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  • Day9

    Kloster Zenarruza

    July 16, 2017 in Spain ⋅ 🌙 22 °C

    Tag 9: Sonntag, 16.07.2017

    Kloster Zenarruza

    Eigentlich ist es ja schon fast Pflicht, dass man auf dem Jakobsweg mindestens einmal in einem Kloster übernachtet.
    Und das Kloster Zenarruza ist dafür nun wirklich mehr als perfekt; auch wenn die Pilger Unterkünfte jetzt nicht sooo großartig sind sondern sehr sehr einfach. Aber dafür sauber. Das Kloster hingegen, sowie seine Lage, sind dafür absolut großartig.

    Kurz vorm sehnlichst erwarteten Ziel, wir zerflossen förmlich in der sengenden Hitze, wurden wir vom Gesang anderer Mitpilger schon fast von unserem Plan abgebracht; fast wie die Sirenen. Aber wir ließen uns nicht beirren und erklommen, nun "schneller"'weil von einem anderen Pilger (der zuvor vor uns war und nun aus eben dieser Herberge stürmte) "verfolgt", bei den Klängen von Elvis Presley's "Falling in love" doch auch ein wenig sentimental und aus voller Inbrunst mitsingend (nicht auf dem Video 😜) halb stolpernd weil völlig erledigt weiter den Berg.

    Das Kloster, das seinen Ursprung im 10. Jahrhundert hat (der Großteil der Gebäude ist aber aus dem 16. Jhdt.) liegt malerisch auf einem Hügel und bietet einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berge. Aber auch das Kloster selbst ist sowohl von außen als auch von innen absolut sehenswert. Wir zumindest konnten uns gar nicht satt sehen.

    Nach einer dringend nötigen Dusche, ging es um 19:30 zur Abendandacht auf spanisch und dank der extra für Pilger gemachten Gesangsbüchlein, konnten wir sogar etwas unbeholfen mitsingen. In der kurzen Predigt ging es -natürlich- um das Wunder der Liebe und den persönlichen Lebensweg; alle Menschen, auch die Verzweifelten und Traurigen würden ihren Weg finden irgendwann.. Dank meiner privaten Dolmetscherin durfte ich auch an den Worten teilhaben. Die Schleusen waren geöffnet; nicht zuletzt auch aufgrund der wirklich berührenden Atmosphäre.

    Überhaupt war dies ein Ort, der in seiner Intensität und Atmosphäre sehr nachdenklich und emotional stimmte. Ich hatte den Eindruck, dass hier noch einmal ganz besonders viel für mich (für uns) geschah.

    Um 20:00 gab es dann auf der Terrasse ein gemeinsames Abendessen für alle Pilger (13 waren wir). Fast ein bisschen schade, dass wir es nicht gemeinsam mit den Mönchen einnehmen konnten. Anders als den reichhaltigen Abend zuvor, war das Essen sehr einfach und wir machten uns ein wenig Sorgen um das gesundheitliche Wohlergehen der padres, sollten Sie dieses (oder ähnliches) Essen jeden Tag zu sich nehmen müssen...

    Leider zerstreute sich die Pilgergemeinschaft nach dem Essen, sodass wir beschlossen, den Abend in der Taverne der Herberge die paar Meter den Hang hinunter beim nun schon traditionellen Calimocho ausklingen zu lassen. Dort trafen wir ein älteres aber ebenso tiefenentspanntes französisches Paar, das auch bei uns im Kloster schlief. Sie hatten es sich schon mit Wein gemütlich gemacht und genossen den Sonnenuntergang; so muss das sein. 🌅 Wir sollten sie auf unserer Reise nochmal treffen; sie hatten wohl die gleiche, gesunde Einstellung zu diesem Weg wie wir. It's no competition!

    Recht spät wären wir also im Bett und nach einer kurzen Nacht, war eigentlich der Plan, früh los zu gehen, da es bis zu 36 Grad werden würde. Aber naja, jeder kann sich wohl denken, dass das mal wieder nicht so klappte. 😂

    Entspanntes Sonnenfrühstück auf der Terrasse und ein anschließender Besuch im Klostershop waren aber auch wirklich sehr wichtig.

    In wenigen Wochen werde ich nun stolze Besitzerin meiner ersten eigenen Ikone sein (Christus mit einem Lamm). Dieses Holzbild berührte mich so tief (auch wenn es vor Kitschigkeit trieft aber doch so anders ist, als übliche Ikonen), dass ich nicht hätte weiter gehen können ohne es zu kaufen. Es rief förmlich nach mir. Und so werden die Mönche es mir nachschicken wenn ich dann zu Hause bin. 😊

    Nachdem wir die Kirche nochmal bei Tag aus allen Blickwinkeln abgelichtet und noch eine Opferkerze angezündet hatten, ging es dann um 11:30 weiter des Weges.
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