Germany
Sulzberg, Markt

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19 travelers at this place
  • Day13

    Bei Kölbls im Allgäu

    August 7 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Heute war Aufbruch in Ottmaring angesagt - es ging weiter und Allgäu zu meinem alten Schulfreund Schorschi und seiner Frau Kathi. Louise hat sich gleich mit den anderen Mädels Marlies und Felicitas ins Kinderzimmer und das tolle Spielzimmer verzogen und ward die nächsten 24 Stunden nicht mehr gesehen. Die großen Mädels durften heute auch lange eatschen, Toni Box hören und zusammen im Zimmer schlafen. Die Nacht war entsprechend kurz für alle.

    Simon betrieb vorbildliches Carboloading mit Spätzle, Brotzeit und später noch Chips, während um uns herum ein spontaner Kindergeburtstag mit den Nachbarskindern stattfand (Feli wurde vier). Es kamen zwischendurch auch immer mal noch Nachbarn spontan vorbei - super community hier.

    Schorschi und Kathi waren super tolle Gastgeber, entspannt, lieb und cool und sie haben sich ein tolles Zuhause am Rand der Berge aufgebaut. Wir wollen unbedingt mal wieder kommen.
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  • Day126

    Der Preis von Bildung

    August 1 in Germany ⋅ ⛅ 11 °C

    Stell Dir vor eines Tages würde die Polizei vor deiner Türe stehen und deine Kinder mitnehmen. Sie würden Dir sagen, sie seien hier um ihnen Bildung ermöglichen. Du siehst sie fortan noch einmal im Jahr und jedes mal, haben mehr Mühe sich auszudrücken. Eines Tages, bei ihrer Rückkehr verstehst Du sie gar nicht mehr, den sprechen mit anderer Zunge. Ihnen sind nun auch deine Bräuche fremd und sie Verhalten sich auf ganz andere Weise. Es mag vielleicht sogar ein Jahr kommen, da kehren nicht mehr alle heim.
    Diese oder ähnlich Geschichten entstammen keinem Film. Es ist die Realität für jährlich mehr als zwei Millionen Kinder.
    Lange war ich naiv im Glauben, dass Bildung immer mit Respekt und Verständnis angeboten wird und zu Autonomie, Perspektiven und einem Ausstieg aus dem Kreislauf der Armut führt.
    Was ist aber mit all jenen, denen sie aufgezwungen wird? Deren Kultur seit langer Zeit intakt ist und ohne fremde Hilfe funktioniert?

    Die Bilder und Texte, die ich in den letzten Tagen gesehen und gelesen habe erzählen Geschichten aus der ganzen Welt. Peru, Indien, Botswana, Australien und Canda um nur einige zu nennen. Ich lese von offen gelebtem Rassismus und einem kulturellen Genozid, der auf erstaunlich wenig Wiederstand stösst.
    Von entwurzelten und entfremdeten Kindern, aussterbenden Kulturen und Sprachen, physischen und psychischen Gewalt, Misshandlung und sexueller und körperlichen Ausbeutung. Von einerbso hoher Sterblichkeitsraten, dass diese "Schulen" eigene Friedhöfe besitzen.

    Es klingt für mich wie Fabriken, die Kinder verschlingen, ihnen unsere westliche Kultur indoktrieren und sie orientierungslos und ohne Wurzeln wieder ausspucken. Mit einer absoluten Gleichgültigkeit, was mit ihnen nun geschehen mag. Fabriken, deren Idee es ist sie zu "nützlichen" Menschen und "braven Steuerzahlern" zu machen. In eine Form zu pressen, die unserer "modernen" Kultur entspricht. Paradoxerweise ziemlich erfolglos aber mit unglaublich traumatisierenden Folgen.
    Diese Kinder verlieren die Fähigkeiten und das Wissen, das sie zum überleben und zur Erhaltung ihrer Kultur brauchen. Weisheiten, Rituale und Handwerk gehen für immer verloren. Und auch auf ihre Lebensweise, vorallem dann, wenn sie nomadisch oder teilnomadisch aufgewachsen sind.

    Das alles geschieht nicht in der Vergangenheit sondern täglich. Nicht verdeckt die sondern offen. Mit klaren Ansagen und Zielen der jeweiligen Regierungen. Die Zahl in der Tendenz steigend. Überall auf der ganzen Welt, an Orten, an denen derzeit noch indigene Menschen leben.
    Es ist eine perfide, perverse und äusserst aggressive Form des westlichen Kolonialismus. Es lässt Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder verlieren. Es passiert still aber äusserst beständig.

    Mich hat das Thema dazu bewogen, dass ich mir nun viel mehr Gedanken mache, welche Art von Bildung ich überhaupt unterstützen möchte. Und auch, was Bildung für mich bedeutet. Dass sie enorme Macht hat und auch beeinflusst wie und mit wem wir Kommunizieren können. Sie beeinflusst auch die Art und Weise, wie und was wir Denken. Ihr liegt die Erhaltung unseres ganzen derzeitigen Systems zugrunde. Sowohl wirtschaftlich, sozialer wie auch politischer Natur. Ihr entspringt jede Freiheit und Autonomie, die wir besitzen und sie ist eine entsprechende Schlüsselposition für den globalen Wandel. Wir sollten deshalb sehr Achtsam sein, wem wir diesen Schlüssel anvertrauen...
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  • Day28

    Gedankengefängniss

    April 25 in Germany ⋅ ⛅ 13 °C

    Da ist etwas in mir, dass sich gross anfühlt, wie ein gefüllter und dennoch wolkig leichter Raum unter meiner Haut. Ich spüre eine sanfte Bewegung, ein sich umwälzen, ein wirblen und gleiten. Dieses Etwas in mir ist aufmerksam und wach, nimmt jede Schwingung, jede Veränderung im Raum und verwandelt sie in Empfindungen und Erleben, in Lebendigkeit. Mir ist fast so, als hätte ich einen Schieber entdeckt und hätte diesen in einem Moment der bewussten Wahrnehmung und Neugier nach oben geschoben. Was mag nun geschehen?

    Alles fühlt sich intensiver an. Ich spüre kontaktlose Berührung, ein wohliger Schauer der mich weckend, fast elektrisierend durchfährt. Ich fühle mich frei und wirklich. Als hätte ich ein Stück Realität entdeckt, dessen fehlen mir nur im Fühlen bewusst war. Als hätte sich mein Leben um eine Farbpalette erweitert, als wäre ich zu ungeahnten Tiefen hinabgetaucht, in der sich nun ganz neues Universum für mich erschliesst. Ein Gefühl der Sanftheit ist in mir spürbar und ganz deutlich, als hätte sich ein Nebelschleier gelegt, als hätte sich der Kontakt zu mir verfestigt und würde nun klarer und stärker fliessen. Wieviel deutlicher liegen meine Bedürfnisse nun vor mir. Ich nehme wahr, wenn ich etwas bewusst intensivierte oder unterdrücke aber auch wenn etwas mich überfordert oder überstimmuliert. Ich spüre die Freude und Herzlichkeit, welche andere Menschen umgibt, die Liebe und das Mitgefühl, das sie ausstrahlen. Es lässt mir Tränen in die Augen steigen. Nicht der Trauer, sondern der Berührtheit und der Schönheit, die ich in diesen Gaben und Geschenken verspüre.

    Auch der Weg, der noch vor mir liegt, ist für mich deutlicher zu erkennen, leuchtet fast wie ein Weg aus hellem Kieselstein in einer klaren Vollmondnacht. Es schwingt ein Ja in mir dafür, wie ich hier gerade bin.
    Ein Ja, wie ich es mein Kopf nicht erschaffen könnte, ein Ja ohne Zweifel, ein Ja das sich ganz und vollkommen anfühlt, bedingungslos ist und aus tiefstem Herzen an die Oberfäche dringt. Ich bin hier an diesem Ort, zur richtigen Zeit, mit den Themen die genau jetzt anstehen und den Menschen, die mich darin unterstützen können. Auch fühlen sich die Themen, die oft so verschüttet und schwer erscheinen, etwas leichter an. Als hätte sich der Raum gestreckt und es mir nun möglich macht, sie ausgraben und anschauen zu können. Ich fühle mich wie ein Heisslauftbalon, der noch am Boden ist, aber dessen Gewichte glockert und teilweise abgeworfen wurden, der ein Bedürfniss verspürt zu fliegen.
    Ich sehe deutlicher als sonst, dass auf meinem Weg noch einiges an Balast vorhanden ist, entdecke immer wieder neue Fragmente davon, die angeschaut, integriert, akzeptiert oder abgeworfen werden wollen, die sich bisweilen vor mir versteckt und doch belastet haben. Dass noch einiges an Trauer, Wut, Angst aber auch Freude auf meinem Weg liegt, der mich von den Teilen meiner Vergangenheit befreit, die mich fesselt und hemmt. Dass all diese Teile dazu beitragen, mich selber besser zu spüren und zu verstehen und mich darin bestärken weiter zu wachsen und zu suchen. Sie sind wie ein dunkler Spiegel, in dem ich mich, sofern ich den Mut aufbringe in anzusehen, selbst erkennen kann. Sie sind Schloss und Schlüssel zugleich.

    Mein Kopf ist die Tage ganz still und leer. Er wird für das, was ich hier tue nicht gebraucht. Wie oft war ich in seinem Bann gefangen, war seiner ununterbrochenen Strom hilflos ausgesetzt, wurde überschwemmt von Gedanken, die mir eigentlich nicht dienlich sind und Kreise drehen. Er sollte Werkzeug sein. Wie lange habe ich mich als Sklave gefühlt und nicht erkannt, dass er eigentlich Diener ist. Ich bin mir sicher, dass diese Stimme bald wieder da sein wird, sich aufschwingt und ich mich wieder mit Mühe schwimmend über einen Ozean der Gedanken bewegen werde, dass dieser Zustand der Klarheit und Leichtigkeit verblassen wird. Ich werde diese Fesseln noch oft sprengen, meine neue Rolle noch oft wiedererkennen und wieder verlieren müssen, um am Ende wirklich bei mir sein zu können. Doch nun kenne ich seinen Duft, die Farbe der Tür, die diesen Zugang ermöglicht, kenne das Gefühl und die Möglichkeit einer Welt, in der es anders ist. Ich werde mich daran erinnern. Und es immer und immer wieder versuchen. Ich bin zur Freiheit geboren. Und die Frage ist nicht ob, sondern viel eher wann ich sie mir gänzlich nehmen und erlauben werde.
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  • Day15

    Glaubenswelten

    April 12 in Germany ⋅ ❄️ 0 °C

    Glaubenssätze prägen und definierem unsere Realität. Könnten wir uns ein Leben ohne sie vorstellen? Wohl eher nicht. Wir würden durch einen Strudel der Eindrücke torkeln, in den wir nichts einordnen könnten und noch grössere Mühe hätten, darin zu agieren.
    Und doch sind unsere Vorstellungen von der Welt letztlich nichts weiter als persönliche oder kollektive Gedankenkonstrukte, die gleichwohl unser Bild von unserer Umwelt und von uns selbst in einem absoluten Mass prägen. Sie bilden unsere Realität und alles was uns antreibt und erhält. Sie schenken uns Erfüllung und Freude. Sie bieten uns Sicherheit, Klarheit und ein Bild von dem was wir sind. Gleichwohl sind sie auch unsere grössten Hemmer und inneren Zweifler, die uns Wut, Angst, Trauer und Schmerz bescheren.
    Sie beschränken uns im Raum, in dem wir zu Denken wagen, in unserem Handeln, in unserer Wahlfreiheit und der Fähigkeit mit anderen Mitwesen in Kontakt zu treten. Wenn wir anderen Wesen mit Vorurteilen und festen Bildern begegnen, so begegnen wir auch immer unserem Inneren, unseren Projektionen, unserer Glaubenswelt. Was ist also Realität? Existiert sie unabhängig von uns? Unabhängig von Interpretation?
    Glaubenssätze entfalten ihre Wirkung aber nicht nur in unserer Gedankenwelt. Sie beeinflussen auch unseren Körper und unsere Psyche. Können zutiefst destruktiv wirken und unsere physische und psychische Gesundheit gefährden. Sie können uns aber auch befreien und Dinge möglich machen, die wir als Grenze von Existenz und Leistung definieren würden.
    Gleichwohl sind Glaubenssätze keine starren Konstrukte. Wir können sie erforschen, ablegen oder integrieren.
    Ungesunde, uns einengende Glaubenssätze zu akzeptieren und zu transformieren befreit uns und gibt uns mehr Handlungsspielraum. Gesunde Glaubenssätze geben uns Kraft und Selbstbewusstsein. Sie sind wie eine Programmiersprache und wir der/die Programmierer*in. Wir können uns so als Gott/Göttin erfahren, weil es in unseren Möglichkeiten liegt unsere eigene Welt so umzumodelieren, wie es uns beliebt. Eine Fähigkeit, die uns als Spezies wohl einzigartig macht. Wenn wir dies allerdings nicht erkennen, so sind wir Sklaven. Wir sind ein wie ein Schiffspassagiere in einem tosenden Sturm und erkennen nicht, das es in unserer Hand liegt, die Wellen und den Wind zu zähmen.
    Die letzten Tage hat mich eine Neugier erfasst, meine eigenen Glaubenssätze zu erkunden. Und auch die Frage, ob etwas wie Glaubenssatz-Minimalismus möglich ist. Eine maximale Freiheit, die in Sicherheit fusst. Ich verspüre viel Lust meinen Handlungsspielraum zu erweitern und die Treibkräfte hinter den Glaubenssätzen zu erforschen. Ein Thema, das mich ganz bestimmt noch lange begleiten wird.
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  • Day6

    Veränderungen im System

    April 3 in Germany ⋅ ❄️ 0 °C

    Der heutige Tag beginnt mit einer unglaublichen Fülle. Wir sitzen vor der Villa und der Himmel über uns gleicht einer leuchtenden, hellblauen Leinwand aus Krepppapier. Es ist einer jener Tage im Frühling oder Herbst, die ich über alles liebe. Ein leichter frischer Wind streicht über meine Haut während mich die Sonnen warm hält. Ein Tag an dem ich weder schwitze noch friere, sondern sich die Temperatur genau so einpendelt hat, dass ich versucht bin stundenlang faul draussen herumzuliegen und Sonnenlicht aufzutanken. Vor uns steht ein massives Stück eines wunderbar verzweigten Baumstumpfs auf dessen Flächen sich all die leckeren Speisen unseres Osterbrunchs präsentieren. Es gibt selbstgemachten Schokoladen- und Linsenaufstrich, frischer Apfelkuchen, aufgebackene Brötchen, Gemüseeintopf, gebratene Bananen und bunten Ostereiern. Das meiste davon wurde aus Containern gerettet. Die Stimmung gleicht dem Wetter und ist leicht und fröhlich. Gleichsam ist eine Achtsamkeit, Demut und Dankbarkeit für all die tollen Speisen und diesen einmaligen Ort zu verspüren.

    Karim sitzt neben mir. Er hat Politik-
    wissenschaften und Psychologie studiert und beschäftig sich oft und gerne mit Systemen und deren Veränderungsprozessen.
    Er beschreibt ein Modell über zwei Systeme, welche die Welt definieren, durch die wir uns bewegen.

    Zum einen das kulturelle System, das unsere direkte Umgebung widerspiegelt. Der Ort, die Menschen um uns, unsere Erziehung, unsere Erfahrungen, unser Umgang miteinander und mit uns selbst. Hier finden sich auch Glaubenssätze und Erwartungen wieder wie wir zu leben haben. Hier definiert sich, was sich geziemt und was nicht. Die "Spiele" die wir miteinander spielen, die Rollen und Masken, die wir tragen. Unser Verhalten und das unserer Verhalten der Umwelt auf uns. Es sind jene Dinge, zu welchen wir durch Achtsamkeit Zugriff erhalten und die wir direkt verändern können. Oder zumindest unsere Reaktion auf die äusseren Reize.
    Wir können sie durch eigene Entscheide massgeblich verändern.

    Daneben existiert das strukturelle System. Es liegt eine Ebene höher und umfasst den gesellschaftlichen und politischen Überwurf. Also z.B. den Zugang zu Ressourcen wie Bildung oder Privilegien wie Wahlrecht oder Privatbesitz. Es definiert die "Spielregeln" und auch wer bevorteilt oder benachteiligt wird. Missstände die darin auftauchen sind zumeist schwieriger zu erkennen, da dieses System eher träge ist und sich nur langsam wandelt. Vieles ist gewohnt und wird deshalb seltener hinterfragt.
    Das strukturelle System umfasst in gewisser Weide auch unser Denken und unsere Herangehensweise an Dinge und gibt vor wie Wirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen, Politik, Religion und Arbeit aufgebaut und zu verstehen sind.
    Dieses System kann von einer Einzelperson zwar in Frage gestellt aber zumeist nicht umgestossen werden. Es sind de Machtträgerinnen und die Gesellschaft als ganzes, die sie definieren.

    Im kulturellen System rückt die Perspektiven jedes einzelnen Individiums stark ins Zentrum, während sich das strukturelle System sich auf historische Werte, Gesetze und Glaubenskonzepte stützt, die in der Mehrheit der Gesellschaft tief verankert sind. Es ist eine Art oberflächliches Puzzle, das sich aus den Einzelperspektiven bestehender und vergangener Generationen zusammensetzt.

    Viele Organisationen, die sich dem Systemwandel verschreiben, beziehen sich zumeist auf eine dieser Ebenen um ihre Ziele zu erreichen. So ist der Klimastreik primär an einer Änderung des strukturelle Systems interessiert. Also der Veränderung des Spielfeldes auf dem wir uns bewegen dürfen. Dies umfasst vorwiegend die politischen Ebene (Steuern, Gesetze usw.) während andere Organisationen wie z. B. Extinktion Rebellion ihren Fokus auf kulturelle Systeme legt, in dem wir unseren Umgang miteinander und mit unserer Umwelt verändern wollen.

    Entsprechend haben solcherlei Organisationen zwar dasselbe übergeordnete Ziel unterscheiden sich aber erheblich im Weg zur Lösung und der Art wie sie ein Problem angehen und an welcher Stelle sie das derzeitige Scheitern überhaupt erkennen.
    Es stellt sich nun die Frage welcher dieser Wege fruchtbarer ist. Verlangsamt sich der Prozess nicht ungemein wenn wir Veränderung vorwiegend in unser direkten Umgebung vorantreiben bevor wir die wirklich grossen Hebel der Politik in Bewegung setzten? Dauert eine Kuluränderung letztenendes nicht zu lange bei derart dringlichen Problemen?

    Oder auch umgekehrt: Was bringt es die Oberfäche eines Systems zu verändern, wenn ihr Innenleben noch auf den alten Struktur und Denkmustern beruht? Wäre es nicht neuer Wein in alten Schläuchen? Ein neues Bühnenbild mit alten Requisiten? Wunden, die mit einer dünnen neuen Haut überzogen wurden und nach kurzer Zeit erneut wieder aufzuplatzen drohen?

    Vor vielen Jahren habe ich meinem Lehrmeister Peter eine sehr ähnliche Frage gestellt. Damals hatte ich festgestellt, dass Systeme immer an ähnlichen Mustern scheitern. Ich hatte ihn also gefragt, was sich eigentlich Verändern muss, wenn wir ein gerechtes System erschaffen wollen, das zugleich nicht wieder in alte Muster verfällt. Peter hatte damals eine klare Meinung dazu: Es sind die Menschen, die sich ändern müssen.

    Was aber wenn wir einen Schritt zurückgehen. Wenn unsere Frage nicht primär darauf zielt, wie ein neues System aussehen könnte, sondern eher die Gründe zuerforscht, weshalb solche Muster auftreten und was für Bedürfnisse sich hinter Ängsten, Projektionen und Misstrauen verstecken. Was sind denn die Gründe unter der Oberfläche, welche uns und unsere Umwelt unglücklich und krank machen und zu den gegebenen Ungleichheiten führen. Es sind also viel eher Fragen der emotionalen und sozialen Natur, als jener der Mechanik.

    Ein weiterer möglicher Weg führt darüber, sich vor den Gedanken lösen, dass eine Utopie eine feste Gestalt haben muss. Gedanken und Ziele, die vor wenigen Jahrzehnten noch Utopien waren, sind heute Realität. Eine Realität, die gerade kippt. Die ersehnte neue Welt hat uns nicht ins ersehnte Paradies sondern eine Reihe von neuen Herausforderungen mit sich gebracht. Es wäre also gesünder und realistischer Veränderungen als fortwährender Prozess zu verstehen, als Wegrichtung aber nicht als festen Zielpunkt.
    Als Leuchtsterne können uns dafür Werte und Lebensinn eine Orientierung bieten. Sie verhindern, dass wir uns in einer Trennung über das "wie" verirren und führen zu Integration statt zu Separation. Es macht es auch für andere Menschen erheblich einfacher ihre Verhalten zu verändern, wenn sie erkennen, dass ihre derzeitige Handlungsweise ihrer ehemaligen Intension nicht mehr dienlich ist. Wir können uns über diesen Weg auch mit Menschen verbinden, die uns auf den ersten Blick sehr entfernt erscheinen. Er ist konstruktiv und nicht destruktiv, wie viele derzeitige Strategien.

    Gerade beim Thema Corona ist diese Polarisierung des "wie handeln müssen" sehr stark zu spüren. Wir übersehen dabei, das beide Lager ein ähnliches Ziel und damit verbunden eine ähnlich Intension verfolgen. Mit einem Dialog der auf diesen Gemeinsamkeiten fusst, wäre eine Lösung, die alle tragen können, um einiges denkbarer als mit dem momentanen Kurs der Diffamierung, der polarisiert und separiert.

    Und genau in dieser Weise, sollten wir auch andere globale Krisen, wie z. B. den Klimawandel oder die Globalisierung angehen, die bisweilen nur klare Gewinner/innen und Verlierer/innen kennt. Ich bin zutiefst überzeugt, das jeder Mensch Werte und Überzeugen pflegt, die ich und wir allw unterstützen können. Es ist am Ende nur die Frage des "wie", die wir anders beantworten.
    Ist es nicht augenscheinlich, dass ein Mensch, der sein Leben damit verbracht hat zu etwas beizutragen, von dem er sich eine bessere Welt erhofft hat, mit starkem Wiederstand reagiert, wenn wir ihm vorwerfen er habe damit unsere Existenz bedroht?

    Wäre es auch vielleicht auch ein Ansatz mehr im Jetzt statt in der Zukunft zu leben? Dann würden ich nicht irgendwann in einem Alptraum aufzuwachen und festzustellen das meine langfristigen Mühen und Leiden ins Gegenteil geführt haben. Wir könnten einfacher alte nicht mehr zeitgemässe Muster aufgeben und sie in neue konstruktive Handlungen transformieren.
    Eine bessere Welt würde schon heute entstehen, wenn wir die Vorstellung aufgeben, dass morgen das Paradies da sein könnte.

    Dank Karim habe ich heute viele Einsichten gewonnen, die ich in meinem zukünftigen Wirken als Aktivist, in der Politik, vorallem aber in Umgang mit Menschen und mir selber weiterhelfen können. Und ich hoffe ganz stark, dass auch die nächsten Tage, Wochen und Jahre immer solcherlei Impulse für mich bereithalten mögen.
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  • Day2

    Klettern am Oberjoch mit Manuel & Lisa

    May 31, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 13 °C

    Gemütlicher Start in den Tag: unser toller Stellplatz mit Blick auf den Rottachsee auf der einen Seite und die Allgäuer Alpen auf der anderen war super!

    Nach dem Frühstück ging es dann zum Klettergebiet, bei Hindelang. Wir stoppten vorher noch vergeblich bei zunächst einem Camping in Wertach, um Wasser aufzufüllen und dann nochmals mit mehr Erfolg bei Camping Waldesruh. Nach etwas Grunmeln durften wir für 2 EUR unseren Tank auffüllen. Leider war die Einrichtung nicht auf uns ausgelegt und das Auffüllen war mühsam: aber besser jetzt voll, als später immer Sorgen haben!

    Dann ging es mit Manuel und Lisa mit Vizent an den Fels. Zunächst stand aber noch eine kleine Wanderung an, da der Kletterparkplatz zu voll war und wir woanders parkten.

    Tolles Gebiet und jeder kletterte 4-5 Routen!
    Danach zurück zum Rottachsee - kurzes Bad in eisigen Fluten und dann Barbecue.

    Jetzt sind wir zurück auf dem Stellplatz von gestern, müde aber zufrieden...
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  • Day21

    Hausmeister Weickert

    August 4, 2017 in Germany ⋅ 🌙 18 °C

    Der Tag geht bescheiden los. Die Kette am Fahrrad reißt und die Kühe sind in totaler Dunkelheit verschollen. Nun ja nicht jede Morgenstund hat Gold im Mund. Bisher aber verhältnismässig gesehen die meisten der frühen Morgenstunden :)

    Aber der Tag hat dann doch auch noch einige gute Seiten zu bieten. Die Zimmer von Linus und Lenia sollen nun bald fertig werden und da das Laminat noch nicht fertig verlegt ist, mache ich mich noch daran, die Zimmer fertig abzuschließen.

    Das erste Mal Laminat verlegt und dann gleich 2 Zimmer :) auch wieder etwas neues dazu gelernt.

    Doch nach der Arbeit, ist.vor der Arbeit. Beim letzten Sturm ist ein dicker Ast in den Hühnerstall gefallen und hat das Dach teilweise zerstört. Am Abend heissts noch neue Ziegel drauf aufs Dach, damit es bei den Hühnern trocken bleibt. Bis in die Dunkelheit hinein verlegen wir noch ein paar neue alte Ziegel, um die Sturmschäden zu beseitigen.

    Ansonsten fülle ich meine Zeit immer wieder mal mit anderen Kleinprojekten die so anfallen. Eines der grösseren Aufgaben ist die Werkstatt neu zu organisieren. Aber auch das ist nach ein paar Stunden Arbeit gelungen...

    Sonst sind es auch mal ein paar Reparaturen und Kleinigkeiten, die einem das Alltagsleben erleichtern sollen. Hier gibt es jede Menge abwechslungsreiche Aufgaben. Sei es im Garten, mit den Tieren oder allgemein am Hof. Es gibt einfach immer was zu tun. :)
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  • Day3

    Leben oder gelebt werden?

    March 31 in Germany ⋅ ☀️ 13 °C

    Die fünf Tage Quarantäne, die ich hier im Zimmer, während draussen bestes Wetter herrscht, verbringen darf, sind bisweilen gar nicht so schlimm. In mir ist für einmal das Gefühl abhanden gekommen etwas "produktives" mit dem Tag tun zu müssen. Da ich weder raus darf, noch mit anderen Menschen direkt in Kontakt treten kann, sind meine Erwartungen an mich selber plötzlich komplett weg. Das ist so paradox es auch klingen mag auch sehr befreiend. Unsere Céline von der Wanderuni hat letztes Jahr die Erfahrung von "ich muss gar nichts" gemacht und vielleicht ganz ähnlich empfunden wie ich jetzt gerade.

    Ich bin noch etwas müde weil es gestern irgendwie doch spät geworden ist. Die "Game of Thrones" Hörbücher sind wohl nicht die beste Nachtlektüre... Es stresst mich kein bisschen und spielt auch keine Rolle. Wenn ich schlafen möchte, kann ich das schliesslich jederzeit tun.
    Mein Hungergefühl ist in den letzten Tagen etwas abhanden gekommen. Ich bin immer wieder am snacken und habe nur Abends eine feste grosse Mahlzeit. Erdnüsse, Karotten, Äpfel, Brot mit Aufstrich, Kekse oder Schokolade in einem wilden durcheinander. Ich bin mir derweil aber noch unsicher, ob ich die nächsten Tage so weitermachen möchte. Wohl eher nicht.

    Gleichzeitig sind diese fünf Tage, in denen ich mich nur mit mir selber beschäftigen kann, irgendwie auch ein spannender Übergangs in diese neue Zeit. Ich freue mich schon sehr darauf am Samstag (sofern alles gut läuft) in die Villa Damai einziehen zu können. In ein Trubel von zwanzig jungen Menschen, die sich derweil mit ganz ähnlichen Themen beschäftigen.

    Ist es nicht ein riesiges Privileg sich einfach die Zeit nehmen zu können, das zu tun was man wirklich will? Nur ein sehr kleiner Anteil der Menschen auf dieser Welt können diese Wahl treffen. Und von jenen, die könnten, tuen es die wenigsten.
    Wieso eigentlich? Bin ich mutiger? Oder naiver?
    Bleibt die Mehrheit in ihrer Struktur weil sie es so will oder weil sie bereits zum Sklave der Gewohnheit geworden ist?

    Diese Frage habe ich mir die letzten Jahre oft gestellt. Sie war auch mit viel Unsicherheit verbunden, wie ich selbst reagieren würde, wenn es dann wirklich konkret wird. Ich hatte in dieser Zeit einige Begegnungen mit Menschen, bei welchen ich diesen Funken der Neugier und der Sehnsucht, gewohnte Strukturen hinter sich zu lassen, auch gespürt habe. Bei einigen, bei welchen dies sehr stark gezeigt hatte, hat sich daraus tatsächlich eine Art Feuer entwickelt und sie sind schliesslich aufgebrochen. Sie konnten nicht anders. Bei andern erlosch der Funke kurz darauf wieder. Umstände kamen dazwischen: Der/die Partner*in, eigene Kinder, der Job oder die eigen Ansprüche an Konfort oder Status. Es gibt viele rationale Gründe es nicht zu tun. Es ist bis zu einem gewissen Grad total unvernünftig und unsicher. Ängste spielen nicht selten eine grosse Rolle. Oder auch der Verlust von Sinnhaftigkeit, der sich einstellt, wenn sich jemand stark mit seinem Beruf identifiziert oder die eigene Arbeitsleistung und den Selbstwert stark verknüpft hat. Solcherlei Erfahrungen können Verbindungen aufzeigen, die manchmal überraschen.

    Aber bleiben wir mal realistisch. Vieles vom oben genannten geht nicht verloren, auch wenn wir uns für einen anderen Weg entscheiden sollten. Wir müssen einfach eine andere Struktur dafür finden. Der Weg wird vielleicht unsicherer aber nicht unpassierbar. Man könnte auch behaupten, dass das was da "passiert" und unsicher ist, genau das ist, was wir als letztlich Leben oder Lebendigkeit wahrnehmen und uns nährt in einem tieferen Sinne nährt.
    Ist uns Sicherheit und Kontrolle so wichtig, dass wir dafür sogar unsere innersten Wünsche und Träumen aufgeben, weil sie uns kindisch und naiv erscheinen? Dass wir dafür sogar bereit ein Teil unserer Lebendigkeit eintauschen?

    Ein Stück weit nehme ich dies so wahr. So wurde Isolde aus unserer Wanderunigruppe (Sie ist 19!) tatsächlich gefragt ob sie sich denn noch keine Gedanken über ihre Rente mache. Bei ihr stand gerade die Entscheidung an ihre Ausbildung abzubrechen, weil diese für sie nicht stimmig war. Wieviele Menschen leben(?) mit dem Vorsatz: "Wenn ich dann in Rente bin..."
    Sind denn Erfahrungen und lebendige Erinnerungen und Geschichten nicht auch eine art Vorsorge in die es sich zu "investieren" lohnt?
    Wenn uns unser Leben wie ein täglicher Kampf erscheint, dann sollten wir uns vielleicht fragen, ob nicht wir uns diesen selbst aufzwingen. Ob wir damit nicht fremde Erwartungen erfüllen statt unsere eigenen Bedürfnisse.

    Es ist vergleichbar mit dem Schwimmen in einem Fluss. Schwimmen wir der Strömung entgegen, können wir uns der Landschafts um uns herum sicher sein. Sie wird Tag für Tag gleich aussehen. Und vielleicht ist sie auch ganz hübsch. Das Schwimmen für sich aber ist verdammt anstrengend.
    Lassen wir uns hingegen vom Fluss treiben so werden wir verschiedene Landschaften erleben. Solche die mit ihrer Schönheit und Anmut beglücken, aber auch solche die uns schmerzt und Angst machen wird. Doch genau dadurch setzten wir auch einen Kontrast zum Glück und zur Schönheit. Damit werden wir beides intensiver wahrnehmen und fühlen können. Und wie ich aus persönlicher Erfahrung weiss: Nur fühlen heisst Leben.

    In diesem Gleichnis zeigt sich aber noch ein weiterer wichtiger Punkt. Nicht nur die Landschafts verwandelt sich, wenn wir uns mit dem Fluss treiben lassen, sondern auch wir verwandeln uns dabei.

    Wir durchlaufen eine Metamorphose in der wir ähnlich einer Raupe mit vielen Möglichkeiten und Potential starten. Unterwegs stellen wir uns unseren Ängsten und Mustern, die uns wie ein Kokon einschnüren und uns unserer wahren Freiheit berauben. Jedes Mal wenn wir in einer solchen Situation Selbstverantwortung übernehmen anstatt uns als Spielball des Zufalls zu sehen, gewinnen wir ein Stück Form. Um zum Schluss als vollendete Gestalt, als eine feste Manifestation aus den unzähligen Formen die möglich gewesen wären, herauszubrechen. Welche Verschwendung nach innen und aussen wäre es also als Raupe zu sterben aus Angst, bei der Suche nach der Form verloren zu gehen?

    Richtige Raupen haben zum Glück keine Wahl. Sie werden immer zum Schmetterling. Uns aber obliegt die Verantwortung diesen Schritt bewusst und willentlich zu tun. Ob das Fluch oder ein Segen ist, dass entscheiden wir letztlich selber.
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  • Day8

    Rottachsee Fest 25 Jahre

    July 22, 2017 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Linus und ich haben heute Grosses vor. Manuela ist beim Rottachseefest mit eingebunden und ich bin somit heute der Kindersitter für Linus. Es gibt einiges zu sehen.

    Unter anderem probieren wir uns im Armbrustschiessen, Luftgewehrschiessen, schauen uns den Schueberturm an, Gondeln mit dem Segelboot und Tretboot über den Stausee und drehen schließlich noch eine Runde mit dem Stand up paddle board.

    Wir haben beide eine tollen Tag zusammen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Nach all den Aktivitäten geht's dann für uns noch zum Pferdereiten und dann fahren wir auch erst einmal heim, alles wieder verräumen.

    Peter und ich schauen noch einmal zum Konzert und essen noch einen Snack. Da wir aber beide völlig kaputt sind, fahren wir dann nach kurzer Zeit sich wieder heim.

    Schön wars.
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  • Day6

    Kreuzkraut stechen/Besuch aus der Heimat

    July 20, 2017 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Heute ist ein grandioser Tag. Ein Freund aus meiner Heimat hat sich angekündigt und kommt nun von seiner Osteuropareise hier im Allgäu vorbei.

    Aber zunächst einmal steht wieder etwas unangenehmere Arbeit auf dem Plan. Nach dem Melken geht's dann direkt auf die Wiese. Wieder einmal Kreuzkraut stechen. Dies ist eine etwas undankbare Arbeit, welche ziemlich ins Kreuz geht, da man die ganze Zeit gebückt umher läuft und versucht dieses giftige Kraut bei der Wurzel zu packen, was nicht immer gelingt.

    Nun kann ich aber verstehen, warum die Menschen von früher oftmals einen krummen Rücken hatten. Viele Arbeiten haben am Boden stattgefunden. Säen, Unkraut zupfen, ernten...alles wurde früher am Boden erledigt, ohne Maschinen.

    Am Nachmittag kommt dann auch schon Saune vorbei und ist gleich frohen Mutes mit anzupacken. Er schmeißt sich nach einem kurzen "Hallo" auch gleich in Stallkleidung und macht sich mit an die Arbeit.

    Zunächst einmal heisst es Scheiße schieben. Die Kühe hinterlassen doch immer wieder eine Menge Dreck und es ist auch echt ne Menge Arbeit diesem Herr zu werden. Mindestens 2 mal am Tag Spalten schieben ist Pflichtprogramm.

    Ich bin natürlich äußerst froh, Unterstützung zu haben und freue mich auch einem Freund etwas vom Bauernhandwerrk zeigen zu können.

    Nach dem Reinigen wird alles im Melkstand vorbereitet und auch da macht David eine gute Figur. Wir schmeißen zusammen den Melkstand und den Stall. Alles läuft wie am Schnürchen.

    Danach gibt's Abendessen und noch ein alkoholfreies Bierchen zum Feierabend. Zum Wohl und auf einen weiteren erfolgreichen Arbeitstag.
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Sulzberg, Markt