bin.

    Der Flieger ging am nächsten Morgen um 8.00 Uhr. Ich kannte den Flughafen schon und wusste, dass er recht klein ist, so dass es locker reicht, wenn ich 1 Std. vorher da bin. Irgendwie war ich dann aber doch schon 1,5 Std. vorher da. Zum Glück. Denn beim Einchecken hat sich herausgestellt, dass ich für Ecuador einen Nachweis brauche, dass ich das Land auch wieder verlassen werde. Ein Flug- oder Busticket z.B.
    Ich hatte zwar schon mal was davon gehört und am Abend vorher extra sogar noch auf der Seite des auswärtigen Amtes nachgeschaut, da stand aber nix dazu. Also bin ich davon ausgegangen, dass es nicht für alle Nationalitäten gilt. Falsch gedacht. Die Check-In Tante wollte mich ohne den Nachweis nicht einchecken. Sch..ße! Und da der Flug ziemlich teuer war, wollte ich ihn auf gar keinen Fall verfallen lassen.
    Mir wurde mal gesagt, dass man, um die Visa-Bedingungen zu erfüllen, Flüge auch nur reservieren (nicht fest buchen) kann. Um das jedoch tun zu können brauchte ich Internet. Die Check-In Tante gab mir 20 Min. Zeit. Danach schloss der Schalter.
    Wifi gab es in dem Terminal nicht, wohl aber in einem Cafe auf der 1. Etage. Ich also so schnell ich konnte mit ganzem Gepäck hoch. Dumm nur, dass an dem Tag in dem Cafe das Internet aus war.
    Alternative: Internet kaufen. 5$ für 30 Min. Wucher.
    Auf der bookingforvisa Seite wurde ich schnell fündig und habe einen Flug für 15$ reserviert. Was ich allerdings auf die Schnelle nicht gesehen habe war, dass die Flugdetails, die ich für den Check-In brauchte, innerhalb von 24 Std. zugeschickt werden. Sch..ße!
    Hilft nix, 2. Option. Schnell noch einen Bus hinterher buchen. 30$. Mit dem Screenshot der Ticketbestätigung bin ich wieder runter zum Schalter. Weil es schon so spät war wollte die Check-In Tante die Bestätigung nicht mal sehen und hat nur schnell meinen großen Rucksack eingecheckt..
    Ich wieder hoch, fix durch die Sicherheitskontrolle und dann...warten. Warten auf den Flieger. Der hatte Verspätung. Aaahh!!! Wozu dann der Ganze Stress!
    Als es endlich los ging saß ich etwas nervös im Flieger nach Lima. Nervös deshalb, weil ich 1.) nicht wusste, ob die Busbestätigung für die Einreise ausreicht und 2.) weil ich durch die Verspätung nur 5 Min. Zeit für den Flugzeugwechsel hatte.

    In Lima gelandet hieß es: Laufen! Als ich jedoch am Gate ankam hat das Boarding grad erst begonnen. Auf die südamerikanische Unpünktlichkeit war eben Verlass.
    Nach 3 weiteren Flugstunden war ich in Quito. An der Passkontrolle hab ich fest damit gerechnet, dass mich der streng aussehende Beamte nach meinem Ausreisenachweis fragt. Und was war? Nix. Ich bekam mein Einreise-Stempel und durfte einfach weiter. Der ganze Stress also nur wegen einer Check-In Tante!
    Egal. Die 50 Extra-Dollar, die ich investieren musste, taten nicht weh und waren immer noch günstiger als ein komplett neuer Flug.
    Jetzt freute ich mich, nach 4 Wochen Bolivien, erstmal auf das wärmere Ecuador. Und sollte es mir wider Erwarten nicht gefallen, so hatte ich notfalls bereits ein Busticket nach Peru oder ein Flugticket nach Bolivien in der Tasche.
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  • Day140

    Huayna Potosi - Tag 3

    October 17 in Bolivia

    Der Wecker klingelte um Mitternacht und tatsächlich bin ich vorher doch für ca. eine halbe Stunde eingeschlafen.

    Draußen stürmte es immer noch wie verrückt und ich bezweifelte, dass wir wirklich da raus gehen würden.
    Ich zog auf Luis Ratschlag hin fast alle Klamotten an, die ich mit hatte, packte meinen Rucksack, aß ein trockenes Brötchen, trank einen Coca Tee und dann ging’s tatsächlich los.

    Wir sind etwa gegen 1.00 gestartet. Das Wetter war besser als es sich in der Hütte angehört hat. Es windete zwar sehr und schneite ein wenig, doch das war alles halb so wild. Und kalt war es auch nicht. Gut, durch meine 5 Schichten hatte die Kälte es auch schwer durchzukommen.

    Nach 15 Minuten leichten Aufstiegs über rutschige Steine begann die eigentliche Wanderung. Ich musste meine Steigeisen anziehen und wurde mit einem Seil an Luis festgebunden. Ab jetzt trennten uns max. 3 Meter.
    Zusammen mit den anderen Gruppen, die um uns herum waren, stapften wir los.
    Das Laufen mit den Steigeisen war leichter als ohne, da man damit nicht rutschte. Gleichzeitig waren sie zusammen mit den klobigen Bergstiefeln und dem Schnee darunter ganz schön schwer. Meine Beine mussten also ziemlich viel Zusatzgewicht heben.

    Entsprechend war ich nach ein paar Metern außer Puste. Und mir war so heiß. Am liebsten hätte ich mind. 2 Schichten wieder ausgezogen, Luis ließ mich aber nicht. Es würde noch kalt werden, sagte er.
    In ganz kleinen Schritten ging es einen Hügel nach dem anderen hoch. Ich konzentrierte mich nur auf den Rhythmus und darauf in die Fußstapfen von Luis zu treten. Der Schnee war sehr weich und da war es leichter in bereits vorhandenen Spuren zu laufen als den Fuß immer aus dem Tiefschnee zu ziehen.

    Luis hatte ein gutes/schnelles Tempo. Für mich etwas zu schnell. Normalerweise würde ich in meinem Tempo laufen oder kurze Pausen machen, da wir aber durch das Seil aneinander gebunden waren, hatte ich keine Wahl als mich zu fügen.
    Wir führten die Gruppen auch eine ganze Zeit lang an, bis ich irgendwann nicht mehr konnte. Ich brauchte eine Pause und so ließen wir ein, zwei Gruppen passieren. Danach wurde es auch besser, da die neue Anführer-Gruppe langsamer gelaufen ist und wir uns deren Tempo angepasst haben.

    Kaum war ein Hügel geschafft, folgte schon der Nächste. Vor jedem steileren Hügel wurde eine kleine Pause gemacht. Durchatmen, Kräfte sammeln und weiter.
    An einer Stelle konnten wir vom Weiten die Lichter von La Paz erkennen, was super schön war. Sonst war es einfach nur stockfinster und man sah lediglich die Lichtstrahlen der Stirnlampen vor uns, die hellen Sterne über uns und den glitzernden Schnee neben uns.

    An den Gruppen und deren Stirnlampen, die weiter vorne waren, konnten wir sehen, wie weit bzw. hoch es noch ging. Ich hab leider zu oft den Fehler gemacht und habe nach oben geschaut und jedes Mal hab ich nur gedacht: alter Falter, so hoch noch!!

    Ein paar Leute haben auf der Strecke aufgegeben. Sie sind mit der Höhe nicht zurecht gekommen und mussten wieder absteigen.
    Mir ging es höhentechnisch überraschenderweise sehr gut. Keine Kopfschmerzen, keine Magenprobleme, nur die Atmung fiel schwer. Aber das war normal und mit einmal tief durchatmen war‘s auch wieder gut.

    Nach etwa der Hälfte waren meine Beine allerdings so schwer, dass ich glaubte nicht weiter laufen zu können. Ich konnte sie einfach nicht mehr heben. Luis war das egal. Er stapfte ohne große Rücksicht strammen Schrittes weiter. In dem Moment habe ich ihn gehasst. Gleichzeitig hinderte er mich mit seinem ignoranten Verhalten aber auch davor aufzugeben.

    Vier Stunden und etliche Hügel, die sich jedesmal wie die steilsten Berge anfühlten, später, kamen wir an das letzte Stück der Strecke. Da es ganz langsam schon hell wurde konnte man die Umrisse des Gipfels bereits erkennen. Ein, zwei Gruppen waren bereits auf dem Weg dorthin, so dass man dadurch auch die Distanz/Dimension etwas besser einschätzen konnte: hoch. Sehr hoch und sehr steil. Es war das steilste Stück der Strecke war, dass wir langsam in Zickzack-Wegen hochlaufen mussten.
    An der Stelle konnte ich auch bei den Pausen nicht mehr stehen, sondern lag nur noch im Schnee, atmete schwer, war müde, meine Beine waren Beton, ich schwitzte und fror gleichzeitig... und dann sollte ich diese steilen letzten 250 Meter hoch?! Wie?!

    Luis kannte da aber kein Mitleid. Aufgeben war für ihn keine Option. Für mich ja eigentlich auch nicht. Erst recht nicht hier, so kurz vorm Gipfel.
    Also wurde nochmal alle Kraft gesammelt und es ging Schritt für Schritt hoch. Ich habe einfach den Kopf ausgeschaltet und stapfte nur noch wie ferngesteuert hinter Luis her. Und es ging. Es ging sogar gut. So gut, dass wir sogar zwei Gruppen überholt haben.

    Und dann endlich! Nach über 5 Stunden und 900 Hm durch Eis und Schnee, nachts, ohne Schlaf, nach zig Hügeln und unzähligen „ich glaub, ich kann nicht mehr“ und „wie viele Stunden noch“ habe ich es tatsächlich geschafft. Ich stand auf dem 6.088 m hohen Gipfel des Huayna Potosí - meinem ersten 6000er.
    Und plötzlich war jede Anstrengung wie weggeblasen, das Adrenalin, die Glücksgefühle, die Aussicht, ließen die letzten 5 Stunden vergessen.
    Wir kamen gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang an. Wobei ich diesen fast übersehen hätte, da ich ich Berggipfel auf der anderen Seite viel beeindruckender fand.

    Viel Platz auf dem Gipfel gab es nicht, dafür aber jede Menge Leute, die natürlich von jeder Seite des Berges ein Foto haben wollten, was war ein wenig nervig war, da es viel Gedränge gab.
    Ich hätte den ganzen Tag da oben bleiben und einfach nur die Aussicht genießen können. Es hieß jedoch von vornherein 10-15 Min. und dann gleich wieder runter.
    Was im Nachhinein auch ok war, da ziemlich schnell Wolken aufzogen und die Sicht verdeckten.
    Generell hatten wir mit dem Wetter richtig viel Glück. Nach dem Sturm am Anfang, blieb die Nacht und der frühe Morgen klar. Bessere Voraussetzungen hätten wir gar nicht haben können.

    Der Abstieg ging dann ganz schnell. Innerhalb von 10 Minuten sind wir den Zickzackweg runter, für den wir hoch eine Stunde gebraucht haben. Danach sah ich auch erstmal den Weg den wir gegangen sind und die vielen “Hügel”, die weder sonderlich groß noch steil waren. Schon komisch was der Kopf mit einem macht, wenn man nichts sieht.
    Und der Rest der Umgebung war auch einfach nur wunderschön. Gletscher, Gletscherspalten, dieser glitzernde Pulverschnee, die Berge, diese Aussicht...wow!

    Komisch, Luis konnte irgendwie meine Begeisterung nicht teilen und hatte mal wieder ein ziemliches Tempo drauf. Ich hätte jedoch am liebsten alle paar Meter einen Fotostopp eingelegt. Klappte leider nicht so richtig.

    Ich glaube, es hat keine zwei Stunde gedauert, da waren wir wieder unten am 2. Basecamp.
    Völlig fertig hab ich mich in voller Montur nur auf‘s Bett geworfen und blieb dort minutenlang regungslos liegen.
    Erst als Luis reinkam und mir sagte, dass wir in ca. 30 Min. weiter absteigen, hatte ich keine Wahl als mich zu bewegen. Ich zog die schweren und unbequemen Boots, den Seilgurt und die vielen Schichten an Klamotten aus, verstaute wieder alles im Rucksack, aß noch schnell ein trockenes Brötchen und ab ging’s zum Basecamp 1.

    In meinen Wanderschuhen lief es sich auch gleich viel leichter - im wahrsten Sinne. Wenn da nicht wieder dieses Stück schmalen, steilen und verschneiten Weges gewesen wäre, das mir schon am Vortag große Probleme bereitet hat. Heute sogar noch mehr, da meine Beine einfach zu erschöpft und zu wackelig waren. Und dann auch noch diese 17kg auf dem Rücken! Ich hatte richtig Schiss an der Stelle. Für mich war das das schwierigste Stück der kompletten Tour.
    Mit Luis Hilfe bin ich da aber irgendwie drüber. Der Rest war dann im Vergleich ein Kinderspiel.
    Nach einer knappe Stunde waren wir auch schon am Basecamp 1 angekommen.

    Mit einem Minivan wurde ich am Vormittag abgeholt und nach La Paz gebracht.
    Dort hab ich nur die geliehenen Klamotten in der Agentur abgegeben, schnell eine Empanada und eine Saltañia gegessen, geduscht, gepackt und bin kurze Zeit später in den Nachtbus nach Cusco gestiegen.

    Auch wenn die ganze Huayna Potosi Aktion sehr spontan und etwas verrückt war, so bereue ich die Entscheidung es gemacht zu haben nicht. Ganz im Gegenteil. Es war in vielerlei Hinsicht eine der intensivsten (Grenz-) Erfahrungen bisher.
    Auch muss ich im Nachhinein Luis für seine Strenge und Ignoranz dankbar sein, denn ich weiß nicht, ob ich es sonst nach oben geschafft hätte... ach was, klar hätte ich es geschafft! :-)
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  • Day139

    Huayna Potosi - Tag 2

    October 16 in Bolivia

    Nach der sehr kurzen Nacht war ich um 6.00 Uhr schon wieder wach. Zu der Zeit ist die Señora auch aufgestanden und hat angefangen die Hütte sauber zu machen.
    Ich durfte noch bis 8.00 im warmen Schlafsack liegen bleiben, dann gab es Frühstück.

    Das Wetter am Morgen sah fantastisch aus! Klarer blauer Himmel, Sonne und Wärme - zumindest in der Sonne. Diese Gelegenheit habe ich genutzt um meine Sachen draußen zu trocknen.
    Ansonsten hieß es Tee trinken und warten auf den Guide. Luis war nicht der beste Guide, den ich bis dato hatte. Er war wenig unterhaltsam, redete kaum, gab auch nicht wirklich Auskunft, achtete teilweise gar nicht richtig auf mich, was nicht gerade vorteilhaft war, bei so einem Trekking. Es war einfach keine Connection da zwischen uns beiden. Leider.

    Um 11.00 wurde ich zum Mittagessen gerufen. Ziemlich früh, aber der Tag würde kurz werden, deshalb war alles etwas nach vorne verschoben.
    In der Zwischenzeit ist auch mein Guide eingetroffen.

    Um kurz vor 12.00 wanderten wir dann los Richtung Campo Alto, dem 2. Basecamp auf 5.200Hm. Mit dabei mein komplettes Gepäck. Der große Rucksack hinten inkl. sämtlichen Equipment und mein kleiner Rucksack vorne. Mit den etwa 20 kg musste ich also 500Hm hoch. Klingt nicht viel, war aber schon nach ein paar Metern sauanstrengend. Ich war nur froh, dass das Wetter hielt. Bei Schnee und Regen hätte ich mir das Ganze wohl nochmal überlegt.
    Nach ein paar Minuten war mein Guide, der nur einen kleinen Tagesrucksack dabei hatte, so nett und hat meinen kleinen Rucksack genommen. Damit war der Aufstieg schon ein wenig leichter, im wahrsten Sinne.

    Der Weg war anfangs nicht besonders anspruchsvoll, es ging eben nur die ganze Zeit bergauf. Mit 17kg auf dem Rücken und der Höhenluft habe ich dennoch meine Zeit gebraucht und viele Mini-Pausen eingelegt. So konnt ich außerdem den schönen Ausblick genießen.
    Ab etwa der Hälfte wurde der Weg steiler und steiniger. Man musste sich schon sehr konzentrieren um nicht zur Seite oder gar nach hinten zu fallen. Und schließlich kam der schwerste und fieseste Abschnitt. Fies deshalb, weil man keine 50m von der Hütte entfernt war, aber auf diesen 50m musste man über einen schmalen Schneeweg laufen. Ohne den dicken Rucksack auf dem Rücken schon schwer genug, mit dem Zusatzgewicht rutschte man aber umso mehr. Und bis auf einen kleinen Abschnitt gab es nichts zum Festhalten, keine Absicherung. Unter mir nur der tiefe Abgrund. Auf diesen paar Metern hatte ich tatsächlich Schiss.

    Ich war fertig als wir oben angekommen sind.
    Dort erwartete mich dann eine Hütte oder vielmehr ein großer Raum gebaut aus Sperrholzwänden mit einem Plastikdach, in dem nur Stockbetten standen. Erneut erkundigte ich mich nach den beiden Franzosen, die heute dazu stoßen sollten. Doch Luis hatte keine Ahnung von weiteren Gästen. Ok, das hieß für mich den Rest des Tages und die Nacht alleine hier oben verbringen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

    Es war ungefähr 14.00 Uhr als wir die Hütte erreichten. Um 17.00 Uhr gab es Abendessen bis dahin habe ich mir die Zeit mit Ausruhen und Ausblick genießen verbringen.
    Am Nachmittag hat es dann doch heftig aber nur kurz geregnet. Nach dem der Schauer jedoch vorbei war, klarte der Himmel auf und hinter den Wolken kamen die umliegenden Bergen Vorschein. Da hab ich schon gedacht, selbst wenn ich es nicht zum Gipfel schaffen sollte, alleine für den Ausblick hat es sich schon gelohnt.

    Ich war bis zu diesem Tag schon öfter in der Höhe und hatte damit auch nie große Probleme. An dem Tag macht mir allerdings mein Magen sehr zu schaffen. Und das konnte nicht am Essen liegen, denn es gab überwiegend nur Reis. Nee, es musste die Höhe sein. Eines der typischen Symptome der Höhenkrankheit. Luis gab mir dann den Ratschlag eine der Pillen zu nehmen, die ich gegen Höhenkrankheit mitbringen sollte. Ich hatte sie vorher noch nie genommen und hatte die Sorge, dass ich sie nicht vertrage. Andererseits, was hatte ich sonst für eine Wahl?. Ich nahm die Pille und legte mich nach dem Abendessen schlafen.

    Schlafen funktionierte aber nicht. Zum einen, weil 18.00 einfach zu früh war und zum anderen blitzte, donnerte und stürmte es um die Hütte herum. So heftig, dass sogar das Bett wackelte. Und meinen Kopf schwirrte die ganze Zeit nur rum: oh shit, da musst Du in wenigen Stunden raus!
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  • Day138

    Huayna Potosi - Tag 1

    October 15 in Bolivia

    Am Abend vor dem Trek war ich schon ganz aufgeregt. Da die ganze Aktion spontan war, hatte ich nicht wirklich Zeit mich darauf vorzubereiten. So hab ich z.B. meinen großen Rucksack 2x aus- und wieder eingepackt. Erst wollte ich damit wandern, da man für den Trek mind. einen 50L Rucksack benötigt, dann aber doch nicht, weil es kein klassischer Trekking Rucksack ist. Und was ist wenn es regnet? Den krieg ich doch so schnell nicht wieder trocken. Andererseits kannte ich die Leihrucksäcke nicht. Was ist wenn die Mist sind? Und so ging das hin und her...am Ende hab ich mich dann doch für den Leihrucksack entschieden.

    Die Nacht war etwas unruhig, entsprechend früh war ich schon wach. So konnte ich aber in Ruhe frühstücken, meine restlichen Sachen packen und einlagern und gemütlich zur Agentur gehen.
    Pünktlich um 8.30 dort angekommen war ich die erste der Gruppe.
    Dann hieß es erstmal Equipment anprobieren. Es gab eine Hose, eine Jacke, einen dicken Fließpulli, Handschuhe, Helm, Bergstiefel, so komische Schienbeinschoner, eine Fließhaube und natürlich die Steigeisen und ein Eispickel. Schließlich ging es auf 6.088m, da braucht man so was.
    Das alles inkl. eines dicken Schlafsacks und meinen Klamotten musste anschließend in den Leihrucksack, der wie erwartet nicht der beste war. Zu spät. Mit dem ganzen Zeug wog der Rucksack schätzungsweise etwa 17kg. Hinzu kam noch mein kleiner Rucksack mit etwas Verpflegung, Kamera und 4 Liter Wasser. Ja, ich hatte was zu schleppen.

    Nachdem wir fertig waren habe ich mich gewundert wo die Anderen der Gruppe bleiben. Es sollten noch 2 Franzosen mitklettern. Die haben wohl aber kurzfristig auf die 2 Tages-Tour umgebucht und würden morgen dazu kommen, wurde mir gesagt.
    Das hieß, dass ich den Tag alleine mit dem Guide verbringen würde. War für mich erstmal ok.

    Nach einer recht kurzen Fahrt sind wir am ersten Basecamp auf 4.700Hm angekommen. Leider war das Wetter nicht sonderlich gut. Es regnet bzw. schneite stark und dadurch hatte man auch kaum Sicht. Dicke Wolken verhüllten die Gipfel der Berge. Aber gut, damit habe ich ein stückweit schon gerechnet.

    In der Hütte versammelten sich dann mehr Leute. Eine größere Gruppe aus Israel kam an. Wir aßen zusammen zu Mittag und sind anschließend zusammen losgezogen.
    Es ging zum „Übungsplatz“ für‘s Eisklettern. In voller Montur wanderten wir ca. 1 Stunde bis wir auf 4.900 Hm einen Gletscher erreichten. Hier zogen wir dann erstmal unsere Steigeisen an, nahmen den Eispickel in die Hand und übten damit auf Eis zu laufen. War gar nicht so schwer. Wir klettern damit etwas höher auf den Gletscher, wanderten anschließend darauf, vorbei an u.a. wunderschönen Gletscherspalten. Das alleine war schon ziemlich cool.

    An einer Eiswand angekommen ging der Spaß aber so richtig los. Hier durften wir üben, wie man die senkrechte Gletscherwand hochklettert. Ein Guide hat es uns vorgemacht und dann waren wir dran.
    Erst einer der Isreaelis. Hat sich nicht schlecht geschlagen, kam etwa zur Mitte der Wand. Dann der andere Israeli. Der war gut, hat es auch bis ganz nach oben geschafft. Wie ich aber später erfahren habe, war er Hobby-Bergsteiger, somit hatte er einen leichten Vorteil.
    Nach ihm schickten mich die Guides hoch. Ich wurde an das Sicherheitsseil geschnallt, bekam 2 Eispickel in die Hand und sollte dann damit hoch. 4-Points Prinzip: erst die Eispickel in die Wand einrammen und dann mit den Füßen bzw. den Steigeisen nachkommen. Die ersten Schritte klappten sehr gut. Der Aufstieg zur Mitte der Wand war auch recht „einfach“. Das Anstrengendste daran war es die Eispickel sicher in die Wand zu bekommen und anschließend wieder raus zu ziehen. Das kostete Kraft. Kraft in den Armen, die ich nicht hatte. Auf den letzten 2 Metern neigte sich die Wand dann auch noch leicht Richtung Erde, so dass man hier umso mehr Kraft aufwenden musste um in der Wand zu bleiben. An der Stelle konnte ich nicht mehr. Trotz der Anfeuerung der Israelis fehlte mir einfach die Kraft. Ich konnte keinen Eispickel mehr in die Wand schlagen, geschweige denn mich daran hochziehen. So habe ich mich also einfach fallen und abseilen lassen.
    Und dennoch, ich schon ein wenig stolz so hoch gekommen zu sein. Auch die Guides waren ziemlich beeindruckt.
    Der Rest der Truppe hat es natürlich auch versucht, die meisten kamen die Wand aber nicht mal zu 1/3 hoch.

    Während der ganzen Aktion hat es heftig angefangen zu schneien. Meine mir gestellte North Face Jacke hat ihre Goretex-Funktion wahrscheinlich schon vor Jahren verloren, so dass meine 4 Schichten, die ich anhatte, vollkommen durchtränkt waren und zu frieren begann.
    Als es dann auch noch kräftig gedonnert hat, haben wir schnell unsere Sachen gepackt und uns auf den Rückweg gemacht.

    Die grün, schwarze Landschaft, die wir noch auf dem Hinweg sahen, hat sich in der Zwischenzeit auch in ein Winterwonderland verwandelt.

    Wieder zurück in der Hütte angekommen mussten erstmal die nassen Klamotten runter. Gut, dass ich noch ein paar trockene Sachen dabei hatte.
    Die nassen Sachen werden aber in der Hütte niemals trocknen, so kalt wie es da war. Ich stellte mich also schon darauf ein, am nächsten Tag wieder in die nasse Kleidung zu schlüpfen.

    Die israelische Gruppe verabschiedete sich, da sie nur das Eisklettern gebucht haben. Ich blieb also alleine in der Hütte zurück. Mein Guide hat, warum auch immer, in dem nächsten Basecamp übernachtet. Da ich das schon vorher gewusst habe, habe ich ihm meine Bedenken geäußert: ich alleine. In einer Berghütte. Bei Sturm. Was wenn was passiert?
    Meine Bedenken wurden glücklicherweise verstanden und so blieb die Señora de la casa bei mir. Sie kochte mir ein leckeres Abendessen, versorgte mich mit warmen Wasser und schlief sogar im gleichen Zimmer. Genauer gesagt, direkt auf der Nachbarmatratze. Eine etwas komische Situation, aber ich war trotzdem happy nicht alleine in der Hütte schlafen zu müssen.
    Und so legten wir uns um 19 Uhr schlafen. Ich tief eingemummelt in meinem Schlafsack und die Señora in ihrer Version eines bolivianischen Schlafsack. Ihr “sleepy” bestand aus 5 Wolldecken.

    Geschlafen haben wir auf dem Boden, auf ausgeleierten Matratzen in einem sonst leeren, nicht isolierten Raum. Man konnte den Wind förmlich spüren. Und die Kälte durch die Atemluft auch sehen.
    In der Nacht habe ich kaum ein Auge zugemacht. Es lag nicht an der Kälte, denn mein Schlafsack war warm genug. Wahrscheinlich war´s eher die ungewohnte Umgebung, die Höhenluft oder auch die Aufregung. Die Señora neben mir hatte jedenfalls, dem Schnarchen nach zu urteilen, eine sehr angenehme Nacht.
    Am Ende habe ich dann aber doch meine 3-4 Stunden Schlaf bekommen.
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