Joined August 2020 Message
  • Day29

    Mein Ort

    September 21, 2020 in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    Auch wenn ich schon zu Hause bin, alle Tiere eingesammelt habe und der Alltag so langsam wieder die Regie übernimmt, Norwegen ist noch nicht fertig mit mir. Und ich mit mit ihm. Und das ist gut so.
    Erinnerungen sind die perfekte Prise Salz in der herbstlichen Kürbissuppe, die eine Erdbeere mehr, die die selbstgemachte Erdbeertorte zum Genuss macht und sie von gekaufter unterscheidet. Und selbst wenn unser Gehirn unsere Erinnerungen zu gern aufhübscht, bei Urlaubserinnerungen kann das nicht verkehrt sein. Erinnerungen berühren unsere Seele und wenn sie das tut, dann sind sie intensiv.
    Und naja, es ist natürlich ja auf meiner Reise noch viel mehr passiert, als die bereits bekannten Sequenzen.
    Unsere Unterkunft auf der Insel Senja, liegt in Steinfjorden. Nur durch die Strasse vom Fjord getrennt. Ein ganzes, kleines Haus nur für uns. Hinter dem Haus bauten sich die Berge auf. Es wirkt ein bisschen wie in Arosa in der Schweiz.
    Um uns herum viel Grün, bunte Blumen. Die wenigen Häuser des Ortes liegen unaufgeregt neben der Strasse. Der Fjord ist nicht zu breit. Das Wasser plätschert gemütlich dahin. Ein friedlicher Ort, ohne Frage. Irgendwie am Ende der Welt.
    Nur unweit des kleinen, friedlichen Dorfes gibt es einen Ort, der von der Strasse aus recht unscheinbar wirkt. Tungeneset. Ein kleiner betonierter Parkplatz, ein Toilettenhaus in Norwegerart, also aus der Norm. Nichts deutet darauf hin, dass es ein besonderer Ort ist, der sich, mit dem Boardwalk beginnend, auftut.
    Mich überfällt mit den heranströmenden Wellen sofort eine unbändige Begeisterung, als ich dem Boatdwald betrete. Das ist meins. Ohne Wenn und Aber.
    Hier bin ich ich, hier darf ich sein, hier bin ich gerne, das weiss ich noch, bevor der Boardwalk zu Ende ist.
    Die Magie des Ortes umfängt mich. Zum ersten Mal seit Beginn der Reise habe ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein in Norwegen. Also so total. Mit jedem Sinn, mit jeder Faser von mir.
    Ich springe auf den Felsen umher, weil Glück mich umfängt. Die heranrauschenden Wellen brechen sich krachend an den Felsen. Diese Farbe ist unfassbar. Dieses Blau ist zum Verlieben. Due weiße Gischt verspritzt lustig. Die Felsen sind glattgeschliffen. Die Natur hat sich hier ausgetobt. Mit Farben, mit Formen, mit Gerüchen. Mit Recht.
    Der Platz ist perfekt.
    Der Fjord öffnet sich zum Meer hin. Links umrahmen die Berge des Fjords die Szenerie, rechts erkenne ich die Felsformationen des Ersfjordes. Sie wirken wie auf einem Ölgemälde.
    Auf den polierten Steinen vor mir haben sich Ponds gebildet, kleine Miniseen, grosse Pfützen, wie man sie auch nennen mag. Sie verleihen der Szene Dynamik, Tiefe, Dramatik. Mit einem geschickten Blickwinkel lässt sich die Mystik auch auf den Fotos darstellen, hoffe ich.
    Ein Ort voller Magie, wohin ich blicke.
    Egal ob auf das Meer hinaus oder zurück zu dem Fjord, nach rechts zu den Bergen.
    Der Wind pfeifft in den Haaren, es gehört unbedingt dazu. Das Licht hier ist immer besonders. Bei Sonne strahlt das Blau fröhlich mit dem Himmel um die Wette. Bei Sturm zieht sich das Grau über allem zusammen und ist doch kein Einheitsbrei. Am auffälligsten aber ist es zur Abendzeit, wenn das Tageslicht zur Dämmerung wechselt. Dann legt sich eine Decke an Geheimnissvollen über alles hier. Würde ich einen Krimi schreiben, er würde hier beginnen. Aber auch eine Liebesgeschichte könnte hier starten.
    Es ist ein toller Ort, der mich sofort gefangen nimmt. Ich besuche ihn jeden Tag, während ich hier bin. Und jedesmal zeigt er sich anders.
    Ein Ort wie ich. Man glaubt ihn zu kennen und dann bin ich doch wieder ganz anders. Zu jederzeit und immerzu.
    Ich will da wieder hin, das ist mein Ort.

    #Sansonetts Fotos #Meine Reisen #norwaytour #norwaynature #steinfjorden #norgeimitthertje #tungeneset #
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  • Day25

    Ein bissle Abschied

    September 17, 2020 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    So, leider gepackt, eingecheckt, halb 5 klingelt der Wecker. Wie schnell die Zeit doch vergeht. Erst denkst du, ach herrliche 3 wundervolle, lange Wochen und noch drei Tage dazu und nachdem die Hälfte um ist, rast die Zeit im Sauseschritt.
    Es war mein erstes Mal Norwegen und nur aus der Not heraus geboren. Ich hatte Neufundland im Gedächtnis und Vancouver Island und hoffte darauf, ähnlich intensiv zu empfinden, wenn ich meinen Fuss auf norwegischen Boden setze. Dem war nicht so.
    Norwegen ist keine Liebe auf den ersten Blick für mich gewesen. Es tat sich schwer mit mir und ich mit ihm. Ich weiss nicht mehr, wann genau die zarte Liebe begann, aber am Tungeneset hat es mich voll erwischt. Da über die glattgeschliffenen Steine zu kraxeln, die tosenden Wellen hautnah zu erleben, das hat mein Herz erwärmt. Die schroffen dunkelgrauen, fast schwarzen Küstenberge versprachen genügend Melancholie, auch einen Hauch Mystik. Die Fahrten an der schroffen, felsigen Küste entlang begeisterte mich mit jeder Kurve mehr. Das war meins. Ohne Frage. Ich hätte den ganzen Tag nur da stehen können und staunen, wie sich alles verändert.
    Immer wieder war ich auf der Suche nach kleinen, idyllischen Fischerdörfchen mit einem Hauch Seefahrerromantik und etwas Verkommenheit an den alten Bootsstegen, die schräg und schief in die Gewässer ragen. Die Suche ich so gesehen immer noch. Aber, es muss erstens ja auch Luft nach oben geben und zweitens, ich habe anderes gefunden.
    Die Lofoten sind ein gar zauberhaftes Fleckchen Erde. Die haben mich sofort liebevoll umarmt. Diese Wasserfarbe, diese Idylle, die Strände, der Berge, der Traumsonnenuntergang. Da hätte ich stehenden Fußes bleiben können. Für länger. Für viel länger.
    Danach dachte ich, dass es schwierig werden könnte. Wie sollten die Lofoten noch getoppt werden?
    Mit Nichts. Manches muss man auch so stehen lassen.
    Inzwischen war der Gerbst übers Land gekommen. Was eine faszinierende Landschaft er erschaffen hat. Eine tiefe Begeisterung überfiel mich. Ich hätte jeden Baum bestaunen können, jeden Pilz. Und erst die roten Teppiche der Rauschebeeren oder welcher auch sonst immer, das war klasse. Solche Farben, solches Leuchten, das kann nur das Herz erwärmen.
    Die Lyngenalps waren der letzte grosse Übernachtungsblock und die gaben alles um zu gefallen. Und es funktionierte richtig gut. Reinsdyr auf der Wiese, Schafe am Beach und dann der Blåvatnet mit seiner unfassbaren Farbe.
    Supernette Leute, auch aus Norwegen, haben wir getroffen, wenngleich das nicht auf alle Norweger zutraf. Da waren schon ein paar Steinblöcke dabei, die die Freundlichkeit verlernt hatten. Voll nordisch eben. Ich müsste es wissen, ich bin auch an der Küste geboren. Aber irgendwie ist mir die nordisch zurückhaltende Brummigkeit nicht gegeben. Da hat wer von Ausserhalb am Stammbaum gesägt, ohne Frage.🤭
    Ich habe die Menschenleere sehr genossen, die Abgeschiedenheit vieler Orte. Wir haben nach Möglichkeit die Nebenstrassen genutzt und die Hauptstrassen gemieden. Eine gute Entscheidung, wenn wir dadurch auch länger unterwegs waren. Dennoch eine richtig gute Entscheiding, denn so haben wir viele der kleinen, feinen Abseitsschönheiten in Ruhe entdecken können.
    Etwas schwierig war, dass vieles schon oder noch immer geschlossen war, nirgends hatte eine Touristeninfo auf. Ob das nun Coronabedingt war oder Offseason oder beides kann ich nicht beurteilen.
    Schwer beeindruckt haben mich die Nordlichter. Das tanzende, leuchtende Grün am nächtlichen Himnel ist etwas ganz Besonderes. Magisch trifft es allemal. Ich bin froh, das erlebt zu haben.
    Alles in allem muss ich sagen, ich würde gern hier bleiben🤭 so für ein bisschen länger. Leider sehen das die beiden Alten Sissy und Floh nicht so gerne, wenn ich noch länger weg bin und die dicke Charlotte will auch wieder ihre gewohnte Ruhe.
    Ich denke von nun an oft an Norwegen, wie das so ist, wenn man verknallt ist. Und hoffe auch mehr.

    Strand im Ramberg Lofoten
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  • Day24

    Unterwegs

    September 16, 2020 in Norway ⋅ 🌧 7 °C

    Es ist an sich nichts von Natur aus gut oder böse, besser oder schlechter, das wird es erst, weil wir es daraus machen. Und klar geht einem der ewige Regen durchaus auf dem Zeiger. Man sieht kaum etwas, kann nicht weit laufen und wird so oder so nass. Und nein, das liegt nicht an der Kleidung. Gegen fisselnden Küstenregen, der fast waagerecht kommt, hast du auf Dauer keine Chance. Der kommt überall hin, wenn er will. Und er will. Und klar kann man weiterfahren, dahin, wo der Wetterbericht Besseres verspricht. Man kann es aber auch aushalten und schauen, was draus wird. Denn nichts schwindelt so sehr wie der Wetterbericht. Rs hat ja auch etwas, wenn die Wolken die Berge zu hängen und Schleier von Regen übers Land schicken. Solange es hinterher immer wieder schön wird, ergeben sich oft schöne, spannende Aussichten. Die Wolken schmiegen sich um die Bergkuppen als wollten sie sie umarmen. Die Sonne kriecht wenig später wieder unter irgendeiner Wolkendecke hervor und verzaubert die herbstliche Landschaft mit gelben Leuchten. Und manchmal auch mit etwas schrillem Rot. Wasserfälle stürzen sich in die Tiefe als wollten sie Selbstmord begehen. Eine einsame Fischerhütte warten geduldig an der Shorline auf irgendetwas. Verlassene Holzboote decken sich mit langem Gras zu. Grad so als erwarten sie den Winter schon. Frühmorgens und nachmittags glätten sich die kleinen und grossen Seen für Spiegelungen. Ein Adler gleitet durch die Lüfte. Ein kleines flinkes Wiesel huscht über die algenbelegte Uferzone. Es regnet schon wieder, diesmal hinter uns. Im Gegenlicht sieht der Regen wie lange Bleistiftstriche aus, die irgendwer gerade in die Luft krakelt. Plötzlich spannt sich ein Regenbogen über die Strasse und den gelbbebaumten Hügel.
    Man möchte durchfahren und wieder zurück und lachen und sich viele Dinge wünschen. Im Gras im Wald findet sich das Fliegenpilzland. Die kleinen und grossen Rotschöpfe mit den weißen Tupfen fallen sofort auf. Unter jedem Pilz wohnt eine kleine Fee. Ganz sicher. Und ein Pilz ist angeknabbert. Wir kichern. Da hatte wer heute ganz sicher Spass. Fliegenpilze sind ja nicht für alle tödlich.
    Und so vergeht die Zeit dann doch wieder zu schnell für alle Vorhaben. Und wir wollen schon nach Hause fahren als wir am Strassenrand kleine und grosse Kunstwerke entdecken. Da hat wer aus Bojen und Seile tolle Werke erschaffen. Ich bin total begeistert. So viel Kreativität nach so einem beruhigten Tag, sehr schön. Mit fällt mein eigenes Winterprojekt ein. Stofftiere nähen, aus der Bekleidung von lieben Menschen, die schon über die Regenbogenbrücke gegangen sind. Jedes Stück eine bleibende Erinnerung. Ich hatte es schon wieder vergessen. Vielleicht hat der Regenbogen mich erinnert, oder der Fliegenpilz oder der beruhigte Tag, wer weiß das schon? Wichtig ist, dass sich der Bogen spannt, der Kreis schließt.
    Das tat es heute mit dem Fliegenpilz. Hier haben wir den ersten der Reise gesehen und nun die letzten. Hier hat es geregnet als wir losgefahren sind, hier regnet es nun wieder wenn wir bald abfahren. Hier blicken wir auf Tromsø wie am ersten Abend auch, bereit für Neues.
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  • Day23

    Abschied ist nicht immer leicht...

    September 15, 2020 in Norway ⋅ 🌧 7 °C

    Abschied ist nicht immer leicht, in vielerlei Hinsicht....
    In der Nacht ist der Sturm aufgefrischt. Hat sich aufgeblasen. Die Bäume biegen sich als tragen sie eine schwere Last. Der Regen fällt schräg über das Land und knallt seine fetten Tropfen krachend gegen die Scheiben. Durch die nicht ganz dichten Fenster surrt es pfeifend wie früher bei Omma, wenn der Wind von Osten kam und alles am alten Haus klapperte und jaulte. Ich checke mehrmals, ob der Flug in der Früh noch auf planmäßig steht. Es ist mir nicht vorstellbar, dass sich bei dem Wind ein Flieger in die Höhe schraubt.
    Der Wecker sollte um halb 5 klingeln, ich stehe schon eine viertel Stunde eher auf. Gepackt habe ich ja schon gestern. Ich muss mich nur anziehen und natürlich etwas waschen. Ein hastiger Tee muss reichen. I'm a little bit excited. Die Eignerin vom abnb hat das Taxi geordert und so warte ich zehn vor 5 mit gepackten Koffer, Fotorucksack und einer kleinen Tasche brav an der Tür. Von aussen. Es regnet in Strömen, es fegt noch immer als müsste der Wind einiges nachholen. Die Zeiger der Uhr bewegen sich gefühlt langsam. Es muss schon 5 sein. Sind aber nur 5 Minuten vergangen.
    Um 5 nach 5 stehe ich noch immer bestellt und nicht abgeholt. So langsam befällt mich eine unangenehme Ahnung. Ich wische sie weg, der Sturm soll sie mitnehmen. Die Unterkunft liegt ja etwas nach hinten versetzt, ich schleppe besser alles nach vorn zur Strasse. Da sieht mich der Taxifahrer besser.
    Würde er, wenn er denn käme.
    Kommt er aber nicht.
    Schei... ja also mistiger Mist.
    Was denn nun? In einer Stunde geht mein Flug.
    Ich google Taxi Tromsø. Finde einige. Anrufen geht zwar, aber der eine labert mir viel auf norwegisch zu, es ist ein Bandansage von der Länge eines Popsongs, beim anderen gibt es nicht mal ne Ansage. Zwei mal klingeln und aufgelegt.
    Es ist halb 6 Uhr in der Früh. Zwei Taxis fahren vorbei. Aber wir sind hier nicht in New York, ne. Da kann man nicht einfach ein Taxi anhalten. Das gat nüt.
    Ich fluche wie ein Rumpelstilzchen. Was natürlich nur bedingt hilft. Ich sehe meine beiden alten Hunde schon verständnislos am Tor der Pension stehen. Die wissen doch, dass ich heute komme. Na und Charlottchen erst. Den beiden kleinen Katzen ist es Wurst, die haben das Karzenhaus okupiert und feiern jeden Tag Ferienlager.
    Was mach ich denn nun?
    Ich will gerade etwas weinen, als halb sechs doch noch das Taxi erscheint. In aller Seelenruhe.
    Ich will dem Fahrer meine Meinung geigen, aber so was von und dann steht da ein feiner , alter Herr mit schlohweisem Haar und dem guten Sakko vor mir und lächelt charmant.
    Na klasse.
    Ich erkläre ihm artig, dass ich hurtig zum Flughafen müsse. Der Flieger gehe alsbald und außerdem, ich hätte doch das Taxi für um 5 bestellt.
    Ja und ja war die Antwort und wir tuckern gemütlich durch die morgendlichen nassen Strassen.
    .
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  • Day23

    Kulturschock

    September 15, 2020 in Norway ⋅ 🌧 7 °C

    So langsam nähern wir uns wieder belebten Gebieten. Auf dem Weg von Kvaløysletta zur Brücke nach Tromsø begegneten uns in 20 Minuten mehr Autos als auf der ganzen Reise zusammen. Die Zivilisation hat uns wieder. Es geht einen Schritt näher an das reale Leben.
    Es ist total ungewohnt und es zieht mächtig in der Brust. Vorbei die gelben Birken, vorbei die roteingefärbten Bodendecker, vorbei das herrlich blaue Wasser, die Berge links und rechts der Strasse, vorbei die Einsamkeit, Natur im Überfluss, Ruhe und Beschaulichkeit. Hinweg der Duft der Freiheit. Die normale Welt hat nimmt uns wieder in ihre Fänge.
    Tromsø am Abend. Es ist ein bisschen wie ein Kulturschock.
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  • Day21

    Der blaue See

    September 13, 2020 in Norway ⋅ ⛅ 11 °C

    Und dann endlich erreichen wir die Berggruppe. Die Sonne liegt jetzt hinter den Bergen, es ist schattig und wirklich kühl.
    Riesige Felsbrocken liegen zu Füssen der Berge. Nur kein See weit und breit.
    Sind wir falsch?....

    Wir sind etwas orientierungslos, als plötzlich oben auf dem riesigen Felswall eine Gestalt auftaucht, die sich einen Weg nach unten sucht.
    Naha, es geht da hoch. Nur es gibt keinen Weg, kein Pfad, nix. Es gibt die Ahnung vo etwas, was ein Trampelpfad sein könnte, aber offensichtlich sucht hier jeder seinen eigenen Zugang😉
    Neue Eilige drängen heran. Von oben nach unten, von unten nach oben. Es entsteht eine Art unsichtbarer Wettbewerb, wer zu erst am schnellsten und sowieso. Und während ich noch überlegte, welche Bergsteigerfähigkeiten ich aktivieren muss, rennt neben mir einer förmlich den Wall hinauf. Er nimmt nichts um sich herum wahr, will nur hurtig nach oben. Könnte er such im Hochhaus Treppen steigen. Irgendwie schon.
    Naja, der Austieg hat es in sich und doch, erreicht den Hof mit Müh und Not ( falls sich wer erinnert) und siehe da, da liegt er, der See. In einer Farbe, die einem den Atem verschlägt, hat man noch welchen übrig. Die Berge steigen schroff in die Höhe, karg, dunkelgrau umrandet sie den kleinen See. Der Gletscher glänzt weiss in der Sonne, ein wenig ist auch blaues Gletschereis zu sehen.
    Wisst ihr, wie die Farbe in den See kommt?
    Ganz einfach.
    Früher stieg jeden Morgen ein ganz freundlicher Norweger über das Geröllfeld hinauf. Im Gepäck einen Eimer Farbe. Und noch ehe der Tag erwachte, kippte er seinen Farbeimer in den See. Und je nachdem, wie er das Blau anmischte, wieviel Farbe er unterwegs vertröpfelte, wieviel Wasser im See war, wurde das Blau intensiver oder dunkler oder schwächer.
    In der heutigen Zeit fand sich keiner mehr, der täglich im frühen Morgengrauen da hinaufstieg. Und so wurde eine Maschine aktiviert, die den Bergsee sozusagen Photoshopt. Effinzienz und so. Die Farben können öfter gewechselt werden, intensiver gestaltet. Naja...😉
    Es ist eine durchaus unwirklich scheinende Szenerie. Alles spiegelt sich, vorne gleich hinter dem Wall scheint der Grund des Sees hellgrau zu sein. Wir können bis auf den Grund schauen. Dann, nur zwei Meter weg vom Ufer hat wer einen Strich gezogen und das helle, durchscheinender Karibikgletscherblau beginnt. Da muss man fast Intensität aus den Fotos nehmen, so eindrücklich ist das.
    Ach und dann sind ja da noch die Leute. Pausenbrote werden ausgepackt, man sitzt irgendwo in Bestlage und futtert. Der Selfiwahn erwacht. Jeder muss sein Konterfei mit Bergen und Lake dahinter ablichten. Ich frage mich immer, wer guckt diese ganzen, IchhaltemeinGesichtimmerundüberallindieKanera Fotos an? Schick ich die meinen Eltern, meinen Freunden? Aber die wissen doch, wie ich aussehe und wollen die wirklich in jedem Bild mein Gesicht sehen? Vielleicht ist das der Quellcode, dass man tatsächlich da war? Wenn ich bei Insta den Lake eingebe, schauen mit immer, vorzugsweise junge Frauen in künstlichen Selfiposen an. Das ist echt schräg. Und nimmt etwas den Spass, weil man so gar kein Plätzchen findet, wo man mal in Ruhe sitzen kann und die Szenerie in sich aufnehmen kann. Entweder kraxelt wer durch die Brotbüchse, oder baut sich vor einem auf um sein Gesicht, seinen Astralkörper vor der Kamera aufzubauen. Viele bleiben allerdings gar nicht so lange. Zack, Foto machen und hurtig zurück hasten.
    So schön es hier ist, so skurril ist es auch.
    Aber die Farbe ist echt genial.
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  • Day21

    Auf zu neuen Gipfeln

    September 13, 2020 in Norway ⋅ ⛅ 10 °C

    So, heute ist das Wetter schön, heute wird gewandert. Der Blaue See soll es werden und der heisst hier Blåisvatne.
    Der kleine Parkplatz ist früh schon voll und ich frage mich echt immer, ob die Leute tatsächlich denken, sie wären allein auf der Welt, so wie die parken. Was interessiert mich, ob hier noch mehr parken können, Hauptsache mein Wagen steht gut, am besten auf einem Platz für 2, oder ich parke mit Gespann gleich den wilden Parkplatz zu.
    Damit das Wanderereignis nicht scheitert, bevor es überhaupt begonnen hat, parkieren wir da, wo die Bagger warten. Die arbeiten ja Sonntags nicht.
    Es ist warm und wir starten mit leichtem Gepäck.
    Ein wenig zweifle ich, ob wir die richtige Eanderung ausgesucht haben. Um uns herum packen alle Rucksäcke als ginge es zur Besteigung vom K7. Es sind 10 Stunden Sonne angesagt und angeblich 4 km Weg oneway. Hm? Neidisch bin ich nicht, so viel schleppen muss ich nicht haben.
    Auch im Laufverhalten zeigen die anderen ein komplett anderes Verhalten. Hurtig wird das Ränzlein geschnallt und dann aber mit Speed und Hast den Weg starten. Das Ziel ist es, nicht der Weg. Und schon eilen sie den Trail entlang, als gäbe es einen Preis zu gewinnen oder als müsse man etwas tun, damit man gar nicht erst ins Nachdenken verfällt. Ich weiss es nicht genau, warum diese Hetze. Vielleicht weil man den Trail in der angegebenen Zeit schaffen muss? Steht da 2 Stunden gilt das, vielleicht wartet ja auch der nächste Trail schon an diesem herrlich beruhigten Sonntag?
    Der Trail startet durch die kleinen Krüppelbirken hindurch und hat Anfangs daraus viel von einem Viehauftrieb, schaut man sich den Boden an. Dunkler, matschigen Boden, aufgeweicht vom vielen Regen, die Fussabtritte sind gut sichtbar und hinterlassen tiefe Spuren. Man könnte auch einen kleinen Umweg durch die Rauschebeerenfelder machen, aber der kostet natürlich Zeit.
    Ich bin vollkommen verzückt von dieser bergigen Herbstlandschaft hier gleich am Meer. Aber irgendwie bin ich die Einzige, die das überhaupt wahrnimmt. Alles andere stampft keuchend an mir vorbei, keine Zeit mit Unwichtigem verlieren, run Baby, run.
    Der Trail verläuft im ersten Teil durch besagtes Krüppelbirkengebiet, zieht sich dann über ein Hochmoor. Da hat man den Weg mit einem Brett gekennzeichnet. Und schwingt sich dann über einen Hügel hinauf in ein langes, breites Geröllfeld. Recht breitet sich der Blick gen Westen ins Weite Land aus. Wir sehen den Fluss, die sattgrünen Felder, die kleinen Wäldchen, die Berge entfernt auf dem Festland. Links wandert der Blick dahin, wo wir gerade herkommen ein grosser, runder Berg ohne Aufregung, ohne Bewuchs rundet Die Linke Seite ab. Mittig vor uns liegt, hübsch weit entfernt, das Reiseziel. Riesige schroffe Berge mit Gletscher und eben jenem blauen See.
    Aber vorher bieten sich dem geneigten Augen schon herrliche, wunderschöne Herbstaussichten, auf die vergelbte Landschaft, blau leuchtende Tümpel, kleine Seen, in denen sich alles spiegelt.
    Das Geröllfeld zieht sich echt wie Kaugummi früher in der DDR.
    Es ist ätzend zu laufen, weil man schon gucken muss, wo man hintritt. Immer noch ziehen Leute voller Eile an uns vorbei. Hinauf und hinab. Hm, vielleicht gibt es doch einen Preis zu gewinnen?
    Und so steigen wir weiter, von Stein zu Stein hüpfend, langsam höher, dem Ziel entgegen. Die Sonne direkt von vorn, knallt auf die Haut und wärmt doch noch ganz schön.
    Und dann endlich erreichen wir die Berggruppe. Die Sonne liegt jetzt hinter den Bergen, es ist schattig und wirklich kühl.
    Riesige Felsbrocken liegen zu Füssen der Berge. Nur kein See weit und breit.
    Sind wir falsch?
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