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  • Day26

    Ein Bett ist ein Bett

    July 26 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Mein Zeltboden blieb tatsächlich trocken und mein Zelt hatte somit seine erste kleine Prüfung bestanden.
    Dennoch - so schön dieser Platz auch ist und so schnell die Gedanken an ein richtiges Bett beim Blick in die Landschaft verfliegen - ein Bett ist ein Bett. Und das wünschte ich mir manchmal letzte Nacht. Es war weniger die Kälte - ich trug meine Wollunterwäsche aus Åndalsnes - als vielmehr die Luftmatratze und das Camping-Kissen. Vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit daran, wie der Körper sich auch an den Rucksack gewöhnt. Aber dies werde ich in diesem Urlaub glücklicherweise nicht mehr herausfinden :)
    Aber wie gesagt - diese Gedanken waren mit den ersten Sonnenstrahlen und dem Erspähen von Fischen im See verflogen.
    Meine Nachbarn waren ebenfalls schon wach und die Kinder in Aufregung. Drei große Moschusochsen stampften gemächlich den gegenüberliegenden Hang hinunter in Richtung des Flusses, der dieses Tal teilt. Doch sie ließen sich dabei so viel Zeit, dass ich mir ganz in Ruhe einen Kaffee machen konnte und nichts verpassen würde. Ich konnte sie von meinem Balkon gut sehen.
    Mit meinem Kaffee gesellte ich mich zu dem Schweizer, der nahe an Fluss auf einem Felsen seinen Beobachtungsposten bezogen hatte. Wir kamen etwas ins Gespräch und beobachteten die drei Kolosse, wie sie langsam näher kamen. Auch die drei Kinder und später die Frau kamen dazu.
    Ihr Scout hatte jedoch dass Frühstück bereitet und so saß ich bald wieder ganz allein.
    Die drei Ochsen erreichten den Fluss und das kühle Wasser tat ihnen bei der Hitze sichtlich gut. Sie hatten Spaß und sie planschten regelrecht in dem Fluss. Es war ein schöner Anblick, diese riesigen Tiere so springen zu sehen. Doch kam mir auch der Gedanke, dass das veränderte Klima den Tieren vermutlich sehr zu schaffen macht.
    Die Schweizer räumten ihr Lager zusammen und ich freute mich auf eine weitere Runde ungestörtes Schwimmen. Doch just in dem Moment, als die Gruppe aus meinem Blickfeld verschwand, kam ein junges Pärchen um die Ecke. Der männliche Part hielt ein elektronisches Gerät in der Hand und steuerte zielsicher auf die Stelle im Fluss zu, die auch meine Komoot-App als Wanderweg kennzeichnete. Nur gab es dort kein Rüberkommen. Das merkten sie dann auch und blickten ratlos in die Gegend. Dann sahen sie mich, sprachen kurz und kamen in meine Richtung. Es waren Deutsche aus Dortmund auf der Suche nach Moschusochsen. Sie hatten noch keine gesehen und fragen mich, ob es hier welche gäbe. In diesem Tal war es wahrscheinlicher welche zu entdecken, als keine zu sehen. Und tatsächlich waren auf einem weit entfernten Schneefeld zwei sich bewegende Punkte zu sehen. Mit dem Fernglas, welches das Mädchen trug, wurden die Punkte als Moschusochsen bestätigt.
    Ich erzählte den beiden von meinen gestrigen Erfahrungen mit dem Weg und empfahl einen anderen zu suchen. Ohne Gepäck - und sie hatten keins - konnte man auch gut die Wand erklimmen. Das war die beste Option und sie wählten sie. So war ich wieder allein und meinem Bad stand nichts im Wege.
    Es war so erfrischend, dass ich anschließend einen Moment in der Sonne brauchte, um wieder warm zu werden. Aber es tat mir sehr gut. Auch was das Reinheitsgefühl angeht.
    Dann hieß es langsam zusammenpacken. Als ich alles verstaut hatte, nahm ich mir noch einen ruhigen Moment der Stille, um Abschied von diesem besonderen Ort zu nehmen. Ich ging mit einem Gefühl vollkommener Zufriedenheit und Gelassenheit. Ich wurde mit einer wunderschönen Zeit beschenkt und war dafür sehr dankbar.
    Ich nahm nicht den Wanderweg zurück nach Kongsvold sondern stieg ebenfalls den Hang hinauf. Dort, wo ich gestern die Pferde gesehen hatte. Es ging immer höher hinauf und die Aussicht war grandios. Ich konnte noch einmal über die ganze Hochebene schauen und Snøhettas Gipfel strahlte in der Sonne.
    Die Orientierung im Fjell war ohne Wanderweg gar nicht so leicht. Ich hatte zwar meine App, doch mehrmals dachte ich, wieder auf dem Wanderweg zu sein, folgte der ausgetretenen Spur, nur um festzustellen, dass diese sich irgendwo zwischen Sträuchern und Fjellmoos verlor. So stampfte ich im Zick-Zack durchs Fjell und fand schließlich den Wanderweg und dann auch den Bahnhof. Ich hatte noch gut 40 Minuten und sechs Prozent Akku. Passt!
    Jetzt sitze ich im Zug. Lara ist heute angekommen und hat Mal eben eine Marathon-Etappe (42km!) zurückgelegt. Verrückt! Sie schläft auch im Wanderheim und sollte sie noch ansprechbar sein, stoßen wir sicher noch auf ihren Triumph an. Philipp kommt morgen und wir haben gegen 18 Uhr ein Date an der Kathedrale.
    Ich muss mir nachher unbedingt noch etwas zu beißen organisieren. Mein Proviant ist restlos aufgebraucht. Macht nix - Kekse, Müsliriegel und Tütenessen mag ich grad nicht mehr sehen ;)
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