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  • Day45

    Auf den Spuren von Pablo Escobar

    May 5 in Colombia ⋅ ⛅ 27 °C

    Wir sind jetzt seit 3 Tagen in Medellin und erleben eine aussergewöhnliche Stadt. Dazu schreiben wir in ein paar Tagen. Heute wollen wir ausschließlich von der gestrigen Pablo Escobar Tour berichten.

    Wir wurden um 9.00 Uhr in der Unterkunft von Diego, unserem Guide, abgeholt. Als wir zu ihm ins Auto stiegen ahnten wir noch nicht, wen wir da vor uns haben. Gleich zu Anfang verkündete er uns, dass er Teil des Medellin Kartells war und jahrelang Kokain von Mexiko nach New York schmuggelte. Wahnsinn! Irgendwie war es ein beklemmendes Gefühl bei ihm im Auto zu sitzen, andererseits wahnsinnig interessant, und wie könnte so eine Tour authentischer sein? Natürlich löcherten wir ihn mit Fragen. Ursprünglich war er Fussballspieler und verdiente um die 200 Dollar pro Spiel. Dann wurde er irgendwann von einem anderen Spieler gefragt, ob er nicht so richtig Geld verdienen wolle, und er stieg ein. Da er sowohl die kolumbianische als auch die Staatsbürgerschaft der vereinigten Staaten hat, war er der perfekte Mann für den Schmuggel. In New York hatte er 50 Leute unter sich, somit war er ein Dealer im großen Stil. Zwischen ihm und Pablo Escobar war nur sein Boss gewesen, der ihn nach eigener Aussage immer sehr gut behandelte und bezahlte. Im Alter von 20 Jahren hatte er bereits 2 Millionen Dollar auf dem Konto. Allerdings wurde er geschnappt und verbrachte 12 Jahre im Gefängnis, sein Vermögen wurde natürlich beschlagnahmt. Jetzt macht er also Touren für Touristen!

    Zunächst fuhren wir an den Ort, wo Escobars Haus bis vor 2 Monaten stand. Es war 6-stöckig, früher waren darin Kunstschätze im Wert von 100 Mio. $. Die Regierung von Kolumbien will das Thema Pablo Escobar am liebsten totschweigen und ist gerade dabei, sämtliche Erinnerungen auszumerzen. Dann fuhren wir zum Friedhof, wo Escobar und der Rest seiner Familie begraben sind. Auch hier herrscht reges Interesse, es kommen wohl bis zu 300 Leute am Tag zum Grab. Dann ging es zum Ort, wo er sich die letzten 3 Monate vor seinem Tod verschanzt hatte. Dort wurde er aufgrund langer Telefonate mit seiner Familie von der Polizei aufgespürt. Daraufhin hat sich selbst erschossen oder er wurde erschossen, hier gehen die Meinungen auseinander. Die Wahrheit wird man wohl nicht erfahren. Zuletzt fuhren wir noch in das Pablo Escobar Viertel. Dort hat er 860 Häuser für Arme gebaut und verschenkt. Deswegen wird er dort nach wie vor wie ein Heiliger gefeiert, in vielen Häuser hängt statt einem Bild von Jesus eines von Pablo Escobar. Viele vergessen dabei scheinbar völlig, wie viele Menschen er auf dem Gewissen hat. Hier gibt es sogar ein winziges Museum das in Privatbesitz ist, was der Regierung ein Dorn im Auge ist.

    Unser Guide hat trotz seines Hintergrundes versucht, die Person Pablo Escobar so neutral wie möglich zu beschreiben. Wir fanden, dass es extrem informativ und authentisch war. Das Thema hat uns so beschäftigt, dass wir abends auf Netflix anfingen die Serie “Narcos“ zu schauen.
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