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  • Day229

    “Ooooh Caaaanadaaaa!”

    January 10 in Canada ⋅ ☁️ 4 °C

    Manchmal kommt man in ein Land oder an einen Ort, an dem es einem direkt gefällt und man sich sofort wohl fühlt. Genau so ein Land ist Kanada. ❤️ Nachdem ich hier mal ein Auslandssemester lang gewohnt hab stand für mich fest, dass Kanadier die freundlichsten Menschen auf der ganzen Welt sind. 7 Jahre später hat sich beim erneuten Kanadabesuch nichts an dieser Feststellung geändert. Wir sind noch nicht mal ausm Flughafen raus und sind schon wieder so begeistert!

    Wir steigen ausm Flugzeug und stehen vorm kanadischen Grenzbeamten. Aus Amerika weiß man, dass das die grummeligsten Leute schlechthin sind, die nur in kurzen Befehlssätzen oder misstrauischen Durchlöcherungssätzen sprechen können („Passport“, „Where are you going?“, “Why?“, schiefer Blick) Hier in Heile-Welt-Kanada läuft das ganz anders. Micha und er liefern sich einen Schlagabtausch in allen ihnen bekannten Sprachen, um uns einreisen zu lassen. Der Beamte startet mit „Passports, please/passeports s'il vous plaît“ auf englisch und französisch, da in Kanada beide Sprachen offizielle Landessprachen sind. Micha antwortet, gerade aus Chile kommend, auf spanisch. Der Grenzbeamte kann auch spanisch und als er unsere deutschen Pässe sieht auch deutsch, und so kramen die beiden all ihr zur „Wir-stehen-an-der-Grenze-und-spielen-Einreise-nach-Kanada“-passendes Vokabular in englisch, französisch, deutsch und spanisch raus, bis der Grenzbeamte zum dritten Mal „está bien“ auf spanisch sagt. Sympathischer Mann, der kann also genauso viele spanische Wörter sagen wie wir, verschmitzt beendet er das Gespräch mit „I think we covered them all”. Wir drei lachen und reisen in Kanada ein. Ein tolles Land. Ich glaube, ich war zu diesem Zeitpunkt schon wieder überzeugter Fan. 😄

    Ich frage den Gepäckbandmanager nach meinem Rucksack, der liegt nämlich leider nicht aufm Gepäckband (sondern, wie sich rausstellt, beim sperrigen Gepäck...). Er guckt mich an und grinst: „Are you from Texas? Hahaha“ Ich hab meinen Sombrero aus Kolumbien auf, damit ich die Hände fürs Gepäck hieven frei hab. „Hahaha, neeee, der kommt aus Kolumbien.“ ‚Achso, naja, für ein authentisches Texas-Outfit würde hier um den Oberkörper ja auch noch die Knarre fehlen, hahaha.‘ Verrückt! Wir befinden uns am Flughafen, Knarrenwitze sind hier im Heile-Welt-Land offensichtlich noch erlaubt.

    Wir sprechen mit einer Frau von Canada Air, die, wie sie uns nach Beendigung des Gesprächs sagt, findet, dass wir ein wunderschönes Paar sind und ganz toll zusammen aussehen. Sie beobachte hier immer Paare und beurteile dann, ob diese zusammenpassen oder sich einer der Partner besser mit einem anderen Passagier matchen lasse. Hahaha, mega witzig, dass würd ich glaube ich auch machen, wenn ich einen Job am Flughafen hätte. 😂 Sehr erfrischend auf jeden Fall, von so einer Expertin am frühen Morgen ein so schönes Kompliment zu kriegen. 😜

    Um 10Uhr morgens wollen wir ne Walking Tour mitmachen, leider scheint diese auszufallen, keiner außer uns ist am Treffpunkt. Wir stehen draußen vorm Tim Hortens, dem kanadischen Pendant zum amerikanischen Starbucks, und googlen mit dem sich dort befindlichen Free Wifi wo es stattdessen hingehen soll, als uns eine Frau anspricht. Wir finden das beide so spektakulär, so hilfsbereit, es muss daran liegen, dass wir diese ungefragte Hilfsbereitschaft in den letzten Monaten in Südamerika nicht erfahren haben. Wie ärgerlich, dass die Tour ausfalle, sagt die Frau, da vorne am Brunnen würden sich sonst immer welche treffen, schade schade, denn wir hätten so Glück mit dem Wetter! Micha und ich denken so: Glück? Kanada im Januar, es ist 0°C und wir findens rattenkalt. Die Frau belehrt uns eines besseren, denn vor ein paar Tagen seiens noch -19°C gewesen und für morgen sei ganztägig Eisregen vorhergesagt. Na dann, was für ein Glück!

    Zum Mittagessen gehen wir in einen Laden, den uns bei der Walking tour in Santiago die Kanadierin aus Toronto empfohlen hatte. Seven lives. Beste Tacos ever, sagte sie. Während wir am kleinen, jedoch einzigen Tisch des mega kleinen Ladens sitzen, kommen wir mit den zwei Kanadiern in Kontakt, die neben uns sitzen und uns gratulieren, dass wir hier sind, denn hier gäbe es die besten Tacos überhaupt, seit 10 Jahren kommen die beiden hier wöchentlich hin. Partnerwechsel, es sitzen erneut zwei Männer neben uns, mit denen wir ebenfalls ins Gespräch kommen. Ist das schön, die Landessprache zu sprechen! Ich stelle fest, das Verstehen aller Gespräche um mich herum und ungefragte sich-einschalten-können in diese Gespräche hat mir wirklich gefehlt!

    Am Ende des Tages haben wir mit so vielen Einheimischen gesprochen, wie in Südamerika in einem Monat nicht. Es ist einfach so viel wertvoller, wenn man die Landessprache spricht! Erst jetzt tritt Reue ein, dass ich Schussel Spanisch nicht stärker forciert hab. Der Aufenthalt in Südamerika wär auf jeden Fall noch besser geworden, wenn wir uns richtig mit Einheimischen hätten unterhalten können.
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