Juli 2019
  • Day30

    Takk!

    July 30 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Mit diesem Eintrag möchte ich meinen Blog schließen. Und hier möchte ich noch einmal allen danken, die mich begleitet haben - zum Greifen nah und aus der Ferne.
    Ich danke dir, Philipp. Dafür, dass wir uns auf Anhieb verstanden. Dafür, dass du mich insbesondere am Anfang, als mein Körper sich noch umstellen musste, über die schwierigen ersten Kilometer gezogen hast. Ich danke für dein Guiding an Stellen, wo der Weg nicht klar markiert war. Ich danke für die vielen Kaffeepausen an den schönsten Flecken des Weges. Ich danke dir für die Entscheidung in der Reha in Ringen und dem Pferdehof in Hjerkinn Fjellstue zu übernachten und so in den Genuss eines geheizten Pools und einer Reit-Tour zu kommen. Ich danke dir für das Wasser aus der Olavsquelle, welches du mir nach Allmannrøysa getragen hast. Ich danke dir für die Erwähnung meiner Bialetti, Theodulf und mir in der Kathedrale von Trondheim. Ich danke für deine Offenheit und die vielen persönlichen Gespräche auf den vielen Kilometern.
    Ich danke dir, Lara. Für den herzlichen Empfang und dein freundliches Lächeln bei unserer ersten Begegnung im Ryphusan Refugium. Ich danke dir, dass du mich mit deinen zwanzig Jahren beeindruckt hast. Mit deinen vielen Facetten - deiner Reflektion in den Gesprächen und deiner Ausgelassenheit im Wasser von Trondheim. Mit deiner Stärke, die 661 Kilometer von Oslo bis Trondheim zu gehen - allein. Ich danke dir für die Einladung, gemeinsam mit Line und Mari an den Strand in Trondheim zu gehen und zu baden. Ich danke dir dafür, dass du den Segen in unseren Pilgerpässen mit einer Melodie unterlegt hast und es so zu unserem Lied am Abschiedsabend bei Mari wurde. Ich danke dir für das Pfeifen der Melodie am Strand von Trondheim. Ich danke dir - und auch dir, Philipp - für den unvergesslichen Abend in Oppdal, dem Ende meines Olavsweges.
    Ich danke dir, Melanie. Ich danke dir, für dein Zaubermittel, welches meine offene Blase über Nacht geheilt hat und ich so mit euch weitergehen konnte. Ich danke dir für die Taufe von Theodulf - wenn ich mich recht erinnere, kam der Name von dir, oder? Ich danke dir für deine schönen Gedanken in deinem Blog, für deine Begleitung auf dem Weg und in den Chatnachrichten.
    Ich danke dir, Lisa. Ich danke dir für deine wunderschönen Zeichnungen - insbesondere deine Karte der Stabkirche von Ringebu. Für deine Ruhe, die du auf mich ausgestrahlt hast.
    Ich danke dir, Steffen - the incredible Pilgerpriester. Ich danke dir für deine herzliche, offene Art. Für deine Bodenständigkeit und Menschlichkeit, die du ausstrahlst. Ich danke dir deine Hilfe in Trondheim und ganz besonders für die exklusive Führung durch den Nidaros Dom, mit seinen wunderschönen, verstecken Kapellen und geheimen Orten.
    Ich danke euch - Line, Mari, Appi, Daniel, Helmut und nochmal Lara - für den unvergesslichen Abend im Garten von Mari bei Bacalao, Bier und norwegischen Erdbeeren. Ich danke euch für das Singen des Segens.
    Ich danke euch beiden, Monika und Silke. Ich danke für eure Inspiration des Freiburger Lebensstiles, mit Meditation - morgens und abends -, Spelt-Knäckebrot und unerschütterlicher Gelassenheit.
    Ich danke euch, Janne und Tammi, für eure Begleitung über den Trollstigen und zum Wasserfall in Geiranger.
    Ich danke unseren Hosts in Geiranger - Jakob, Daima und Benita. Ich danke euch für eure Freundlichkeit, Spontanität und Gastfreundschaft. Ich danke für den spontanen WG-Abend mit Pasta und Tomatensoße, Wein und Bier.
    Ich danke meinen Airbnb-Hosts in Ålesund, Terje und Peer. Ich danke dir für kostenlose Untersuchung meiner Achillessehne, das Fischen im Fjord und die Gratis-Übernachtung.
    Ich danke dir, Jessi, für den schönen Abend bei Kaffee und Kuchen in Ringebu und das Überlassen des gelben (guten!) Pilgerführers - inklusive vierblättrigem Kleeblatt.
    Ich danke dir, Alex, für deine Anleitung und Erläuterung, wie man Muskelverspannungen mit einem Ball löst und für dein überraschendes Geschenk.
    Ich danke meiner Mom und meinem Paps für die Begleitung von Zuhause. Ich danke für die vielen "Likes" zu meinen Blog-Beiträgen.
    Ich danke allen anderen, die ich hier nicht erwähnt, die ich aber unterwegs getroffen habe oder die mich über den Blog begleitet haben.

    Und besonders danke ich dir, meine liebe Daina. Ich danke dir für das spontane Überraschungs-Abschiedspicknick im Park. Ich danke dir für die vielen Facetime-Gespräche und unzähligen Nachrichten während der letzten Wochen. Ich danke dir, dass ich mich niemals allein fühlte, auch wenn niemand da war. Ich danke dir, dass ich mich auf Berlin freute, auch wenn ich von dem Ort, an dem ich war, nicht weg wollte. Ich danke dir für deine gelungene Willkommens-Überraschung am Flughafen.

    Ich wünsche euch allen, denen, die ich hier erwähnt habe und auch denen, die ich "nur" in meinen Gedanken danke, alles erdenklich Gute für den weiteren Weg. Ihr alle habt den Olavsweg für mich unvergesslich gemacht.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day29

    The Real Camino Starts In Santiago

    July 29 in Norway ⋅ ⛅ 24 °C

    Diesen Spruch habe ich letztes Jahr in einer Herberge auf dem Jakobsweg gelesen. Er ist ohne weiteres auf den Olavsweg und Trondheim übertragbar. Doch seltsamerweise habe ich das Gefühl, dass ich auf dem Olavsweg nach Trondheim bereits ein ganzes Stück weiter gekommen bin, als damals auf dem Weg nach Santiago. Vielleicht baue ich auf den Erfahrungen auf. Es wäre wünschenswert, nicht immer wieder bei Null anzufangen. Apropos Null oder Nichts - exakt das hatte ich geplant, als ich vor etwa vier Wochen nach Oslo aufbrach. Nur die Hin- und Rückflüge und die erste Übernachtung in Oslo hatte ich in der Tasche. Ich hatte vor, den langen Weg bis nach Trondheim zu gehen. Dass ich das nicht in vollem Umfang schaffen würde, wurde mir sehr schnell klar. Doch was ich stattdessen oder besser trotz allem erlebt habe, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Ich wurde mit so vielen Sachen beschenkt - mit unvergesslichen Bildern in meinem Kopf, neuen Bekanntschaften und Dingen, die ich zum ersten Mal gemacht habe.
    Ich bin über das Fell geritten. Ich habe die Fjorde gesehen, darin gefischt und sogar etwas gefangen. Ich bin über eine von Europas schönsten Bahnstrecken gefahren. Ich habe den höchste Berg Norwegens bestiegen und mir auf seinem Gipfel einen Kaffee bereitet. Ich habe Elche, Moschusochsen und sogar Saison-Wildpferde gesehen. Ich habe wild gecampt und in einem Gletschersee gebadet. Ich bin in den Genuss einer VeryImportantPilgrim-Führung durch den Nidaros-Dom gekommen. Ich habe unfassbar schöne Natur gesehen, unzählige Wasserfälle und einen sogar durchschritten. Vieles davon habe ich abseits des eigentlichen Olavsweges erlebt. Doch es gehört dennoch irgendwie dazu. Zu meinem Olavsweg. Jeder geht hier seinen Weg. Schnell. Langsam. Allein. Gemeinsam. Für meinen Olavsweg gehörten diese Dinge dazu.
    Manchmal muss man den Pfad verlassen, um seinen Weg zu finden.
    Das ist meine Erkenntnis der letzten vier Wochen.
    Ich bin sehr dankbar für das, was ich erleben durfte. Mir ist bewusst, dass dies keinesfalls selbstverständlich ist. Doch noch dankbarer bin ich für die Menschen, die ich treffen durfte. Und die Hilfe und Gastfreundschaft, die mir auf unterschiedlichste Art zuteil wurde. Die meisten dieser Begegnungen werden einmalig gewesen sein. Nur für diese Zeit und exakt den einen Moment. Das ist gut. Aber von manchen der Bekanntschaften wünsche ich mir, dass wir uns wiedersehen. Ich bin mit einigen ein Stück des Weges gegangen und wir haben teilweise über sehr persönliche Dinge gesprochen. Mich interessiert, wie deren Wege und Geschichten nun weiter verlaufen. Nach Trondheim. Auf dem wahren Camino. Vermutlich hat hierbei Theodulf seine roten Finger im Spiel, denn mir sind gerade besonders jene Personen in meinem Kopf, mit denen ich in Ryphusan übernachtet habe.
    Nebenbei - Ich bin fest davon überzeugt, dass Theodulf uns weiterhin beisteht. Kleines Beispiel? Ich bin wieder in Berlin und mein Päckchen aus Lillehammer ist tatsächlich angekommen und liegt hier seit einer Woche auf dem Zollamt. Heute endet die Abholfrist. Ich also hin und der Kontrast zwischen norwegischer Weite gestern und deutscher Amtsstuben-Beschränktheit heute konnte nicht krasser sein. Und das sage ich als Beamter ;) Ich hatte das volle Programm mit Warteummerziehen, Anmeldung und herablassender Belehrung, dass Reiseverkehr nicht Postverkehr sei und meine, mir selbst zugesandten Gegenstände, zollrechtlich wohl nun doch irgendwie nicht meine Gegenstände seien, bis ich nicht Zoll dafür bezahle... In diesem Moment war ich wirklich wieder zurück.
    Theodulf sei Dank war nur der Beamte bei der Anmeldung so gefrustet und mein eigentlicher Bearbeiter weitaus freundlicher. Beim Öffnen des Pakets schnitt ich mir mit der Schere leicht in den Finger. Ein kleines Pflaster von dem netten Bearbeiter verhinderte eine größere Schweinerei. Ich erklärte ihm erneut die Situation und er fragte, ob ich Nachweise für die Kamera und das iPad dabei hätte. Hatte ich selbstverständlich nicht. Ich suchte in meinen Online-Kontoauszügen von 2015 und 2016 nach Abbuchungen, wurde aber nicht fündig. Das dauerte eine ganze Weile und ich war allmählich bereit, Zoll auf meine eigenen Sachen zu zahlen. Da funkte Theodulf dazwischen und ließ den Bearbeiter sagen, es sei schon gut und ich solle meinen Kram zusammenpacken und gehen. Das tat ich, dankte und verschwand. Aus Theodulf's Sicht hatte ich wohl bereits mit meinem Pilgerblut ausreichend gezahlt.
    Doch zurück nach Ryphusan. Zu Philipp, Lara, Melanie und Lisa. Ich denke, ihr macht ähnliche Theodulf-Erfahrungen. Und eines Tages führt er uns sicher wieder zusammen. Ich freue mich bereits darauf. Wir können es ihm etwas leichter machen und einfach in Kontakt bleiben :)

    PS. Im Gästebuch im Pilgerzentrum in Trondheim fiel mir ein Eintrag einer Corina aus der Schweiz auf. Sie ist einige Tage vor mir in Trondheim angekommen. Es war seltsamer Weise der einzige Eintrag, den ich mir durchlas. Ich fand ihn sehr schön und habe ihn in den Anhängen gepostet.

    God Tur!
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  • Day28

    Über den Wolken

    July 28 in Germany ⋅ ☁️ 30 °C

    Ich sitze im Flugzeug und unter mir müsste sich derzeit die Ostsee befinden. Als ich vor 28 Tagen an diesem Ort war - ich saß eigentlich nur andersherum - hatte ich nur einen Hin- und Rückflug und meine erste Übernachtung in Oslo gebucht. So vieles ist seitdem geschehen.
    Doch lass mich erst von meinem letzten Tag berichten. Ich beginne bei der letzten Nacht. Diese war ziemlich kurz. Wir hatten mit Philipp und Lisa bis ca. halb zwei Uhr morgens auf der Wiese gesessen und der Trondheimer Party-Jugend zugeschaut, wie sie mit steigendem Alkoholpegel zunehmend Spaß daran fanden, sich gegenseitig in den etwa knietiefen Kanal zu werfen, darin zu baden oder zu posen. Jetzt, da sich die bunten Barlichter darin spiegelten, sah die trübe Brühe viel einladender aus als tagsüber. Sauberer wurde das Wasser dadurch aber nicht. Gegen zwei lag ich im Bett und schrieb noch den Blogeintrag. Kurz nach vier - es war draußen bereits wieder hell - versuchte ich zu schlafen.
    Nach nur drei Stunden vibrierte mein Wecker an meinem Handgelenk. Ich wollte um 8:30 die Tram zu einem kostenlosen Pilgerfrühstück schaffen. Das Pilgerfrühstück war der Auftakt für das Olavsfest, welches am 28.07. beginnt und eine knappe Woche andauert. Überall um den Dom sind Bühnen und Buden aufgebaut und auf dem Platz vor der Kathedrale steht eine große Tribüne. Da ich sonst nicht viel vom Olavsfest sehen würde, wollte ich zumindest das Frühstück und den anschließenden gemeinsamen Weg zum Dom mitmachen.
    Es war kurz nach sieben und schon wieder sehr heiß im Zimmer. Mein Bettnachbar über mir ließ mich an seiner Verdauung teilhaben und auf meinem Rücken krabbelte eine Ameise entlang, was ziemlich kitzelte. Jetzt konnte ich auch aufstehen, dachte ich. Philipp schlief noch. Ich duschte schnell, sammelte meine Sachen zusammen, stopfte sie in den Rucksack und ging los. Ich musste einmal quer durch die Innenstadt zum Pilgerzentrum, um meinen Rucksack dort zu hinterlassen und dann wieder ins Zentrum zur Tramhaltestelle. Ich hatte mich ein wenig in der Zeit verschätzt und rannte die letzten Meter. Die morgendliche Dusche hätte ich mir jetzt auch wieder sparen können. Eine Tram von 1939 brachte uns Pilger nach Liam - eine Gaststätte am Olavsweg, ca. 7 km von der Kathedrale entfernt. Es waren einige hundert Menschen, Pilger und Pilgerfreunde, hier und frühstücken gemeinsam. Für mich war es das erste richtige Frühstück seit ein paar Tagen. Und es war gratis.
    Dann gingen wir gemeinsam die letzten sieben Kilometer des Olavsweges. Für mich war das irgendwie schön, da ich diese Strecke bisher nicht gelaufen war. Wir hielten an verschiedenen Kirchen, es wurden Reden auf norwegisch gehalten und gingen durch ein Open-Air-Museum zu norwegischer Kultur. Dort wurden verschiedene Szenen von früher nachgestellt. Unter den Leuten war auch Line und Mari von gestern Abend. So hatte ich Gelegenheit mich nochmal für diesen grandiosen Abend zu bedanken und revanchierte mich mit einem Eis. Das Verhältnis stimmt nicht ganz - aber der Gedanke zählt :)
    Die letzten gemeinsamen Kilometer schenkte ich mir und ging etwas schneller, denn ich war mit Philipp, Lisa und Steffen im Pilgerzentrum verabredet. Es war mittlerweile halb eins. Um zwei Uhr hatte Steffen seine exklusive Führung durch die Kathedrale gegenüber Philipp und Lisa angeboten. Das war die Zeit, wo ich auch langsam Richtung Flughafen fahren müsste.
    Philipp, Steffen, Lisa und ich saßen im Pilgerzentrum, tranken Kaffee und quatschten. Am laufenden Band kamen neue Pilger in Trondheim an. Wegen des Olavsfestes sind es in dieser Woche besonders viele. Einige der Leute kannte Philipp von den letzten Tagen und so kam man immer wieder ins Gespräch. Radio Compostela funktionierte auch auch dem Olavsweg und so kannte beispielsweise ein Karsten mich und meine Bialetti bereits, bevor wir uns nun im Pilgerzentrum zum ersten Mal begegneten. Irgendwie witzig. Wie zu vernehmen war, war auch Lara mit ihren Marathonstrecken und dem leichten Rucksack eine gern gewählte Frequenz auf Radio Compostela. Sie ist übrigens wohl behalten in Oslo angekommen und wartet auf den Anschlussbus nach Kiel. Der fährt Abend halb zehn ab Oslo und kommt wohl irgendwann am Montag in Kiel an. Auf diesem Wege - Gute Reise!
    Ich packte nebenbei erneut meinen Rucksack und versuchte, die Mitbringsel bruchsicher zwischen meine Sachen zu platzieren.
    Am Abend war in der Kathedrale eine große Eröffnungsfeier zum Olavsfest vorgesehen und Steffen hatte Philipp gefragt, ob er dort vielleicht ein paar Worte sagen möchte. Im voll besetzten Nidaros Dom. Was für eine Ehre. Und vermutlich auch - was für ein Lampenfieber. Ich freute mich für ihn. Es wird ein unvergesslicher Moment sein und aus meiner - zugeben subjektiven - Sicht, hatte "nur" er diese Ehre verdient. Er ist die ganze Strecke von Oslo bis Trondheim gegangen. Er hat dabei viele Menschen getroffen und ihnen geholfen. So auch mir, als er mir ein Halstuch überließ, weil ich Halsschmerzen bekam oder überhaupt, dass er mich - insbesondere am Anfang - gezogen hatte. Die Strecken, die ich auf dem Olavsweg ging, gingen wir zusammen. Ich hatte immer das Gefühl, das für ihn der Weg sein Ziel sei. Das entsprach auch meinem Pilgerverständnis. Die Vorstellung, dass er heute Abend ein paar Worte zu seinem Weg sprechen würde, machte mich irgendwie stolz und ich war traurig, dass ich dann im Flugzeug sitzen werde. (Nachfolgender Link ist ein Video zu Philipps Rede im Nidaros Dom https://youtu.be/1M21XqWQouU)
    Der Moment des Abschieds kam dann unausweichlich. Wir gingen gemeinsam zur Kathedrale. Ich verabschiede mich von Steffen, Lisa und Philipp. Lisa wohnt in Potsdam und wir werden uns sicher sehr bald wiedersehen. Auch Philipp werde ich früher oder später besuchen. Da bin ich mir sicher. Steffen - das wird vermutlich etwas länger dauern mit einem Wiedersehen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal herausstellen, was für ein besonderer Priester Steffen ist. Er lebt seine Berufung. Er ist herzlich, fürsorglich und angenehm menschlich. Ich hätte nicht gedacht, von einem Priester einen Tip hinsichtlich des besten Akvavit zu erhalten :) Er nimmt sich zurück und stellt die Pilger in den Mittelpunkt. Solch einem Priester begegnet man sicher nicht oft. Danke für deine Hilfe und Unterstützung!
    Der Flughafen von Trondheim liegt etwas außerhalb doch die Busverbindung ist ganz gut - sogar sonntags!
    Alles klappte ohne Probleme und so sitze ich nun hier im Flugzeug über der Ostsee Richtung Berlin. Mein Olavsweg ist zu Ende. Was nehme ich mit? Ich denke, das dauert jetzt zu lang und ich schreibe darüber einen letzten Post.
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  • Day28

    Bacalao und selbstgebrautes Bier

    July 28 in Norway ⋅ 🌙 19 °C

    Mir wurde heiß. Gegen halb sechs Uhr morgens schien mir die aufgehende Sonne direkt in mein Gesicht. Ich drehte mich vom Kopf zum Fußende und versuchte noch etwas Schlaf zu erhaschen. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es neun.
    Lara hatte mir geschrieben, dass sie schon Richtung Pilgerzentrum aufgebrochen sei, um ihr Ticket auszudrucken. Das hieß, das sie wohl heute abreist.
    Ich machte mich fertig und ging ebenfalls Richtung Pilgerzentrum. Allerdings nahm ich einen kleinen Umweg über die Festung von Trondheim, da man hier einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt hat. Ich machte ein paar Bilder und steuerte das Pilgerzentrum an. Dort gab es Gratiskaffee und einige Postkarten und Souvenire. Als nächstes stand die Post auf meinem Plan. Mein Paket, welches ich in Lillehammer nach Hause geschickt hatte, ist noch nicht angekommen und ich machte mir einige Gedanken. Die Frau im Post-Office sagte, dass das Paket korrekt frankiert sei. Allerdings könnte sie es nicht tracken. Ich gab eine Vermisstenanzeige auf. Mal schauen, was daraus wird.
    Danach schlenderte ich durch die Stadt. Ich fand einen Laden mit echtem Braincooler und gönnte nur eine Portion Erdbeere. Philipp und Lisa würden heute ankommen und ich dachte, es wäre doch super, wenn wir alle, auch Lara, gemeinsam am Wasser sitzen und etwas trinken. Es war Samstag und das Problem mit Alkohol in Norwegen kannte ich bereits. Wein kann man nicht im Supermarkt kaufen. Dafür muss man in spezielle Läden und die machen Samstag schon um 15 Uhr zu. Ein spontanes Betrinken muss in Norwegen gut geplant sein!
    Es war kurz vor knapp doch ich bekam noch zwei Flaschen Wein. An die angenehm hohen Preise hatte ich mich bereits gewöhnt.
    Ich ging zurück ins Wanderheim und wollte Duschen und ein paar Postkarten schreiben, bevor Philipp ankam. Plötzlich schrieb Lara. Sie hatte sich mit Line - jene Norwegerin, welche Philipp und ich einst bei einer Kaffeepause trafen und uns mit ihren kälteresistenten Wikingergenen beeindruckte - getroffen, und fragte, ob ich mit an den Strand kommen wollte.
    Hier herrschten dreißig Grad und die Aussicht auf eine Erfrischung machte die Entscheidung leicht. Als Treffpunkt machten wir den Dom in 25 Minuten aus. Ich packte fix meine Sachen und rannte los. Unterwegs kaufte ich noch ein Sixpack Bier, denn nach dem Baden war es sicher zu spät. Wie entspannt ist das Leben doch mit Spätis. Ich lief die ganzen zwei Kilometer in meinen Sprint-Flip-Flops und meinem Rucksack. Darin waren der Wein, das Bier, Kaffee-Utensilien und ein Badehandtuch. Halbwegs pünktlich doch völlig verschwitzt kam ich zum Treffpunkt. Neben Lara und Line war auch Mari - Line's Freundin - da. Wir gingen zum Strand.
    Das Wasser war herrlich und so erfrischend. Mari hatte keine Lust auf Wasser und passte auf die Sachen auf. Lara genoss die Erfrischung sichtlich. Es war schön, sie so ausgelassen zu sehen. Plötzlich war auch Appi - der Schweizer Safran-Pilger - da. Line hatte ihn anrufen. Und sie telefonierte auch noch mit Daniel. Sie hatten sich alle unterwegs kennengelernt und waren nun in Trondheim.
    Mari lud spontan alle zu sich in ihren Garten ein. Auch Philipp. Ich wollte ihn an der Kathedrale begrüßen. Also verabschiedete ich mich kurz von allen - auch von Olav, dem Fjordkrebs, welchen Lara zwischen den Algen ausgemacht und der sehr mit den Wellen zu kämpfen hatte - und ging Richtung Kathedrale. Philipp war im Pilgerzentrum und ich setzte vermutlich zum letzten Mal für uns beide einen Bialetti-Kaffee auf. Direkt am Kilometerstein 0. Wenn nicht hier wo dann, sollten wir den letzten gemeinsamen Kaffee trinken. Als der Kaffee fertig war, kam Philipp mit Lisa angeschlappt. Auch sie ist heute angekommen und ist die letzten Kilometer trotz ihres Fußes gelaufen.
    Wie saßen, tranken Kaffee und das Bier und tauschten uns über die letzten Tage aus.
    Philipp wollte noch duschen und ich schonmal vor zu Mari. Mit Bus und Bahn war das am Samstag ein sinnloses Unterfangen. Nach drei gescheiterten Google-Maps-Versuchen, einen Bus zu erwischen, nahm ich ein Taxi. Das fuhr mich in eine Art Beverly Hills von Trondheim. Ein Traumhaus reihte sich an das andere und vor einem blieb das Taxi plötzlich stehen. Ich hörte die anderen bereits. Sie saßen in geselliger Runde auf einer wunderschönen Terrasse und bei schönstem Sonnenschein. Auf dem Tisch stand selbstgemachtes Bacalao und Knoblauchbrot.
    Es war irgendwie unwirklich. Das bisher Erlebte war so wundervoll, dass ich nicht dachte, es könne ansatzweise getoppt werden. Und nun saß ich inmitten von Menschen, die ich kaum kannte und die sich wie jahrelange Freunde anfühlten. Dazu gab es dieses köstliche Fischgericht, selbstgebrautes Bier und als Nachtisch Eis mit norwegischen Erdbeeren. Die Atmosphäre war so stimmig und herzlich. Ich weiß nicht, womit ich diesen einmaligen Abschluss-Abend verdient habe. Wir sprachen über den Olavsweg und was er in und bewegt hat. Dann stimmte Lara das Lied an, welches sich als Strophe auf unseren Pilgerpässen befand. Wir sangen es alle gemeinsam auf deutsch. Es kribbelte in mir und Gänsehaut überzog meinen Körper. Wir sangen es nochmal und nochmal. Helmut begleitete uns mit der Gitarre und dann sangen wir es auch auf norwegisch.
    Dann war es Zeit für Lara zu gehen. Sie musste ihren Nachtbus nach Oslo erwischen. Mari und Line brachten sie zum Bahnhof und auch ich nutzte die Chance, wieder in die Stadt zu kommen. Der Abschied war sehr schwer. Lara und Line sind sich auf dem Weg sehr nah gekommen. Das spürte man in jedem Blick, jeder Berührung und jeder freundlichen Geste der Beiden. Sie würden sich wieder sehen - das hatten sie sich versprochen. Und ich hatte das Gefühl, es wird nicht allzulange dauern.
    Wir winkten Lara noch eine Weile hinterher, als sie mit den Bus abfuhr.
    Ich verabschiedete mich auch von Line und Mari und dankte für diesen unvergesslichen Abend. Dann zog ich Richtung Wanderheim. Philipp und Lisa waren noch in der Gegend und ich stieß zu ihnen. Wir gingen in eine Art alte Speicherstadt. Hier reihte sich eine Bar an die andere. Wir ergatterten drei Liegestühle auf deiner Wiese, teilen uns die Rucksackbiere und waren über die vielen Menschen erstaunt. Das hatten wir die letzten vier Wochen nicht erlebt. Staunend, zufrieden und amüsiert tranken wir aus und gingen in unsere Unterkünfte.
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  • Day26

    Ein Bett ist ein Bett

    July 26 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Mein Zeltboden blieb tatsächlich trocken und mein Zelt hatte somit seine erste kleine Prüfung bestanden.
    Dennoch - so schön dieser Platz auch ist und so schnell die Gedanken an ein richtiges Bett beim Blick in die Landschaft verfliegen - ein Bett ist ein Bett. Und das wünschte ich mir manchmal letzte Nacht. Es war weniger die Kälte - ich trug meine Wollunterwäsche aus Åndalsnes - als vielmehr die Luftmatratze und das Camping-Kissen. Vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit daran, wie der Körper sich auch an den Rucksack gewöhnt. Aber dies werde ich in diesem Urlaub glücklicherweise nicht mehr herausfinden :)
    Aber wie gesagt - diese Gedanken waren mit den ersten Sonnenstrahlen und dem Erspähen von Fischen im See verflogen.
    Meine Nachbarn waren ebenfalls schon wach und die Kinder in Aufregung. Drei große Moschusochsen stampften gemächlich den gegenüberliegenden Hang hinunter in Richtung des Flusses, der dieses Tal teilt. Doch sie ließen sich dabei so viel Zeit, dass ich mir ganz in Ruhe einen Kaffee machen konnte und nichts verpassen würde. Ich konnte sie von meinem Balkon gut sehen.
    Mit meinem Kaffee gesellte ich mich zu dem Schweizer, der nahe an Fluss auf einem Felsen seinen Beobachtungsposten bezogen hatte. Wir kamen etwas ins Gespräch und beobachteten die drei Kolosse, wie sie langsam näher kamen. Auch die drei Kinder und später die Frau kamen dazu.
    Ihr Scout hatte jedoch dass Frühstück bereitet und so saß ich bald wieder ganz allein.
    Die drei Ochsen erreichten den Fluss und das kühle Wasser tat ihnen bei der Hitze sichtlich gut. Sie hatten Spaß und sie planschten regelrecht in dem Fluss. Es war ein schöner Anblick, diese riesigen Tiere so springen zu sehen. Doch kam mir auch der Gedanke, dass das veränderte Klima den Tieren vermutlich sehr zu schaffen macht.
    Die Schweizer räumten ihr Lager zusammen und ich freute mich auf eine weitere Runde ungestörtes Schwimmen. Doch just in dem Moment, als die Gruppe aus meinem Blickfeld verschwand, kam ein junges Pärchen um die Ecke. Der männliche Part hielt ein elektronisches Gerät in der Hand und steuerte zielsicher auf die Stelle im Fluss zu, die auch meine Komoot-App als Wanderweg kennzeichnete. Nur gab es dort kein Rüberkommen. Das merkten sie dann auch und blickten ratlos in die Gegend. Dann sahen sie mich, sprachen kurz und kamen in meine Richtung. Es waren Deutsche aus Dortmund auf der Suche nach Moschusochsen. Sie hatten noch keine gesehen und fragen mich, ob es hier welche gäbe. In diesem Tal war es wahrscheinlicher welche zu entdecken, als keine zu sehen. Und tatsächlich waren auf einem weit entfernten Schneefeld zwei sich bewegende Punkte zu sehen. Mit dem Fernglas, welches das Mädchen trug, wurden die Punkte als Moschusochsen bestätigt.
    Ich erzählte den beiden von meinen gestrigen Erfahrungen mit dem Weg und empfahl einen anderen zu suchen. Ohne Gepäck - und sie hatten keins - konnte man auch gut die Wand erklimmen. Das war die beste Option und sie wählten sie. So war ich wieder allein und meinem Bad stand nichts im Wege.
    Es war so erfrischend, dass ich anschließend einen Moment in der Sonne brauchte, um wieder warm zu werden. Aber es tat mir sehr gut. Auch was das Reinheitsgefühl angeht.
    Dann hieß es langsam zusammenpacken. Als ich alles verstaut hatte, nahm ich mir noch einen ruhigen Moment der Stille, um Abschied von diesem besonderen Ort zu nehmen. Ich ging mit einem Gefühl vollkommener Zufriedenheit und Gelassenheit. Ich wurde mit einer wunderschönen Zeit beschenkt und war dafür sehr dankbar.
    Ich nahm nicht den Wanderweg zurück nach Kongsvold sondern stieg ebenfalls den Hang hinauf. Dort, wo ich gestern die Pferde gesehen hatte. Es ging immer höher hinauf und die Aussicht war grandios. Ich konnte noch einmal über die ganze Hochebene schauen und Snøhettas Gipfel strahlte in der Sonne.
    Die Orientierung im Fjell war ohne Wanderweg gar nicht so leicht. Ich hatte zwar meine App, doch mehrmals dachte ich, wieder auf dem Wanderweg zu sein, folgte der ausgetretenen Spur, nur um festzustellen, dass diese sich irgendwo zwischen Sträuchern und Fjellmoos verlor. So stampfte ich im Zick-Zack durchs Fjell und fand schließlich den Wanderweg und dann auch den Bahnhof. Ich hatte noch gut 40 Minuten und sechs Prozent Akku. Passt!
    Jetzt sitze ich im Zug. Lara ist heute angekommen und hat Mal eben eine Marathon-Etappe (42km!) zurückgelegt. Verrückt! Sie schläft auch im Wanderheim und sollte sie noch ansprechbar sein, stoßen wir sicher noch auf ihren Triumph an. Philipp kommt morgen und wir haben gegen 18 Uhr ein Date an der Kathedrale.
    Ich muss mir nachher unbedingt noch etwas zu beißen organisieren. Mein Proviant ist restlos aufgebraucht. Macht nix - Kekse, Müsliriegel und Tütenessen mag ich grad nicht mehr sehen ;)
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  • Day25

    Ein würdiger Abschied

    July 25 in Norway ⋅ ☁️ 20 °C

    Gegen acht wurde ich wach. Ich sammelte leise meine Frühstücksutensilien zusammen und ging runter in die Küche. Alle anderen im Haus waren bereits wieder wach und Alex längst über alle Berge. Nur die Jungs in meinem Zimmer schliefen noch - und schnarchten nicht.
    Ich setze Kaffee auf und aß dazu das letzte Brot aus Trondheim und das letzte Ei, was ich dort ebenfalls habe mitgehen lassen.
    Während des Frühstücks kamen auch die Jungs nach und nach runter, sodass ich nach meinem Kaffee meinen Rucksack packen konnte. Ich verschiedete mich von Od und zog los. Kurz nach mir gingen auch die drei Jungs und kurz vor mir liegen die norwegische Familie mit den drei Jungs. Wir liefen alle Richtung Kongsvold. Nur ich wollte vorher links zu meinem Zeltplatz abbiegen.
    Nach kurzer Zeit sahen wir links von uns drei Moschusochsen grasen. Mittlerweile hatte man einen geübten Blick dafür, die Tiere zwischen den Felsen auszumachen. Dennoch ist der Moment des Entdeckens und das Beobachten weiterhin aufregend. Die Ochsen störten sich nicht an uns und wir störten nicht die Ochsen und zogen weiter. Wir fahren jetzt noch viele Tiere. Insgesamt zählte ich heute um die zwanzig. Einmal kam uns eine Gruppe von fünf Tieren gemächlich den Pfad entgegen geschlappt und machte dort dann Pause. Wir beobachten sie eine Weile und machten einen Bogen um sie. Ich musste an der Stelle sowieso den Weg verlassen und verabschiedete mich.
    Als ich meinen Zeltplatz erreichte, war ich froh, allein zu sein. Ich baute mein Zelt auf. Der Untergrund ist etwas feucht. Jetzt kann das Markenzelt zeigen, ob es den Preis wert ist. Sicherheitshalber legte ich noch eine Unterlegplane drunter. Ich sollte trocken bleiben.
    Auf der anderen Seite, am gegenüberliegenden Hang erspähte ein eine Gruppe von drei oder vier Ochsen. Sie waren etwa 500m entfernt und blieben dort den ganzen Nachmittag.
    Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit Kaffeekochen, in der Sonne liegen, Fische im See unter mir beobachten und einfach in die Ferne blicken.
    Nach etwa zwei Stunden kamen tatsächlich ein paar Menschen. Sie sahen mich, grüßten und blieben in respektvollem Abstand. Sie hatten ebenfalls vor zu bleiben. Es waren drei Erwachsene und drei Kinder und ich war irgendwie ganz froh, weil mir ein wenig langweilig wurde. Jetzt gab es etwas zu sehen. Und von meinem erhöhten Punkt konnte ich sie gut beobachten. Die Kinder liefen ins Wasser und spielten. Ich ging runter und nahm Kontakt zu meinen neuen Nachbarn auf. Es war ein Schweizer Pärchen mit drei Kindern und ein norwegischer Scout. Ich war ein wenig stolz darauf einen Platz gewählt zu haben, den auch ein norwegischer Scout als abgelegen empfand. Und ich hatte den besten Spot für mein Zelt. Es stand auf einen Felsvorsprung, gut drei Meter über dem See. Der Felsen eignete sich hervorragend zum Lümmeln, Sonnenbaden, Kochen und Essen sowie um Zwei- und Vierbeiner zu beobachten.
    Später zog ich los, meinen morgigen Weg zu erkunden. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe, denn er ist mit meinen Schuhen nicht passierbar. Es gibt drei Flüsse zu durchschreiten. Ohne nasse Füße wird das nix. Glücklicherweise hatte ich zum Erkunden meine Hiking-Flip-Flops an. Denen macht Wasser nix aus. Auf meinem Erkundungstrip entdeckte ich noch einen wunderschönen Wasserfall. Mit war heiß und meine Füße hatten sich beim Durchschreiten der Flüsse bereits an die Wassertemperatur gewöhnt. Also nahm ich ein erfrischendes Bad in meinem See. Über Bademode musste ich mir hier keine Gedanken machen und die Meinung der Fische war mir egal.
    So verging die Zeit und mein Magen meldete sich. Zum Abendrot gab es Pasta mit Lachs und dazu ein gletscherwasser-gekühltes Bier. Ich habe es seit Trondheim mit mir rumgeschleppt und für diesen Abend aufgehoben. Es war perfekt.
    Zum Nachtisch ein paar getrocknete Mangos und gesalzene Erdnüsse.
    Im Abendprogramm lief "Zeltaufbau mit drei Kindern leicht gemacht". Die drei hatten viel mehr Spaß, die langen Zeltstangen auf den Händen zu balancieren, als sie durch die Plane zu fädeln. Irgendwann klappte es doch.
    Ich zog noch einmal los, um etwas Handyempfang zu suchen. Laut Guide sollte ich Richtung Hauptweg Glück haben. Nach einer Biegung schaute ich den Hang hinauf. Auf dem Kamm stand ein großes Tier. Erst dachte ich an einen Ochsen. Doch es war zu filigran und dann sah ich den Schweif. Es war ein Pferd. Und dann noch eins und noch eins. Schön, dachte ich. Pferde hatte ich in Norwegen schon viele gesehen. Doch dann bemerkte ich, dass da kein Zaun und keine Koppel war. Waren das etwa Wildpferde? Gibt es Wildpferde in Norwegen? Von Elchen und Moschusochsen hatte ich gehört. Aber nicht von Wildpferden. Ich stieg den Hang hinauf. Allerdings von der abgewandten Seite und spähte über den Kamm, wo ich die Tiere vermutete. Und plötzlich standen sie vor mir und grasten. Vielleicht dreißig Meter entfernt. 17 Tiere - darunter ein Fohlen. Sie bemerkten mich, störten sich aber nicht an mir. Und hier war weit und breit kein Zaun. Die Pferde lebten frei. Ich schaute ihnen zu und war fest der Meinung Wildpferde zu beobachten. Leider klärte mich später der Scout auf, dass es domestizierte Tiere sind, die allerdings im Sommer hier oben frei leben. Also Saison-Wildpferde :)
    Sonst gab es nicht viel zu berichten. Die Moschusochsen gegenüber sind immernoch da. Drei Erwachsene und zwei Kälber. Die Kälber spielen gerade in einem Schneefeld und jagen sich.
    Philipp kommt nun definitiv am Samstag an und wir können gebührend feiern. Lara weiß noch nicht, wie sie's schafft und meldet sich, wenn sie da ist. Lisa hat wohl größere Probleme und nimmt morgen wahrscheinlich den Zug. Ich werde mich bei ihr melden. Und Melanie hat eine Braincooler-Bar gefunden und kämpft sich wacker durch.
    Auf meine letzte Nacht im Fjell! Gute Nacht!
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  • Day24

    Snøhetta - Auf der Spitze Norwegens

    July 24 in Norway ⋅ ☀️ 15 °C

    Ich schlief in einem 6-Bett-Zimmer und es war eine der erholsamsten Nächte hier in Norwegen. Denn ich schlief dort allein. Ich hatte mir das beste Bett (am Fenster, frei stehend, mit Tisch) rausgesucht, doch niemand kam und machte es mir streitig. Oder ein anderes.
    Gegen sechs Uhr morgens begann das Getrampel im Haus. Bis Acht hielt ich noch durch - dann stand ich auf. Meine Bialetti zauberte eine köstliche Tasse heißen Kaffee. Den Unterschied zu dem löslichen Instant-Gesöff wusste auch Od, unser Host, zu schätzen. Er hatte ebenfalls eine Noname-Bialetti hier auf der Hütte. Sein Kaffee ging zur Neige und er war sehr glücklich, als ich meinen mit ihm teilte. Ich hatte in Trondheim ein neues Päckchen gekauft und bin am Freitag wieder da. Ich brauchte den ganzen Kaffee nicht und Od war sicher noch länger hier oben.
    Zum Kaffee hab es ein weiteres Brot von gestern Morgen.
    Ich konnte meine Sachen tagsüber in der Hütte lassen. Also räumte ich alles raus, was ich auf Snøhetta nicht brauchte: Zelt, Schlafsack, Isomatte, meinen Proviant und meine Klamotten. Ich packte nur die wichtigen Dinge ein: meine Bialetti, den Gaskocher, meine Tasse, Wasser und das Sanipack. Ich spürte den Rucksack kaum auf meinem Rücken und ich sollte heute noch sehr oft sehr froh über diese Entscheidung sein. Od meinte, der Aufstieg dauert etwa drei Stunden. Es sind nur knapp sechs Kilometer bis zur Spitze - dafür aber auch über 900 Höhenmeter.
    Snøhetta hatte heute ihr strahlend blaues Sommerkleid für unser Rendezvous gewählt und behielt es den ganzen Tag an. Sie sah umwerfend darin aus.
    Der Weg war gut markiert und stieg anfangs nur allmählich an. Als ich ab und zu zurückblickte, sah ich die ganze Schönheit des Tales, in dem Reinheim liegt. Es gibt Flüsse und hochgelegene Seen, ab und zu Schneefelder und dazwischen Blumen und das Fjellmoos. Je höher man kam, umso schöner wurde der Anblick.
    Um einen selbst herum verschwanden allmählich die Blumen und das Moos. Der Weg wurde steiniger, überall lag Geröll und die Landschaft ähnelte einer Mondlandschaft. Das Geröll war allerdings von grünen Flechten bewachsen und sah somit freundlicher aus als bloßer Fels. Ich dachte, das war's mit Vegetation für heute. Der Weg bestand nun vorwiegend darin, von Stein zu Stein zu treten. Etwas später hörte ich Wasser unter den Steinen plätschern und zu meiner Überraschung kehrten für einen Moment Löwenzahn, Moose und sogar Schmetterlinge zurück. Nach diesem kurzen Intermezzo war aber wirklich Schluss mit Vegetation. Der Weg wurde steiler. Eigentlich war es kein Weg mehr. Die Wegmarkierung war eine Reihe von Stäben, die in einer Linie zum Gipfel führten. Den Weg, oder die besten Steine dafür, musste man sich selber suchen. Ich kam mir vor wie eine Gemse. Das war einer der Momente, wo ich mich für die Entscheidung, diese Route nicht mit meinem vollen Rucksack zu gehen, hätte küssen können. Mit vierzehn Kilo macht das definitiv keinen Spaß!
    So war ich leichtfüßig genug, einige Wanderer zu überholen. Mittlerweile war die Wege von Reinheim und Snøheim zur Spitze miteinander verschmolzen und von Snøheim kamen eine Menge Leute. Dorthin fährt fünfmal täglich ein Bus.
    Der Gipfel erschien bereits zum Greifen nah, doch irgendwie wollte sich der Turm auf der Spitze nicht nähern. So erklomm ich Stein um Stein, sah immerwieder zurück und freute mich viele Male für mein leichtes Gepäck.
    Dann war ich doch irgendwann oben. Laut Komoot nach 2:15 Stunden. Hier war viel los aber es gab ausreichend Platz für jeden. Ich suchte mit ein gemütliches Fleckchen und packte meine Kaffeeutensilien aus. Der Hammer war, das ich hier oben 4G-Internet hatte. So konnte ich einige Sachen erledigen. Ich buchte und bezahlte meinen Zug für Freitag nach Trondheim. Ich versendete einige E-Mails und schickte einige Nachrichten per WhatsApp. Außerdem konnte ich meinen gestrigen Post hochladen. Und ich konnte diesen wundervollen Moment per Facetime mit meiner lieben Daina teilen. Zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam kann man im Regionalexpress nicht Mal telefonieren!
    Ich ließ mir Zeit auf den Gipfel. Das Wetter war herrlich und ich kostete diesen Moment aus. Dann machte ich mich auf den Rückweg. Er war leichter als der Aufstieg und das Springen von Stein zu Stein klappte überraschend gut. Dennoch dauerte es eine Weile und ich überlegte mir, heute doch noch eine Nacht in der Hütte zu bleiben und morgen früh die zehn Kilometer zu meinem Zeltplatz zu gehen. Die Mücken würden mich heute Abend dort vermissen - doch da mussten sie eben durch. Ich war froh und dankbar, ohne umzuknicken wieder an der Hütte zu sein. Auch mein Lieblingsbett war noch frei. Allerdings teile ich mir das Zimmer mit drei weiteren jungen Männern.
    Außerdem ist heute Alex angekommen. Er ist Deutscher, Soldat und in Südbayern stationiert. Wir lernten uns beim Abendessen kennen und redeten anschließend etwas miteinander. Er möchte morgen ganz früh nach Snøhetta hoch, wenn noch kein Bus in Snøheim angekommen ist, und anschließend nach Snøheim gehen. Ich erzählte ihm von meiner Reise und meinem Besuch beim Chiropraktiker in Ålesund. Er nickte beim Thema Muskelverspannung und erklärte mir einige Zusammenhänge zwischen Schmerzen und Muskeln. Dann holte er aus seinem Zimmer einen kleinen Ball und zeigte mir, wie man sich selbst die Waden und andere Beinmuskeln massiert. Ich versuchte es und hatte das Gefühl, dass es funktionierte. Als er zu Bett ging, um morgen sehr früh Snøhetta zu besteigen, fragte er mich, ob ich noch 100g Zusatzgepäck verkraften könne und schenkte mir den Ball. Seine Reise war in Snøheim zu Ende und er hatte Zuhause weitere Bälle. Es war eine sehr nette Geste von einem Fremden und ich nahm etwas zögerlich doch sehr gern an. Ich hatte spontan leider nichts für ihn. Ich fragte, ob ich ihn vielleicht in meinem Blog erwähnen dürfte und er willigte ein. Das war mein kleines "Geschenk" an ihn.
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  • Day23

    Sieben auf einen Streich

    July 23 in Norway ⋅ ⛅ 16 °C

    Frühstück gab es im Pilger-Zentrum ab halb Acht. Viertel vor Acht musste ich allerdings bereits los, um meinen Zug zu erwischen. Die Zeit reichte also nur für einen Kaffee und um ein paar Brote zu schmieren.
    Ich war gut gelaunt, denn mein Fuß spielte mit und ich freute mich auf das Fjell. Am Bahnhof waren sehr viele junge und ein paar ältere Leute. Die meisten hatten große Rucksäcke auf dem Rücken und wollten ebenfalls in den Zug nach Oslo. Ich hatte mir gestern Abend noch schnell online den Sparpreis gesichert und somit glücklicherweise auch einen Sitzplatz.
    Die schöne Landschaft sauste an mir vorbei und ich wurde ganz melancholisch. Ich fühlte, dass ich etwas in meinem normalen Leben, meinem Alltag, ändern musste. Denn irgendwie bereitete mir der Gedanke an die Rückkehr in den Alltag Unbehagen. Glücklicherweise ist es bis dahin noch eine ganze Weile und vielleicht fällt mir auch noch ein, was ich ändern muss.
    Plötzlich standen auf einer Wiese neben der Strecke zwei ausgewachsene Elche. Sie standen da, wie bei uns manchmal Rehe auf den Feldern zu sehen sind. Sie waren recht nah und beeindruckend groß. Doch so schnell sie auftauchten, waren wir auch schon vorbei gerauscht. Wie schön wäre es gewesen, jetzt zu wandern, dachte ich so bei mir.
    Nach ca. zwei Stunden kann ich in Kongsvold an. Der Bahnhof war ein kleines Holzgebäude und bis auf einen Warteraum gab es hier nichts. Nicht einmal eine Toilette. Mit mir stiegen noch etwa fünf Personen aus. Alle hatten Rucksäcke. Ich hatte den größten. Ich orientierte mich. Ich sah den Olavsweg. Doch heute würde ich die andere Seite des Tales erklimmen und nach Westen weiterziehen. So stiefelte ich los und traf nach ca. 50 Metern auf Gabriela. Sie hatte sich ihre Schuhe gebunden und lief plötzlich neben mir. Sie war aus Trondheim und mit dem gleichen Zug wie ich angereist. Sie hatte in etwa den gleichen Weg, wollte heute aber noch eine Hütte weiter. Sie möchte etwa vier Tage in den Bergen wandern und am Wochenende wieder in Trondheim sein. Der erste Abschnitt des Weges war sehr steil und es ging fix wieder über die Baumgrenze. Plötzlich stand man auf einem Plateau und alles wirkte wieder vertraut. Der weite Blick. Die Stille. Das Fjellmoos. Zufriedenheit machte sich in mir breit. Und Hunger. Ich hatte ja noch nichts gegessen und der Anstieg hatte meine letzten Reserven verbraucht. Gabriela hatte im Zug gefrühstückt. Ich suchte mir eine schöne Stelle mit herrlichem Blick über das Plateau. Dort verabschiedeten wir uns und Gabriela zog weiter.
    Ich setzte Kaffee auf und aß meine Brote von heute Morgen. Um mich herum waren unzählige Gruppen von Menschen unterwegs. Die Gegend war bekannt dafür, Moschusochsen zu sehen. Das war auch meine Hoffnung. Doch bei diesen Menschenscharen taten die sanften Riesen gut daran, sich heute ein anderes Plateau zu suchen. Mir kam der Gedanke, ob die Ochsen wohl auch auf Menschen-Sightseeing gehen. Dann wäre dieser Spot ideal dafpr. Die meisten Zweibeiner hatten nur Tagesrucksäcke dabei. Dies machte mir Hoffnung, weiter drinnen und Richtung Snøhetta, würde die Rucksackdichte abnehmen. Ich sollte Recht behalten.
    Nach der Pause ging ich den Pfad Richtung Reinheim. Meiner heutigen Hütte. Snøhetta war die ganze Zeit über zu sehen und man lief mehr oder weniger direkt auf diesen mächtigen Berg zu. Der Aufstieg sah nicht sonderlich schwierig aus, da die Seiten ganz allmählich zur Spitze führen. Doch beeindruckend war der Berg schon - und diese Ehrfurcht stieg, je näher man ihm kam.
    Obwohl nun weitaus weniger Menschen unterwegs waren, blieben die Moschusochsen dennoch versteckt. Die Landschaft war so schön, dass ich mir überlegte, hier irgendwo wild zu Campen. Nicht heute. Aber vielleicht morgen nach Snøhetta. Ich prüfte meine Komoot-App und etwas abseits des Weges wurde mir ein geschützter Pausenplatz angezeigt. Den wollte ich prüfen und schauen, ob man dort ein Zelt aufstellen konnte. Ich kam zu einer Gabelung und rechts führte ein sehr unscheinbarer Pfad vom markierten Hauptwanderweg weg. Komoot wies mich an, dem Pfad etwa einen Kilometer zu folgen. Der Pfad führte um eine kleine Anhöhe herum. Überall lagen plötzlich Hinterlassenschaften von Moschusochsen. Von der Größe her, konnte es nur von den Ochsen sein. Diese Hinterlassenschaften rochen frisch und ich dachte, hier wäre eine super Stelle, die Ochsen zu sehen. Ich kam an den Pausenplatz und entdeckte oberhalb eines kleinen Sees mit kristallklarem Gletscherwasser einen Felsen. Er war oben flach und mit Gras bewachsen. Das sollte mein Zeltplatz für morgen werden. Es war perfekt. Abseits - aber nicht zu sehr. Frisches Wasser. Windgeschützt. Und vermutlich auch ein Lieblingsplatz der Moschusochsen. Wenn nicht hier, wo sollte ich dann welche sehen. Den Mücken gefiel meine Idee ebenfalls - ihr Abendbrot am Mittwoch und Donnerstag war gesichert.
    Ich machte eine kurze Pause. Aus dem kleinen See sprangen hin und wieder Fische. Ich vermute, sie wollten die Mücken oder Fliegen fangen, die über dem See kreisten.
    Dann ging ich zurück, denn Komoot zeigte mir noch gute zehn Kilometer bis nach Reinheim an. Noch bevor ich wieder auf dem Hauptweg war, sah ich sie plötzlich. Vor mir - etwa 200m voraus und etwas unter mir an einem Fluss - sah ich einen ausgewachsenen Moschusochsen mit einem Jungtier. Ich war ergriffen und überwältigt. Und dankbar, für diesen besonderen Moment. Weiter hinten standen noch zwei erwachsene Tiere und ein weiteres Junges. Insgesamt also fünf Tiere. Heute Morgen die zwei Elche und nun also fünf Moschusochsen. Ich hatte alles gesehen, was ich mir von dieser Reise erhofft hatte. Morgen noch der Gipfel von Snøhetta und ich kann zufrieden und überglücklich nach Hause fliegen.
    Ich beobachtete die Tiere noch eine Weile und zog weiter. Ich würde ja morgen wieder kommen und vielleicht diese fünf auch.
    Die restlichen Kilometer zogen sich ganz schön. Gegen fünf erreichte ich Reinheim. Eine teils bewirtschaftete Hütte ohne Wasser, Strom und Handyempfang. Von hier starte ich morgen zum Gipfel. Meinen Rucksack lasse ich hier und nehme ihn auf dem Rückweg mit. Dann noch etwas zehn Kilometer und dort schlage ich dann mein Zelt auf.
    Der Abend in der Hütte war sehr entspannt. Die war echt voll. Eine Familie aus Norwegen mit drei Kindern, die in der Nähe der Hütte zeltete. Zwei Mädels aus Amsterdam, ein junges Pärchen aus der Schweiz und noch ein älteres, deutschsprachiges Paar. Es war ein geselliger Abend, wobei jeder so sein Kram erledigte.
    Der Host der Hütte erzählte, dass hier öfter Moschusochsen um die Hütte ziehen. Gegen 22 Uhr kamen tatsächlich einige den Berg herunter. Sie kamen ganz nah und insgesamt waren es sieben Tiere. Sie grasten und zogen gemächlich an uns vorbei. Den Zelten näherten sie sich bis auf etwa 100m. Ein wunderschöner Abschluss eines wunderschönen Tages.
    Ich freue mich auf den morgigen Tag.
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  • Day22

    Angekommen

    July 22 in Norway ⋅ ⛅ 20 °C

    Es gibt eine Gesetzmäßigkeit, dass in jedem Gemeinschaftsschlafraum - unabhängig von der Anzahl der Betten - genau eine Person schnarcht. So war es auch vergangene Nacht. Davon abgesehen habe ich aber sehr gut geschlafen. Nach einem kräftigenden Frühstück zog ich erstmal mit meiner Wäsche zum Waschsalon. Montag Morgen war da nix los, sodass ich nicht warten musste. Während die Maschine ihren Job verrichtete, schlenderte ich durch ein nahegelegenes Einkaufszentrum. Ich gönnte mir zwei Energy-Riegel, denn ich wusste mittlerweile, was ich in den kommenden Tagen anstellen werde. Morgen früh nehme ich den ersten Zug zurück nach Kongsvoll. Da laufe ich dann nicht den Olavsweg, sondern gen Westen zum Gipfel Snøhetta. 16km von Kongsvoll entfernt, gibt es eine Hütte zum Übernachten und von dort sind es nur fünf bis sechs Kilometer bis zum Gipfel. Mit heutigem Stand soll das Wetter am Mittwoch dort bombastisch sein. Strahlender Sonnenschein bei neun Grad. Und dann über eine weitere Hütte zurück und mit dem Zug nach Trondheim. Hier will ich wieder am Freitag ankommen. Ausreichend Zeit, um mir noch weiter die Stadt anzuschauen und ein paar Souvenirs zu kaufen. Das ist der Plan.
    Meine Wäsche war inzwischen fertig und auf dem Rückweg zum Pilgerzentrum kaufte ich zwei Outdoor-Mahlzeiten für mein neues Abenteuer. Mit viel Glück werde ich sogar (lebende) Moschusochsen sehen.
    Um 13:30 Uhr war ein kleines aber feines Orgel-Konzert in der Kathedrale und direkt danach traf ich mich mit Steffen, dem Pilger-Priester.
    Er war super nett und gab mir eine private Führung durch den Nidaros-Dom. Er erklärte einige Hintergründe und führte mich in Bereiche, die dem normalen Besucher verborgen bleiben. Wir schlichen durch enge Gänge und erklommen dunkle Wendeltreppen. So sah ich einige versteckte Kapellen. Da heute den ganzen Tag die Sonne schien, verzauberten die bunten Fenster diese Kapellen in ein besonderes Licht.
    Dann führte mich Steffen zur Orgel, welche eben noch das Konzert spielte. Und es ging noch höher. Er zeigte mir den Glockenturm der Kathedrale und als Höhepunkt standen wir plötzlich an der frischen Luft - weit oben über dem Haupteingang des Westflügels. Hier waren viele lustige Figuren verewigt. Eine Nonne, die mit einem Mönch flirtet. Ein geigespielender Affe mit einer Maus, die ihm zuhört. Oder ein Elefant, der mit seinem Rüssel trötet. Der Höhepunkt war das berühmte Männchen, welches den letzten Stein in die Kathedrale setzt. Eine Legende besagt, wenn der letzte Stein in die Kathedrale gesetzt wird, stürzt sie in sich zusammen. Ich habe das Männchen bereits gesucht. Doch man kann es nicht finden, denn es ist hoch oben im nicht öffentlichen Bereich versteckt.
    Nach der Führung ging ich zurück zum Zentrum und suchte Zugverbindungen und Wanderwege raus. Außerdem reservierte ich mir zwei Übernachtungen von Freitag bis Sonntag in Trondheim.
    Um 18 Uhr gab es eine Pilgermesse in der Kathedrale. Diese hielt ebenfalls Steffen. Bis gestern war ich nur körperlich hier. Meine Gedanken waren immernoch bei den anderen. Bei Philipp, Lara, Melanie und Lisa. Ich wollte wieder laufen. Sinnloses Rumsitzen war mir so zuwider. Doch nun hatte ich wieder ein Ziel. Oder besser einen Weg. Denn auf den freute ich mich am meisten. Wieder im Fjell sein und die Stille genießen.
    Während der Messe entzündete ich eine Kerze. Bevor ich sie abstellte, sagte ich in Gedanken die Namen derer, die ich hier getroffen hatte: Philipp, Monika, Silke, Jessi, Tammi, Janne, Jakob, Daima, Benita, Peer, Melanie, Lisa, Lara und Steffen. Mögen sie auf ihren Wegen allezeit Schutz und Segen erfahren. Auch meinen lieben Menschen daheim, Freunde und Familie, dankte ich. Denn ohne sie wäre ich wohl heute nicht hier. Ich war endlich angekommen.
    Nach der Messe ging ich nochmal in die Stadt und besorgte etwas Kaffee und Gas für meine Biletta.
    Hier im Pilgerzentrum kommen ständig neue Leute an. Einige sind mir sympathisch - andere nicht. Diese Entscheidung trifft man sehr schnell und in den allermeisten Fällen liegt man richtig. Doch selbst mit den sympathischen Leuten baut sich hier nicht so schnell eine Bindung auf, wie auf dem Weg.
    Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, morgen tschüss zu sagen und meinen Rucksack zu schnappen.
    Meine Candy-Tüte hatte ich zur Freude aller in die Gemeinschaftsecke gestellt. Sie ist nun leer und ich habe ein knappes Kilo weniger zu schleppen :)
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  • Day21

    Nidaros

    July 21 in Norway ⋅ ⛅ 19 °C

    Ich bin in Trondheim angekommen. Ich sitze im Pilgerzentrum und bin gedanklich noch bei den vergangenen Tagen, bei Philipp und Lara, bei Lisa und Melanie.
    Heute Morgen hatten wir das beste Frühstück seit langem. Es gab Spiegeleier mit Speck, verschiedenen Lachs, Pancakes und andere Leckereien. Wir ließen es uns gut gehen.
    Dann hieß es Abschied nehmen. Wiedereinmal und vermutlich für länger. Wir waren alle drei nicht sonderlich gut darin. Doch auch ohne viele Worte spürte ich, was die beiden sagen wollten. Und ich glaube, auch sie verstanden mich. Ich bin sehr dankbar für diese Begegnungen und wünsche Beiden Theodulf's Segen auf all ihren Wegen.
    Während der Zugfahrt schrieb ich den gestrigen Blogeintrag. All die schönen Momente kamen erneut auf.
    In Trondheim regnete es. Ich lief die 1,2 km sehr langsam. Ich hatte keine Eile und war mit meinen Gedanken nicht wirklich hier. Es fühlte sich nicht wie das Ende meines Olavsweges an. Das Gefühl hatte ich gestern in der Kirche in Oppdal. Heute fühlte sich an, als hätte ich noch einige Formalitäten zu erledigen. Den Olavsbrief holen, Souvenirs kaufen und den Dom anschauen. Auch alles schön - doch ich wäre lieber auf dem Weg.
    Das Pilgerzentrum in Trondheim ist okay. Das Personal ist sehr freundlich und es war kein Problem, den Olavsbrief zu erhalten. Eigentlich muss man dafür die letzten 100km gelaufen sein. Das bin ich nicht. Doch ich bin über 230 km gegangen und so erhielt ich den Brief.
    Danach ging ich in die Kathedrale und schaute mir Trondheim an.
    Es ist eine schöne Stadt mit vielen wunderschönen Gebäuden. Morgen treffe ich mich um 14 Uhr mit Steffen - einem Priester, den wir auf den Pferdehof kennengelernt hatten. Er möchte mir die Kathedrale zeigen. Dann werde ich mir Gedanken machen, wie ich die restliche Woche verbringe.
    Von den anderen habe ich nur Gutes gehört. Lisa und Melanie haben ihren Ruhetag genossen und neue Kräfte für die weitere Strecke gesammelt.
    Melanie schreibt ebenfalls einen Blog

    https://steemit.com/deutsch/@meluni/pilgern-in-norwegen-2-reisebericht-cj0pzrvz

    Lara und Philipp sitzen gerade in einer gemütlichen Hütte bei Kaminfeuer. Theodulf hat ihnen eine spontane Einladung zum Kaffee bei einer norwegischen Familie beschert. Es tut gut zu wissen, dass er auch weiterhin auf sie achtet.
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