Peru
Queropalca

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3 travelers at this place

  • Day150

    Die Hüftgold-Strategie 3/8

    October 23, 2019 in Peru ⋅ ☁️ 8 °C

    Ich fahre heute mal eine andere Strategie. Gestern habe ich mir 6L Wasser reingepresst, ich hab gehört viel Trinken sei gut gegen Höhenkrankheit. Kann ich selber jetzt nicht bestätigen, daher heißt meine heutige Strategie: Fressen was das Zeug hält. Der Guide hat gesagt man verbrenne hier auf über 4.000m Höhe mega viele Kalorien und wir müssten daher viel essen. Zusätzlich sollen Kalorien gut sein für eine hohe Sättigung des Bluts, und eine hohe Sättigung (100 ist das beste) ist gut. Also stopfe ich mir über den halben Wandertag verteilt neben deluxe „ihr müsst viel essen!“-Frühstück, Mittagessen, Popcornpause und 3-Gänge Menü zum Abend noch 2 Powerriegel, getrocknete Früchte, diverse Zuckerbonbons, und, achja, 100g Schokolade rein. Ich esse bestimmt alle 15Min, immer wenn ich denke: Oh, Kopfschmerz! Micha schüttelt schon immer grinsend den Kopf, wenns bei mir wieder raschelt weil ich nach Schokolade in der Hosentasche wühle. Mir tun jetzt schon die Leute mit ner chronischen Überfunktion der Schilddrüse leid, die den ganzen Tag essen müssen, um ihr Gewicht zu halten. Die ganze Zeit essen ist grauenhaft! Ich fand das immer sehr beneidenswert und dachte das sei toll, aber mein Neid ist ab heute vorbei. Zusätzlich gehen wir gaaaanz langsam, sowohl berghoch wie auch bergrunter, und ich hab noch Tabletten von unserem Guide gekriegt, die Kokablätter, Koffein und andere Putschmittel enthalten. Scheiß egal, alles rein, Hauptsache kein stundenlanges Kopfdröhnen!

    Morgens und mittags misst der Guide unseren Puls und unsere Sauerstoffsättigung des Bluts mit sonem Messgerät am Finger. Der Puls ist hier standardmäßig stark erhöht, die Sauerstoffsättigung sollte nicht unter 70 sein, sonst muss man runter, 100 ist das beste.
    Micha, der Streber, hat ne Sättigung von 92, ich von 89, und Joey, die sich schlapp fühlt, nur von 74. Das ist nicht gut. (Wenige Stunden später ist die Blutsättigung auch bei Joey auf über 80 gekrabbelt, war zum Glück nur ein Morgentief.) Mein Puls im Sitzen ist mit ebenfalls 89 super geil niedrig, Micha und Joey haben beide einen über 100, ich bin ein klitzekleines bisschen stolz, dass mein Körper so fit ist. Na gut, ich bin sehr stolz 😄 Denn Joey ist mit meine sportlichste Freundin und Michas Körper kann ja einfach immer alles.

    Auf dem Weg kommen wir an einer Einheimischen vorbei, die Wegezoll von uns abnimmt. Francisco gibt ihr zusätzlich eine Orange, die die Frau dankend annimmt. „Früchte sind hier oben auf dieser Höhe wie Gold“ erklärt Francisco. Die Leute kommen nur 3x im JAHR in die Stadt, um Früchte zu kaufen. Hier oben wächst nichts, Früchte sind viel zu schwer um sie in Massen hoch zu schleppen und zusätzlich zu verderblich, um viel davon kaufen zu können. Uns gefällt die Geste, wir bekommen hier täglich Früchte en masse, sodass Micha bei nächster Gelegenheit (3 Stunden später, hier ist echt keine Menschenseele) seine Orange an einen Einheimischen gibt, der auf einem Pferd sitzt und seine Pferde- und Eselherde bewacht. Dieser lässt das „Gold“ blitzschnell unter seinen Umhang gleiten und freut sich.

    Auf einmal haben wir den Pass erreicht. Wir sind auf 4.800m! Ein neues all-time-high für Micha und mich! 🤩 Die Wanderung an sich ist überhaupt nicht schwer, ich habe null Muskelkater und bin gar nicht erschöpft. Es ist die Höhe und die schlechte Akklimatisierung, die das ganze anstrengend, ja mit der Höhenkrankheit zur regelrechten Strapaze machen. Normalerweise fing der Kopfschmerz immer direkt beim Abstieg an, wenn man den höchsten Punkt gerade überschritten hatte. Aber heute: Er kommt nicht! Es ist eine Stunde nachdem wir den Pass erreicht haben, ich gucke mich um, quickvergnügt, nichts! Noch schnell ein bisschen Schokolade nachlegen. Kurz später essen wir zu Mittag, und ich habe immer noch keine Kopfschmerzen!!! Sie werden heute nicht kommen, ich werde es schaffen, keine Kopfschmerzen! Ich könnt heulen vor Glück! Ha, ich muss heulen vor Glück, sooo schööön!!!! 😭🤩

    Ich werde diese Strategie weiterfahren. Zum Glück hat Micha vorab so viele Süßigkeiten eingekauft, als müssten wir uns selbst verpflegen 😅 Das ganze wird allerdings ne Kampfansage an meine Figur. Während Micha nach 2 Tagen wandern schon 2 neue Löcher in seinen Gürtel machen musste und Joeys Hose ebenfalls anfängt zu schlabbern, scheint mein Körper die Kalorien sehr dankbar als Hüftgold anzulegen. Irgendwie scheint wandern nicht als offizieller Sport für meinen Körper zu gelten. Ich musste heute meinen Gürtel schon entfernen, der passte nicht mehr - auf höchster Stufe 🙄 Will gar nicht wissen wie das nach weiteren 5 Tagen mit Hüftgold-Strategie ist 🙈

    Micha und Joey müssen mittlerweile laut lachen über ihren Adrenalinhunger beim Tour Operator, als sie die Akklimatisierungshikes geplant haben. „Noch ne halbe Stunde und der hätte uns den Everest verkauft!“ entfährt es Joey und beide prusten los. 😂

    Uff, wir erfahren gerade, dass immer wieder Räuber in diesem Camp sind. 😳 Gerade als wir alle essen waren inner Holzhütte stürmte der Guide auf einmal raus, da er in der Entfernung Lichter gesehen hatte. Das Camp hier sei das gefährlichste auf den Circuit und bekannt dafür, dass Dinge gestohlen werden. Äh, bitte was? Ich werde im Dunkeln beklaut? Wir sollen alle Sachen ins Zelt stellen und packen die Wertsachen und teuersten Klamotten in den Schlafsack.
    Oooooh no, das wird keine angenehme Nacht! 😫
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  • Day113

    Huayhuash

    November 13, 2019 in Peru ⋅ ☁️ 6 °C

    Nachdem mir üs entschide hend, nomal uf Huaraz zrugg z goh, isch für üs klar gsi:
    Das Mal wend mir de Huayhuash mache, en 8 tägige Trek, wo als aini vo de schönste Wanderige ufde Welt bezeichnet wird.
    Bald hend mir au e Agentur gfunde, wo de Trek abüted, leider isch denn s Ganze abgseit worde, wils ufgrund vo starkem Rege en Erdrutsch geh häd. Glücklicherwiis hed aber alles gruumt werde chöne und mir sind denn e Wuche spöter als ursprünglich plant uf de längsti Trek vo üsere Reis.

    Wanderig
    Jede Tag simer am 5i ufgstande, hend alles zemepackt und s Zält zemegruumt. Nachem
    Zmorge simer losglaufe und sind am Tag so zwüsche 5 - 8h glaufe. Afangs ischs sehr guet gange, mitde Ziit sind denn aber d Muskle rächt müed worde und mer hend es paarmol möse uf d Zää bisse... Mir sind insgesamt über 7 Päss glaufe, de höchsti Punkt uf 5200 MüM und de tüüfsti 3500 MüM. Jedes Mol nachdem mer e Pass ufeglaufe sind, simmer mit ere Hammerussicht belohnt worde, sodass mer die Strapaze vom Ufelaufe schnell wider vergesse hend!

    Wetter
    Aktuell fangt in Huaraz d Regesaison a, dementsprechend hend mir üs vor dem Trek uf Rege igstellt. Wettertechnisch hend mir unglaublich Glück gha, entweder hets gar nöd gregnet oder erst agfange, wenn mir scho im Camp gsi sind und d Sicht a allne Usichtspünkt isch aifach unglaublich gsi!
    Mir hend aber schnell müese feststelle, dass d Nächt seehr chalt sind, vorallem wenn de Schloofsack scho d Hälfti vo de Daunefedere verloore hed. Ja mir hend no nie so chalt gha i de Nacht und au no nie so viel Kleider zum Schloofe agha!

    Gruppe
    Mir sind es chlises, ganz gmischts Grüppli vo 6 Lüt, em Guide und em Donkey Driver gsi und au do hend mir extrem Glück gha. Niemert wo Angst um de Pass hed, niemert wo immer es Bitzli vom Esse übrigloht oder z Gfühl het s git zwenig Protein, niemert wo ständig umeschreit, niemert wo Stei de Hügel abeschmeisst,.. (jo es git würklich uu müehsami Lüt i Gruppe!!)
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  • Day149

    Mutterseelenallein 2/8

    October 22, 2019 in Peru ⋅ ☁️ 4 °C

    Wir waren die allereinzigen heute, die diesen Weg gegangen sind. Keine einzige, weitere Menschenseele zu sehen. Ganz im Gegenteil sogar: Wir sind an vielen Kuh-Skeletten vorbei, eine war noch in ganzer Statue mit Fellfetzen. Noch nie sowas gesehen, war wie in nem Western Film. So verlassen die Gegend hier! Der Touroperator hatte geschätzt, dass jetzt in der Nebensaison immer noch so 20-40 Leute in den Camps mit uns schlafen würden, aber nada! Nur wir!

    Heute sind wir auf 4.700m hoch und sind alle höhenkrank geworden. Sogar der Michael 😳 Wir stopfen uns schon immer Kokablätter in den Mund. Das ist so als würde man sich trockene Eicheblätter in die Wange stopfen und da ne Stunde drauf rumkauen und den Saft runterschlucken. Die Dinger sind mega geil von der Wirkung her. Man merkt sofort wie das flaue Gefühl im Magen mit einem Mal verschwindet. Leider gehen die Kopfschmerzen davon nicht weg. Trotz 2 Ibu hatte ich heute beim Runtergehen und im Camp wieder 5 Stunden lang Kopfdröhnen. Absolut grauenhaft. Wenn das nicht weggeht ist das mein erster und letzter hoher Berg. Das zerrt einfach zu krass an den Nerven. Und ich finde die Alpen mindestens genauso schön. Schöner eigentlich ❤️

    Francisco, unser Guide, hat den Kopf geschüttelt, als er gehört hat, wie wir uns akklimatisiert haben. Joey und Micha waren beim Tour Operator (ich war in der Zeit beim Arzt, fahrlässiger Fehler wie sich herausstellt), und haben, adrenalinhungrig wie die beiden sind, erzählt wie fit wir alle sind und das wir was geiles anstrengendes wollen! Kein Pillepalle Akklimatisierungskrimskrams auf 3.000irgendwas Meter Höhe, wir wollen Höhenmeter sehen, und das sofort! Also hat der Touroperator uns Höhenemeter gegeben:
    Tag 1: Anreise Huaraz, 3.050m, wir machen gar nichts
    Tag 2: Erster Akklimatisierungshike auf 4.600m mit Option auf 5.000m. Merke: Das sind +2.000m an EINEM Tag
    Tag 3: Zweiter Akklimatisierungshike auf 4.600m
    Tag 4-12: Huayhuash Circuit in 9 Tagen. Standard ist 10, angeboten werden auch 14 Tage.
    Wär ich dabei gewesen hätte ich - sicherheitsbewusst wie ich bin - mein angelesenes Wissen gegen diesen Plan gehalten: Ab 3.000m Höhe sollte man pro Tag 300-500 Höhenmeter machen, nicht mehr, sonst droht Höhenkrankheit. Wenn man trotz Symptome (Erbrechen, starker Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, angeschwollene Hände und Füße) weiter nach oben geht kann das starke Schäden verursachen. Ooooh man. Da die Schmerzen bei uns aber immer nur nach dem höchsten Anstieg erscheinen und nach ein paar Stunden wieder verschwinden ist unser Guide völlig unbeeindruckt. Sei normal (für schlecht Akklimatisierte). Ist auch nicht gesagt, dass das weg geht, bei Francisco klingt es sogar eher so, als werden die Kopfschmerzen jetzt Alltagsritual solange wir so hoch in den Bergen sind. Denn einige gewöhnen sich gar nicht dran. Super. 🥴

    Passend zum Abendessen gehts uns allen zum Glück wieder gut. Unser Camp liegt mega schön. Direkt am Wasser und davor die wunderschönen, schneebedeckten Berge! Der donkey driver hat einen Hund dabei der heißt „Tschicketing“ (so spricht man es zumindest aus). Das heißt „klein“ auf Quechua. Der ist noch mega jung und verspielt. Gestern wollte ich auf die „Inka toilet“ (also irgendwo im Freien) und da ist er mir die ganze Zeit gefolgt und an mir hochgesprungen, während ich mit schon halb runtergezogenen Hose da stand. Mega süß aber in dem Moment ein kleines bisschen nervig 😅

    So, es ist 19:51Uhr und wir liegen im Zelt. Schlafenszeit 😜
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Queropalca

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