Nicaragua
Ensenada de Amarillo

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8 travelers at this place:

  • Day216

    Playa Gigante 1

    April 15 in Nicaragua ⋅ ⛅ 31 °C

    Wo Ochsen voll beladene Karren ziehen.

    Wo im Kühlschrank keine einzige Plastikverpackung zu finden ist.

    Wo Pferde und Hunde frei herum laufen, Ferkel dagegen Gassi geführt werden.

    Wo Pura Vida einfach nur gelebt anstatt wie in Costa Rica gehyped wird.

    Wo so ziemlich alle Gerichte Mais als Grundlage haben.

    Wo Wasserkanister, Holzbalken, Stühle und vieles mehr auf Pferden transportiert werden.

    Wo Kühe Vorfahrt auf der Straße haben.

    Wo vor jedem Haus mindestens eine Hängematte hängt.

    Wo Jungs mit Lassos Kühe treiben.

    Wo man die Wäsche per Hand auf dem Waschbrett im Garten wäscht.

    Wo die Antwort auf so ziemlich alles „tranquilo“ lautet.

    Wo in feinster Handarbeit Fischernetze repariert werden.

    Wo dreimal täglich Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) gegessen wird.

    Wo Fische an Leinen zum Trocknen aufgehängt werden.

    Wo man stets das Meer rauschen hört.

    Wo Brüllaffen durch den Garten streifen.

    Wo alle paar Tage der Strom für viele Stunden ausfällt.

    Wo meine geliebte Frangipani-Blüte Nationalblume ist.

    Wo man noch an einem menschenleeren Strand joggen kann.

    Wo man um 21 Uhr ins Bett geht und um 5 Uhr aufsteht.

    Wo Lachen die kurzfristige Lösung für alles ist.

    Wo der wunderschöne Nationalvogel Guardabarranco morgens zu Besuch kommt.

    Wo die Frauen kochen, putzen, waschen, einkaufen und die Männer Fischer sind.

    Wo abwechselnd Reggaeton, Salsa, Bachata und Reggae aus überdimensional großen Boxen scheppert.

    Wo Dienstags und Sonntags der Gemüsewagen mit ohrenbetäubenden Megafon-Ansagen über das aktuelle Angebot durchs Dorf fährt.

    Wo das Konzept der Großfamilie gelebt wird.

    Wo die Haustüren stets offen stehen.

    Wo einmal am Tag der bunte Oldtimer Bus vorbeituckert.

    Wo „buena onda“ (Good Vibes) höchste Priorität hat.

    Wo ich in den kommenden fünf Wochen ein Stück meines Herzleins verlieren werde.

    El Gigante.

    Ein kleines Fischerdorf an der südlichen Pazifikküste Nicaraguas.

    Am Tag nach meinem Geburtstag in Costa Rica kommen Felix und ich hier am Playa Gigante an.
    Die ersten drei Tage wohnen wir zusammen im „Brio“- Hotel und genießen die außergewöhnliche Atmosphäre, die die Manager Natalie und Adam dort kreieren.

    Und dann beginnt meine Zeit in der einheimischen Familie Espinoza.
    Für mich ist das der Start einer kulturellen und sprachlichen Immersion. Felix hingegen zieht nach Popoyo um, um dort den Traum eines jeden Surfers zu leben, was bedeutet, mehr Stunden des Tages im Wasser als an Land zu verbringen.

    Es liegt nun also eine Zeit vor uns, in der Felix und ich an verschiedenen Orten leben und uns gelegentlich für einen gemeinsamen Ausflug treffen oder uns gegenseitig besuchen.

    Nach siebeneinhalb Monaten des Aufeinanderklebens fühlt es sich ungewohnt an, ohne den Partner zu sein. Aber genau dies ist auch das Schöne dieser örtlichen Trennung: Mal wieder für sich alleine sein. Beobachten, wie Andere einen als Einzelperson wahrnehmen. Ohne Kompromisse seine Interessen und Hobbies ausleben können. Eigene Entscheidungen treffen müssen.
    Den Partner vermissen. Vorfreude auf ein Treffen spüren.

    Was für ein aufregender neuer Abschnitt unserer Endless-Summer-Reise!

    Der Zeitpunkt meiner Ankunft in Gigante ist ein ganz Besonderer: Semana Santa (die Osterwoche), oder auch Semana Loca (verrückte Woche) wie die Nicas sagen. Warum loca?
    Weil eine Woche lang gefeiert wird, als gäbe es keinen Morgen mehr.
    An den sonst menschenleeren Stränden rund um Gigante werden Busladungen voller feierwütiger Städtler ausgespuckt, auf den Gassen verkaufen fliegende Händler allerlei Kram und
    Snacks, Musik (natürlich Reggaeton) dröhnt aus allen Richtungen und das Meer ist gesprenkelt von bunten Punkten. Das Baden in Kleidern hat jedoch nichts mit der Religion zu tun (die Mehrheit ist christlich), sondern die Nicas sind eitel was ihr Aussehen betrifft und schämen sich, ihren eventuell nicht perfekten Körper zur Schau zu stellen.
    Das wird mir erst so recht klar, als ich in meinem Bikini und mit meiner neuen Freundin Rachel durch die tosende bunte Menge am Strand spaziere und mich alle angaffen.
    Rachel ist die Tochter von Juan, dem Chef meiner Spanischschule „El Pie de Gigante“, wo ich jeden Morgen Unterricht bei meiner überaus lustigen Lehrerin Marcela habe.
    Rachel studiert Journalismus an der Uni Managua. In stundenlangen Gesprächen berichtet sie mir über die Proteste und die Ungerechtigkeiten, die sich letztes Jahr in Nicaragua ereignet haben. Ganz schön anspruchsvoller Einstieg in meine Spanischkarriere hier in Gigante :).
    Sie berichtet davon, wie sie und viele ihrer Kommilitonen im April 2018 Demonstrationen organisiert haben gegen die Kürzung der Gelder für Pensionäre. Wie sie sich für das Recht der Senioren erhoben haben. Wie sie von der Regierung unter Daniel Ortega niedergeschmettert wurden. Wie die Proteste außer Kontrolle gerieten. Wie Polizisten auf Demonstranten schossen. Wie Studenten verhaftet wurden, nur weil sie ihre Stimme erhoben haben. Wie Journalisten ins Ausland flohen, weil sie um ihr Leben fürchteten. Wie auf den Straßen Managuas, Leons und Masayas Blutvergiessen an der Tagesordnung war.
    Beim Erzählen steigen ihr Tränen der Trauer und der Wut in die Augen. Genau in diesen, eigentlich fröhlichen Ostertagen, eskalierte vor einem Jahr die Situation und damit brach auch der Tourismus in Nicaragua zusammen, was vielen Einheimischen die Lebensgrundlage kostete.

    Es ist fesselnd, berührend und ergreifend, diese Geschichten aus dem Munde einer direkt Beteiligten zu hören.

    Mit Rachel, ihren zwei Schwestern und ihrem Papa Juan erlebe ich dann auch am eigenen Körper, wie „loca“ die Semana Santa wirklich ist. Am Samstag der Osterwoche
    tanze ich als einzige Touristin inmitten wild gewordener, hüftschwungerprobter Nicas die Nacht hindurch. Geschlagene acht Stunden trainiere ich meine Oberschenkel- und Pomuskeln, denn zu Reggaeton gehts „Abajo Abajo“ in die Knie bis man ganz unten ankommt. Nachdem man da unten dann ein bisschen seinen Hintern gewackelt hat, gehts dann ganz langsam wieder „Arriba, Arriba!“ Damit das auch alle schön im Gleichtakt tun können, bellt der DJ die Kommandos heiter durch sein Mikrofon. Mit jedem „Nica libre“ komme ich ein bisschen besser in die Latina-Moves rein und tanze auf diesem Sand-Dancefloor, bis die Sonne mir entgegenlacht.

    Wer mir ebenso entgegenlacht, ist meine Gastmama, als ich völlig fertig um sieben Uhr morgens mit tausend Kilo schweren Beinen daheim einlaufe.

    Wo für sie der Tag schon lang begonnen hat, falle ich ins Bett und träume von „Abajo, Abajo! Arriba, Arriba!“

    Ein bisschen stolz bin ich dann am nächsten Tag, als Juan erzählt, dass ihn viele Locals gefragt haben, wer diese „chela“ (Weiße) sei, die er auf die Fiesta mitgebracht habe und dass sie noch nie eine chela so latinamässig tanzen sehen haben.

    Ich freue mich sehr über dieses Kompliment. Als ich dann jedoch die Kinder anschaue, die auf einer extra für die Semana Santa aufgebauten Bühne am Strand spontane Dancemoves hinlegen, realisiere ich schnell wieder, wie viele Universen zwischen einer deutschen und einer Latinohüfte liegen.

    Wie gut, dass ich noch einige Wochen in diesem Latinoland Zeit habe, mir den ein oder anderen heißen Dancemove abzuschauen :)
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  • Day236

    Playa Gigante 3

    May 5 in Nicaragua ⋅ ⛅ 32 °C

    Ich wohne nun schon seit einiger Zeit in El Gigante bei meiner Gastmama Maria Helena und ihrer Familie. Die ersten zwei Wochen hatte ich einen amerikanischen Gastbruder. Branden und ich haben uns jedoch selbst die Regel auferlegt, im Hause Espinoza kein Englisch zu sprechen. So kämpften wir uns bei Frühstück, Mittag- und Abendessen auf spanisch durch, auch wenn es oft sooooo viel leichter auf Englisch gewesen wäre.

    Branden war für mich wirklich wie ein „Hermano“, vor allem wenn wir zusammen mit unserer mamacita am Esstisch saßen und von unseren Erlebnissen des Tages erzählten. Abends sind wir oft zusammen ins Dorf gelaufen, um dort in einer der an einer Hand abzählbaren Bars ein kühles Toña (das Nica National Bier) zu trinken. Meist ging es ins Juntos oder in das Giants Foot Surf Camp. Der Giants Foot, auf Spanisch „Pie de Gigante“ ist eine Felsformation am südlichen Ende des Playa Gigante, von der aus man einen spektakulären Blick auf die Küste hat. Mit Branden, Rachel, der Tochter von Juan (Chef meiner Spanischschule) und Will, dem Surflehrer der Spanischschule habe ich den Pie de Gigante eines Abends bestiegen, um von oben den Sonnenuntergang über dem weiten Meer zu bestaunen. Gibt es was Schöneres, als das zauberhafte Verschwinden der Sonne hinterm Horizont?

    Mittlerweile ist mein Hermano Branden jedoch wieder in die USA zurückgekehrt und ich bin die einzige „chela“ im Hause Espinoza. Ein kleiner FunFact am Rande: das Wort chele beziehungsweise chela (wie Nicas die Weißhäutigen nennen) kommt von leche (Milch).

    Aber Einzelkind bin ich noch lange nicht, da ich ja noch meine Nica-Gastbrüder Andres und Chepe habe. Chepe ist ein fauler Teenager, der mich als seine große coole Schwester sieht, die ihn immer wieder mit in die Bars nimmt und ihm ein Bier kauft. Da ich berufsmäßig ganz genau weiß, wie man mit solchen muffligen Teenagern umgeht, gewinne ich recht schnell sein Vertrauen und er nimmt es mir nicht übel, dass ich ihm täglich ins Gewissen rede, wie wichtig Schule und Lernen sind. Andres ist Fischer und bringt jeden Tag frischestes Seafood nach Hause. Von Red Snapper über Muscheln und Calamari bis zu Garnelen und Lobster ist alles dabei. Mittags hänge ich manchmal mit ihm und seinen Kumpels ab, die in aufwendigster Kleinarbeit die Netze reparieren. Sie erklären mir, dass jetzt, da der Winter anfängt (Winter bei 30 Grad - dass ich nicht lache!) die Langusten-Saison beginnt. Und schwupp, kocht die Mama am Abend Lobstersuppe. Die Mama und das Kochen ist eh ein Thema für sich. Darüber könnte ich einen ganz eigenen Bericht schreiben. Dreimal täglich kocht sie für mich - ich wohne quasi in einem All-in Hotel :) Sie kocht unglaublich lecker und zaubert die kreativsten Vegetarischen Gerichte. Zu meinen Favorits gehören: Bohnensuppe mit Ei, Rote Beete Salat mit Tomaten, Gemüsesuppe mit Milch, Senfgemüse mit Tortilla und Repucheta (frittierte Tortilla mit Bohnenmus, Creme frêche und geraspeltem Käse drauf).
    Des Öfteren kochen wir auch zusammen, zum Beispiel bringt sie mir bei, wie man Nacatamal zubereitet. Das ist sowas wie das Nationalgericht und besteht aus Reis, Hühnchen in Soße, Gemüse, Maismehlmasse und Minzblätter - alles in einer ganz speziellen Art in Bananenblätter eingewickelt und als grünes Paket in heißem Wasser gegart. Manchmal organisieren die Lehrer meiner Spanischschule einen Kochsession für alle Schüler. Diese findet dann bei Maria Helena statt, da sie eine große Küche hat, gesellig ist und es liebt, wenn was los ist in ihrem Haus. So auch an diesem Morgen - die sechs Schüler, die außer mir gerade an der Schule sind, kommen zu „mir“ heim und wir lernen, wie man Enchiladas kocht. Das sind gefüllte und frittierte Maismehl-Teigtaschen.

    Meine Mamacita hat einen Holzofen im Garten, deshalb ist sie erstens bekannt für ihr selbstgebackenes Brot (was wir eines Mittags auch zusammen machen und die Mama sich kaputtlacht über meine Brezeln) und zweitens für ihre Bohnen. Zweimal pro Woche kocht sie über dem Holz einen riesigen Topf Bohnen mit speziellen Gewürzen ab, verpackt diese dann in kleine Plastiktüten und verkauft sie an die Dorfbewohner. Meine Mama ist quasi die Bohnenbeauftragte des Dorfes. Es wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben, wie mehrmals täglich jemand durchs Gartentor hoch zum
    Haus läuft und fragt: „Hay frijoles?”
    Zudem ist Maria Helena auch Eisbeauftragte. Sie ist eine der wenigen im Dorf, die einen Filter fürs Hahnenwasser hat. In die gleichen Plastiktüten wie die Bohnen füllt sie also auch Wasser und legt die Beutel dann in den Gefrierschrank. „Hay hielo?”
    So läuft das hier. Jeder im Dorf hat seine Aufgabe.

    Ich fühle mich pudelwohl bei Maria Helena und ihrer Familie. Es hat einige Wochen gedauert, bis ich durchschaut habe, wer wirklich zur Familie gehört und wer nur Besuch oder Nachbar ist. Es ist aber auch wirklich verwirrend. Jedes Mal wenn ich heimkomme hängen andere Menschen im Garten herum, immer ist was los. Und dann ist es auch so, dass das mit der Blutsverwandtschaft nicht so ganz streng genommen wird hier. Der „abuelo“, der hier wohnt, ist gar nicht der Opa, sondern einfach nur ein alter Mann, der einsam war und meine Mama ihn deswegen bei sich aufgenommen hat. Chepe ist eigentlich gar nicht Maria Helenas Sohn (wie sie ihn selbst nennt), sondern ihr Enkel. Der „tío“ ist gar nicht wirklich der Onkel, sondern nur ein Nachbar und die schwangere „hija“ ist gar nicht Maria-Helenas Tochter, sondern nur die Freundin ihres Sohnes. Und so weiter und so fort.
    Irgendwie gehören einfach alle zur Familie, die man mag. Und genau das spüre ich auch. Ich bin Teil dieser Familie. Gehe morgens brav zur Schule und mittags, wenn ich nicht gerade am Strand liege, sitze ich mit 2 bis 10 „Familienmitgliedern“ vor dem Haus und schaue auf die Straße. Dabei muss auch nicht zwingendermassen gesprochen werden. Anfangs ein kaum aushaltbarer Zustand für mich. Doch ich komme schnell rein. Einfach sitzen und vor sich hin gucken. Als ein Backpacker auf seinem Motorrad vorbeifährt und uns zuwinkt, wird mir plötzlich klar, dass ich mich endlich auf der anderen Seite befinde: ich bin nicht mehr der Reisende, der bewundert, wie viel Zeit die Einheimischen haben, um da zu sitzen und vor sich hin zu schauen, sondern ich bin mitten drin beim Dasitzen und Hinschauen. Wie eine ganz Professionelle sitze ich da und schau vor mich hin. Ein zartes Gefühl des Stolzes keimt in mir auf.

    Eines Tages kommt Andres ganz aufgeregt vom Fischen zurück. Er streckt mir eine Schüssel mit aufgeschlagenen rohen Eiern entgegen „Huevos de Tortuga“ (Schildkröteneier) verkündet er stolz. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht frägt er, ob ich auch eines will.
    Ich schaue ihn verwirrt an, schüttle den Kopf. Er zuckt die Schultern und schluckt sie dann einfach roh wie sie sind runter. Dabei grinst er so breit, dass ich völlig perplex bin und die Grundsatzdiskussion über Artenschutz und co. gar nicht erst anfangen kann. Andere Länder, andere Sitten.

    Für ein paar Tage wohnt Felix bei meiner Familie. Am deutschen Muttertag kochen wir für die Mamacita Käsespätzle. Was macht man, wenn man keinen Spätzlehobel hat? Genau! Improvisieren! Wir zerschneiden eine Plastikflasche, stechen Löcher unten rein und fertig ist die Spätzlepresse. Maria Helena ist beeindruckt von Felix‘ Schlagfertigkeit beim Teig herstellen und beäugt halb interessiert, halb kritisch die Spätzle-Käse Schichterei. Wo Reis mit Bohnen Alltag ist, kommen einem Nudeln mit Käse halt einfach komisch vor. Der Mama schmeckts richtig gut, die Teenager des Hauses stochern jedoch nur lustlos in ihren Tellern herum, was mich extrem an so manchen MuM-Unterricht in der Schule erinnert. Mein Gastbruder Chepe konzentriert sich ebenfalls hauptsächlich auf den Reis, den er sich zusätzlich zu den Käsespätzle auf den Teller geladen hat.

    Am nächsten Tag versorge ich nicht nur einige meiner Local-Freunde des Dorfes mit Käsespätzle, sondern auch die Lehrer meiner Spanischschule. Wenn das mal kein interkultureller Austausch ist! Meine Lehrerin Marcela bringt mir im Gegenzug selbstgemachte Buñuelos mit - gebackene Teigfladen aus Yucca-Mehl mit Honig.

    Es fühlt sich so gut an. An einem Ort wie diesem zu leben. Einen Alltag zu haben. Jeden Morgen in die Schule zu laufen und hier und da ein paar Einheimische zu grüßen. Geregelte Essenszeiten mit der Mama zu haben. Nicht vorausplanen zu müssen, sondern einfach mal angekommen zu sein. Eine Lieblingsbar zu haben. Alle Wege des Dorfes zu kennen.
    Selbst das mühsame Erlernen der Sprache ist eine sehr willkommene Herausforderung für mein Gehirn.

    Nach acht Monaten der „Heutehiermorgenda“- Reise und des Fremd-Seins ist mein Leben hier in Gigante gerade eine richtige Wohltat.
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  • Day251

    Playa Gigante 5

    May 20 in Nicaragua ⋅ ⛅ 28 °C

    Die Wochen vergehen wie im Flug und ich schließe immer mehr Freundschaften hier in El Gigante. Zum Beispiel mit dem hier wohnhaften Will. Aufgewachsen auf den Corn Islands in der Karibik, zeigt er mir eine ganz andere Seite Nicaraguas auf. Schnell wird mir klar, dass er sich selbst nur halb als Latino wahrnimmt. Die andere Hälfte seiner Identität ist Caribeño. Seine Muttersprache ist Creollo. Das klingt wie ein sehr lustiges Jamaica-Englisch, das man aus Dancehall und Reggaeliedern kennt. Bis er 11 Jahre alt war, hat er auf der großen Isla de Maíz gelebt, ohne Strom. Eine seiner Hauptbeschäftigungen war es, auf Kokosnusspalmen zu klettern und die Nüsse herunterzuholen, um damit frische Kokosnussmilch zu machen. An der Karibikseite Nicaraguas ist Kokosnuss Grundlage für so ziemlich alle Gerichte. Will ist ganz stolz auf die karibische Küche und zweimal komme ich dann auch in den Genuss, diese testen zu können: Das erste mal kocht er eine Fishball-Coconut-Soup und das zweite Gericht heißt „Rundown“. Ein traditioneller karibischer Eintopf auf Kokosnussbasis (die Kokosnussmilch natürlich selbst hergestellt) mit Fisch und Krabben. Dazu gibt es Kokosreis mit Erdnüssen. Wir sitzen auf der Terrasse seines Häuschens auf dem Hügel La Lomita, von dem aus man einen überragendem Blick zu beiden Seiten hat: links der Playa Gigante und rechts der Playa Amarillo. Außer mir sitzen nur Nicas am Tisch und ich bin die Einzige, die sich doof anstellt bei den Krabben. “Just suck the hell out of em!” Ich zutzle an dem Schalentierchen was das Zeug hält, aber richtig erfolgreich bin ich nicht. Naja immerhin trage ich zur Belustigung in der Runde bei :)

    Wills Bruder Sean arbeitet in Managua als Eventmanager und lädt mich eines Tages in das fancy „Aqua“- Hotel in der Redonda Bay ein. Das ist eine Bucht weiter südlich von Playa Gigante. Dort muss er heute irgendwelche hohen Tiere von Netflix und co. bespaßen.
    Das Schwabenherz in mir schlägt höher: Uuuhhhh in einem edlen Restaurant am Privatstrand, Ceviche, Cocktails - alles umsonst.
    Dort lerne ich unglaublich interessante und liebe Nicas kennen. Ein Mädel schenkt mir dann am Ende sogar ihre Sonnenbrille, nur weil ich gesagt habe, dass ich sie superschön fände (auf den Holzbügeln sind lauter landestypische Dinge abgebildet).
    Natürlich wird wieder getanzt. Sean ist ein richtiger Salsa- und Bachata- Profi und von Berufswegen Animateur. Eine richtige Partysau. So landen wir am Ende wieder in der Stammbar Juntos und feiern eine kleine Fiesta Privada. Das ist auch eines der Dinge, die mich hier so faszinieren: jeder, einfach jeder hat Lust auf Tanzen. Die Hüften zucken, sobald der Beat aus der Box wummert. Und dann ist es egal, ob es morgens oder abends ist, ob du Kind oder Opa bist, ob es zwei oder hundert Leute sind, ob es am Strand oder auf der Straße ist - getanzt wird immer und zwar mit vollem Herzblut und feinstem Taktgefühl. Ich bin im absoluten Tanzhimmel! Und da können die Menschen hier auch noch so arm sein und politische Schwierigkeiten haben - beim Tanzen wird das vergessen und man ist einfach glücklich. „Bailas y estas feliz!“

    So fühlt auch Viktor, der Neffe meiner Mama Maria Helena, mit dem ich ein paar mal getanzt habe und der mich so ziemlich jeden Tag fragt, ob ich wieder mit ihm ausgehen möchte.

    Eine andere Freundschaft der besonderen Art habe ich mit Ana geschlossen. Sie ist der einzige Mensch, der am Playa Amarillo (ein Strand nördlich von Playa Gigante) wohnt. In einer sehr kleinen, bescheidenen Holzhütte. Angefangen hat alles, als sie mir anbot, dass ich meine Tasche bei ihr ins Haus legen darf, während ich Baden/ joggen/ spazieren gehe. Da dieser unfassbar schöne lange Strand eben menschenleer ist, kam und kommt es öfters zu Diebstahl.
    Da sie am Strand oft alleine ist, freut sie sich stets über ein nettes Gespräch und so habe ich sie mindestens einmal täglich besucht, als ich zum Joggen oder Baden ging und wir haben uns mittagelang über Dies und Das unterhalten. Sie hat lokale Früchte mit mir geteilt, die ich noch nie probiert habe. Ich habe ihr Käsespätzle vorbeigebracht und Buntstifte für ihre kleine Enkelin.
    Sie hat mein Herz berührt. Obwohl unsere Lebensrealitäten so weit voneinander entfernt liegen, fühle ich mich ihr so nahe.

    Und am Abend vor meiner Abreise schaue ich mit ihr zusammen den spektakulären Sonnenuntergang über dem Meer an. Sie grinst mich an und meint, dass sie genau spürt, wie sehr mein Herz an diesem Ort und an „ihrem“ Playa Amarillo hängt. Da holt sie eine Schere, schneidet den selbstgemachten Traumfänger ab, der über ihrer Holztüre hängt und legt ihn mir in die Hände. Sie meint, die Muscheln, die daran befestigt sind, habe sie hier am Amarillo gesammelt und sie sollen mich immer an diesen magischen Ort erinnern. Ich kann dieses Geschenk erst gar nicht annehmen, da es ja der Beschützer ihrer Hütte ist (und sie eh jeden Tag Sorge hat, dass eingebrochen wird). Aber Ana besteht darauf, dass ich den Traumfänger mitnehme. Ich werde nie ihr wunderschönes Lächeln vergessen. Und das Strahlen in ihren Augen. Diesen glänzend-verträumten Ausdruck in ihrem Blick, den Menschen haben, die tagein tagaus in die Weite des Meeres schauen.

    Und dann ist da noch Rachel. Mit ihr habe ich viel spanisch gelernt. Ich habe sie als „große Schwester“ in Männerdingen beraten. Sie hat mir Latinamoves beigebracht. Wir waren am Strand spazieren. Haben von Aussichtspunkten Sonnenuntergänge angeschaut. Wir haben zusammen gekocht, Toña getrunken und Musik gehört. Ich habe ihr mein Fußkettchen geschenkt und sie mir ihr Nica-Tshirt der selben Marke wie die Sonnenbrille, die ich damals auf der Party geschenkt bekommen habe. Jincha. Eine lokale Marke, die wie viele Andere aufgrund der Proteste im letzten Jahr leider den Bach runter ging. Da man so ein Tshirt also nicht mehr kaufen kann, überlässt Rachel mir ihres. Darauf abgedruckt sind Nica-typische Worte wie Deacachimba! Tuani! Brutal! Bestial! Bacanal! Alles Ausdrücke, die ich von ihr und meiner unfassbar tollen Lehrerin Marcela gelernt habe. Marcela meint, ich sei jetzt schon eine halbe Nica - ‚du tanzt wie eine, redest wie eine - jetzt unterscheidet dich nur noch deine chele- Haut von einer richtigen Nicaragüense‘.

    Und tatsächlich fühle ich mich auch ein bisschen heimisch hier. Alle sind so herzlich, so offen und so gastfreundlich. Die Menschen hier in Gigante kreieren eine unglaublich entspannte und friedvolle Atmosphäre. Jeder grüßt jeden, man hat immer Zeit für ein Schwätzchen, die Uhr tickt irgendwie langsamer. „Tranquila! Toma tu tiempo!“ - „Ganz Ruhig! Nimm dir deine Zeit!“ ist ein Satz, den ich immer und immer wieder zu Hören bekomme. Disfrutar (Genießen). Pasar la bien (Gute Zeit verbringen). Buena Onda (Gute Stimmung).

    An meinem letzten Abend kocht meine mamacita nochmal richtig auf - Lobsterspaghetti, gegrillten Lobster, Repuchetas und Salat.

    Und dann ist es soweit.
    Der letzte Morgen. Wie es der Zufall so will, hat Maria Helena heute Geburtstag. 57 Jahre. Also eigentlich 37 Jahre, zumindest im Herzen, meint sie lachend. Sie ist so ein Sonnenschein und ein Witzbold. Was haben wir uns in den letzten 5 Wochen krumm gelacht.
    Für ihren Geburtstag haben Marcela und ich einen Bananenkuchen gebacken, den wir jetzt zusammen mit Juan, dem Chef der Schule und Julian, dem lustigsten Lehrer weit und breit verputzen. Ich habe für meine mamacita eine Tasse mit Fotos von uns beiden bedrucken lassen. Als sie sie auspackt, lacht sie sich schief, weil ich natürlich ein Grimassenbild ausgewählt habe. Und ältere Nicas tendieren dazu, bei Fotos die ernsteste Miene aufzusetzen, die sie nur können. Aber ich habe sie natürlich für unsere Selfiesession zum Lachen gebracht, was nicht wirklich schwer ist.

    Ach was werde ich Gigante und seine Menschen vermissen.
    Aber wie heißt es so schön?

    Leuchtende Tage.
    Nicht weinen, dass sie vorüber.
    Lächeln, dass sie gewesen.

    :)
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  • Day236

    surf, eat, sleep, repeat II

    March 19, 2018 in Nicaragua ⋅ ☀️ 30 °C

    Es war mal wieder an der Zeit, die Wellen riefen. Zudem war das Surfe der Hauptgrund meines Abstechers nach Nicaragua. Also ging es im Anschluss an den Zigarren WS Richtung Meer, ins gemütliche El Gigante. Anders als der Name vermuten lässt, ist der Ort nicht riesig, dafür aber an manche Stellen die Wellen.
    Der Ort ist eher beschaulich. Eine Sandstraßen, ein paar Unterkünfte und Restaurants, Surfbrett Verleih, fertig.

    Ein typischer Tagesablauf:
    - 06:15 Uhr aufstehen, Kaffee Kochen und den Wellen zusehen
    - 07:00 Uhr Yoga
    - 08:30 Uhr Frühstück
    - Anschließend, je nach Bedingungen, surfen
    - Mittag und Mittagschlaf
    - zweite Runde surfen
    - Abend essen, 1-2 Bierchen trinken und manchmal mit anderen beim Lagerfeuer am Strand den Abend ausklingen lassen
    21:30 Uhr schlafen

    In diesem Rhythmus kann man hier schon etwas versacken, weshalb ich am Ende auch zwei Wochen an diesem schönen Ort war. Das es mir nicht alleine so ging, war auch mal ganz schön. So hatte man eine feste Gruppe an Leuten um sich herum.

    Auch das Surfen macht langsam Fortschritte. An einem Tag hatten wir dann die großartige Idee, einmal dort ins Wasser zu gehen, wo die Surfer sind, die es wirklich können. Dort angekommen stellten wir fest, daß die Wellen mit knapp über 2 Meter, steil und einer ordentlichen Kraft, doch nix für uns waren. Ein paar Meter weiter konnte man allerdings die abgeschwächte Variante fahren. Ca. 1,5 Meter, kraftvoll und mega steil. Nachdem uns die Wellen ca. 30 Minuten bearbeitet hatten, war dieses Experiment auch erledigt. Danachso ging es völlig geschafft und erkenntnisreich wieder zurück zu unserem "Haus Stand".

    Zwei weitere Ausflüge gab es in den Tagen auch noch. Einmal eine Motorrad Tour, es war eine Wohltat mal wieder auf nem Moped zu sitzen. Sowie ein Ausflug nach Popoyo, einer sehr schönen, langsamen Welle, auf der man lange Reiten kann.

    PS: On top gab es hier immer wahnsinnig schön Sonnenuntergänge!
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  • Day42

    Pie Gigante look-out

    July 31, 2017 in Nicaragua ⋅ ⛅ 29 °C

    Hiked up to the look out rock with the Spanish school crew at Playa Gigante. The rock is called 'Pie Gigante' or Giants foot as apparently the rock looks like a big foot. Stunning views including a full rainbow (Arco iris). We also got to watch whales swimming along the bay (humpbacks we think).

    Finished it off at Gigante Bay Hostel for a fiery sunset. Life's tough.
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  • Day47

    Playa Gigante - Homestay

    August 5, 2017 in Nicaragua ⋅ ⛅ 31 °C

    An incredible experience staying with a local family in Gigante. Not only got to practice my Spanish but had an amazing cultural experience including seeing how to make all the maiz-based products after the corn was harvested - bread, cakes, nacatamales, chicken soup with maiz-dumplings...y más!

    They had three kids - the two younger boys loved playing and called me "chica Nicole". They had two pigs which ate all their scraps, some chickens and am incredible hyperactive dog! I had a lot of fun living brutal Nica life!
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  • Day236

    Brett vorm Kopf!

    March 19, 2018 in Nicaragua ⋅ ☀️ 31 °C

    Die letzten Tage in meinem kleinen Surf Paradies waren allerdings nicht so erfreulich.

    An meinem letzten Sonntag vor Ort, war offiziell Sommeranfang in Nicaragua. Generell ist eines der größten Hobbys, aller Männer in Süd- und Mittelamerika, sich Sonntags die Kante zu geben. Dem entsprechend sieht man Sonntags auch schon morgens Männer mit Bier in der Hand, in der Sonne sitzen.
    Da nun auch noch der Sommeranfang begossen werden durfte, hatten sie doppelt Grund zu saufen. So kamen die Menschen Busse weise aus der Stadt, in den kleinen Ort El Gigante und stellten sich die Biere rein.
    Als wir Nachmittags zum Strand gingen war es furchtbar. Alles und alle waren voll. Am Strand angekommen sahen wir schon eine Mann, völlig fertig am Wasser liegen. Eines war jedoch merkwürdig, der Mann lag mit dem Gesicht nach unten und er rührte sich nicht. Auch nicht als das Wasser über sein Gesicht stieg. Alle Leute drum herum guckten nur, aber machten nix. Ich schnappte mir einen nüchternen einheimischen und wir zogen den Mann erste einmal aus dem Wasser. Es sah so aus als ob er nicht mehr atmete. Ich versuchte ihn anzusprechen und und rüttelte an ihm rum, worauf hin er zum Glück wieder richtig zu atmen anfing. Als nächstes wollten wir unseren neuen Freund in den Schatten legen, damit er sich ausnüchtern konnte. Der einzige Schattenplatz weit und breit, war von einer BBQ Gesellschaft blockiert. Wir entschieden uns dafür, ihn erst einmal dort ab zu legen. Wir packten ihn und fingen erst an durch den heißen Sand zu laufen, später zu rennen. Der Sand war so heiß, daß ich davon zwei Brandblasen an meinen Zehen erhalten hatte. Am BBQ Platz angekommen, legten wir den betrunken ab und in die stabile Seitenlage. Die Reaktion der BBQ Gesellschaft kam promt. Jedoch machten sie nicht etwa Platz oder gaben ihm bzw. uns etwas Wasser, nein sie beschwerten sich bei uns, was uns einfiel und warum wir den fast ertrunkenen gerade hier parkten. Ist Klar!

    Später erzählten andere Einheimische, dass es üblich ist, dass hier am Sonntag die Leute, nachdem sie zuviel getrunken hatten, gerne noch ins Meer gehen. Man muss dazu wissen, dass viele Nicaraguana Nichtschwimmer sind...

    Nachdem dieses Drama vorbei war und sich alles etwas beruhigte, war ich nun froh endlich surfen zu dürfen. Die Wellen waren gut und ich motiviert, also ging es ab ins Wasser. Ich hatte ein paar wirklich schöne Ritte und jede Menge Spaß, bis zur letzten Welle. Auch diese war echt schön! Wie üblich, ließ ich mich nach dem Ritt ins Wasser fallen. Leider drehte sich, nach meinem Abgang ins Wasser, das Board ungünstig. Die Spitze des Bettes muss in meine Richtung gezeigt haben, so dass dadurch die Leash (Leine die das Brett am Fuß hält) unter Spannung stand. Beim auftauchen muss ich dann irgendwie Zug auf diese Leine gegeben haben und so katapultierte ich mir das Brett voll ins Gesicht. Ergebnis, Platzwunde unterm Auge, eine leicht angebrochene Nasenwand und erstmal das Aus fürs Surfen...

    Glück im Unglück würde sich sagen. Bei einem spitzen Board wäre das Auge vielleicht raus.
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You might also know this place by the following names:

Ensenada de Amarillo

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