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  • Day5

    Leticia - Capital Amazonica

    August 19, 2016 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    In dem Moment, als sich die Türe des Flugzeugs öffnet, merkt man sofort, dass man sich in den Tropen befindet. Die drückende, feuchte Hitze drängelt sich in den Flieger wie ein FPÖ-Wähler ins Bierzelt. Bevor man die Hauptstadt von Kolumbiens Amazonas betritt, ist am winzigen Flughafen ein kleiner Obolus zu bezahlen.

    Die Formalitäten sind schnell erledigt, und zusammen mit Sabrina (einer Deutschen, die ich im Flugzeug kennen gelernt hatte) hüpfe ich ins Taxi, um im einige Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Refugio Makuruma unterzutauchen. Hier begrüßen uns unzählige verspielte Hunde und ein Knäuel müder Hauskatzen. Das Refugio präsentiert sich als kleine Oase der Ruhe, umgeben von dichtem Gestrüpp und Siedlungen indigener Gemeinschaften.

    Nach der Begrüßung durch Lionel (der mit seiner Familie die operative Arbeit im Refugio erledigt, treffen wir nach einer ziemlich sinnlosen Dusche (die Hitze beflügelt meine Schweißdrüsen zu Höchstleistungen) lernen wir Ron, den Besitzer kennen. Der hilfsbereite und relaxte Niederländer, der rein äußerlich ein wenig an den Professor von “Zurück in die Zukunft“ erinnert, gibt uns wertvolle Tipps und Informationen über die Region.

    Ein etwas schäbiges Tuk-Tuk (ein etwas aufgepimptes Motorrad) liegert und zum Mittagessen in Leticia ab. Dort essen wir panierten Piranha (der Vegetarier verzehrt das berüchtigte Raubtier, was für eine Ironie) mit gebackenen Kochbananen, was uns das Gefühl verleiht, tatsächlich am Amazonas angekommen zu sein. Im Anschluss erkunden wir zu Fuß Leticia, das sich wie eine entspannte Kleinstadt anfühlt, obwohl sie mit rd 60.000 Einwohnenden die größte Stadt im Umkreis mehrerer hundert Kilometer darstellt. Faszinierend ist auch, dass Leticia über keinerlei Straßenverbindung zum Rest Kolumbiens besitzt. Ganz grundsätzlich wirkt Leticia wie ein kleines Paradies auf uns: die Leute sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und angenehm unaufdringlich. In der ganzen Stadt kann man ungestört herumlaufen, ohne beachtet zu werden und Kriminalität ist praktisch nicht vorhanden. Die Früchte sind köstlich, das Essen günstig (ein Mittagsmenü mit Suppe, Saft und gegrilltem Fisch mit Reis und Kochbananen um 5.000 COP (nicht einmal 2€!) und der Amazonas ziemlich niedrig - wir befinden uns in der Trockenzeit.

    Ein besonderes Spektakel ereignet sich tagtäglich im zentral gelegenen Parque Santander, wenn zigtausende bunte Papageien um 17:30 aus den umliegenden Wäldern zur Nachtruhe Schutz in den Bäumen des Parks suchen. Vom Kirchturm aus kann MSN beobachten, wie abertausende bunte Vögel mit ohrenbetäubenden Gekreische im Sturzflug vorbei sausen. Das bizarre Schauspiel erweckt eine seltsame Glückseligkeit in mir und erfüllt die Luft mit bunten Federn und dem Geruch von Arakacke.

    Nach diesem beeindruckenden Anblick entschließen wir uns, die einmalige Gelegenheit wahrzunehmen, zu Fuß (!) nach Brasilien rüber zu flanieren (gleich anschließend an Leticia liegt die geschäftige brasilianische Kleinstadt Tabatinga) um dort eine Caipirinha zu trinken. Diese unerwartet starken und gefährlich günstigen Cocktails stellen einen perfekten Abschluss unseres ersten Tages am Amazonas dar.

    Zurück im Refugio lassen wir uns von dem Gezirpe und Geraschel des Regenwaldes in den Schlaf singen.

    Morgen geht es für 3 Tage (2 Übernachtungen) mit einem indigenen Survivalguide in den Dschungel. Wir sind gespannt, was wir dort erleben.
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