Agatha Blasinski

Joined May 2016
  • Day177

    El Cocuy - Die Wanderung

    November 23, 2018 in Colombia

    Von den 3 möglichen Wanderungen haben Rowan, Kyle und ich haben uns die Route zur Laguna Grande bzw. zum Gletscher entschieden. Es sollte nicht die längste, aber dafür die anspruchsvollste und schönste Route sein.
    Morgens um 6 ging es los. Ich war natürlich schon lange wach und habe auch überraschender Weise erstaunlich gut geschlafen, und dass trotz des durchgelegenen Bettes und der Kälte. Bevor es los ging servierte mir der nette Hausherr noch ein einfaches aber gutes Standard-Frühstück, das er ganz liebevoll zubereitet hat. Er lebte hier oben alleine. Seine Frau war bereits verstorben und seine beiden Söhne waren unten im Dorf. Dementsprechend musste er sich um alles was das Touri-Geschäft betrifft alleine kümmern und dass mit schätzungsweise 70+ Jahren.
    Rowan und Kyle hatten keine so gute Nacht. Insbesondere Kyle, der Jüngere von den beiden hatte so seine Probleme. Ihn hat scheinbar die Höhenkrankheit erwischt, so dass er die halbe Nacht auf der Toilette verbracht hat. Die Hacienda befand sich etwa 3.600m Höhe und wenn es ihm jetzt schon so schlecht ging, wie sollte es erst werden, wenn wir auf 4.800m Meter aufsteigen. So weit oben waren beide Brüder nämlich noch nie, entsprechend aufgeregt waren die beiden auch. Ich habe ihnen zur Vorsicht meine Höhenkrankheit-Tabletten gegeben, die ich noch aus Bolivien hatte. Eine Verwendung hatte ich dafür nicht mehr, davon ganz abgesehen, wusste ich, dass sie ohnehin nichts bringen. Die Jungs glaubten aber daran und nahmen sie dankend ein und wir wanderten los.

    Unser Guide Octavio war, wie die meisten Guides in Südamerika, sehr verschlossen und ruhig. Wenn er sprach, dann natürlich nur Spanisch. Mit meinen und Rowans Spanischkenntnissen haben wir uns aber ganz gut durchgeschlagen und meistens auch verstanden, wenn er uns was erklärt hat.

    Der Anfang der Wanderung war relativ flach. Wir liefen durch Felder und Wiesen, an Bächen vorbei, durch das Tal der Frailejones, den Pflanzen für die der Park so bekannt war, bis wir irgendwann zu dem Stück kamen an dem es steiler wurde. Bis hierhin hatten wir ein gutes Tempo und die Jungs waren fitter als sie aussahen. Doch je höher es ging desto schlechter fühlte sich Kyle. Er wurde schlapper, hatte Atemprobleme und einen rebellierenden Magen. Zwischendurch ist es mal kurz hinter einen Felsen verschwunden, weil die Rebellion nicht aufzuhalten war. Ja, man macht so einiges mit bei solchen Wanderungen.

    An Aufgeben war aber nicht zu denken, tapfer lief er weiter und so erreichten wir nach etwa 6 Stunden die Laguna Grande. Ich möchte nicht sagen, dass ich enttäuscht war, aber jede noch so unbedeutende Lagune in Peru stellte diese ganz weit in den Schatten.
    Ein paar Höhenmeter weiter erreichten wir dann den Gletscher, den wir aufgrund der Restriktionen nicht betreten durften. Nur gucken, nicht anfassen.
    Auch dieser hat mich nicht vom Hocker gehauen. Aber darum ging es ja auch nicht. Nach Peru und Bolivien wusste ich, dass Kolumbien in Sachen Berge/Aussicht nicht mithalten kann. Hier war eher der Weg das Ziel.
    In der Höhe setzte die Krankheit dann auch Rowan ziemlich zu, so dass wir uns nach einer kurzen Pause recht schnell wieder auf den Rückweg gemacht haben. Davon ganz abgesehen verschlechterte sich das Wetter und wir wollten möglichst noch im Trockenen wieder ankommen.
    Zurück ging es über die gleiche Route, nur natürlich etwas schneller. Etwa eine Stunde vor dem Ziel hat uns der Regen dann leider doch erwischt. So richtig gestört hat es aber keinen.

    Nach insgesamt knapp 10 Stunden und stolzen 24km sind wir am Nachmittag völlig erschöpft an der Hacienda angekommen. Da gab es dann erstmal das wohlverdiente wir-haben´s-geschafft-Bier.
    Dabei diskutierten wir, ob wir am nächsten Tag noch eine Wanderung machen. Nachdem die beiden Alternativen noch länger dabei aber nicht so schön sein sollten, haben wir uns gemeinschaftlich dagegen entschieden.
    Die Jungs waren so nett und haben mich mit ihrem Van auch wieder zurück ins Dorf gebracht. Im Gegenzug für den Transport haben sie bei mir duschen dürfen. Das war die erste richtige und vor allem warme Dusche seit Wochen (sonst haben sie sich im Fluss gewaschen). Zum Abschluss des Tages habe ich sie dann noch zum Essen eingeladen. Es war nicht ganz einfach noch ein Lokal zu finden, das das nach 19 Uhr geöffnet hat und Essen serviert. Wir wurden aber fündig. Es war nicht das beste Essen, aber es machte satt und das war wichtig. Bei dem Preis musste ich einmal nachfragen, ob auch wirklich alle 3 Menüs berechnet wurden, denn gekostet hat mich das Ganze keine 4€.
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  • Day176

    El Cocuy

    November 22, 2018 in Colombia

    Die Anreise.
    Bei der Recherche zu “how to get to El Cocuy” haben sich die Berichte gleich immer nach einer halben und komplizierten Weltreise angehört. Ganz so schlimm war‘s dann nicht. Es ging erst mit dem einen Bus von San Gil 5 Stunden nach Tunja und von dort mit einem Nachtbus nach El Cocuy. Für diese 240km hat der Bus dann aber ganze 8 Stunden gebraucht. Und das war sogar schnell, mir wurde am Terminal nämlich gesagt, er würde 11 Stunden. brauchen. Darauf war ich eigentlich eingestellt, denn hätte ich gewusst, dass der Bus so “schnell” ist, wäre ich nicht eingestiegen und hätte in Tunja einen späteren genommen. Denn so bin ich statt um 5 Uhr morgens mitten in der Nacht (2 Uhr) in El Cocuy angekommen. Einen Terminal gab es nicht. Der Busfahrer hat mich einfach am Dorfeingang auf der Straße rausgelassen. Ich fragte zur Sicherheit nach, ob das auch wirklich El Cocuy ist. Si si y el parque esta por acá. War nett gemeint der Hinweis wo ich den Nationalpark finde. Er hat wohl aber nicht im Ernst geglaubt, dass ich um 2 Uhr nachts dahin laufen würde?!
    Für mich war das ein absoluter Alptraum. Mitten in der Nacht, alleine, in einem fremden Ort, in Südamerika. Wenn ich immer Situationen vermieden habe, dann diese. Niemals alleine nachts unterwegs sein! Ich war nur froh, dass es ein Dorf war, dass im Tiefschlaf lag. Es war nichts und niemand auf der Straße. Nur ein Hund, der mich fast zu Tode erschrocken hat als er um die Ecke gebogen kam. Zum Glück war er harmlos und freute sich scheinbar mich zu sehen. Auch so ne Sache in Kolumbien, sogar die Hunde sind netter als in den anderen Ländern.
    Ich bin jedenfalls schnell zum Hotel und hoffte, dass mir die Besitzer die Tür aufmachen. Taten sie. Nachdem ich im Bus kein Auge zumachen konnte, da sich ein junger Mann ausgerechnet neben mich setzen und ausbreiten musste, obwohl hinter und neben mir Doppelsitzer frei waren (für mich völlig unverständlich) freute ich mich auf mein Bett und habe so doch noch ein paar Stunden Schlaf bekommen.

    Am Morgen sah die Welt auch schon viel besser aus. Die Sonne schien, das Hostel war nett, die Besitzer auch, ich hab ein gutes Frühstück bekommen, wenn auch der Kaffee ungenießbar war. Egal, man kann nicht alles haben. Jetzt ging es an die Planung der nächsten Tage. Und das war nicht so einfach.
    Der Cocuy Nationalpark unterlag strengen Vorschriften. Seit ein paar Jahren wurden nicht nur viele Wanderrouten geschlossen, es ist auch nicht mehr erlaubt die Schneedecke der Berge zu betreten und demnach auch nicht die Gipfel zu besteigen. Die Ureinwohner der Region haben es untersagt, nachdem angeblich die kolumbianische Fußballmannschaft in Vorbereitung auf die WM 2016 auf einem der Gipfel Fussball gespielt hat.
    3 Routen waren aber noch offen. Für diese musste man jedoch selbst einen Guide, die Unterkunft in den Bergen und den Transport organisieren. Dann musste man genau wissen welche Route man an welchem Tag läuft. Bei mehreren Routen musste man dann auch noch schauen, wie man von A nach B kommt, da die Treks nicht direkt verbunden waren. Und dann war das Ganze auch noch ziemlich teuer, so dass für mich noch hinzu kam, dass ich am besten noch andere Personen finden musste, die sich mit mir den Guide und den Transport teilen.

    Grundsätzlich sollte das Letztere kein Problem in dem überlaufenen Kolumbien sein. Offensichtlich galt das aber nicht für El Cocuy.
    Wenn ich aber auf dieser Reise was gelernt habe dann war das: 1. Karma gibt es wirklich und 2. irgendwas ergibt sich immer.
    Mit der Einstellung bin ich erstmal raus und hab mir das Dorf angeschaut.

    In El Cocuy war auch tagsüber nicht wirklich viel los. Die Nebenstraßen waren leer, die Geschäfte geschlossen, nur auf der Hauptstraße bzw. dem -platz fand man ein paar kleine Einmal-hin-alles-drin-Läden und ein paar Menschen davor. Meist ältere Männer, die alle einen Hut und ein Poncho trugen, was ziemlich lässig aussah.
    Die Häuser waren alle einheitlich weiß mit braunen Ziegelsteindächern und türkisen Türen und Fensterläden. Lediglich die Kirche war gelb. Und auf dem Vorplatz der Kirche war ein Basketballfeld. Warum auch nicht.
    Englisch sprechende Menschen suchte man vergebens. So konnte ich aber mein Spanisch praktizieren und war selbst überrascht wie gut das ging.
    Alles in allem ein sehr hübsches, nettes Dörfchen.

    Mittags bekam ich eine Nachricht von Martha, der Hostelbesitzerin, dass 2 Chicos nach der Wanderung für den nächsten Tag gefragt haben. Ich könnte mich ja mit ihnen in Verbindung setzen. Das tat ich dann auch. Die 2 Chicos - Rowan und Kyle - waren Brüder aus Australien, die in einem umgebauten Van von Indiana (USA) nach Patagonien fuhren.
    Ich hab mich mit den beiden in ihren Van getroffen und war erstmal von dem eigenhändigen Umbau sehr beeindruckt.
    Wir haben uns nett unterhalten und dabei einen Plan geschmiedet: wir fahren noch heute mit dem Van hoch und sparen dadurch die Transportkosten. Oben treffen wir dann einen Guide, der in der Hacienda lebt und damit auch nicht hochgefahren werden muss. Die Jungs übernachten in ihrem Van und ich in der Hacienda. Morgen früh starten wir dann den Trek. Genialer Plan! Und so effizient. Die Jungs haben mir dadurch bestimmt 100 Euro erspart.

    Bevor es aber losgehen konnte, mussten wir noch eine Trekking-Versicherung abschließen, uns für den Park registrieren, bekamen ein Video darüber gezeigt, Verpflegung besorgen, ich musste noch meine Sachen packen...eine Stunde später befand ich mich hinten auf der Ledercouch des Vans und fuhr mit den beiden sympathischen Brüdern in die Berge.

    Die Wanderung
    (separater Bericht).

    Die Abreise.
    Am Morgen nach dem Trek haben sich die 24km am Körper bemerkbar gemacht. Meine Beine waren schwer, die Füße taten weh und generell war ich ziemlich platt.
    Außer meine Abreise irgendwie zu organisieren hatte ich aber nix vor, daher war das Leid nicht so groß.
    Mein nächstes Ziel war Santa Marta, in Norden bzw. an der Küste von Kolumbien. Die Fahrt dahin habe ich ein wenig unterschätzt, denn ich würde dafür locker 1,5 Tage brauchen.
    Ich habe mich für den Nachtbus aus Cocuy entschieden, um nicht mitten in der Nacht bei der nächsten Station anzukommen und vermutlich in einem verlassen Terminal auf den ersten Bus zu warten.
    Den Tag habe ich mit Nixtun verbracht und damit mein Handyguthaben aufzuladen. Klingt banal, war aber eine tagesfüllende Aufgabe. Denn ich war in El Cocuy, wo alles etwas komplizierter ist. Die Aktion war fast schon Slapstick würdig.
    Es fing damit an, dass ich in den Café/Supermarkt/Apotheke/Heimwerkerladen bin und fragte, ob sie meine Karte aufladen können. Si, claro. Super. Also nannte ich der netten Frau das Paket, was ich haben wollte. Frau guckt auf ihrem Handy nach: no tengo. Wie hat sie nicht? Ich hab’s doch erst vor 3 Wochen gekauft. Sie guckte nochmal, no, no tengo pero... lief aus dem Laden und winkte mich hinterher. Wir in den nächsten Laden. Situation wurde erklärt, der andere Laden war Café/Supermarkt/Apotheke/Internetstation. Jetzt wurde auf dem Computer auf der Website nachgeschaut. No, no hay. Gibt es nicht? Ich mit der 1. Frau wieder zurück in ihren Laden. Sie bei Claro angerufen. Paket gibt es so nicht zu kaufen. Wir müssen erst ein Guthaben aufladen und dann damit das Paket kaufen. Laden-Frau 1 lädt mir ausreichend Guthaben auf‘s Handy. Das klappte gut. Jetzt kauften wir das Paket aber. Klappt nicht. Por que? Ein Versuch, noch ein Versuch. Klappte nicht. Sie wieder zurück in Laden 2. Ich hinterher. Situation wird erklärt. Vielleicht liegt es an der schlechten Verbindung. Zum Glück ist Laden 2 ja auch ein Internetcafé und hat Wifi. Also das Ganze nochmal mit Wifi. Nada. Zurück zu Laden 1 mit Frau von Laden 2. Vielleicht kann Mann von Frau 1 helfen. Nein, kann er nicht. In der Zwischenzeit versammeln sich mehr Leute, diskutieren, suchen nach Lösung, finden aber keine. Und ich? Ich stand mittendrin und musste nur noch lachen.
    Laden-Frau 1 gab aber nicht auf und versuchte es immer wieder bis ich ihr das Handy aus der Hand nahm, versprach es selbst später nochmal zu versucheh, mich mehrfach für ihre Hilfe bedankte und ging.

    In der Zwischenzeit kam ein weiteres Problem auf. Es hieß, eine Straße sei gesperrt, so dass keine großen Fahrzeuge von/nach Cocuy durchkommen. Das hieß auch , mein Bus ebenfalls nicht. Tja, ist halt so. Passiert schon mal. Kann man nix machen.
    Das Busbüro/Uhren-/Sonnenbrillen-/Sportgeschäft war geschlossen und keiner hatte eine Auskunft wann es wieder öffnet. Laden-Frau 1 verwies auf Laden-Frau 2 und die wiederum auf Laden-Frau 3. Ich sollte später nochmal wiederkommen und nach dem Stand der Dinge fragen.

    Zurück zum Handyproblem.
    Später, in einen improvisierten Claro-Laden... Claro-Laden-Frau putzt gerade ihr Geschäft und hört dabei unfassbar laut Musik. Ich schildere ihr meine Situation. Sie versucht erst das Gleiche wie vorher Laden-Frau 1&2. Ohne Erfolg. Dann folgt ein Anruf bei Claro. Musik im Hintergrund läuft immernoch so laut, dass ich die Claro-Laden-Frau kaum verstehe, geschweige denn die Claro-Service-Frau am Lautsprecher. Letztere gibt eine Anweisung was zu tun ist. Anweisung wird umgesetzt. Nix. Immernoch kein Paket gekauft. Nochmal die Claro-Service-Frau anrufen. Zwischendrin kann man auch nochmal ein paar Regale wischen. Claro-Service-Frau lässt uns warten.
    Mein Bus-Problem hat sich scheinbar auch schon rumgesprochen. Die Claro-Laden-Frau wollte auch hier helfen und ist mit mir gemeinsam zu Laden 1,2&3 um sich nach dem Status zu erkundigen, während sie weiter in der Warteschleife hing. Und es gab eine Info: für den nächsten Tag würde ggf. ein Transport organisiert werden, der zu der gesperrten Stelle fährt, dann müsste man über die Sperrung auf die andere Seite laufen, wo ein neuer Bus für die Weiterfahrt wartet. Aber ich sollte später nochmal wiederkommen und im Busbüro nachfragen. Wir also wieder zurück in den Handyladen. Etliche Warteschleifenminuten später haben die beiden Claro-Frauen sich verständigt. Es fehlten wohl läppische 50ct um die Karte zu aktivieren. Und um das herauszufinden habe ich das halbe Dorf den halben Tag bemüht. Verrückt.

    Am Abend habe ich nochmal mein Glück im Busbüro versucht. Es war dann tatsächlich auch offen und die Busbüro-Frau hatte auch gute Nachrichten für mich. Es ging doch noch ein Bus heute Abend aus dem Dorf raus. Juppiee!
    Um halb acht wurde ich dann mit einem Feuerwerk aus El Cocuy verabschiedet (war Zufall, es gab wieder irgendwas zu feiern). Die Bus-Frau gab mir noch letzte Anweisungen wann ich wo in welchen Bus steigen und auf was ich aufpassen sollte. Sie redete so schnell, ich verstand nur 969, wahrscheinlich eine Busnummer, dachte aber, wird schon gut gehen. Et hätt noch emmer joot jejange. Verrückter als der Tag kann die Busfahrt ohnehin nicht werden.

    El Cocuy war das komplizierteste Dort überhaupt (Trek, Handy, Bus). Mir hat´s aber trotzdem sehr gut gefallen, trotz oder vielleicht sogar gerade deswegen.
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  • Day174

    Barichara

    November 20, 2018 in Colombia

    Noch bevor ich von dem Ort San Gil gehört habe, habe ich mir das kleine Örtlichen Barichara mit “möchte ich hin” bei Google Maps markiert, da es das schönste Dorf in ganz Kolumbien sein sollte. Dass es direkt bei San Gil liegt, war umso praktischer.

    Viel gibt es zu Barichara allerdings nicht zu berichten. Es ist wirklich einfach nur ein kleines, hübsches, ruhiges Dorf, mit schönen, kleinen weißen Häuschen, die schön mit braunen Ziegelstein-Dächern bedeckt; schönen alten Kopfsteinpflaster Gassen; einem Hauptplatz auf dem riesen Palmen wachsen und natürlich einer schönen Kirche; schönen Aussichtspunkten auf das nahegelegene Gebirge; schönen Blumen und Kakteen, die die Häuser schmücken und sogar der Friedhof ist richtig schön.
    In 1,5 Stunden kann man in das benachbarte Dörfchen Guane wandern - natürlich auf einem schönen Wanderweg mit schönen Aussichten.

    Ein wirklich schöner Tagesausflug war das.
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  • Day173

    San Gil - Rafting

    November 19, 2018 in Colombia

    In der Gegend um San Gil wurden einem wirklich eine Menge Outdoor Aktivitäten angeboten und alles hörte sich auch richtig gut an, da allein schon die Orte, an denen die Aktivitäten statt fandem, ein Erlebnis an sich waren.

    Ich habe mich für das Rafting entschieden. Rafting deshalb, weil die Gegend bzw. der Río Súarez dafür berühmt war. Angeblich kennt jeder Rafting-Spezi den Fluss und ist tief beeindruckt, wenn man sagt, dass man dort gerafted ist.
    Allein deshalb schon wollte ich es auch mal ausprobieren.

    Die Tour sollte eigentlich morgens früh starten. Doch am Abend vorher habe ich schon mitgeteilt bekommen, dass die Wetterbedingungen nicht so gut seien und der Fluss zu stark für eine Tour sei.
    Am nächsten Morgen hat sich die Situation nicht geändert, aber es bestand eine kleine Hoffnung, dass die Tour ggf. mittags starten könnte. Und so kam es dann glücklicherweise auch.

    Ein Taxi holte mich in meiner Pension ab und brachte mich zu der Tour-Agentur. In dem Taxi saß bereits ein amerikanisches Pärchen, später stieg noch ein weiterer Ami ein. Die Freude der 3 war groß, da sie sich aus der Heimat kannten und sich zufällig in Kolumbien getroffen haben. Ich glaube das erste Mal in Medellín und jetzt wieder. Wie klein die Welt doch manchmal ist.
    Vollständig wurde die Gruppe dann mit 2 weiteren Pärchen aus Deutschland, einem Schweden und einem Kanadier. Alle relativ jung und alle schon mit Rafting-Erfahrung, was mich ein wenig einschüchterte.

    Nachdem alle Formalitäten geklärt waren und wir alle unterzeichnet haben, dass wir eigentlich lebensmüde sind, ging es mit einem alten Van zum Fluss. Mit dabei waren auch die Guides. 4 Stück an der Zahl. Alles sehr coole und relaxte Jungs. So Surfer-Boys Typen, die aber teilweise auch schon etwas in die Jahre gekommen sind.
    Die Fahrt dauerte etwas mehr als eine Stunde. Die Stimmung war gut.
    Als wir an dem Startpunkt angekommen sind, wurden 2 Schlauchboote sowie 2 Kajaks gemeinschaftlich zum Flussufer getragen. Hier hatten wir dann auch unsere mündliche Einweisung. Diese dauerte bestimmt eine halbe Stunde und je mehr uns der Guide erzählte, desto größer wurde meine Angst. Vor allem als er uns erklärte, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir in den strömenden Fluss fallen. Nicht in Panik verfallen, versuchen zurück zum Boot zu schwimmen, sich vorne am Rettungskajak festhalten oder, wenn es ganz schlimm wird und keine Rettung erfolgen kann, irgendwie versuchen zum Ufer zu kommen. Ich kann zwar ganz ok schwimmen, aber wenn man den Fluss gesehen hat, wusste man, das war leichter gesagt als getan. Ich war kurz davor zu sagen: ich mach das nicht, will noch etwas leben.
    Die Guides waren da aber alle sehr entspannt und ich vertraute einfach auf ihre Expertise. Ist ja nicht das erste Mal, dass die mit Rafting-Anfängern zu tun haben. Und so wurden wir in zwei 5er Gruppen aufgeteilt, setzten unsere Helme auf, nahmen unser Paddel in die Hand und stiegen in das Gummiboot.
    Meine Gruppe bestand aus einem der deutschen Pärchen, dem Schweden und dem Kanadier. Alle 4 waren so richtige Low-Budget Backpacker. Die Sorte, die etwas verpeilt ist, die in die günstigsten Hostels geht, die schlabbrigsten Klamotten trägt, auf jeden Cent schaut, aber immer genug Geld für Bier und Drogen hat. Also genau die Sorte Backpacker, mit der ich niemals zusammen reisen könnte.

    Bevor es richtig los ging üben wir den gerade gehörten theoretischen Teil einmal im ruhigeren Wasser. Komandos befolgen, nach vorne und nach hinten paddeln, ins Boot sezten (wichtig bei hohen Wellen) und dann natürlich auch Menschen über Bord retten. Das klappte alles erstaunlich gut. Unser Guide war richtig zufrieden mit uns.
    Nach dem das alles saß wurde es ernst und wir fuhren raus auf den Fluss. Von hinten rief unser Guide uns immer die Komandos zu , welche Bootseite wie rudern soll. Die Hauptarbeit hat aber er selbst mit seinen zwei Riesenpaddeln gemacht.

    Das erste Stück war schon sehr aufregend, obwohl es nur die 2te von insgesamt 5 Schwierigkeitsstufen war. Wir wurden aber schon gut durchgeschüttelt und das deutsche Mädel hinter mir wurde da schon sehr nervös. Mir hingegen fing es gerade an so richtig Spaß zu machen. Auch als der Fluss immer stärker & reißender wurde, wir Wasserfälle runter gefahren sind und durch bzw. über Felsen schwimmen mussten, alle meine Befürchtungen & Ängste waren dahin. Ich war voll in meinem Element und selbst überrascht, dass es mir so gut gefällt.
    Bis wir an eine Stelle mit einem starken Strudel kamen... Ich weiß nicht genau wie es passiert ist, aber das Boot wurde auf einmal von einer Welle erfasst und so hoch gerissen, dass ich mich nicht mehr auf dem Bootrand halten konnte und samt Paddel ins Wasser gefallen bin. Unter Wasser bin ich schnell noch die Rettungsaktionen durchgegangen und hab nur gedacht. alles, aber bloß nicht ans Ufer, weil dann ist es vorbei.
    Das Paddel noch in der Hand habe ich zurück an der Oberfläche unseren Guide nur „rescue, rescue“ schreien gehört und gesehen, wie der Rest der Truppe wie verrückt gepaddelt hat, um so das Boot zum Stehen zu bringen. Ich also mit dem Paddel zum Boot, erst das Paddel übergeben und mich dann von den anderen ins Boot ziehen lassen. Puh! Geschafft! Ich war so happy!
    Das Deutsche Mädel hinter mir hat mich allerdings mit einem sehr besorgten Blick angeschaut und sich mehrmals versichert, ob denn auch alles in Ordnung sei. Sie sah wohl wie ich mit dem Kopf auf einen Felsen gefallen bin und hat sich total erschrocken. Mir ist allerdings, bis auf den Schrecken, mir nichts weiter passiert.

    Und so ging die abenteuerliche Fahrt weiter. Es kamen noch ein paar weitere Stellen, wo es so richtig aufregend wurde. Alles Stellen mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Unser Guide hatte aber großes Vertrauen in unsere Gruppe und fuhr mit uns durch jede dieser Stellen durch. Das zweite Boot hat teilweise eine etwas andere Route genommen.
    An der heftigsten Stelle der ganzen Tour sind der Schwede und der Kanadier dann auch über Bord gegangen. Den Kanadier konnten wir noch retten, der Schwede musste von einem der Kajaks gerettet werden. Er hing also eine ganze Weile vorne an der Nase des Kajaks und schwamm so meterweit durch den strömenden Fluss. Das war echt heftig. Großen Respekt vor dieser Leistung.

    Nach etwa einer Stunde war alles vorbei. Erleichtert und voller Adrenalin sind wir wieder am Flussufer angekommen.
    Dort haben wir dann noch was gegessen und uns anschließend zurück nach San Gil gemacht.

    Ich hätte nicht gedacht, dass mir Rafting so gut gefallen würde. Trotz Sturz und trotz anfänglicher Angst in der Buxe war das ein riesen Spaß. Wird definitiv irgendwann nochmal ausprobiert, aber nicht unter der Schwierigkeitsstufe 5 natürlich.
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  • Day172

    San Gil

    November 18, 2018 in Colombia

    Von dem Ort San Gil habe ich vorher noch nie was gehört (was genau genommen auf die meisten Orte in Kolumbien zutrifft). Aber der Tscheche, der mit auf der Wanderung zur Höhle in Jardín dabei war, hat ganz begeistert davon erzählt. Es sei das Mekka für Extremsport in Kolumbien, sagte er. Ich hab’s dann gegoogelt und festgestellt, dass es außerdem direkt bei Barichara und auf dem Weg in den Nationalpark Cocuy liegt, beides Orte, die auf meiner Liste standen. Zeit hatte ich auch noch, also warum nicht ein Abstecher nach San Gil machen?!

    Von Guatapé ging es also erst mit dem einen Bus zurück nach Medellín, dann weiter mit einem Nachtbus nach Bucaramanga und schließlich mit einem Minivan nach San Gil.
    Das war auch meine erste Nachtfahrt in Kolumbien. War ok. Einziger Unterschied zu den Nachtbussen aus den bisherigen Ländern: die Klimaanlage war auf Asien-Niveau. Eiskalt. Glücklicherweise war ich darauf schon vorbereitet und hatte mehrere Schichten von Klamotten an. So ließ sich die Nacht gut überstehen..

    Zu dem Zeitpunkt war ich schon knapp 3 Wochen in Kolumbien und habe mich mittlerweile auch ganz gut eingelebt. Woran ich mich aber nach wie vor nicht gewöhnen konnte war die Nettigkeit der Leute. So oft dacht ich, die wollen Dich bestimmt gleich abziehen oder wollen was von Dir. So grundlos nett können doch keine Menschen sein. Neustes Beispiel: die schrullige Bustante hat mir ein falsches Busticket ausgestellt. Die Abfahrtzeit des Buses stimmte nicht. Beim Suchen nach dem richtigen Bus ist das einer Dame, die ich angesprochen habe, aufgefallen und sie hat mich auf die falsche Zeit hingewiesen. Ein Mann gesellte sich dazu und nahm an der Diskussion teil. Sie waren fast schon besorgt, dass ich gleich nicht den richtigen Bus bekommen würde und sie waren sich einig: ich brauchte schnell ein neues Ticket, denn der Bus sollte schon in 10 Minuten fahren. Also bat ich die beiden kurz auf meinen großen Rucksack aufzupassen, damit ich schnell das Ticket tauschen kann. Das taten sie auch und vergewisserten sich auch nochmal, ob das neue Ticket auch wirklich richtig ist und begleiteten mich anschließend zum Bus. Der Mann trug dann sogar noch meinen Rucksack. Wirklich nett.
    Er war allerdings auch etwas schräg. Wollte im Bus unbedingt neben mir sitzen und sich mit mir unterhalten. Doch es war schon recht spät und ich hatte grad erst eine Busfahrt mit dem sehr gesprächigem Anonymen-Alkoholiker hinter mich gebracht. lso nach Reden war mir wirklich nicht mehr. Zumal er im Gegensatz zum AA kein Englisch sprach.
    Und dann hat er mich noch nach einer Jacke gefragt, als ich gerade meinen Pulli angezogen und eine zusätzliche Jacke rausgeholt habe. Da habe ich ein schlechtes Gewissen bekommen, als ich sagte, dass ich sie selber brauche. Schließlich war er vorhin so nett und hat mir mit dem Busticket geholfen. Doch es war wirklich sehr sehr kalt im Bus. Dann ging er aber raus und besorgte sich von irgendwo eine Decke.
    Nach 8 Stunden in Bucaramanga angekommen wich der Mann mir noch immer nicht von der Seite und war weiterhin sehr hilfsbereit. Er erkundigte sich wo mein Ticketschalter ist, führte mich dahin und nuschelte dabei die ganze Zeit irgendwas in meine Richtung. Ich verstand kein Wort. Um 5 Uhr morgens und noch halb im Halbschlaf war mir das alles etwas zu viel. Ich war froh als er irgendwann weg war und ich in den nächsten Bus steigen konnte.

    Ich weiß nicht warum, aber in Bussen ist es meist so, dass egal wie viele leere Plätze es im Bus gibt, die Leute setzen sich trotzdem neben mich. Auch wenn der Doppelsitzer daneben frei ist. Und dann sind’s oft dicke Menschen, die gleich meinen halben Sitz miteinnehmen.
    So war das bei dieser Busfahrt nach San Gil auch wieder. Alle schlanken Passagiere steigen ein und der letzte dicke Mann muss sich natürlich neben mich setzen. Dazu kommt: Angst vor Körpernähe haben die Kolumbianer auch nicht. So klebte ich 2,5 Stunden eng an der Fensterscheibe und das nicht nur, weil die Aussicht so toll war. Und sie war wirklich toll. Wir fuhren nämlich an dem 2. tiefsten Canyon der Welt entlang, dem Chicamoya Canyon. Dazu noch die frisch aufgegangene Sonne und die Wolken, die über dem Canyon hingen...schön!
    Kurz vor San Gil dann Stillstand. Stau. Nichts geht mehr. Minutenlang. Ich stellte mich schon auf stundenlanges Warten ein, zumal mir Florence ein paar Tage vorher von ihrer Busfahrt berichtet hat, bei der sie durch einen Unfall 8 Stunden festsaß. Horror. Bei uns ging es zum Glück nach 1,5 Stunden weiter.
    Danach begann der dicke Mann sich auf einmal mit mir zu unterhalten. Fragte mich Sachen aus, gab mir Tipps für San Gil. Da er auch ins Zentrum fuhr, machte er am Terminal gleich ein Taxi für uns klar und wollte das sogar bezahlen. Und wieder: so nett! Da der Taxifahrer aber, wie so oft, keinen großen Schein wechseln konnte, übernahm ich die 4T Pesos (1,20€).

    Jetzt aber zu San Gil.
    Die Stadt war größer als gedacht. Nicht wirklich schön und auf den wenigen Hauptstraßen ziemlich voll und laut.
    Als ich in meinem Hostel angekommenen bin, wurde mir erstmal ein Katalog mit Aktivitäten gezeigt, die man in der Gegend machen konnte. Paragliding, Rafting, Canyoning, Bunjeejumping, Mountainbiking, Hiking waren nur einige davon. Und gleich wurde ich gefragt, was ich denn davon machen möchte. Heute? Äähhm...keine Ahnung. Erstmal ankommen.

    Rafting war aber schon mein Favorit. Hab ich noch nie gemacht und die Gegend um San Gil soll wohl für diese Art von Sport, die Beste in Kolumbien sein - machne behaupten sogar von ganz Südamerika. Beim anschließenden Erkunden der Stadt bin ich an einer Agentur vorbei und hab mich gleich für eine Tour für den nächsten Tag angemeldet.
    Danach habe ich mir noch die Hauptattraktion der Stadt angeguckt. Den El Gallineral Park, in dem man u.a. außergewöhnlichen Bäume begutachten konnte. Gut, die Bäume habe ich schon in Jardín in der „freien Wildnis“ gesehen, der Besuch des Parks war aber trotzdem ganz nett.
    Ein Mann, Oscar, mittleren Alters, der mit seiner großen Familie in dem Park unterwegs war, alle sehr gut & schick gekleidet, sprach mich an und fragte mich die üblichen Sachen: wo ich herkomme, wie mir San Gil gefällt, wie lange ich in Kolumbien bleibe...seine Schwester, die auch dabei war, wohnte in der Schweiz und hat mir dann kurz auf Deutsch erklärt, was der eigentliche Grund für den Besuch war. Sie und ihre 7 Geschwister haben soeben ihre Mutter in dem Fluss bestattet. Bitte was!? Es sei ihr letzter Wille gewesen. Das sei zwar nicht erlaubt, aber wer soll denn schon was sagen? Also ich bestimmt nicht.

    Während die Familie weiter spazierte hat sich Oscar noch etwas mit mir unterhalten und mir angeboten ihn gerne zu kontaktieren, wenn ich mehr über San Gil wissen möchte.
    Das ist mir öfters schon passiert, dass mir fremde Menschen einfach ihre Telefonnummer geben und ihre Hilfe anbieten. Nett. In Anspruch genommen habe ich das Angebot bisher aber noch nie.

    Dafür, dass San Gil nur ein kurzer Zwischenstopp sein sollte, bin ich insgesamt 3,5 Tage dort geblieben. An Tag 2 stand das Rafting auf dem Programm und an Tag 3 der Besuch des nahe gelegenen Dörfchens Barinchara. Ich hätte sogar noch länger bleiben können, zu sehen und zu machen gab es in der Gegend genug, wenn da nicht noch andere Orte gewesen wären, die besucht werden wollten.
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  • Day171

    Guatapé

    November 17, 2018 in Colombia ⋅ ⛅ 23 °C

    Die meisten Leute machen in der Regel nur einen Tagesausflug nach Guatapé. Ich dachte mir, nach 4 Tagen Großstadt, könnte ich etwas Landluft gut gebrauchen und habe 2,5 Tage für Guatapé eingeplant.

    Die Anfahrt war easy. Mit der Metro zum Busterminal Medellin Nord und von dort weiter mit dem Bus direkt nach Guatapé. Etwa 2 Std. hat die unaufregende Fahrt gedauert.

    Guatapé ist eine kleine Stadt im Osten von Medellín. Die Touris zieht es hauptsächlich wegen des Peñon (großer Felsen) dahin, der tatsächlich auch ganz hübsch anzuschauen ist.
    Aber auch der Ort ist unerwartet schön. Die kleinen Straßen waren geschmückt mit hübschen, bunten Häuschen, die am unteren Drittel der Hauswand immer eine Verzierung hatten. Meistens waren es Lämmer, man sah aber auch Milchbauern, Priester, Musikinstrumente, DJs, Bars und Billardhallen, Tiere oder florare Muster. Ein Dorf wie aus einem Bilderbuch..

    Mein Hostel lag etwas außerhalb des Zentrums. Zu Fuß etwa 20 Min. Als ich dort angekommen bin, erwartete mich ein normales Wohnhaus, dass sich nur durch den 8er-Dorm ein Hostal nennen durfte. 2 Betten waren bereits von 2 älteren französischen Damen belegt. Beide sprachen nur Französisch. Natürlich. Die Eine konnte aber ein paar Brocken Englisch und un pocito español. Sie waren grundsätzlich aber sehr kommunikativ (was nicht selbstverständlich war bei Franzosen) und so haben wir uns irgendwie im Sprachenmix unterhalten. Es war schon fast das Ende ihrer Backpackerreise, die sie über mehrer Wochen durch Kolumbien gemacht haben und das mit 52 bzw. 61. Respekt. Ich habe nicht viele ältere Menschen getroffen, aber wenn, dann kamen sie meist aus Frankreich. Irgendwas scheinen sie richtig zu machen, die Franzosen.

    Am nächsten Tag stand dann der Besuch des Peñons an. Ich bin recht früh los, da Wochenende war und man spätestens ab 10 Uhr mit den Tagesausflüglern rechnen musste.
    Der Busfahrer hat mich am Eingang zu dem Felsen rausgelassen. Wobei Felsen in dem Fall untertrieben ist, es war mehr ein Berg als ein Fels. Knapp 300m hoch.
    Nach oben gelangte man über eine Treppe, die in den Fels eingearbeitet wurde. 740 Stufen waren das in etwa. Auf dem „Gipfel“ hatte man dann einen Rundumblick über die ganze schöne Umgebung.

    Wie vermutet stürmten am frühen Nachmittag die großen Tourigruppen an. Das war der Zeitpunkt für mich zu gehen.
    Zurück wurde mir von der Hostelmama empfohlen einen 3-stündigen Wanderweg zu nehmen, der durchs Hinterland führte. Er sollte ganz besonders schön sein. Auch wenn mir nicht sonderlich nach Wandern zumute war, ich hatte an dem Tag nichts weiter vor, also bin ich los gelaufen. Und es wurden laaange 3 Stunden. Der Weg war nicht besonders spektakulär und hat sich soo gezogen. Ab und zu hatte man einen schönen Ausblick auf den Fels bzw. den See das war‘s aber auch schon. Ich bin sogar streckenweise gerannt, nur damit ich es schneller hinter mir habe.
    Etwa eine Stunde vor dem Eintreffen in der Stadt hielt ein Motorrad neben mir an und fragte mich, wo ich denn hin will und ob er mich mitnehmen soll. Der Mann sprach etwas Englisch und wirkte sehr sympathisch. In meiner „Not“ bin also ich auf sein Motorrad gestiegen und war in wenigen Minuten am Ziel.
    Mein netter Fahrer war Philosophie-Professor an dem Collage, vor dem er mich auch rausgelassen hat. Während der Fahrt fragte er mich was denn mein Lieblingsphilosoph wäre und was ich denn von deutschen Philosophen generell halte...ähm...Schweigen auf den Rücksitz...die Rettung: gekonnt Frage mit irgendeiner Gegenfrage beantworten. Hat funktioniert.
    Am Ende hat mir dieser Mann den Tag gerettet.

    Denn Guatapé, so schön es war, war nicht mein Ort.
    Weshalb ich mich auch entschlossen habe früher abzureisen als geplant.
    Das hatte zudem den Vorteil, dass ich noch einen Nachtbus in Medellín erwischen konnte, der mich zu meiner nächsten Station San Gil fuhr.
    Ich nahm also den letzten Bus nach Medellín und erwischte noch den letzten freien Platz bzw. er wurde für mich freigemacht (direkt neben dem Fahrer).
    Auf der Fahrt wurde ich gut von einem älteren Herrn unterhalten, mit dem ich mir den VIP-Sitz geteilt habe. Ein AA - Anonymer Alkoholiker - wie er mir gleich zu Beginn sagte (nicht der Erste, den ich auf der Reise getroffen habe). Danach erzählte er mir 2 Stunden von seinen Geschäften mit China und Indien und was er da nicht alles erlebt hat. Wir unterhielten uns auf Spenglisch - ich spanisch, er englisch - da wir ungefähr beide auf dem gleichen Niveau der jeweiligen Sprachen waren. Das klappte ganz gut.
    Ich war trotzdem ganz froh, als wir in Medellín angekommen sind und ich weitere 2 Stunden später in den Nachtbus einsteigen konnte.

    So nett die Menschen auf waren und so hübsch das Dorf auch war, Guatapé und ich, das hat einfach nicht gepasst. Und dennoch hat mir der Ort ein kleines Highlight der Reise beschert. Eine Pizzeria am Hauptplatz hat neben frischer Pizza auch frische, warme Zimtschnecken verkauft.Und die waren soo gut! Zusammen mit den Zimtschnecken aus Salento waren das die besten Zimtschnecken überhaupt. Allein dafür hat sich Guatapé schon gelohnt.
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  • Day167

    Medellín

    November 13, 2018 in Colombia ⋅ ⛅ 23 °C

    Im Vergleich zu der Anreise war die Ausreise aus Jadín total unspektakulär. Ein ganz normaler Bus brachte mich in nur 2 Stunden nach Medellín, setzte mich allerdings nicht wie gewohnt in einem Busterminal, sondern an einer Metrostation ab. Das war neu, denn Metros sind mir in Südamerika nicht so oft begegnet, nur einmal in Chile. Medellín muss also eine sehr fortschrittliche Stadt sein, hab ich gedacht. In jedem Fall, sollte es eine historisch super interessante und spannende Stadt, dem Hörensagen nach zumindest.

    Mein Hostel lag in der Nähe des Zentrums und damit relativ weit weg von der sicheren Gegend in dem die Touris üblicherweise unterkommen (El Poblado). Das war auch bewusst so gewählt, da ich mit den typischen Touri Orten nicht so viel anfangen konnte.
    Es war ein sehr schönes Hostel, eines der Schönsten sogar, die ich auf meiner Reise aufgesucht habe. Neu, modern, sauber, richtig schick eingerichtet, mit netten Menschen und einer tollen Dachterasse. Ich fühlte mich gleich wohl.
    Hier gab es dann auch ein Wiedersehen mit Jana, die einen Tag vor mir in die Stadt gekommen ist, aber auch früher wieder abgereist ist. Einen Tag hatten wir aber zusammen.

    An diesem Tag haben wir die Real City Tour gemacht. Eine Freewalking Tour durch das Zentrum von Medellín. Um 9.00 morgens ging es los. Als wir am Treffpunkt angekommen sind, wurde uns zunächste gesagt, dass die Tour bereits ausgebucht sei, wir könnten aber noch Glück haben, da manchmal Leute abspringen. Zum Glück hatten wir das Glück.
    Unser Guide hieß Pedro. Ein junger Mann, Ende Zwanzig/ Anfang Dreißig, aus Medellín, eigentlich Ingenieur, jetzt aber leidenschaftlicher Tourguide. Und diese Leidenschaft hat man ihm voll angesehen. Ich habe schon einige dieser Touren gemacht, aber keine war so gut wie die von Pedro.
    Das Erste was total beeindruckend war, bereits bei der großen Vorstellungsrunde konnte er aus dem Kopf die Namen und das Herkunftsland aller 30 Teilnehmer aufsagen. Gemerkt hat er sich diese als wir uns in die Liste eintragen sollten. Am Ende hat er auch jeden einzelnen mit Namen auch wieder verabschiedet. Verrückt.
    Das wirklich spannende waren aber die Geschichten, die er über Kolumbien und Medellín erzählt hat. Angefangen von der Eroberung Südamerikas durch die Spanier, über die Spaltung von Bolivien, Ecuador und Kolumbien und den bürgerkriegsartigen Zuständen in den 80er/90er Jahren bis hin zu der Entwicklung der innovativsten Stadt der Welt.
    Und Pedro hat das so gut erzählt, dass ihm jeder gebannt zugehört hat und ich sogar ein paar Mal Gänsehaut bekommen habe. Insbesondere als es um die jüngste Vergangenheit ging, als der große Drogenkrieg in Kolumbien herrschte und Medellín die Drogen-Hauptstadt und damit auch die gefährlichste Stadt der Welt war.
    Er erzählte von Granaten, die mitten am Tag explodiert sind, sich aber keiner drum geschert hat, da es normal war, dass hier und da mal was explodierte. Von Bomben, die hochgingen und mehrere Leute in den Tod rissen. Von engen Freunden, die von einem Tag auf den anderen verschwanden und nie wieder aufgetaucht sind. Von Familien, die über Nacht ausgerottet wurden. Von den vielen Toten auf der Straße, die irgendwann keiner mehr wahrgenommen hat….für uns alles unvorstellbar. Unvorstellbar auch, dass Pedro all das schon miterlebt hat und jetzt aber so positiv eingestellt war und sich des Lebens freute. Sicherlich gehörte das auch ein wenig zum Entertainment der Touris dazu. Man kaufte es ihm aber sofort ab. Zumal die Leute auf der Straße genauso positiv waren. Sie freuten sich ehrlich über die vielen Touris, die in ihre Stadt kamen, da es für sie ein Ende der Schreckenszeit bedeutete.

    Am nächsten Tag stand eine weitere Freewalking Tour auf dem Programm. Dieses Mal ging es in das Viertel San Javier bzw. in die berühmte Comuna 13.
    Comuna 13 ist eines der insgesamt 16 Viertel in Medellín. Ein Armenviertel, das als Hochburg des damaligen Drogenkrieges galt, in dem blutigen Schlachten auf offener Straße ausgetragen wurden. Wenn also Medellín die gefährlichste Stadt war, war Comuna 13 der gefährlichste Ort der Welt.
    Davon merkt man heute nicht mehr viel, zumindest tagsüber nicht. Man merkte aber schon noch, dass die Vergangenheit noch in den Knochen der Menschen steckt, sowie bei unserer Stadtführerin als sie ihre persönliche Geschichte erzählte und dabei versuchte den Kloß im Hals zu unterdrücken.
    Auch hier fiel es mir schwer mir vorzustellen, dass wo jetzt Spiel- und Sportplätze, Cafés und Geschäfte sind, wo tolle Graffitis das Viertel schmücken und wo täglich Massen an Touris die Straßen lang laufen noch vor weniger als 15 Jahren Kriegszustände herrschten. Tief beeindruckend.

    Die Tour endete damit, dass wir ein junges Café aufgesucht haben, wo wir einen typischen kolumbianischen Drink probieren konnten. Bier mit Limettensaft und Salzrand am Glas. Michelada nennt sich der Drink. Sehr gewöhnungsbedürftig.
    Da ich an dem Tag nur gefrühstückt hatte, war ich nach 2 Bieren schon leicht bedüdelt. Ich hätte danach auch besser aufhören sollen, aber ich hatte so nette Gesellschaft von 3 Deutschen, 2 Mädels und 1 junger Herr,, da kann man auch noch ein 3 Bier trinken. Danach war der Tag für mich eigentlich auch schon gelaufen.
    Am Abend habe ich mir dann aber noch weitere Freunde gemacht. Ich hatte Hunger. In der unmittelbaren Umgebung meines Hostels gab es keine wirklich guten Läden. Also bin ich zu dem Streetfood-Stand um die Ecke, der Arepas und Hamburger verkaufte. Und heute war guter Hambuger-Day.
    Die nette Dame hatte ihren Stand noch nicht eröffnet, für mich holte sie aber schnell alle Sachen raus und schmiss den Grill an. Und während ich auf den Burger wartete unterhielten wir uns ein wenig. Sie ist aus Venezuela geflüchtet, war gerade mal 3 Monate in Kolumbien zusammen mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn und lebte von dem Streetfood-Stand. Das Leben war für sie nicht einfach, aber sie war trotzdem happy, da sie eine Arbeit, ein Dach übern Kopf und ihre Familie hatte...Wieder so ne Schicksalsgeschichte und wieder dachte man, wo nehmen diese Menschen die Lebensfreude her?!

    Auch wenn Medellín nicht mehr so gefährlich ist, wie es mal war, so musste man da trotzdem vorsichtiger sein als in anderen Orten. Alleine schon, weil hier deutlich mehr Menschen waren und man sich gefühlt ständig in Massen bewegte. Sei es auf der Straße oder in der Metro. Und es gab schon viele Ecken, um die man besser einen großen Bogen machen sollte.
    Abends sollte man sich am besten gar nicht mehr draußen aufhalten und wurde von den EInheimischen sogar nach Hause geschickt. Als ich auf einem sehr belebten Platz um 18.00 Uhr auf einer Bank darauf wartete, dass eine Lichtinstallation, ein Kunstwerk, anging, hielt ein junger Mann auf dem Fahrrad vor mir an und fragte mich was ich denn noch hier machen würde? Es sei viel zu gefährlich für mich. Ich sollte besser entweder gleich Heim gehen oder mich wenigstens in die Nähe eines Sicherheitsmannes stellen. Er wirkte nicht so, als würde er mir Angst einjagen wollen oder mich gar veräppeln. Das war ehrliche Besorgnis. Es war auch nicht das erste Mal, dass mich Leute warnten, in Medellín nahm ich es aber tatsächlich ernster als in anderen Städten. Und wenn ich doch abends alleine rumgelaufen bin, dann immer mit einem sehr mulmigen Gefühl.

    Zu einem der “must dos” in Südamerika stand unter anderem auch der Besuch eines Fußballspiels gabz oben auf der Liste. Bisher habe ich es nicht geschafft bzw. versäumt, jetzt, in Medellín, war es aber endlich so weit. Das Ticket habe ich mir bereits 2 Tage vorher besorgt, in einem Restaurant, in dem aus der Küche heraus die Tickets verkauft wurden. Ich war um die Mittagszeit da und die Schlange vor dem “Schalter” war recht lang. Egal, ich wollte zu dem Spiel und habe ich angestellt. Nach etwa 20 Minuten setzten sich auf einmal alle Leute vor mir hin. Ich war etwas irritiert und fragte was los sei? Mittagspause. Klar, was sonst. Es stehen nur sehr viele Menschen in der Hitze und warten aber so viel Zeit muss sein. Eine ¾ Stunde später ging es aber weiter und ich habe mein Ticket bekommen.
    Am Abend ging es dann mit der Metro zum Stadion. Ich hatte etwas bedenken, da das Spiel um 20 Uhr anfing und ich nur ungern alleine im Dunklen unterwegs sein wollte. Aber sowohl die Mitarbeiter im Hostel als auch die nette Streetfood-Dame gaben mir Entwarnung.
    Im Stadion angekommen nahm ich brav auf meinem Sitz Platz. Die Ecke in der ich saß war ruhig und es waren auch noch sehr viele Plätze frei, obwohl es hieß, das Spiel sei ausverkauft.
    Direkt neben mir war die Kurve der Indepediente Medellín Fans, die schon vor Beginn des Matches kräftig Stimmung machten. Und was für eine! Das war ein reines Samba-Fest. Als das Spiel dann los ging wurde es noch lauter, noch intensiver. Eine 90-Minuten Non-Stop-Fiesta. So cool!
    Ich habe mich daraufhin direkt umgesetzt um näher an dem Fanblock zu sein. In der 2. Hälfte bin ich dann mit 2 Amerikanerinnen, die ich auf der Comuna 13 Tour getroffen und jetzt auf der Tribüne entdeckt habe, auf die obere Ebene des Stadions. Von dort konnte man zwar besser das Spiel sehen, aber das hat mich ohnehin nicht wirklich interessiert. Die Stimmung unten war deutlich besser. Also wieder runter und mitfeiern.
    Medellín hat am Ende 3:0 gegen Bucaramanga gewonnen.
    Auf dem Rückweg bin ich noch bei meinen neuen venezolanischen Freunden vorbei, die mich zu ihrer kleinen Street-Party eingeladen haben. Eine Arepa und zwei kolumbianische Würstchen später bin ich dann nur noch ins Bett.

    Letzter Tag. Auch wenn ich kein großer Fan von den typischen Touri-Plätzen war, irgendwie war ich doch neugierig auf das vielgelobte Viertel EL Poblado.
    Also bin ich dahin und war erstaunter als erwartet. Es war so ganz anders als der Rest von Medellín. Super schick, hip, modern und total überteuert. Wie in so nem fancy Viertel von London, mit den vielen Boutiquen, den ausgefallenen Cafés und Restaurants und den Hipster-Leuten. Ich kam mir irgendwie fehl am Platz vor. Und wäre ich hier nicht verabredet gewesen, hätte ich das Viertel auch recht schnell wieder verlassen.
    Baltasar, der überdrehte Argentinier, den ich in Jardin getroffen habe, ist an dem Nachmittag in der Stadt angekommen und so haben wir El Poblado ein wenig zusammen erkundet.

    Die Fahrt zurück ins Hostel war dann ein kleines Abenteuer. Es war 18.00 und Rush-Hour und jeder, der die Bilder aus Japan kennt, wie die Leute dort in die überfüllte Metro einsteigen, so war das in Medellín auch. Die Leute wurden richtig in die Wägen reingepresst. War man erstmal drin, war die nächste Herausforderung wieder raus zu kommen. Ich war jedenfalls klatschnass, als ich die Metro wieder verlassen habe.

    Und so sind 4 aufregende Tage in einer Stadt vergangen, die wohl die Beeindruckendste ist, die ich bisher aufgesucht habe.
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  • Day164

    Jardín - Cueva del Esplendor

    November 10, 2018 in Colombia

    Den Ausflug zu der Cueva del Esplendor hat uns der Besitzer des Hostels organisiert, in dem Jana und Florence untergekommen sind. Mit dabei waren auch noch weitere Gäste des Hostels, ein Russe, ein Tscheche und ein Japaner. Mit der Deutschen, der Australierin und der Polin waren wir eine sehr bunt gemischte Truppe.
    Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung was wir uns eigentlich angucken wollten. Normalerweise google ich die Sehenswürdigkeiten vorher, da es sich hier aber um eine Höhle handeln sollte habe ich mir die Mühe erspart, da ich Höhlen einfach nicht mochte. Entsprechend waren meine Erwartungen nicht sehr hoch. Aber ich hatte Lust zu wandern und bin eigentlich nur deshalb mitgekommen.

    Mit einem Jeep ging es früh morgens raus in die Berge, wo wir nach einer halbstündigen Fahrt vor einem Tor ausgesetzt wurden. Ab hier begann dann die 1,5 stündige Wanderung durch eine schöne Wallachei.
    Ich wollte an dem Tag einfach nur gemütlich wandern, hatte keine Lust auf viel Gequatsche und hab mich ein wenig von der Gruppe abgesetzt. Was völlig okay war, denn alle außer Florence und dem Tschechen waren scheinbar der gleichen Meinung.

    An einem Häuschen angekommen mussten wir zunächst einen Guide bezahlen, der eigentlich kein richtiger Guide war, sondern nur da wohnte, aber den Schlüssel für das Tor hatte, durch das wir gehen mussten.
    Anschließend wanderten wir weitere 20 Minuten bergab durch einen tropischen Wald und erreichten schließlich eine Felswand, von der ein kleiner, feier Wasserfall runterlief. Das war schon ganz schön. Ein paar Schritte weiter kam aber das eigentliche Highlight: die besagte Höhle Erwartet habe ich eine dunkle Höhle in der vielleicht eine Lagune ist oder ein paar Tropfsteine von der Decke hängen. Was ich aber tatsächlich bekommen habe, habe ich bisher noch nicht gesehen. In dieser Höhle war oben also quasi in Dach des Felses ein riesiges Loch aus dem Wasser mit voller Wucht runter prallte. Es war also im Grunde ein Wasserfall in einer Höhle. Sensationell und faszinierend zugleich.

    Wir machten Fotos, viele Fotos, lustige Fotos, der Tscheche war sogar so verrückt und sprang in das Wasserbecken, in dem er schockgefrostet wurde, anschließend wanderten wir zurück zum Häuschen, aßen unsere Lunchpakete und liefen wieder zurück zum Tor.
    Zwischendurch gab es noch eine Diskussion, da wir eigentlich vorhatten komplett runter nach Jardín zu laufen (+2 weitere Stunden), da es aber angefangen hat zu regnen, spaltete sich die Gruppe. Die Einen wollten runter wandern, die Anderen aber den Jeep rufen. Am Ende haben wir uns zum Glück für den Jeep entschieden, nur der harte Tscheche nicht, er bevorzugte den Regen.

    Und so wurde es, trotz der etwas unharmonischen Gruppe, ein überraschend schöner Ausflug.
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  • Day163

    Jardín - Don Dario's Kaffeefarm

    November 9, 2018 in Colombia

    Der Besuch einer Kaffeefarm in Kolumbien ist wie nach Rom fliegen und den Vatikan sehen. Ein Muss.
    Ich war zwar schon auf einer Kaffeefarm in Peru und hab dort auch meinen eigenen selbstgepflückten Kaffee getrunken, das war aber alles eher in kleinen Stil. Jetzt wollte ich mir mal eine richtig große Farm angucken.
    Die Farm, die wir aufgesucht haben, gehörte Don Rubén Darío Agudelo. Ein total netter, herzlicher Mann, der bereits in der 2. Generation Kaffee anbaut. Er wohnt mit seiner Frau auf der Farm, hat noch eine Tochter, die in Medellín studiert und später das Geschäft später übernehmen wird und hatte noch einen Sohn, der jedoch mit 17 Jahren verstorben ist, wie er uns ganz offen und vertrauensvoll erzählt hat.

    So wie die meisten Kaffeebauern rund um Jardín verkauft auch Don Dario seinen Kaffee an Nespresso. Da er davon allein aber nicht leben kann, baut er auf seinem Land u.a. auch Bananen, Mandarinen, Avocados und diverse andere Früchte an, züchtet Hühner und Meerschweinchen, produziert Honig und empfängt regelmäßig Besuch, dem er seine Farm zeigt. Ein viel beschäftigter Mann umso dankbarer waren wir, dass er sich so viel Zeit für uns genommen hat.

    Er erklärte und zeigte uns in aller Ruhe jeden Schritt der Kaffeeproduktion, von der Pflanzung des Kaffeestrauchs bis hin zum Trinken des eigenen Kaffees. Anders als in Peru, hörten die Schritte auf seiner Farm jedoch bei der Röstung der Bohnen auf. Hier war üblich, dass die trockenen Bohnen von allen Bauern gesammelt und in einer großen Rösterei geröstet wurden. Scheinbar aus Kostengründen.

    Es war ein schöner Vormittag an dem ich sehr viel über Kaffee gelernt habe. Zum Beispiel, dass der gute Kaffee immer exportiert wird und die Kolumbianer immer nur den “Abfall”-Kaffee trinken (was vieles erklärt hat). Wer Instant-Kaffee trinkt, trinkt auch nur die Abfälle. Oder, dass es wirklich einen Unterschied zwischen einem organischen und einen nicht-organischem Kaffee gibt. Gewusst hat man das irgendwie schon immer, jetzt wurde es aber nochmal vor Augen geführt.
    Überrascht hat mich etwas, dass Don Rubén kein schlechtes Wort über Nespresso verloren hat, auch auf kritische Nachfrage nicht. Ganz im Gegenteil, er hat fast schon stolz über seinen “Arbeitgeber” und den die hohen Qualitätsstandards des Nespresso-Kaffees erzählt - gut, ist ja auch seiner.
    Zu schade, dass es Nespresso nur in Kapseln gibt. Sonst würde ich von nun an nur noch die Rosabaya Sorte kaufen und mir dann immer vorstellen, dass der Kaffee aus den Bohnen gemacht wurde, die ich eigenhändig bei Don Dario gepflanzt habe.
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