Nepal
Gorkha

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3 travelers at this place:

  • Day256

    Mit meinem Lieblingsessen 33 werden

    February 6 in Nepal ⋅ ☀️ 11 °C

    Bikash ist schon seit heute Mittag am Abendessen machen. Und ich noch so zu Micha: „Die geben sich immer mega viel Mühe mit dem Essen, da geht doch total viel Zeit bei drauf, bräuchten die doch gar nicht für uns.“ Und dann stellt sich heraus: Bikash hat Brot gemacht, extra für mich, weil ich heute Geburtstag und gestern erzählt hab, dass Brot mein absolutes Lieblingsessen ist. WIE MEGA LIEB! Macht sich voll Mühe, hat Brot in den verschiedensten Formen gemacht, stundenlang, und will sich dann ernsthaft entschuldigen, dass er keinen Ofen habe und daher keinen Kuchen backen kann. BIKASH! Der weiß nicht mal, wann er selbst Geburtstag hat, ist ihm total unwichtig, wird hier nicht gefeiert, und dann legt er sich so mega ins Zeug für meinen Geburtstag! Mega lieb ❤️

    Micha hat sich dafür eingesetzt, dass wir heute Abend ein Lagerfeuer machen und dann auch direkt Kami und Bangy eingeladen, Bikashs Freunde, sowie die beiden Volunteers, die gerade bei Bangy sind. Während ich fleißig Stöcker aus der Medizin für den japanischen Doktor raus gefusselt hab, waren Micha und Bikash noch beim Shop um die Ecke, um Bier zu kaufen. 2€ pro 0,65L Flasche. In Nepal, wo man für 4€ drei Mahlzeiten und n Dach überm Kopf kriegen kann! Ein Vermögen für die Leute hier, das Bier wird hundert pro ausschließlich von Volunteers gekauft. Solchen, die heute Geburtstag feiern zum Beispiel. 😋 Mal gucken, was das Gebräu kann, ich hab Gebuuuuurtstag! 🥳

    ***
    Jetzt haben wir Bikash endgültig in unser Herz geschlossen. Der hat sich voll den Stress gemacht, den halben Tag mega leckeres Brot gebacken, und dazu dann auch noch lecker Reis mit Minzöl, Nüssen und Zitronengras, sowie einer Linsensuppe gezaubert. Und dann haben wir alle lecker am Feuer gegessen, wir 4 Deutschen (Paula und Toni, die beiden anderen Volunteers, kamen ebenfalls aus Deutschland) sind mega über das Brot hergefallen, was super lecker war und zusammen mit unserem Nutella wie ein Stück Zuhause geschmeckt hat. 🥰 Bangy, Toni und Kami haben Gitarre gespielt und wir haben alle gesungen, das nepalesische Bräu war super lecker und es war ein gaaaanz schööööner Abend 🤩

    Paula und Toni haben erzählt, was sie so den Tag über bei ihrem Gastgeber Bangy arbeiten müssen. Zum Beispiel 2 Tage lang mit bloßen Händen den 1m hohen Mist ausm Ziegenstall entfernen, in Säcke packen, und dann am nächsten Tag die schweren Säcke aufm Rücken zum weit entfernten Zielort schleppen. Der Mist war schon schimmelig und je mehr die abgetragen hätten, desto mehr ekelige Krabbeltiere wären darin gewesen. Die Säcke waren nicht dicht, beiden lief alte Ziegenpisse übern Rücken, Paula nur einmal, Toni mehrfach. Da sie ebenfalls nur 1 Satz Klamotten zum arbeiten und 1 Satz Klamotten zum chillen/ schlafen mithaben, muss Toni das vollgepisste, mittlerweile hart gewordene Fleece jeden Tag wieder anziehen. Wär aber gar nicht so schlimm. Die beiden sind knallhart. Bin ich froh dass wir andere Arbeiten gemacht haben. 😅 Klopapier nutzen die beiden hier auch nicht mehr, gibt halt keins. In Nepal ist das normal, man wäscht sich mit der linken Hand und Wasser ab. Am ersten Tag, als mir das bewusst wurde, wollte ich mich erst meinem Schicksal ergeben. Mit der Hand den Po abwischen. 😭. Aber dann hab ich den Prozess am ersten Tag mal im Kopf durchgespielt, wie ich quasi die kontaminierte, linke Hand wieder sauberkriegen würde, ohne, dass ein Stück Kot an die Seife kommt, die auf der Toilette liegt. Ich konnte es mir nicht erklären. Von da an war die Sache klar. Wir nutzen unsere Notfall-Toilettenpapierrolle, die wir noch aus Bolivien haben, und nutzen ausschließlich unsere eigene Seife. Call me pingelich, aber da war meine Grenze erreicht! 😂

    Anstatt zu arbeiten machen wir am nächsten Morgen nichts, schlafen schön aus, lesen und genießen die Sonne, und mittags überlegen wir mit Bikash, wie er seine 100% organische Ware zum einen verarbeiten kann, um dann hochwertigere Produkte zu verkaufen, und zum anderen die Produkte an den Mann bringen kann, auch außerhalb Nepals. Wir haben ein paar Ideen und bekommen das Gefühl, auf diese Art deutlich mehr von Nutzen zu sein, als wenn unsere unerfahrenen Bürohände in der Erde buddeln. 😅 Wer weiß, was sich daraus entwickelt! Bikash erzählt gerade, dass er sich heute Morgen beim aufwachen den Kopf darüber zerbrochen hat, wie es uns am besten fragen könnte, ob es evtl. in Ordnung wäre, wenn wir heute nicht arbeiten. 😂
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  • Day251

    Vollkommen andere Lebensverhältnisse

    February 1 in Nepal ⋅ ⛅ 11 °C

    Bikash, unser nepalesischer Gastgeber, ist mega nett, eher schüchtern, und spricht ein bisschen Englisch mit starkem Akzent. Seinen Nachnamen „Gurung“ teilt er mit 2,5% der nepalesischen Bevölkerung. Gurung bedeutet Bauer. Über den Nachnamen gibt man direkt seinen Beruf und seine Kaste preis. Ursprünglich lebten die Gurung von der Viehzucht und dem Handel ihrer Waren, mittlerweile arbeiten aber viele in der britischen und indischen Armee und leben damit großenteils außerhalb Nepals. Stolz zeigt er uns seine ganze Farm und erzählt ganz viel. Gefällt uns sehr gut, bis auf die Mini-Tatsache, dass es abends immer sehr kalt wird, und es hier keinen Schutz vor der Kälte gibt - bis auf zur Schlafenszeit unsere Schlafsäcke. Und ich bin ja mehr so ne Frostbeule 🥶 Ich freu mich schon jetzt auf eine warme Dusche und ein warmes Hotelzimmer mit kuscheliger Bettdecke, wenn wir am 8. wieder in Kathmandu sind 🙈

    In 2015 gabs ein starkes Erdbeben in Nepal (7,8 auf der Richterskala), durch das Bikash und seine Mutter ihr Haus und fast alles auf der Farm verloren haben. Bikash erzählt vom Tag des Bebens. Er hat die Erde beben gefühlt, ist von seiner Farm zu seinem Haus gerannt, und da war das Haus schon halb eingestürzt. Seine Schwester war gerade zu Besuch, allerdings zu dem Zeitpunkt Wäsche waschen, jedoch lagen ihre 2 kleinen Kinder zum Mittagsschlaf im Haus. Also rennt Bikash in das fragile Gestell rein, überall Staub, packt die beiden Kinder, rennt raus und „keine 10 Sekunden später, ach was, keine 5 Sekunden später“ sei das Haus hinter ihm zusammengefallen. Total krass. Jetzt sind er und seine Mutter nach und nach dabei, sich wieder ein Haus aufzubauen, aber bis es soweit ist, leben sie im unfertigen Rohbau. Und das in 2020, 5 Jahre nach dem Erdbeben. Seine Mutter lebt sogar nicht mal in dem Rohbau, das ist für die Volunteers, während er im Aufenthaltsraum auf einer dünnen Matte schläft und seine Mutter zusammen mit den Ziegen und Hühnern in einem Holzgestell nebenan.

    Hinzu kommt noch das Kastensystem, das in Nepal zwar in den 60ern abgeschafft wurde aber immer noch gelebt wird. Wir kriegen es sogar selbst zu spüren. Als wir gerade am Löcher graben sind kommen 2 Nepalesen vorbei. Er, angeblich Ingenieur, sie weiß ich nicht. Sie begrüßen uns und unterhalten sich dann ausschließlich mit Micha und mir, obwohl Bikash keinen Meter neben uns steht. Was wir hier gerade einpflanzen? Blick zu Micha und mir. Und ich denke so: Hä? Frag doch den Master, der direkt neben uns steht? Dem gehört das hier alles, wir sind nur ausführende Kraft. Aber Bikash ist still und die beiden gucken ihn auch nicht an. So geht das 5 Minuten, mittlerweile finde ich die beiden sehr unnett. Sie erzählen, dass sie für eine britische NGO arbeiten, die in einer Woche 20 junge Volunteers aus Großbritannien hierher bringt, und die beiden daher auf der Suche nach geeigneten Unterkünften sind. Als sie weg gehen fragen wir Bikash, was das war. Bikash ist als Gurung in einer der untersten Kasten, der Nepalese von der NGO viel weiter oben, weswegen er Bikash nicht beachtet. Das sei auch immer so, wenn Bikash auf irgendwelchen Ämtern ist, alle gucken auf ihn herab, denn er ist nur Farmer, und die Leute haben keinen Respekt für Farmer. Das Kastensystem in gelebter Form. Aber Farmer sein ist Bikashs Wunsch, er macht den Job so gerne und möchte nichts anderes. Viele seiner Nachbarn, gerade die Jungen, sind bereits weggezogen, viele Felder stehen leer und sind vertrocknet. Seine Schwestern sind ebenfalls weggezogen, eine nach Gorkha in die Stadt und die andere nach Indien. Regelmäßig sagen sie Bikash, dass er auch nachkommen soll, aber er will da bleiben und farmen. Sein Vater war bei der britischen Armee, und wollte, dass Bikash ebenfalls zur Armee geht, denn da kann man Geld verdienen, im Gegensatz zu dem Leben auf dem Land. Alle sagen ihm, er solle wegziehen, weg vom Land, weg aus Nepal, es gäbe so viele Orte, an denen man mehr Geld verdienen könnte als in dem Leben als Farmer in Nepal. Aber ihm und seiner Mutter gefällt es hier so gut, und er ist so gerne Farmer, sodass sie hier bleiben.
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  • Day251

    Volunteering in dem Dorf Patiswara

    February 1 in Nepal ⋅ ⛅ 12 °C

    Jetzt gehts los, Nepal pur!

    Wir haben uns über die Plattform Workaway.com ein soziales Projekt rausgesucht, bei dem wir für die nächste Woche bei einer Familie auf dem Dorf wohnen werden, die sich mit noch 5 weiteren Familien zu einer Agrargenossenschaft zusammengetan haben. Ziel ist es, den Familien beim Aufbau von einem kleinen Business zu unterstützen, sodass sie sich in Zukunft von den Einnahmen der Erzeugnisse selbst ernähren können. Wir werden bei Aufgaben helfen, die anfallen, was sowohl manuelle Arbeit auf dem Acker wie auch Hilfe beim Häuserbau, oder Brainstorming-Sessions für das Geschäft sein kann. Ich bin sehr gespannt! Die Unterkunft klingt sehr einfach, nichts mit Heizung und warmen Wasser. Duschen kann man, indem man sich mit nem Eimer Wasser vom Fluss holt. Da auch hier Winter ist, hoffe ich auf eine kleine Hitzewelle in den nächsten Tagen 😅

    Schon die Fahrt zu dem Dorf erweist sich als äußerst spannend. Samantha, die Frau von der Genossenschaft, mit der ich geschrieben hatte, hatte mir eine Anweisung gegeben, wie wir aus Kathmandu zu ihrem Dorf kommen. ‚Den Bus von Kathmandu nach Pokhara nehmen, in Chumkhola aussteigen (3,5 Std), dann über eine Brücke, und den Bus nach Kol Muni Tol nehmen (1,5 Std). Der Bus fährt immer nur 1x am Tag. Sollten wir kein Ticket mehr dafür bekommen gar kein Problem, man kann in den Minivans auch stehend mitfahren.‘ Samantha weiß noch nicht, dass wir 30cm größer sind als die maximale Stehhöhe des Minivans und dazu noch Gepäck für 1 Jahr mithaben. 😂 Am Abend vorher kann ich weder Chumkhola noch Kol Muni Tol in Google oder unserer Mapout offline Karte finden, und damit sehe ich auch nicht, von wo der Bus in Kathmandu abfährt. Uiuiui, das wird ja spannend Morgen früh! Am morgen kann unser mega freundlicher Hotelbesitzer helfen. Einfach zur „New Bus Station“ in Kathmandu und dort den Bus nach Pokhara nehmen. Klingt easy, machen wir genauso. Wir stehen auf der Straße um ein Taxi ran zu winken, während ich New Bus Station in Google eintippe. Gibt es nicht, nur Naya Bus Station. Das wirds wohl sein, wir lassen uns dahin fahren. Kaum sind wir aus dem Touristenviertel Thamel raus kriegen wir beide mega Bock. Endlich raus aus der Touristenbubble und das richtige Nepal entdecken! Die Taxifahrt ist spannend, wir gucken buchstäblich durch die Fenster in eine andere Welt. An der Busstation steigen wir aus, außer uns nur Nepalesen hier. Spannend! Nach 1 Sekunde des „einfach den Bus mit der Aufschrift Pokhara suchen“ Suchens muss ich laut lachen. Man kann GAR nichts lesen! Alles Nepali-Schriftzeichen, wie naiv von uns! 😂 Im Touristenviertel Thamel ist halt alles zweisprachig, schön für die Ausländer aufbereitet. Hier an der Naya Bus Station nicht. Zum Glück sprechen viele Nepalesen ein bisschen Englisch und sind mega hilfsbereit. Wir werden von einem zum anderen geleitet, kaufen ein Ticket bis nach Chumkhola und werden direkt vom Fahrer zum Minibus chauffiert. Mit uns ganz viele Nepalesen und doch noch ein weiteres europäisches Paar. Auf der Fahrt gibts laute, indische/ nepalesische Musik mit dazugehörigen, mega cheesy Musikvideos. Für die 80km bis nach Chumkhola brauchen wir sage und schreibe 3,5 Stunden.

    Der Busfahrer sagt uns mehrfach, dass wir jetzt gleich aussteigen müssen, ich weiß aber, dass Chumkhola in der Nähe von Manakamana sein muss, und davon sind wir noch ewig weit entfernt. Also dürfen wir noch ne halbe Stunde mitfahren. Irgendwann ruft er „Chimikhola“ durch den Bus, um uns anzudeuten, dass wir jetzt da sind, wir rufen „Chumkhola“ zurück, fahren noch ein paar Meter, dann ruft er „Chumkhola“, jetzt sollen wir aussteigen. Das ganze wirkt nicht besonders vertrauenswürdig, „sind wir hier richtig?“, es lässt sich leider nicht prüfen, denn Google kennt den kleinen Ort nicht, also steigen wir aus und stehen im Nirgendwo zusammen mit 3 kleinen Shops und 10 uns interessiert anguckenden Einheimischen. Ich komme mir vor wie ein Tier im Zoo. 😂

    Wir gehen über eine lange Brücke und kommen am Ende zu einem anderen kleinen Dorf mit ein paar kleinen Läden. Fährt hier der Bus nach Kol Muni Toi? Jaaa, mega! 🤩 In einer Stunde fährt der Bus los, wir suchen hungrig nach Mittagessen, finden leider keins, also müssen muffige Kräcker, im Mund zerbröselnde Butterkekse, sowie super muffige Schokokekse aus dem Shop vor dem Busstop herhalten. Die Busfahrt erweist sich als noch viel größeres Spektakel als die Erste. Es geht über eine hart buckelige, steinige Sandstraße in Kurven den Berg nach oben, neben uns der immer tiefer werdende Abhang. Die Straße ist ganz klar einspurig, die Nepalesen scheinen das aber anders zu sehen, denn vor jeder Kurve hupt der Busfahrer als Warnung für den möglichen Gegenverkehr. Es kommt uns in den 1,5 Stunden Buckelstraße, in denen wir sagenhafte 15km machen, zum Glück keiner entgegen, das Manöver hätte ich auch nicht gerne miterlebt.

    Auch hier werden wir wieder im Nirgendwo rausgelassen, keine Bushaltestelle, kein Zeichen, kein Nichts was darauf hindeute könnte, dass wir hier richtig sind. Eine alte freundliche Frau begrüßt uns, spricht allerdings kein Englisch, und ruft jemanden an. Aaah perfekt, wir werden erwartet und sind hier richtig 🤗 Die Frau macht uns mega leckeren Tee während eine Herde Ziegen an uns vorbei meckert. Wie schon den ganzen Tag bin ich mega begeistert was ich hier tolles rausgesucht hab, voll mega authentisch und fern ab von den Touristenpfaden. Micha muss mehrfach bestätigen, wie toll das ist, was ich hier gefunden hab. 😂

    Als wir den Tee ausgetrunken haben zeigt uns die alte Frau unsere Bleibe für die nächste Woche. Wir saßen die ganze Zeit davor: Ein unfertiger Rohbau, unser Zimmer besteht aus vier Betonwänden, zwei Fenstern ohne Fensterscheiben und ein Bett aus einer Holzpritsche mit einer Wolldecke drauf. Vor dem Fenster hängt ein Schal als Schutz vor dem Wind, die kleinen Ziegelsteine, die den Schal festhalten sollen, werden allerdings immer vom Wind weggepustet. F***, das wird arschkalt heute.

    Wir lernen Bikash kennen, unseren Gastgeber und Sohn der alten Frau. Bikash ist super nett, wir sollen erstmal ankommen und Mogen gehts dann raus aufs Feld. Wir essen zusammen, sitzend auf dem Teppichboden, es gibt Reis mit Linsensuppe und Gemüse, bis auf den Reis alles aus der eigenen Produktion. Gegessen wird mit den Händen. Wir lernen Bikash näher kennen und bekommen das Gefühl, dass er große Chancen auf den „Liebster-Mensch-der-Welt-Preis“ hat. Mittlerweile ist es stockdunkel und sau kalt. Keine Fensterscheiben, keine Heizung, Winter in Nepal, wir sitzen quasi wie draußen, und zusätzlich noch auf dem Boden. Als wir ins Bett gehen bin ich komplett durchgefroren. Mein stolzer „Was ich hier tolles gefunden hab!“ Ausruf wird immer leiser. Micha ist lieb und meckert zum Glück nicht oder sagt sowas wie „wer hat das hier nochmal so toll ausgesucht?“ Ich muss mir vorsagen, dass es morgen wieder hell ist, warm und bestimmt ganz toll. Wir machen das hier schließlich, weil wir was Gutes tun wollen, also stell dich nicht so an.
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  • Day252

    Unterstützung auf der Farm

    February 2 in Nepal ⋅ ☀️ 10 °C

    Jeden Tag arbeiten wir etwas anderes. Mal buddeln wir Löcher für Bananenbäume, mal wässern wir neu eingepflanzten Blumenkohl, mal säen wir Radieschen oder pflanzen Mostragen. Andere Male peitschen wir mit Bambusstäben trockene Blätter von Beifußästen, um aus den Blättern Medizin zu machen. Das Wetter ist tagsüber mega angenehm, und es macht Spaß draußen an der frischen Luft zu arbeiten. Wir arbeiten allerdings nie mehr als 4 Stunden am Tag, mega wenig, gerne würden wir mehr helfen! Aber Bikash lehnt ab, Maki, der Leiter seiner kleinen 5-köpfigen Agrargenossenschaft hat gesagt, dass die Volunteers nicht so hart arbeiten sollen. Sie seien körperliche Arbeit über Stunden schließlich nicht gewohnt.

    Mir ist bitterkalt, stundenlang lungern wir am Tag einfach nur so rum, machen halt eigenen Kram. Da wir nur so wenig arbeiten frage ich mich ernsthaft, ob wir hier wirklich eine Hilfe sind. Meine Nasennebenhöhlenerkältung geht in diesem Frost selbstverständlich nicht weg, mein Geburtstag naht, mir ist kalt, ich könnte mir wärmere Orte zum chillen vorstellen, ich überlege ob wir frühzeitig abfahren könnten. Denn wenn ich hier keine wirkliche Hilfe bin sehe ich den Sinn nicht, warum ich hier in Eiseskälte meine Zeit verbringe.

    Wir fragen immer mal wieder, womit Bikash sein Geld verdient um besser zu verstehen und ihm vielleicht auch mit de geschäftlichen helfen zu können. Er erzählt ganz offen, wieviel er für eine Bananenstaude bekommt, wieviel hierfür und wieviel dafür. Er hat einen japanischen Doktor, der einige seiner Pflanzen als natürliche Medizin in einem japanischen Therapiezentrum einsetzt, und daher ab und zu mal bei Bikash einkauft. Weiterhin produziert aus einigen Pflanzen ätherische Öle, die er 2x im Jahr auf einem Markt verkauft. So richtig große Summen kommen da allerdings nicht bei rum. Da er weder Auto, noch Moped, noch Sackkarre hat, kann er seine Erzeugnisse auch nicht ins Dorf fahren, um sie dort zu verkaufen. Er sitzt also auf ganz vielen leckeren Essenssachen, und möchte so gerne noch viel mehr anbauen, aber kriegt sie nicht an den Mann. Volunteers zahlen eine kleine Aufwandsentschädigung (4€) pro Person pro Tag, offiziell für den Verbrauch der Dinge die eingekauft werden müssen, wie zB Gas zum kochen, und bringen somit etwas Geld rein. Man bekommt dafür dann 3x am Tag warmes Essen mit Zutaten aus dem eigenen Anbau. Und ein Dach überm Kopf sowie Bikashs ungeteilte Aufmerksamkeit. Da er und seine Mutter sich fast komplett aus der Farm ernähren können brauchen sie nicht viel Geld zum überleben. Allerdings wurde das Haus durch das Erdbeben zerstört. Und für den Wiederaufbau des Hauses, und um die Farm so auszubauen wie er sie sich wünscht, und generell für ein Leben mit Zukunft auf dem Land braucht man es eben doch. Dazu kommt dass Bikashs Vater starb als er 14 war, daher sind er und seine Mutter nun allein.
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  • Day252

    Endlich richtig helfen

    February 2 in Nepal ⋅ ☀️ 14 °C

    “Wo lagerst du das Geld, das du hast?
    Hast du ein Bankkonto?” Als wir auf getrockneten Beifußästen eindreschen, um die Blätter nachher zu den kleinen Bällchen zu rollen, die an den japanischen Arzt verkauft werden, loten Micha und ich Optionen aus, wie wir Bikash weiterhin unterstützen können, wenn wir wieder weg sind. Schon längst haben wir beschlossen, unser restliches nepalesisches Bargeld hier zu lassen. Und auch für zukünftige Volunteers, die die Initiative gerne unterstützen möchten, geht das nur, wenn er ein Bankkonto hat. Bankkonto? Nein, hat er nicht. Wurde er schon öfters von Volunteers gefragt (die vermutlich ebenfalls Geld schicken wollten), aber er hat kein Bankkonto, er weiß gar nicht, wie man das bekommt.

    Und jetzt witteren wir unsere Chance, wie wir wirklich helfen können. Nachhaltig, nicht nur ein paar Blumenkohle pflanzen, die in 2 Monaten aufgegessen sind. Bikash, du brauchst ein Bankkonto! Lass direkt morgen in die Stadt fahren und dir ein Konto aufmachen. Wir wollen dir Geld überweisen, du brauchst ein Konto! Was? Das Konzept, dass wir ihm Geld spenden wollen, scheint ihm völlig neu. Dieser junge Mann ist so uneigennützig, so zurückhaltend, und wahrscheinlich auch so innerlich zufrieden, dass wir ihn regelrecht zu seinem Glück zwingen müssen.

    Micha liest sich durch, was man alles braucht, um ein Konto zu eröffnen, und daraufhin sucht Bikash aus allen Ecken die nötigen Dokumente zusammen. Sein Ausweis liegt unter der Matratze im Aufenthaltsraum, er braucht ihn einfach nie. Wir rufen noch Maki an um sicherzustellen, dass wir alle Dokumente haben. Wir brauchen ein Dokument mit dem wir eine Adresse nachweisen können. Im Internet stand, dass das zB die Stromrechnung sein könne, aber auf dem pinken Blättchen, das Bikash als Stromrechnung mitgebracht hat, steht keine vollständige Adresse. Das reicht, sagt Maki, also top, wir haben alles. Morgen früh gehts ab in die nächstgelegene Stadt, nach Gorkha, ein nepalesisches Konto eröffnen! Bananenbaumlöcher kann jeder buddeln, endlich hab ich das Gefühl, hier mal richtig und vorallem nachhaltig helfen zu können! ❤️
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Gorkha

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