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  • Day16

    Svolvær

    September 8, 2020 in Norway ⋅ 🌧 12 °C

    Der Tag heute hat auf jeden Fall eins im Gepäck, Wetter. Und das so richtig.
    Es beginnt am Morgen ziemlich harmlos mit dem üblichen Regenguss nach einer schönen Morgenstunde. Diesmal zeigt sich ein zarter Regenbogen über Henningsvær.
    Die See ist aufgewühlt und lässt sich vom Wind aufreiben. Die fetten Wellen knallen ans Ufer. Verströmen ihre weisse Gischt als gäbe es kein Morgen. Der Wind pfeifft ums Eck, die Hauswand wackelt. Wir erahnen, wozu die riesigen Felsbrocken hier an der Strasse zu einem grossen Wall aufgetürmt wurden. Dieses ist ja nur ein Stürmchen, gemessen an dem, was der Herbst und der Winter hier schon mal übers Land schickt. Dennoch schaffen es einige Spritzer bis an die oberen Felsen.
    Wir fahren zeitig los heute und staunen schon beim rausfahren aus dem Ort, wie wild das Meer in der Bay umherscheapptm es kracht hier zwischen die Felsen und donnert da an die Shorline. Dunkelblaues Wasser schiebt sich heran, aufgewühlt klatscht es ans Ufer. Herrlich. Wir halten in einer wilden Parkbucht und kraxeln auf einen der riesigen Felsbrocken.
    Der Wind haut mir fast das Handy aus der Hand, so heftig tobt er in Böen heran. Wir schwanken als wären wir betrunken, weil immer wieder eine Böe versucht, mich umzustossen. Na wenigsten zieht der Wind die Falten glatt.
    Wir sehen das Unheil kommen.
    Von Süden her schiebt sich eine fette, dunkelgrauen Wolkenwand heran und verschluckt alles, was sie findet. Die Berge, das dunkelblaue, aufgewühlten Meer, die kleinen Inselchen.
    Nichts mehr sonst ist zu sehen, als diese graue Wand, die Literweise Regen mit sich bringt.
    Mit dem Zuschlagen der Autotür kommt es über uns. Heij, was ein Regen. Der Scheibenwischer schafft das nicht. Wir bleiben in der wilden Parkbucht, bis der Spuk vorüber ist. Da ahnen wir noch nicht, dass die der heutige Tagesrythmus wird. Halbe Stunde Regen, Viertel Stunde etwas Sonne. Vielleicht.
    So landen wir einige Regengüsse später in Svolvær.
    Wir fragen, wie das mit dem Parken hier so läuft, bekommen einen Parkplatz gezeigt, wurschteln uns durch das Bezahlsystem und es regnet schon wieder.
    Wir finden die Touristinfo und kehren ein. Die blonde Frau hinter dem Spritzschutz gibt sich nordisch extrem unterkühlt. Keine Mimik, ein Lächeln gar. Ich glaube, sie heisst Solvwg Schnecke weil sie wirklich echt langsam ist, in allem, was sie tut. Jedenfalls erfahren wir , dass die grossen Schiffe nicht in den Trollfjord fahren. Es gibt nicht genug Leute. Es geht aber morgen ein Zodiac. Wir verzichten gerne. Nicht bei dem Wetter.
    Es regnet schon wieder. Eine Toilette haben sie auch nicht, wir machen den Einkehrschub. Gegenüber gibt es ein Restaurant, das nehmen wir.
    Ein grosser, moderner Raum erwartet uns. Wir können sitzen, wo immer wir wollen. Bekommen ein Schild, mit Tischnummer und App für die Speisekarte. Kontaktlos läuft es hier, wegen Corona. Ist sicherer, erklärt uns der Kellner, der keinen Meter von uns entfernt steht. Wir ordern und bezahlen also über die App. Und er bringt uns Speisen und Getränke an den Tisch. 2 Mal kommt er und naja, da hätte er auch die Bestellung aufnehmen können, oder? Auch in dem Hotel hier geht alles nur noch per App, im Restaurant wurden die Tische und Stühle reduziert. Überall hängt Desinfektionszeugs.
    Aber das Essen ist lecker, wenn auch recht übersichtlich. Gibt noch Lachs und Süsskartoffelpommes dazu. Es regnet und regnet nicht, in einem schnellen Wechsel und ehrlich, schön ist die Innenstadt im Zentrum nicht. Am Hafen wird gebaut, was die Bretter hergeben, neu, hoch, viel Glas, quadratisch, praktisch, funktional., der Charme bleibt auf der Strecke. So kleine Lädchen, wie bei uns gibt es wohl nicht. Die Lädchen hier, im Erdgeschoss der Wohnhäuser sind Surferläden, Touranbieter, Fischereibedarf. Alles geschlossen.
    Im Sommer könnte es sicher nett sein, hier, wenn alle draussen sitzen, sie Sonne scheint. Aber jetzt hat es etwas trostloses.
    Solveg Schnecke meinte vorhin, wir könnten zur Pier laufen. Das tun wir jetzt. Also, wir fahren, denn es regnet schon wieder.
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