Iran
Isfahan

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50 travelers at this place:

  • Day7

    Sidi lass die Hosen runter

    March 3, 2019 in Iran ⋅ ☀️ 10 °C

    Ich reise also weiter nach Isfahan. Ohne Sue. Ohne Freunde. Alleine. Und das ist gut so. Um mit anderen und der Welt klarzukommen, ist es hilfreich bis essentiell, mit sich selber klarzukommen. Und die Zeit mit sich alleine ist der beste Übungsraum. Natürlich vermisse ich die schöne Sue an jedem Tag, schliesslich gehören wir zusammen. Ich weiss, jöööö. Und zusammen werden wir auch schon bald wieder sein. Bis es soweit ist, macht der Bus auf der sechsstündigen Fahrt nach Isfahan eine kurze Pinkel-Pause und ich realisiere plötzlich, dass es sich bei den Iranern ja auch um ein Volk von Stehscheissern und Arschduschern handelt. Hatte das Hostel in Teheran noch Schüsseln und Klopapier zu bieten, sieht das die Raststätte etwas anders. Also ganz anders. Und ich hatte mich hier schon sicher gefühlt. Aber egal, seit Myanmar kann ich ja mit so ziemlich allem umgehen. Ausser mit Kritik. Die hasse ich immer noch. Auch konstruktive.

    Der Empfang im Nargol Guest House ist unerwartet crazy. Es ist Freitag und somit „Family-Sonntag“ und man feiert ausserdem Muttertag und irgendein Hochzeitsjubiläum. Forouzan drückt mir als erstes ein Stück Torte in die Hand, setzt mich in die Familienrunde und zwingt die eben aufgestandene Band noch eine Stunde dran zu hängen. Ich bin der einzige Gast hier - es ist quasi „off-off-off-season“ - und als Folge werde ich von der Familie kurzerhand adoptiert. Die Menschen sind unheimlich liebenswert und zugänglich. Weit entfernt vom Bild, welches uns aufgrund der aussenpolitischen Schwierigkeiten und dem rigiden Regime in den Medien vermittelt wird. Ich erlebe die herzliche Gastfreundschaft und Offenheit, von der ich so viel gelesen habe. Das islamische Regime geniesst kaum Support von der breiten Bevölkerung - was dieses mit eiserner Faust zu kompensieren weiss - und die auferlegten Regeln und religiösen Vorgaben gehen einer grossen Mehrheit mächtig auf den Sack. Als Folge gibt es hierzulande zwei diametrale Welten: das öffentliche und das private Leben. Veränderung ist nur spärlich zu erkennen. Viele die können, gehen ins Ausland. Da es hier - wie so vieles anderes - auch keine Discos, Clubs oder Bars gibt, wird eben im Auto zu Selena Gomez getanzt. Und kaum ist die Haustür zu, fliegt das Kopftuch in die Ecke und der Spass beginnt. Aufgrund des fehlenden Alkohols besteht der Spass allerdings eher aus einer Mischung von Kindergeburtstag mit mir bis dato unbekannten Spielen und Zitar-Karaoke. Ich bringe der Runde ausserdem „Hose abe“ bei. Gar nicht einfach den Namen zu erklären, ohne irgendwelche mir unbekannten Tabus zu brechen. Zumindest denke ich das. Aber wir befinden uns in der privaten Welt und da findet Iran das so lustig, dass ich ab sofort alle zwei Minuten die Aufforderung „Hose abe“ höre. Man kann tatsächlich auch ohne Alkohol lustig sein. Also die anderen. Ich will einfach gewinnen.

    Die Familie lädt mich zum Lunch im äusserst schönen Elternhaus ein, wo mich die Mutter mit einem lauten „Hose abe“ und schallendem Lachen empfängt. Das lustige Schweizer Kartenspiel hat sich also bereits herumgesprochen. Gegessen wird am Boden sitzend, was wie Yoga offensichtlich nicht zu meinen Stärken zählt. Wie schon der olle Jogi in Indien, empfiehlt man mir hier freundlich, mich doch an den Tisch nebenan zu setzen. Aber das hier ist anders und ich bleibe sitzen. Trotz steifen Knien. Das Essen ist total lecker und auf einmal steht da eine Flasche Cognac. Echt jetzt?! Der Herr des Hauses liebt das Zeugs und so gönnen wir uns ein Gläschen nach dem anderen. Zum Lunch. Verdammt, ich hatte mich doch auf einen Monat „Trockenheit“ eingestellt. Egal, der alte Mann - ein an den Rollstuhl gebundener Kriegs-Veteran - riskiert dafür Gefängnis. Grund genug mit den eigenen Vorgaben zu brechen und zum Schluss bin ich sogar so beschwipst, dass ich bei der anschliessenden Tee- und Musik-Runde ein Schweizer Liedchen zum Besten gebe. Und was würde da melodisch besser passen als „Dr Sidi Abdel Assar“ von Mani Matter? Genau, dem Baschi sein „Bring en hei“. Schau Video. Danach lege ich mich mit der ganzen Familie und warm eingepackt auf den flauschigen Teppichboden und wir machen ein Ausnüchterungs-Schläfchen bis spät in den Nachmittag. Das Leben kann so schön sein. Auch hier.

    Was täglich auffällt, ist der enorme Wertzerfall des iranischen Rials. Mit der Metro quer durch Teheran kostet mich lediglich sieben(!) Rappen, dreissig Minuten im Taxi quer durch Isfahan sechzig(!) Rappen. Diverse Snacks, Getränke und Tee für fünf Leute deutlich weniger als ein einfacher Kaffee im Starbucks am Stauffacher. Ein Paradies für Backpacker, eine Katastrophe für die international bereits stark isolierte iranische Bevölkerung. Neben den ganzen religiös-kulturellen Regeln, bietet das sogenannte Taarof eine Reihe weiterer Fettnäpfchen. Taarof ist eine zeremonielle Unaufrichtigkeit, bei der ein Angebot erst drei Mal dankend abgelehnt wird, bevor man es annimmt. So ein Sheldon-Ding. Mich verwirrt das trotzdem massiv und ich bin mir nie wirklich sicher, ob ich etwas bereits annehmen darf und ob ich schon oft genug gefragt habe, ob jemand das letzte Stück Torte will, bevor ich es mir genüsslich zwischen die Kiemen schiebe. Aber egal, ich bin Touri, habe im Vergleich sau viel Geld und wohl unlimitierten Kredit. Wenn das doch nur in allen Beziehungen so einfach wäre. Das Leben könnte so schön sein. Nicht nur hier.
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  • Day160

    Tag 160 - Isfahan

    December 21, 2019 in Iran ⋅ ☀️ 8 °C

    105 km / 5695 km - 5 / 566 Stunden

    Ausgaben:

    0 € / 162,1 € Transport (Fähre, etc.)
    2,5 € / 1255,5 € Lebensmittel
    0 € / 938,5 € Unterkunft
    0 € / 262,1 € Eintrittspreise
    0 € / 164 € Anschaffungen
    0 € / 89,5 € Ersatzteile
    0 € / 52 € Visum

    2,5 € / 3053,2 € Gesamt

    Über 100 Kilometer liegen heute vor mir. Aber die Strecke ist flach und es ist nur sinnvoll, alles an einem Tag zu fahren. Auch wollte ich abends bei Sina ankommen.
    Dennoch stehe ich recht spät auf für meinen Plan. Nicht dass mein Wecker nicht pünktlich um acht klingeln wollte, ich ihn aber ausgestellt habe, weil ich ohnehin schon vorher wach war.
    Nein, es war unter dem Korsi einfach zu schön, um ihn zu verlassen. Außerdem hatte der Wein trotz seiner geringen Menge mir recht beträchtliche Kopfschmerzen beschert. Nun, keine unangenehmen, aber dennoch genug, um die Motivation etwas zu schmälern.
    So liege ich faul herum und versuche langsam hoch zu fahren.

    Halb elf bin ich dann soweit für den Abflug.
    Vorräte habe ich zwar noch immer keine, denke aber, dass es entweder bis nach Isfahan reichen wird, oder ich mir unterwegs in einem der vielen Läden etwas kaufen kann.
    Leider aber haben die meisten hauptsächlich Süßkram im Angebot. Das in vielen Varianten und großen Mengen. Aber nichts für die alltägliche Versorgung, oder gar, was man als Ernährung bezeichnen kann.
    So begnüge ich mich heute wieder mit meinem verbliebenen Obst und den Keksen.

    Bis nach Isfahan sollte die Strecke laut meiner Karte eigentlich flach sein, oder gar absteigend. Aber die Realität sah wieder anders aus. Viele Anstiege lagen vor mir. Steile, wie auch gemächliche. Tendenziell mag es vielleicht bergab gegangen sein. Aber so zog sich die Strecke.
    Die unzureichende Ernährung quittierte mein Organismus auch mit entsprechendem Elan.

    Ich habe sehr viel Glück, dass mich immer wieder Leute anhalten und mir Obst, nette Gespräche, oder einfach nur eine angenehme Gesellschaft bieten.
    Ein Mann bleibt mir besonders in Erinnerung. Er steigt freudig aus seinem Auto und erwartet mich. Doch ich begrüße ihn nur und fahre weiter. Schon wenige Meter bereue ich es und bin traurig über mein Verhalten. Mehr noch, dass ich in diesem Moment, in dem ich mein Fehlverhalten realisiere, nicht doch noch anhalte. Ich hätte so viel Freude in das Leben eines anderen bringen können. Doch ich entscheide mich dazu, Enttäuschung zu verbreiten. Sehr lange denke ich darüber nach. Und es wird mich begleiten. Ich bin enttäuscht über mich selbst.

    Ich versuche den Gedanken so gut es geht abzuschütteln.
    Das geht trotz des dichten Verkehrs eher schlecht, als recht. Tendenziell ist der Verkehr in Isfahan angenehmer, als alle Städte zuvor. Ob das am Breitengrad liegt, weiß ich nicht. Ich hoffe aber, dass es sich so weiter entwickeln wird.

    Gegen drei Uhr schon erreiche ich Sina. Die Psyche spielt einem auf monotonen Strecken einiges vor. Trotz Musik, oder Hörbüchern kommt einem der Weg unendlich lang vor und auch die Zeit. Wenn ich jetzt noch bedenke, dass mir die Geschwindigkeit bewusst hoch vorkommt, stelle ich fest, dass sich die Physik in meinem Unterbewusstsein manifestiert hat.

    Die Familie und Freude werden gegen acht Uhr erwartet. Nahezu alles ist schon vorbereitet.
    So gehen Sina und ich noch in sein liebstes Bad.
    Es mag das kleinste sein, dass mir bisher untergekommen ist, aber es hat alles, was man braucht.
    Ein Schwimmbecken, einen sehr heißen Whirlpool und eine Sauna. Erstaunlich auch die Sauberkeit.
    Es kommen interessierte Gespräche mit anderen Badegästen auf. Sina übersetzt.
    Doch den meisten Spaß hat man, wenn man sein inneres Kind heraus lässt und mit den anderen Wasserball spielt. So fühle ich mich psychisch langsam wieder besser und gewinne die Achtung vor mir selbst zurück. Meine Unart gerät langsam in die Schublade mit den abgearbeiteten Dingen.

    Der restliche Abend ist großartig. Die gesamte Familie und Freunde freuen sich über meine Anwesenheit. Es gibt reichlich tolles Essen und viele Geschichten auszutauschen. Auch Dinge, die man im Iran als unüblich betrachten würde, finden sich. So bringt jeder etwas mit, um den Abend zu füllen, oder damit alles der Tradition von Yalda gerecht wird.
    Am schönsten finde ich die herrlich verzierte Melone. Das Wahrzeichen Yaldas.

    Einer der besten Freunde Sinas lädt mich für den nächsten Tag zu sich auf seine Tomatenfarm ein.
    Ich finde diese Möglichkeit eine wilkomme Abwechslung zum Alltag im Reisen. Zuerst noch hin und her gerissen, ob sich Sina nicht zurückgesetzt fühlt, sagt er mir dann, dass das absolut in Ordnung ist und ich die Möglichkeit ergreifen soll. Wir würden uns die Tage noch sehen und auch wieder in Bandar Abbas.
    So nehme ich die Einladung an und fahre mit Kaveh und seiner Frau Mina nach Hause. Ich habe mir schließlich vor wenigen Stunden gesagt, dass ich zu mehr Möglichkeiten ja sagen soll, um nichts mehr zu verpassen.

    Song des Tages
    Flirtin‘ with Disaster - Molly Hatchet
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  • Day158

    Taz 158 - Barzok

    December 19, 2019 in Iran ⋅ ☀️ 4 °C

    65 km / 5510 km - 6 / 556 Stunden

    Ausgaben:

    0 € / 162,1 € Transport (Fähre, etc.)
    0,5 € / 1253 € Lebensmittel
    3,5 € / 938,5 € Unterkunft
    0 € / 262,1 € Eintrittspreise
    0 € / 164 € Anschaffungen
    0 € / 89,5 € Ersatzteile
    0 € / 52 € Visum

    4 € / 3050,7 € Gesamt

    Pünktlich zum Klingeln des Weckers ist die Sonne in meinem Zimmer. Ja, heute ist der Tag meiner Abreise aus Kashan. Der Kosmos hat gewählt und zeigt es mir.
    Aber damit steht auch wieder ein weiterer Abschied bevor.
    Es war sehr schön hier und Narges und Ramin mit ihren Freunden und Familie eine tolle Gesellschaft gewesen. So genieße ich noch das Frühstück in vollen Zügen und breche dann gut gestärkt und bestens gelaunt auf Richtung Berge.

    Meine Route bringt mich wieder vorbei an Fin-Garten und auf die Schnellstraße.
    Plötzlich endet diese auf der Autobahn und es gibt nur einen anderen Weg in die Berge. Und zwar wieder zurück durch die ganze Stadt und mit 15 Kilometern Umweg.
    Ich halte direkt auf die Mautstation zu und frage, ob ich einfach das kleine Stück mit dem Fahrrad fahren könnte. Mit der gestikulierten Antwort, dass das klar geht, fühle ich mich nach Albanien zurück versetzt. Hinter der Station steht ein Streifenwagen der Polizei. Auch ihn frage ich. Erschreckt guckt er vom Telefon auf. Gut, scheinbar scheint sich hier niemand dafür zu interessieren. Ich nutze die Gunst der Stunde und fahre zum Abzweig in die Berge.

    Nach sechs Kilometern wird es ruhiger und der Verkehr nimmt ab.
    Aber die Straße bleibt gut. So lässt es sich bequem in die Berge hoch schieben. Die Landschaft ist wunderschön und so genieße ich den Tag in vollen Zügen.

    Aber ich muss ausblenden, was verkehrstechnisch um mich herum geschieht.
    Bis ich die Kuppe erreiche, bin ich, zum Glück nur fast, die Ursache von mindestens sechs Unfällen. Jeder guckt nur auf mich und nicht auf den umgebenden Verkehr. Egal, ob ich stehe, oder fahre. Überall kommen die Leute nur mit wenig Abstand ohne Unfall davon.

    Einmal hätte es um Haaresbreite mich erwischt.
    Ich gucke in genau dem Moment nach hinten, als ein Auto mit sicher weniger als einem Meter hinter mir ist und ein anderes neben jenem. Was war passiert? Natürlich guckt man sich nicht um, wenn man gleich vor hat zu überholen! Man guckt den Radfahrer wie ein Schaf an und fährt dann raus.
    Huch! Doch nicht. Es ist ja jemand neben mir.
    Was bleibt ist die Vollbremsung, die dem Kosmos sei dank geglückt ist.

    Ich versuche mich nicht aufzuregen. Aber dennoch bleibt mir der Grund für soviel Dummheit und dem bloßen Unwillen, sich um andere zu kümmern und mal sein Gehirn einzuschalten, nach wie vor verwehrt. So nett die Leute auch sind.
    Aber Weitblick im Leben ist der Grund für Fortschritt. Das ist es, was den Hirten von seinen Schafen unterscheidet. Alles andere ist schlimmer noch als Stagnation. Es ist sicherer Rückschritt.
    So erreiche ich also die Kuppe und damit auch den Abzweig nach Barzok.
    Von Narges und Ramin habe ich von einem Freund gehört, der hier wohl ein Hostel betreibt. Sie meinten zuerst, dass es 20 € die Nacht kosten würde. Ich rufe an und verhandle.
    Er meint, ich solle ihn besuchen und geben, was ich für angemessen halte.
    Also entscheide ich mich gegen mein Zelt und eine kalte Nacht und fahre hinauf nach Barzok.

    Wenn ich den Markt erreiche, solle ich nochmal anrufen. Plötzlich schickt er mir seinen Standort.
    Das sehe ich aber erst nach drei Kilometern Auffahrt. Nun zeigt sich mir, dass noch vier weitere vor mir liegen.
    Glückwunsch! Das fahre ich morgen alles wieder zurück. Zwar bergab, aber dennoch kostet es Zeit.
    Was mich aber am meisten stört, ist dass nochmal mehrere hundert Höhenmeter hinzu kommen.

    Die Straßen sind vereist, es liegt überall Schnee und so komme ich erschöpft und leicht frierend an.
    Nachdem ich von den 20 € pro Nacht gehört hatte, habe ich nach einem dementsprechenden Hostel Ausschau gehalten. Was ich finde verschlägt mir die Sprache.
    Fassen wir zusammen: Es ist außer der Saison, fernab von der Hauptstraße und die Verhältnisse sind so, dass niemand auf die Idee kommen würde, auch nur ansatzweise dafür diesen Preis aufzurufen. Nichtmal in Kroatien und zur Hauptsaison.

    So verbringe ich den Abend mit lesen und hole zum Schlafen meinen Schlafsack und die Wintersachen heraus. Das Bad benutze ich nur, um meine Zähne zu putzen.
    Es ist schlicht zu kalt. Selbst der Toilettengang ist unangenehm.
    Ich schnappe mir Elch und begebe mich ins Reich der Träume.

    Song des Tages
    Cocaine - Eric Clapton
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  • Day161

    Tag 161 - Tomatenfarm

    December 22, 2019 in Iran ⋅ ☁️ 7 °C

    0 km / 5695 km - 0 / 566 Stunden

    Ausgaben:

    0 € / 162,1 € Transport (Fähre, etc.)
    0 € / 1255,5 € Lebensmittel
    0 € / 938,5 € Unterkunft
    0 € / 262,1 € Eintrittspreise
    0 € / 164 € Anschaffungen
    0 € / 89,5 € Ersatzteile
    0 € / 52 € Visum

    0 € / 3053,2 € Gesamt

    Als Kaveh gestern meinte, dass wir zu ihm fahren würden, um am nächsten Tag zeitig los fahren zu können, rechnete ich nicht damit, dass die beiden so lange schlafen würden.
    Es ist bereits zehn und ich bin wach und spiele mit Pheobe. Dem kleinen Stubentiger ist langweilig und es auch nicht recht, dass ihre untergebenen noch schlafen und sie gar nicht füttern.
    So beschäftigen wir uns noch wartend für zwei weitere Stunden.

    Gegen zwölf wachen die beiden langsam auf und wir starten in den Tag. Es gibt gutes Frühstück und gegen eins brechen wir auf. Zuerst setzen wir Mina bei ihrer Arbeit ab und fahren dann zu Kavehs Elternhaus, um hervorragendes Malzbier zu holen.
    Ein recht langer Weg. Generell scheinen hier alle Wege etwas länger zu sein, als ich es von zu Hause gewohnt bin. Das macht die Weite.

    Eine schöne Weite!
    Das bringt auch Abgeschiedenheit und Ruhe. Und die kann man auf der Farm bestens genießen. Weit weg von der Straße ist hier eine kalte Stille. Es weht nur ein kleiner Wind und die Sicht ist sehr weit. In der Ferne kann man die schneebedeckten Berge ausmachen.
    Es ist wunderschön hier und ich bereue es keine Sekunde lang, dass ich mitgekommen bin.

    Im Gewächshaus ist es sommerlich warm. Keine Spur vom Winter.
    In der Mitte auf dem Hauptgang sitzen Frauen und sortieren Tomaten und lesen die ausgesuchten in die Verpackungen. In den einzelnen Tomatenreihen arbeiten die Männer an den Pflanzen.
    Weiter hinten steht Kavehs Vater. Er ist erfreut, über den Gast auf seiner Farm und zeigt mir stolz alles, gibt mir Tomaten und stellt mich den Arbeitern vor. Diese glauben nicht, dass ich mit dem Fahrrad aus Deutschland gekommen bin. Auch Fotos schmälern die Skepsis nur um das Fahrrad, nicht aber um die Strecke. Aber das spielt keine Rolle. Auch sie freuen sich über den Gast in ihrem Land.
    Und ich freue mich meinerseits darüber, dass ihnen die Arbeit sichtlich Spaß macht und alle hier im Gewächshaus wohl zufrieden sind, mit dem was sie tun und dem was sie bekommen.

    Zufrieden gehe ich erst mal wieder an die frische Luft.
    In der Zwischenzeit zeigt mir Kaveh das Areal und den Wohncontainer, in dem wir die Nacht verbringen werden. Er ist sehr geräumig und bietet allen Komfort, den man braucht, um eine Nacht in der Kälte hier draußen angenehm überstehen zu können. Nicht nur eine Heizung, sondern auch ein Computer mit Spielen, Filmen und gemütliche Sitzgelegenheiten warten hier.
    Nachdem die Arbeiter gegangen sind, lassen wir die Hunde raus.
    Die beiden sind so lieb, verspielt und freundlich zu mir, dass ich sie am liebsten behalten möchte. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob sie Einbrecher abhalten, oder anziehen, aber das ist nicht meine Sorge. Die zwei sind so, wie ich Hunde möchte.
    Später am Abend verbringen wir die Zeit mit Gesprächen, Computerspielen, Musik und Malzbier.
    Zum krönenden Abschluss schauen wir noch den „Joker“. Den Film wollte ich schon sehen, seit er während meiner Reise in die Kinos kam. So viel gutes, was ich über ihn gehört habe. Und alles ist wahr. Sogar noch viel besser.

    Es ist schön hier draußen im Container am Gewächshaus. Ich bin zufrieden, hier zu sein.

    Song des Tages
    Barracuda - Heat
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  • Day159

    Tag 159 - Meymeh

    December 20, 2019 in Iran ⋅ ☀️ 7 °C

    80 km / 5590 km - 5 / 561 Stunden

    Ausgaben:

    0 € / 162,1 € Transport (Fähre, etc.)
    0 € / 1253 € Lebensmittel
    0 € / 938,5 € Unterkunft
    0 € / 262,1 € Eintrittspreise
    0 € / 164 € Anschaffungen
    0 € / 89,5 € Ersatzteile
    0 € / 52 € Visum

    0 € / 3050,7 € Gesamt

    So kalt es gestern auch war, mit der Sonne kam auch die Wärme zurück ins Tal.
    Ich stehe zeitig auf und bereite meine Abfahrt vor. Ich rechne mit einem langen Tag, weil die Strecke doch recht weit ist und noch ein paar Hügel zu bieten hat.

    So ist auch der Moment gekommen, in dem ich meinen Gastgeber bezahlen muss. Ich gebe ihm die Hälfte meines verbliebenen Geldes in Rial. Das waren umgerechnet 6 €. Das gleiche, was ich bei Narges und Ramin bezahlt habe. Ein mehr als angemessener Preis, den ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

    So breche ich auf nach Meymeh. Hier wartet schon Sina auf mich. Es ist der 20. Dezember und somit neben dem Geburtstag meiner Schwester auch der Vorabend von Yalda. Der längsten Nacht des Jahres. Ich tendiere zwar mehr dazu, den längsten Tag zu feiern und die kürzeste Nacht, aber die länger werdenden Tage haben für meine Reise ja auch gutes.
    Und so steht morgen ein Feiertag bevor. Traditionell trifft sich daher die Familie von Sina heute in Meymeh. Das kommt mir auch zugute. So habe ich eine Unterkunft und wieder nette Leute um mich herum. Zwischenstopp und nahezu die Hälfte der Strecke nach Isfahan.
    Im Haus der Großeltern erwarten mich Tee, Gebäck und der Korsi. Das ist ein traditioneller Abgedeckter Tisch, unter dem man sitzt, liegt und schläft. Vor allem in der kalten Jahreszeit ist das großartig. Erstaunlich entspannend und wohltuend. Ich fange an, den Korsi zu lieben.

    Aber nicht nur die Familie von Sina ist hier. Auch viele Freunde, die in Isfahan wohnen. Und so verbringen wir den Abend nicht mit der Familie, sondern in junger Runde mit den Freunden. Nachdem ich hörte, dass ich morgen alle, weniger jung und jung, im Elternhaus von Sina in Isfahan wiedersehen würde, war ich damit sehr einverstanden.
    „Traditionsgemäß“ bringen die Freunde selbst gemachten Wein mit. Meymeh ist verwurzelt mit Weintrauben und deren Verarbeitung. Das liegt schon im Namen. Religiös bedingt, wird daraus aber nicht viel geschaffen. Außer im privaten. Und den darf ich heute verkosten. Nun bin ich nicht der Weinkenner und trinke ihn auch zu Hause recht selten. Dennoch wird schnellt klar, dass der Geschmack dem Üblichen Wein zwar nahe kommt, aber ihn nicht imitieren kann. Auch scheint mir der Alkoholgehalt recht hoch. Ich hoffe, dass hier einige Erfahrungen in der Zubereitung vorliegen und ich nicht ab morgen eine gelbe Armbinde mit drei Punkten tragen muss.

    Gegen zehn Uhr verabschiede ich mich und gehe zum Haus zurück.
    Sina und seine Familie sind bereits gefahren. Ich habe das ganze Haus für mich. So mache ich es mir unter dem Korsi gemütlich und stelle fest, dass mir so einige Traditionen und Gepflogenheiten sehr gut gefallen und was wir zu Hause nicht haben. Ich bin gespannt, was ich mir von dieser Reise für zu Hause aneigne.

    Song des Tages
    Juke Box Hero - Foreigner
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  • Day65

    Steinzeit in Kashan

    October 18, 2019 in Iran ⋅ ⛅ 22 °C

    Sialk Berg (Persian: تپه سیلک‎) is a large ancient archeological site in a suburb of the city of Kashan, Isfahan Province, in central Iran.

    Tfhe oldest settlements in Sialk to date to around 6000-5500 BC

  • Day107

    Crossing the mountains to Isfahan

    December 14, 2017 in Iran ⋅ ☀️ 4 °C

    Uneasy feelings dominated as we left Abyaneh in Western direction, on a road only dotted on our maps nobody would recommend us. But our courage should reward us during the next days. We didn't meet anybody, enjoyed the pure
    silence and felt that we could reach for infinity in the starry winter sky.

    We climbed and partly pushed our bikes up on rough gravel to an altitude of 2875m and the surrounding landscape was so overwhelming that it took a while until we realized that the following 150km to Isfahan would be a single downhill run :)

    While the pass has been the highest we've climbed so far, the night has been the coldest on our trip. Minus 15 degrees made even the water in our tent frozen.
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  • Day105

    From Kashan uphill to Abyaneh

    December 12, 2017 in Iran ⋅ ☀️ 4 °C

    Paying entrance fees to get into old Iranian houses with dome roofs you can find in almost any village, as well as paying for hammams without being allowed to swim there. Both didn't really knock our socks off so our visit to Kashan became just a half day cruise on our bikes and a few hours in the beautiful Persian garden north of the city. Apparently, the city does a good job to attract tourists and has developed an effective infrastructure for that.

    And then it was time for our first hitchhike- and we should even do it a second time that day! We were not quite optimistic as we were cycling on a calm side road but from the ten cars passing by in the afternoon we easily could stop two empty pickups and each of them took us for a few kilometers up the hill to Abyaneh, a relic of ancient Persia.

    When we reached the historic village at dusk we were quite surprised by the coldness up there (we're sure that it would have been different if we had cycled all the way). So this was the first night we ended up in a hotel in Iran and really enjoyed having a cosy room just for us.

    The buildings of the 2500-year-old village were made from a mixture of red clay, mud bricks, wood and straw and require a lot of maintenance and renovation, especially after rainfalls. But, except from electricity, gas pipes and some tin roofs, Abyaneh has withstood modernization and retained its traditional integrity. However, during this time of the year, most of the 300 inhabitants live elsewhere so that we only met few people in the narrow, steep alleys.
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  • Day112

    Oasis town Isfahan

    December 19, 2017 in Iran ⋅ ☀️ 7 °C

    At least since 'The Medicus' made his way to Isfahan to learn from the greatest doctor of his time, this city became legendary and the name sounds like music in our ears.

    We were expecting a green oasis with many parks and gardens, but at this time it wasn't (anymore?). Since the government built a dam to lead the water elsewhere, and rainfalls became a great rarity, the Zayanderud river is dried out and the beautiful bridges seem a bit out of place. However, Si-O-Se Pol, the 33 arch bridge, is still the town's landmark and we enjoyed a stroll at dawn when the lights came up.

    We loved to cruise through the city with our bikes, even along the bazars and into a mosque through the backdoor. The huge Imam Square is the place where (tourists) life takes place and countless shops offer reams and reams of handicraft - it can be really annoying to escape the salesmen and tourist guides, so take your photos and hide in the crowds on the bazar :)

    The Armenian quarter impressed us with a familiar and relaxed atmosphere and they even had a Christmas tree. The exhibition about the Armenian genocide and the history of Armenians in Isfahan was really moving and it seems like the peaceful coexistence and interactions of Islam and Christianity could be exemplary. The Armenian Vank Cathedrale shows an unique architectural mixture of Islamic elements like colorful tiles and a dome and Christian elements like wall paintings, an altar and a bell tower.

    Although the bureaucracy felt like acting in a bad movie, we finally got our Iranian visas extended by another 30 days.

    And not to forget: A big thanks to Reza and his family, who hosted us for two of the four nights we spent here, together with two other cyclists from Germany, Jan & Hannes. It was great fun to climb a mountain in the middle of the night!
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  • Day7

    Isfahan #2

    September 27, 2019 in Iran ⋅ ☀️ 33 °C

    Heute nochmals Isfahan, das braucht schon etwas mehr Zeit. Ich bin ja sonst nicht so auf Museen und alte Steine aber...
    Am Morgen nochmals den wunderbaren, riesigen Platz des Imams, danach die Scheich-Lotfallah-Moschee, welche mir als blutigen Leien durch Grösse und das Kunsthandwerk der Kachelmalereien und Mosiken die Sprache verschlägt. Böse Zungen mögen behaupten, das brauche schon einiges. ;-)
    Als nächstes treffen ich Noel, mein Busbegleiter von Vorgestern, und Mehrdad. Zusammen ziehen wir uns die Imam-Moschee rein, ein an Grösse und Schönheit bemerkenswertes Teil. Danach werde ich zum Essen beim Perser eingeladen, so cool. Danach knattern wir mit Mehrdad verschiedene Sehenswertigkeiten ab.
    Ein Eyecatcher ist die Si-o-Se Pol Brücke, ein zweistöckiges Viadukt, mit 290m Länge und ihren 33 Bögen. Auch für die Lokals ein hübscher Treffpunkt und der Fluss eine angenehme Abkühlung.

    Die Kuriosität vom Tag:
    In den TV's sieht man immer wieder Bilder von Pilgern, es ist der Monat Muharram und damit für Schiiten Pilgerzeit.
    Die Stadt Kerbela im Irak ist offenbar eine der wichtigsten schiitischen und alevitischen Wallfahrtsorte und laut Info meiner heutigen lokalen Guides laufen unzählige iranische Schiiten nach Kerbela, zu ihrem Glaubensbrüdern. Häufig von der Grenze, nur rund 500km ein Klacks. Andere von ihren Herkunftsorten auch mal weit über 1000km. Im Irak werden die Pilger von ihren Glaubensgenossen "gefüttert" und massiert! Im Fernsehen haben die sogar eine Rollstuhl-Service Station gezeigt. Unvorstellbar, vor 30 Jahren hat man sich gegenseitig umgebracht und rund 1Mio Tote beklagt.
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You might also know this place by the following names:

Isfahan, اصفهان

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