Germany
Ofterschwang

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16 travelers at this place

  • Day2

    Fahnengehren, 1341m

    July 16, 2017 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Der Morgen beginnt um vier Uhr. Die Kühe sind noch auf der Weide und müssen für die Melkarbeit in den Stall getrieben werden. Die Aufgabe übernehme ich gemeinsam mit Daniel. Er ist unser selbsterkorener Systemmanager und wird mir heute die Kunst des Küheeintreibens lernen. Zur Vorbereitung müssen zunächst einmal Wege abgesteckt werden und Tore verriegelt werden, damit die Kühe auch letztlich am Melkstall ankommen und nicht noch auf eine andere Weide oder über andere Wege ausbüchsen.

    Um diese Uhrzeit ist es noch dunkel, aber der Tag bricht bereits über die Nacht herein. Am Horizont kann man bereits einen goldenen Schimmer der aufgehenden Morgensonne erkennen. Als wir mit dem Abstecken der Wege fertig sind machen wir uns auf Kuhsuche und finden die Tierchen letztlich am Ende der Weide. Auch für sie ist es noch früh am Morgen und die Meisten von Ihnen liegen noch auf der Seite oder dösen so vor sich hin. Als wir Ihnen mit den Fahrrädern dann näher kommen, wissen sie bereits, was es geschlagen hat und mit etwas trägen Schritt machen sich die Vierbeiner auf den Weg zum Stall. Sie wissen scheinbar schon welche Prozedur sie nun erwartet und sie finden den Weg so gut wie selbstständig. Nur ein paar der Kühe sind wohl noch etwas verschlafen und sind etwas fusslahm, bzw. noch nicht so richtig gewillt in den Stall zu gehen.

    Im Stall herrscht um halb fünf dann bereits reges Treiben. Manuela, die Chefin des Hofes, hat bereits schon den Melkstall vorbereitet und nimmt die ersten Kühe in Empfang.
    Ich werde heute Morgen auch gleich das erste Mal das Vergnügen haben, die Kühe zu melken. Dabei kann ich meine bereits in Costa Rica gesammelten Erfahrungen einbringen und komme mit dem Anmelken schon ziemlich gut zurecht. Gemeinsam mit Manuela lerne ich nun einen kleinen Teil einer Landwirtausbildung und sie zeigt mir, wie das alles mit dem Melkgeschirr funktioniert und was zu beachten ist, bei kranken Kühen, Kühe die bald kalben werden und Kühe mit ihren besonderen Eigenheiten, wie z.B. Euter, die nicht mit 4 sondern teilweise nur mit 3 Zitzen auskommen müssen, weil eine der Zitzen nicht funktioniert. Auch das gibt es. Vor allem aber zeigt sie mir, wie mit den ganzen Utensilien umzugehen ist, damit ja keine Milch verunreinigt wird. Dafür gilt es einiges zu beachten. Es muss einiges gespült und gereinigt werden. Alles muss sauber sein und darf keinesfalls mit Krankheitserregern befallen werden. Das würde die komplette Milch verderben und man müsste den gesamten Inhalt des Lieferfahrzeuges, welches mehrere Höfe abfährt und somit etliche Liter Milch zusammen sammelt, entsorgen. Das wäre ein enormer Schaden, den dann der Bauer tragen muss, welcher die verdorbene Milch ins System gebracht hat. Dies ist über Milchproben im Nachhinein nachweisbar.

    Bei uns wird aber unter strengen Bioauflagen produziert und somit sind auch Medikamente in der Milch absolut Tabu. Der gesamte Melkvorgang ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, bei der man voll konzentriert sein muss. Alles geht ziemlich schnell. Kuh in den Stall, Kraftfutter für die Milchproduktion geben, anmelken, Euter reinigen, Melkgeschirr anbringen, abwarten bis der Vorgang abgeschlossen ist, Melkgeschirr abnehmen, Euter mit Pflegemittel besprühen und schließlich die Kuh aus dem Melkstall entlassen, um die nächste fürs Melken vorzubereiten. Und das bei vier Kühen gleichzeitig. Das geht so lange, bis alle 19 Kühe gemolken sind.

    Nebenbei sind schon Vorbereitungen für den weiteren Ablauf im Stall zu treffen. Es gibt eigentlich keinen Moment, an dem man einfach auf der Stelle steht. Am Hof gibt es immer etwas zu tun.

    Nach getaner Arbeit, gönnen wir uns heute einen freien Tag. Die Zeit wird früh und am Abend heraus gearbeitet und so geht's für uns heute noch auf den Berg.

    Die gesamte Familie mit Freunden und Bekannten ist dabei. Es ist ein wirklich schönes Gemeinschaftsgefühl. Man wird direkt in alle Aktivitäten mit eingebunden und innerhalb kürzester Zeit gehört man einfach zur Familie dazu.

    Oben am Gipfel gibt es Brotzeit, Kaffee und Kuchen. Nach dem steilen Anstieg, eine wirkliche Wohltat. Hier oben ist einiges los. Das Wetter ist sonntagstypisch, sonnig. Manuela springt schnell in der Hütte mit ein und hat somit unsere Brotzeit erarbeitet. Bei dem Ansturm kommen die Hüttenwirte mit der Zubereitung der Speisen garnicht hinterher. Gut dass Manuela sich in der Gastronomie auskennt und eine tatkräftige Hilfe ist.

    Danach besuchen wir noch die Kälber, welche auf der Alm leben. Diese werden nach ein paar Wochen auf die Alm getrieben und leben dann den ganzen Sommer über auf der Alm on luftiger Höhe. Im Anschluss steigen wir wieder hinunter und gehen noch Eis essen. Was für ein herrlicher Sonntag.

    Am Abend wird dann noch einmal gemolken und der Stall gereinigt.
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