Italy
Provincia di Vercelli

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19 travelers at this place

  • Day22

    Santhìa

    September 28 in Italy ⋅ ☀️ 15 °C

    Heute gibt es keinen Grund, uns sonderlich zu beeilen. Um 7:15 Uhr klingelt der Wecker, was für mich schon quasi ausschlafen bedeutet. Um 8 Uhr serviert Loretta uns ein typisch italienisches Frühstück, welches aus verschiedenen Kuchen, Keksen, Plätzchen, Joghurt und Obstsalat besteht. Das einzige, das nicht süß ist, ist eine selbstgemachte Zitronenmarmelade. Die ist nämlich vor allem sauer. Für mich ist das keine besondere Umstellung, denn das französische Frühstück bestand meistens auch nur aus Baguette, Marmelade und manchmal Honig. Meine Mama probiert hingegen hier und da, entscheidet sich aber schließlich für eine kleine Schüssel Fruchtmüsli mit Joghurt. Anschließend verabschieden wir uns von Loretta und Farouk (so heißt ihr cleverer Hund) und machen uns um 8:45 Uhr auf den Weg.

    Dabei erlebe ich heute eine Premiere, denn wir laufen den gesamten (13 Kilometer langen) Weg nach Santhìa nur anhand der Wegweiser der via francigena, ohne Handy. Das ist hier ziemlich gut möglich, denn überall sind Aufkleber, Schilder, Pfeile, Zeichnungen und Sprays angebracht, die keine Zweifel bezüglich der Wegfindung übrig lassen.

    Der Weg führt uns durch den Wald, die Felder und sogar an einer Kiwiplantage vorbei. Das ist das erste Mal, dass ich sehe, wie Kiwis wachsen. Nach circa 9-10 Kilometern machen wir eine Pause und essen ein paar von den Snacks, die meine Mama noch von zuhause mitgenommen hat und die ihr jetzt schwer im Rucksack liegen. Kurz vor Santhìa kommen wir an einem kleinen Hof vorbei, auf dem zwei Esel, ein Ziegenbock und ein Schaf leben. Sie sind Pilger anscheinend gewöhnt und kommen erwartungsvoll zum Zaun, wo wir sie (wahrscheinlich nicht als erste) mit Mais und Äpfeln füttern, die genau auf der anderen Seite des Weges wachsen.

    In Santhìa machen wir Mittagspause in einem kleinen Park. Meine Mama macht ein Nickerchen auf einer sonnigen Bank und ich lege mich zum Lesen und Blog schreiben auf die Wiese. Die Ruhe und Entspannung bleibt jedoch aus, denn die Wiese lebt. Am helllichten Tag werde ich von mehreren Mücken attackiert, Fliegen und Ameisen sind sowieso überall und als mir dann eine Raupe aufs Handtuch krabbelt, reicht's mir auch wieder. Das war in Frankreich anders. Dort war es kälter und oder trockener und die Insekten waren schon im Wintermodus oder vertrocknet. An sich nichts gutes, aber Mittagspausen wie am Tag in "Champlitte" gehören zu meinen Highlights der Reise.

    Nach dem großen Krabbeln gehen wir in den Supermarkt, wo wir uns mit Lebensmitteln für heute Abend und ein paar Snacks für morgen eindecken. Von dort aus haben wir nämlich noch etwas über 6 Kilometer bis zu unserer Unterkunft, die zwar zu Santhìa gehört, aber über eine Stunde Fußmarsch von der eigentlichen Stadt entfernt liegt. Der Weg dahin führt entlang einer komplett geraden, kaum befahrenen Landstraße durch die Reis(!?)felder Italiens. Auf diese Art und Weise sehen wir schon zu Anfang, wo unsere Unterkunft ist, brauchen aber über eine Stunde dahin. Ein wenig makaber. Jedenfalls haben wir auf dem Feld wieder eine, welches Wort hatte ich noch nicht... grandiose Aussicht auf die Gipfel der Alpen und um kurz vor 4 kommen wir dann auch endlich an.

    Das "B&B il Passatempo di Enrica" ist eine kleine Wundertüte. Als wir auf den Standort auf der Karte zu laufen, sehen wir Ruinen einer alten, verlassenen, wie wir glauben, Stadt (Bild 7). Es gibt einen Turm aus rotem Backstein, bei welchem das Dach eingefallen ist und Löcher in den Wänden sind. Darunter sind mehrere Gebäude, aus denen Pflanzen wuchern und Bäume quer hindurch wachsen, und eine Stadtmauer, die inzwischen zur Hälfte nur noch aus Gebüsch zu bestehen scheint. Ich finde es aufregend und bin fasziniert von diesem Anblick, meine Mama hingegen, im Herzen einfach noch keine richtige Pilgerin, hat Angst, dass dort unsere Unterkunft liegt.

    Als wir diese "Stadt" umlaufen, finden wir eine Auffahrt, in der ein Auto steht. Fast verzweifelt klingeln wir dort und fragen, wo das B&B Passatempo liegt. Die Frau, die zwar kein Englisch spricht, versteht, was wir suchen, und führt uns zu einem Tor, das direkt zu den Ruinen führt und welches wir gerade beim Vorbeilaufen bewusst ignoriert hatten (Bild 8). Neben dem Tor hängt dann wirklich ein kleines Schild mit dem Namen des B&Bs. Meine Mama ist immer noch "skeptisch" (milde Formulierung), aber alleine durch den Umstand, dass es Nachbarn gibt, auch ein wenig beruhigt.
    Mir der Besitzerin Enrica hatte ich zuletzt gestern Abend Kontakt, weshalb es nicht unbedingt der Beruhigung zuträglich ist, dass sich weder nach mehrmaligem Klingeln, noch nach mehreren Anrufen jemand meldet. Erst als ich ihr auf Whatsapp schreibe, gibt es ein Lebenszeichen und sie kommt nach vorne zum Tor spaziert.

    In kürzester Zeit kippt bei meiner Mama die Stimmung von Skepsis hin zu Begeisterung. Enrica führt uns über das riesige Grundstück, hin zu einem Gästehaus, das neben den Ruinen steht. Hier zeigt sie uns unsere großen und altertümlich eingerichteten Zimmer, das Bad und den Saal, in dem wir morgen frühstücken. Alles ist sehr majestätisch und nur ein bisschen gruselig. Während wir kochen (es gibt Tortelloni mit Käsesauce) unterhalten wir uns mit Enrica und sie erzählt uns von ihrem Mann, ihrem Sohn und ein wenig über das Anwesen. Dieses war früher eine kleine Landburg, die über die Jahre immer wieder zerfallen ist und wieder aufgebaut wurde. Was wir heute sehen, sei größtenteils im 18. Jahrhundert gebaut, ein-zwei mal renoviert und seit vielen Jahren wieder ignoriert worden. Sie wolle das Ganze wieder aufbauen und seie dafür zur Zeit auf der Suche nach Geldgebern. Auf die Frage, ob wir uns die Ruinen mal etwas genauer anschauen könnten, reagiert sie gelassen. Wir dürften so viel schauen, wie wir wollen, es sei aber alles auf eigene Gefahr.

    Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und stehen bald im Innenhof des "Castello". Das ist zwar aufregend, reicht uns aber nicht ganz. Wir gehen durch eine Tür in das Gebäude hinein und klettern vorsichtig über die Turmtreppe in die oberen Stockwerke. Ich bin ganz verblüfft, dass meine Mama nicht interveniert, sondern in einem Fall sogar vorgeht und noch neugieriger ist als ich. Nach ganz oben auf den Turm lässt sie mich dann aber nicht klettern (zugegebener Maßen sehr vernünftig), was jedoch nicht schlimm ist, denn wir haben bereits genug gesehen. Es ist ein absolut faszinierender und leicht gruseliger Ort, der es auf jeden Fall in eine Sendung von Galileo "Lost Places" schaffen würde.

    Nach der Erkundungstour reden wir nochmal kurz mit Erica und gehen anschließend auf unser Zimmer. Morgen wartet wieder ein großer Tag auf uns.
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  • Day23

    Vercelli

    September 29 in Italy ⋅ ⛅ 16 °C

    7 Uhr klingelt der Wecker, um 8 Uhr gibt's Frühstück und um 8:45 Uhr geht's wieder los.
    Das Frühstück ist ähnlich wie das gestrige, unterscheidet sich aber auf zwei Weisen. Zum einen gibt es heute etwas deftiges: zwei Weichkäsesorten, die selbst mir erstaunlich gut schmecken; zum anderen frühstücken wir heute aus einem fein verzierten Porzellanservice und auch sonst hat Enrica beim Anrichten viel Auge aufs Detail gelegt. Das Frühstück ist einem alten Landschloss würdig.

    Gestärkt machen wir uns auf den 20 Kilometer weiten Weg nach Vercelli. Da wir außerhalb Santhìas geschlafen haben, sind wir abseits der via francigena und lassen uns heute mal wieder von Google Maps leiten. Wir laufen durch die gelben Reisfelder auf einem Weg, der noch ganz nass ist vom Morgentau, die Sonne im Rücken und vor uns eine Aussicht über das Flachland Piemonts. Kurz darauf fühle ich mich schlauer als Google und entschließe, dass wir einem Weg folgen, der nicht auf Maps verzeichnet ist, aber wahrscheinlich eine Abkürzung darstellt. 10 Minuten später stehen wir mitten auf dem Feld vor einer Sackgasse und müssen den gesamten Weg zurücklaufen. Da es morgens ist und wir noch voller Kräfte sind, ist dieser kleine Umweg schnell vergessen und wir laufen motiviert weiter.

    An dieser Stelle ist es Zeit für ein kleines Suchbild. In Bild 4 hat sich ein kleiner Kollege versteckt, der auf die "tot stellen"-Taktik gesetzt hat. Seine vielen Artgenossen, an denen wir täglich vorbeilaufen, setzen eher auf die "Flucht in den Bach"-Taktik und sind damit schwieriger vor die Linse zu kriegen. Wer findet das Tier in Bild 4, das übrigens auch in einigen Regionen Italiens eine Delikatesse darstellt und nicht nur in Frankreich?

    Zurück zum Wesentlichen: Den Weg teilen wir mit einer Mittagspause in "Olcenengo" in zwei. Es gibt Tortelloni von gestern, eine Salatgurke (ich merke, dass ich nicht mehr allein über das Essen entscheide) und einen Proteinriegel. Nach der Pause auf einer schattigen Steinbank werden die restlichen 10 Kilometer in Angriff genommen. Diese bestehen aus genau 10 Kilometern kerzengerader Landstraße, auf welcher wir uns mit Diskussionen über interessante Themen (Politik) ziemlich effektiv die Zeit vertreiben.

    Um 13:30 Uhr kommen wir in Vercelli an, wo wir uns kurz ausruhen und um 14 Uhr ins Touristenbüro gehen. Dort holen wir uns Stempel ab und lassen uns erklären, was es in Vercelli zu sehen gibt und wo man etwas essen kann. Letzteres setzen wir zuerst in die Tat um und genießen ein Bier und eine Piadina am Hauptplatz Vercellis. Danach machen wir uns an die Besichtigung der drei Kirchen, die uns empfohlen wurden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Vercelli 46.000 Einwohner hat und es deutlich mehr Kirchen gibt, als die drei besichtigten.
    Kirche Nummer 1 ist die "Chiesa di San Cristoforo" (Bild 6+7). Diese könnten wir nur zwischen 15:30-16:30 Uhr besichtigen, es würde sich aber wegen den beeindruckenden Wandmalereien lohnen. Um 16:25 Uhr sind wir dann auch wirklich dort und erstaunen. Jede freie Wand ist bemalt oder auf eine andere Art verziert. Die Deckenbemalung könnte man sich stundenlang ansehen und würde immer noch neue Besonderheiten bemerken. Zusammen mit der spärlichen Beleuchtung ergibt sich ein leicht geheimnisvolles Ambiente, ganz anders als man sonst von Kirchen gewöhnt ist.
    Die zweite Kirche ist die Kathedrale von Vercelli (Bild 8+9). Hier muss man die Einwohnerzahl im Hinterkopf behalten, denn während die Kathedrale fast so groß ist wie der Frankfurter Dom(!), ist sie deutlich, deutlich schöner und majestätischer. Als Laie kommt sie mir von der Architektur mit ihren marmorbesetzten Säulen und hohen weißen Decken schon fast altgriechisch vor. Zudem wurde hier auch nicht an goldenen Verzierungen und sonstigen Zurschaustellungen des Reichtums der katholischen Kirche gespart. Der goldende über dem Alter hängende Jesus alleine ist mehr als lebensgroß (Mann im Bild zum Vergleich).
    Last but not least kommt die "Basilica di Sant'Andrea" (Bild 1 +10). Diese gehört zu einem größeren Gebäudekomplex und bietet daher von außen den besten Fotohintergrund von den dreien dar. Die Türme und Wände aus roten Backsteinen, abgewechselt mit weißen Elementen und die spitzen Turmspitzen geben ihr den begehrten "Hogwarts-Look". Im Inneren ist sie dafür sehr schlicht gehalten und lässt erkennen, dass es hier mehr um die Funktionalität als Glaubensstätte und nicht zur Darstellung von Reichtum geht. Außerdem hat die Fertigstellung der Basilika damals nur 8 Jahre gedauert. Für die Größe und das Alter eine sehr kurze Zeit.

    Nach diesem Tribut an das Pilgerdasein gehen wir zum "B&B la Rosa Bianca". Hier wollten wir uns um 18 Uhr mit dem Besitzer treffen. Als wir ankommen und den Besitzer anrufen, gesteht er uns aber, dass er im Stau steht und erst um 19 Uhr kommt. Das bedeutet eine Stunde warten, obwohl es sowieso schon spät ist. Der Gedanke, stattdessen in ein nur geringfügig teureres Hotel zu gehen, steht auf jeden Fall sehr präsent im Raum, wir entscheiden uns aber dagegen. Unsere Geduld macht sich schließlich zumindest teilweise bezahlt, denn das B&B ist klein, aber gepflegt und der Besitzer entschuldigt sich mit einer Portion Spaghetti und Wein bei uns. Beides lassen wir uns munden und bereiten uns anschließend auf den nächsten Tag vor.
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  • Day6

    Reismuseum

    October 7, 2019 in Italy ⋅ ⛅ 17 °C

    Wir sind morgens am Lago du Viverone gestartet. Die Route führte uns zu DEM Risottoreis der gehobenen Küche - Aquerello. Wir hatten großes Glück, dass gerade eine Führung durch war, und konnten noch einige Kilo des köstlichen Reises kaufen. Nach ausgiebiger Inspektion des Museums sind wir dann noch ins Restaurant zum Mittagessen.
    Wir entschieden uns für Menü (Pizza, Nudeln und halbe Haxe) und ein Aquerello-Steinpilz-Risotto.
    Alles war vorzüglich und wir danach pappsatt. Wir überquerten den Po und machten uns auf die Suche nach einem Plätzchen für die Nacht.
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  • Day1

    Déjà vu

    October 10, 2018 in Italy ⋅ 🌧 11 °C

    Piemont im Regen, déjà vu... Zum zweiten Mal in dieser schönen Region und wieder Regen, Regen, Regen... Die ganze Wucht der Natur entfaltet sich. Schlicht und ergreifend wunderschön! Allein schon die Anreise, Seelenmassage. Über Lindau, durch die Schweiz, Via Mala, Lago Maggiore ans Ziel. Da bist schon durchgechillt noch bevor Du da bist. Schee.Read more

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Provincia di Vercelli, Verceil, Vercelli

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